JEEPERS CREEPERS

„It has eaten too many hearts for its own to ever stop!“

Jeepers Creepers ~ USA 2001
Directed By: Victor Salva

Die Geschwister Trish (Gina Philips) und Darry Jenner (Justin Long) befinden sich auf dem Heimweg vom Spring Break, als ihnen mitten in der Einöde ein merkwürdiger, vor Rost starrender Lastwagen auffällt, dessen Fahrer sich höchst aggressiv verhält. Kurz darauf entdecken Trish und Darry das Gefährt in der Nähe einer alten Kirche, wo jemand etwas, das nach gefüllten Leichensäcken aussieht, in ein unterirdisches Gewölbe hinablässt. Dabei handelt es sich wiederu um den Fahrer des Lasters, der sich sogleich aufmacht, die Geschwister zu verfolgen. Es entbrennt ein Katz-und Maus-Spiel, im Zuge dessen Darry und Trish erfahren müssen, dass es sich bei ihrem Verfolger um den „Creeper“ (Jonathan Breck) handelt, ein Monster, dass sich immer wieder durch die Körperteile seiner Opfer erneuert und bei seiner Jagd vor nichts und niemandem zurückschreckt.

„Jeepers Creepers“ lief beinahe zeitgleich mit John Dahls ganz ähnlich gestricktem „Joy Ride“ in den Kinos, wobei sein Einspielergebnis das der wesentlich teureren Studioproduktion langfristig überflügeln konnte. Und tatsächlich erweist Salvas durchaus altmodisch angegangene Monstermär sich im Direktvergleich als der schönere und vor allem phantasievollere der beiden Filme. Hier wie dort geht es um die beiläufige, eher im Scherzhaften initiierte Entfesselung einer diabolischen Macht, die sich dann jeweils als mysteriöser Fahrer eines LKW entpuppt, der ein paar vormals gut aufgelegten, jungen Leuten das Leben schwermacht und deren unerbittliche Verfolgung mit offener Mordabsicht zu einem zunehmend harschen Höllenritt werden lässt. Gedanklicher Schirmherr dieses Motivs ist fraglos Spielbergs „Duel“, doch auch Robert Harmons „The Hitcher“ darf sich einer unübersehbaren, ideellen Patenschaft erfreuen. All diesen Werken gemein ist die genrefreudige Kultivierung der mehr oder weniger irrationalen Angst vor den endlos verlaufenden, ruralen Straßennetzen der USA, auf deren staubigen Meilen sich unfassbare Bedrohungen verbergen, die eine mögliche Begegnung mit sich nicht verzeihen wollen. „Jeepers Creepers“ formuliert seine diesbezüglich Sache da sogar besonders konsequent aus: Anlass zur Panik ist hier weder ein mörderischer Anhalter, noch ein psychopathischer Trucker, sondern eine dämonische Kreatur unbekannter Herkunft, die offenbar bereits seit langer Zeit die Gegend unsicher macht; eine inkarnierte Lagerfeuergeschichte sozusagen. Was den Creeper neben seiner ruhelosen Agenda umtreibt oder wo er herkommt, bleibt ein Mysterium. Wir erfahren lediglich, dass er in regelmäßigen Zeitabständen, nämlich alle 23 Jahre, für 23 Tage Jagd auf besonders angsterfüllte Opfer macht, um sie dann als Ersatzteillager für seinen verrottenden Körper zu missbrauchen. Dabei ist das Monster sehr hübsch gestaltet. Den LKW, Mantel und Hut nutzt es lediglich, um nicht gleich jedem aufzufallen, es verfügt nämlich über riesige Schwingen und hat gewisse Ähnlichkeit mit einer Kragenechse. Als sehr konsequent empfand ich, dass der Creeper seinen anfänglichen, filminternen und handelsüblichen Status als Hirngespinst überspannter Teenager rasch verliert und es im weiteren Verlauf sogar mit der State Police aufnimmt, was wiederum Anlass für reichlich spektakuläre Augenblicke mit sich bringt.

8/10

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IT

„I am eternal, child. I am the eater of worlds, and of children. And you are next!“

It (Es) ~ USA 1990
Directed By: Tommy Lee Wallace

Derry, Maine im Frühherbst 1960. Sieben durch ganz unterschiedliche Handycaps geprägte Kids im Alter von zwölf Jahren gründen den „Loser’s Club“, eine Clique, die ihnen nicht nur Zusammenhalt und Stärke verleiht gegen die alltäglichen Bedrohungen durch fehlgeleitete Erwachsene und halbstarke Bullys, sondern auch gegen eine paranormale, böse Entität, die Derry offenbar alle dreißig Jahre heimsucht und vornehmlich kleine Kinder verzehrt, um sich zu stärken. Es gelingt dem „Loser’s Club“ unter Aufbietung größtmöglicher Energien schließlich, jenes „Es“, das sich gern als Clown (Tim Curry) zeigt, in die Schranken zu weisen. Drei Jahrzehnte später beginnt in Derry erneut eine Serie von Kindermorden. „Es“ ist zurück. Mike Hanlon (Tim Reid), der als Einziger der sieben Kinderfreunde auch als Erwachsener in Derry geblieben ist, alarmiert den mittlerweile in ganz neuen Individualnöten befindlichen Loser’s Club, um der gemeinsamen alten Nemesis endgültig das Handwerk zu legen.

Tommy Lee Wallaces zweiteilige Adaption von Stephen Kings massivem Erfolgswälzer konnte sich über die Jahre eine für einen TV-Film ungewöhnlich große, cinephile fanbase sichern, was wohl neben einigen wenigen wirklich konstituierenden Augenblicken insbesondere der ikonographischen Darstellung des Clowns Pennywise durch Tim Curry zuzuschreiben ist. Und tatsächlich ist es vor allem Currys exaltierte Interpretation, die das ansonsten biedere, seinem Format gemäß stark korsettierte Werk immer wieder über seine ansonsten mediokre Präsentation hinaushebt und in Erinnerung bleiben lässt. Immerhin gelingt es Script und Film, auch die Metaebene von Kings allegorischer Kleinstadtmär aufrecht zu erhalten – im Grunde geht es ja gar nicht um dieses übermächtige, furchtbare Wesen unbekannter Herkunft, sondern um den Wert beständiger Freundschaft und den gemeinsamen, schließlich erfolgreichen Kampf um das Recht, in einer von Widerständen geprägten Umwelt überleben zu können. Um eine solche Geschichte umfassend erzählen zu können, bedurfte es offensichtlicher Klischees, die der Plot dann auch relativ behende bedient: Bill Denbrough (Jonathan Brandis/Richard Thomas) stottert, wenn er nervös ist und leidet unter übermächtigen Schuldgefühlen betreffs des Todes seines kleinen Bruders Georgie (Tony Dakota); Ben Hanscom (Brandon Crane/John Ritter), als adipöses Kind permanent gehänselt, ist als Erwachsener beziehungsunfähig und dem Alkohol verfallen; Eddie Kaspbrak (Adam Faraizl/Dennis Christopher) steht unter ewiger Bevormundung seiner selbstsüchtigen Helikoptermutter (Sheila Moore) und ist eingebildeter Asthmatiker; hinter der Fassade des vorlauten Richie Tozier (Seth Green/Harry Anderson) verbirgt sich ein von permanenten Selbstzweifeln heimgesuchter Schwächling; der intelligente Stanley Uris (Ben Heller/Richard Masur) kann nicht verwinden, dass es Dinge gibt, die nicht seiner jüdischen Schulweisheit unterliegen; Beverly Marsh (Emily Perkins/Annette O’Toole), das einzige Mädchen im Bunde, sucht sich als Erwachsene unbewusst genau solche Arschlochmänner, wie sie in Kindheitstagen ihr alleinerziehender, gewalttätiger Vater (Frank C. Turner) repräsentierte und Mike Hanlon (Marlon Taylor/Tim Reid) schließlich unterliegt primär dem gewaltigen, sozialen Nachteil, ein intelligenter, selbstbewusster Afroamerikaner zu sein. Den Kindern erwachsen all ihre von ihrem jeweiligen (zunächst unfreiwillig, später selbstgewähltem) Umfeld forcierten „Behinderungen“ zu ausgewachsenen Traumata, deren Symptome sie zwar zum Schein beiseite schieben können, deren tieferen, eigentlichen Ursachen sie sich jedoch nie wirklich zu stellen vermochten (und die in krassem Kontrast zu ihren jeweiligen, oberflächlichen Erfolgskarrieren stehen).
Der Kampf gegen „Es“ ist also vor allem eine extrem aktionistisch arrangierte Gruppentherapie, die der Bezwingung von Ängsten und Barrieren dient – ein klassischer Coming-of-Age-Stoff. Damit das auch der Dümmste versteht, schafft es Bill am Ende sogar, seine von Pennywise entführte, schwer traumatisierte Frau Audra (Olivia Hussey) aus ihrem katatonischen Zustand zurückzuholen – der finale Durchbruch gelingt und trotz zweier bedauernswerter Todesopfer (Stanley & Eddie) wird der Rest des „Loser’s Club“ nunmehr ein freieres Leben führen können.
Ich bin gespannt auf den ersten Teil der Neuinterpretation (demnächst hier).

6/10

SPIDER-MAN: HOMECOMING

„If you’re nothing without the suit, then you shouldn’t have it.“

Spider-Man: Homecoming ~ USA 2017
Directed By: Jon Watts

Nach seinem von Tony Stark (Robert Downey Jr.) initiierten Europa-Einsatz gegen Captain America (Chris Evans) und seine Verbündeten träumt der New Yorker Teenager Peter Parker (Tom Holland) allenthalben von weiteren weltrelevanten Missionen als Spider-Man. Doch sowohl Tony Stark als auch dessen Adlatus Happy Hogan (Jon Favreau) reagieren eher genervt auf die fortwährenden, lästigen Anfragen Peters. Da erscheint mit dem früheren Unternehmer und Familienvater Adrian Toomes (Michael Keaton), der seit dem Kampf der Avengers gegen die Chitauri in Manhattan vor dem wirtschatlichen Ruin steht und daher mithilfe etwas von ihm entwendeter Alien-Technologie zum Superverbrecher geworden ist, ein lokaler Schurke auf der Bildfläche, den es zu stoppen gilt. Dumm nur, dass sich ausgerechnet Peters großer High-School-Schwarm Liz (Laura Harrier) als Toomes‘ Tochter entpuppt…

„Homecoming“, das bedeutet in diesem Falle natürlich: heim unter Dach und Fach, unter die Ägide des MCU und hinein in das „richtige“ filmische Marvel-Kontinuum. Es bedarf keines Abakus‘ um sicherzugehen, dass der von Disney und dem vormaligen Rechteinhaber Sony bezüglich der Figur Spider-Man und der entsprechenden Nebencharaktere ausgehandelte Multideal zu einem allseitig befriedigenden, wirtschaftlichen Konsens geführt haben dürfte. Trotz dieser nunmehr bereits dritten Neuinterpretation des beliebten Superhelden binnen nur 15 Jahren sollte ihr Gewinnpotential noch immer beträchtlich genug sein, um einen kapitalen Reibach nicht nur an den Kinokassen einzufahren. Die globalen Vermarktungsrechte für die Heimeditionen teilen Disney und Sony sich sorgsam und der Fan freut sich, dass Spidey nun endlich auf kostümierte Freunde und Bekannte treffen darf, wie er es etwa Monat für Monat in den allermeisten Ausgaben der in den Siebzigern und Achtzigern veröffentlichten Serie „Marvel Team-Up“ zu tun pflegte. Lediglich vermeintlicher Einzelgänger gehörte es im Prinzip stets zur guten Tradition Spider-Mans, dass er regelmäßig auf die Unterstützung anderer New Yorker Superhelden zurückgriff – oftmals etwa die von Human Torch, der ja mit seinen drei FamiliengenossInnen noch immer bei Fox herumdümpelt und dort bereits seines nächsten, gewiss wiederum kläglich versagenden Auftrittes harrt. In „Captain America: Civil War“ deutete es sich dann bereits auch im Film an: Strippenzieher Tony Stark versorgte Peter Parker mit einem von ihm selbst entworfenen High-Tech-Anzug, der seine Spinnenkräfte nochmals hervorragend ergänzte, respektive zur Geltung brachte. Nunmehr hat man sich nicht allein daran zu gewöhnen, dass just diese technische Innovation einen nicht unwesentlichen Teil von Spider-Mans Können mitbestimmt. „Homecoming“ greift auch weit zurück in der Charakterhistorie und macht aus Peter wieder einen fünfzehnjährigen Schüler, der sich von dem ewigen Bully Flash Thompson (Tony Revolori) nerven lassen muss und etwas nerdig daherkommt. Tante May (Teresa Parker), bei der Peter aufwächst, ist, aber auch dies war ja bereits bekannt, nunmehr kein schrumpeliges Mütterlein, sondern eine (noch) überaus gut bei Figur befindliche, knackige Frühfünfzigerin. Selbige bewohnt zudem kein Vorstadthäuschen, sondern ein zeitgemäßeres Hochhaus-Appartement.
Ein Latexkostüm und selbsterfundene Netzflüssigkeit für den Titelhelden sind angesichts solcherlei Modifikation ohnedies kaum mehr up to date; insofern passt die Renovierung und heimliche Mentorisierung durch Stark durchaus und bettet sich ordentlich in die erneuerte Kontinuität ein. Besonders wusste mich allerdings Michael Keaton als Vulture zu begeistern, der zwar auch nicht allzu viel mit seinem Comic-Vorbild gemein hat, dafür jedoch infolge seiner kantigen, zwischen sympathisch und diabolisch pendelnden Interpretation eine sehr schöne Filmpräsenz entwickelt und nach Alfred Molina als bis dato bester Leinwandgegner durchgeht. Was den ja unweigerlich zu begutachtenden Aktions- und Kinetikfaktor anbelangt, so verbleibt dieser an einer Hand abzählbaren Höhepunkten vorbehalten, somit angenehm moderat und weniger übersteigert denn in anderen jüngeren MCU-Produktionen; man möchte meinen, dass hier ein adäquates Maß gefunden wurde.

8/10

 

 

I, MADMAN

„By the way, thanks for depositing the book.“ – „What book?“

I, Madman (Hardcover) ~ USA 1989
Directed By: Tibor Takács

Die in einem Buchantiquariat beschäftigte Virginia (Jenny Wright) ist – ganz zu ihrem eigenen Unverständnis – regelrecht vernarrt in den schmalen literarischen Output des Schundschriftstellers Malcolm Brand (Randall William Cook) und aktuell in dessen Roman „I, Madman“, in dem es um den mörderischen, verrückten Chirurgen Dr. Alan Kessler (Randall William Cook) geht. Dieser ist hinter einer schönen Schauspielerin namens Anna Templar (Jenny Wright) her und „rekonstruiert“ sein eigenes, entstelltes Antlitz, indem er seinen Opfern die entsprechenden Gesichtsteile gewaltsam entfernt und sich hernach selbst annäht. Als Personen aus Virginias Bekanntenkreis nach just diesem Schema ermordet werden, scheinen sich Fiktion und Realität unweigerlich zu vermengen…

Der seit seiner Entstehung eher ein Nischendasein fristende „I, Madman“ erfreut sich bei etwas tiefer in die Genrematerie eintauchenden Connaisseuren des Horrorfilms eines durchaus postiven Renommees. Ich selbst hatte ihn seit seiner Veröffentlichung auf Video, die immerhin gute siebzehn Jahre zurückliegt, nicht mehr gesehen und konnte mich, wie ich heuer feststellen musste, auch kaum mehr an ihn erinnern.
Bei Takács dritter Regiearbeit handelt es sich um eine liebenswert eigenwillige Ode an die gemeinhin als „schundig“ bezeichnete Welt der reißerischen Schmöker, wie man sie, aufgemotzt durch schmierige, gezeichnete Covermotive mit Monstren, Mördern und minimal bekleideten Mädchen in den Ständern jedes gut sortierten Busbahnhofskiosks findet. Die anglophone Welt kennt das als „pulp“, wir Deutschen gebrauchen (oder vielmehr gebrauchten) dafür vornehmlich den schönen Terminus „Groschenromane“. Was derlei Lektüre zumindest für den wahren Liebhaber so aufregend macht, davon erzählt „I, Madman“ – sie pulsiert, erregt, affiziert, involviert. Zumindest, wenn man gewillt ist, sich ihr hinzugeben, wie eben Protagonistin Virginia, die der mysteriösen Welt des irren Malcolm Brand nicht nur verfällt, sondern sich gar in dessen sich mehr und mehr manifestierender Parallelrealität zu verlieren droht. Eine Besonderheit des Films liegt somit darin, dass er selbst sich vollends mit den von der Hochkultur gern als „fragwürdig“ gewähnten, stilistischen Prägungen seines Sujets identifiziert, bis hin zur Verschmelzung dreier Erzählebenen – der literarischen innerhalb der Geschichte, der filmischen Realität und schließlich der narrativen Ausprägung, derer wir als Filmpublikum ansichtig werden. Gerade im Bereich des Phantasischen erweisen sich solcherlei inhaltliche Parallelisierungen, also Geschichten, die innerhalb von Geschichten ein möglicherweise unheilvolles Eigenleben zu führen beginnen, als ein oftmals sehr dankbarer Topos hinsichtlich der weitmöglichen Überlappung und/oder Verschiebung von Wirklichkeitsschichten. „I, Madman“ nimmt darüberhinaus innerhalb dieses Gattungssegments nochmals eine kleine Sonderposition ein, weil er sich selbst ganz und gar, mit Haut und Haaren quasi, jener Spekulativität verschreibt, die die von ihm porträtierte Welt der Fiktion inthronisiert.

8/10

WISHMASTER

„I claim that which is owed.“

Wishmaster ~ USA 1997
Directed By: Robert Kurtzman

Durch eine Kette von Zufällen entkommt ein böser Djinn (Andrew Divoff) aus seinem Jahrhunderte alten Gefängnis in einem Feueropal und macht das Los Angeles der Gegenwart unsicher. Allen voran hat sich fortan die Juwelenexpertin Alex Amberson (Tammy Lauren) sich mit dem monströsen Dämon herumzuschlagen, der zugleich eine Art mentale Verbindung zu ihr herstellt. Alex muss sich clever genug anstellen, den Djinn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen…

Aus der ersteinmal wenig innovativen Idee, der umfassenden Riege von Slasher-Helden eine neue, franchisekompatible Figur hinzuzusetzen hat Robert Kurtzman, erstes Initial der legendären Effekteschmiede K.N.B., ein echtes Fan-Happening gezaubert; ein Sahneschnittchen für alle Genrenerds und solche, die sich anschicken, welche zu werden. So sind die zahlreichen Cameos von hauptsächlich Horrorfans geläufigen Gattungsgrößen neben den Mord- und Effektszenen zweifelsohne der Kitt, der den bei Licht besehen und entzaubert gesprochen doch recht konventionellen und einfältigen Fantasystoff zusammenhält. Man könnte ergo durchaus von einem „Konzeptfilm“ sprechen, der am Ende jedoch auf grandiose Weise sein Tempo beibehält und dadurch, dass er mit so vielen liebevollen Einfällen gespickt ist (Harry Manfredinis ewiggleiche Synthie-Klänge zählen übrigens nicht dazu), den notwendigen Charme entwickelt um sich tatsächlich einen ordentlichen Film schimpfen zu dürfen.
Ergänzend sollte besonders die Anreicherung mit schwarzhumorigem Witz dafür mitverantwortlich sein, die vor allem auf die Tatsache rekurriert, dass der Djinn nur dann agieren kann, wenn seine Opfer einen undurchdachten Wunsch äußern, der in der Regel von dem Bösewicht selbst suggeriert und forciert wird und dessen reale Entsprechung sich freilich in das Gegenteil des ursprünglich Intendierten verkehrt. Das wiederum bietet der K.N.B.-Belegschaft hinreichend Gelegenheit zur Vorführung ihrer Kunstfertigkeit. Dadurch, dass alles, was der Djinn im Laufe der Erzählung an Bösem anrichtet, am Ende wieder rückgängig gemacht und relativiert wird, erreicht Kurtzman zudem einen besonderen Kniff der Jugendfreigabe – alles halb so schlimm, ist ja ohnehin nie passiert. Dumm nur, dass die meisten Aufpasser und selbsternannten Schutzbefohlenen in aller Welt das zunächst ganz anders sahen. Zwanzig Jahre später sind die Gemüter, wie in vielen anderen Fällen, wieder auf ein adäquates Maß heruntergekocht. Gut so. Fear the Djinn!

7/10

DEATH NOTE

„You humans are so interesting!“

Death Note ~ USA 2017
Directed By: Adam Wingard

Der just wegen eines Gewaltverbrechens zur Halbwaise gewordene Light Turner (Nat Wolff) gerät buchstäblich aus heiterem Himmel an ein betagt aussehendes Notizbuch, das „Death Note“. Damit einhergehend erscheint ihm der spöttische Dämon Ryuk (Willem Dafoe), der ihm – natürlich sehr eigenwillige – Tipps und Hinweise zum Umgang mit dem Büchlein gibt. Jenes hat nämlich die besondere Bewandnis, dass jeder, dessen Name der gegenwärtige Besitzer des „Death Note“ schriftlich in ihm verewigt, alsbald eines urplötzlichen Todes stirbt. Light Turner macht sich selbst zu einem irdischen Superrichter, der überall auf der Welt Menschen sterben lässt, die es seiner Meinung nach verdient haben. Doch ist ihm schon ein hellseherischer Detektiv namens L (Lakeith Stanfield) auf den Fersen, der Light bald zum Umdenken bewegt…

Ich mag Adam Wingard als Regisseur (trotz nicht hinfortzuleugnender, geringfügiger Ausfälle letzthin noch immer) sehr gern und halte daher bis aufs Weitere an seinem unermüdlichen output fest. „Death Note“, das muss ich absolut und nichtsdestotrotz einräumen, darf man jedoch getrost als gescheitert einordnen, als bisher schwächsten Film mit seiner Beteiligung, den ich überhaupt kenne gar. Ich wusste zuvor überhaupt nichts über diese Netflix-Produktion, weder, dass Warner die zuvor bei ihnen liegenden Filmrechte (offenbar wohlweislich) veräußert hatte, noch, dass das Ganze auf einer Manga-Serie gleichen Namens beruht, die wiederum bereits eine ganze japanische Filmreihe mit bis dato vier Vertretern hervorgebracht hatte. Nach meinen entsprechenden Erfahrungen hätte ich angesichts dieser Informationen vielleicht bereits rechtzeitig abgewunken. Vielleicht aber auch nicht; und da kommt dann wieder Adam Wingard ins Spiel, dem hier allerdings sein ansonsten obligatorischer, kongenialer Part Simon Barrett ganz immens abgeht. Wingard ist dann auch einer der wenigen Kreativbeteiligten, dem man Können und sichere Hand im Umgang mit dem Fach bescheinigen möchte. Formal nämlich gibt es an „Death Note“ überhaupt nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil: Von der Entdeckung des Buches über die Einführung des Ryuk bis hin zum Riesenrad-Finale entwickelt Wingard eine ganze Anzahl hübscher visueller Einfälle, präsentiert hier und da treffende Song-Einspieler und zeigt erneut, dass er sich aufs Horrorgenre versteht wie momentan nur wenige andere seiner Filmemachergeneration. Gegen die sich zu völlig idiotischer Redundanz entwickelnde Story, sprich: das hoffnungslos verfahrene Script, das geradezu aufreizend darum buhlt, sich jedewedem aufrechten Zuschauerinteresse entgegenzustellen, kann jedoch auch Wingard nichts ausrichten. Das Ganze wirkte auf mich bereits recht früh, schätzungsweise so ab Minute 20, wie eine nippongetunte „Donnie Darko“-Variation, wie überdrehtes, ziellos dahinwaberndes Mysterientheater für aufmerksamkeitsdefizitäre Tokyoter Schuluniformträger. Einer der globalkulturellen Auswüchse also, zu der ich niemals Anschluss finden werde, sooft ich’s auch probiere. Bis auf die immerhin bis zum Ende hin wach gebliebenen Augen und die überraschten Reaktionen auf die drei, vier schönen musikalischen Zitate (v.a. INXS‘ „Don’t Change“ im Zuge der natürlich unverzichtbaren High-School-Ballsequenz und das schön schmalzige „The Power Of Love“-Cover von Air Supply zum Abschluss) hat mich „Death Note“ so kalt und unbeteiligt zurückgelassen wie schon lange kein Film mehr. Schade um das derart rückhaltlos verschwendete Talent Wingards.

4/10

THE DEFENDERS: SEASON 1

„Am I the only one in New York who doesn’t know Karate?“

The Defenders ~ USA 2017
Directed By: S.J. Clarkson/Phil Abraham/Farren Blackburn/Uta Briesewitz/Félix Enríquez Alcalá/Peter Hoar/Stephen Surijk

Höchst unfreiwillig schließen sich die vier New Yorker Superhelden Matt Murdock (Charlie Cox), Jessica Jones (Krysten Ritter), Luke Cage (Mike Colter) und Danny Rand (Finn Jones) zu einem Team zusammen, um die undurchsichtigen Pläne der uralten Verbrechensorganisation „Die Hand“ und ihrer geheimen Chefin Alexandra Reid (Sigourney Weaver) zu durchkreuzen, die wegen eines tief unter Manhattan verborgenen Geheimnisses die Zerstörung der gesamten Metropole in Kauf nimmt.

In direkter Folge zu der „The Defenders“ gewissermaßen vorbereitenden Reihe „Iron Fist“ habe ich mir in zwei Abschnitten das bislang jüngste Netflix-Serial angeschaut. Das beflügelnde Potenzial der besten Momente aus „Daredevil“ oder „Luke Cage“ erreichen die „Defenders“ nicht, soviel gleich einmal vorweg. Nach der bereits recht früh erfolgten Ankündigung seitens des emsigen Anbieters, die vier separat vorgestellten Superhelden nach ihren Soloeinsätzen zusammenzubringen und ihnen den Namen eines ursprünglich komplett anders besetzten Marvel-Teams aus den frühen Siebzigern (das zunächst aus den wesentlich kampfkräftigeren Doctor Strange, Hulk, Submariner und Silver Surfer bestand) zu verabreichen, durfte man sich einiger berechtigter Vorfreude unterlegen, die das finale Resultat jedoch bestenfalls im Ansatz zu erfüllen weiß. Der Höhepunkt von „The Defenders“ liegt zugleich in ihrer Prämisse, nämlich vier der besten street fighting heroes aus dem Marvel-Universum vereint im Kampf genießen zu können. Leider erweisen sie alle sich nach wie vor, mit Ausnahme des weniger abgeklärten Danny Rand, als genau die Individualisten, als die sie onscreen bereits vorgestellt wurden: Keiner will eigentlich etwas mit den forcierten Partnern zu tun haben, der Aufbau von wechselseitigem Vertrauen fällt alles andere als leicht und man macht sich den zügigen Erfolg durch überaus dysfunktionale Kratzbürstigkeiten nur sehr viel schwerer. Die Comics hatten es da stets wesentlich einfacher, oder es sich, so man will, erholsam einfach gemacht: Hier gab und gibt es über Jahre hinweg gepflegte Freundschaften (Cage und Rand), Allianzen (alle helfen sich oft – auch privat – gegenseitig aus) und Romanzen (Jones und Cage) und hier wäre ein Gegner wie Alexandra Reid für die geballte Teampower des Quartetts eher einem zweiten Frühstückshappen gleichgekommen. Darin liegt zugleich der aus meiner Sicht augenfälligste Störfaktor: in dem unbedingten Bestreben, liebgewonnene und gewiss berechtigte Traditionen bereits als obsolet abzukanzeln, ohne dass sie überhaubt die Möglichkeit bekommen, sich erstmal zu etablieren. Matt Murdock pflegt seine Geheimidentität mit Fug und Recht, dennoch kassiert er von der diesmal ohnehin allzu viele blöde Sprüche kloppenden Jessica Jones dumme Kommentare angesichts seiner Kostümierung. Derlei redundantes Beziehungsgebremse zieht sich durch geraume Phasen von „The Defenders“, während man immerhin Elodie Young, die als Elektra aus dem Grabe zurückkehrt, hinterherschmachten darf. Eigentlich gehört die Serie über nicht unwesentliche Strecken ihr, die zwischenzeitlich zur „Hand“ überläuft, bis ihr zum Ende hin ein ungewisses Schicksal bevorsteht. Dennoch wird man wohl damit rechnen dürfen, dass man sie dereinst, wie auch im Print, wiedersieht. Alles andere wäre auch viel zu schade. Die groß angekündigte Sigourney Weaver bleibt mir allzu blass und zumindest ich hätte die viel beeindruckendere Wai Ching Ho als Madame Gao völlig als Kopf der „Hand“ weiterhin bevorzugt. Der neuerlich als mysteriöser Stick auftretende Scott Glenn, der mittlerweile endgültig aussieht wie seine eigene Mumie, erhält einen wenig rühmlichen Serienausstieg und die vielen, lieb gewonnenen Nebencharaktere sind eigentlich bloß physisch präsent. Ich hätte mir den Fuß sehr viel häufiger am Gaspedal gewünscht, aber wenn man eben vornehmlich damit befasst ist, seine Hauptfiguren urplötzlich und über weite Strecken als selbsträsonistische Arschlöcher zu denunzieren, dann sind gewisse Umwege eben unumgänglich.

7/10