ICE COLD IN ALEX

„Dames and mines. Lovely party.“

Ice Cold In Alex (Eiskalt in Alexandrien – Feuersturm über Afrika) ~ UK 1958
Directed By: J. Lee Thompson

Ägypten, 1940. Kurz vor dem Fall von Tobruk wird der versoffene RASC-Commander Captain Anson (John Mills) gemeinsam mit MSM Tom Pugh und den beiden Krankenschwestern Diana (Sylvia Sims) und Denise (Diane Clare) nach Alexandrien geschickt, um dort weitere Befehle abzuwarten. Die Reise durch die vom Krieg aufgeriebene Wüste in einem abgetakelten Kleinlaster erweist sich als zermürbend; ein unterwegs aufgenommener, südafrikanischer Soldat namens van der Poel (Anthony Quayle) kann zumindest immer wieder verhindern, dass es zu heftigeren Scharmützeln mit der Wehrmacht kommt. Bald jedoch wird der Verdacht immer lauter: Ist van der Poel womöglich ein deutscher Spion?

Bereits ein Jahr vor dem in Indien angesiedelteln „North West Frontier“ fertigte J. Lee Thompson diesen dem bunten, aufwändigen Abenteuer sozusagen als Ideengeber dienenden Kriegsfilm. Etwas bescheidener in der Ausführung erzählt „Ice Cold In Alex“, dessen zunächst merkwürdig anmutender Titel sich auf nichts Geringeres bezieht als eine Flasche Bier, eine in Grundzügen sehr ähnliche Geschichte: Die lebensgefährliche Fluchtfahrt auf einen maroden Vehikel durch eine von Feinden und anderen Gefahren geprägte Ödnis. Dabei werden ganz unterschiedliche Figuren zur Zusammenarbeit gezwungen; Held und Heldin werfen ein Auge aufeinander und es gibt einen gegnerischen Agenten, der sich in „North West Frontier“ jedoch anders entwickeln wird.
Beide Filme weisen hervorragende Qualitäten in jeder Beziehung auf und sind Musterbeispiele für hingebungsvolles, kompetentes Filmemachen, wie es Profis wie Thompson früher eben noch wie selbstverständlich zu eigen war. Freilich dient der historische Hintergrund des Nordafrika-Feldzugs hier abermals als nicht mehr denn als Stichwortlieferant für einen feisten Abenteuerfilm; dieser wird dafür jedoch so jovial und kernig erzählt, dass es einfach Freude macht. Es gilt immer wieder abwechselnd, der lebensfeindlichen Natur oder den Deutschen ein Schnippchen zu schlagen; man gerät in eine bleihaltige Verfolgungsjagd oder in tödliches Sumpfgelände. Auch das gute, alte Minenfeld darf nicht fehlen. Den famosen Spannungshöhepunkt bildet die buchstäblich schweißtreibende Aufgabe, den Kleinlaster einen riesigen Sandhügel emporzuschieben, dem das Getriebe des alten Schätzchens nicht gewachsen ist. Man leidet und fiebert regelrecht mit den Gebeutelten. Allein hierin verdeutlicht sich Thompsons Meisterschaft bei der Inszenierung von Spannungssequenzen bis vor den Bildschirm. Ganzt wunderbar gefallen hat mir auch das britische Ensemble: John Mills als schmächtig scheinender, aber drahtiger Gintrinker, der knautschgesichtige Harry Andrews, der bärige Anthony Quayle (den ich bislang eigentlich, warum weiß ich selbst nicht, immer für ziemlich mickrig gehalten habe( und die besonders in der Gegenwart dieses gegerbten Trios anmutige Sylvia Sims sind vortrefflich.

9/10

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PATERSON

„Poetry in translation is like taking a shower with a raincoat on.“

Paterson ~ USA/F/D 2016
Directed By: Jim Jarmusch

Paterson (Adam Driver), der Mann, der heißt, wie die Stadt in New Jersey, in der er lebt und als Busfahrer tagtäglich seine Runden zieht. Paterson, der Mann, ist verheiratet mit Laura (Golshifteh Farahani), die nicht ganz so gut backt und kocht, wie sie glaubt, was er ihr aber nie sagen würde. Laura liebt Paterson vor allem für seine Dichtkunst, die er jedoch lieber nicht zu veröffentlichen bevorzugt. Allabendlich trinkt Paterson ein Bier in seiner Stammkneipe, während Bulldogge Marvin draußen angebunden auf ihn wartet. Paterson liebt sein Leben, auch, wenn es gleichförmig und scheinbar ereignislos verläuft. Es sind die kleinen, kurzen Begegnungen und Episoden, die ihn glücklich stimmen: Die Leute, die mit dem Bus fahren, ein kleines Mädchen (Sterling Jeris), dass sich wie er selbst der Poesie verschrieben hat. Schießlich ein japanischer Dichter (Masatoshi Nagase), der ihm ein leeres Notizbuch schenkt.

Jim Jarmusch, unangefochtener amerikanischer Meister des stillen, kontemplativen Kinos, bleibt mit „Paterson“ seiner Linie nicht nur treu, sondern verlangsamt sein Tempo sogar nochmals, analog vielleicht zum eigenen Älterwerden. „Paterson“ erzählt den Abriss einer Woche im Leben des gleichnamigen Protagonisten in seiner gleichnamigen Stadt, die für ihre vergleichsweise bescheidene Größe eine erstaunliche Anzahl Prominenter und Kulturschaffender hervorgebracht und beherberht hat. Obwohl jene sieben Tage augenscheinlich wenige Höhepunkte vorweisen, geschehen für Paterson und seinen Lebensweg gleich mehrere elementare Begebenheiten, die ihn in allem, was er ist und was er sein will, bestätigen. Paterson hat seinen festen Platz in der Welt. Er ist ein heimlicher Intellektueller, ein Dienstleister, an den sehr heterogenen Menschen, denen er allenthalben begegnet und mit denen er täglich zu tun hat; sei es, indem er einen liebeskranken Kneipengast (William Jackson Harper) besänftigt, oder seine nervösen Fahrgäste angesichts einer Buspanne beruhigt. Sein Bücherregal ist nicht besonders groß, aber fein selektiert. William Carlos Williams steht darin, wie Paterson selbst ein schreibender Observierer, der einst eine Anthologie veröffentlicht hat, die – wie könnte es anders sein – den Namen „Paterson“ trägt. Äquivalenzen und Spiegelbilder ziehen sich leitmotivisch durch Patersons Alltag: Immer wieder und überall begegnet er Zwillingspärchen. Alles hat zwei Seiten. Als er einmal mit Laura ins Kino geht, um sich Erle C. Kentons Klassiker „Island Of Lost Souls“ anzuschauen, zerfetzt der eifersüchtige, alleingelassene Marvin sein Gedichtbuch derweil zu Haus Patersons handschriftlich geführten Gedichtband. Doch auch das wirft den Helden des Alltags nicht aus der Bahn. Dass es und alles, manchmal auf geradezu magische Weise, immer weitergeht, wird sich ihm kurz darauf offenbaren.

8/10

IRON FIST: SEASON 1

„I am Danny Rand, the immortal Iron Fist, protector of K’un-Lun, sworn enemy of the Hand!“

Iron Fist: Season 1 ~ USA 2017
Directed By: John Dahl/Farren Blackburn/Uta Briesewitz/Deborah Chow/Andy Goddard/Peter Hoar/RZA/Miguel Sapochnik/Tom Shankland/Stephen Surijk/Kevin Tancharoen/Jet Wilkinson

Nachdem Danny (Toby Nichols), der Sohn des New Yorker Firmengründers und Unternehmers Wendell Rand (David Furr), als einziger den Absturz dessen Privatjets im Himalaya überlebt, wird er von Mönchen der mystischen Klosterstadt K’un Lun gefunden und fünfzehn Jahre lang in deren Lehren unterwiesen, die unter anderem die Zerschlagung der kriminellen Geheimsekte „Die Hand“ vorsehen. Zudem erlangt Danny die Kraft, sein Chi zu konzentrieren und sich dadurch die gewaltige Kraft der „Iron Fist“ zunutze zu machen. Nach dieser Zeit verschwindet Danny (Finn Jones) unerlaubt aus K’un Lun und kehrt, mittlerweile erwachsen, zurück nach New York, wo er mit seinen Kindheitsfreunden Joy (Jesica Stroup) und Ward Meachum (Tom Pelphrey) konfrontiert wird, die mittlerweile die Firmengeschäfte von „Rand Enterprises“ leiten und Danny nach wie vor für tot und den bei ihnen Auftauchenden für einen Lügner halten. Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie kann Danny zunächst zu der Kung-Fu-Lehrerin Colleen Wing (Jessica Henwick) fliehen und sich seinen Platz als rechtmäßiger Firmenerbe zurückerobern. Doch im Hintergrund zieht noch der ebenfalls totgeglaubte Kompagnon von Dannys Vater, Harold Meachum (David Wenham), die Fäden, der unselige Verbindungen zur „Hand“ pflegt, und auch Colleen ist nicht die, die zu sein sie vorgibt…

„Iron Fist“, die mittlerweile vierte Netflix-Installation eines Marvel-Serials, hatte und hat es immens schwer, sich selbst unter Fans und Geeks einen Leumund zu erstreiten, der seinen Vorgängern auch nur ansatzweise an die Kante reicht. De facto scheint die Reihe nur wenige echte Befürworter zu haben. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Der weltfremde, manchmal hinterwäldlerische Habitus Danny Rands, seine Unerfahrenheit und relative Jugend, liefern häufig Anlass zu mal mehr, mal weniger freiwilliger Komik; die street credibility von Matt Murdock, Jessica Jones und Luke Cage geht ihm, dem urplötzlichen Reichen mit dem goldenen Herzen und der goldenen Faust vollends ab, stattdessen pflegt er eine weltverbesserische, manchmal geradezu infantil anmutende Naivität, die zwar zu seiner Figur passt, ihn dabei jedoch nicht selten auf eher rührende Art und Weise an die Martial-Arts-Version eines Capra-Protagonisten erinnert. Hinzu kommt, dass „Iron Fist“ noch sehr viel mehr und direkter als die bisherigen Netflix-Marvels eindeutige Soap-Elemente integriert – die Intrigen und Hasslieben innerhalb der höchst dysfunktional agierenden Meachum-Familie, die gar Erinnerungen an „Dallas“ oder „Dynasty“ aufkommen lassen, tragen Sorge dafür. Anders als bis dato gepflegt, verfolgt „Iron Fist“ zudem keinen klar fixierten Inhaltsstrang; stattdessen finden sich gleich drei(einhalb) Bösewichte mit unterschiedlich geschickt umrissenen Zielsetzungen eingebaut, was relativ rasch offenbar werden lässt, dass nicht nur hier und da erzählerische Ratlosigkeit vorherrscht, sondern zudem eine Komprimierung der Story auf zehn statt dreizehn Episoden vermutlich nicht ganz ungeschickt gewesen wäre.
Ferner wirkt die Figur der von Rosario Dawson gespielten „Night Nurse“ Claire Temple, die als eine Art dramaturgischer Kleister unter den einzelnen Serien fungiert und die ich eigentlich immer sehr schätze, hier erstmals sehr willkürlich eingepasst.
Resümierend gefielen mir die ungezwungene Leichtigkeit, die die Comicwurzeln der Figur „Iron Fist“ – wenn auch ohne das schicke Kostüm – prononciert und sie von dem manchmal beschwerlichen Existenzialismus einer Jessica Jones abgrenzt, dann doch recht gut. Die Kämpfe sind ordentlich choreographiert und Dannys Romanze mit Colleen Wing findet sich recht hübsch in das Gesamtgeschehen eingeflochten. Zudem bekommt man mit David Wenham als immer wahnsinniger werdenden Harold Meachum wieder einen schönen villain vorgelegt. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls nicht, auch wenn gewisse Entschlackungsmaßnahmen dem Ganzen wie bereits erwähnt gewiss zu größerem Erfolg gereicht hätten.

7/10

HOMICIDE

„Spare me the fuckin‘ FBI.“

Homicide ~ USA 1991
Directed By: David Mamet

Während Detective Bobby Gold (Joe Mantegna) und sein Partner Tim Sullivan (William H. Macy) damit befasst sind, den flüchtigen Dealer und Polizistenmörder Robert Randolph (Ving Rhames) zu schnappen, gerät Gold durch puren Zufall mitten in einen anderen Fall: Die Ermordung einer alten, jüdischen Kioskbesitzerin in ihrem Lädchen mitten in einem Schwarzenghetto. Als erster Ermittlungsbeamter vor Ort muss Gold den Fall übernehmen, obgleich er Randolph dicht auf der Spur ist. Die wohlhabende und einflussreiche Familie der Toten ist derweil froh, dass sich mit Gold ausgerechnet ein jüdischer Polizist der Sache annimmt, obwohl dieser weder jemals viel auf seine Ethnie gegeben hat, noch ein gesteigertes Interesse an dem Fall hat. Dennoch entwickelt Gold, konfrontiert mit seinem Gewissen, einen unverhältnismäßigen Ehrgeiz, Licht in die Umstände um den sich immer verworrener gestaltenden Mord an der alten Dame zu bringen. Dabei findet er unter anderem Unerwartetes über deren Vergangenheit heraus und stößt auf eine zionistische Geheimorganisation, mit der er zu sympathisieren beginnt. Sullivan benötigt derweil dringend Golds Hilfe bei der ergreifung Randolphs.

David Mamet, jüdischstämmiger Theaterautor, kritischer Essayist und Filmemacher, ist unter amerikanischern Kritikern schon seit Jahrzehnten ein everybody’s darling, dessen unablässiges Schaffen dann auch eher vom Feuilleton denn von größeren Publikumsschichten registriert wird. „Homicide“ brachte ihm auch international einiges an Renommee ein.
Als amerikanischer Polizeifilm gestaltet sich Mamets dritte Regiearbeit zunächst eher ungewöhnlich. Es geht trotz gelegentlicher Avancen in die entsprechenden Richtungen, nicht um die üblichen Topoi des Genres. Weder die Aufklärung eines Verbrechens, noch das allgehgenwärtige Virus der Korruption, noch aktionsbetonte Jagd- und Fluchtszenarien bestimmen das Bild von „Homicide“. Stattdessen entpuppt er sich als eine Auseinandersetzung mit dem Identitätsstand jüdischer Amerikaner der Gegenwart und als psychologisches Profil eines Mannes, der während seiner biografischen Halbzeit urplötzliuch lernen muss, eine sehr viel diffizilere Sicht auf die Dinge zu entwickeln als bislang gewohnt. Mamet ist dabei geschickt genug, den Betrachter parallel zu seinem flächigen, eher europäisch geprägten Narrativ stets auf dem Kenntnis- und Perzeptionsstand seines Protagonisten Bobby Gold zu halten. Wobei dieser sich zumindest nach gängigen oder auch gewohnheitsmäßigen Schemata als Identifikationsfigur kaum anbietet. Gold ist nicht sonderlich intelligent, alles andere als ein Superbulle (einmal entreißt ihm ein Amokläufer auf dem Revier seine Waffe und bedroht ihn damit) ein Opportunist, Schaumschläger und dabei offenbar ziemlich einsam. Sein Partner Sullivan ist zugleich bester Freund und Familie für ihn, zumindest, bis ihn die bis dato nie gekannte Loyalität zu seinem „Volk“ übermannt und in Beschlag nimmt. Als sich schließlich in mehrerlei Hinsicht bitter erweisende Lektion über genau diese obsolet praktizierte, ethnische Abschottung und die Unbeirrbarkeit eines diffusen,  Herkunftsbegriffs, entwickelt „Homicide“ dann auch eine wesentlich stärkere Sogkraft denn als das, was man als einen „handelsüblichen“ Polizeifilm bezeichnen möchte. Erst das Ende, das die Selbsthinterfragung Golds auf höchst prekäre Weise entmystifiziert und ihn endgültig orientierungslos und (mitmaßlich) gebrochen zurücklässt, verleiht Mamets Film eine Kraft und Nachhaltigkeit, die ich mir stellenweise schon vorher gewünscht hätte. So allerdings – will sagen, in der mir etwas unausgewogen scheinenden Gestalt, die der Film besitzt – kann ich den Enthusiasmus mancher Chronisten, deren teils überschwängliche Einschätzung von „Homicide“ ich unterdessen gelesen habe, nicht hundertprozentig teilen.

7/10

TOBRUK

„My mother didn’t raise any heroes.“

Tobruk ~ USA 1967
Directed By: Arthur Hiller

Algier, September 1942. Nachdem der wüstenkundige, kanadische Offizier Donald Craig (Rock Hudson), in die Gefangenschaft französischer Besatzer geraten ist, befreit ihn die britische Armee, nur um ihn dann umgehend mit einem Himmelfahrtskommando zu betrauen. Craig soll gemeinsam mit der Einheit des deutschen Exiljuden Captain Bergman (George Peppard) und der Garnison unter Colonel Harker (Nigel Green) nach der libyschen Hafenstadt Tobruk vordringen. Diese ist nach heftigen Kämpfen in die Hände der Wehrmacht gefallen und stellt mit gewaltigen Treibstofftanks für die deutschen Panzer einen strategischen Schlüsselpunkt für Rommels drohenden Sieg in Nordafrika dar. Der Plan besteht darin, nach einer Durchquerung der Wüste Tobruk getarnt als Deutsche mit britischen Gefangen zu infiltrieren und die Tanks zu sprengen. Trotz diverser Unwägbarkeiten, heftiger Verluste unter den Männern und eines unter Bergmans Leuten befindlichen Spions gelingt der Vorstoß.

Einer der vielen in den sechziger Jahren entstandenen Filme, die den Zweiten Weltkrieg aus der wachsenden Distanz heraus zum harten Männerabenteuer, sprich: Actionfilm stilisierten, in denen jeweils eine kleinere oder größere Anzahl arrivierter Stars Heldentaten vollbringen, die maßgeblich zum Sieg über die Achsenmächte beitrugen. „Tobruk“, inszeniert von dem in Sachen kinetisches Kino eher wenig beschlagenen Kanadier Arthur Hiller, machte seine Sache dabei ordentlich, wenn er auch an die mitunter noch aufwändigeren und fabulierfreudigeren Konkurrenzproduktion seiner Ära nicht ganz heranreicht. Die eher unfreiwillig zur Kooperation gezwungene Triangel aus den von Peppard, Hudson und Green interpretierten Figuren verleiht der Geschichte dabei ihren spezifischen Reiz: Colonel Harker ist ein Engländer und Empire-Verfechter par excellence, der einerseits Craigs ihm oftmals allzu weinerlich erscheinenden Einwände gegen die eine oder andere militärische Entscheidung zerredet und andererseits Bergmans unverhohlen geäußerten Zionismus mit gepflegt-britischem, aber unverhohlen antisemitischen Understatement quittiert. Craig würde am liebsten jedem Kriegsschauplatz der Welt den Rücken kehren, erweist sich aber immer wieder als unerlässlicher Planer und Stratege des Unternehmens, etwa, wenn er gezielt ein unumfahrbares Minenfeld außer Kraft setzt, und Bergman, der über den Krieg hinaus bereits die nahende Staatsgründung Israels im Visier hat, steht für ein neues, jüdisches Selbstbewusstsein gepaart mit einer harten Faust gegen die Deutschen. Trotz oder gerade wegen ihrer immer wieder auftretenden, wechselseitigen Ressentiments bilden die drei Männer eine funktionale Einheit, die dann auch den etwas romantisch verklärten Pyrrhussieg am Ende gewährleisten können. Der knarzige Royal-Navy-Veteran Jack Watson als Sergeant Major Tyne, ein von mir immer wieder gern gesehenes Filmgesicht, sollte nicht unerwähnt bleiben, wenngleich seine finale Todesszene der entsprechenden in „The Wild Geese“ natürlich nicht das Wasser reichen kann.
Dass große Teile der Wüstenszenen im amerikanischen Westen gedreht wurden, sieht man selbigen auch als Gebietsunkundiger an, was dem Film in seiner Gesamtheit jedoch nicht weiter schadet. Die im Showdown als Höhepunkt gezeigte Schlacht um das Treibstoffreservoir an der libyschen Küste bedient sich dann noch ein wenig bei der Pointe von „The Guns Of Navarone“, macht aber dennoch das Allermeiste richtig im Sinne an humanen Verlusten reicher Kriegsfilmaktion.

7/10

THE SPIRAL ROAD

„I believe in the strength of the human spirit.“

The Spiral Road (Am schwarzen Fluss) ~ USA 1962
Directed By: Robert Mulligan

1936 kommt der karrierebewusste, holländische Mediziner Anton Drager (Rock Hudson) nach Indonesien, um dort einige Zeit mit dem gesetzten Lepra-Experten Brits Jansen (Burl Ives) zusammenzuarbeiten und von dessen renommierten Studien und Erfahrungen zu profitieren. Dr. Jansen hat vor allem die hiesige Bevölkerung und ihre Art zu leben in vielen Jahren der Arbeit kennen und lieben gelernt und ist skeptisch, dass der geschniegelte Neuling seinen oft harten Aufgaben vor Ort gewachsen ist. Ein weiterer Konflikt ergibt sich durch Dragers unbedingten Atheismus, den Jansen immer wieder mit humanistischen Glaubenssätzen auszuhebeln versucht. Dennoch werden aus den beiden unterschiedlichen Männern Freunde, bis Drager durchblicken lässt, dass er weitaus weniger daran interessiert ist, den eingeborenen Patienten zu helfen, denn daran, sich zurück in der europäischen Heimat ein hohes Ansehen als Seuchenforscher zu erarbeiten. Es kommt zum Bruch zwischen den Ärzten und Drager begibt sich allein in den Dschungel, um es mit einem gefürchteten Schamanen (Reggie Nalder) aufzunehmen, dessen bedrohliche Praktiken er als reinen Blödsinn abtut…

Ein leicht zwiespältiges Abenteuerdrama, dessen aufwändige und epische Gestaltung zwar sehr gefallen, sich im Endeffekt jedoch an der christlich infizierten Botschaft messen lassen müssen, die am Ende, ganz nach „Ben-Hur“-Manier, natürlich doch noch greift und aus dem Saulus Rock Hudson einen gottesfürchtigen Paulus werden lässt.
Mir hat das ziemlich die zunächst noch sehr schmackhafte Petersilie verhagelt, nachdem ich mich zunächst ebenso sehr über Hudsons ungewohnt beeindruckende und sehr dedizierte Darstellung freute wie über den tollen Burl Ives, für den die Rolle des ginerprobten, schalkhaften Dr. Jansen eines der vielen Schauspielgeschenke seiner Laufbahn bot. Tatsächlich bildet Ives‘ liebenswerter Auftritt gewissermaßen das Herzstück von „The Spiral Road“, der im Laufe seiner Spielzeit mancherlei Haken schlägt. Neben seiner wohl eindeutigsten Zugehörigkeit zum Abenteuerfilm streift er auch Drama, Komödie, Romantik (mit seiner von Gena Rowlands gespielten Frau Els hat der gute Drager – wie auch mit sich selbst – etliche Höhen und Tiefen zu durchlaufen) und gegen Ende, als der unvergleichliche Reggie Nalder als einheimischer witch doctor Burubi auf den Plan tritt und dem ehrfurchtslosen Drager endlich mal zeigt, an welcher Fichte die Murmeln hängen, sogar das Horrorgenre. Diese nur scheinbare Orientierungslosigkeit tut dem Film tatsächlich sehr gut, da er dadurch die emotionalen Schlenker der Story angemessen involvierend nachvollziehbar macht. Das Spannungsfeld der Beziehung zwischen den beiden Ärzten findet sich ordentlich ausgearbeitet und es macht viel Freude, Hudson und Ives bei ihren Quasi-Vater-Sohn-Ersatzspielchen beizuwohnen. Hätte man diese ätzende Glaubenskiste weggelassen oder zumindest durch rein berufsethische bzw. kolonialpolitische Diskurse ersetzt – was „The Spiral Road“ nebenbei betrachtet wahrscheinlich ohnehin mit einem deutlich frischeren und nachhaltigeren Wind versorgt hätte, könnte man von einem annähernden Meisterstück sprechen. So aber gibt es leider (unnötige) Abzüge in der B-Note.

8/10

WINDTALKERS

„You think too much.“ – „First time I’ve ever been accused of that.“

Windtalkers ~ USA 2002
Directed By: John Woo

Nachdem Corporal Joe Enders (Nicolas Cage) als Squad Leader auf den Solomon Islands wegen sturer Befehlstreue die Aufreibung seiner gesamten Einheit mitverantwortet, landet er verletzt und traumatisiert in einem Veteranen-Hospital. Doch die zweite Chance wartet bereits: Enders soll an einer Spezialoperation im Pazifik teilnehmen, in deren Zuge Navajo-Indianer Funksprüche per Geheimcode übermitteln, die für den Feind undecodierbar sind. Enders wird der Navajo Ben Yahzee (Adam Beach) überantwortet, ein lebenslustiger Familienvater, der seinem Kriegseinsatz so naiv und frohgemut entgegensieht wie viele frisch angeworbene Jungsoldaten; Bens Stammespartner und väterlicher Freund Charlie Whitehorse (Roger Willie) steht unter dem Schutz von Enders‘ Regimentskollegen Henderson (Christian Slater). Zu Enders‘ und Hendersons Aufgabenbereich gehört es auch, die Navajo auf keinen Fall in die Hände der Japaner fallen zu lassen und sie gegebenfalls vorher zu töten. Während der Schlacht um die Insel Saipan erleben die Soldaten dann die Hölle auf Stelzen.

„Windtalkers“, auch der grundsätzlich zu bevorzugende, um zwanzig Minuten erweiterte Director’s Cut, macht es einem nicht leicht, ihn zu mögen. Wie nach seinem Fortgang nach Hollywood üblich, versucht John Woo, der authentischen Geschichte um die Navajo Code Talkers das ihm übliche Pathos um Freundschaft und Ehre, Schuld und Sühne zu verarbeiten und nutzt dazu die bewährten Mittel um exzessive Zeitlupeneinsätze, schmerzverzerrte Männergesichter etc. pp.. Was in seinen Hong-Kong-Produktionen der achtziger Jahre noch seine Berechtigung hatte und sich dem übrigen Filmfluss seiner Gangster- und Killer-Epen anpasste, hinterlässt bereits bei „Face/Off“ und auch bei „M:I-2“ (wovon mir vor allem Ersterer bei der letzten Betrachtung mittelschwer zugesetzt hat; mit Zweiterem konnte ich im Zuge der letzten „Mission: Impossible“-Gesamtrückschau zumindest meinen Frieden machen), keinen unbedingt positiven Eindruck mehr. Dabei erreicht Woos akute Sehnsucht nach der Inszenierung von heroic bloodshed und tränentriefender Männerliebe in „Windtalkers“ ihren finalen, amerikanischen Höhepunkt – nach einer weiteren, letzten Hollywood-Produktion ging er wieder zurück nach Asien. Nicolas Cage ist erneut erste Wahl als rigoroser Schmalztopfträger und interpretiert jene von ihm höchstpersönlich formvollendete Mixtur aus schuldbewusstem Trauerkloß und lebensmüden Beinaheirrsinn wie eben nur er das kann. Enders‘ Beziehung zu dem Navajo Ben Yahzee gestaltet sich – kontrastiert von der zwischen Henderson und Whitehorse, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit gemeinsam Musik machen – zunehmend komplex und kann am Ende natürlich nur darin ihre conclusio finden, dass er sich für das zwischenzeitlich selbst kurz vom Kriegswahn angenagte Unschuldslamm opfert. Dass Woo ganz allgemein ohnehin eher mit dem propagandistisch gefärbten US-Kriegsfilm der vierziger und fünfziger Jahre liebäugelt, sei ihm in diesem Zusammenhang verziehen.
Deutlich interessanter ist da der unfassbare, pyrotechnische Aufwand. „Windtalkers“ holt den Artillerie- und Infanteriekrieg im Pazifik wohl tatsächlich so feuerverliebt vor die Kamera wie keine Konkurrenzproduktion; was hier in die Luft gesprengt und an Munition verballert wird, das sucht verzweifelt seinesgleichen und findet es nicht. Ich schätze, zumindest in dieser Hinsicht verbleibt Woos Film als bis heute beispiellos und lädt nach wie vor zu ungläubigem Staunen ein. Ob man dabei dem kindlichen Hang zum Explosionsvoyeurismus nachgeben oder bloß den Kopf schütteln soll angesichts der Abermillionen von Dollars, die da vielgestalt ins Bild gesetzt in Rauch und Flammen aufgehen, das muss man mit sich selbst ausmachen. So oder so steht fest: Als anachronistischer, aus vielerlei Blickwinkeln betrachtet seltsam inadäquat wirkender, bildgewaltiger Kriegsfilm ist „Windtalkers“ zumindest das: einzigartig.

6/10