WONDER WOMAN

„What I do is not up to you!“

Wonder Woman ~ USA/CN/HK/UK/I/CAN/NZ 2017
Directed By: Patty Jenkins

Die Amazone Diana (Gal Gadot) wächst auf der vom Rest der Welt abgeschotteten Insel Themyscira auf, deren Bewohnerinnen eine enge Verbindung zur griechischen Sagenwelt pflegen. Ihren ersten Mann bekommt Diana 1918 zu Gesicht, als der US-Pilot Steve Trevor (Chris Pine) durch Zufall vor ihrer Insel notwassert. Als die idealistische, friedliebende Diana von ihm erfährt, was sich soeben in der Außenwelt abspielt, entschließt sie sich in der Überzeugung, der Kriegsgott Ares sei für jene Schrecknisse verantwortlich, Trevor zu folgen und den mythologischen Unhold zu stellen. Bevor sie Ares tatsächlich gegenübersteht, hat Diana noch einige Abenteuer zu bestehen.

Mit „Wonder Woman“ geht DC in die vierte Filmrunde und liegt damit noch immer meilenweit hinter der Konkurrenz von Marvel zurück. Ob sich dahinter eine Strategie verbirgt, das Publikum nicht zu übersättigen, oder ob es schlicht der zurückhaltenderen Qualität der Resultate anzulasten ist, dass sie wesentlich geringer frequentiert zu Tage treten, mag Spekulationssache sein. „Wonder Woman“, um den ja wieder recht großes Trara veranstaltet wurde, von wegen „erster von einer Regisseurin inszenierter Superheldenfilm“ etc.pp. bewegt sich ziemlich eindeutig auf der von „Man Of Steel“ und „Batman V Superman“ vorgerodeten Schneise, den etwas schmalhirnigen „Suicide Squad“ eimal außen vorgelassen. Die Titel-Heroine, neben Superman und Batman seit jeher die Dritte im Bunde von DCs „Big Three“, hatte ihr aktuelles Debüt ja bereits inmitten der beiden alliierten Muskelprotze bei Zack Snyder gegeben und eine  dementsprechend sanft eingeleitete Kinogeburt. Innerhalb der Rahmenhandlung erhält sie von niemand Geringerem als dem alten Flederfuchs Bruce Wayne ein altes Foto aus dem Ersten Weltkrieg, das die seither um keinen Tag gealterte Heldin mit ihrem damaligen Galan Steve Trevor an der belgischen Front zeigt. Die hernach präsentierte origin wird also im Zuge einer Erinnerung abgespielt. Wonder Womans Herkunftsgeschichte ist im Rahmen ihrer Comic-Historie wohl so oft umgeschrieben und neu interpretiert worden wie die keiner anderen DC-Figur; mal ist sie aus einem Lehmklumpen heraus entstanden, dann wieder das Resultat eines schwachen, fleischlichen Moments, mal gibt es zwei Wonder Women (Dianas Mutter Hippolyta ist eigentlich ihre Vorgängerin). Was also eine wie auch immer geartete, direkte Anbindung an das gezeichnete Vorbild anbelangt, konnte der Film praktisch so gut wie nichts falsch machen. Die Idee, Diana erstmals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs aktiv werden zu lassen ihr hernach gleich auch noch dessen Beendigung zuzuschreiben, erweist sich als durchaus charmant. Dass bei den betagteren Vertretern der Superheldenzunft auch historische Szenarien funktionieren, wissen wir bereits von „Captain America: The First Avenger“. Das Schützengrabengetümmel der Westfront bietet der Heldin allerlei rustikale Gelegenheiten, ihre noch nicht zur Gänze entdeckten Fähigkeiten auszuschöpfen und ordentlich kaiserliche Soldaten von der Platte zu putzen. Mir hat’s gefallen. Gal Gadot geht als nahezu perfekte Realinkarnation der schönen Amazone durch, Chris Pine erschien mir indes austauschbar. Subsummiert ist „Wonder Woman“ durchaus okay und phasenweise vergnüglich, wozu auch eine gepflegte Leichtigkeit im Umgang mit dem Sujet beiträgt. Dennoch freue ich für meinen Teil mich nach wie vor wesentlich mehr auf „Infinity War“ als auf den „Justice League“-Film…

7/10

LOGAN

„Beware the light.“

Logan ~ USA/AUS/CAN 2017
Directed By: James Mangold

Mexiko, 2029: Der Mutant James Howlett (Hugh Jackman) alias Logan alias Wolverine ist einer der Letzten seiner Art. Eine nicht näher benannte Katastrophe hat die übrigen X-Men in den Tod gerissen. Während seine Selbstheilungskräfte zunehmend schwinden und auch sein hohes Alter langsam seinen Tribut fordert, hat Logan sich als Mietchauffeur jenseits der Grenze eine kleine Fluchtexistenz aufgebaut. Seinen früheren Mentor Charles Xavier (Patrick Stewart), der unter schweren Demenzschüben leidet, hat er in seiner Obhut und versorgt ihn gemeinsam mit dem Albino Caliban (Stephen Merchant) mit den notwendigen Medikamenten. Als die kleine Laura (Dafne Keen) auftaucht, wartet eine letzte Mission auf Logan: Das Mädchen ist eine im Labor gezüchtete Mutantin auf Basis von Logans DNS, was ihn zu einer Art Vater macht. Der skrupellose Genforscher Rice (Richard E. Grant) plante Laura und einige andere Kinder zu gewissenslosen Biowaffen heranwachsen zu lassen, was die sich entwickelnden Persönlichkeiten der Kids jedoch durchkreuzten. Um sie vor der folgenden Euthanasie zu schützen, gelang es einer treusorgende, Krankenschwester (Elizabeth Rodriguez) Laura und ein paar andere Kinder in die Freiheit zu entlassen. Das Militär ist nun auf der Suche nach den gescheiterten Versuchsobjekten, um sie endgültig auszulöschen. Logan, der Professor und Laura machen sich, gejagt von Rice und seinen Leuten, auf den Weg nach Oklahoma, wo es angeblich eine letzte Zuflucht für verfolgte Mutanten geben soll…

Die Vorschusslorbeeren waren ja recht immens: Nach dem ziemlich infantil geratenen „Deadpool“ hatte die Fox also die Chuzpe, gleich noch einen zweiten Superheldenfilm mit R-Rating vom Stapel zu lassen. Dufte Sache. Nun sieht man die legendären Klauen von Wolverine (und die der putzigen, aber ebenso tödlichen Laura, die allerdings bloß zwei Krallen an jeder Hand hat) also nicht nur in die Opfer ein- sondern gleich auch wieder ausdringen. Dazu hat es noch einige Dekapitationen, was folglich für die eine oder andere deftige Gewaltspitze sorgt und „Logan“ phasenweise tatsächlich zu einem recht derben Schlachtfest macht, das sich allerdings nicht nur infolge seiner recht graphischen Erscheinung deutlich von dem bis dato gepflegten Regelwerk des Franchise abhebt. „Logan“ ist vor allem ein durchaus intimes, zuweilen sogar melancholisches Generationendrama, das einer kleinen, immens dysfunktionalen „Familie“ auf seinem unfreiwilligen Roadtrip durch den Südwesten der USA folgt. Dass der mittlerweile in Ehren ergraute Titelheld hierin dabei ist, seine letzten Tage zu durchleben, dürfte kein Geheimnis sein und auch für den im Filmkontext neunzigjährigen Professor Xavier und damit seinem (ersten) Stammschauspieler Patrick Stewart läuten die letzten Glocken. Vom einstmaligen Glanz der „School for Gifted Youngsters“ in Westchester ist nurmehr der karge Staub der mexikanischen Wüste geblieben; offenbar, das suggerieren einn paar Dialogzeilen, ist der mental schwer angegriffene Xavier selbst für die einstige Zerstörung seines zuvor mühselig aufgebauten Sanktuariums und damit auch der meisten X-Men verantwortlich. Hinzu kommt das kleine, vermeintlich stumme Mädchen, das Logans Erbmasse in sich trägt und ebenso zum animalischen Berserkertum neigt wie sein unfreiwilliger Genspender. Möglicherweise seien die Mutanten gar nicht der als solcher bezeichnete „homo superior“ und damit die Erben des herkömmlichen Menschengeschlechts, sondern bloß eine kurzlebige evolutionäre Extravaganz, heißt es einmal im Film. Die Abenddämmerung neigt sich herab. Das sich zunehmend in die Enge getrieben sehende Trio trägt also gewissermaßen eine langjährige Tradition zu Grabe, respektive macht es den Weg frei für eine kommende Generation neuer Mutanten, die wir in Form der im Kollektiv durchaus mächtigen, alleredings von Menschenhand geschaffenen Kinderclique sicherlich noch wiedersehen werden.
„Logan“ bildet nun vielleicht das große Meisterstück ab, zu dem es letzthin gern verklärt wurde, aber es ist ein schöner, herzerfüllter Beitrag zum filmischen „X-Men“-Kosmos und vor allem der gelungenste Teil der sich absplittenden Trilogie um den von Anfang an zur Leitfigur kultivierten Wolverine.

8/10

MACISTE, L’UOMO PIÙ FORTE DEL MONDO

Zitat entfällt.

Maciste, L’Uomo Più Forte Del Mondo (Maciste und die Königin der Nacht) ~ I 1961
Directed By: Antonio Leonviola

Der Muskelmann Maciste (Mark Forest) gerät in Konflikt mit den zum Leben ohne Sonne verdammten Maulwurfsmenschen, die das Volk des ermordeten König Khur (Nando Tamberlani) versklaven, um es in ihrem unterirdischen Reich Juwelen abbauen zu lassen. Zusammen mit seinem neuen Kumpel Bango (Paul Wynter) lässt auch Maciste sich gefangennehmen und lernt mit Halis Mojab (Moira Orfei) die rachsüchtige, missgünstige Königin der Maulwurfsmenschen kennen. Diese würde den properen Maciste am Liebsten vom Fleck weg heiraten, doch jener erweht sich tapfer aller Avancen durch das böse Luder.

Neben Herkules brachte es der Muskelheld Maciste im Peplum der sechziger Jahre auf die meisten Serieneinträge. Wikipedia listet immerhin ganze 25. Dabei handelte es sich im Prinzip bloß um eine fix herbeigewunschene Wiederbelebung: In den zehner und zwanziger Jahren hatte der Bodybuilder Bartolomeo Pagano den Maciste bereits 26 Male gegeben. Der ursprünglich als karthagische Held konzipierte, bärenstarke Protz hatte im Vergleich zu Herkules dabei den Vorteil, nicht auf einen singulären, mythologischen Background festgelegt zu sein. Maciste turnte stattdessen munter durch Epochen und Regionen, war mal im alten Rom aktiv, dann im Schottland des 17. Jahrhunderts, nur um dann einem ägyptischen Pharao beizustehen oder in Spanien gegen Zorro anzutreten. In „Maciste, L’Uomo Più Forte Del Mondo“ war es an Fünffach-Maciste (und damit Silbermedaillen-Gewinner nach Kirk Morris), an unbestimmtem Ort und zu unbestimmter Zeit den Kampf gegen ein albino-artiges, unterirdisches Völkchen aufzunehmen, das, ganz seiner grottigen Herkunft entsprechend, nur Übles im Sinn hat. Dabei steht Forest ein nicht minder gut ausgestatter, dunkelhäutiger Recke namens Bango zur Seite, der in der deutschen Synchronisation mit dümmlichem Bamse-Olumbe-Dialekt „angereichert“ wurde, wohl, um seine Urwaldherkunft zu unterstreichen. Überhaupt wird viel von „Rassen“ und deren Differenzen parliert; zugleich lässt sich ein mehr oder minder diffuses, homoerotisches Element , wie es dem Peplum häufig ohnedies innewohnte, unter den beiden Raubritterkreuzen nicht hinfortleugnen. In ideologischer Hinsicht gibt es also einiges an tumbem Gekaspere, wobei Forest, der die Stimme von Hansjörg Felmy bekam, allein durch diesen Umstand gleich nur noch halb so blöd wirkt. Ist aber auch egal: Kämpfe gegen einen Affenmenschen im Kostüm und gegen ein paar Löwen sowie eine bombastische Kraftprobe machen Vieles an Unbill wieder wett und diesen Maciste zu einem Musterexempel seiner leicht debilen Zunft. Dass die billig edierte deutsche DVD eine abartig-asynchrone Synchrontonspur aufweist, halte ich nebenbei an dieser Stelle für meine warnungsvolle Mitteilungspflicht.

6/10

QUEEN KONG

„Do you think this has some underlying meaning or symbolism or social significance?“

Queen Kong (Die tollen Abenteuer der Queen Kong) ~ UK 1976
Directed By: Frank Agrama

Die kesse Filmemacherin Luce Habit (Rula Lenska) sucht für ihr nächstes Projekt zum Ersten einen kernigen männlichen Star und hat sich zum Zweiten die geheimnisvolle Insel „Lazanga Where They Do The Konga“ als Drehort ausgesucht, auf dem die Eingeborenen der Riesenäffin Queen Kong huldigen. Ihren Auserwählten findet Luce in dem Londoner Kleingauner Ray Fay (Robin Askwith), der sie eher unfreiwillig Richtung Afrika begleitet. Nach einigen Inselabenteuern nimmt man Queen Kong dann mit in die englische Metropole, wo sie flugs zum Star der Feminismusbewegung auserkoren wird.

Wollte ich schon lang einmal gesehen haben und bin nun froh, endlich auch hier ein Häkchen setzen zu können. Frank Agramas als „King Kong“-Parodie verkleidete Gaga-Komödie sucht ihre Wurzeln im britischen Anarchohumor jener Jahre, garniert vielleicht mit ein bisschen Zuwendung an Mel Brooks, jedoch vollkommen ohne dessen Gespür für liebevolle Parodismen oder auch sonst jedwede Art von Stil. Stattdessen bewegt sich der in ausnahmslos jeder Beziehung gammlige „Queen Kong“ in den flauen Gewässern des unwitzigen Nonsens und versagt bei seinen hochfrequenten Versuchen, komisch zu sein, so dermaßen, dass es körperlich wehtut. Robin Askwith, der mit seinem ausgeprägten Kieferbau in jungen Jahren exakt dieselbe Physiognomie aufwies wie Oliver Kahn und der seinerzeit als vielversprechender sonnyboy der aufstrebenden Comedy-Szene galt, sollte man sich bevorzugt in „Horror Hospital“ geben, der seinen „Qualitäten“ deutlich gerechter wurde.
Dies hier ist nichts weiter als lupenreiner, englischer Stinkkäse.

2/10

TROLL 2

„We love tourists here in Nilbog…“

Troll 2 ~ I 1990
Directed By: Claudio Fragasso

Die vierköpfige Stadtfamilie Waits möchte Urlaub auf dem Lande machen und tauscht zu diesem Zwecke für ein paar Tage die Wohnstatt mit der Farmerfamilie Presents, die in dem ruralen Mini-Städtchen Nilbog haust. Den Waits‘ heimlich auf den Fersen mit einem eigenen Wohnmobil sind der hormongeschüttelte Teenager Elliott (Jason Wright), der es auf Tochter Holly (Connie Young) abgesehen hat und seine drei grenzdebilen Kumpels (Darren Ewing, Jason Steadman, David McConnell). Gleich die Ankunft in Nilbog erweist sich als höchst seltsam. Die Einwohner scheinen zwar freundlich zu sein, es gibt jedoch kein normales Lebensmittelgeschäft und alle (vegetarischen) Speisen werden unter Zugabe einer giftgrünen Pampe kredenzt. Des Rätsels Lösung: Nilbog ist ein Hort böser Kobolde, die Menschen in Pflanzen verwandeln, um sie hernach zu essen. Jenes Schicksal soll auch den Waits und ihren Anhängseln widerfahren, doch Filius Joshua (Michael Stephenson), dem der Geist seines längst verstorbenen Opas (Robert Ormsby) zur Seite steht, ist wehrhafter und vor allem einfallsreicher als die Finsterlinge glauben…

„Troll 2“ ist weder eine offizielle Fortsetzung von „Troll“, noch hängt er inhaltlich in irgendeiner Weise mit John Carl Buechlers hübschem Unikat zusammen. „Troll 2“ hat vielmehr seine ganz eigene Geschichte. Zunächst einmal geht es hier weder um einen, noch um mehrere Trolle, sondern um Kobolde. Der überaus selbstbewusste Regisseur und Mattei-Kompagnon Claudio Fragasso und seine Frau Rossella Drudi, mit der zusammen er trotz äußerst prekärer Sprachkenntnisse ein englisches Drehbuch abfasste, reisten mit ihrem italienischen Stab, darunter die in der Funktion als Kostümbildnerin engagierte Laura Gemser, nach Utah, um das ursprünglich „Goblins“ getaufte Werk dort dingfest zu machen. Ausschließlich Debütanten und Laiendarsteller bestimmten die Besetzungsliste und Drehbedingungen wie sie einem Edward D. Wood Jr. wohl nicht ganz unbekannt vorgekommen wären, den Alltag am Set. Am Ende erwies sich der fertige Film als cineastisches Äquivalent zu einer parfümierten Klobürste und ausgerechnet der zwölfjährige Michael Stephenson als Einziger, der ansatzweise schauspielerische Ansätze durchblicken ließ.
Der ihn allumfassend umgebende, erratisch-delirierende Nonsens – und von einem solchen kann man mit Fug und Recht berichten – ließ nicht nur das zeitgenössische Publikum ratlos bis frustriert zurück: „Troll 2“ verteidigte über lange Jahre seinen ehernen Status als „schlechtester Film der Welt“ und Spitenreiter der imdb bottom list (zumindest nach der durchschnittlichen User-Punktewertung, die irgendwo bei einskommasowieso lag). Das DVD-Zeitalter bescherte dem Film dann einen urplötzlichen Phönixflug: Etliche movie nerds in den USA „entdeckten“ „Troll 2“ und entwickelten einen phasenweisen Kult um den kleinen Billigheimer mit eigens hergerichteten Vorführungen und Partys, die an die Hochzeit des Midnight Cinema in den Siebzigern erinnert. Der mittlerweile erwachsene Darsteller des Joshua Waits, Michael Paul Stephenson, schickte sich 2009 an, mit der anrührenden Dokumentation „Best Worst Movie“ ebenjenem erosiven Parforce-Kult um „Troll 2“ nachzuspüren. Neben den anderen Akteuren von anno dunnemals zentriert sich der unbedingt im direkten Verbund mit dem Originalfilm zu betrachtende Bericht um den damaligen Interpreten des Familienvaters Michael Waits George Hardy, einem freundlichen, in seiner Heimatgegend allseits beliebten Zahnarzt, der mehr oder weniger zufällig dem einstigen Casting-Aufruf gefolgt war und ohne jedwede Vorerfahrung die Rolle erhielt. Hardy gibt dem plötzlichen, unerwarteten Echo um seine Person hocherfreut statt und gibt bei den von ihm als „Star“ besuchten Fan-Events Hunderte von Malen das mittlerweile geflügelte Zitat „You can’t piss on hospitality!“ zum Besten, bis er es selbst nicht mehr hören mag. Auch Claudio Fragasso folgt dem Ruf aus der Ferne, wird jedoch zunehmend ungehalten, als er mehr und mehr feststellt, dass die Re-Rezeption seines Films eher einem gewaltigen Jux entspringt denn aufrichtiger Ehrerbietung. Das Aufsehen um „Troll 2“ ist also ein ziemlich zweischneidiges Schwert, was niemanden davon abhalten sollte, sich dieses goldene Gurke wenigstens einmal anzutun und sei es nur, um wenigstens einmal in den schwer unterhaltsamen Abgrund filmischer Unwägbarkeiten zu blicken.

5/10

TROLL

„Mr. Dickinson, wrong apartment.“ – „Shit!“

Troll ~ USA/I 1986
Directed By: John Carl Buechler

Die vierköpfige Familie Potter zieht gut gelaunt in ein neues Appartment vor San Francisco. Gleich am Tag des Einzuges erweist sich die kleine Wendy Anne (Jenny Beck) beim Spielen als willkommener Wirt für einen garstigen, hinter einer Kellermauer im Waschraum hausenden Trollkönig namens Torok (Phil Fondacaro). Während ihr älterer Bruder Harry (Noah Hathaway) sogleich ahnt, dass mit dem Schwesterlein etwas nicht stimmt, sind Vater (Michael Moriarty) und Mutter (Shelley Hack) zunächst weniger verwundert über Wendy Annes plötzliche Eigenarten. Die anderen Mieter des Hauses werden von dem Wendy-Troll, der seine erscheinung nach Belieben verändern kann, ebenfalls flugs in Fabelwesen verwandelt. Nur an Mrs. St. Clair (June Lockhart/Anne Lockhart) von ganz oben beißt sich der kleine Unhold die Zähne aus. Diese entpuppt sich nämlich als eine uralte Magierin, die Harry Jr. im Kampf gegen Torok zur Seite steht.

Grandioser Fantasy-Horror aus dem Hause Empire, gefilmt in einem italienischen Atelier und von dem kauzigen Ed Naha so wunderbar ausgelassen gescriptet, dass man gar nicht anders kann als das Gebotene die ganze Zeit mit offenem Mund zu bestaunen. Der brillanteste Kniff der ansonsten eher in konventionellen Genrebahnen verankerten Story liegt darin, den Mitmietern des Hauses bzw. ihren verwandelten alter egos wesentlich mehr Handlungsraum zu gestatten denn üblich. Es beginnt bereits grandios mit Sonny Bono als sexbesessenem Schmierlapp, der als erster von Torok-Wendy verwandelt wird, geht weiter mit Gary Sandy als bizarrem Militarismus-Freak und Julia Louis-Dreyfus, die sich eine geile Waldelfe transformiert findet und langt bis zu dem kleinwüchsigen Phil Fondacaro, der nicht nur unter der Maske des Trolls agiert, sondern zugleich einen unter seinem Handicap leidenden Uni-Professor spielt. Am Ende versetzt man uns gemeinsam mit Helden und Schurken in eine Parallelwelt, in der der Entscheidungskampf stattfindet.
„Troll“ ist tatsächlich noch immer ein Film wie kein Zweiter und ein leuchtendes Beispiel dafür, welch enormes, kreatives Potenzial und welche Hingabe an ihre Arbeit in der vermeintlichen Billigfilm-Schmiede Empire schlummerte. Während die S-F/X-Leute und Darsteller keine Scheu zeigen, sich rundum für und in eine Arbeit involvieren zu lassen, die weniger freigiebige Zeitgenossen ohne zu zögern als „albernen Humbug“ abtäten, meistern Buechler und Naha, auch das gewissermaßen ein Empire-Tademark, die Gratwanderung zwischen der Feilbietung engagierten Genrestoffs und unverhohlen (selbst-)parodistischer Attitüde bewundernswert schwindelfrei.
Ein kleines, matt glimmendes Juwel seiner Jahre, und das meine ich wirklich gänzlich unironisch.

7/10

KONG: SKULL ISLAND

„You don’t go into someone’s house and start dropping bombs, unless you’re picking a fight.“

Kong: Skull Island ~ USA 2017
Directed By: Jordan Vogt-Roberts

1973: Der Regierungsangestellte Bill Randa (John Goodman) und sein Adlatus Houston Brooks (Corey Hawkins) sind davon überzeugt, dass die Erde von zahlreichen, bislang unentdeckt gebliebenen Monstern übersät ist. Er bewegt Senator Willis (Richard Jenkins) dazu, ihm eine Expedition zu der im Südpazifik liegenden Insel „Skull Island“ zu finanzieren, die unter militärischer Schützenhilfe stattfinden soll. Lt. Colonel Preston Packard (Samuel L. Jackson), der den sich zum Debakel entwickelnden Vietnamkrieg nicht verwinden kann und seine Helikopter-Einheit unterstützen Randa ebenso wie der britische Fährtenleser James Conrad (Tom Hiddleston), die Photographin Mason Weaver (Brie Larson) und einige weitere Wissenschaftler. Nachdem man Skull Island erreicht hat und sogleich mit einem Granatenteppich eindeckt, tritt prompt der Herrscher der Insel, der Riesengorilla Kong, auf den Plan und dezimiert die Invasoren um gut die Hälfte. Auf sich gestellt müssen sich nun mehrere voneinander isolierte Teams durch das überaus lebensfeindliche Terrain schlagen. Kong ist nämlich bei weitem nicht das einzige und schon gar nicht das garstigste Ungeheuer auf Skull Island…

Die Produktionsgesellschaft Legendary Pictures ist ja derzeit besonders umtriebig hinsichtlich der Fortführung ihres „MonsterVerse“-Franchise, dessen erster Beitrag Gareth Edwards‘ „Godzilla“-Reboot markiert. Nach dem Vorbild des MCU gibt es zunächst einige scheinbar voneinander unabhängige Filme, die jedoch in derselben continuity angesiedelt ist, um dann zu einem vorläufig-klimaktischen, großen Mash-up zusammengefügt zu werden. Als zwangsläufig zu wertende Sprosse jener Leiter zum sukzessiv avisierten Gipfel geht „Kong: Skull Island“ völlig in Ordnung, ebenso wie überhaupt als amtlicher CGI-Monsterfilm. Man muss sich das Ganze in etwa so vorstellen wie den klassischen Trip von Fay Wray, Robert Armstrong und Bruce Cabot nach Skull Island und ihren anschließenden Aufenthalt auf der von monströsen Urviechern übersäten Insel plus einer Menge pyrotechnischer Schauwerte und Ballereien, minus der Romanze zwischen Megaprimat und weißer Frau nebst tragischem Ausgang in New York. Kong mag Brie Larson zwar, ein libidinöses Interesse geht diesmal jedoch nicht von ihm aus. Dazu ist er auch viel zu beschäftigt, immerhin muss er nicht nur gegen einen Riesenkalamaren und einen übellaunigen Samuel L. Jackson antreten, sondern zudem noch gegen eine gigantische Ekelechse mit zwei Läufen, langem Schwanz und Knochenschädel, die ihrer umfassenden Sippschaft gemäß, offenbar von Natur aus böse ist. Es rummst und kracht also ordentlich, Regie-Nachwüchsler Jordan Vogt-Roberts versäumt es glücklicherweise jedoch nicht, seinem Spektakel mit einem regelmäßig-kräftigen Herzschlag zu versehen und somit die übliche Gefahr der allermeisten Effektspektakel, sich über die Demonstration von Machbarkeiten hinaus selbst zu vergessen, weitgehend einkreist. Der Abschluss um John C. Reillys finale Heimkehr, die sehr charmant als Super-8-Film vor dem Abspann läuft, lässt es dann sogar noch einmal regelrecht eklektisch menscheln. Eine runde Sache, das.

7/10