AVENGERS: ENDGAME

„Everything’s gonna work out exactly the way it’s supposed to.“

Avengers: Endgame ~ USA 2019
Directed By: Anthony Russo/Joe Russo

Nach Thanos‘ (Josh Brolin) das gesamte Universum in Mitleidenschaft ziehendem Sieg macht der gemeinsam mit Nebula (Karen Gillan) im All treibende Tony Stark (Robert Downey Jr.) sich zum Sterben bereit, wird jedoch in allerletzter Sekunde von der zur Hilfe eilenden Carol Danvers (Brie Larson) gerettet. Die nunmehr verbliebenen Avengers machen den wahnsinnigen Titanen auf seiner Zufluchtswelt ausfindig, nur um von ihm zu erfahren, dass dieser die Infinty-Steine nach der erfolgreichen Ausführung seiner Pläne samt und sonders zerstört hat. Der kurzgeschlossene Thor (Chris Hemsworth) enthauptet Thanos daraufhin.
Fünf Jahre später versuchen die Menschen der Erde noch immer verzweifelt, mit ihren Verlusten zurecht zu kommen und auch die Avengers haben sich sehr verändert. Tony und Pepper (Gwyneth Paltrow) haben geheiratet und leben mit ihrer kleinen Tochter (Lexi Rabe) abgeschieden auf dem Land. Steve Rogers (Chris Evans) betreibt unermüdliche Trauerarbeit für Kleingruppen, der aus dem Leim gegangene Thor entlädt seinen Frust in Alkohol und irdischem Slackertum. Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) kümmert sich gemeinsam mit den auf der Erde gestrandeten Rocket und Nebula sowie Jim Rhodes (Don Cheadle) und T’Challas (Chadwick Boseman) überlebender Kriegerin Okoye (Danai Gurira) um die internationale Sicherheit und sucht parallel dazu nach Clint Barton (Jeremy Renner), der sich nach dem Tod seiner kompletten Familie als global operierender Vigilant im Untergrund bewegt. Bruce Banner (Mark Ruffalo)  hat indes seine „Hulk“-Persönlichkeit gezähmt und sie zum festen Bestandteil seines menschlichen Wesens gemacht. Der erst nach all dieser Zeit aus der Quantenrealität zurückkehrende Scott Lang (Paul Rudd), dessen Aufenthalt in der Mikrowelt ihm wie fünf Stunden erschienen, sucht die Avengers auf und legt ihnen eine letzte Möglichkeit nahe, Thanos‘ Auslöschungen rückgängig zu machen: die Zeitreise. Der unter Behelf von Tony Starks Genie bald entwickelte Plan sieht vor, in Kleinteams zu jenen Punkten in der Vergangenheit zurückzugehen, an denen man der Infinity-Steine am Günstigsten habhaft werden kann. Doch lauern in der Vergangenheit auch Thanos und dessen ihm damals noch ergebene Tochter Nebula, die durch deren zukünftiges Pendant um die Pläne der Avengers erfahren und Gegenmaßnahmen ergreifen…

Erwartungsgemäß endet diese „Phase 3“ des MCU nicht nur mit einem ausgedehnten Knall, sondern markiert weiterhin gewissermaßen einen Endpunkt der gesamten bisherigen MCU-Historie seit „Iron-Man“, in ihrer Gesamtheit auch als „Infinity-Saga“ bezeichnet. Zu diesem Zweck greift der Plot von „Avengers: Endgame“ geschickt zurück in die Ereigniswelten der zurückliegenden Abenteuer und stellt damit nochmals die größte narrative Stärke des MCU heraus, die ihre Kraft eben auch der nochmals sehr viel ausufernderen Konzeption der Comic-Welten verdankt: Die Verknüpfung inhaltlicher Details und Momente aus 21 Filmen in elf Jahren, einem gewaltigen, in der Geschichte des Kinos in dieser Form bislang einzigartigen Erbe. Die Sorge dafür, dass jene Brückenschläge sinnvoll und reibungslos ablaufen, wäre wiederum ein hervorzuhebendes Qualitätsmerkmal des MCU, dass sich spätestens mit „Endgame“ zu einem geschlossenen (wenngleich nicht abgeschlossenen), bunten Fresko ausweitet, das nunmehr, da es vollendet wurde, beinahe den Anschein einer seit Anbeginn minutiösen Planung hinterlässt.
Gewiss ist der Film zuvorderst ein direktes Sequel zu „Infinity War“, dessen brutales Finale ja bekanntermaßen ein großes Quantum an liebgewonnenem Figureninventar zu Staub zerfallen ließ und das weder die Fans noch die Avengers in solch „finiter“ Konsequenz auf sich sitzen lassen konnten. So geht nun „Endgame“ als zwangsläufig aufgefächerter Mehrakter in sein Endspiel: Nach der ersten Berappelung und der Rache an Thanos folgt  ein Zukunftssprung um fünf Jahre, die nur wenige Wunden zu heilen vermögen. Dank Scott Lang reifen dann die Pläne um einen doch noch optionalen Sieg über die Endgültigkeit des Schicksals. Mittels eines – wie könnte es anders sein – etwas wackeligen Zeitreiseplots reisen die Helden dann zu zwei bzw. drei Punkten in der Vergangenheit, um sich in den Besitz der Steine, nach wie vor klassische MacGuffins, zu bringen und stolpern dort natürlich über turbulente (New York) bis dramatische (Kosmos) Unwägbarkeiten. Es folgt die Mutter aller Superheldenschlachten, quasi ein filmgewordenes Gemälde von John Buscema, Jim Starlin, Ron Lim, George Pérez und Alan Davis in kombinierter Reinkultur, auf den Ruinen des von Thanos in Asche gelegten Avengers-Hauptquartiers. Die Gänsehäute überbieten sich, wenn nunmehr endlich sämtliche der bekannten (wiedererweckten) Heroinen und Heroen, inklusive einer gerüsteten Pepper Potts und einer wiederum im letzten Augenblick auftauchenden Captain Marvel, mitsamt ihren Armeen aus asgardianischen Walküren und Wakanda-Kriegern, um den neuen Infinity-Handschuh kämpfen und Thanos‘ Streitmacht eine herbe Schlappe zufügen. Leider versäumte man in diesem doch so naheliegenden Zusammenhang die Chance, die Defenders aus den Netflix-Serials zumindest für ein Cameo mit ins Boot zu holen – ein solcher hätte gewiss für (berechtigte) frenetische Ekstaseschreie zu sorgen vermocht. Bei mir zumindest. Natürlich gibt es in der Folge ein, um nicht zu sagen das große(s) Heldenopfer zu beklagen, dessen Trauerfeier und Auswirkungen den letzten, tränenschürenden Abschnitt des Films bestimmen. Die Wunden wollen geleckt sein, doch die Türen für die nächste, große Saga nebst den noch Aktiven und ihren Nachfolgern finden sich bereits leise und ganz wie nebenbei geöffnet.
Darüber, dass „Endgame“ zumindest für den Moment „Avatar“ als den bis dato erfolgreichsten Blockbuster abgelöst hat, mag ich, auch wenn es mich aus mehrerlei Gründen in Hochstimmung versetzt, keine weiteren, grübelnden Worte verlieren. Allein die Tatsache, das MCU infolge eines seiner schönsten Produkte weiterhin derart kassenstark und damit zukunftsgewappnet zu wähnen, genügt mir für den Moment. Ich für meinen Teil werde mit ganz viel aufrichtiger Liebe für das Erreichte und ebenso für das noch zu Erreichende am Ball bleiben. Bis hierher: Danke.

9/10

CAPTAIN MARVEL

„I’ll be back.“

Captain Marvel ~ USA 2019
Directed By: Anna Boden/Ryan Fleck

Zwischen den extraterrestrischen Imperien der Kree und der Skrull tobt ein ewiger Krieg. Während einer Rettungsmission geraten die ursprünglich von der Erde stammende, jedoch amnesische Kree-Soldatin Vers (Brie Larson) und ihre fünfköpfige Crew in einen Hinterhalt der Skrulls, die aufgrund ihrer Fähigkeit zur Gestaltwandlung strategische Vorteile genießen. Bei der anschließenden Flucht strandet Vers auf ihrem Herkunftsplaneten,  im Los Angeles des Jahres 1995. Dort findet sie sich zunächst kaum zurecht, bis sie auf S.H.I.E.L.D. und dessen Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) trifft. Gemeinsam mit Fury und verfolgt von dem Skrull Talon (Ben Mendelsohn) macht sich Vers auf, ihre Vergangenheit zu entschlüsseln, wobei ihr ihre frühere beste Freundin Maria Rambeau (Lashana Lynch) behilflich ist: Einst war Vers die Kampfpilotin Carol Danvers, die seit sechs Jahren als tot gilt. Die Militär-Wissenschaftlerin Wendy Lawson (Annette Benning), an die Carol sich in ihren träumen erinnert, war in Wahrheit die abtrünnige Kree-Soldatin Mar-Vell, die kriegsmüden Skrull-Fküchtlingen einen sicheren Zufluchtsort verschaffen wollte, dann jedoch von dem Kree Yon-Rogg (Jude Law) entdeckt und getötet wurde. Just bei diesem Anschlag übertrug sich eine gewaltige Menge Energie aus dem in Mar-Vells Händen befindlichen Tesserakt auf Carol – der Ursprung ihrer Kräfte. Nachdem Carol abermals den Kree in die Hände fällt und verhört wird, gelingt es ihr, ein Regulierungsimplantat zu entfernen und so das volle Potenzial ihrer Macht zu entfalten. Im Alleingang nimmt sie es mit einer die Erde bedrohenden Kree-Flotte auf und verlässt ihren Heimatplaneten abermals, um den Konflikt zwischen Kree und Skrulls endgültig zu beenden – nicht jedoch, ohne Fury eine Kontaktmöglichkeit und den Tesserakt zu hinterlassen.

Eine Menge an inhaltlichem Holz präsentiert dieser „Avengers: Endgame“ vorbereitende MCU-Beitrag, der natürlich auch auf den „geheimnisvollen“ Cliffhanger aus „Infinty War“ rekurriert, in dem der sich just im Auflösen befindliche Fury gerade eben noch jenen mysteriösen Pager mit Starforce-Symbol bedienen kann, das Comicleser natürlich schon seit nunmehr rund fünfzig Jahren zu identifizieren wissen. Die ursprüngliche Geschichte von Mar-Vell, der als Captain Marvel gegen seinen früheren Freund Yon-Rogg, die Skrulls und natürlich Thanos zu kämpfen hatte, der als erster Superheld überhaupt einen spektakulären Tod (durch ganz profanen, irdischen Krebs) im Zuge einer wunderschönen Graphic Novel von Jim Starlin fand und, als einer der wenigsten seiner Zunft, seither nicht wiederauferstanden ist, ignoriert der Film kurzerhand, stellt sie auf den Kopf und widmet sich stattdessen Mar-Vells Nachfolgerin Carol Danvers. Die eigentliche zweite Captain Marvel, die Polizistin Monica Rambeau, tritt im Film als kleines Mädchen und Tochter von Carols bester Freundin (Akira Akbar) auf, was bereits darauf hindeutet, dass ihr künftiges, erwachsenes alter ego später noch eine wichtige Rolle bekleiden könnte. Auch sonst stellt sich „Captain Marvel“ also primär in den Dienst der veränderten MCU-Continuity und der nötigen Aufgabe, Thanos in Kürze ein ordentliches Pfund entgegensetzen zu können.
Freilich zählt „Captain Marvel“, trotz eines längeren Zwischenspiels auf der Erde, zu den Weltraum-Ablegern des MCU, ebenso wie die „Guardians Of The Galaxy“ oder „Thor: Ragnarok“, in denen bunte Laserstrahlen und interplanetarische Dimensionswirbel in den schillerndsten, halluzinogenen Farbmixturen durchs All zucken und wabern. Weder bietet er jedoch den kontextualisierten Witz der vorgenannten Beispiele noch deren spürbar innige Liebe zu ihren Figuren auf; vielmehr ist er krampfhaft darum bemüht, der nach wie vor männlich dominierten Superhelden-Mythologie, analog zu DCs „Wonder Woman“, mehr wuchtige Frauenschlagkraft zu verabreichen und etabliert damit zugleich eines der mächtigsten Wesen im MCU überhaupt, das im Finale so dermaßen rigoros im Kosmos herumholzt, dass Han Solo angesichts dessen eine Kiefersperre bekäme. Gedanke und Idee sind ergo völlig okay, nur mangelt es dem Film am Wesentlichen, was die letzten MCUs so schön machte: Den vielen, kleinen, echten Gänsehautmomenten. Relativ ungerührt nimmt man diesmal zur Kenntnis, was da in der üblichen audiovisuellen Perfektion dargeboten wird und wünscht sich mehr konzise Konzilianz. Die Kree kennen wir bereits, die Skrulls werden (überraschend differenziert immerhin) eingeführt. Ein verjüngter, haupthaariger Nick Fury, dessen charakteristische Augenklappe noch fehlt und der, ungewohnt begeisterungsfähig, unentwegt der Alienkatze Goose seine Putzigkeitsaufwartungen macht, ist gewiss nicht unwitzig, als Bindeglied zum gewaltigen Rest jedoch ein wenig wacklig. Zudem muss ich sagen, dass ich ganz persönlich mir anstelle von Annette Benning einen adäquateren Mar-Vell gewünscht hätte – immerhin handelt es sich bei ihm um eine meiner Lieblingsfiguren seit Kindheitstagen. Hätte man nicht wen anders nehmen können – Aaron Eckhart etwa? But this had to be a women’s thing, obviously and particularly.

7/10

AVENGERS: INFINTY WAR

„You should have gone for the head.“

Avengers: Infinty War ~ USA 2018
Directed By: Anthony Russo/James Russo

Für seinen Infinity-Handschuh, der ihm vollbesetzt göttliche Allmacht verliehe und es ihm möglich machte, sein Vorhaben betreffs einer Sanierung des gesamten Universums zu realisieren, fehlen dem wahnsinnigen Titanen Thanos (Josh Brolin) noch vier der sechs Ewigkeitsjuwelen: Der Zeitstein, der im Besitz des Okkultisten Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist, der Gedankenstein, der dem Androiden Vision (Paul Bettany) seine menschliche Seele und damit zugleich seine Existenz verleiht, der Realitätsstein, den der außerirdische Artefaktesammler Collector (Benicio Del Toro) verwahrt und schließlich der Seelenstein, den der auf dem Planeten Vormir gestrandete Red Skull (Ross Marquand) unter Bewachung hält. Gemeinsam mit seinen Vasallen, der „Black Order“, den monströsen Outriders, und seiner mit jedem eroberten Stein anwachsenden Macht über Raum, Zeit und Realität, gelingt es Thanos, trotz der vereinten Gegenwehr der Avengers und der Guardians Of The Galaxy, sämtliche Juwelen in seinen Besitz zu bringen und seinen irrwitzigen Plan, die Hälfte aller Lebewesen des Kosmos zu beseitigen, um diesen vor sich selbst zu schützen, in die Tat umzusetzen.

Dieses gewaltige filmlogistische Unterfangen, das gemeinsam mit seinem kommenden Nachfolger zugleich Höhepunkt und Abschluss der ersten, nunmehr dreizehn Jahre andauernden und zwanzig Kinofilme umfassenden MCU-Phase zugleich krönen und abschließen soll, erfüllt die vielerorts an es gestellte, hohe Erwartungshaltung durchaus behende. Die stille Prämisse, dass in dem Superhelden-Clash die meisten der bislang vorgestellten Charaktere ein Plätzchen bekommen, vermochten die Russo-Brüder, die zuvor bereits mit zwei „Captain America“-Filmen unter Beweis stellen konnten, dass sie derart herausfordernde Unternehmungen zu stemmen im Stande sind, weitgehend einzulösen. Da der jüngste „Ant-Man“-Film und die eigentliche MCU-Nr.-20 sich den Ereignissen in „Infinity War“ leider erst in den end credits untermengt, ist eben der Kontinuität geschuldet, hat allerdings zur Folge, dass Scott Lang und seine Freunde in diesem Film noch keinen Platz bekommen konnten. Umso bedauerlicher fand ich es, dass man nicht die sich bietende Chance genutzt und das street level der Web-Serials in „Infinity War“ berücksichtigt hat. Aber das bin nur ich. Wenn diese überkandierte, halluzinogene Wundertüte der Russos ein -vermeintliches – Problem hat, dann ist es ohnehin seine mehr oder weniger zwangsläufig in die Episodenhaftigkeit dividierende Struktur. Hätte sich überhaupt da noch eine weitere Ebene einflechten lassen, in der Netflix-Defenders räudige Monsteraliens vermöbeln? Der Film müsste dann mindestens noch eine halbe Stunde länger sein. Doch halt – genau so verfahren die klassischen Comics (und auf einem von denen basiert „Infinity War“ schließlich) ja auch: Kleinere Teamabspaltungen versuchen, Pars-Pro-Toto-Probleme an unterschiedlichen Orten zu lösen. So war das früher nunmal, als ausgeflippte, hippieeske Visionäre wie Jim Starlin noch ihre überbordende New-Age-Phantasie mit Superhelden-Universen kreuzen durften. Und wer dann noch bemängelt, dass der Film ja gar kein wirkliches Ende hat, sondern mittels eines cliffhangers auf seinen von Anfang an avisierten Nachfolger verweist, der hat sowieso nichts kapiert.
Ich habe als Filmfreund ja immer das – zugegebenermaßen leicht neurotisch angehauchte Problem, mich als ausgesprochener Liebhaber des MCU permanent rechtfertigen zu müssen; im Alltagsdialog, gegenüber Freunden, dem cinephilen Netzwerk auf Facebook, manchmal, in schwachen Momenten, sogar vor mir selbst. Wer das Kino liebt, der, so scheint mir, muss das MCU schon aus Prinzip belächeln, langweilig, einfallslos, infantil und dumm oder gar verwerflich finden, verachten, oder kurz: hassen. Es fällt selbst mir, dem Fels in der Brandung, tatsächlich leichter, gängige Negativattribute zu bfinden und aufzuzählen. Die Crux ist ja offensichtlich, immerhin walzt hier vor allem eine ungeheure Geldmaschinerie vor sich her, ein kommerzieller Fliegenvorhang, der der gesamten Mainstream-Kinolandschaft seinen unausweichlichen Stempel aufdrückt. Neue Franchises schießen überall wie Pilze aus dem Boden, auch andernorts werden Handlungsbögen gespannt, narrative Pseudo-Komplexitäten zwangsetabliert, die natürlich niemals auch nur annähernd den monströsen Background von sechs Jahrzehnten Comic- und, ja, Literaturhistorie aufwiegen könnten. Das kann kein „Star Trek“ und kein „Star Wars“ und auch nichts sonst. Und vor allem das DCEU versagt weiterhin kläglich und macht, zumindest, was seine ins Leere laufenden Bemühungen anbelangt, dem filmischen Ideenpool von Marvel das Wasser zu reichen, alles falsch, was man nur falsch machen kann. Das MCU jedoch stemmt sein Erbe ungebrochen weiter und gehört mit all seinen Ausläufern für mich, und jetzt apologisiere ich schon wieder fleißig, obwohl ich’s mir doch schenken wollte, weiterhin zum Schönsten, Strahlendsten und Erfreulichsten, was ich Zeit meines Lebens an filmischer Emission erleben durfte. Hier fühle ich mich immer wieder wie zu Hause und, was fast noch wichtiger ist, gut dort angekommen. Möge das MCU noch lange Bestand haben und weiterhin so bunte Blüten treiben. Ich werde mich ebenso tapfer an deren Liebreiz erfreuen, und wenn ich mich damit noch so wenig ernstgenommen fühlen muss.

9/10

MILES AHEAD

„Convince me.“

Miles Ahead ~ USA 2015
Directed By: Don Cheadle

New York, 1979. Gesundheitlich stark angeschlagen, nahezu völlig ausgebrannt und noch immer unter der Trennung von seiner Ex-Frau Frances (Emayatzy Corinealdi) leidend vegetiert der legendäre Jazz-Trompeter Miles Davis (Don Cheadle) in seinem Haus in der Upper West Side dahin; nahezu völlig zurückgezogen von der Außenwelt, Tantiemen von seiner Hausplattenfirma Columbia und Vorschüsse auf neues Material kassierend, das sich aber nicht recht zuwege bringen lassen mag. Sein täglicher Kokain- und Alkoholbedarf erreicht beträchtliche Höhen, als der freie Journalist Dave Braden (Ewan McGregor) sich aufmacht, Davis‘ Elfenbeinturm zu knacken. Durch Bradens nicht uneigennützige, aber doch freundlich intendierte Einmischung in des Genies Privatleben gelangt ein von Davis sorgsam verwahrtes session tape mit neuen Aufnahmen in die Hände des schmierigen Agenten Hamilton (Michael Stuhlbarg), der damit die Karriere seines jungen, heroinsüchtigen Schützlings Junior (Lakeith Lee Stansfield) pushen möchte. Braden und Davis haben alle Hände voll zu tun, das Tape zurückzubekommen.

Don Cheadles ehrgeiziges Projekt über den bis dato wahrscheinlich größten Jazz-Trompeter überhaupt konnte nur durch jahrelange Vorbereitung und teilweise Crowdfunding-Finanzierung entstehen. Auch die Beteiligung McGregors als neben Cheadle einzigem wirklich prominenten Star floss etwas Patte in die Budgetkasse. Dabei ist „Miles Ahead“ kein Musiker-Biopic im klassischen Sinne oder nach etablierter Form. Für seinen Abriss über die Legende wählte Cheadle vielmehr eine völlig fiktive Geschichte nebst einer fiktiven zweiten Hauptfigur in Person des ebenso aufdringlichen wie ehrgeizigen, britischstämmigen und weißen Journalisten als idealisiertem Konterpart des zu diesem Zeitpunkt längst gottgewordenen Genies. Eine etwas alberne – vom Script allerdings genau als solche verstandene – Episode über ein als klassischer MacGuffin eingesetztes Band mit „geheimen“ Aufnahmen, das in unberechtigte Hände fällt und zurückerobert werden will, dient dabei als Aufhänger für ein betont subjektiv gefärbtes Porträt Davis‘, das sich ans Ende einer seiner schwierigsten, persönlichen Phasen stellt. Nach einer letzten Live-Performance im September 1975 verschwand er für annähernd sechs Jahre vollständig von der öffentlichen Bühne; seine permanenten Auftritte, der zunehmend extremer und anstrengender werdende Freistil seines Sounds und die körperlichen Folgen des Ganzen forderten ihren Tribut. Schwere Suff- und Drogenexzesse folgten, die bereits darvon hindeuteten, dass Davis in Kürze nur noch im Jazzhimmel würde aufspielen können. 1979 jedoch trat er er dank der reaktivierten Beziehung zu der Aktrice Cicely Tyson aus seiner Höhle zurück ans Tageslicht und schaffte immerhin noch weitere zwölf Jahre. Im Film ist der von Cheadle ziemlich leidenschaftlich interpretierte Davis ein formvollendeter Misanthrop und Polytoxikomane, der über all seinen Selbstekel hinaus immerhin den Zynismus noch nicht eingebüßt hat. McGregors Figur zerrt ihn zumindest in Teilen aus der selbstgewählten Lethargie, obschon der gesamte Nebenplot wie erwähnt etwas flachsig daherkommt. Das schadet „Miles Ahead“ aber, wenn überhaupt nur wenig. Man wird dafür mit geraum viel entlohnt, mit einem Gespür für die zugrunde liegende Zeit, mit traumhafter Musik, einem grandiosen Hauptdarsteller und zugleich Regisseur, von dem hoffentlich künftig noch ähnlich Schönes zu sehen sein wird.

8/10

CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR

„We fight.“

Captain America: Civil War (The First Avenger: Civil War) ~ USA/D 2016
Directed By: Anthony Russo/Joe Russo

Ein Einsatz der Avengers in Nigeria gegen den Terroristen Crossbone (Frank Grillo) endet abermals mit gewaltigen Zerstörern und etlichen toten Zivilisten – „Kollateralschäden“, wie sie der Diplomatenjargon zu bezeichnen pflegt. Grund genug für die UN, allen voran General Thunderbolt Ross (William Hurt), der Heldentruppe ein Dekret aufzuerlegen, dem zufolge sie ab sofort nurmehr in „offiziellem“ Auftrag, und nicht wie bisher nach eigenem Gutdünken agieren sollen. Jedes einzelne Avengers-Mitglied soll das durch seine Unterschrift bestätigen. Während jedoch Tony Stark (Robert Downey Jr.), noch immer bewegt von den Ereignissen in Sokovia, dem Erlass zustimmt, fühlt sich Steve Rogers (Chris Evans) durch ihn in seiner freien Entscheidungswahl eingeschränkt und fürchtet, zu einem weiteren Instrument militärischer Willkür degradiert zu werden. Parallel zu diesen Ereignissen intrigiert der rachsüchtige Baron Helmut Zemo (Daniel Brühl), der in Sokovia seine Familie verloren hat, gegen die ohnehin vom Bruch bedrohten Avengers, indem er einen alten HYDRA-Geheimbefehl, der Rogers‘ besten Freund Bucky (Sebastian Stan), alias „Winter Soldier“ als Attentäter reaktiviert, ausfindig macht und diesen bei einer Ratifizierungssitzung der UN in Wien zuschlagen lässt. Die Aktion entzweit Stark und Rogers endgültig und beide scharen eine Gruppe jeweils Gleichgesinnter um sich, um gegen den anderen vorzugehen. In Leipzig kommt es zur Konfrontation, die teils unentschieden, jedoch mit der Arretierung von Rogers‘ Kameraden ausgeht. Als Stark schließlich herausfindet, dass Bucky für die 25 Jahre zurückliegende Ermordung seiner Eltern verantwortlich ist, kommt es zum letzten Gefecht gegen Rogers.

Emotional aufgeladener und sehr viel involvierender als der letzte nominelle „Avengers“-Film ist die Bezeichnung von „Civil War“ als zweites Sequel der „Captain America“-Reihe und dreizehnter Beitrag zum MCU-Franchise eigentlich eher unglücklich. Zwar wird die Geschichte von Steve Rogers‘ ehemaligem Sidekick Bucky Barnes, der ja ein ziemlich unerfreuliches Schicksal als Schläfer für die Terrororganisation HYDRA führen musste, weitererzählt, andererseits bietet dieser jüngste Film der Gebrüder Russo allerdings ein solch gewaltiges Superheldenaufkommen auf, wie man es bisher im Kino nicht zu sehen bekam. Ganze zwölf Marvel-Helden treten zum Gefecht an, Caps Freundin Sharon Carter und den in den späteren Comics zum „Red Hulk“ mutierenden General Ross noch gar nicht mitgezählt. Ein feuchter Traum für jeden MCU-Apologeten. Mit der 2006 in Printform erschienenen „Vorlage“ von Mark Millar hält dieses Aufgebot fraglos nicht (ganz) mit. Darin ging es auch um etwas Geflissentliches Anderes; die stark unorganisiert arbeitende Superheldengemeinde sollte nämlich dazu angehalten werden, sich öffentlich zu demaskieren, beziehungsweise, so nicht längst geschehen, ihre jeweiligen Geheimidentitäten preiszugeben – ein nicht minder pikantes Problem; für das MCU jedoch, in dem zumindest für die Avengers das Problem des verborgenen Privatlebens wenn überhaupt einen zweit- bis drittrangigen Diskurs darstellt, im Prinzip keine Option. Die vielen anderen Helden, die Millars „Civil War“ involvierte, darunter freilich Daredevil, die Fantastic Four oder die X-Men, muss der Film aus den altbekannten Gründen ebenso verzichten wie auf einige wesentliche dramatische Wendungen, darunter einen der Identitätslüftung als Pionier vorreitenden Peter Parker, oder einen von Stark erschaffenen Thor-Klon, der den Helden Goliath tötet. Man sollte „Civil War“, den Film, demzufolge weniger als eine Adaption der Mini-Serie betrachten, denn als notdürftig umfunktionalisierte Variation, die sich den Gegebenheiten und Beschränkungen des Kino-Universums anzupassen hat. Als solche ist das Werk jedoch ganz großes, sich selbst zelebrierendes Spektakel, das die Arschwangen jedes Superheldenanhängers zum Leuchten bringen sollte. Scott Lang aka „Ant-Man“ (resp. „Giant-Man“) und T’Challa alias „Black Panther“ kommen in größerem Rahmen zum Einsatz und gewiss wird die Integration von „Spider-Man“ ins MCU, rückdatiert als geschwätziger, unreifer Teenager, ordentlich abgefeiert. Dass Spidey nochmals als Generikum aufgestellt wird, nachdem die Figur in den letzten sechzehn Jahren ja bereits ganze zwei  (und jeweils hinreichend umfassende) Kino-Exegesen nebst Origin erlebt hat, mag sich geflissentlich redundant auswirken, ist jedoch allemal besser als ein gänzlicher Verzicht auf den ikonischen Charakter. Thor und Hulk, die für ein ziemliches Ungleichgewicht der Kräfte gesorgt hätten, werden praxishalber ausgespart.
„Civil War“ transportiert auch ein bisschen was von der beliebten Phrase ’nomen est omen‘. Er wird einmal mehr all jenen reichlich Studentenfutter geben, die in den fraglos unmenschlich hoch budgetierten Geschäftemachereien des MCU die Vorboten eines massenkulturellen Armageddon wähnen und eine Privatprofession daraus machen, ihnen demonstrativ gelangweilt die zwischen enerviert und unterkühlt befindliche Schulter zu zeigen. Caps Fraktion quasi. Dann gibt es aber eben auch noch uns, die anlässlich eines jeden neuen Superheldenfilms bereitwillig in infantilisierte Regression verfallen und sich damit ein kleines Stück vom Glück erobern (so es sich dabei nicht gerade um „Deadpool“ handelt zumindest). Die, die die Scheiße an festlich gedeckter Tafel fressen und sich dabei auch noch vorkommen wie Gourmets. Die Iron Men. Oder auch die cineastischen small-timer, die Schmeißfliegen. Bin ich eben eine von denen. Dafür hatte ich knappe zweieinhalb großartige Stunden lang meinen Spaß, und das nicht zu knapp.

9/10

AVENGERS: AGE OF ULTRON

„Nothing makes sense.“

Avengers: Age Of Ultron ~ USA 2015
Directed By: Joss Whedon

Nachdem die Avengers in dem osteuropäischen Kleinstaat Sokovia den „Hydra“-Kopf Baron von Strucker (Thomas Kretschmann) in seiner Festung ausfindig gemacht, besiegt haben und ihm Lokis magisches Zepter abgenommen haben, erwachsen ihnen in den Zwillingen Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro Maximoff (Aaron Taylor-Johnson) zwei gefährliche neue Feinde. Genetisch durch von Struckers Menschenexperimente verändert, besitzt Wanda gewaltige telepathische und telekinetische Kräfte, derweil Pietro über Supergeschwindigkeit verfügt. Eine von Wanda über Tony Stark (Robert Downey Jr.) ausgeschüttete Vision vom Ende der Welt lässt den eigenwilligen Wissenschaftler mithilfe des eroberten Zepters an einer neuen, künstlichen Intelligenz arbeiten, die im ausgereiften Zustand als Friedensbewahrer über die gesamte Erde wachen soll. Doch es kommt zu einer Fehlfunktion und „Ultron“ macht sich selbstständig. Wie weiland Frankensteins Monster sieht der wahnsinnige Android in seinem Schöpfer die persönliche Nemesis und in der Menschheit in ihrem gegenwärtigen Zustand die größte Bedrohung des Planeten. Ein erster Schlag Ultrons mithilfe der sich auf seine Seite schlagenden Maximoffs entfesselt den Hulk, der beinahe eine ganze afrikanische Stadt zerstört und bringt die Avengers an den Rand der Teamauflösung. Mithilfe Nick Furys (Samuel L. Jackson) jedoch rauft man sich wieder zusammen. Unerwartete Unterstützug kommt durch den disintegriert geglaubten Computer Jarvis, der als Android Vision (Paul Bettany) wieder aufersteht und die beiden Zwillinge, die, nachdem sie Ultrons wahre Pläne durchschaut  haben, zu den Avengers stoßen. Jetzt heißt es gemeinsam die Welt zu retten, den Ultrons teulischer Plan sieht vor, die gesamte menschliche Existenz zu vernichten.

Nachdem die Marvel-Verfilmungen und insbesondere die bei Disney lagernden, von Kevin Feige produzierten „MCU“-Abenteuer sich in der Regel großen Zuspruchs erfreuen durften, scheint der regelmäßig auftretende Enthusiasmus jetzt langsam abzuflauen. Josh Tranks „Fantastic Four“ gar wird so gnadenlos niedergemacht wie wohl schon seit Jahren keine Produktion dieser finanziellen Größenordnung mehr. In ihrer Gesamtheit insgesamt eine dennoch erwartungsgemäße Entwicklung; der Effekt des bahnbrechend neuen Blockbustersegments verflüchtigt sich zusehends, die Massen finden sich peu à peu übersättigt und verlangen nach Abwechslung und Alternativreizen. Die Konzeption, die Marvel jedoch vorschwebt, nämlich die Transponierung ihres gewaltigen Comic-Universums mit Tausenden von ausgearbeiteten Charakteren und dekadenlanger Historie auf das Medium Film und somit gleichermaßen heraus aus dem Ghetto der vergleichsweise wenigen Eingeweihten und hinein in das popkulturelle Massengeschehen, verlangt a priori eine gleichsam hochfrequentierte Schlagzahl an Filmen. Mont für Monat veröffentlicht Marvel Entertainment seit Jahrzehnten eine Schlagzahl von um die 50 Hefttiteln mitsamt diversen Crossovern, wechselseitigen Querverweisen, Reboots, Alternativrealitäten und Auswirkungen aufeinander, von den unregelmäßig erscheinenden graphic novels und Miniserien gar nicht zu reden. Eine solche Komplexität auch nur annähernd im Film zu erreichen, ist, zumal mit fetten Dollarnoten anstelle von Pupillen, unmöglich und selbst der noch immer gegenwärtige Versuch, eine halbwegs ebenbürtige Intertextualität im Film zu erreichen, scheint immer lautere, kritische Stimmen zu evozieren. Ein bereits etwas älteres, durchaus diskussionswürdiges Interview mit Alan Moore, der die Gesamtentwicklung im Superheldengenre, dem er selbst immerhin mancherlei Meriten verdankt, unerwartet pessimistisch beurteilt, spricht Bände. Wenn Superhelden und ihr kulturmedialer Einflussbereich überhaupt jemals im Pantheon der Hochintelligenzia angekommen sind, dann bittet man sie jetzt langsam, aber sehr bestimmt wieder zurück vor die Tür. Und ich prophezeie: die Massen werden folgen, das Kinophänomen in spätestens zehn Jahren (die Marvel- und DC-Schedules betreiben momentan cineastische Planungen bis 2028 bzw. 2020) möglicherweise bereits in rauchenden in Trümmern liegen. Wegen Übersättigung geschlossen – man kennt das.
Nun zu mir. Ich bin glücklicherweise nicht der einzige, der prinzipiell erstmal jeden (auch bloß angekündigten) Superheldenfilm mit offenen Armen erwartet und damit wohl tatsächlich einer jener Typen, die Moore als hoffnungslos regressiv und alarmierend gesellschaftskatastrophal denunziert. Muss ich mir deswegen Sorgen machen? Ich glaube kaum. Vielleicht sollte Alan Moore auch einfach bloß seine Dope-Connection wechseln und sich über relevantere „global issues“ den zottigen Kopf zerbrechen. So, jetzt war ich auch mal kurz reaktionär. Tut mir leid, gern geschehen.
Wenn man im MCU auf dem Laufenden bleiben möchte, ist man mehr oder gezwungen, jeden erscheinenden Film konzentriert zu studieren, das beweist jetzt auch „Age Of Ultron“. Das Figuren-Inventar wird nochmals deutlich erweitert, die „Infinity-Steine“ spielen wiederum eine bedeutsame Rolle, Thor muss sich auf „Ragnarök“ vorbereiten, zwischen Bruce Banner (Mark Ruffalo) und Natascha Romanov (Scarlett Johansson) entspannt sich eine zarte Beziehung, der Hulk verschwindet vorübergehend, Quicksilver muss sich just nach seiner Einführung gleich wieder heldenhaft opfern (sein „X-Men“-Pendant darf demnächst derweil weiterkreuchen) und Thanos macht nochmals den Abspann unsicher. Alles weist auf ein „noch größeres Spiel“ hin, dessen Drahtzieher unschwer zu erraten sein dürfte.
Doch halt: „Avengers: Age Of Ultron“ steht ja auch noch in einer mäßig bedeutenden Nebenfunktion als solitärer Film da, stimmt ja. In dieser Funktion, soviel ehrliche Kritik darf gestattet sein, reicht er an den Vorgänger nicht heran. Dieser besaß allerdings auch noch den unduplizierbaren Originalitätseffekt, als erste, große Kinoproduktion ein echtes „Super-Superheldentam“ zu liefern, der mithin zwangsläufig ausbleiben muss. Ein wenig unübersichtlich mutet der Film hier und da durch seine Präsentation zig verschiedener Baustellen an, von denen mehrere offen bleiben; der zentralafrikanische Staat Wakanda wird wie nebenbei eingeführt, der Schurke Klaw taucht auf, Stellan Skarsgård muss sich damit begnügen, verheizt zu werden. Um derlei Abrisshaftigkeiten zu vermeiden, hätte der Filmwahlweise eine gute dreiviertel Stunde Erzählzeit mehr benötigt (man liest jetzt schon von einem deutlich längeren „Assembly Cut“) oder etwas mehr restriktiver Ökonomie bedurft. Zudem erweist sich die sich in der narrativen Schlüssigkeit äußernde Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Kinobaustellen Disney / Fox (Sony entfällt jetzt jawohl zumindest) als zunehmendes Ärgernis. Jetzt müssen wir also zwei Maximoff-Geschwister-Paare akzeptieren, einmal (in ihrer adäquaten Comicform) als Mutanten, einmal als Teammitglieder der Avengers, die von Rechtswegen her mit ihrer korrekten Herkunftsgeschichte, den „X-Men“ und ihrem ordentlichen Vater Magneto nichts zu tun haben dürfen, weil die Marvel-Mutanten bei einem anderen Studio beheimatet sind. Sowas regt mich wirklich auf und tangiert den zehnjährigen fanboy in mir. Der ganze Rest, die luzide, filmische Unperfektion von „Age Of Ultron“ und das ganze Palaver um die Monetenscheffelei und Ausleierung des MCU kann mir gestohlen bleiben. Der Realität gewordene Traum, die gezeichneten Helden aus Kindertagen zum Leben erwacht bzw. erweckt zu sehen, steht alldem nach wie vor weit über.
…assemble!

8/10