INDEPENDENCE DAY: RESURGENCE

„Time to kick some serious alien ass.“

Independence Day: Resurgence (Independence Day – Wiederkehr) ~ USA 2016
Directed By: Roland Emmerich

Zwanzig Jahre nach dem katastrophalen Alien-Überfall hat die Welt sich nicht nur weitgehend erholt, sondern zudem die eigene Technologie mit der Außerirdischen angereichert. Mit deren Hilfe gelang es zudem, weiter in den Weltraum vorzustoßen. Just zum Jahrestag der Invasion erscheint dann ein fremdes, rundes Objekt im All, das vorsorglich, aber leider auch vorschnell abgeschossen wird. Dabei handelt es sich um den Abgesandten einer interstellaren Rebellenarmee, die die Menschheit vor dem nächsten Sturm der bereits bekannten Extraterrestrier warnen will. Da rauscht schon ein gewaltiges Schlachtschiff heran, auf dem sich diesmal eine Alien-Königin befindet, die den zweiten Angriff gegen die Erde höchstpersönlich anführt. Für David Levinson (Jeff Goldblum), den seit damals in psychiatrischer Verwahrung befindlichen Ex-Präsidenten Whitmore (Bill Pullman), der nach wie vor mentalen Kontakt zu den Fremden hat, den aus dem Koma erwachten Dr. Okun (Brent Spiner), Captain Hillers Sohn Dylan (Jessie T. Usher) und dessen Pilotenkumpel Jake Morrison (Liam Hemsworth) heißt es daher aufs Neue: Alienärsche treten.

Den ganz großen, gigantomanischen Irrsinn des Vorgängers kann „Independence Day: Resurgence“ in Zeiten, in denen Superhelden- und Effektkino Alltagsgeschehen sind, nicht mehr präservieren. Emmerich und Adlatus Dean Devlin, unterdessen zu alten, gewohnheitsmäßig umtriebigen Hasen im bombastischen Zerstörungs- und Katastrophen-Segment avanciert, wissen das ganz genau und brechen ihre neuerliche Invasions-Nabelschau auf ein kontenztrierteres Filtrat herunter, das sich vornehmlich aus breit angelegten Luft- und Raumkampfszenarien und einigen wenigen Plot-Füllseln, die offenkundig vor allem dazu dienen, den Stoff zum künftigen Franchise auszuweiten, zusammen setzen. Wie die Xenomorphe aus der „Alien“-Reihe erweisen sich die allermeisten All-Monster als Drohnen, die ihre Chefin bzw. Königin, die zehnfach größer in punkto Gestalt und Kampferprobtheit ist, umschwirren und mit ihr stehen und fallen. So wird „Resurgence“ gegen Ende noch flugs zum waschechten Monsterfilm, wenn es gilt, das durch die Wüste von Nevada flitzenden Tentakel-Ungetüm zu Fall zu bringen. Mir hat’s gefallen.
Dass Will Smith, im Original bereits Nervenstrapazierer über Gebühr, nicht mehr dabei ist, schadet dem Film überhaupt nicht; Herz und Zentrale auf dem schauspielerischen Sektor bilden ohnehin erneut der gewohnt lakonische Goldblum und der herzliche Judd Hirsch, von denen Emmerich stolz sein kann, sie zum wiederholten Auftritt überzeugt zu haben. Robert Loggia darf immerhin zweimal kurz in die Kamera linsen. Obendrauf gibt es als (komplett austauschbares und profilloses) Pseudo-Identifikationspersonal für Teens und Twens den Nachwuchs Hemsworth, Usher und Maika Monroe als Whitmores wehrhafte Tochter Patricia sowie William Fichtner als Präsidentennachwuchs, dem diesmal die (hübsch kurz geratene) Pathos-Rhetorik zur letzten Schlacht vorbehalten ist. Ob man mit weiteren „Indepence Day“-Beiträgen rechnen kann, wird sich wohl in Kürze zeigen; zumindest die Sterne stehen der Storyline ja jetzt ganz weit offen. Nach diesem dem Erstling summa summarum ebenbürtigen Sequel wäre ich wohl sogarbis auf Weiteres dabei.

5/10

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AVENGING ANGEL

„I ain’t no angel, pal.“

Avenging Angel (Angel kehrt zurück) ~ USA 1985
Directed By: Robert Vincent O’Neill

Nachdem Molly Stewart (Betsy Russell) von ihrem alten Beschützer Lieutenant Andrews (Robert F. Lyons) quasiadoptiert wurde und Jura studiert hat, liegt ihre Kiezvergangenheit weit hinter ihr. Als Andrews jedoch bei einem Einsatz auf dem Hollywood Boulevard ermordet wird, holt Molly die alten Stilletos und den Minirock aus dem Schrank und kehrt als „Angel“ zurück auf die Straße. Um die Mörder ihres väterlichen Freundes zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen, benötigt sie allerdings noch die Unterstützung ihrer früheren Freunde. Daher gilt es zunächst, den alten Kit (Rory Calhoun) aus dem Seniorenheim zu entführen…

Obschon nur ein Jahr später entstanden, muss man als Kenner des Originals zunächst einige Zäsuren in Kauf nehmen – nicht nur, dass der zeitliche Abstand zu den Ereignissen im Vorgänger deutlich gedehnter ausfällt, wird die pfiffige Molly jetzt von Betsy Russell gespielt, die zwar vier Jahre jünger ist als ihre Vorgängerin Donna Wilkes, im Gegenzug jedoch auch vier Jahre älter aussieht. Auch Lt. Andrews, der als initiierendes Mordopfer ohnehin nur einen vergleichsweise kurzen Auftritt absolviert, unterliegt einem Personalwechsel. Was jedoch viel wichtiger ist – das liebgewonnene Kiezensemble, sprich Susan Tyrell, Rory Calhoun und Steven M. Porter, kehrt (natürlich mit Ausnahme des in „Angel“ heldenhaft geopferten Dick Shawn)  geschlossen zurück und unterstützt seine alte Freundin, die diesmal nur zum Schein auf den Strich geht, um ein Gangsternest auszuheben, hinter dem der reiche Geschäftsmann Gerrard (Paul Lambert) steht. Die alte Clique erweist sich als schlagfertiger denn je und greift Gerrards Männer mit ungewohnter Feuerkraft an. Doch auch die Helden haben eine Schwäche – ein verwaistes Baby, das Solly unter ihre Fittiche genommen hat und sich bestens als Kidnappingopfer eignet.
„Avenging Angel“ findet nach dem Original sehr viel flüssiger und vor allem umwegloser zu sich selbst. Schon die von Bronski Beat stampfend untermalte Eingangssequenz vergewissert sich eines ganz anderen formalen Qualitätsstandards, bevor das Sequel sich unter cleverer Verwendung des bereits etablierten Personal auf den Selbstjustiz- und Vigilanten-Konvoi der Achtziger schwingt, sehr viel gewaltigere Feuerkraft bemüht und dabei keine Scheu hat, bei stark angezogenem pacing immer wieder den Bogen hin zu lustvoll überdrehten Albernheiten zu überspannen. „Avenging Angel“ hat von allem etwas mehr: Action, Humor, Spannung, Übertreibungen, Exploitation, Entertainment. Außerdem gefällt mir Betsy Russell wesentlich besser als Donna Wilkes, die ich nebenbei schon seit „Jaws 2“ als schlimme, weil unsäglich kreischende Nervensäge im Hinterkopf habe. Ich dürfte ergo wohl ziemlich allein dastehen mit der Ansicht, dass „Avenging Angel“ zu den wenigen Forsetzungen gehört, die ihren Vorgänger vorbehaltlos übertreffen. Andererseits ist das ja nichts Schlimmes.

7/10

ANGEL

„Give a man something to suck on and he’s happy.“

Angel ~ USA 1984
Directed By: Robert Vincent O’Neill

Tagsüber die gewissenhafte Schülerin, bei Nacht auf dem Strich unterwegs als „Angel“ – seit die fünfzehnjährige Molly Stewart (Donna Wilkes) bereits vor Jahren von ihren Eltern im Stich gelassen wurde, ist sie gezwungen, ihren Lebensunterhalt auf dem nächtlichen Hollywood Boulevard zu verdienen. Oder vielmehr, sie geht ihrem horizontalen Job recht freiwillig nach, denn Waisenhaus und Sozialunterstützung kommen für sie nicht in Frage. Mittlerweile sind all die durchgedrehten Kiez-Gestalten zu ihrer neuen Familie avanciert, allen voran Transe Mae (Dick Shawn) und der alte Filmcowboy Kit (Rory Calhoun). Als jedoch ein durchgedrehter Serienkiller (John Diehl) sein Unwesen auf dem Kiez zu treiben beginnt, wird es für Molly brenzlig. Gut, dass ihre Freunde und auch Cop Andrews (Cliff Gorman) sie nach Kräften schützen.

Was nach wilder Exploitation klingt, ist vergleichsweise harmloses, extrem zeitverhaftetes Schillerkino – Robert Vincent O’Neill umgeht jedes sich noch so weit auftuende Fettnäpfchen von Schlüpfrigkeit und inszeniert seine Coming-of-Age-Geschichte mit verhaltenem Bahnhofskino-Flair als liebenswertes Kiezmärchen, das auch in punkto Moralinsäure angenehm zurückhaltend bleibt. Der sich erst nach und nach Bahn brechende Killerplot wirkt diesbezüglich eher aufgesetzt und wurde offensichtlich vor allem deshalb eingeflochten, um der Blitzidee mit der doppellebigen Babyhure und ihrer episodisch angelegten Geschichte einen konkreten Genrekurs zu verleihen. Nicht von ungefähr erinnert dieser Teil der Story an Friedkins sehr viel angründigeren „Cruising“. Sehr viel mehr Wert legt O’Neill infolge dessen auf sein illustres Rotlicht-Ensemble, das in Kombination eine funktionale Familie von liebenswerten Außenseitern ergibt, die sich im Notfalle bestens zu helfen weiß. Neben Mae und Kit Carson sind das vor allem die kernige Susan Tyrell als exzentrische Künstlerin Solly Mosler oder der Jojo-Artist Charlie (Steven M.Porter), allesamt Gestrandete, die das Beste aus der Endstation Milieu und ihr Viertel zu einem quirligen Zuhause des respektablen sozialen Scheiterns machen. Natürlich sind Angel und ihre Kolleginnen (Donna McDaniel, Graem McGavin) nebenbei gewieft und wählerisch genug, sich die Rosinchen aus dem fetten Freierkuchen herauszupicken und die große Restmenge – etwa ein paar aufdringliche Schulkameraden von Molly – ganz cool abblitzen zu lassen. Der verbleibende, minimale „Skandalfaktor“ des Ganzen, so man überhaupt einen solchen herauszufiltern geneigt ist, liegt somit am Ehesten darin, das Prostitutionsgewerbe in einem verharmlosenden bis romantisierenden Licht erscheinen zu lassen – O’Neills märchenhaft verbrämte Kieznacht ist voll von lustigen Anarcho-Vögeln und existenzieller Autonomie und macht suggestiv sogar Spaß, wenn man sich in ihr bloß halbwegs zurecht findet. Außerdem sei ja eh alles bloß halb so schlimm, so lange man auf eigene Faust und ohne Freier arbeite und auf gute Freunde zählen könne. Ich glaube trotzdem nicht, dass „Angel“ in den 34 Jahren seit seiner Premiere irgendein Teenager-Mädchen auch nur implizit dazu angestiftet hat, auf den Strich zu gehen.

6/10

INDEPENDENCE DAY

„Let’s nuke the bastards.“

Independence Day ~ USA 1996
Directed By: Roland Emmerich

Kriegerische Aliens nehmen Kurs auf die Erde, um die Menschheit auszurotten und sich die Ressourcen unseres Planeten anzueignen. Nachdem es zunächst so aussieht, als habe man selbst mit der größten Feuerkraft keine Chance gegen die Außerirdischen, kommt dem wackeren TV-Techniker David Levinson (Jeff Goldblum) die zündende Idee…

Nachdem ich „Independence Day“ über die Jahre hinweg immer in den untersten Niederungen amerikanischen Blockbusterkinos angesiedelt habe, kann ich jetzt endlich Frieden schließen. Man muss dem Film schlicht und einfach seine grenzenlose Blödheit und seinen Kreativköpfen, allen voran freilich Emmerich und seinem Haus-und-Hof-Autor Dean Devlin, nachsehen, dass sie hier etwas geschaffen haben, das in etwa dem Äquivalent eines Multimillionendollar-Spielplatzes entspricht – megalomanisches Amüsement für infantile Gemüter. Emmerich und Devlin beweisen mit Nachdruck, dass sie das 70er-Jahre-Katastrophenkino eines Irwin Allen nahezu akribisch studiert haben, denn der gesamte dramaturgische und narrative Aufzug ihres Films entspricht selbigem bis aufs i-Tüpfelchen. Für eine Alien-Invasion Marke H.G. Wells fehlten ehedem schlicht die Mittel, sonst hätte Allen neben Schiffshavarien, brennenden Wolkenkratzern und Vulkanausbrüchen vermutlich auch das bereits an Ort und Stelle durchexerziert. So lag es eben an dem Schwaben und seinem treuen Gefolgsmann, jene Phantasmagorie mit aller gebührenden Naivität und triefendem Amerika-Pathos zeitreif angereichert in die Welt zu entlassen. Den ob ihres Engagements sicherlich sehr wohl im Bilde befindlichen Antlitzzeigern Goldblum und Hirsch als Vater und Sohn stehen ein bilderbuchhaft nervender, dümmliche Sprüche kloppender Will Smith, ein exemplarisch alberner Bill Pullman und die wie zumeist Zahnschmerzen verursachende Mary McDonnell als dessen das Zeitliche segnende Weibchen gegenüber, den sagenhaft inszenierten Luft- bzw. Raumkampfszenen und Explosionen ein stolz präsentiertes Nichts an figuraler und sophistischer Basis. Dass Großstädte und mit ihnen Millionen von Seelen eingeebnet werden, tangiert einen zu keiner Sekunde; Emmerich macht sein Publikum im Gegenteil zu willfährigen Voyeuren der Popcornapokalypse. Wo Burton aus dem lärmenden Pulp-Charakter des Stoffs kurz darauf einen liebevoll-satirischen Kinospiegel vorhielt und Spielberg sich neun Jahre später gleich den literarischen Wurzeln des Ganzen annahm und dann auch erfolgreich eine emotionale Involvierung seiner Zuschauer zu evozieren vermochte, baut „Independence Day“ oder „ID4“, wie er sich praktischerweise abkürzt, ein schickes, aufwändiges Riesengebäude aus Legosteinen, nur um es dann umgehend und umso lustvoller wieder kaputtzutreten.
Was mir noch immer und nach wie vor in Aug, Ohr und Schmalz springt, ist, wie sagenhaft dumm dieser Film ist und mit welch unglaublicher Chuzpe er diese Dummheit auch noch ausstellt.
Was ich mittlerweile dazu gelernt habe, ist, über all das hinwegzusehen, ja, es gar nicht mehr wichtig zu nehmen, und, anstatt mich uneffektiv zu ärgern, den Verstärker aufzudrehen und die vielen, farbenfrohen Explosionen zu genießen. Man entwickelt sich eben doch weiter mit dem Alter. Oder zurück, ganz nach Perspektive.

5/10

THE RITUAL

„If the shortcut was a shortcut, it wouldn’t be called a shortcut, it would be called a route.“

The Ritual ~ UK 2017
Directed By: David Bruckner

Eine Wanderung vierer Londoner Freunde (Rafe Spall, Sam Troughton, Robert James-Collier, Arsher Ali) durch die schwedische Bergwelt wird von einem finsteren Ereignis überschattet, das bereits einige Monate zurückliegt: Damals wurde ihr Kumpel Robert (Paul Reid) während des Überfalls zweier Krimineller (Matthew Needham, Jacob James Beswick) auf einen Getränkeladen erschlagen, ohne dass der ebenfalls anwesende Luke (Spall) das Unglück verhindert hätte. Luke leidet immens unter seinen Schuldgefühlen, was weder er noch einer der anderen zur Sprache bringt. Als Dom (Sam Troughton) sich ein Knie verstaucht, entschließt man sich, eine Abkürzung durch die Wälder zu nehmen – ein verhängnisvoller Fehler, denn nachdem sich das Quartett verlaufen hat, wird man gewahr, dass eine unheimliche, monströse Entität ihr Unwesen im Dickicht treibt…

„The Ritual“ zehrt, wie ja eigentlich jeder jüngere Horrorfilm, von etlichen Vorbildern, die das Genre teils bereits vor Jahrzehnten, aber auch erst vor deutlich kürzerer Zeit hervorgebracht hat. So lassen sich neben motivischen Versatzstücken aus „The Wicker Man“ oder „The Blair Witch Project“ auch jüngere Vorbilder wie „Trolljegeren“ und der wiederum bereits selbst an Robin Hardys Klassiker rekurrierende „Kill List“ wiederfinden. Dabei findet Bruckners im ungewöhnlichen 2,00:1-Bildkader gefilmte Netflix-Produktion ziemlich gemächlich und erst nach und nach zu sich sowie seinen zumindest ansatzweise vorhandenen Stärken, wenn nämlich nach dem üblichen Brimborium um die langsam um sich greifende Angst und damit verbundene Unruhe unter den Freunden, die langsame Erkenntnis der Ausweglosigkeit ihrer Situation und ihres Ausgeliefertseins sowie die erste Dezimierung der Gruppe gesetzt sind, die dramaturgischen Obligos also abgehakt sind und der eigentlichen Originalität Raum geschlagen werden kann. Diese formiert sich im letzten Drittel in Form eines heidnischen Kults, dessen Handvoll Anhänger versteckt in den Wäldern und offenbar seit Äonen ein gottähnliches Wesen, einen Jötunn, anbeten und ihm regelmäßig Opfer darbringen. Diesen Jötunn, so wie „The Ritual“ in visualisiert, muss man sich in etwa als eine Art gigantischen Elch mit skeletthaftem Äußeren und gestaltwandlerischen Fähigkeiten vorstellen, der sich grunzend und blökend durchs Gehölz pflügt. Seine Opfer spießt er wie Mahnmale an kahle Äste, wo sie dann verenden und vor sich hinhängen. Im Gegenzug für ihre Treue erhalten seine Anbeter offenbar eine verlängerte Lebensspanne. Für den schuldgeplagten Luke erweist sich der Jötunn am Ende natürlich als sehr viel mehr – ihm bietet sich durch die unausweichliche Konfrontation mit dem Biest nämlich die Möglichkeit zu symbolischer Wiedergutmachung; indem er das kleine Dorf der Paganisten niederbrennt, erfüllt er seinem kurz zuvor geopferten Freund Dom dessen letzten Wunsch. Auch erweist sich Luke als stark genug, dem Jötunn zu trotzen, nicht etwa, indem er ihn besiegt, sondern indem er ihm sich nicht als Opfer darbietet, sprich: Widerstand zeigt. Das ganze Abenteuer erweist sich für Luke also als eine Art Konfrontationstherapie – unter Einbeziehung der Tatsache, dass selbige jedoch auch seine drei letzten Freunde das Leben kostet, eine recht kostspielige Angelegenheit.

7/10

THE LONELY GUY

„Don’t worry. You’ll meet another girl.“

The Lonely Guy (Ein Single kommt selten allein) ~ USA 1984
Directed By: Arthur Hiller

Grußkartenschreiber Larry Hubbard (Steve Martin) steckt in der Krise: Nachdem er seine Freundin (Robyn Douglass) in flagranti erwischt hat, ist er urplötzlich Single und teilt damit das traurige Schicksal Millionen anderer New Yorker. Zu denen zählt auch Warren (Charles Grodin), der mittlerweile so verzweifelt ist, dass er einen Sprung von der Brooklyn Bridge bereits fest eingeplant hat. Trotz Hunden, lebensechten Pappaufstellern und anderen Kompensationsstrategien will es Larry und Warren nicht gelingen, glücklich zu werden. Doch das Schicksal hat selbst mit ihnen ein Nachsehen…

„The Lonely Guy“ dürfte wohl einer der Filme sein, die Steve Martins Renommee als zuverlässiger Filmkomiker in den achtziger Jahren mit am Nachhaltigsten gefestigt haben. Dass Neil Simon am Script beteiligt war, lässt sich zudem unschwer vermerken: Manhattan gerät hier, vor dem unwiederbringlichen Großstadt-Hedonismus seiner Dekade, zum Schmelztiegel gebrochener Herzen und urbaner Anonymität, was Hillers Film in Form einiger erstklassiger Slapstick-Gags, die sich in ihrer realistischen Konsequenz natürlich umso bitterer ausnehmen (aber eben das macht ja wahrhaft große Comedy aus), und in episodenhafter Form kommentiert. Nicht jeder Lacher hält allerdings einer mehrfachen, respektive wiederholten Überprüfung stand; vor allem aber sieht man sich als Zuschauer dem gedanklichen Konstrukt, dass eine erfüllte Existenz nur unter der Bedingung einer funktionierenden Partnerschaft möglich ist, erstmal widerspruchslos ausgeliefert. Ein sich durch die Kinogeschichte geradezu pflügendes Phänomen nebenbei: Ich habe mich im Nachhinein gefragt, ob es überhaupt jemals einen Film gegeben hat, der das Singledasein bedingungslos abfeiert? Dürfen Singles sich im Rahmen filmischer Wirklichkeit auch einmal als vollwertige Gesellschaftsmitglieder wähnen? „The Lonely Guy“ jedenfalls firmiert spätestens zum (bewusst surreal gestalteten?) Zuckerfinale hin als massive Breitseite gegen jedwede Lebenskonzeption, die Partnerschaftlichkeit ausspart, mit bisweilen herrlich satirischem Zungenschlag zwar, aber em Ende doch sehr konsequent. Aber was hätte Hiller andererseits auch zeigen sollen? Wie Martin und Grodin, quasi als Kulmination des bittersten running gags des Films, sich von der Brücke stürzen, ohne aufgefangen zu werden? Das hätte dann wohl niemand verkraften können…

8/10

THE PUNISHER: SEASON 1

„Welcome home, Frank.“

The Punisher: Season 1 ~ USA 2017
Directed By: Tom Shankland/Andy Goddard/Antonio Campos/Kevin Hooks/Marc Jobst/Jim O’Hanlon/Kari Skogland/Stephen Surjik/Dearbhla Walsh/Jeremy Webb/Jet Wilkinson

Nachdem Frank Castle (Jon Bernthal) die mutmaßlich letzten der an der Ermordung seiner Familie beteiligten Gangster erledigt hat, fristet er erin tristes, einsames Leben als Bauarbeiter „Peter Castiglione“. Es dauert jedoch nicht lang, bis er neuerlich in Reichweite des organisierten Verbrechens gerät und das zu tun gezwungen ist, was er am Besten beherrscht. Durch seine Aktion wird der im Untergrund lebende Hacker David Lieberman (Ebon Moss-Bachrach) auf ihn aufmerksam und Frank damit mit ganz neuen, unbekannten Fakten über den gewaltsamen Tod seiner Lieben aufgeklärt: Offenbar ist er während seiner Zeit als US-Marine bei einem verdeckten Einsatz in Kandahar Zeuge höchst illegaler Militäroperationen geworden und sollte als unliebsamer Mitwisser beseitigt werden. Doch nicht nur sein bald von Franks Überleben in Kenntnis gesetzter, früherer Vorgesetzter Rawlins (Paul Schulze) wird zu einem Problem, auch die umtriebige Militärpolizistin Madani (Amber Rose Revah) und ein durchgedrehter Veteran (Daniel Webber) machen dem Punisher zu schaffen. Zeit, das Totenkopf-Symbol zu reaktivieren…

Den Punisher, eine von Marvels beliebtesten Figuren, zum Hauptcharakter einer eigenen Serie zu machen, erweist sich rückblickend als mäßig dankbarer und sehr viel mehr rein kommerziellen Erwägungen geschuldeter Einfall. Das sich ferner als problematisch herausstellende Formgerüst der sich auf dreizehn Episoden kaprizierenden MCU-Serien versagt hier zudem noch mehr als ohnehin schon. Dennoch lässt sich mit „The Punisher“ insgesamt wieder ein wenn auch kleiner Aufschwung im Vergleich zu den jüngsten, entsprechenden Formaten verzeichnen.
Die eine große Schwäche des Netflix-Projekts, und diesbezüglich haben alle drei Kinofilme die Nase eindeutig vorn, liegt darin, Frank Castle ein psychologisch facettenreiches Fundament zu verschaffen. Das jedoch hatte der Autor Garth Ennis im Zuge seiner kürzeren und längeren „Punisher“-Strecken bereits allumfassend besorgt: Bei ihm zeigte sich, dass Castle ein prinzipiell grundgestörter Mensch war, der nicht erst durch die Ermordung seiner Frau und der beiden Kinder zum Killer wurde, sondern der sich bereits im Kriegskontext, einer Situation also, die Massenmord gewissermaßen legitimiert, als viehischer Schlächter erwiesen hatte und für den das heimatliche Verlusterlebnis lediglich eine finale Sollbruchstelle darstellte, um seinen beispiellosen Vigilantenkrieg zu entfesseln. Das organisierte Verbrechen hat Frank Castle erst gar nicht zu suchen, um mit ihm auf Konfrontationskurs zu gehen; das besorgt er nunmehr seit langem selbst. Des Punishers langfristiges Ziel besteht nicht in privater Rache, sondern in nichts weniger als darin, das Verbrechen auf globaler Ebene auszurotten; eine Mission, die gezwungenermaßen mit Bergen von Leichen einhergeht. Der Serien-Punisher pflegt ein solches Denken nicht – oder zumindest noch nicht, wie die eine oder andere Ableitung es nahelegt. Hierin sind die Motive für Frank Castles mörderischen Aktionismus (ähnlich wie in Jonathan Hensleighs 04er-Adaption) noch rein persönlicher Natur. Hinter der tödlichen Eiseskälte verbirgt sich noch immer ein menschliches, verletzliches Wesen, das Nähe begreift, zulässt und einstigen Emotionen und Intimitäten zumindest noch in Geist und Herzen nachhängt. Mit Ausnahme einer grandiosen Schlüsselsequenz in der dritten Episode, die während des Afghanistan-Einsatzes den schlummernden Psychopathen hinter der Fassade des Familienvaters zeigt und weiteren, kleineren hints, die das zunehmende Übergewicht einer längst latent vorhandenen PTBS (ohnehin ein zentrales Thema der Reihe) pronocieren, lässt hier noch vergleichsweise wenig auf die wortkarge Killermaschine schließen, zu der der Comic-Punisher (und übrigens auch der bei Goldblatt und Alexander) längst geworden ist.
Die Subplots um Agent Madani, Franks einbeinigen Mitveteranen Curtis Hoyle (Jason R. Moore), Franks merkwürdige Annäherung an Liebermans permanent von ihm überwachte Familie und vor allem jener um den verwirrten Bombenleger Lewis Walcott verlangsamen indes das pacing beträchtlich, rauben ihm einen Großteil seiner Konzentration und Wirkmacht. Ganze Episoden bleiben blass bis fad, während andere zum Besten zählen, was das Netflix-MCU bis dato überhaupt zu bieten hat. Erst gegen Ende, wenn sich die schwelenden Konfrontationen endlich entladen, Frank sich „seinen“ neuen Jigsaw (Ben Barnes) kreiert, der ihm dann wohl in Season 2 das Leben schwermachen dürfte und der Punisher endlich zu sich und seiner ursprünglichen Mythologisierung findet, entwickelt das Format eine Sogkraft, die man sich in dieser Intensität schon sehr viel früher gewünscht hätte. Glücklicherweise nehmen die entsprechenden Höhepunkte in der etwas distanzierten Erinnerung die überwältigende Majorität ein und lassen „The Punisher“ schlussendlich und unter dem Strich als überzeugend dastehen. Dennoch bleibt die Serie in der Summe recht weit unter ihren Möglichkeiten, die sich eben nur in Form einzelner gesetzter Spitzen äußern. Etwas schade ist das schon.

7/10