TO HELL AND BACK

„Man, that’s the first time I ever seen a Texan beat himself to the draw.“

To Hell And Back (Zur Hölle und zurück) ~ USA 1955
Directed By: Jesse Hibbs

Texas, 1941. Nach dem Tod der Mutter (Mary Field) sieht der Farmerjunge Audie Murphy (Audie Murphy) keinen anderen Weg, für seine verwaisten Geschwister zu sorgen, als sich zum Miltärdienst zu melden. Zu jung und zu klein, wird er zunächst mehrfach abgelehnt, landet dann aber schlussendlich in der Army und, nach der Grundausbildung, in Nordafrika, von wo ihn der Weg über Sizilien, Anzio und Südfrankreich bis zum Elsass führt. Murphy gilt bald als Mustersoldat, wird mehrfach befördert und trotz seiner fehlenden Schulbildung für eine Offizierslaufbahn in West Point vorgeschlagen, was er jedoch immer wieder ablehnt. Mit dem Ende des Krieges endet für ihn der aktive Dienst.

Audie Murphy war ein amerikanisches Original, für das man am Besten Zahlen und Fakten sprechen lässt: Er ist der höchstdekorierte US-Soldat des Zweiten Weltkriegs und wurde, zum Teil mehrfach, mit sämtlichen möglichen militärischen Auszeichnungen seines Landes ausgezeichnet. Insgesamt 33 Ehrungen konnte er verbuchen, hat in Europa rund 240 gegnerische Soldaten getötet und etliche weitere verwunden oder gefangen nehmen können sowie nachweislich sechs feindliche Panzer zerstört. Knappe drei Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Feld wurde er von Hollywood entdeckt und zum Star etlicher, zumeist kleinerer Westernproduktion, vornehmlich bei seinem Stammstudio Universal. Privat litt Murphy derweil unter extremen, posttraumatischen Belastungen, wurde medikamentenabhängig und setzte sich später für unter ähnlichen Symptomen leidende Veteranen aus Korea und Vietnam ein.
Von Murphys späteren Jahren und Meriten, die eine durchaus andere Sprache sprechen als die des heldenhaften Schlachtfeld-Hasardeurs, wie ihn der Film praktisch unentwegt zeigt, berichtet „To Hell And Back“ nichts. Tatsächlich ist er die weithin unkritische Beschreibung einer im rein militärischen Sinne tadellosen und vorbildhaften Soldatenlaufbahn. Der besondere Clou des Films liegt nun natürlich darin, den seinerzeit stets alterslos erscheinenden, etwas milchgesichtigen Murphy die Hauptrolle in der Adaption seiner Autobiographie spielen zu lassen, obschon dieser sich erst mehrfach bitten lassen musste und eigentlich viel lieber Tony Curtis als Audie Murphy gesehen hätte, um nur ja nicht in den Verdacht der Selbstbeweihräucherung zu geraten. Schlussendlich war und ist Murphy der bis heute einzige Hollywoodstar, der sich selbst in einem um seine Person kreisenden Spielfilm darstellte.
Der unter mancherlei redundantem, dramaturgischem Durchhänger ächzende, für ein Studio-Kriegsabenteuer gar nicht mal so sehr spektakulär wirkende „To Hell And Back“ war trotz seiner unleugbaren Mittelmäßigkeit ein Film, den seine Zuschauer ganz besonders liebten (was sie heute, angesichts der imdb-Durchschnittswertung, wohl immer noch tun) und bis zum knapp zwanzig Jahre später folgenden „Jaws“ der erfolgreichste Film der Universal. Welch mannigfaltige, nicht eben vorteilhafte Schlussfolgerungen dies im Hinblick auf sein Publikum und dessen Kritikfähigkeit suggeriert, muss nicht extra erwähnt werden. Auch infolge dessen ein (film-)historisches Faszinosum.

6/10

TREASURE OF THE GOLDEN CONDOR

„This time I’ll stay!“

Treasure Of The Golden Condor (Im Reiche des goldenen Condor) ~ USA 1953
Directed By: Delmer Daves

Frankreich im 18. Jahrhundert: Nachdem ihm sein Geburtsrecht als unehelicher Sproß eines Adligen aberkannt wurde, verlebt Jean-Paul von St. Malo (Jerry Hunter) die ersten Jahre seines Lebens bei seinem Großvater mütterlicherseits, einem armen Büchsenmacher (Walter Hampden), bis ihn sein raffgieriger Onkel Edouard (George Macready) auf das Familiengut holt und Jean-Paul dort als Stallknecht arbeiten lässt. Dennoch wächst er zu einem kräftigen Klassenfeind (Cornel Wilde) heran, der sich nichts gefallen lässt. Die Liebe zu seiner Cousine Marie (Anne Bancroft) wird von Edouard schließlich entdeckt und Jean-Paul fürchterlich verprügelt und nebst seinem Großvater an die Justiz verraten. Auf Rache sinnend, erhält Jean-Paul seine Chance, als er den alten Schatzsucher MacDougal (Finlay Currie) kennenlernt, der hinter einem alten Maya-Schatz in Tikal her ist. Jean-Paul schließt sich MacDougal und seiner Tochter (Constance Smith) an, um gemeinsam mit ihnen in Guatemala nach dem Schatz zu suchen. Nach einer abenteuerlichen Odyssee kehrt Jean-Paul in cognito in die alte Heimat zurück, versichert sich der Sympathien des Advokaten Dondel (Leo G. Carroll) und bereitet sich darauf vor, sich sein Eigentum zurückzuholen.

Als hauseigene Remake eines elf Jahre älteren Fox-Abenteuerklassikers mit Tyrone Power, nebst allerdings historisch und regional verändertem Setting begeistert „Treasure Of The Golden Condor“ das jung gebliebene Technicolorherz, dass es eine Art hat. In diesem von Delmer Daves ausladend und ausnehmend schön gefertigten Meisterstück gibt es tatsächlich nichts, was nicht stimmte, bis hin zum letzten i-Tüpfelchen. Seien es die erwartungsgemäß herrlichen Kostüme und Kulissen, die zur damaligen Zeit seltene, aber umso lohnenswertere Entscheidung, Außenszenen vor Ort zu drehen, die Fabulierlust der im Grunde hausbackenen, stark von Dumas beeinflussten Rache-Story oder schlicht Daves‘ verlässliches Erzähltalent: Es passt einfach. Von den Darstellern ganz zu schweigen; Cornel Wilde als Held ging immer, George Macready als Bösewicht nicht minder; Finlay Currie als alter Zausel bürgte stets für hohe darstellerische Qualität bis in die Nebenrollen, Leo G. Carroll als verschrobener, zunächst recht undurchsichtiger Rechtsgelehrter; Constance Smith als ebenso schöne wie intelligente Heroine ist toll, Anne Bancroft als intrigante Aristokratenschlampe noch toller. Der Plot schlägt viele Wendungen, so, dass es sich als immens vorteilhaft erweist, wenn man möglichst wenig über den Inhalt weiß und der Geschichte somit umso gebannter folgt.
Richtig, richtig schön. Ernsthaft.

9/10

LA FEMME NIKITA

Zitat entfällt.

La Femme Nikita (Nikita) ~ F/I 1990
Directed By: Luc Besson

Nachdem das völlig fertige Junkie-Mädchen Nikita (Anna Parillaud) beim Überfall auf eine Apotheke einen wehrlosen Polizisten erschossen hat, nimmt eine streng geheime Staatsorganisation sie in ihre Obhut. Unter den Fittichen von Agent Bob (Tchéky Karyo) wird die Widerspenstige domestiziert und zu einer effektiven Killerin ausgebildet. Nach vielen Monaten der „Umschulung“ wird Nikita unter ihrem neuen Namen Marie Clement zurück in die Freiheit entlassen, hat sich für eingehende Aufträge jedoch stets zur Verfügung zu halten. Derweil lernt sie den kleinen Kassierer Marco (Jean-Hugues Anglade), der nichts von Maries Zweitidentität ahnt, kennen und lieben. Als dann ein Auftrag zur Sicherstellung geheimer Diplomatenpapiere in einem Blutbad endet, ist Marie klar, dass sie diesem Teufelskreis ein für allemal entkommen muss.

Mit Luc Besson ist es ja so eine Sache; als Filmemacher hat er neben Beineix und Carax mit dem cinéma du look die wesentlichste Kinobewegung Frankreichs in den Achtzigern geprägt, als Mann, der ein offensichtliches Faible für knabenhaft-androgyne Frauen und/oder minderjährige Gespielinnen wie seine zweite Lebensabschnittsgefährtin Maïwenn Le Besco hinterließ er hier und da Fragezeichen. Sein Inszenierungsstil, zumal in Kombination mit der oftmals artifiziell klingenden Musik von Eric Serra, ist derweil unbestritten unverkennbar: alles andere als subtil geht Besson mit zunehmender Schaffenszeit unbekümmert laut, exaltiert und betont naiv zu Werke; exponierte, bald verwilderte Frauen- bzw. Mädchenfiguren und diametral angelegte, ruhig-besonnen Helden sind ebenso Markenzeichen wie unberechenbare und großmäulige Psychopathen. „La Femme Nikita“, von dem John Badham drei Jahre später ein US-Remake anfertigte und dem noch zwei umfangreiche TV-Serials nachfolgten, weist jene Merkmale vermutlich so schnittmengenartig auf wie kein anderer Film Bessons und ist damit quasi sein Signaturwerk. Dabei macht der Film es einem nicht immer leicht: Parillaud, zum damaligen Zeitpunkt Bessons Muße, macht es einem mit ihrer ausgestellten Kratzbürstigkeit nicht immer leicht und überhaupt ist mit ihrem stillen Galan Anglade letztlich bloß ein Charakter vorhanden, der eine gewisse Kompassnadel in dem wilden Wust symbolisiert. Als charmant erweist sich indes der Auftritt der grande dame Jeanne Moreau als eine Art genealogischer Vorläuferin Nikitas und Stiefmutterfigur während Besson-Standard Jean Reno als „Cleaner“ (sprich: berserkernder, maschinenhafter Auftragskiller) mir mit seinem comichaften Gastauftritt stets verschenkt schien. Ich bin überhaupt kein Freund von den Kategorisierungen „gut“ oder „schlecht gealtert“. Jeder Film ist als Gesamtkunstwerk nicht zuletzt immer auch ein Repräsentant seiner Entstehungszeit. Alles andere wäre ja auch prätentiös. Dennoch ist die ausgehende Dekade gerade im Falle „La Femme Nikita“ fast schon ungewöhnlich eklatant spürbar und sorgt mit zunehmendem Abstand für eine gewisse Befremdlichkeit, der sich eben am Besten Herr werden lässt, wenn man ihn zu entscheidenden Teilen als portrait de l’âge wahrnimmt.

7/10

SAINT ANGE

Zitat entfällt.

Saint Ange (Haus der Stimmen) ~ F 2004
Directed By: Pascal Laugier

Die französischen Alpen, 1958: Saint Ange, ein Heim für Kriegswaisen, soll nach vielen Jahren geschlossen werden. Die hochschwangere Anna Jurin (Virginie Ledoyen), die sich mit ihrem Zustand nicht arrangieren mag und das Kind lieber nicht bekäme, flüchtet sich als Arbeitskraft in das weit abgelegene Gebäude. Einzig die Hausmutter Ilinca (Dorina Lazar) und die etwas „merkwürdige“ Insassin Judith (Lou Doillon) befinden sich nun außer Anna noch in dem Komplex. Seltsame Träume und Visionen sowie Geschichten von „unheimlichen Kindern“, die noch irgendwo im Hause leben sollen, machen der infolge ihrer ungewollten Schwangerschaft ohnehin gequälten Anna zu schaffen. Der Schlüssel zum Geheimnis liegt offenbar im Waschraum…

Laugiers Erstling nimmt sich ziemlich kryptisch aus in zunehmendem Verlauf und „Auflösung“, die für mein Dafürhalten etwas zu mysteriös und interpretationsbedürftig daherkommt. Vermutlich ist es hier jedoch mit einer Betrachtung ohnehin nicht getan, begibt man sich auf die Spur der ultimativen Wahrheit um Anna Jurins Schicksal.
Genrefilme um betagte Waisenheime und/oder gespenstische Kinder hatten zur Entstehungszeit von „Saint Ange“ ja gewissermaßen Hochsaison und fairerweise muss man konstatieren, dass Laugier der Subgattung durchaus gerecht wird betreffs der Schaffung einer unheimlichen bis desolaten Atmosphäre. Das figurale Hauptgewicht liegt bei der von Virginie Ledoyen sensibel interpretierten Protagonistin, die offenbar ein schweres Schicksal hinter sich hat, das bis auf die Sichtbarkeit körperlicher Narben (Narben von Peitschenhieben, Spuren ausgedrückter Zigaretten und ihre offensichtlich von einer Vergewaltigung herrührende Schwangerschaft) keiner weiteren Indizien entbehrt. Auch das sich in den Untergewölben des Hauses abspielende Finale bereitete mir geflissentliches Kopfzerbrechen: Vermutlich mit den Nazis in Zusammenhang stehende Experimente an Kinder oder auch Euthanasie könnte hier einst stattgefunden haben – nur sind deren noch an Leben befindliche Relikte nun tatsächlich existent, bloße Ausgeburten von Annas gebeutelter Phantasie oder gar Gespenster, die keine Ruhe finden? Zumindest der von einer möglichen Erlösung erzählende Epilog engt die Lesmöglichkeiten ein wenig ein, wenn auch die enigmatische Rätselhaftigkeit des Ganzen nie wirklich vollständig aufgelöst wird.

7/10

STEINER – DAS EISERNE KREUZ, 2. TEIL

„Who ought to belive this anyway?“

Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil ~ BRD 1979
Directed By: Andrew V. McLaglen

Nach seinem desaströsen Einsatz in Russland wird Feldwebel Steiner (Richard Burton) flugs an die Westfront beordert, wo die Alliierten soeben dabei sind, die Operation Overlord einzuleiten. Auch Steiners alter Rivale von Stransky (Helmut Griem) ist wiederum nicht fern. Nach einem kurzen Fronturlaub in Paris muss Steiner zurück ins Kampfgebiet, um ein strategisch wichtiges Dörfchen in der Provinz zu verteidigen. Sein alter Freund General Hoffmann (Curd Jürgens) eröffnet ihm derweil insgeheim, dass einige ohe Offiziere der Wehrmacht eine Verschwörung gegen Hitler planen und Steiner dazu auserkoren ist, dem gegnerischen General Webster (Rod Steiger) diese Nachricht zukommen zu lassen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Die US-Admiralität glaubt jedoch an eine Finte und schickt dennoch eine Panzerbrigade in das von den Deutschen gehaltene Dörfchen. Zeitgleich scheitert der Putsch und Hoffmann nimmt sich das Leben. Stransky, der von alldem nichts ahnt und nach wie vor ein Fanatiker ist, plant, die ganze Panzerdivision mittels unterirdischer Sprengladungen zu vernichten…

Die Filmhistorie vergisst gern, dass der unverwüstliche Wolf C. Hartwig, der wusste, wie man eine Kuh adäquat bis auf den letzten Tropfen zu melken hat, seinem von Sam Peckinpah inszenierten Riesenerfolg „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ eine wiederum immens kostspielige Fortsetzung folgen ließ. Warum dieser amnesische Mantel? Nicht nur, dass „Steiner 2“ gnadenlos an den Kinokassen crashte, unterscheiden sich Original und Sequel hinsichtlich ihres Niveaus in etwa so, wie sich Peckinpah und McLaglen als Filmemacher unterscheiden. Eine philosophische Metaebene um preußische Arroganz und Gernegroßtum unter aristokratischen Wehrmachtsoffizieren, wie sie den Vorgänger auszeichnete, wird man hier vergeblich suchen. Vielmehr ist der zweite Teil, den nurmehr Klaus Löwitsch und Dieter Schidor in ihren vormaligen Rollen erlebten, nicht mehr oder weniger als ein kerniges Landser-Abenteuer, dass die schuldbelastete deutsche Seele  durch seine knuffigen Heldenakzente sogar ein klein wenig einzubalsamieren wusste. Mit Richard Burton, der im Prinzip viel eher seine Rolle als Söldner-Colonel Faulkner aus „The Wild Geese“ repetiert als auch nur im Mindesten den Versuch zu machen, seinen Vorgänger James Coburn anklingen zu lassen, stand McLaglen nur einer von mehreren vormaligen Kollaborateuren zur Seite. Ohnehin ist die Besetzung mindestens so erlesen und illuster wie die des Erstlings und rechtfertigt allein die Betrachtung des Films. Auch ist dieser keineswegs langweilig oder gar öde, obschon natürlich in seiner Struktur und Erzählweise überaus vorhersehbar und weitgehend überraschungsarm. Die düstere, bleierne, vom Wahnsinn infizierte Grundstimmung des Peckinpah-Films weicht hier eher der Betrachtung des Krieges als luftig-leichtes Männergeschäft, bei dem es auch mal was zu lachen gibt. Sicherlich zerfällt die Narration hier und da ferner ins seltsam Episodische, was möglicherweise auf diverse Straffungen und/oder Kürzungen zurückzuführen ist, doch dies nur mutmaßlich.
Als kleiner, kinohistorisch letzten Endes wohl tatsächlich „unbedeutender“ Beitrag zu der Gruppe vor allem logistisch abenteuerlicher Filmen über den Zweiten Weltkrieg kann sich, so sehe ich das, „Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil“ dennoch durchaus sehen lassen.

7/10

SECTION SPÉCIALE

Zitat entfällt.

Section Spéciale (Sondertribunal – Jeder kämpft für sich allein) ~ F/I/BRD 1975
Directed By: Constantin Costa-Gavras

Paris, 1941. Eine Gruppe junger Widerständler beschließt, im Gegenzug zur Niederschlagung eines Protestmarschs durch die Gestapo Anschläge auf eine Reihe deutscher Offiziere zu verüben. Gleich der erste Mord an einem Marine-Major (Romain Bouteille) zieht ein gewaltiges Echo nach sich. Da man der Täter nicht umgehend habhaft wird, beschließt Innenminister Pierre Pucheu (Michael Lonsdale), aus strategischen Erwägungen sowie unter Rückendeckung Marschall Pétains, ein rückwirkendes Gesetz zur Abstrafung bereits inhaftierter, politischer Gefangener aus Vergeltungsgründen, zu etablieren. Die entsprechenden Abstrafungen sollen von sogenannten „Sondertribunalen“ vorgenommen werden, deren Protagonisten sich nach allgemeinem, aber kurzem Geraune in den obersten Justizinstanzen alsbald in unkritischen, mundtoten Staatsdienern auffinden lassen. Es kommt zu mehreren Verhängungen von Todesstrafe-Urteilen für ursprüngliche Lappaliendelikte.

In Costa-Gavras‘ bitterböser Abrechnung mit dem Vichy-Regime schlägt der Regisseur beinahe ungewohnt sarkastische Töne an: Die Funktionäre der kriecherisch in Richtung der Besatzer buckelnden, französischen Oberbefehlshaber, die sich im erwarteten großdeutschen Reich aussichtsreiche Positionen erhoffen, stellt der Meister mit einem bitteren Schmunzeln als das dar, was sie ganz offenbar tatsächlich waren: wahlweise alte, ergraute Veteranen, die zu müde sind, um sich abermals dem Feind zu stellen oder ölige Emporkömmlinge wie Pucheu, die einerseits die öffentliche Illusion aufrecht zu erhalten versuchen, Frankreich besäße noch immer einen Rest Souveränität, andererseits jedoch den Okkupanten wohlweislich in den Hintern kriecht. „Section Spéciale“, wiederum eine streng authentische Aufbereitung historischer Faktenlagen, zeigt abermals auf ebenso hintersinnige wie unmisserständliche Weise auf, wie Totalitarismus und Unterdrückung selbst auf ehemals revolutionärem Mutterboden funktionieren können, wenn nur die Flamme des Widerstandes einmal erloschen ist. Nicht mehr ganz so wütend, flammend und niederschmetternd wie in seiner Repressions-Trilogie, dafür eher mit besagter (dabei jedoch keinesfalls minder wirksamer) tongue-in-cheek attitude, lässt Costa-Gavras dennoch abermals klare didaktische Warnsignale durchblicken: wer bereit ist, sich um den Preis der Assimilierung zur Hure machen zu lassen, der verkauft nicht nur seine Inegrität, sondern auch seine Seele.

9/10

KINGS GO FORTH

„Remember: Loneliness is worst.“

Kings Go Forth (Rivalen) ~ USA 1958
Directed By: Delmer Daves

Frankreich, 1945. Die G.I.s Sam Loggins (Frank Sinatra) und Britt Harris (Tony Curtis) könnten unterschiedlicher kaum sein; erster aus proletarischem Milieu stammend und ein eher grüblerischer Einzelgänger; der andere ein reicher, unbeschwerter Firmenerbe mit exzellenter College-Ausbildung und hinter jedem flatternden Rock her. Als Sam während eines Fronturlaubs an der Riviera die aparte Exilamerikanerin Monique (Natalie Wood) kennenlernt, verliebt er sich vom Fleck weg in sie. Für Monique ist er jedoch von Anfang an nicht mehr als ein guter Freund. Zudem sieht sich Sam gezwungen, seine Zuneigung zu überdenken, als sie ihm offenbart, dass ihr verstorbener Vater ein Farbiger war. Entgegen seiner Vorurteile entscheidet er sich für seine Liebe, doch als Monique Britt kennenlernt, ist Sam endgültig abgeschrieben. Obgleich Sam ahnt, dass Britt sie nur hofiert, um sie ins Bett zu bekommen, will er Moniques Glück nicht zerstören. Als Britt dann sein wahres Gesicht zeigt, ist nicht nur das Mädchen am Boden zerstört. Sam will es Britt heimzahlen. Die Gelegenheit dazu ergibt sich, als beide gemeinsam ein von der Wehrmacht besetztes Städtchen auskundschaften sollen…

In unmittelbarem Nachgang zu „Cowboy“ ließ Delmer Daves dieses bittersüß-romantische Drama folgen, dass den Zweiten Weltkrieg in Europa als interessante Kulisse für den Auf- und Ausbau seiner herzzereißenden Story benutzt. Formal nichts weniger als in absolut diametralem Gegensatz zu „Cowboy“ stehend, setzt Daves hier auf schmale Schwarz-Weiß-Bilder, die die Dreiecksgeschichte jedoch formidabel unterstützen. Es tut gut, Tony Curtis zur Abwechslung auch mal als zumindest semi-widerliches Ekel sehen zu dürfen, da ihm, dem wie ich finde, stets etwas geflissentlich Schmieriges anhaftete, diese Rolle eigentlich hervorragend zukommt. Immerhin kann er am Ende einen Teil seiner Schuld wieder gutmachen und das Zeitlich halbwegs gesühnt segnen. Sinatra indes ist toll als melancholischer Loner und Off-Erzähler, der den Krieg und alles, was er so mit sich bringt, voller Stoizismus als eine weitere Prüfung des ihm ohnehin turbulent begegnenden Schicksals hinnimmt. Man fühlt mit ihm, als er endlich seiner großen Liebe begegnet, diese jedoch kein erotisches Interesse an ihm hegt und stattdessen mit seinem Freund anbendelt, der sie wiederum lediglich als Kerbholz-Trophäe betrachtet und bald fallen lässt wie eine heiße Kartoffel. Ich kenne Ähnliches selbst aus eigener Biographie und so fiel es mir denkbar leicht, die Identifikation mit meinem Namensvetter weitestmöglich zu vollziehen. Wie immer bravourös die wunderbare Natalie Wood, die so ziemlich jeden Film, den sie mit ihrer Präsenz bereicherte, zum Leuchten bringen konnte. Und auch ihre Filmmutter, von Leora Dana gespielt, ist eine dankenswerte, bravourös finalisierte Figur, die ein nachdrückliches Fanal gegen rassistische Ressentiments setzt.
Ein kleiner, vielleicht ein wenig übersehener, aber dennoch wunderbarer Film, dem ein jeder Freund des american drama bei Gelegenheit zumindest eine Chance geben sollte.

9/10