THE MAN WHO LOVED CAT DANCING

„Never try to bribe a man with something he can take anyway.“

The Man Who Loved Cat Dancing (Der Mann, der die Katzen tanzen ließ) ~ USA 1973
Directed By: Richard C. Sarafian

Nach einem Zugüberfall stoßen der Ex-Knacki Jay Grobart (Burt Reynolds) und seine Kumpanen in der Prärie eher zufällig auf die alleinreisende Catherine Crocker (Sarah Miles). Diese ist ihrem Mann, dem Rancher Willard (George Hamilton) davongelaufen, weil sie es bei und mit ihm nicht mehr aushielt. Grobarts Männer machen keinen Hehl daraus, dass sie die vom Regen in die Traufe geratene Catherine bei der nächstbesten Gelegenheit vergewaltigen werden, derweil Willard Crocker Catherine gemeinsam mit dem Bahndetektiv Lapchance (Lee J. Cobb) nachspürt. Diverse gruppenin- und externe Konflikte mitsamt einigen Todesopfern führen dazu, dass Grobart und Catherine bald allein sind und Zeit haben, sich ineinander zu verlieben. Dabei erfährt Catherine von Grobarts bewegter Vergangenheit: Seine erste Frau, die Schoschonin Cat Dancing, wurde einst vergewaltigt und von Grobart selbst, der sie in blinder Eifersucht des Fremdgehens verdächtigte, missverständlich getötet. Auch seinen Sohn ließ Grobart daraufhin im Stich. Crocker und Lapchance kommen indes immer näher…

Die ihrem reichen Ranchersgatten abtrünnige Ehefrau war ein beliebter Topos im und um den Spätwestern der Ära New Hollywood. Nachdem Richard Brooks in „The Professionals“ noch eine sehr romantische Herangehensweise an diesen Themenkomplex wähnte – eine feurige Claudia Cardinale präferiert darin Jack Palance als mexikanischen Revoluzzer anstelle ihres faltigen Ehemanns Ralph Bellamy -, verdanken wir Don Medford und seinem „The Hunting Party“ die schwärzeste und räudigste Variation des Stoffes: Gene Hackman ist hier eine durch und durch böse und sadistische Kapitalistensau, deren frustrierte Frau Candice Bergen quasi überhaupt keine andere Option hat, als davonzulaufen und sich in den struppigen Outlaw Oliver Reed zu verlieben, der seine wüste Zuneigung wiederum auf eher unerfreuliche Weise verdeutlicht. Medford hinterließ dann am Ende im wahrsten Sinne auch nurmehr verbrannte Erde. Sarafians Adaption eines als eher schmalzig geltenden Liebesromans wählte dann eine Art Mittelweg aus beiden Anordnungen. Über die dysfunktionale Beziehung der Crockers erfährt man eher wenig, wenngleich bereits George Hamiltons arrogantes Auftritten mancherlei Rückschlüsse zulässt. Im Zentrum steht vielmehr die innerlich schwer zerrissene Figur des Jay Grobart, von Burt Reynolds in einer seiner humorlosesten Charakterisierungen als stilles Wasser mit gewaltigen Untiefen feilgeboten. Die Welt, in der der dieses ungleiche Paar zusammenfindet, erscheint dabei ebenso ungehalten wie lebensfeindlich. Neider und Verfolger befinden sich da überall, sei es unter Grobarts ungeschlachtem Haufen oder in Form der ihnen von „Rechtswegen“ nachstellenden Posse. Während Grobarts Kompagnons Bowen (Bo Hopkins) und Dawes (Jack Warden) wie Schakale um Catherine herumschleichen, besteht kein Hehl darin, dass auch Crocker kaum zimperlich mit den Flüchtenden umzugehen gedenkt. Erst im weiteren Verlaufe der Geschichte, die ihre bitteren Wahrheiten erst nach und nach preisgibt, offenbart sich zugleich auch das eigentliche Bestiarium der ungleichen Männer, die darin vorkommen. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, den eigentlich doch beinahe stets in positiven Rollen besetzten Jack Warden schon einmal als einen solch widerlichen Schweinehund gesehen zu haben.
Was den deutschen Titel – glücklicherweise nicht jedoch die Vertonung – anbelangt, so hat man hier einmal mehr schwer daneben gehauen. Katzen tanzen lässt hier jedenfalls niemand.

8/10

UN HOMME EST MORT

„You should go back.“

Un Homme Est Mort (Brutale Schatten) ~ F/USA/I 1972
Directed By: Jacques Deray

Auftragskiller Lucien Bellon (Jean-Louis Trintignant) kommt aus Paris nach Los Angeles, um den Mafiapaten Victor Kovacs (Ted de Corsia) zu ermorden. Kaum, dass er seine Mission erfolgreich erfüllt hat, sieht Lucien sich dann plötzlich selbst als Zielscheibe eines eifrigen Kollegen (Roy Scheider), dem er nur mit Mühe und Not entkommen kann. Lucien holt sich Hilfe bei der GoGo-Tänzerin Nancy (Ann-Margret) und findet bald heraus, dass sein Auftraggeber, Kovacs Sohn Alex (Umberto Orsini), auch ihn als unliebsamen Mitwisser aus dem Weg haben möchte. Anstatt zurück nach Paris zu fliegen, bis wohin auch Kovacs‘ Hand reicht, entschließt Lucien sich zur Flucht nachvorn…

Dieser insbesondere seiner illustren internationalen Besetzung (s. Tags) wegen interessante Killerthriller hat zudem den großen Vorzug, von einem Franzosen in den Staaten gefilmt worden zu sein. Die Erfahrung zeigt, dass der Blick europäischer Filmemacher auf US-Großstädte stets ein ungewöhnlicher, manchmal auch absonderlicher ist. Anders als etwa ein in L.A. beheimateter Regisseur bewahrt sich Deray somit die filmisch ungewohnte Perspektive des Exoten. Trintignants eher ziellose Streifzüge durch den unwirtlichen, urbanen Moloch erhalten so eine ganz spezielle Note; die Stadt wirkt plötzlich sehr viel planer, anonymer, unfreundlicher und unaufgeräumter als üblich. Ziemlich gute Voraussetzungen also für die Erzählung dieser Geschichte eines Franzosen in L.A., dessen mörderisches Geschäft ihn durch eine blutige Mafiaintrige führt und dabei vor allem hübsch unvorhersehbar bleibt. Ein besonders schönes Moment ist dabei das „kollegiale“ Verhältnis zwischen Trintignants Lucien und seinem Verfolger Lenny, gespielt von Roy Scheider. Während Lucien sich bemüht, Lenny auf seine Seite zu ziehen und zur Zusammenarbeit gegen Kovacs Junior zu bewegen, bewahrt dieser sich sein Misstrauen und damit gewissermaßen auch seine Professionalität, was ihn jedoch schließlich teuer zu stehen kommt. Ganz am Ende, fünf Fuß unter der Erdoberfläche, sind wir ja ohnehin alle – auch die Profikiller – wieder gleich.

8/10

LOGAN

„Beware the light.“

Logan ~ USA/AUS/CAN 2017
Directed By: James Mangold

Mexiko, 2029: Der Mutant James Howlett (Hugh Jackman) alias Logan alias Wolverine ist einer der Letzten seiner Art. Eine nicht näher benannte Katastrophe hat die übrigen X-Men in den Tod gerissen. Während seine Selbstheilungskräfte zunehmend schwinden und auch sein hohes Alter langsam seinen Tribut fordert, hat Logan sich als Mietchauffeur jenseits der Grenze eine kleine Fluchtexistenz aufgebaut. Seinen früheren Mentor Charles Xavier (Patrick Stewart), der unter schweren Demenzschüben leidet, hat er in seiner Obhut und versorgt ihn gemeinsam mit dem Albino Caliban (Stephen Merchant) mit den notwendigen Medikamenten. Als die kleine Laura (Dafne Keen) auftaucht, wartet eine letzte Mission auf Logan: Das Mädchen ist eine im Labor gezüchtete Mutantin auf Basis von Logans DNS, was ihn zu einer Art Vater macht. Der skrupellose Genforscher Rice (Richard E. Grant) plante Laura und einige andere Kinder zu gewissenslosen Biowaffen heranwachsen zu lassen, was die sich entwickelnden Persönlichkeiten der Kids jedoch durchkreuzten. Um sie vor der folgenden Euthanasie zu schützen, gelang es einer treusorgende, Krankenschwester (Elizabeth Rodriguez) Laura und ein paar andere Kinder in die Freiheit zu entlassen. Das Militär ist nun auf der Suche nach den gescheiterten Versuchsobjekten, um sie endgültig auszulöschen. Logan, der Professor und Laura machen sich, gejagt von Rice und seinen Leuten, auf den Weg nach Oklahoma, wo es angeblich eine letzte Zuflucht für verfolgte Mutanten geben soll…

Die Vorschusslorbeeren waren ja recht immens: Nach dem ziemlich infantil geratenen „Deadpool“ hatte die Fox also die Chuzpe, gleich noch einen zweiten Superheldenfilm mit R-Rating vom Stapel zu lassen. Dufte Sache. Nun sieht man die legendären Klauen von Wolverine (und die der putzigen, aber ebenso tödlichen Laura, die allerdings bloß zwei Krallen an jeder Hand hat) also nicht nur in die Opfer ein- sondern gleich auch wieder ausdringen. Dazu hat es noch einige Dekapitationen, was folglich für die eine oder andere deftige Gewaltspitze sorgt und „Logan“ phasenweise tatsächlich zu einem recht derben Schlachtfest macht, das sich allerdings nicht nur infolge seiner recht graphischen Erscheinung deutlich von dem bis dato gepflegten Regelwerk des Franchise abhebt. „Logan“ ist vor allem ein durchaus intimes, zuweilen sogar melancholisches Generationendrama, das einer kleinen, immens dysfunktionalen „Familie“ auf seinem unfreiwilligen Roadtrip durch den Südwesten der USA folgt. Dass der mittlerweile in Ehren ergraute Titelheld hierin dabei ist, seine letzten Tage zu durchleben, dürfte kein Geheimnis sein und auch für den im Filmkontext neunzigjährigen Professor Xavier und damit seinem (ersten) Stammschauspieler Patrick Stewart läuten die letzten Glocken. Vom einstmaligen Glanz der „School for Gifted Youngsters“ in Westchester ist nurmehr der karge Staub der mexikanischen Wüste geblieben; offenbar, das suggerieren einn paar Dialogzeilen, ist der mental schwer angegriffene Xavier selbst für die einstige Zerstörung seines zuvor mühselig aufgebauten Sanktuariums und damit auch der meisten X-Men verantwortlich. Hinzu kommt das kleine, vermeintlich stumme Mädchen, das Logans Erbmasse in sich trägt und ebenso zum animalischen Berserkertum neigt wie sein unfreiwilliger Genspender. Möglicherweise seien die Mutanten gar nicht der als solcher bezeichnete „homo superior“ und damit die Erben des herkömmlichen Menschengeschlechts, sondern bloß eine kurzlebige evolutionäre Extravaganz, heißt es einmal im Film. Die Abenddämmerung neigt sich herab. Das sich zunehmend in die Enge getrieben sehende Trio trägt also gewissermaßen eine langjährige Tradition zu Grabe, respektive macht es den Weg frei für eine kommende Generation neuer Mutanten, die wir in Form der im Kollektiv durchaus mächtigen, alleredings von Menschenhand geschaffenen Kinderclique sicherlich noch wiedersehen werden.
„Logan“ bildet nun vielleicht das große Meisterstück ab, zu dem es letzthin gern verklärt wurde, aber es ist ein schöner, herzerfüllter Beitrag zum filmischen „X-Men“-Kosmos und vor allem der gelungenste Teil der sich absplittenden Trilogie um den von Anfang an zur Leitfigur kultivierten Wolverine.

8/10

WILD AT HEART

„We got some dancin‘ to do.“

Wild At Heart ~ USA 1990
Directed By: David Lynch

Leben und Lieben könnten schön sein für Sailor Ripley (Nicolas Cage) und Lula Fortune (Laura Dern) – wäre da nicht Lulas böse, intrigante Mama Marietta (Diane Ladd) und ihre beständige Angst davor, dass Sailor einst mitbekam, wie sie gemeinsam mit dem Gangster Marcellos Santos (J.E. Freeman) ihre Gatten in Brand gesteckt hat. Nun sind Sailor und Lula auf der Flucht nach Kalifornien, ein paar gefährliche Auftragsmörder auf den Fersen.

Seinem damaligen Kunstideal, die amerikanische Kitschkultur zu redefinieren und ihr dann den Spiegel der eigenen Monstrosität vor Augen zu halten, kam David Lynch nie näher. Basierend auf einem für sein Vorhaben wie geschaffenen Roman von Barry Gifford ließ Lynch in sein exaltiertes Werk um ein nicht eben bildungsnahes, dafür aber umso emotionskräftigeres Liebespaar wider alle Schranken Sex, jeweils eine Menge Kettenrauchertum, Elviskult, irre Verbrecher und vor allem eine Menge „Wizard Of Oz“ einfließen. Seine beiden Protagonisten Sailor und Lula oszillieren dabei wild umher zwischen belustigender Einfalt, klebrigen Liebesbekenntnissen, erschreckender Gewaltbereitschaft und beneidenswert ekstatischem Sex. Ähnlich wie „Blue Velvet“ legt Lynch den Rahmen der Geschichte als Reise in ein finstereres Herz Amerikas an. Die konstitutionelle Vorgabe des road movie erlaubt ihm hier zudem, den gesamten Film als pathologische Americana zu gestalten, als verzerrtes Porträt einer Nation, aus deren bei aller inneren Verseuchung unerschütterlichem Selbstverständnis sich gleichermaßen Ekel und Faszination beziehen lassen. Dass Lynch es dabei nie wirklich ernst meint, zeigt seine konsequente Ironisierung der herben Gewaltspitzen: Nachdem Sailor gleich am Anfang einem von Marietta gezielt eingesetzten agent provocateur (Calvin Lockhart) das Gehirn aus dem Schädel geprügelt hat, steckt er sich erstmal eine postorgiasmische Zigarette an; zwei mit der Schrotflinte bearbeitete Bankangestellte krabbeln auf dem Boden herum, um die abgeschossene Hand eines der beiden zu suchen, mit der sich unterdessen ein fröhlich schwanzwedelnder Hund um die Ecke verdrückt. Am Ende kassiert dann auch der bis dahin zumeist in cooler Passivität verharrende Sailor endlich seine Tracht Prügel von ein paar wortkargen Straßenschlägern, die ihm die finale Erleuchtung beschert, kredenzt durch den längst überfälligen Auftritt einer guten Hexe (Sheryl Lee): „Don’t turn away from love, Sailor.“ Zeit für ein extrem überzuckertes happy end, das „Wild At Heart“ sich da schon längst verdient hat. Und umgekehrt.

10/10

SMOKEY AND THE BANDIT II

„Hello, ya handsome sumbitch!“

Smokey And The Bandit II (Das ausgekochte Schlitzohr ist wieder auf Achse) ~ USA 1980
Directed By: Hal Needham

Der nach der Trennung von seiner Carrie (Sally Field) dauerbesoffene Bandit (Burt Reynolds) und sein Kumpel Cledus (Jerry Reed) erhalten diesmal von Big (Pat McCormick) und Little Enos Burdette (Paul Williams) eine republikanische Wahlspende in Form eines riesigen Pakets abzugreifen und von Florida nach Texas zu schaffen. Nachdem Bandit sich wieder in Form gebracht und Cledus Carrie zur Rückkehr bewogen hat, geht die Reise los. Dass sich in der betreffenden Kiste ein weiblicher Elefant verbirgt, bringt unsere Freude zwar leicht ins Stottern, aber keinesfalls zur Verzeiflung.

Die liebenswerte Impertinenz des Vorgängers, aus einem banalem Nullsujet eine charmanten Komödie zu fertigen, die sich im Endeffekt ohnehin um ganz andere Dinge kümmert denn um ihr laues Story-Lüftchen, kultiviert Stuntman und Regisseur Needham im Sequel in nochmals potenzierter Form. Die alte, deutsche Weise von der „Mücke, aus der man einen Elefanten macht“, findet sich hier in all ihrer Buchstäblichkeit in Bilder gegossen. Brachte die Sache mit der LKW-Ladung Coors im ersten Teil zumindest noch ein gewisses Quäntchen verblassender Subtilität mit sich, so mutet die jetzige Geschichte geradezu an, als hätten Needham und die Scriptautoren die vormals überland gelieferten Hopfengallönchen binnen einer Nacht geleert, um dabei den gar lustigen Plot um das schwangere Elefantenmädchen Charlotte zu ersinnen, großes Blechlawinenfinale inbegriffen. „Bandit II“, der Jackie Gleason im besten Wissen um dessen komödiantisches Potenzial in einer Dreifachrolle (als Sheriff Justice und seinen beiden Polizistenbrüder aus dem Norden, einer davon stockschwul und der andere ein Mountie und Opernfan) und seinen Filmfilius (Mike Henry) nochmals prominenter als zuvor inszeniert und mit Dom DeLuise als italienischem Schwarz-Internisten das Heldenquartett (Basset Gottfried inbegriffen) zum Quintettausbaut, ist tatsächlich das filmische Äquivalent zu einem in größerer freundschaftlicher Runde abgelassenen, lauten und langen Furz: Es sind immer ein paar dabei, die sich das juvenile Herz bewahrt haben, über soviel Infantilität schmunzeln oder sogar lachen zu können; andere, wahrscheinlich die meisten, finden solcherlei eher unangebracht und halten sich flugs die Nase zu; der Verursacher selbst hat am meisten Spaß an der übelriechenden Bescherung. Nach spätestens drei affizierenden Minuten ist die Sache dann wieder vergessen, der letzte Lacher gelacht, die Gase gen Himmel entwichen. Man wendet sich gepflegt wieder anderem zu.

5/10

SMOKEY AND THE BANDIT

„For the good old American life. For the money, for the glory, for the fun and… mostly for the money.“

Smokey And The Bandit (Ein ausgekochtes Schlitzohr) ~ USA 1977
Directed By: Hal Needham

Die beiden Kumpel Cledus (Jerry Reed) und Bandit (Burt Reynolds), absolute Spitzenleute am Steuer und legendäre Profis, wenn es darum geht, verblödete Highway-Polizisten an der Nase herumzuführen, lassen sich anheuern, um eine illegale LKW-Ladung Bier von Texas nach Georgia zu transportieren. Auf dem Weg sackt Bandit die Beinahe-Braut Carrie (Sally Field) ein, was deren designierten Schwiegervater Sheriff Buford T. Justice (Jackie Gleason) auf die Palme bringt. Gemeinsam mit seinem lieben, aber hoffnungslos verblödeten Sohn Junior (Mike Henry) jagt er dem rasenden Trio nach…

Die im Süden beheimateten US-Amerikaner lieben ihre Regionen teilweise noch immer dermaßen unbeeinträchtigt, als habe es die letzten 160 Jahre nicht gegeben. Hin und wieder schafft es die Popkultur dann sogar, jener verqueren Heimatromantik ein gemeinhin akzeptiertes Denkmal zu setzen – wenn es besonders gut läuft, sogar eines, das auch abseits der primären Zielgruppe Liebhaber findet. Die „Smokey And The Bandit“-Filme, zumindest die ersten, von Hal Needham inszenierten beiden, zählen zu diesen exotischen Ausnahmeerscheinungen. Die Kunst liegt darin, heimliche Bögen zu spannen und fast unmerklich feine Verbindungsstricke zu den Yankees zu knüpfen. Burt Reynolds und Jerry Reed sind zwar durch und durch Rebellen der alten Schule, die das Hemd in der Jeans tragen, große Gürtelschnallen, Cowboystiefel und ihren Stetson nur in Ausnahmefällen ablegen und ausschließlich Country’n Western hören, sie leisten sich jedoch auch recht moderne Extravaganzen. Zum Beispiel sind sie weder Rassisten, noch durch inzestuöse Hillbilly-Gene allzu intelligenzgetrübt. Zu Hal Needhams Überzeugungsarbeit gehört, dass er solche Dinge wenn schon nicht allzu deutlich überbetont, so doch zweifelsfrei in sein im Prinzip völlig inhaltsloses road movie einfließen lässt. Ein anderes Kaliber ist da schon Jackie Gleason als vollgefressener Redneck-Cop mit Schweinevisage: Dass der Texaner ist, nimmt man ihm umgehend ab, er repräsentiert Berufsstand und Herkunft qua mustergültig. Er reiht sich nahtlos ein in seine schikanierende Ahngalerie von J.W. Pepper bis hin zu Lyle Wallace. Umso schelmischer erfreut man sich daran, wie er unentwegt reingelegt wird und den Kürzeren zieht, ohne jemals zu einer veritablen Bedrohung für die Helden zu werden. Tatsächlich entpuppen sich Sheriff Justice und sein Sohn, der seine stoisch dämliche Freundlichkeit selbst im Angesicht der unablässigen Beleidigungskanonaden seines Dads wahrt, sogar als wesentlichster Motor für den Humor des Films, ähnlich wie später Kirk Douglas in „The Villain“, der dasselbe Konzept unter umgekehrten Voraussetzungen verfolgt.
Dennoch bleibt meine unumstößliche, innige Verbundenheit mit Needhams beiden „Cannonball Run“-Filmen von dem ach so tollen Hecht Bandit völlig unbedroht. Da gibt’s mal nix.

7/10

A HORRIBLE WAY TO DIE

„How come you weren’t in the media?“

A Horrible Way To Die ~ USA 2010
Directed By: Adam Wingard

Nachdem Sarah (Amy Seimetz) herausfindet, dass ihr Freund Garrick (AJ Bowen) ein umtriebiger Serienmörder ist, verrät sie ihn an die Polizei und sagt später vor Gericht gegen ihn aus. Sie zieht unter neuem Namen in eine weit entfernte Kleinstadt, wo sie endlich auch ihre Alkoholsucht in den Griff bekommt. In der sacht knospenden Beziehung zu ihrem Therapiegenossen Kevin (Joe Swanberg) scheint sich eine neue Chance für Sarah zu offenbaren. Da jedoch bricht Garrick im Zuge eines Verlegungstransports aus und bahnt sich eine blutige Spur geradewegs zu Sarah…

Straight into the heart of a killer: Adam Wingard und sein Hausautor Simon Barrett begehen in „A Horrible Way To Die“, einer offenkundigen Hommage an John McNaughtons Meisterwerk „Henry: Portrait Of A Serial Killer“ nicht den verlockenden Fehler, ihren gewalttätigen Protagonisten zu heroisieren oder seine Untaten zu ästhetisieren. Gerade durch sein unscheinbares, fast sympathisches Äußeres und seine durchaus freundliche Art baut sich um Garrick Turrell eine Form von Unberechenbarkeit und Bedrohlichkeit auf, die man sonst in eher wenigen Filmen dieses Sujets ausmachen kann. Turrell ist weder ein Sadist, noch versieht er sein blutiges Werk mit Leidenschaft; er ist auch keineswegs stolz auf sein Tun. Vielmehr steht er unter permanentem innerem Zwang, der ihn, gerade wie die parallelisierte Sarah in Bezug auf den Alkohol, zu einem sich selbst ausgelieferten Süchtigen macht. Seine Opfer tötet er zumeist beiläufig und mittels kurzer Handbewegung und doch überleben die Wenigsten, vor allem Frauen, eine kommunikationsintensive Begegnung mit ihm. Um Sarah (brillant gespielt von Amy Seimetz) macht man sich derweil Sorgen, Turrell scheint sich an ihr rächen zu wollen oder zumindest ein anderweitiges, verqueres Motiv zu haben, sie aufzusuchen und zu töten. Doch clevererweise gehen Barrett und Wingard ganz anders vor als sich zunächst erwarten lässt und entspinnen eine Geschichte um tiefschwarze, abseitige Romantik.
Das Narrativ des Films nimmt sich dabei keineswegs simpel aus; Rückblenden und Gegenwartsmomente fließen nahtlos ineinander über und die recht fordernde Kombination aus jump cuts, Zooms und Wackelbildern verhindern ebenfalls eine allzu beiläufige Rezeption. Dass die Form allerdings nie zum Selbstzweck gerät, im Gegenteil stets im Zeichen der inneren Spannung der Story steht, macht sie am Ende zu einem Stück aufrichtiger Kunstfertigkeit.

8/10