TRAPPED

„Up here, I am the law!“

Trapped ~ USA 1982
Directed By: William Fruet

In einem kleinen Appalachen-Dorf hat der Trapper und Schwarzbrenner Henry Chatwill (Henry Silva) uneingeschränkt das Sagen. Dass sein Mini-Regime längst despotische Züge angenommen hat und er sich selbst über eine eigene Rechtsprechung stellt, nehmen seine Nachbarn mehr oder weniger zähneknirschend hin. Als seine Frau (Gina Dick) ihn ausgerechnet mit einem lokalen Polizisten betrügt, begeht Chatwill mit der volltrunkenen Hilfe einiger der Dörfler wutentbrannt Lynchjustiz. Davon werden wiederum der auf einem Ausflug befindliche Student Roger (Nicholas Campbell) und seine Freunde Zeugen. Für Chatwill ist umgehend klar: Wenn er die jungen Leute laufen lässt, geht es ihm an den Kragen…

Überraschend amtlich geratener und straight erzählter Backwoods-Thriller mit einer schönen Hauptrolle für den kantigen Henry Silva, der mit allerlei diebischem Genuss das – natürlich sämtliche denkbaren Klischees durchlaufende – Hinterwäldlerarschloch gibt. Tatsächlich beherrscht er allein durch seine bedrohliche Präsenz den gesamten Film und Fruet, der Silva entsprechend inszeniert, weiß auch sehr wohl darum. Überhaupt gelingt es ihm, aus der im Prinzip auf ein eher unbehauenes Terrorszenario setzenden Storyprämisse einen durchweg packenden Ausflug in die filmisch bereits damals hinlänglich porträtierte amerikanische Para-Zivilisation der Hillbillys zu unternehmen. Dass man sich aus kleinen, stadtfernen Ansiedlungen, speziell solchen in den wilden Appalachen, als aufgeklärtes Gesellschaftsmitglied besser fernhält; diese Lektion erteilt „Trapped“ dennoch mit einiger frischer Vehemenz. Zusätzliche Spannung bezieht die Geschichte aus dem familiären Konflikt Chatwills – der Gute hat nämlich noch zwei Geschwister: eine durchaus bodenständige Schwester (Barbara Gordon), die den zunehmenden Kaiserwahn ihres Blutsverwandten mit wachsendem Argwohn beobachtet sowie einen Bruder (John Rutter), der als ortsamtierender Sheriff Henrys Machenschaften abseits der Legalität zuverlässig deckt. Dass aus dieser dysfunktionalen Familienkonstellation langfristig nichts Gutes erwachsen kann, wird recht schnell offensichtlich und damit auch die alsbald um sich greifende Explosivität der Situation.

7/10

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FUKKATSU NO HI

„The United States had no particular monopoly on idiots.“

Fukkatsu No Hi (Overkill – Durch die Hölle bis zur Ewigkeit) ~ J 1980
Directed By: Kinji Fukasaku

Im Jahre 1982 wird eine kleine Probe des von US-Militärs unter strengster Geheimhaltung entwickelte Bio-Kampfstoff MM-88 gestohlen und entweicht infolge eines Unfalls. Bei MM-88 handelt es sich um eine tödliche Kombination verschiedenster Grippeviren, die ihr Opfer binnen Stunden dahinrafft. Die bald als „Italienische Grippe“ berüchtigte Pandemie rafft nach und nach alles globale tierische und menschliche Leben hinweg, nur ein paar Forschungsstationen in der Antarktis bleiben unbelastet, weil das Virus bei hohen Minustemperaturen inaktiv bleibt. Die letzten rund 850 Menschen schließen sich unter der Führung von Admiral Conway (George Kennedy) in der internationalen Forschungsstation Palmer zusammen und beginnen durch zufallsprinzipielle Paarung einen systematischen Wiederaufbau ihrer Gattung. Doch die Gefahr ist längst noch nicht gebannt: Ein in Washington D.C. zu erwartendes Erdbeben wird automatisch das nukleare Angriffssystem der Vereinigten Staaten und damit gleichfalls die sowjetische Verteidigungsmaschinerie auslösen, so dass sich  zu dem Virus noch der nukleare Holocaust gesellen würde, der auch die Forschungsstation Palmer am Südpol als taktisches Ziel miteinbezieht. Es ist nun an dem Wissenschaftler Yoshizumi (Masao Kusakari) und Major Carter (Bo Svenson), das letzte große Unheil zu verhindern…

Vom Kalten Krieg und wie er plötzlich und unbeabsichtigt heiß wird erzählt Kinji Fukasakus ehrgeizige Filmapokalypse, für die sich wie in den Vorbildern des US-Katastrophenfilms eine stattliche internationale Besetzung zusammentrommeln konnte. Ins Zentrum seiner Geschichte stellt der Filmemacher freilich einen strauchelnden japanischen Helden, nämlich den Wissenschaftler Shûzô Yoshizumi, der sich vor dem Ausbruch der globalen Seuche in Tokio von seiner schwangeren Freundin Noriko (Yumi Takigawa) distanziert hat und diesen Schritt nun, nun angesichts der katastrophalen Entwicklungen, bitter bereut. Yoshizumi wird schließlich zu einer Art Hiob, der, nachdem auch seine letzte Rettungsmiussion gescheitert ist, als vermeintlich letztes menschliches Wesen ziellos wandernd den öden Erdball durchmisst und sich dabei vom „lieben“ Gott auch noch erzählen lassen muss, er sei undankbar angesichts dieser Ehre. Natürlich bleibt noch ein letzter Funke der Gnade: Ein bereits in der Palmer Station entwickelter Impfstoff gegen die italienische Grippe zeigt Wirkung und ein kleines Häuflein Männer, Frauen und Kinder hat selbst den Großen Knall noch überlebt – darunter auch Yoshizumis große Ersatzliebe Marit (Olivia Hussey), die er mitsamt ihrem Baby seinerzeit vor dem sicheren Tode retten konnte. Unterdessen tummelt sich allerlei Hollywood-Alt- und B-Personal in Fukasakus Film, dem es wie stets eine Freude ist, bei der professionellen Arbeit zuzuschauen, seien es Glenn Ford als darbender US-Präsident, der nicht darauf verzichtet, würdevoll am Ende der Menschheit zu partizipieren, Henry Silva als kriegslüsterner Militär, der letztlich die Schuld an der ganzen Misere trägt und viele andere.
Obschon die bei uns kürzlich erschienene Blu-ray weit davon entfernt ist, ein qualitatives oder gar editorisches Optimum zu bieten, enthält sie dankenswerterweise zumindest Fukasakus im Vergleich zur internationalen Exportfassung fast eine Stunde längeren Director’s Cut, der sehr viele eminente Details enthält, besonders bezüglich der charakterlichen Entwicklung Yoshizumis und des Schicksals Norikos enthält, ohne die der Film massiv an Zugkraft einbüßt. Andererseits muss Fukasaku sich gefallen lassen, gegenüber einigen wirklich stark inszenierten Momenten immer wieder auf teils unnötig pathetische sowie auf diverse unglaubwürdige Hergänge zurückzugreifen, die sein sicherlich ehrgeiziges Werk nur deshalb nicht ruinieren, weil sie sich als dem (trivialen) Katastrophen- und Endzeitfilm gattungsinhärente Faktoren verschmerzen lassen. Für mich somit eben vor allem des personellen Aufgebots wegen sehenswert, als dystopische Beschreibung des nahenden Armageddon indes eher medioker.

6/10

BULLETPROOF

„Bird season’s over, butthorn!“

Bulletproof ~ USA 1988
Directed By: Steve Carver

Frank McBain (Gary Busey), Spitzname ‚Bulletproof‘, ist nicht nur L.A.s gefürchtetster Cop, sondern hat auch eine Vergangenheit als Spezialagent der Regierung. Als der Prototyp des just gebauten Superpanzers „Thunderblast“daher in die Hände einer jenseits der mexikanischen Grenze operierenden Terroristengruppe fällt (die plant, ihn an die Sowjets weiterzugeben), reaktiviert man kurzerhand McBain, den zudem persönliche Motive in der Sache tangieren. Zusammen mit dem Thunderblast hat man nämlich noch seine Exfreundin Devon Shepard (Darlanne Fluegel) gekidnappt…

Ein Relikt aus einer Zeit, in der man Filme wie diesen noch breit grinsend machen durfte, ohne dafür prompt von moralinsauren Erbsenzählern traktiert zu werden.
Das Script zu „Bulletproof“, an dem unter anderem Fred Olen Ray mitgewerkelt hat, ist gelinde gesagt ein Witz und löchrig wie ein Schweizer Käse; die Besetzungsliste strotz vor guten, alten, stets gern gesehenen Freunden und gleicht infolge dessen einem feuchten Genretraum und die Helden-, ebenso wie die Feindbilder, sind so simpel und klar strukturiert, dass sie selbst einen lobotomisierten Pavian nicht überforderten. Mit hübscher Permanenz serviert uns Carver im Wechsel etwas zum Lachen oder zum Staunen und sichert sich so die mit allen verfügbaren Mitteln erheischten Ovationen. Gary Busey wird eine Riesenfreude gehabt haben angesichts der rückhaltlosen Stereotypisierung seiner Titelfigur. McBain gelingt alles, obwohl er weder einen besonders hellen noch einen besonders harten Eindruck stiftet. Er hat bereits 38 Kugeln abgefangen (die er sich stets selbst entfernt und daheim sammelt), was ihm seinen Rufnamen eintrug. Er spielt Jazzsaxophon, muss sich williger Damen geradezu erwehren und seine Widersacher können ihm gleich doppelt leid tun, denn außer, dass sie postwendend zur Hölle geschickt werden, müssen sie sich auch noch stets McBains dümmliche Begleitsprüche gefallen lassen. Über die Motive der Terroristen, die offenbar bereits halb Mexiko überrannt haben, erfährt man nichts, außer dass es sich bei ihnen um muslimische (!) Kommunisten (!!) aus aller Herren Länder handelt, die mit dem großen Brüderchen Russland paktieren. Henry Silva und Juán Fernandez verleihen ihnen ein führendes Antlitz und dann gibt es noch einen verblödeten General (René Enriquez) mit Sprachfehler. Den bösen Russen samt Pelzmütze mit Hammer-und-Sichel-Button gibt William Smith, der ja schon in der Selbstjustizwundertüte  „Eye Of The Tiger“ Gary Buseys Nemesis markante Gestalt verlieh.
Warum der Panzer, eine sagenhafte Plastikkonstruktion mit eingebautem Kaffeeautomaten, jetzt genau den Bösewichten in die Hände fällt, bleibt diffus. Irgendwie scheint Absicht dahinterzustehen (Luke Askew ist so ein zwielichtiger Army-Offizier mit etwas unklarer Agenda) und dann wieder doch nicht. Ähnliches gilt für McBains Beziehung zu Devon, deren Entwicklung durch komplett unnachvollziehbare Rückblenden eher verschleiert denn erläutert wird. Trotzdem haben alle Beteiligten gewiss eine Menge reuelosen Spaß beim Dreh gehabt, denn „Bulletproof“ versprüht trotz aller Geistesschwäche gute Laune und dufte Partystimmung.

6/10