DUEL AT DIABLO

„I was better off with the Indians!“

Duel At Diablo (Duell in Diablo) ~ USA 1966
Directed By: Ralph Nelson

Der frühere Scout Jess Remsberg (James Garner) findet in der Wüste die von kriegerischen Apachen bedrohte Krämersfrau Ellen Grange (Bibi Andersson) und nimmt sie mit zur nächsten Stadt – ganz zu ihrem eigenen Unwillen und auch dem ihres Mannes Willard (Dennis Weaver), der sie eigentlich gar nicht mehr zurückhaben will. Remsberg erhält dort außerdem Kenntnis darüber, dass seine eigene Frau, eine Komantschin, von einem Unbekannten brutal ermordet wurde. Außer sich vor Rachedurst erfährt er, dass Marshall Clay Dean (John Crawford) in Fort Concho wohl mehr über die Bluttat weiß und macht sich auf den Weg durch die Wüste. Parallel dazu bricht auch ein kleiner Kavallerie-Trek nach Concho auf, den neben dem Ex-Sergeant und Pferdeexperten Toller (Sidney Poitier) auch Willard Grange zu Handelszwecken begleitet. Die Gruppe wird von den Apachen überfallen und sitzt fest. Remsberg, der zuvor die ausgerückte Ellen, die, wie sich herausstellt, ein Baby bei den Apachen hat, zurückholt und sich daraufhin allein nach Concho durchschlägt, ist die letzte Hoffnung der Belagerten.

Ralph Nelsons erster Western ist anders als der später entstandene, wütende „Soldier Blue“, noch ein sehr traditionsverhaftetes, klassisches Genrestück, dem es vor allem um Dynamik, Spannung und Action geht. Die thematischen Zwischennuancen bleiben eher in der zweiten Reihe haften: Die Unmöglichkeit von Rot und Weiß, eine funktionale Beziehung über die Schranken hinweg aufzubauen, etwa. Während Jess Remsbergs Frau ermordet und skalpiert wird, nur, weil sie eine Indianerin ist, hat sich Ellen Grange mit ihrem Schicksal, ursprünglich gewaltsam von den Apachen entführt und von einem der ihren zu seiner „Frau“ gemacht worden zu sein, schon deshalb verzweifelt arrangiert, weil ihr seither in der feinen, weißen Zivilisations-Gesellschaft niemand mehr über den Weg traut. Dass beide Schicksale, also die von Remsberg und Ellen, miteinander verwoben sind, behält der Film bis zum letzten Fünftel für sich und lässt dann sozusagen seinen göttlichen Zorn in Form böser Apachenfolter auf den enttarnten Mörder herabregnen.
Überaus interessant ist derweil, wie Poitiers Figur ins Narrativ integriert wird. Sein Status als Afro-Amerikaner spielt nämlich überhaupt keine Rolle für die Entwicklung des Films, als sei es im Westen der Zeit nach dem Sezessionskrieg respektive 1967 eine Selbstverständlichkeit, dass ein afroamerikanischer Dandy sämtliche im Film vorkommenden Weißen einschließlich des Haupthelden an Intelligenz, Können, Chuzpe, Stil, Selbstbewusstsein und Cleverness mühelos in den Schatten stellt. So etwas ging damals wohl auch nur mit Sidney Poitier, wobei man Nelson zu seinem Ansatz, ebenjene Tatsache erst gar nicht zum Thema zu machen, sondern sie schlicht als gegeben zu formulieren und ihr damit erst gar keine unnötige Brisanz zukommen zu lassen. Tatsächlich eine unbedingt probate Methode für einen Diskurs in Richtung Rassismus – man räumt ihm erst gar keinen Raum ein und erstickt ihn somit quasi vor der Geburt.
Der Rassismus in „Duel At Diablo“ ist ausschließlich ein Thema zwischen Indianern und Weißen und seine Natur nicht auf ethnischen oder genetischen Differenzen fußend, sondern eine reine Frage von unausgeglichenen Machtverhältnissen und Territorialität. Nelson schließt seinen Film mit dem Dialog „I wonder if they’ll stay on the reservation this time.“ – „Why should they?“ und macht damit seine heimlichen Sympathien deutlich. Dass diese nicht beim Büro für Indianerangelegenheiten liegen und auch nicht bei weißen Siedlern, Offizieren und Politikern, formulierte Nelson vier Jahre danach umso eindringlicher, mit Blut und Feuer.

8/10

 

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INDEPENDENCE DAY

„Let’s nuke the bastards.“

Independence Day ~ USA 1996
Directed By: Roland Emmerich

Kriegerische Aliens nehmen Kurs auf die Erde, um die Menschheit auszurotten und sich die Ressourcen unseres Planeten anzueignen. Nachdem es zunächst so aussieht, als habe man selbst mit der größten Feuerkraft keine Chance gegen die Außerirdischen, kommt dem wackeren TV-Techniker David Levinson (Jeff Goldblum) die zündende Idee…

Nachdem ich „Independence Day“ über die Jahre hinweg immer in den untersten Niederungen amerikanischen Blockbusterkinos angesiedelt habe, kann ich jetzt endlich Frieden schließen. Man muss dem Film schlicht und einfach seine grenzenlose Blödheit und seinen Kreativköpfen, allen voran freilich Emmerich und seinem Haus-und-Hof-Autor Dean Devlin, nachsehen, dass sie hier etwas geschaffen haben, das in etwa dem Äquivalent eines Multimillionendollar-Spielplatzes entspricht – megalomanisches Amüsement für infantile Gemüter. Emmerich und Devlin beweisen mit Nachdruck, dass sie das 70er-Jahre-Katastrophenkino eines Irwin Allen nahezu akribisch studiert haben, denn der gesamte dramaturgische und narrative Aufzug ihres Films entspricht selbigem bis aufs i-Tüpfelchen. Für eine Alien-Invasion Marke H.G. Wells fehlten ehedem schlicht die Mittel, sonst hätte Allen neben Schiffshavarien, brennenden Wolkenkratzern und Vulkanausbrüchen vermutlich auch das bereits an Ort und Stelle durchexerziert. So lag es eben an dem Schwaben und seinem treuen Gefolgsmann, jene Phantasmagorie mit aller gebührenden Naivität und triefendem Amerika-Pathos zeitreif angereichert in die Welt zu entlassen. Den ob ihres Engagements sicherlich sehr wohl im Bilde befindlichen Antlitzzeigern Goldblum und Hirsch als Vater und Sohn stehen ein bilderbuchhaft nervender, dümmliche Sprüche kloppender Will Smith, ein exemplarisch alberner Bill Pullman und die wie zumeist Zahnschmerzen verursachende Mary McDonnell als dessen das Zeitliche segnende Weibchen gegenüber, den sagenhaft inszenierten Luft- bzw. Raumkampfszenen und Explosionen ein stolz präsentiertes Nichts an figuraler und sophistischer Basis. Dass Großstädte und mit ihnen Millionen von Seelen eingeebnet werden, tangiert einen zu keiner Sekunde; Emmerich macht sein Publikum im Gegenteil zu willfährigen Voyeuren der Popcornapokalypse. Wo Burton aus dem lärmenden Pulp-Charakter des Stoffs kurz darauf einen liebevoll-satirischen Kinospiegel vorhielt und Spielberg sich neun Jahre später gleich den literarischen Wurzeln des Ganzen annahm und dann auch erfolgreich eine emotionale Involvierung seiner Zuschauer zu evozieren vermochte, baut „Independence Day“ oder „ID4“, wie er sich praktischerweise abkürzt, ein schickes, aufwändiges Riesengebäude aus Legosteinen, nur um es dann umgehend und umso lustvoller wieder kaputtzutreten.
Was mir noch immer und nach wie vor in Aug, Ohr und Schmalz springt, ist, wie sagenhaft dumm dieser Film ist und mit welch unglaublicher Chuzpe er diese Dummheit auch noch ausstellt.
Was ich mittlerweile dazu gelernt habe, ist, über all das hinwegzusehen, ja, es gar nicht mehr wichtig zu nehmen, und, anstatt mich uneffektiv zu ärgern, den Verstärker aufzudrehen und die vielen, farbenfrohen Explosionen zu genießen. Man entwickelt sich eben doch weiter mit dem Alter. Oder zurück, ganz nach Perspektive.

5/10

ANNIHILATION

„You really have no idea what it was.“

Annihilation (Auslöschung) ~ UK/USA 2018
Directed By: Alex Garland

Eher infolge einer zufälligen Fügung – ihr lange vermisster Ehemann (Oscar Isaac) kehrte urplötzlich sehr verändert zu ihr zurück und kollabierte dann – nimmt die Biologin Lena (Natalie Portman) als letzte von fünf Frauen an einer streng geheimen Expedition teil. Ein ganzer Sumpflandstrich an der südlichen Atlantikküste der USA unterliegt einer seltsamen, sich ausbreitenden Anomalie, die die ratlosen Wissenschaftler und Militärs als „Schimmer“ bezeichnen. Umgeben von der streng abgeschotteten Zone „Area X“ ist das gesamte Gebiet, aus dem bisher noch niemand der zu Erforschungszwecken entsandten Soldaten zurückgekehrt ist, mittlerweile menschenleer. Lena, die Psychologin Ventress (Jennifer Jason Leigh), die Physikerin Radeck (Tessa Thompson), die Anthropologin Shepard (Tuva Novotny) und die Medizinerin Thorensen (Gina Rodriguez) betreten den Schimmer und stellen darin höchst Seltsames fest: Eine unbekannte Kraft, die die Atmosphäre in flimmernden Farben erleuchtet, hat begonnen, die Genpoole von Menschen, Tieren und Pflanzen zu vermischen und daraus chaotische, neue Spezies zu formen. Auch das Zeitempfinden und die Psyche der Frauen beginnt bald durcheinanderzugeraten. Ausgangspunkt der bizarren Vorkommnisse ist ein Leuchtturm an der Küste…

Keinesfalls von auch nur annähernd ähnlicher philosophischer oder formaler Grandezza wie das mutmaßliche Vorbild „2001: A Space Odyssey“ scheint mir „Annihilation“ dennoch seit längerem endlich mal wieder ein vorbehaltlos sehenswerter SciFi-Film zu sein. Nachdem mir auf jenem Sektor zuletzt nur noch mäßig einfallsreicher bis pathetischer Weltraumkrempel untergekommen ist (jedenfalls wirkt das gesammelte Konglomerat im oberflächlichen Rückblick genau so auf mich), finde ich es recht erfreulich, mal wieder eine rundum erwachsene, Story präsentiert zu bekommen, die noch einen gewissen Mystizismus zu präservieren weiß und nicht alles in Form eines ohnehin völlig willkürlich gewählten, pseudowissenschaftlichen Terminismus erläutern muss, die sich andererseits auch nicht allzu elliptischer Schwurbelei hingibt. „Annihilation“ erzählt alles Notwendige, behält jedoch manche Geheimnisse für sich. Die ihm inhärenten Horrorelemente sind gut austariert und gerade sorgfältig genug eingeflochten, um den Film weder zur einen noch zur anderen Seite kippen zu lassen, die Rückblenden, die der psychologischen Untermauerung der Protagonistin dienen, wirken halbwegs sinnstiftend, wie auch ihre Handlungsmotivation eine ordentlich Erläuterung erfährt. Die vielen Fallstricke, die ein Plot wie der in „Annihilation“ verhandelte a priori bereithält, umgeht Garland geschickt – man hätte auch eine gewaltige Monster- und Mutantenparade daraus machen können, was den Film ganz fix zu billigem Sideshow-Kino hätte verkommen lassen. So bleibt ein meditatives, fast kontemplatives Genrestück nebst offenkundig spürbarer Affinität zu bewusstseinserweiterndem Unterstützungsmaterial, das sich nicht scheut, die Intelligenz des Rezipienten auf unprätentiöse Weise zu beanspruchen. Sehr gut!

8/10

UNDERVERDEN

Zitat entfällt.

Underverden (Darkland) ~ DK 2017
Directed By: Fenar Ahmad

Zaid (Dar Salim) ist das, was der hellhäutige Westeuropäer gemeinhin gern als „erfolgreich angekommen“ bezeichnet: Er ist erfolgreicher Chirurg in einem Kopenhagener Krankenhaus, hat die einheimische Stine (Stine Fischer Christensen) geheiratet und sich von seinen nahöstlichen Flüchtlingswurzeln beinahe krampfhaft losgelöst. Doch die Vergangenheit ruht nicht: Während er und die schwangere Stine mit Freunden bei gutem Rotwein und gepflegter Konversation erlesen dinnieren, taucht Zaids jüngerer Bruder Yasin (Anis Alobaidi) auf und bittet ihn verzweifelt um Hilfe; es ginge um sein Leben. Zaid wiegelt entnervt ab und verweist Yasin der Tür – mit tatsächlich tödlichen Folgen für den Jungen, der am nächsten Tag mit irreparablen Hirnschäden auf der Intensivstation landet. Zwischen Selbstvorwürfen und Familienehre macht sich Zaid auf ins alte Viertel, erfährt rasch von Gangstergröße Semion (Ali Sivandi) nebst dessen Miniregime und hat damit auch gleich den an Yasins Tod Schuldigen. Körperlich ertüchtigt setzt sich Zaid einen schwarzen Motorradhelm auf und pflügt sich durch die Kopenhagener Unterwelt…

Spürbar nachhaltig beeinflusst von Michael Winners „Death Wish“ transponiert Fenar Ahmad das Sujet des sich von jedweder Vernunft loslösenden und damit zerreißenden Vigilanten in die Gegenwart und die dänische Hauptstadt. Dass diese eine hervorragende Kulisse für an die Nieren gehende Thriller- und Gangsterdramen bereithält, ist nun schon seit längerem kein Geheimnis mehr. Auch bei Ahmad gerät die 600.000-Einwohner-Metropole zu einem finsteren Schmelztiegel der Klassen und Kulturen, in dem nicht nur Migranten und Biodänen, sondern auch upper class und Prekariat mögliche soziale Berührungspunkte um jeden Preis vermeiden. Zaid repräsentiert da denkbar generisch den berühmten Wanderer zwischen den Welten – als Kind aus dem Irak hierhergelangt, gelang es ihm, sich von seinen Ghettowurzeln zu lösen und einen mehr denn respektablen gesellschaftlichen Status zu erlangen, was ihn wiederum zwangsläufig von seiner Herkunft wegtreibt. Job, Ehe und ein sündhaft teures Hochhaus-Appartement symbolisieren jene bewusste Abkehr auf das Deutlichste. Erst mit Yasins Tod wird ihm bewusst, dass Herz und Blut sich jedoch nicht so einfach verleugnen lassen und seine mäandernde Biographie treibt ihn zurück in dunkle, lange ignorierte Sphären. Die sich nun überaus gewalttätig und unter gezielter Zuhilfenahme von Steroiden entladenden Aggressionen, bezeichnenderweise praktiziert hinter der Tarnung einer Art selbstanonymisierenden „Superhelden-Kostüms“, entfremden ihm wiederum von allem, was er sich so mühselig vor Ort aufgebaut hat. Dennoch führt er seinen einmal eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende.
Dass Ahmads ebenso schöner wie dunkler, durchaus vielschichtiger Film sich längst nicht allein als reines Genrewerk begreift, sondern zudem als eine soziokulturelle Bestandsaufnahme, die ebensogut auch in den meisten anderen mittelwesteuropäischen Großstädten Platz fände, verleiht ihm eine besondere Zusatznote.

8/10

THE ADVENTURERS

„For Corteguay!“

The Adventurers (Playboys und Abenteurer) ~ USA 1970
Directed By: Lewis Gilbert

Schon von Kind an lernt der aus dem lateinamerikanischen Kleinstaat Corteguay stammende Dax Xenos (Bekim Fehmiu) um die Schlechtigkeit der Menschen. In einem Land wie dem seinen bedeutet Revolution zugleich stets bloß die Machtübernahme durch einen neuen Diktator; kleine rote Bücher, sozialistisches Gedankengut und hehre Ideale werden in schöner Regelmäßigkeit achtkantig über Bord geworfen, sobald erst der schmucke Regierungspalast eingenommen und neu besetzt ist. Auch Präsident Rojo (Alan Badel), der, einst glühender Rebell, dem kleinen Dax ehedem half, das Maschinengewehr zu halten, um Mutter, Schwester und Hund zu rächen, bildet da keine Ausnahme. Während der in Europa zu einem Universal-Bonvivant geschulte Dax sich vor allem für Luxus, Champagner und schöne Frauen begeistert, lässt Rojo mit zunehmendem Alter die Axt kreisen. Als Höhepunkt seiner Schuftereien lässt er Dax‘ Vater (Fernando Rey) ermorden, wovon der junge Mann zunächst gar nichts mitbekommt. Erst spät gelangt Dax zu der Einsicht, dass sein Herz schon immer nur für Corteguay schlug und macht sich daran, dem Land endlich Frieden zu schenken…

Dass der just verstorbene, vor allem für seine drei spektakulären Bond-Filme bekannte Brite Lewis Gilbert noch ganz andere Meriten aus seiner immerhin 55 Jahre währenden Schaffensära vorzuweisen hat, wird gemeinhin gern übersehen. Ganze 37 Filme durfte er im Zuge dieser Zeitspanne inszenieren, wobei „The Adventurers“ vielleicht als eine der vielleicht schönsten, in jedem Falle aber exotischsten Blüten daraus Bestand haben sollte und hat.
Der Film erweist sich als ein wundertätiges Kleinod und Exempel aus jener Phase, in der die Hollywood-Studios mittels gewaltiger, in jeder rationalen Hinsicht zum Scheitern verurteilter Klimmzüge probierten, gegen die merkwürdigen, für sie unfassbaren Neuströme anzuschwimmen, die sich durch ein paar gediente und vor allem ganz viele junge Filmemacher entfesselt fanden und rückblickend gemeinhin als „New Hollywood“ bezeichnet werden. Nachdem die Paramount und Produzent Joseph E. Levine sich bereits mehrfach an Adaptionen bzw. Spin-Off-Stoffen des damals ungeheuer erfolgreichen Trivialschreibers Harold Robbins abgearbeitet hatten, setzten sie abermals auf jenes vermeintlich zugsichere Vorlagenpferd und butterten ein spürbar großzügiges Budget in „The Adventurers“, der eine wie gewohnt schillernde, biographische Story um einen ebenso aufregenden wie rissigen Helden erzählte und die auf drei Kontinenten an allerlei luxuriösen, internationalen Schauplätzen spielt. Knapp drei Stunden Erzählzeit nimmt das ausufernde Resultat in Anspruch, ganz klassisch flankiert noch von musikalischer Ouvertüre und Intermission. Allerdings blätterte ein wenig des versprochenen Glamour gleich im Vorhinein von der Fassade: Statt Edward Dmytryk inszenierte Gilbert, statt George Hamilton und Alain Delon kam der weitaus unbekanntere  Jugoslawe Bekim Fehmiu, statt Mia Farrow oder Ali MacGraw kam Candice Bergen. Alles andere als mäßige Substitute, aber im Einzelnen und vor allem in der Summe eben um einiges weniger publikumsmagnetisch und durch die bekannt gewordenen Absagen der Wahlstars eher ungünstig in der Entwicklung.
„The Adventurers“ holt dennoch alles aus seinen Schläuchen und erweist sich als ein ungebremstes Kraftwerk vitalen Filmemachens, das noch den schwingenden Spirit der Spätsechziger atmet und für sein Enstehungsjahr beinahe schon leicht obsolet daherkommt. Psychedelia und Camp, Bond-Elemente und überzogene Gewalt; Soap, Sex und Kriegsaction, testosterongeschwängerte Schmachtereien und Charles Aznavour mit neonbeleuchtetem Folterverlies. Richtig schön prall und drall dargeboten, ohne Rücksicht auf Verluste und gerade deswegen als Kind seiner Zeit zu schrillem Verpuffen und Scheitern verdammt.
Eine allzeit obskure bis skurrile Kinopreziose, an der man sich gar nicht ausufernd genug laben kann!

9/10

THE HOUSE

„Give the password!“

The House (Casino Undercover) ~ USA 2017
Directed By: Andrew Jay Cohen

Um dem lieben Töchterlein Alex (Ryan Simpkins) trotz ihrer wider Erwarten flöten gegangener Subventionen doch noch das Studium finanzieren zu können, lässt sich das Kleinstadtehepaar Scott (Will Ferrell) und Kate Johansen (Amy Poehler) auf den etwas obskuren Vorschlag ihres in Scheidung befindlichen Freundes Frank Theodorakis (Jason Mantzoukas) ein: Der, selbst notorischer Zocker, hat nämlich die Idee, in seinem Haus ein illegales Spielcasino aufzumachen. Schon bald versammelt sich das halbe Städtchen als Stammkundschaft vor Ort, doch ebenso rasch bekommen Stadtrat Schaeffer (Nick Kroll)  und Mafioso Tommy (Jeremy Renner) mit, dass sich irgendetwas Faules abspielt in der Gemeinde…

Will Ferrell ist so ziemlich der einzig wesentliche Grund, sich diesem etwas lauwarmen Spaß zu widmen, dessen wenig originelle humoristische Finesse im Grunde darum besteht, die moralische Bigotterie des urtypischen, amerkanischen Vorstadt-Bourgeois zu denunzieren. Als wären die entsprechenden Erkenntnisse bahnbrechend, lädt „The House“ sein spießbürgerliches Figureninventar dazu ein, allerlei schräge Dinge zu tun zu tun vom Drogenmissbrauch bin hin zum catfight. Das ist manchmal zum Schmunzeln, manchmal auch nicht, je nach Einfaltsmaß der dargereichten Szene. Die größten Spitzen sind natürlich Ferrell vorbehalten, dessen Persönlichkeit als etwas domestizierte Person seiner mit den allseits bekannten habituellen Eigenheiten kokettierenden Kunstfigur irgendwann zu transzendieren beginnt; Scott Johansen verwandelt sich dann in einen gnadenlosen, öligen Gangster mit dem Spitznamen „The Butcher“, vor dem jedermann zu Staube kriecht. Solcherlei Blödsinn ist dem wie immer sehenswerten Komiker zweifellos unmittelbar auf den Leib geschrieben und er ist daher auch der beste Mann in diesem Fach. Das ganze Drumherum jedoch kommt über mediokren Sitcom-Status kaum hinaus; es fehlt an veritabler Schärfe und Anarchie sowie an der (zumindest meinerseits) wehmütig vermissten Konsequenz, auch mal über die end credits hinaus ein feistes „Leck mich am Arsch!“ echoen zu hören, so wie damals das von Frank „The Tank“ Ricard zum Finale von Todd Phillips‘ monumentalem „Old School“. Sicher, es wäre schon ziemlich katastrophal für unsere Welt, wenn jeder erwachsene Mann sich vorsätzlich zur Regression entschlösse, wenn es denn aber doch hier und da mal einer tut, dann gebührt ihm doch wohl alles Glück auf Erden.

6/10

THE SKELETON KEY

„Are you a superstitious person, Caroline?“ – „Not per se.“

The Skeleton Key (Der verbotene Schlüssel) ~ USA/D 2005
Directed By: Iain Softley

Die frustrierte Jung-Hospizschwester Caroline Ellis (Kate Hudson) nimmt eine private Stelle als Pflegerin des alten Ben Deveraux (John Hurt) an, der mit seiner ihn umsorgenden Gattin Violet (Gena Rowlands) in einem alten Herrenhaus in den Bayous von Louisana wohnt. Deveraux ist nach einem Schlaganfall beinahe komplett gelähmt und kann nicht mehr sprechen, dennoch hat Caroline das andauernde Gefühl, er versuche sich ihr verzweifelt mitzuteilen. Eine Sammlung merkwürdiger Fetischgegenstände, die sich hinter einer verschlossenen Tür auf dem Dachboden des Hauses befindet, verunsichert Caroline noch zusätzlich. Sie findet heraus, dass Violet offenbar an Hoodoo glaubt, eine unter den ehemaligen Sklaven praktizierte Art von Zauberei. Ist Ben möglicherweise von ihr verhext worden?

Das Interessanteste an „The Skeleton Key“ ist der Schauplatz Louisiana – die Südstaaten der USA mit ihren dampfenden, undurchdringlich scheinenden Sumpflandschaften, in denen man, auch ohne abergläubisch zu sein, alles Mögliche vermuten möchte, bietet stets eine dankbare Filmkulisse für alle möglichen Genres, im Horrorfilm allrdings insbesondere in Konnexion mit schwarzmagischem Hokuspokus. Jene folkloristisch geprägte Fetischzaubereien, auch Synkretismen genannt, kommen in den Regionen, die ehedem afrikanische Sklaven beherbergt haben, in ganz unterschiedlichen Ausprägungen vor, je nach Ursprungslokalität und vor allem im karibischen Raum. Voodoo mit ist dabei die bekannteste und berüchtigste jener Neureligionen, was sich bereits seit Jahrzehnten oftmals auch im Genre niederschlug. John Schlesinger grub schließlich für „The Believers“ die vor allem in Kuba kultivierte Santería aus, „The Skeleton Key“ nun setzt Hoodoo das längst überfällige Gattungs-Denkmal, wobei man darin mehr oder minder schweren Herzens auf Zombies und Ritualmorde verzichten muss. Nicht jedoch auf Zaubertränke und Seelenwanderung, denn die bilden gewissermaßen das Kerngehäuse der unerfreulichen Umtriebe in „The Skeleton Key“, binnen derer die ahnungslose Caroline eine gewichtigere Rolle spielt, als sie oder der Zuschauer zunächst annehmen kann.
Hier und da schleppt sich Softleys Inszenierung etwas über die Runden, wenn sich etwa im Mittelteil keinerlei narrativer Fortschritt einstellen mag und der Lösungsweg des für die Protagonistei enervierende Rätsels um das altehrwürdige Haus und seine beiden alten Bewohner sich gen Stillstand bewegt. Softley verliert sich dann etwas zu sehr in seinen scheinbar unvermeidbaren, Kate Hudson geltenden Anhimmeleien, wenn er die zugegebenermaßen attraktive Aktrice von allen Seiten und in ausnahmslos jeder Szene ins Bild setzen muss, als könne er nicht anders. Die Conclusio steht dann wieder in bester Schauertradition und holt den Karren nochmal aus dem Dreck.

6/10