VALLEY OF THE DOLLS

„I’ll plant my own tree. My own tree! And I will make it grow!“

Valley Of The Dolls (Das Tal der Puppen) ~ USA 1967
Directed By: Mark Robson

Die drei jungen Damen Anne (Barbara Parkins), Neely (Patty Duke) und Jennifer (Sharon Tate) lernen sich in New York kennen und werden Freundinnen. Ihre Schicksale, die sie allesamt zur Westküste und nach Hollywood führen, werden in den kommenden Jahren von immer größeren Krisen und Sturmtiefs durchgeschüttelt, bis zumindest Anne begreift, dass wahres Glück nichts mit Glanz und Glamour zu tun hat.

Jacqueline Susanns ein Jahr zuvor entstandener, gleichnamiger Roman wurde ein solch gewaltiger Bestseller, dass eine Filmadaption flugs zur beschlossenen Sache wurde. In ihrem Buch zeichnet die selbst showbiz-erfahrene Susann den zerstörerischen Einfluss insbesondere der Filmmetropole Hollywood auf junge, naive Damen nach, wobei sie auf diverse, inoffiziell zu Bewusstsein kommende Vorbilder von Frances Farmer über Betty Hutton, Judy Garland, Marilyn Monroe, Carole Landis und Ethel Merman, zurückgreift deren Personae und Biographien allesamt zumindest teilverwurstet wurden. Das Script veränderte allerdings das zeitliche Setting der Vorlage und versetzte es um zwei Dekaden in die Zukunft, um eine dichtere, realitätsnähere Anbindung zu schaffen.
Mit Ausnahme der als Erzählerin fungierenden Anne Welles, die als Provinzblümchen von Neuengland über New York nach Hollywood und wieder zurück tingelt und deren private Medienkarriere sich auf eine kurze Karriere als Werbemodel beschränkt, erleben die Protagonistinnen reichlich Schaden an Leib und Seele; die stimmgewaltige Neely O’Hara avanciert nach ihrer „Veredelung“ zum Superstar zu einer herrischen, selbstsüchtigen und medikamentenabhängigen Trinkerin, die sich von ihrem Jugendfreund (Martin Milner) trennt und schließlich in einer Entzugsklinik landet; Jennifer Norths einziges Kapital besteht derweil in ihrer physischen Schönheit und speziell ihren wohlgeformten Brüsten. Zunächst erkrankt ihr Mann, der Starsänger Tony Polar (Tony Scotti), an einer geisteszersetzenden Krankheit, dann erhält sie selbst die Diagnose Brustkrebs und nimmt sich das Leben.
Es geht also höchst turbulent zu in „Valley Of The Dolls“, der sein autoritäres Ausrufezeichen permanent über den gar so schrecklichen Ereignissen aufleuchten lässt und dabei mit zunehmender Erzählzeit immer mehr wie eine schulmeisterliche Warnung für potenzielle Starlets daherkommt. Formvollendete, naive Kolportage ist das und nicht selten fühlt man sich an ministerial subventionierte „Aufklärungsfilme“ für Schulen erinnert. Camp ist das, nicht ganz freiwillig vielleicht, dafür reinkulturell in Form und Finish, von einem Regisseur, der zum Entstehungszeitpunkt von „Valley Of The Dolls“ seine originären künstlerischen Wurzeln, die zu Orson Welles und Val Lewton zurückreichen, bereits weit hinter sich gelassen hatte und insbesondere in Anbetracht seiner einstmaligen Meriten eher bizarres Kinogut inszenierte. Was nicht bedeutet, dass es deshalb weniger sehenswert wäre – es ist bloß… anders.

7/10

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MOTHER NIGHT

„All the best writers are dead.“

Mother Night (Schatten der Schuld) ~ USA 1996
Directed By: Keith Gordon

Howard W. Campbell Jr. (Nick Nolte) sitzt in einem Jerusalemer Gefängnis und wartet auf seinen Prozess, gleich in der Zelle über ihm den in derselben Situation befindlichen Adolf Eichmann. Campbell war während des Zweiten Weltkriegs als Schriftsteller und Dramatiker in Deutschland und dort für eine vielbeachtete Radiopropaganda-Reihe der NSDAP zuständig als Autor und Verleser antiamerikanischer und antisemitischer Essays. Was weder die Nazis noch irgendjemand sonst ahnen konnte: Campbell arbeitete, rekrutiert von dem geheimnisvollen Frank Wirtanen (John Goodman), im Auftrag des US-Geheimdienstes und brachte im Zuge seiner Radioauftritte verschlüsselte Geheimbotschaften in den Äther, die ihm jeweils vorab heimlich zugeschoben wurden. Campbells Spionagestatus wurde jedoch nie öffentlich gemacht und so gilt er auch nach Kriegsende und zurück in New York weiterhin als „Stimme der Nazis“. Seine geliebte Frau Helga (Sheryl Lee) kam noch während der Kriegswirren zu Tode und mit ihr der größte Teil von Campbells eigenem Lebenswillen. In Greenwich Village lernt er dann seinen Nachbarn George Kraft (Alan Arkin), einen nicht minder verzweifelten Maler, der zu Campbells bestem Freund wird. Später taucht Helgas kleine Schwester Resi (Sheryl Lee) auf, die, mittlerweile erwachsen, Helga wie aus dem Gesicht geschnitten ist und sich zunächst als die Verstorbene ausgibt. Auch ein verquerer, rassistischer Geheimbund tritt an ihn heran, der angeblich den entdeckungsgefährdeten Campbell, Kraft und Resi die Flucht nach Mexiko ermöglichen will. Was Campbell nicht ahnen kann: All diese merkwürdigen Fügungen geschehen keineswegs zufällig…

Keith Gordons (antizipierbar) kommerziell bös gefloppte Vonnegut-Adaption ergreift und transponiert den stets etwas mysteriösen Duktus des bedienten Autors auf brillante Art und Weise und macht daraus eine der vorrangigsten Literatur-Verfilmungen mindestens der neunziger Jahre. An „Mother Night“, dem Film, gibt es nichts, was nicht passgenau wäre; das gesamte Geschehen schwebt, es sich stets bequem machend auf einer leicht federnden Wolke aus Surrealismus und leiser Ironie, mit aller gebotenen Entschleunigung vor sich her. Nicht nur George Roy Hills brillanter „Slaughterhouse-Five“ blitzt durch seine nebulösen Astlöcher, auch den bitter-transzendenten, jüdischen Humor großer Comic-Autoren wie Will Eisner oder Art Spiegelman ist man versucht, nahezu pausenlos herauszuspüren. Als Soldat, Kriegsteilnehmer und Überlebender der Bombardierung von Dresden hatte Vonnegut es kaum nötig, über das Wesen des Krieges zu schreiben. In „Mother Night“ ging es ihm vielmehr um das nicht minder eigenartige Echo jener Weltzäsur und ebenso um das komplexe Verhältnis von Schuld, Geständigkeit, Reue und die nahezu aussichtslose Möglichkeit der Weiterexistenz mit alldem. Howard Campbell Jr. mag ein Spion sein; seiner Faszination für das nazifierte Deutschland, für Führerkult und Drittes Reich, das ihn als „Überläufer“ hofiert und ihm Zugang zur höchsten Systemspitze ermöglicht, tut dies keinen Abbruch. Möglicherweise ist sein geheimer Einsatz für die Alliierten auch bloß eine reine Kopfgeburt; eine dem intellektuellen Rest an Vernunft entstammende Rechtfertigung für die Gewissheit, als Adlatus des Grauens zu fungieren. Mit Glanz und Glamour ist es nach dem Krieg vorbei. Depressiv und sich nutzlos wähnend vegetiert Campbell einsam und verlassen in New York dahin. Seine Nachbarn sind neben Kraft zwei Auschwitz-Überlebende, Mutter (Anna Berger)  und Sohn (Arye Gross). Während die ältere Dame Campbell, der seinen Namen trotz seiner zweifelhaften Popularität nicht geändert hat, zu erkennen glaubt und ihm die Pest an den Hals wünscht, will ihr als Mediziner tätiger Sohn von dem Kapitel „Holocaust“ am liebsten gar nichts mehr wissen. Eine weitere der vielen Ambivalenzen, die sich durch „Mother Night“ ziehen und die ihren satirischen Höhepunkt gewissermaßen in einem verrückten, farbigen Nazi (Frankie Faison) finden, der die Gruppe von „white supremacists“ lauthals unterstützt. Schein und Sein bleiben in Vonneguts Welt nie ganz  säuberlich getrennt, einer permanenten Wellenbewegung gleich nähern sie sich immer wieder tangential an und stoßen sich dann mit umso kräftigerer Vehemenz wieder voneinander ab. Am Ende dann, als das Schicksal im Begriff ist, Campbell erneut einen Ausweg zu offerieren, sieht er keinen anderen Ausweg mehr als den der Selbstrichtung. Auch hier bleibt Gordons Regie noch meisterhaft und lässt und, gemeinsam mit der Kamera, wegsehen. Wie Campbell selbst bis zu diesem finalen Schuldeingeständnis Wegsehen und Ignoranz kultiviert hat, jahrzehntelang.

9/10

IT

„I am eternal, child. I am the eater of worlds, and of children. And you are next!“

It (Es) ~ USA 1990
Directed By: Tommy Lee Wallace

Derry, Maine im Frühherbst 1960. Sieben durch ganz unterschiedliche Handycaps geprägte Kids im Alter von zwölf Jahren gründen den „Loser’s Club“, eine Clique, die ihnen nicht nur Zusammenhalt und Stärke verleiht gegen die alltäglichen Bedrohungen durch fehlgeleitete Erwachsene und halbstarke Bullys, sondern auch gegen eine paranormale, böse Entität, die Derry offenbar alle dreißig Jahre heimsucht und vornehmlich kleine Kinder verzehrt, um sich zu stärken. Es gelingt dem „Loser’s Club“ unter Aufbietung größtmöglicher Energien schließlich, jenes „Es“, das sich gern als Clown (Tim Curry) zeigt, in die Schranken zu weisen. Drei Jahrzehnte später beginnt in Derry erneut eine Serie von Kindermorden. „Es“ ist zurück. Mike Hanlon (Tim Reid), der als Einziger der sieben Kinderfreunde auch als Erwachsener in Derry geblieben ist, alarmiert den mittlerweile in ganz neuen Individualnöten befindlichen Loser’s Club, um der gemeinsamen alten Nemesis endgültig das Handwerk zu legen.

Tommy Lee Wallaces zweiteilige Adaption von Stephen Kings massivem Erfolgswälzer konnte sich über die Jahre eine für einen TV-Film ungewöhnlich große, cinephile fanbase sichern, was wohl neben einigen wenigen wirklich konstituierenden Augenblicken insbesondere der ikonographischen Darstellung des Clowns Pennywise durch Tim Curry zuzuschreiben ist. Und tatsächlich ist es vor allem Currys exaltierte Interpretation, die das ansonsten biedere, seinem Format gemäß stark korsettierte Werk immer wieder über seine ansonsten mediokre Präsentation hinaushebt und in Erinnerung bleiben lässt. Immerhin gelingt es Script und Film, auch die Metaebene von Kings allegorischer Kleinstadtmär aufrecht zu erhalten – im Grunde geht es ja gar nicht um dieses übermächtige, furchtbare Wesen unbekannter Herkunft, sondern um den Wert beständiger Freundschaft und den gemeinsamen, schließlich erfolgreichen Kampf um das Recht, in einer von Widerständen geprägten Umwelt überleben zu können. Um eine solche Geschichte umfassend erzählen zu können, bedurfte es offensichtlicher Klischees, die der Plot dann auch relativ behende bedient: Bill Denbrough (Jonathan Brandis/Richard Thomas) stottert, wenn er nervös ist und leidet unter übermächtigen Schuldgefühlen betreffs des Todes seines kleinen Bruders Georgie (Tony Dakota); Ben Hanscom (Brandon Crane/John Ritter), als adipöses Kind permanent gehänselt, ist als Erwachsener beziehungsunfähig und dem Alkohol verfallen; Eddie Kaspbrak (Adam Faraizl/Dennis Christopher) steht unter ewiger Bevormundung seiner selbstsüchtigen Helikoptermutter (Sheila Moore) und ist eingebildeter Asthmatiker; hinter der Fassade des vorlauten Richie Tozier (Seth Green/Harry Anderson) verbirgt sich ein von permanenten Selbstzweifeln heimgesuchter Schwächling; der intelligente Stanley Uris (Ben Heller/Richard Masur) kann nicht verwinden, dass es Dinge gibt, die nicht seiner jüdischen Schulweisheit unterliegen; Beverly Marsh (Emily Perkins/Annette O’Toole), das einzige Mädchen im Bunde, sucht sich als Erwachsene unbewusst genau solche Arschlochmänner, wie sie in Kindheitstagen ihr alleinerziehender, gewalttätiger Vater (Frank C. Turner) repräsentierte und Mike Hanlon (Marlon Taylor/Tim Reid) schließlich unterliegt primär dem gewaltigen, sozialen Nachteil, ein intelligenter, selbstbewusster Afroamerikaner zu sein. Den Kindern erwachsen all ihre von ihrem jeweiligen (zunächst unfreiwillig, später selbstgewähltem) Umfeld forcierten „Behinderungen“ zu ausgewachsenen Traumata, deren Symptome sie zwar zum Schein beiseite schieben können, deren tieferen, eigentlichen Ursachen sie sich jedoch nie wirklich zu stellen vermochten (und die in krassem Kontrast zu ihren jeweiligen, oberflächlichen Erfolgskarrieren stehen).
Der Kampf gegen „Es“ ist also vor allem eine extrem aktionistisch arrangierte Gruppentherapie, die der Bezwingung von Ängsten und Barrieren dient – ein klassischer Coming-of-Age-Stoff. Damit das auch der Dümmste versteht, schafft es Bill am Ende sogar, seine von Pennywise entführte, schwer traumatisierte Frau Audra (Olivia Hussey) aus ihrem katatonischen Zustand zurückzuholen – der finale Durchbruch gelingt und trotz zweier bedauernswerter Todesopfer (Stanley & Eddie) wird der Rest des „Loser’s Club“ nunmehr ein freieres Leben führen können.
Ich bin gespannt auf den ersten Teil der Neuinterpretation (demnächst hier).

6/10

RAGE TO KILL

„Let’s see how tough you really are…“

Rage To Kill (Guerilla Force) ~ USA 1987
Directed By: David Winters

Der verrückte General Turner (Oliver Reed) errichtet mithilfe seiner Privatarmee und des passenden Überraschungsmoments eine Militärdiktatur auf der Karibikinsel St. Heron und stellt die hiesige medizinische Fakultät kurzerhand komplett unter Quarantäne. Unter den zusammengepferchten Studierenden befindet sich auch Glen (Liam Cundill), der jüngere Bruder des Elitekämpfers und Rennfahrers Blaine Striker (James Ryan). Dieser reist kurzerhand nach St. Heron, wird sofort festgesetzt und gefoltert, kann jedoch im Handumdrehen wieder entkommen. Mithilfe des gesetzten CIA-Agenten Miller (Cameron Mitchell) verhindert Striker im letzten Moment ein Massaker an den Studenten, das Turner eigentlich den Widerständlern in die Schuhe schieben wollte. Striker, Miller, und die geflohenen Studenten schließen sich daraufhin der Guerillatruppe des Revoluzzers Wally Arn (Henry Cele) an, mit der gemeinsam man gegen Turner ins Feld zieht.

Einmal die große Wundertüte für Jungens bitte, aber die für Erwachsene!
David Winters‘ gut sichtbar in Südafrika gedrehtes Kriegsabenteuer dürfte sich schon nach den ersten Minuten für jeden B-Action-Gourmet, der das große Glück hat, ihn (neu) zu entdecken, zu einem ausgesprochenen Festmahl mausern, so sorglos hurrapatriotisch und testosterongeschwängert geht es zur Sache. Bei allen blutigen Gefechten, Explosionen und Jagdsequenzen langt es zwischendrin stets noch für ein paar schmierige Momente mit Oliver Reed, einer Flasche Johnnie Walker und zwei barbusigen Damen im Jacuzzi, wie überhaupt der Besetzung und der Inszenierung der Heidenspaß an der ganzen Räuberpistole in höchsterquicklichem Maße anzumerken ist. Analog zu einigen anderen militäraffinen Actionfilmen der achtziger Jahre zehrt auch „Rage To Kill“ von den Ereignissen um den Staatsstreich gegen Premierminister Maurice Bishop auf Grenada, der mithilfe einer Invasion von Reagans US-Truppen bei höchst zweifelhafter, internationaler Rechtslage durchgeführt wurde.
Wie die deutlich höher budgetierten Studioproduktionen „Commando“ und  „Heartbreak Ridge“ singt Winters in seinem liebenswerten Zelluloidhämmerle eine feiste Eloge auf die unbedingte Zuverlässigkeit von CIA-Militärberatern und natürlich die amerikanischer Marines, die am Ende mit etwas Verspätung den von unserer buntgemischten Heldentruppe eingefahrenen Sieg sichern werden. An „Rage To Kill“ ist einfach alles toll, von der Darstellerriege bis hin zur Hamburger Synchronfassung, die neben einem erstklassig eingedeutschten Dialogscript unter anderem mit Horst Frank (Mitchell) und Gottfried Kramer (Reed) zu glänzen weiß und für mich längst fest zum Film dazu gehört. Oliver Reed, in diesen Jahren häufig als barett- und tarnfarbenbewährter Bösewicht in mannigfaltigem Genreklein zu bewundern, ist auch hier wieder super, wobei ich darauf wetten möchte, dass eine Szene, in der er stockbesoffen auf einem Sofa hängt, nicht gespielt ist. Für Cameron Mitchell gilt, zumindest im Hinblick auf seine Engagierfreude, ganz Ähnliches und auch er markiert in „Rage To Kill“ einen unerschöpflichen Quell altprofessioneller Freude. Ian Yule, ein echter Ex-Soldat, der in „The Wild Geese“ den Tosh gespielt hatte, ist als Reeds Adlatus am Start und der Rebellenchef Wally Arn wird von niemand Geringerem gegeben als von Henry „Shaka Zulu“ Cele persönlich! (Vornehmlich britische) Manpower galore also, wobei der drahtige, aber etwas kurz geratene Rambo-Ersatz James Ryan gegen so viel Feldtradition zwangsweise verblassen muss. Großes kleines Kino aus dem Einmachglas, das zum Schwärmen, Mitlachen und Nachspielen mit Playmobil einlädt.

7/10

LIKE FATHER, LIKE SON

„Mimi, cut another slice!“

Like Father, Like Son (Der Mafia-Killer) ~ USA 1974
Directed By: Duke Mitchell

Mimi Miceli (Duke Mitchell), Sohn des nach Sizilien zwangsremigrierten und exilierten Alt-Mafioso Don Miceli (Lorenzo Dodo), will endlich, was ihm zusteht. Zusammen mit seinem alten Kumpel Jolly Rizzo (Vic Caesar) mischt Mimi zunächst die Unterweltszene an der Westküste auf, indem er den amtierenden Mafiaboss Chucky Tripoli (Louis Zito) kidnappt und gegen hohes Lösegeld wieder freilässt. Mimis Kaltschnäuzigkeit scheint zunächst sogar Erfolg zu haben. Als er dann im Prostitutions- und Pornogeschäft, dass der farbige Superspook (Jimmy Williams) beherrscht, Fuß zu fassen versucht, wird Mimi zunehmend größenwahnsinnig und unvorsichtig, was ihn bald teuer zu stehen kommt.

Der auch als „The Executioner“ und vor allem als „Massacre Mafia Style“ bekannte Grindhouse-Klassiker „Like Father, Like Son“ ist ausschließlich Duke Mitchells Baby. Der Legende nach hatte der eigentlich als Entertainer und Crooner populäre und selbst in Unterweltkreisen verkehrende Mitchell „The Godfather“ gesehen und war der unbedingten Auffassung, dass er „so etwas sehr viel besser“ könne. Als Regisseur, Autor, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion stemmte Mitchell sein Traumprojekt in der Folge völlig unabhängig, was seinem Film sein immens ungeschliffenes, man muss wohl sagen, wohltuend unprofessionelles Äußeres verleiht. Mitchell umging etliche Konventionen und Traditionen, agierte in seinen diversen künstlerischen Funktionen zumeist frei Schnauze und schuf somit ein ziemlich unikales Werk, dessen raue Form sehr viel mehr an die italienischen Genreproduktionen dieser Zeit erinnert denn an klassisches, oder selbst neueres amerikanisches Kino. Dementsprechend wählte Mitchell, der selbst bereits etwas betagter war und seine persönliche, ölige Physis wohl ganz bewusst in einen oftmals rigoros wirkenden Exploitation-Rahmen setzte, eine höchst unzweideutige Filmsprache, die tatsächlich gar nicht weiter entfernt von Coppolas ausladender Opulenz anzusiedeln wäre. Überhaupt erinnert mich „Like Father, Like Son“ sehr viel mehr an Martin Ritts „The Brotherhood“, mit dem er seine ziemlich wehmütige Mentalität um das noch sehr viel ehrbarere Gangstertum vergangener Tage gemein hat.
Ebenso wie Mitchells zuvor unveröffentlichter, zweiter Film „Gone With The Pope“ verdankt „Like Father, Like Son“ seine wiedererstarkte Popularität dem verdienten Distributor „Grindhouse Releasing“, der neben einigen psychotronischen europäischen Werken auch diese beiden Werke vorbildlich restauriert und (neu) zugänglich gemacht hat. Für derlei ehrenvollen Einsatz kann man sich nur bedanken.

7/10

THE DAM BUSTERS

„Tonight, you’re going to have a chance to hit the enemy harder, and more destructively, than any small force has ever done before!“

The Dam Busters (Mai ’43 – Die Zerstörung der Talsperren) ~ UK 1955
Directed By: Michael Anderson

England in den frühen Jahren des Zweiten Weltkriegs. Der brillante Ingenieur Wallis (Michael Redgrave) entwickelt einen grandiosen Einfall, um die Waffenproduktion der Nazis an ihrem empfindlichsten Punkt zu treffen: Im Ruhrgebiet, von wo aus unter anderem die Krupp-Werke der Wehrmacht ihren unerschöpflichen, stählernen Nachschub liefern. Nachdem Wallis unter unermüdlicher Überzeugungsarbeit seinen Plan in der britischen Admiralität unter Dach und Fach gebracht hat, harrt dieser der Realisierung. Eine eigens geformte Spezialstaffel von Spitzenpiloten der R.A.F., darunter der Teufelsflieger Guy Gibson (Richard Todd), erhält den Auftrag, die ihnen anvertrauten Spezialbomben in einem zuvor exakt berechneten Winkel und bei extrem niedriger Anflugshöheauf drei Staudämme abzuwerfen, die das für die Schwerindustrie so wichtige Wasser präservieren.

Bei beinahe dokumentarischer Genauigkeit berichtet Michael Anderson von dieser heroischen Episode des britischen Militärs, das im Mai 1943 den Deutschen eine empfindliche Schlappe zufügen konnte. Michael Redgrave spielt das etwas kauzige Genie Dr. Wallis mit der ihm eigenen Spezifik des sympathischen Träumers, dessen beinahe kindliche Begeisterung für seine Idee letztlich genau die Überzeugungskraft entwickelt, um eine Wahnsinnsmission wie die der authentischen „Operation Chastise“ erst zu ermöglichen. Gerade mit so viel wissenschaftlicher Fachanleitung wie eben nötig schildert „The Dam Busters“ dann die Erfindung von Wallis‘ hüpfenden Super-Torpedos, die nach ihrem Abwurf aus geringer Höhe zunächst ein paar Male wie flache Steine übers Wasser springen, um dann an ihrem Ziel präzise zu detonieren. Erst nach einem guten Drittel Spielzeit lernen wir dann die mindestens ebenso wichtige Exekutivkraft des Kommandos kennen: Fliegerass Guy Gibson, einen wahren Tausendsassa hinterm Steuerknüppel, der, familiär alleinstehend und von höchstem militärischem Schliff, für den Kriegseinsatz geboren scheint. An Gibson, einem der wenigen Eingeweihten betreffs des geplanten Unternehmens, ist es dann auch, seine Mitstreiter im extremen Tiefflug zu schulen, um die ohnehin geringen Erfolgsaussichten zumindest geringfügig aufzuwerten. Als kurz vor dem Einsatz ausgerechnet Gibsons bester Freund, sein Hund (dessen etwas eigenartiger Name „Nigger“ lautet), überfahren wird, lässt der Profi sich nicht von der Trauer überwältigen und fliegt seinen Einsatz als einer der wenigen späteren Überlebenden, mit der gebührlichen Präzision.
Wie die meisten britischen und amerikanischen Kriegsfilme dieser Ära singt auch „The Dam Busters“ eine – immerhin gebührliche – Eloge über alliierte Heldentaten im Zweiten Weltkrieg, die, Mosaik für Mosaik, zum finalen Zusammenbruch des Dritten Reichs geführt haben. Was Andersons Film allerdings über viele andere Vertreter seiner Gattung erhebt, ist nicht allein die überaus akribische Arbeitsweise seines Regisseurs, sondern auch das nie in Vergessenheit geratende humanistische Element. Bei den Helden, die hier verzweifelt gegen die Aggressoren vorgehen, handelt es sich um prinzipiell völlig normale Typen, die eher gezwungenermaßen ihr Möglichstes und Bestes geben, um ihr Land zu verteidigen und weder um unfehlbare Halbgötter noch um Zigarren fressende Panzerknacker oder prätraumatisierte Eigenbrötler.
Der wohl schönste und intimste Moment des Films ist dann wohl auch der, in dem Ingenieur und Pilot, zwei eigentlich völlig diametrale Menschenschläge, sich erstmals begegnen und sogleich aufrichtige Sympathien, fast Freundschaft füreinander entwickeln, obschon allein dieOption der Realisierung ihres gemeinsamen Projekts zu diesem Zeitpunkt noch mehr denn fragwürdig erscheint. Diese eigentlich so unscheinbare, liebenswerte Szene sprengt wie beiläufig mal eben so ein komplettes Genrekorsett.

8/10

PAPILLON

„We all have sensitive spots.“

Papillon ~ USA/F 1973
Directed By: Franklin J. Schaffner

Der Franzose Henri Charrière (Steve McQueen), wegen seiner Brusttätowierung von allen „Papillon“ gerufen, wird im Jahre 1933 wegen des Mordes an einem Zuhälter, dessen er sich jedoch unschuldig behauptet, zu einer lebenslangen Haftstrafe in Französisch-Guayana verurteilt. Papillon sichert sich die Sympathie des wohlhabenden Devisenfälschers Louis Dega (Dustin Hoffman), den er auf dem sie übersetzenden Schiff kennenlernt. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft erwächst im Laufe der Zeit aufrichtige Freundschaft, die Papillon und Dega durch mehrere gemeinsame Fluchtversuche, grausame Episoden der Einzelhaft und schließlich zu einer
„staatlich verordneten“ Einbahnexistenz auf der Teufelsinsel, von der eine Flucht als aussichtslos gilt, führt.

Unabhängig davon, dass der Fakten- und Wahrheitsgehalt von Henri Charrières von ihm selbst als größenteils authentisch veräußerter Roman „Papillon“ immer wieder neuen historischen Revisionen unterzogen und sein Wahrheitsgehalt in etlichen Facetten angezweifelt wurde, ist Schaffners Film ein Fanal und Triumph seiner Zunft.
Dies ist weniger bei der Charakterisierung der Hauptfigur zu verorten. Der Gefängnisfilm, zumindest viele der zu Klassikern avancierten Hauptwerke, in denen dem Protagonisten schließlich die Flucht gelingt, operiert zumeist mit sehr einvernehmlich gewählten Motivkreisen: Der zur Strafe führende Urteilsspruch erweist sich bereits als falsch bzw. unverhältnismäßig, das Vollzugssystem spottet jedweder Humanität, der Held kennzeichnet sich durch eine weit überdurchschnittliche Intelligenz gekoppelt mit einem selbst durch noch so harte Konsequenzen nicht zu begradigendem Freiheitsdrang. Daraus erwächst dann entweder eine Kette diverser Fluchtversuche oder ein von langer Hand geplanter, dann in der Regel von Erfolg gekrönter Ausbruch. Gefängnisfilme sind somit zugleich wunderbare Suspense-Lieferanten; der Hauptcharakter lädt infolge seiner durch bald übermenschliche Willenskraft zu willkommener Identifikation ein und die Fluchtszenarien lassen den Rezipienten umso leidenschaftlicher mitfiebern.
Steve McQueen, der genau zehn Jahre zuvor in John Sturges‘ Kriegsgefangenenfilm „The Great Escape“ eine beinahe analoge Rolle als „Coller King“ Hilts spielte, brachte demnach bereits dem Sujet angemessene Vorerfahrungen mit. Dass er als Schauspieler mittlerweile ungeheuer gewachsen war, konnte er in „Papillon“ allerdings nicht minder demonstrieren – die Szenen, in denen er die zweimalige Einzelhaft sowohl psychisch als auch physisch nur mit alleräußerster Disziplin überlebt, zählen zum Nervenzerrendsten, was der üblicherweise ja als eher untangierter Stoiker kultivierte McQueen je gespielt hat. Hinzu kommt in diesem speziellen Falle noch der Genreaspekt des klassischen Abenteuerfilms; die mittelamerikanische Kulisse rund um tropische Unwägbarkeiten Mangrovensümpfe, Leprakolonisten und Eingeborenenstämme verleiht „Papillon“ ein höchst eigenwilliges Flair, das ihn dann doch von sämtlichen anderen Repräsentanten seiner Zunft abhebt. Auch der emotionale impact zeigt sich gleich von Abfang an als ungeheuer wirkungsvoll aufbereitet – wie der Film eine empathische Allianz zwischen Papillon und dem Zuschauer schmiedet, das ist schlichtweg meisterhaft. Wie sehr einem etwa jedesmal, da man Schaffners Kronjuwel aufs Neue bewundert das Herz blutet, wenn Papillon nach einer ungeheurlichen Odyssee bereits frei scheint und dann doch von dieser widerlichen Äbtissin (Barbara Morrison) verraten wird, illustriert jenes einmal geflochtene Band geradezu exemplarisch.
Außerdem hat man selten die Chance, den ewigen villain John Quade einmal in einer sympathischen Rolle zu beobachten.
Absolute premier league!

10/10