THE DEFENDERS: SEASON 1

„Am I the only one in New York who doesn’t know Karate?“

The Defenders ~ USA 2017
Directed By: S.J. Clarkson/Phil Abraham/Farren Blackburn/Uta Briesewitz/Félix Enríquez Alcalá/Peter Hoar/Stephen Surijk

Höchst unfreiwillig schließen sich die vier New Yorker Superhelden Matt Murdock (Charlie Cox), Jessica Jones (Krysten Ritter), Luke Cage (Mike Colter) und Danny Rand (Finn Jones) zu einem Team zusammen, um die undurchsichtigen Pläne der uralten Verbrechensorganisation „Die Hand“ und ihrer geheimen Chefin Alexandra Reid (Sigourney Weaver) zu durchkreuzen, die wegen eines tief unter Manhattan verborgenen Geheimnisses die Zerstörung der gesamten Metropole in Kauf nimmt.

In direkter Folge zu der „The Defenders“ gewissermaßen vorbereitenden Reihe „Iron Fist“ habe ich mir in zwei Abschnitten das bislang jüngste Netflix-Serial angeschaut. Das beflügelnde Potenzial der besten Momente aus „Daredevil“ oder „Luke Cage“ erreichen die „Defenders“ nicht, soviel gleich einmal vorweg. Nach der bereits recht früh erfolgten Ankündigung seitens des emsigen Anbieters, die vier separat vorgestellten Superhelden nach ihren Soloeinsätzen zusammenzubringen und ihnen den Namen eines ursprünglich komplett anders besetzten Marvel-Teams aus den frühen Siebzigern (das zunächst aus den wesentlich kampfkräftigeren Doctor Strange, Hulk, Submariner und Silver Surfer bestand) zu verabreichen, durfte man sich einiger berechtigter Vorfreude unterlegen, die das finale Resultat jedoch bestenfalls im Ansatz zu erfüllen weiß. Der Höhepunkt von „The Defenders“ liegt zugleich in ihrer Prämisse, nämlich vier der besten street fighting heroes aus dem Marvel-Universum vereint im Kampf genießen zu können. Leider erweisen sie alle sich nach wie vor, mit Ausnahme des weniger abgeklärten Danny Rand, als genau die Individualisten, als die sie onscreen bereits vorgestellt wurden: Keiner will eigentlich etwas mit den forcierten Partnern zu tun haben, der Aufbau von wechselseitigem Vertrauen fällt alles andere als leicht und man macht sich den zügigen Erfolg durch überaus dysfunktionale Kratzbürstigkeiten nur sehr viel schwerer. Die Comics hatten es da stets wesentlich einfacher, oder es sich, so man will, erholsam einfach gemacht: Hier gab und gibt es über Jahre hinweg gepflegte Freundschaften (Cage und Rand), Allianzen (alle helfen sich oft – auch privat – gegenseitig aus) und Romanzen (Jones und Cage) und hier wäre ein Gegner wie Alexandra Reid für die geballte Teampower des Quartetts eher einem zweiten Frühstückshappen gleichgekommen. Darin liegt zugleich der aus meiner Sicht augenfälligste Störfaktor: in dem unbedingten Bestreben, liebgewonnene und gewiss berechtigte Traditionen bereits als obsolet abzukanzeln, ohne dass sie überhaubt die Möglichkeit bekommen, sich erstmal zu etablieren. Matt Murdock pflegt seine Geheimidentität mit Fug und Recht, dennoch kassiert er von der diesmal ohnehin allzu viele blöde Sprüche kloppenden Jessica Jones dumme Kommentare angesichts seiner Kostümierung. Derlei redundantes Beziehungsgebremse zieht sich durch geraume Phasen von „The Defenders“, während man immerhin Elodie Young, die als Elektra aus dem Grabe zurückkehrt, hinterherschmachten darf. Eigentlich gehört die Serie über nicht unwesentliche Strecken ihr, die zwischenzeitlich zur „Hand“ überläuft, bis ihr zum Ende hin ein ungewisses Schicksal bevorsteht. Dennoch wird man wohl damit rechnen dürfen, dass man sie dereinst, wie auch im Print, wiedersieht. Alles andere wäre auch viel zu schade. Die groß angekündigte Sigourney Weaver bleibt mir allzu blass und zumindest ich hätte die viel beeindruckendere Wai Ching Ho als Madame Gao völlig als Kopf der „Hand“ weiterhin bevorzugt. Der neuerlich als mysteriöser Stick auftretende Scott Glenn, der mittlerweile endgültig aussieht wie seine eigene Mumie, erhält einen wenig rühmlichen Serienausstieg und die vielen, lieb gewonnenen Nebencharaktere sind eigentlich bloß physisch präsent. Ich hätte mir den Fuß sehr viel häufiger am Gaspedal gewünscht, aber wenn man eben vornehmlich damit befasst ist, seine Hauptfiguren urplötzlich und über weite Strecken als selbsträsonistische Arschlöcher zu denunzieren, dann sind gewisse Umwege eben unumgänglich.

7/10

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IRON FIST: SEASON 1

„I am Danny Rand, the immortal Iron Fist, protector of K’un-Lun, sworn enemy of the Hand!“

Iron Fist: Season 1 ~ USA 2017
Directed By: John Dahl/Farren Blackburn/Uta Briesewitz/Deborah Chow/Andy Goddard/Peter Hoar/RZA/Miguel Sapochnik/Tom Shankland/Stephen Surijk/Kevin Tancharoen/Jet Wilkinson

Nachdem Danny (Toby Nichols), der Sohn des New Yorker Firmengründers und Unternehmers Wendell Rand (David Furr), als einziger den Absturz dessen Privatjets im Himalaya überlebt, wird er von Mönchen der mystischen Klosterstadt K’un Lun gefunden und fünfzehn Jahre lang in deren Lehren unterwiesen, die unter anderem die Zerschlagung der kriminellen Geheimsekte „Die Hand“ vorsehen. Zudem erlangt Danny die Kraft, sein Chi zu konzentrieren und sich dadurch die gewaltige Kraft der „Iron Fist“ zunutze zu machen. Nach dieser Zeit verschwindet Danny (Finn Jones) unerlaubt aus K’un Lun und kehrt, mittlerweile erwachsen, zurück nach New York, wo er mit seinen Kindheitsfreunden Joy (Jesica Stroup) und Ward Meachum (Tom Pelphrey) konfrontiert wird, die mittlerweile die Firmengeschäfte von „Rand Enterprises“ leiten und Danny nach wie vor für tot und den bei ihnen Auftauchenden für einen Lügner halten. Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie kann Danny zunächst zu der Kung-Fu-Lehrerin Colleen Wing (Jessica Henwick) fliehen und sich seinen Platz als rechtmäßiger Firmenerbe zurückerobern. Doch im Hintergrund zieht noch der ebenfalls totgeglaubte Kompagnon von Dannys Vater, Harold Meachum (David Wenham), die Fäden, der unselige Verbindungen zur „Hand“ pflegt, und auch Colleen ist nicht die, die zu sein sie vorgibt…

„Iron Fist“, die mittlerweile vierte Netflix-Installation eines Marvel-Serials, hatte und hat es immens schwer, sich selbst unter Fans und Geeks einen Leumund zu erstreiten, der seinen Vorgängern auch nur ansatzweise an die Kante reicht. De facto scheint die Reihe nur wenige echte Befürworter zu haben. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Der weltfremde, manchmal hinterwäldlerische Habitus Danny Rands, seine Unerfahrenheit und relative Jugend, liefern häufig Anlass zu mal mehr, mal weniger freiwilliger Komik; die street credibility von Matt Murdock, Jessica Jones und Luke Cage geht ihm, dem urplötzlichen Reichen mit dem goldenen Herzen und der goldenen Faust vollends ab, stattdessen pflegt er eine weltverbesserische, manchmal geradezu infantil anmutende Naivität, die zwar zu seiner Figur passt, ihn dabei jedoch nicht selten auf eher rührende Art und Weise an die Martial-Arts-Version eines Capra-Protagonisten erinnert. Hinzu kommt, dass „Iron Fist“ noch sehr viel mehr und direkter als die bisherigen Netflix-Marvels eindeutige Soap-Elemente integriert – die Intrigen und Hasslieben innerhalb der höchst dysfunktional agierenden Meachum-Familie, die gar Erinnerungen an „Dallas“ oder „Dynasty“ aufkommen lassen, tragen Sorge dafür. Anders als bis dato gepflegt, verfolgt „Iron Fist“ zudem keinen klar fixierten Inhaltsstrang; stattdessen finden sich gleich drei(einhalb) Bösewichte mit unterschiedlich geschickt umrissenen Zielsetzungen eingebaut, was relativ rasch offenbar werden lässt, dass nicht nur hier und da erzählerische Ratlosigkeit vorherrscht, sondern zudem eine Komprimierung der Story auf zehn statt dreizehn Episoden vermutlich nicht ganz ungeschickt gewesen wäre.
Ferner wirkt die Figur der von Rosario Dawson gespielten „Night Nurse“ Claire Temple, die als eine Art dramaturgischer Kleister unter den einzelnen Serien fungiert und die ich eigentlich immer sehr schätze, hier erstmals sehr willkürlich eingepasst.
Resümierend gefielen mir die ungezwungene Leichtigkeit, die die Comicwurzeln der Figur „Iron Fist“ – wenn auch ohne das schicke Kostüm – prononciert und sie von dem manchmal beschwerlichen Existenzialismus einer Jessica Jones abgrenzt, dann doch recht gut. Die Kämpfe sind ordentlich choreographiert und Dannys Romanze mit Colleen Wing findet sich recht hübsch in das Gesamtgeschehen eingeflochten. Zudem bekommt man mit David Wenham als immer wahnsinniger werdenden Harold Meachum wieder einen schönen villain vorgelegt. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls nicht, auch wenn gewisse Entschlackungsmaßnahmen dem Ganzen wie bereits erwähnt gewiss zu größerem Erfolg gereicht hätten.

7/10

IL TRONO DI FUOCO

Zitat entfällt.

Il Trono Di Fuoco (The Throne Of Fire) ~ I 1983
Directed By: Franco Prosperi

In grauer Vorzeit schwängert Belial (Harrison Muller), ein Abgesandter Satans, die Hexe Azira (Beni Cardoso), auf dass diese dereinst das Kind des Bösen gebäre. Glücklicherweise gibt es zu allem Irdischen und Überirdischen stets einen Widerpart und so wächst zeitgleich mit dem lumpigen Morak (Harrison Muller) der Recke Siegfried (Pietro Torrisi) heran. Als endlich die Stunde naht, da Morak den Thron des Feuers besteigen und die Weltherrschaft an sich reißen kann – es gibt eine Sonnenfinsternis – fehlt dem Unhold zu seinem dämonischen Endsieg nur noch die fesche Königstochter Prinzessin Valkari (Sabrina Siani) als Eheweib. Das entsprechende Los sucht Siegfried zu verhindern.

„Il Trono Di Fuoco“ markierte einen der letzten Versuche der Italiener, am Erfolg der von „Conan The Barbarian“ losgetretenen Barbarenfilm- oder auch „Sword & Sorcery“-Welle zu partizipieren. Unter dem anglophonen Pseudonym „Peter McCoy“ stieg der bizepsbewährte Sizilianer Pietro Torrisi, der zuvor über etliche Jahre hinweg so gut wie nur in körperbetonten bit parts zu sehen gewesen war, urplötzlich zum Ministar dieses kleinen Sub-Subgenres auf und spielte die mehr oder weniger selbe Rolle gleich dreimal in dichter Folge, davon zweimal unter dem Handarbeiter Franco Prosperi, dessen zugleich letzte Regiearbeit der vorliegende Prügel bildete. Die ohnehin bloß fragmentarisch vorhandene Story  bot dabei die Vorlage für ein auf geradezu unverschämte Weise gleich dreifach durchgespieltes Flucht- und Wiedereinfangszenario, im Zuge dessen Torrisi als Siegfried (!) und die bemerkenswert untalentierte Sabrina Siani, zu jener Zeit ebenfalls ein kleines, kurzlebiges Sternchen im italienischen Plagiatsfach, dem von Harrison Muller gespielten Deibelssohn immer wieder entkommen, nur um dann aufs Neue eingefangen und auf seine Burg (ein pittoreskes Gemäuer irgendwo im Latium, das der Film allenthalben mit prominentem Stolz ins Bild rückt) zurückgebracht werden. Geld für Spezialeffekte war wohl keines da, so dass sich der originäre Fantasy-Faktor auf ein verschwindendes Mindestmaß zu beschränken hatte. „Höhepunkte“ bilden dabei ein Kampf  Torrisis mit einer sichtlich unlustigen Riesenschlange, die dem Akteur bedrohlich schlaff um den Hals gehängt wurde und Moraks Ende, das ihn als unrechtmäßigen Besetzer des titelgebenden Throns dahinschmelzen lässt. Immer noch be- und verwundernswert erscheint heute bei der Retrospektion dieser immerhin sympathischen, kleinen Einmachgurken, welch professionelle (und den Gesamteindruck daher stark aufwertende) Synchronisationsbestrebungen man ihnen hierzulande zuteil werden ließ. Nunja, damals hatten die eben noch die Zeit dafür.

4/10

THE MUMMY

„You can’t run. You can’t escape.“

The Mummy (Die Mumie) ~ USA 2017
Directed By: Alex Kurtzman

Die Antiquitätenschmuggler und Regierungsangestellten Nick Morton (Tom Cruise) und Chris Vail (Jake Johnson) entdecken im Irak eher zufällig das Grab der ägyptischen Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella), die vor rund dreitausend Jahren versucht hatte, ihr Erbrecht mithilfe des Totengottes Seth durchzusetzen, dann jedoch ertappt und ebenso eilends wie weit weg von daheim (in Mesopotamien nämlich) bestattet wurde. Die flugs herbeieilende Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis), auf die Morton bereits ein Auge geworfen hat, ist Feuer und Flamme für den Sensationsfund. Nachdem die Gruft geöffnet ist, gelingt es Ahmanet natürlich, ihrem Gefängnis zu entfleuchen und Nick, Jenny und Chris, der sich infolge eines Spinnenbisses zombifiziert, bis nach London nachzustellen. Während Ahmanet plant, Nick zur irdischen Inkarnation ihres geliebten Seth umzufunktionieren, erfährt dieser, dass es eine Geheimorganisation namens „Prodigium“ gibt, die sich mit der Bedrohung durch übernatürliche Mächte befasst. Vorsitzender von Progidium ist Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe), er allenthalben mit seinem alter ego Edward Hyde (Russell Crowe) zu kämpfen hat. Es gelingt, Ahmanet vorübergehend festzusetzen, doch sie kann entkommen und Nick wie geplant unter Seths Besetzung stellen. Dieser wehrt sich jedoch nach Kräften, wendet sich schließlich gegen Ahmanet und verschwindet nach gewonnenem Duell.

Trotz letztmaligem Pompösreinfall hat die Universal rein gar nichts dazugelernt, was die Reaktivierung ihrer alten Monsterfilme anbelangt. Nach 1932 und 1999 ist dies der dritte Film des Studios, der den Titel „The Mummy“ trägt und wie der vorangehende Versuch, das von Karl Freund vor nunmehr 85 Jahren meisterhaft inszenierten Original massentauglich aufzufrischen, ein einziger, gewaltiger Faux-pas. Ähnlich wie im Falle „Van Helsing“, der wie die 99er-Mumie und dessen Erstsequel unter der Ägide von Stephen Sommers erstellt wurde, versucht man sich heuer an der Etablierung eines neuen, monsterübergreifenden Franchise. Dieses befindet sich nach Verlautbarung bereits in fortgeschrittener Planung und schimpft sich – clever, clever – „Dark Universe“ und wird zu Beginn auf der Rückseite des Universal-Globus enthüllt. Nach der Betrachtung dieser bereits im Aufbaustadium schwerstkariösen Suspension kann ich dessen „Versprechen“ nurmehr als waschechte Drohung interpretieren. In Kurtzmans Film (ein Blick auf dessen vor allem aus Produktions- und Scriptjobs bestehenden Werkes verrät bereits, aus welcher Richtung der Hase gehoppelt kommt) walten erwartungsgemäß vor allem CGIs rund um eine Titelfigur, die vom maßgebenden Genre in etwa so weit entfernt ist, wie Papst Franziskus vom nächsten Puffbesuch. Stattdessen kristallisiert sich heraus, dass man neidisch zur profitablen Konkurrenz von Disney und Warner schielt, die derzeit Milliardengewinne mit ihren Superhelden-Universen einfahren. Und die Jungs von Legendary haben bereits ihr MonsterVerse am Start.
Der blitzgescheite Umkehrschluss nach einem Blick in den Giftschrank mit den vergilbten Titelrechten: Das können wir auch. Nehmen wir doch einfach abermals die klassischen Schauerfiguren von Shelley über Stoker, Stevenson, Wells etc. pp. und machen daraus unsere eigene, dufte Kinoreihe! Zwar ist auch diese Idee nicht ganz neu – hauseigene monster mashups gab es bereits in den 1940ern und auch der Einfall, viktorianische Mythen unter ein und demselben inhaltlichen Dach zu vereinen, kam Alan Moore bereits vor knapp zwei Jahrzehnten (und wurde bereits, vor allem in künstlerischer Hinsicht, mäßig erfolgreich adaptiert) – doch das dürfte die Kids von heute eh nicht jucken. Also kommen in „The Mummy“ gleich einmal Dr. Jekyll & Mr. Hyde zum Zuge, mit denen zweifelsohne auch weiterhin zu rechnen sein wird. Folgetreffen mit Frankensteins Monster (respektive dessen Braut), Dracula, dessen Erzfeind Dr. Van Helsing, dem Wolfsmenschen, dem Unsichtbaren, dem Phantom der Oper und, man höre und staune, sogar mit dem Glöckner von Notre-Dame sind bereits in der Planung. Sicherlich darf man sich bei halbwegs anständigem Einspiel gleich auch noch auch auf den Kiemenmann, Dr. Moreau und Dorian Gray gefasst machen.
Die Tatsache, dass allerdings gleich der Starschuss gleich so dermaßen nach hinten losgehen muss, lässt eher besorgt auf die Zukunft des Dark Universe blicken. Flauer Humor, rabiat geklaute Gags (oder soll Chris Vail als zunehmend verwesender, sprüchekloppender hero’s guide aus dem Jenseits etwa eine Hommage an „An American Werewolf In London“ sein?), ein „Monster“, das eher in feuchte denn in Albträume gehört und ein wie immer supersonnig aufgelegter Tom Cruise in seinem nächsten Part als Serienheld (wenn ich richtig gezählt habe, der mittlerweile dritte) und gepflegte Langeweile jedenfalls keine Garanten für gute Gelingen. Aber man soll nicht immer alles vorverurteilen. Vielleicht wird der für Februar 19 avisierte „Frankenstein’s Bride“ (immerhin von Bill Condon inszeniert) ja richtig scary!

4/10

WONDER WOMAN

„What I do is not up to you!“

Wonder Woman ~ USA/CN/HK/UK/I/CAN/NZ 2017
Directed By: Patty Jenkins

Die Amazone Diana (Gal Gadot) wächst auf der vom Rest der Welt abgeschotteten Insel Themyscira auf, deren Bewohnerinnen eine enge Verbindung zur griechischen Sagenwelt pflegen. Ihren ersten Mann bekommt Diana 1918 zu Gesicht, als der US-Pilot Steve Trevor (Chris Pine) durch Zufall vor ihrer Insel notwassert. Als die idealistische, friedliebende Diana von ihm erfährt, was sich soeben in der Außenwelt abspielt, entschließt sie sich in der Überzeugung, der Kriegsgott Ares sei für jene Schrecknisse verantwortlich, Trevor zu folgen und den mythologischen Unhold zu stellen. Bevor sie Ares tatsächlich gegenübersteht, hat Diana noch einige Abenteuer zu bestehen.

Mit „Wonder Woman“ geht DC in die vierte Filmrunde und liegt damit noch immer meilenweit hinter der Konkurrenz von Marvel zurück. Ob sich dahinter eine Strategie verbirgt, das Publikum nicht zu übersättigen, oder ob es schlicht der zurückhaltenderen Qualität der Resultate anzulasten ist, dass sie wesentlich geringer frequentiert zu Tage treten, mag Spekulationssache sein. „Wonder Woman“, um den ja wieder recht großes Trara veranstaltet wurde, von wegen „erster von einer Regisseurin inszenierter Superheldenfilm“ etc.pp. bewegt sich ziemlich eindeutig auf der von „Man Of Steel“ und „Batman V Superman“ vorgerodeten Schneise, den etwas schmalhirnigen „Suicide Squad“ eimal außen vorgelassen. Die Titel-Heroine, neben Superman und Batman seit jeher die Dritte im Bunde von DCs „Big Three“, hatte ihr aktuelles Debüt ja bereits inmitten der beiden alliierten Muskelprotze bei Zack Snyder gegeben und eine  dementsprechend sanft eingeleitete Kinogeburt. Innerhalb der Rahmenhandlung erhält sie von niemand Geringerem als dem alten Flederfuchs Bruce Wayne ein altes Foto aus dem Ersten Weltkrieg, das die seither um keinen Tag gealterte Heldin mit ihrem damaligen Galan Steve Trevor an der belgischen Front zeigt. Die hernach präsentierte origin wird also im Zuge einer Erinnerung abgespielt. Wonder Womans Herkunftsgeschichte ist im Rahmen ihrer Comic-Historie wohl so oft umgeschrieben und neu interpretiert worden wie die keiner anderen DC-Figur; mal ist sie aus einem Lehmklumpen heraus entstanden, dann wieder das Resultat eines schwachen, fleischlichen Moments, mal gibt es zwei Wonder Women (Dianas Mutter Hippolyta ist eigentlich ihre Vorgängerin). Was also eine wie auch immer geartete, direkte Anbindung an das gezeichnete Vorbild anbelangt, konnte der Film praktisch so gut wie nichts falsch machen. Die Idee, Diana erstmals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs aktiv werden zu lassen ihr hernach gleich auch noch dessen Beendigung zuzuschreiben, erweist sich als durchaus charmant. Dass bei den betagteren Vertretern der Superheldenzunft auch historische Szenarien funktionieren, wissen wir bereits von „Captain America: The First Avenger“. Das Schützengrabengetümmel der Westfront bietet der Heldin allerlei rustikale Gelegenheiten, ihre noch nicht zur Gänze entdeckten Fähigkeiten auszuschöpfen und ordentlich kaiserliche Soldaten von der Platte zu putzen. Mir hat’s gefallen. Gal Gadot geht als nahezu perfekte Realinkarnation der schönen Amazone durch, Chris Pine erschien mir indes austauschbar. Subsummiert ist „Wonder Woman“ durchaus okay und phasenweise vergnüglich, wozu auch eine gepflegte Leichtigkeit im Umgang mit dem Sujet beiträgt. Dennoch freue ich für meinen Teil mich nach wie vor wesentlich mehr auf „Infinity War“ als auf den „Justice League“-Film…

7/10

LOGAN

„Beware the light.“

Logan ~ USA/AUS/CAN 2017
Directed By: James Mangold

Mexiko, 2029: Der Mutant James Howlett (Hugh Jackman) alias Logan alias Wolverine ist einer der Letzten seiner Art. Eine nicht näher benannte Katastrophe hat die übrigen X-Men in den Tod gerissen. Während seine Selbstheilungskräfte zunehmend schwinden und auch sein hohes Alter langsam seinen Tribut fordert, hat Logan sich als Mietchauffeur jenseits der Grenze eine kleine Fluchtexistenz aufgebaut. Seinen früheren Mentor Charles Xavier (Patrick Stewart), der unter schweren Demenzschüben leidet, hat er in seiner Obhut und versorgt ihn gemeinsam mit dem Albino Caliban (Stephen Merchant) mit den notwendigen Medikamenten. Als die kleine Laura (Dafne Keen) auftaucht, wartet eine letzte Mission auf Logan: Das Mädchen ist eine im Labor gezüchtete Mutantin auf Basis von Logans DNS, was ihn zu einer Art Vater macht. Der skrupellose Genforscher Rice (Richard E. Grant) plante Laura und einige andere Kinder zu gewissenslosen Biowaffen heranwachsen zu lassen, was die sich entwickelnden Persönlichkeiten der Kids jedoch durchkreuzten. Um sie vor der folgenden Euthanasie zu schützen, gelang es einer treusorgende, Krankenschwester (Elizabeth Rodriguez) Laura und ein paar andere Kinder in die Freiheit zu entlassen. Das Militär ist nun auf der Suche nach den gescheiterten Versuchsobjekten, um sie endgültig auszulöschen. Logan, der Professor und Laura machen sich, gejagt von Rice und seinen Leuten, auf den Weg nach Oklahoma, wo es angeblich eine letzte Zuflucht für verfolgte Mutanten geben soll…

Die Vorschusslorbeeren waren ja recht immens: Nach dem ziemlich infantil geratenen „Deadpool“ hatte die Fox also die Chuzpe, gleich noch einen zweiten Superheldenfilm mit R-Rating vom Stapel zu lassen. Dufte Sache. Nun sieht man die legendären Klauen von Wolverine (und die der putzigen, aber ebenso tödlichen Laura, die allerdings bloß zwei Krallen an jeder Hand hat) also nicht nur in die Opfer ein- sondern gleich auch wieder ausdringen. Dazu hat es noch einige Dekapitationen, was folglich für die eine oder andere deftige Gewaltspitze sorgt und „Logan“ phasenweise tatsächlich zu einem recht derben Schlachtfest macht, das sich allerdings nicht nur infolge seiner recht graphischen Erscheinung deutlich von dem bis dato gepflegten Regelwerk des Franchise abhebt. Vor allem ist „Logan“ ein durchaus intimes, zuweilen melancholisches Generationsdrama, das einer kleinen, immens dysfunktionalen konstellierten „Familie“ auf seinem nicht eben freiwillig begangenen Roadtrip durch den Südwesten der USA folgt. Dass der mittlerweile in Ehren ergraute Titelheld hierin dabei ist, seine letzten Tage zu durchleben, dürfte kein Geheimnis sein und auch für den im Filmkontext neunzigjährigen Professor Xavier und damit seinem (ersten) Stammschauspieler Patrick Stewart läuten die letzten Glocken. Vom einstmaligen Glanz der „School for Gifted Youngsters“ in Westchester ist nurmehr der karge Staub der mexikanischen Wüste geblieben; offenbar, das suggerieren ein paar Dialogzeilen, ist der mental schwer angegriffene Xavier selbst für die einstige Zerstörung seines zuvor mühselig aufgebauten Sanktuariums und damit zugleich auch die der meisten X-Men verantwortlich. Hinzu kommt das kleine, vermeintlich stumme Mädchen, das Logans Erbmasse in sich trägt und ebenso zum animalischen Berserkertum neigt wie sein unfreiwilliger Genspender. Möglicherweise seien die Mutanten gar nicht der als solcher bezeichnete „homo superior“ und damit die Erben des herkömmlichen Menschengeschlechts, sondern bloß eine kurzlebige evolutionäre Extravaganz, heißt es einmal im Film. Die Abenddämmerung neigt sich. Das sich zunehmend in die Enge getrieben sehende Trio trägt also gewissermaßen eine langjährige Tradition zu Grabe, respektive macht es den Weg frei für eine kommende Generation neuer Mutanten, die wir in Form der im Kollektiv durchaus mächtigen, alleredings von Menschenhand geschaffenen Kinderclique sicherlich noch wiedersehen werden.
„Logan“ bildet nun vielleicht nicht ganz das große Meisterstück ab, zu dem es letzthin gern verklärt wurde, aber es ist ein schöner, herzerfüllter Beitrag zum filmischen „X-Men“-Kosmos und vor allem der gelungenste Teil der sich absplittenden Trilogie um den ja ohnehin gleich von Anfang an zur Leitfigur kultivierten Wolverine.

8/10

MACISTE, L’UOMO PIÙ FORTE DEL MONDO

Zitat entfällt.

Maciste, L’Uomo Più Forte Del Mondo (Maciste und die Königin der Nacht) ~ I 1961
Directed By: Antonio Leonviola

Der Muskelmann Maciste (Mark Forest) gerät in Konflikt mit den zum Leben ohne Sonne verdammten Maulwurfsmenschen, die das Volk des ermordeten König Khur (Nando Tamberlani) versklaven, um es in ihrem unterirdischen Reich Juwelen abbauen zu lassen. Zusammen mit seinem neuen Kumpel Bango (Paul Wynter) lässt auch Maciste sich gefangennehmen und lernt mit Halis Mojab (Moira Orfei) die rachsüchtige, missgünstige Königin der Maulwurfsmenschen kennen. Diese würde den properen Maciste am Liebsten vom Fleck weg heiraten, doch jener erweht sich tapfer aller Avancen durch das böse Luder.

Neben Herkules brachte es der Muskelheld Maciste im Peplum der sechziger Jahre auf die meisten Serieneinträge. Wikipedia listet immerhin ganze 25. Dabei handelte es sich im Prinzip bloß um eine fix herbeigewunschene Wiederbelebung: In den zehner und zwanziger Jahren hatte der Bodybuilder Bartolomeo Pagano den Maciste bereits 26 Male gegeben. Der ursprünglich als karthagische Held konzipierte, bärenstarke Protz hatte im Vergleich zu Herkules dabei den Vorteil, nicht auf einen singulären, mythologischen Background festgelegt zu sein. Maciste turnte stattdessen munter durch Epochen und Regionen, war mal im alten Rom aktiv, dann im Schottland des 17. Jahrhunderts, nur um dann einem ägyptischen Pharao beizustehen oder in Spanien gegen Zorro anzutreten. In „Maciste, L’Uomo Più Forte Del Mondo“ war es an Fünffach-Maciste (und damit Silbermedaillen-Gewinner nach Kirk Morris), an unbestimmtem Ort und zu unbestimmter Zeit den Kampf gegen ein albino-artiges, unterirdisches Völkchen aufzunehmen, das, ganz seiner grottigen Herkunft entsprechend, nur Übles im Sinn hat. Dabei steht Forest ein nicht minder gut ausgestatter, dunkelhäutiger Recke namens Bango zur Seite, der in der deutschen Synchronisation mit dümmlichem Bamse-Olumbe-Dialekt „angereichert“ wurde, wohl, um seine Urwaldherkunft zu unterstreichen. Überhaupt wird viel von „Rassen“ und deren Differenzen parliert; zugleich lässt sich ein mehr oder minder diffuses, homoerotisches Element , wie es dem Peplum häufig ohnedies innewohnte, unter den beiden Raubritterkreuzen nicht hinfortleugnen. In ideologischer Hinsicht gibt es also einiges an tumbem Gekaspere, wobei Forest, der die Stimme von Hansjörg Felmy bekam, allein durch diesen Umstand gleich nur noch halb so blöd wirkt. Ist aber auch egal: Kämpfe gegen einen Affenmenschen im Kostüm und gegen ein paar Löwen sowie eine bombastische Kraftprobe machen Vieles an Unbill wieder wett und diesen Maciste zu einem Musterexempel seiner leicht debilen Zunft. Dass die billig edierte deutsche DVD eine abartig-asynchrone Synchrontonspur aufweist, halte ich nebenbei an dieser Stelle für meine warnungsvolle Mitteilungspflicht.

6/10