IL TRONO DI FUOCO

Zitat entfällt.

Il Trono Di Fuoco (The Throne Of Fire) ~ I 1983
Directed By: Franco Prosperi

In grauer Vorzeit schwängert Belial (Harrison Muller), ein Abgesandter Satans, die Hexe Azira (Beni Cardoso), auf dass diese dereinst das Kind des Bösen gebäre. Glücklicherweise gibt es zu allem Irdischen und Überirdischen stets einen Widerpart und so wächst zeitgleich mit dem lumpigen Morak (Harrison Muller) der Recke Siegfried (Pietro Torrisi) heran. Als endlich die Stunde naht, da Morak den Thron des Feuers besteigen und die Weltherrschaft an sich reißen kann – es gibt eine Sonnenfinsternis – fehlt dem Unhold zu seinem dämonischen Endsieg nur noch die fesche Königstochter Prinzessin Valkari (Sabrina Siani) als Eheweib. Das entsprechende Los sucht Siegfried zu verhindern.

„Il Trono Di Fuoco“ markierte einen der letzten Versuche der Italiener, am Erfolg der von „Conan The Barbarian“ losgetretenen Barbarenfilm- oder auch „Sword & Sorcery“-Welle zu partizipieren. Unter dem anglophonen Pseudonym „Peter McCoy“ stieg der bizepsbewährte Sizilianer Pietro Torrisi, der zuvor über etliche Jahre hinweg so gut wie nur in körperbetonten bit parts zu sehen gewesen war, urplötzlich zum Ministar dieses kleinen Sub-Subgenres auf und spielte die mehr oder weniger selbe Rolle gleich dreimal in dichter Folge, davon zweimal unter dem Handarbeiter Franco Prosperi, dessen zugleich letzte Regiearbeit der vorliegende Prügel bildete. Die ohnehin bloß fragmentarisch vorhandene Story  bot dabei die Vorlage für ein auf geradezu unverschämte Weise gleich dreifach durchgespieltes Flucht- und Wiedereinfangszenario, im Zuge dessen Torrisi als Siegfried (!) und die bemerkenswert untalentierte Sabrina Siani, zu jener Zeit ebenfalls ein kleines, kurzlebiges Sternchen im italienischen Plagiatsfach, dem von Harrison Muller gespielten Deibelssohn immer wieder entkommen, nur um dann aufs Neue eingefangen und auf seine Burg (ein pittoreskes Gemäuer irgendwo im Latium, das der Film allenthalben mit prominentem Stolz ins Bild rückt) zurückgebracht werden. Geld für Spezialeffekte war wohl keines da, so dass sich der originäre Fantasy-Faktor auf ein verschwindendes Mindestmaß zu beschränken hatte. „Höhepunkte“ bilden dabei ein Kampf  Torrisis mit einer sichtlich unlustigen Riesenschlange, die dem Akteur bedrohlich schlaff um den Hals gehängt wurde und Moraks Ende, das ihn als unrechtmäßigen Besetzer des titelgebenden Throns dahinschmelzen lässt. Immer noch be- und verwundernswert erscheint heute bei der Retrospektion dieser immerhin sympathischen, kleinen Einmachgurken, welch professionelle (und den Gesamteindruck daher stark aufwertende) Synchronisationsbestrebungen man ihnen hierzulande zuteil werden ließ. Nunja, damals hatten die eben noch die Zeit dafür.

4/10

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LA POLIZIA È SCONFITTA

Ziat entfällt.

La Polizia È Sconfitta (Sonderkommando ins Jenseits) ~ I 1977
Directed By: Domenico Paolella

Der Verbrecher Valli (Vittorio Mezzogiorno) schüttet eine Welle der Gewalt über die Stadt Bologna aus – ob Schutzgelderpressung, Raubüberfälle oder Drogenhandel, kaum ein kriminelles Segment ist vor ihm und seinem rücksichtslosen Vorgehen sicher. Wer nicht in Vallis Sinne spurt, wird gnadenlos hingerichtet. Um den Unhold endlich dingfest machen zu können, ruft Inspettore Grifi (Marcel Bozzuffi) eine motorradbewährte Spezialeinheit ins Leben, die eine besondere Zusatzausbildung und besondere Befugnisse erhält. Doch selbst mit solcherlei Profis an seiner Seite gelingt es Grifi zunächst nicht, an Valli heranzukommen…

Mit der gesetzten Gelassenheit des Altprofis inszenierte der damals 62-jährige Domenico Paolella, ein erfahrener Genreregisseur, der sich vom Peplum über Bond-Spoofs und Western bis hin zu Nunploitation an fast allem versucht hatte, seinen ersten und einzigen Poliziottesco. Weniger aufpeitschend als Lenzi oder Di Leo konzentriert Paolella sich ganz auf das fast schon intime Duell zwischen Grifi und Valli, wobei der üblicherweise eher als Bösewicht antretende Marcel Bozzuffi (der nur ein Jahr zuvor in Dallamanos „Quelli Della Calibro 38“ andererseits bereits ein fast identisches Polizistenporträt hingelegt hatte) und der charismatische Vittorio Mezzogiorni als Antagonisten ihre Sache jeweils besonders gut machen. Gut, die ganze Motorrad-Spezialeinheits-Masche wirkt etwas weit her geholt, um nicht zu sagen: redundant. Warum die Supercops im Zuge ihres Sondertrainings mit den heißen Öfen immer wieder in einer Kiesgrube Sprungaktionen durchprobieren müssen, bleibt eines der Geheimnisse des Films. Andererseits macht „La Polizia È Sconfitta“ hinsichtlich seines visuellen Naturalismus‘ keine Gefangenen: Mezzogiornos gewalttätige Anwandlungen (sowie die seiner nicht minder sadistischen Helfershelfer) ähneln denen des seligen Tomas Milian in „Milano Odia: La Polizia Non Può Sparare“ oder jenen von Helmut Berger in „La Belva Colla Mitra“, was natürlich für einen gewissen, frischen Glanz in der Ahngalerie großer Poliziottesco-Psychopathen sorgt. Valli jagt Leute in die Luft, lässt Kehlen durchschneiden, Verräter kastrieren und lässt auch gern mal selbst die MP rattern. Ob man das zumindest mir persönlich etwas aufgesetzt vorkommende Ende mit dem Lynchmob nun als unbedingt passend bewerten mag oder nicht – Paolellas kleiner Knüppel-aus-dem-Sack bleibt so oder so gediegenes Genrehandwerk.

7/10

FIERAS SIN JAULA

Zitat entfällt.

Fiera Sin Jaula (Im Rausch der Sinne) ~ E/I 1971
Directed By: Juan Logar

Der alternde, reiche Witwer Ronald Marvelling (Curd Jürgens) hätte es besser wissen müssen: als er Alecsa (Rosalba Neri), die Studienfreundin seiner Tochter Catherine (Emma Cohen) zur neuen Frau nimmt, holt er sich damit ein durchtriebenes und hochpromiskes Pflänzchen ins Haus, das sich vor allem für die Moneten des silberhaarigen Briten begeistert. Als Marvelling schließlich feststellt, dass Alecsa sich auch nach mehrfachem, guten Zureden nicht von ihrem Haupthengst Pietro (Joan Luis Galiardo) trennen mag, entwickelt er einen perfiden Racheplan, der das saubere Pärchen geradewegs in die Hölle schickt.

Allerbestes Kolportage-Kino aus mediterranen Gefilden, das uns normannischen Kleiderschrank trotz (oder gerade wegen) des Groschenromanszenarios in süffisanter Bestform präsentiert. Stets ein Glas Whiskey zur Hand interpretiert er den tödlich Gekränkten und enttäuschten Gentleman als einen semiliterarischen Nachfolger des gehörnten Ehegatten, der sein Weib lebendig einmauert, um ihr die nötige Reue abzuringen. Dabei hat Jürgens es nie nötig, aufbrausend oder cholerisch aufzutreten, seine tiefe Verletztheit nimmt man ihm insbesondere infolge seines prononciert kontemplativen Spiels ab. Regisseur Logar, ein vergleichsweise spärlicher Arbeiter, findet dafür nicht nur die passende Visualität, sondern inszeniert vor allem das vorübergehende Gefängnis der Lotterliebenden, ein durch architektonische Finessen hermetisch abgeriegeltes Schlafzimmer in einem einsamen Herrenhaus in der Küste nebst angrenzendem Bad, mit brillantem Verstand für Raumkonstruktion. Eine erlesene Kulisse für eine gemeinsame Reise in den Wahn, den initiierenden Faktor als mahnende Leiche allgegenwärtig. Durch ein geschicktes Konstrukt aus Rückblenden wird die lokale Geschlossenheit zwar immer wieder aufgebrochen, aber bleibt doch stets allgegenwärtig. Das zwingende Resultat ist spanische Genrekunst höchsten Grades.

8/10

PROVINCIA VIOLENTA

Zitat entfällt.

Provincia Violenta (Provinz ohne Gesetz) ~ I 1978
Directed By: Mario Bianchi

Nach seiner vorübergehenden Suspendierung wegen allzu gewalttätiger Dienstmethoden wird der Polizist Sereni (Lino Caruana) von einer alten Freundin (n.n.) um Hilfe gebeten, sich der Umtriebe der kriminellen Hotelmanagerin Flavia (Alicia Leoni) anzunehmen. Diese lädt bevorzugt alte Freundinnen in ihr Haus ein, um diese dann unter K.O.-Tropfen von zwei Handwerkern im Blaumann befummeln zu lassen und davon zu späteren Erpressungszwecken Fotos zu schießen. Kopf der Organisation ist der rücksichtslose Augusto (Richard Harrison), der die Schmutzarbeit von seinem sadistisch veranlagten Killer Roberto (Al Cliver) erledigen lässt. Bei seinen nun folgenden Ermittlungen stellt sich Sereni nicht eben clever an, so dass einige unschuldige Damen und noch weitere Zeitgenossen dran glauben müssen, bis er schließlich dafür sorgen kann, dass die Häupter der Medusa hinter schwedischen Gardinen landen und er selbst seine Marke zurückerhält.

Mario Bianchi ist der jüngere Bruder des legendären Regie-Akrobaten Andrea Bianchi, der unter anderem mit in einschlägigen Kreisen beliebtem Kunsthandwerk wie „Nude Per L’Assassino“ oder „Le Notti Del Terrore“ zu punkten pflegte. Die Herangehensweise an das Inszenieren komplexer Sachzusammenhänge für die Kinoleinwand beherrscht Mario in etwa so gut wie Andrea und insofern lässt sich die familiäre Ähnlichkeit zumindest in „professioneller“ Hinsicht auch alles andere als leugnen. „Provincia Violenza“ nun ist ein Vertreter dessen, was man landläufig als „Poliziottesco“ kennt, des italienischen Polizeithrillers also. Auf diesem Sektor gibt es massig tolle Filme und Entdeckungen zu machen und irgendwie gehört auch Bianchis famoses „pièce de merde“ dazu. Tatsächlich mutet der Film in Machart und Atmosphäre weniger an wie etwas, dass man mit oderflächlich Affizierendem wie Spannung, Suspense oder Ähnlichem assoziieren würde denn wie ein zeitgenössischer Bahnhofsporno. Nur eben ohne Pornographie. Nehmen wir zunächst Hauptdarsteller Calogero „Lino“ Caruana: Der kleine Mann hat trotz seines Namens eher slawische denn italienische Züge. Hätte ich eine Pizzeria und würde ihn bei mir beschäftigen, dürfte er allerhöchstens den Steinofen im separierten Küchenbereich bedienen, um die Kunden nicht zu verängstigen. So einer ist er. Wie insofern jemals jemand darauf kommen konnte, ihn als Schauspieler zu missbrauchen, und dann auch noch für die Rolle des Protagonisten, das dürfte eines der großen, ungelösten Mysterien der Kinogeschichte sein. Glücklicherweise jedoch trägt Caruana die Last der rückhaltlosen Inkompetenz nicht allein auf seinen Schultern, denn Bianchis Film ist von oben bis unten voll von sagenhaften Nullakteuren, mit Al Cliver als einziger Ausnahme. Wie die Geschichte sich vortastet, ist spätestens nach fünfzehn Minuten egal, weil man da längst aufgegeben hat, sich mit so etwas Beiläufigem wie Kausalität zu befassen. Man schwebt sozusagen geistesgleich über den Dingen, unfähig, das zermürbende Geschehen unter sich zu beeinflussen. Was ja aber auch gut ist, denn sonst könnte man Bianchis manifestierter Verwechslung des Holzfällerberufs mit dem des Filmemachers nämlich nicht bis zum bitteren Ende beiwohnen. Erstaunlicherweise ist „Provincia Violenta“ nicht nur unfassbar schlicht, sondern dazu noch weithin unblutig, hat also auch auf diesem Sektor nichts zu holen. Dass Bösewicht Richard Harrison am Ende nicht wie unter Garantie von jedem Zuschauer antizipiert, erschossen, sondern verhaftet wird, adelt dieses Werk endgültig zum Enigma geistigen Zerfalls. Bunter Kernblödsinn vom Feinsten.

5/10

LA SORELLA DI URSULA

Zitat entfällt.

La Sorella Di Ursula (Die Todesbucht) ~ I 1978
Directed By: Enzo Milioni

Die beiden Schwestern Ursula (Barbara Magnolfi) und Dagmar Beyne (Stefania D’Amario) sind auf der Suche nach ihrer Mutter, nachdem ihr vermögender Vater das Zeitliche gesegnet und ihnen das beträchtliche Erbteil komplett vermacht hat. Kreuz und quer durch Europa reisend, residieren sie aktuell im malerischen Amalfi, im Hotel von Signore Delleri (Vanni Materassi). Kaum, dass sie angekommen sind, macht sich ein geheimnisvoller Serien- und Sexualmörder an sein finsteres Werk, der für seine weiblichen Opfer eine besonders perfide Mordart bevorzugt. Ursula, die über PSI-Kräfte zu verfügen scheint, ahnt das Böse und bekniet Dagmar, schleunigst wieder abzureisen. Diese jedoch hat sich bereits in den schnieken Filippo verguckt, dessen Weste selbst nicht ganz reine ist…

Der bereits in den späten Dämmerstunden des Giallo entstandene „La Sorella Di Ursula“ rangiert am unteren Qualitätsspektrum jener italienischen Genre-Spielart. Das von Regisseur Milioni selbst verfasste Script vermag es par tout nicht, sich einen nachvollziehbaren oder gar sinnstiftenden Weg durch das von ihm selbst kreierte Labyrinth aus Kriminalfilm, Killerstory, poetischer Raumkonstruktion und sleazigem Softporno zu bahnen und bleibt am Ende als zumeist unfreiwillig komisches bis albernes Stück Euro-Schmier im Gedächtnis des Zuschauers haften.
Es ist natürlich überaus erfreulich, dass selbst solche seltsamen Unkrauttriebe vom Rande des filmhistorischen Spektrums als sorgfältig aufbereitete, schöne Editionen für die private Videothek des geneigten Konsumenten konserviert werden – in Bild und Ton hervorragend aufbereitet, mit einer neuen, teils prominent besetzten Synchronisation angereichert und durch hübsche Extras ergänzt; auf der anderen Seite verwundert es schon ein wenig, dass gerade für angemufften Krempel wie „La Sorella Di Ursula“ derlei Aufwand betrieben wird. Egal, das Hinterfragen sollte in solchen Fällen zurückstehen, wird man im Zuge der Betrachtung von Milionis schillerndem Abfallprodukt doch belohnt durch eine Menge Unfassbares: Es gibt keine Darstellerin, die nicht irgendwann während der Spielzeit infolge eines dämlichen Alibis hüllenlos durchs Bild huscht, die Erotikszenen sehen sich, einer abzuhakenden To-Do-Liste gleich, in allen gewohnten Spielarten vertreten (Masturbation und Lesbensequenz inbegriffen) und erreichen durch die Bank den gegenteiligen Effekt des Intendierten. Da die – unspektakuläre – Aufdeckung des Killers allein scheinbar nicht genügte, wird noch eine stupide Story um Heroinschmuggler hinzugesetzt nebst Marc Porel als verdeckt ermittelndem Polizisten, der sich aus Authentizitätsgründen selbst süchtig gemacht hat. Von wirklich verzichtbaren und insofern dilettantischen Anschluss- und Logikfehlern gar nicht zu schreiben. Dem gegenüber stehen verblüffend erlesene Aufnahmen der stets dankbaren Kulisse Amalfis, des wirklich ansprechenden Hotels, von Katakomben, Höhlen, Kapellen und christlichen Ikonen, die das visuelle Gespür Milionis in krasse Unrelation zu seinen inszenatorischen Fähigkeiten stellen. Das Gesamtbild ist also durchaus interessant, weil unikal. Und eines kann man Milioni, aller übrigen Kritik zum Trotze, gewiss nicht vorwerfen: Dass er einen leblosen Film gemacht hätte.

5/10

DIO, SEI PROPRIO UN PADRETERNO!

Zitat entfällt.

Dio, Sei Proprio Un Padreterno! (La Pistola) ~ I/F 1973
Directed By: Michele Lupo

Unter einigem Medienecho kehrt der berühmte Mafiaboss Frankie Diomede (Lee Van Cleef), genannt „Frankie Dio“ aus den USA zurück nach Genua, um das Geschäft in der alten Heimat wieder selbst in die Hand zu nehmen. Konkurrent Louis Annunziata (Jean Rochefort) bemächtigt sich nämlich systematisch und unbarmherzig Diomedes Organisation und Aktiva. Selbst ein kluger Rachetrick, der der Ausschaltung von Annunziatas Kompagnon Joe Sciti (Mario Erpichini) gilt, schlägt fehl: Diomede muss ins Gefängnis. Glücklicherweise landet er dort just mit seinem größten Bewunderer, dem Kleinganoven Tony Breda (Tony Lo Bianco), der ihn anhimmelt wie einen Filmstar. Allein Bredas Geschick und unbedingter Loyalität ist es schließlich zu verdanken, dass der bald allein dastehende Diomede aus dem Knast entkommen, über die Grenze nach Marseille fliehen und Annunziata dort aushebeln kann.

Das ist doch mal was für Vatters Sohn. Zwar ist Lupos Verbundenheit zur actionlastigen Komödie allseits präsent, dennoch schlägt er immer wieder den Bogen zum unerbittlichen Gangsterfilm, was eine auf den ersten Blick eigenartig anmutende, letztendlich jedoch passgenau Mischung feilbietet. Riz Ortolanis Musik verdeutlicht diese beiden Gegenpole durch zwei Hauptthemen, eins ist im gutgelaunten Ragtime-Stil gehalten, das andere kommt als funkiger Seventies-Pop, wie er repräsentativ für das italienische Kino ist, um die Ecke. Der leicht verschmitzte Halunke, den Van Cleef so gern und regelmäßig im Italowestern gab, ist auch in Frankie Dios Persona noch enthalten, allerdings vermengt er sich mit dem gnadenlosen Capo, der, was seine private Agenda angeht, keinesfalls mit sich spaßen lässt und knüppelhart zu Werke geht. Ähnliches gilt für seine Konkurrenz, deren Vorgehen Frankie Dios Aggressionspotenzial erst zur Gänze entfesselt. Tony Lo Bianco als etwas schmieriger Maulaffe, der in seinem Heimatviertel besonders als Aufschneider populär ist, bildet dazu ein hervorragendes Gegengewicht – als eine Art liebenswerter Eulenspiegel liegt ihm trotz all seiner Bewunderung (er hat ein riesiges Poster von Frankie Dio an der Wand seiner Wohnung) für das organisierte Verbrechen nichts ferner als ernste Gewaltanwendung. Als er nach einer der formidabelsten Verfolgungsjagden des gesamten Kinojahrzehnts im Showdown, den Frankie Dio schon aufgrund seiner privaten Motivation praktisch allein bestreitet, einem Widersacher in die Beine schießt, ist er völlig entsetzt über seine Aktion und somit faktisch geheilt von allen bisherigen kriminellen Umtrieben. Edwige Fenech als Tonys Freundin hat erwartungsgemäß die Hauptaufgabe, ihre physischen Reize zu demonstrieren, Romano Puppo gibt Annunziatas rechte Hand; der klotzbirnige Claudio Undari ist als Bohrmaschinenkiller an Bord und Joe D’Amato als Co-Dp. Ich glaube, allein dieses Personal spricht Bände.

8/10

UNA MAGNUM SPECIAL PER TONY SAITTA

„You can go now. New findings occured.“

Una Magnum Special Per Tony Saitta (Feuerstoß) ~ I/CA/PA 1976
Directed By: Alberto De Martino

Captain Tony Saitta (Stuart Whitman) vom Ottawa Police Department ahnt es schon vor der Beerdigung: Der Tod seiner jungen Schwester, der Studentin Louise (Carole Laure), war alles, nur ganz bestimmt kein Unfall. Vor Ort in Montreal ermittelt er gemeinsam mit seinem Kollegen Ned Matthews (John Saxon) in der Sache und findet bald heraus, dass sich die tatsächlich vergiftete Louise nicht nur gern in übler Gesellschaft herumtrieb, sondern zudem selbst ein ziemliches Früchtchen war. Ihr Mörder treibt zudem immer noch sein Unwesen..

Hier wurde mit extrem heißer Nadel gestrickt, um 85 Minuten Film zu einem halbwegs kohärenten Gesamten zusammenzuklöppeln. De Martino jedenfalls und besonders das Script von Gianfranco Clerici und Vincenzo Mannino bindet dem Zuschauer ein paar regelrechte Super-Bären auf. In fast episodischer und stark an die Dramaturgie einer Folge zeitgenössischer US-Krimiserien gemahnender Manier schicken die Drei das Duo Whitman/Saxon auf Spurensuche. Und das funktioniert so: Etwas Porkeln in der kanadischen Unterwelt fördert immer neue, potenzielle Informanten zutage, denen Bloß noch Namen wie „Zahnstocher-Charly“ oder „Fat Lips Johnson“ fehlen. Darauf fährt man die entsprechenden Kandidaten besuchen und kündigt sich bereits durch laute Begrüßung aus dem offenen Wagenfenster an. Der entsprechende Aspirant nimmt, ohne zu wissen, was die Bullen überhaupt von ihm wollen, sofort die Beine in die Hand und haut ab. Es folgt eine jeweils sieben- bis achtminütige Verfolgungsjagd, bis das meist wenig gewinnbringende Interview dann doch noch geführt werden kann. Es gibt einen MacGuffin in Form einer Perlenkette und eine Pseudoauflösung, die unter Garantie zuvor nicht erraten werden kann und dementsprechend uninteressant und banal ausfällt. Garniert wird das Ganze mit Elementen aus Poliziottesco, Giallo, Sleaze und ordinärem Kriminalfilm, ohne am Ende eines von den Vieren komplett zu bedienen. Und trotzdem macht „Tony Saitta“ Laune: Die Tatsache, dass in all dem eklektischen Wust nichts recht zusammenpassen mag, ist erfrischend, Montreal als Kulisse für einen Euro-Crime überaus seltsam bis gewöhnungsbedürftig, der Score (Armando Trovajoli) geht gut nach vorn und das Ensemble, dass De Martino wieder einmal zusammentrommeln konnte, erfreut durch und durch mit unverhältnismäßiger Professionalität. Außerdem stellt sich wieder einmal der Beweis ein, dass Tisa Farrow um Einiges attraktiver war/ist als ihre ältere und ungleich berühmtere Schwester. Und Carole Laure ist erst recht ein heißer Feger, besonders, wenn sie oben ohne und im entfesselten Blutrausch ältere Damen totschlägt.

6/10