GODZILLA VS. KONG

„He sure knows how to move.“

Godzilla Vs. Kong ~ USA/AUS/CAN/IN 2021
Directed By: Adam Wingard

Nachdem man eigentlich der vertrauensvollen Überzeugung war, Godzilla sei ein Freund der Menschheit, greift der Urzeittitan plötzlich einen Florida-Standort des Multis „Apex Cybenertics“ an und zerstört diesen. Während Madison Russell (Millie Bobby Brown) gemeinsam mit ihrem Kumpel Josh (Julian Dennison) und dem etwas wirren Whistleblower Bernie Hayes (Bryan Tyree Henry) der Ursache für Godzillas unerwartetes Verhalten auf die Spur kommen will, engagiert der Apex-Kopf Walter Simmons (Demián Bichir) den Hollow-Earth-Theoretiker Nathan Lind (Alexander Skarsgård) für eine Expedition in die unerforschte „Innenerde“. Dort soll nämlich eine gewaltige Energieressource lagern, die die Menschen, so Simmons‘ fadenscheinige Erläuterung, für sich nutzen könnten. Um in die Hohlwelt vorzudringen, deren Eingang in der Antarktis liegt, benötigt man jedoch auch Kong, der auf seiner Insel Skull Island von Monarch abgeschirmt wird, unter permanenter Beobachtung steht und lediglich mit dem kleinen Iwi-Mädchen Jia (Kaylee Hottle) kommuniziert. Lind überredet seine alte Kollegin Ilene Andrews (Rebecca Brown), Kong zu sedieren und zum Südpol zu schaffen. Doch wie befürchtet wittert Godzilla den nunmehr unter freiem Himmel befindlichen Riesenaffen und greift diesen nebst der Monarch-Tankerflotte mitten auf dem Pazifik an. Das erste Duell geht zugunsten des in seinem Element befindlichen Urweltmonsters aus, doch immerhin kann Kong zum Zielpunkt der Reise geschafft werden. Nach seinem Trip in die Innenerde „königlich“ gestärkt kommt es zu einem weiteren Kampf zwischen Kong und Godzilla in Hong Kong, wobei letzterer nicht ahnt, dass er in Kürze die Hilfe seines alten Erzgegners gegen eine noch gewaltigere Bedrohung benötigen wird…

Rein inhaltlich ist das alles erstmal viel Geraune um nichts, denn, soviel ist kein Geheimnis, es geht doch einzig und allein um das spektakuläre Aufeinandertreffen der beiden Supermonster und wie sie sich möglichst effektgesäumt durch unterschiedliche Szenarien prügeln. Knapp fünf Jahrzehnte nach Ishirô Hondas „Kingo Kongu Tai Gojira“ bildet „Godzilla Vs. Kong“ nun also den zweiten Kino-Clash der Titanen und gleichermaßen jenen (ersten?) Höhepunkt, auf den das Legendary-MonsterVerse von Beginn an zusteuerte. Ich muss gleich voranstellen, dass ich selbst auf ganzer Linie zum „Team Kong“ gehöre, da mich mit den japanischen Kaiju-Filmen bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich viel verband, der gute Monstergorilla derweil mir jedoch bereits seit frühen Kindertagen eine Menge bedeutet.
Als vierte Installation des MonsterVerse-Franchise ist Adam Wingards Film zugleich bisher der gelungenste. Die Gründe dafür sind mehrgestaltig. Zunächst verzichtet man hier zugunsten von lockerem Humor und sanfter Ironie auf die eherne Düsternis, die die beiden „Godzilla“-Filme von Gareth Edwards bzw. Michael Dougherty sich zueigen machten und die, besonders im Falle des Sequels, letztlich ziemlich ins Leere lief. Mit Ausnahme des Original-„Gojira“ transportierten die Toho-Filme ja auch stets eine ihnen bald wesentlich inhärente Infantilität, zu der die Verquickung aus Ur-Mythologie und capitalistic fiction nicht recht passen mochte. Adam Wingards Ansatz ist da schon wesentlich mehr fanboy-like. Er konzentriert sich auf eine mit knallig bunten Farben gesäumte Bebilderung der versprochenen Monsteraction, verzichtet dabei ganz bewusst auf offensichtliche, tendenziöse Sympathisierungen mit einem der beiden Titel-„Helden“ (um ja keine Fraktion gegen sich aufzubringen) und liefert kleine Reminiszenzen an das unübertroffene „King Kong“-Original und dessen erstes Remake, was ihn dann wahrscheinlich doch als heimlichen Hauptverehrer des haarigen Megaprimaten ausweist. Die pure kindliche Freude an der Option, nach diversen Indie-Genrearbeiten einen solchen Big-Budget-Blockbuster verantworten zu dürfen, spürt man Wingard jedenfalls rundheraus an. Er meistert es zudem halbwegs zuverlässig, die zwangsläufig als solche dastehenden Füllsequenzen um das nerdige Trio und die zu bloßer Staffage verdammten übrigen menschlichen Figuren nicht vollends der Bedeutungslosigkeit zu überantworten. Und: zu guter Letzt genießt Wingard es offenkundig, dem archetypischen Kinonimbus „Kong“ nun auch genealogisch seinen „King“ (zurück-)verehren und ihm mit der Hollow Earth gleich noch sein angestammtes, wahres Königreich verleihen zu dürfen. Jenes, davon darf man wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgesehen, werden wir nicht zum letzten Mal besucht haben.

7/10

SNOWDEN

„Terrorism is just an excuse.“

Snowden ~ USA/D/F 2016
Directed By: Oliver Stone

Nachdem Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) im Sommer 2013 die USA endgültig verlassen hat, trifft er sich in Hong Kong mit der Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Melissa Leo) und dem Journalisten Glenn Greenwald (Zachary Quinto), um ihnen zu eröffnen und zu beweisen, was er während seiner vormaligen Tätigkeit für die amerikanischen Geheimdienste in Erfahrung gebracht hat: NSA und CIA befleißigen global operierende Abhörprogramme, mittels derer sämtliche mediale Kommunikationswege ausgekundschaftet und die gewonnen Daten auf Vorrat gespeichert werden. Ob es sich dabei um tatsächlich verdächtige Staatsfeinde oder Kriminelle handelt, ist sekundär; prinzipiell wird jeder Bürger der freien Welt zunehmend gläsern. Sowohl private als auch berufliche Erlebnisse bringen Snowden dazu, sein Wissen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Damit macht er sich selbst zum gesuchten Spion, der seither gezwungen ist, im russischen Exil zu leben.

Die Geschichtes des nunmehr knapp 34-jährigen whistleblowers Edward Snowden ist ja wie gemacht für einen stoneschen Filmstoff; gäbe es das reale Vorbild und seine Tätigkeit nicht, Oliver Stone hätte es sich quasi ausdenken müssen. Die nach wie vor akute Brisanz und Aktualität des Falles machte sich bereits in der Vorproduktionsphase des Films bemerkbar – Stone fand bei den großen US-Studios niemanden, der bereit gewesen wäre, sein Projekt zu finanzieren, geschweige denn anderweitig zu unterstützen. Geldgeber fand er letzten Endes in Europa, unter anderem in Deutschland. Der finanzielle Flop von „Snowden“ an den Kinokassen ist insofern mehr denn bedauerlich, da es dem ehrgeizigen und immens wichtigen Werk unbedingt vergönnt gewesen wäre, wesentlich größere Popularitätskreise zu ziehen. Unabhängig von Snowdens ungeheuerlichen Aufdeckungen interessiert sich Stone, der sein Handwerk bekanntermaßen virtuos beherrscht, auch für den privaten Werdegang und die Persönlichkeit seines Titelhelden, was dem Film ein sich als unerlässlich erweisendes, emotionales Gewicht verleiht: Snowden ist weder strahlender Ritter, noch unkomplizierter Heros. Zunächst wähnt er sich als unbedingter, naiver Patriot, der seinem Land gern als Soldat diente, wegen seiner schwachen physischen Konstitution jedoch darauf verzichten muss. Die nächste Station ist dann die des IT-Experten im Staatsdienst, eine Position, in der er sich als hervorragend erweist. Umso rasanter sein Aufstieg innerhalb der Geheimdienst-Hierarchie und der Umfang seines Zugriffs auf vertrauliche Daten. Momente erschütternder Erkenntnisse folgen; das Vertrauen in Staatsräson und -führung schmilzt dahin; die Arbeit für die NSA wird zum psychisch fordernden Spießrutenlauf. Snowden leidet bald unter stressbedingten, epilleptischen Anfällen und ist auch sonst körperlich stark angegriffen. Die Beziehung zu seiner geliebten Lebensgefährtin Lindsay Mills (Shailene Woodley), die er wegen seiner Angst um ihre Sicherheit nicht in seine Geheimnisse einweiht, zeigt sich zunehmend bedroht. Stone gelingt es, die Ängste, Zweifel und Zwiespalte, denen Snowden sich mehr und mehr ausgesetzt sieht, ebenso nachvollziehbar und transparent zu machen wie sein erschüttertes Ethos, das sich schließlich in der Flucht nach vorn entlädt. Ebenso gerät „Snowden“ durch die nachgerade sympathischen Darstellungen von Poitras und Greenwald zum Hohelied auf eine freie, unabhängige Berichterstattung als Gegengewicht zur Regierungswahrheit. Und bezeichne sie sich auch als noch so „demokratisch“. Prädikat: unerlässlich.

9/10

DU BEI DAO

Zitat entfällt.

Du Bei Dao (Das goldene Schwert des Königstigers) ~ HK 1967
Directed By: Chang Cheh

Nachdem der Schwertkampf-Schüler Fang Kang (Wang Yu) wegen eines dummen Streits mit der Tochter (Yin Tze Pan) seines Adoptivvaters und Meisters Ru Feng (Tien Feng) seinen rechten Arm einbüßt, erachtet er sich selbst als nutzlos und schwört dem Kämpfen ab. Doch seine Bestrebungen, sich mit der ihn gesund pflegenden Xiao Man (Chiao Ciao) als Bauer zur Ruhe zu setzen werden durchkreuzt von Ru Fengs Kontrahenten, dem „langarmigen Teufel“ (Chi-Hing Yeung) und dem „grinsenden Tiger“ (Ti Tang), die nicht nur Xiao Man bedrängen, sondern auch Ru Fengs gesamte Schule des „Goldenen Schwertes“ zu vernichten trachten. Während Ru Feng plant, einen Nachfolger zu benennen, sorgen die beiden Finsterlinge dafür, dass seine besten Schüler mithilfe einer neuen Waffe, der „Schwertfalle“, dahingemordet werden. Fang, der von diesen Umtrieben Wind bekommt, trainiert eisern seinen verbliebenen linken Arm, bis er sich selbst zum unbesiegbaren Kämpfer gestählt hat. Nun kann er seine alte Schuld begleichen und gegen die Feinde seines Meisters antreten.

Die Veröffentlichungsgeschichte um „Du Bei Dao“ ist beinahe ebenso spektakulär wie der Film selbst. Immerhin handelt es sich um den ersten Vertreter einer neuen, reziprok vom Italowestern beeinflussten Spielart des Wuxia-Films, also des historisch ummantelten Martial-Arts-Kinos, das sich vor allem dadurch kennzeichnete, dass seine Helden und Schurken nicht auf physikalische Gesetzmäßigkeiten angewiesen sind und etwa aus dem Stand Bäume oder Hausdächer heraufspringen können. Zudem tritt hier mit Wang Yu oder Jimmy Wang Yu, wie er sich auch zu nennen pflegt, einer der Protagonisten des Wuxia-Genres auf den Plan, der sich nach einer Karriere als Wettkampfschwimmer und der darauf folgenden, mehr denn fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Shaw Brothers, den maßgeblichen Produzenten jener fernöstlichen Action-Spielart, selbstständig machte und bis heute als eine Gallionsfigur des Hong-Kong-Kinos gilt. Wang Yu, der sich gern als Autodidakt bezeichnet und zumindest laut der Interviews, die ich mit ihm gesehen habe, nicht müde wird, seinen heroischen Status selbst eifrig zu befeuern, entpuppt sich hier im feschen Jungspundsalter denn auch tatsächlich als hinreichend charismatisch, einen Großteil des Publikums auf seine Seite zu ziehen. Er leidet, trainiert und ficht mit solcher Inbrunst, dass es eine wahre Freude ist. Auch die anderen Kennzeichen der SB-Produktionen lassen sich anhand dieses Repräsentanten ausgiebig eruieren: Immenses Pathos, schlichte Motivationslagen, sehr schöne, theatralische Atelierkulissen. Wenn hier im pseudowinterlichen, nächtlichen Studiowald der Kunstschnee rieselt, dann ist das einfach schön anzuschauen. Ich muss gestehen, dass ich die späteren, blutigeren und exzessiveren Auswüchse der SB, so etwa die Semi-Fortsetzung „San Duk Bei Dao“, etwas mehr mag; das nimmt „Du Bei Dao“ jedoch natürlich nichts von seiner genuinen historischen Bedeutsamkeit.

7/10

JAGUAR LIVES!

„That’s what I like about you, Jonathan. Always direct. No fat, no lean.“

Jaguar Lives! (Jaguar lebt) ~ USA/E 1979
Directed By: Ernest Pintoff

Nachdem sein Kollege und bester Kumpel Barrett (Anthony De Longis) bei einem Einsatz getötet wurde, kehrt Superagent Jonathan Cross (Joe Lewis), Codename „Jaguar“, dem Spionagebiz den Rücken und zieht sich zwecks innerer Einkehr ins mittelwestliche Hinterland zurück. Doch seine Dienste werden schon bald wieder benötigt: Es gilt, einen international operierenden Ring von Rauschgiftschmugglern mit unbekanntem Drahtzieher zu sprengen. Auf seiner Suche nach Informationen und den Köpfen der Organisation führt es Jaguar um den gesamten Erdball – bis ihn eine große Überraschung erwartet…

Martial Arts, Bond-Spoof, Pilotfilm für ein TV-Serial? „Jaguar Lives!“ kann sich nicht recht entscheiden, was von alledem er am liebsten wäre und versucht somit das von vornherein zum Scheitern verurteilte Kunststück, alles drei auf einmal zu sein. Nur gibt es für einen Martial-Arts-Film leider zu wenig Martial Arts, nimmt sich das Teil selbst für eine halbe Portion Bond viel zu billig und albern aus und ist, trotz diverser, stilistisch begründeter Verdachtsmomente, für die der entsprechend „geschulte“ Regisseur verantwortlich zeichnet, kein Fernsehstück. Nichts Halbes und nichts Ganzes demnach; weder Fisch noch Fleisch. Doch gibt es immerhin auch die eine oder andere Nettigkeit, angefangen mit der Besetzung der Titelrolle durch den Kickbox-Supermann Joe Lewis. Der 2012 an einem Gehirntumor verstorbene, blondschopfige Athlet galt und gilt als Meister seines sportlichen Fachs, hat dereinst sogar Chuck Norris auf die Bretter geschickt und war bereits aufgrund seiner attraktiven Physis wie geschaffen für ein zweites Standbein als Actionheld im Film. Auch wenn es Lewis sicherlich an professionellen Meriten mangelte, vermochte er allein infolge seiner leinwandfüllenden Präsenz matt zu glänzen.
Um ferner möglichst viele Gaststars unterzubringen, bemüht das Script einen sehr einleuchtenden Kniff: In episodischer Struktur muss Jaguar einen exotischen Weltschauplatz nach dem anderen abgrasen, um wahlweise Informanten zu befragen oder Gegner auszuschalten. Dabei erhält er dann Gelegenheit, der Reihe nach auf Woody Strode, Barbara Bach, Joseph Wiseman, John Huston, Donald Pleasence, Capucine und Christopher Lee zu treffen und sich mit ihnen mal mehr, mal weniger in den Clinch zu begeben. Dabei entwickelt die Narration die Eigenart, sich in an Redundanz kaum zu überbietenden Volten zu ergehen, an denen man als Zuschauer rasch das Interesse verliert. Man freut sich dann eher über die Tatsache, immer wieder noch einem alten Bekannten aus dem Bond-Universum wiederzubegegnen, derer (zählt man „Casino Royale“-Co-Regisseur Huston dazu) „Jaguar Lives“ gleich rekordverdächtige Fünfe aufbietet.
Ansonsten eigentlich bloß für Nostalgiker oder den Freund zeitgenössischer Genreburlesken geeignet, die auch angesichts viel zu weniger Knochenbrüche nicht gleich verzagen.

5/10

SHATTER

„You don’t know who you’re messing with!“

Shatter (Ti Lung – Der tödliche Schatten des Mr. Shatter) ~ HK/UK 1974
Directed By: Michael Carreras

Nachdem er einen afrikanischen Militärchef (Yemi Adjibade) gemeuchelt hat, kommt Profikiller Shatter (Stuart Whitman) wie verabredet nach Hong Kong, um von seinen Auftraggebern das vereinbarte Entgelt zu kassieren. Urplötzlich will man jedoch nichts mehr von ihm wissen und beginnt sogar, ihn selbst aufs Korn zu nehmen. Doch jeder auf Shatter verübte Anschlag geht schief und in den beiden Einheimischen Mai-Mee (Lily Li) und Tai Pah (Ti Lung) findet der im Fadenkreuz Befindliche sogar zwei unerwartete Verbündete. Das „Syndikat“ unter dem unberechenbaren Mr. Leber (Anton Diffring) lässt derweil nicht locker und versucht weiter, Shatter ans Messer zu liefern. Doch der Mann lässt nicht mit sich spaßen, wie seine Gegner bald einsehen müssen…

Neben dem im selben Jahr entstandenen „The Legend Of The 7 Golden Vampires“ eine weitere West-Ost-Kollaboration der beiden traditionsreichen Häuser Hammer und Shaw, wobei letzteres nicht als Produzent aufgeführt wird. Im Gegensatz zu seinem companion piece, in dem Peter Cushing als Professor Van Helsing nach China reist, um dort gegen orientalische Vampire zu kämpfen, funktoniert diese eher gewöhnliche Mixtur nur bedingt. Sie wirkt vielmehr wie diverse andere der um diese Zeit entstandenen, in Hong Kong oder Umgebung spielenden Crossover-Actionfilme mit einem speziellen Protagonisten und erscheint somit eher als „Fahrwasser-Produktion“ – schlag nach bei „The Man From Hong Kong“ , „The Amsterdam Kill“ und anderen, die zwar teils erst später entstanden sind, in Aufbau und Struktur jedoch frappante Parallelen aufweisen.
Dabei stimmen die Grundingredienzen durchaus: Stuart Whitman als übers Ohr gehauener, Bacardi saufender Profikiller soll offenbar Assoziationen zu Charles Bronson, Lee Marvin oder Bob Mitchum erwecken, was bisweilen sogar hinhaut; der Buddy-Verbund mit Ti Lung allerdings, und da beginnen bereits die eklatanten Schwächen des Films, scheint rein zweckmäßig und kommt sehr halbherzig daher. Anton Diffring als Bösewicht erhält viel zu wenig screentime und das Gesamtresultat immer wieder schmerzliche Leerläufe. Dass „Shatter“ einen insgesamt zerfahrenen Eindruck hinterlässt, dürfte auch mit dem Regiewechsel zusammenhängen. Der ursprünglich zu Werke gehende Monte Hellman fand sich nach drei Wochen voller Querelen mit Hammer-Usual Michael Carreras von selbigem ersetzt, was dem Film spürbar alles andere als gut getan hat. Was „Shatter“ gebraucht hätte, wären ein deutlich höheres Tempo und mehr deftige kills gewesen, von denen er zwar immerhin ein paar, schlussendlich jedoch allzu wenige vorzuweisen hat.

5/10

LES TRIBULATIONS D’UN CHINOIS EN CHINE

Zitat entfällt.

Les Tribulations D’Un Chinois En Chine (Die tollen Abenteuer des Monsieur L.) ~ F/I 1965
Directed By: Philippe de Broca

Der superreiche Arthur Lempereur (Jean-Paul Belmondo) hat so ziemlich alles, was man vom Leben verlangen kann – außer Spaß an selbigem. Darum inszeniert er immer wieder spektakuläre Suizide, die er dann am Ende doch nicht recht finalisieren mag. Seine Verlobte (Valérie Lagrange) langweilt ihn noch zusätzlich zu Tode. Als die Nachricht kommt, dass Arthur urplötzlich ruiniert ist, entwickelt sein väterlicher Freund Mr. Goh (Valéry Inkijinoff) einen Plan, dem geliebten Mündel die Freude am Dasein zurückzuverschaffen: Eine befristete Lebensversicherung soll Monsieur L. davon überzeugen, dass die irdische Existenz durchaus etwas ist, an dem zu hängen sich lohnt. Die Folge ist ein gewaltiges Tohuwabohu aus Missverständnissen, Liebes- und Geldgierbekundungen, währen dessen Arthur immerhin die Bekanntschaft der reizenden Striptänzerin Alexandrine (Ursula Andress) macht…

Lose basierend auf einer Vorlage von Jules Verne nimmt sich dieses dritte farbenprächtige Abenteuer, das Philippe de Broca ganz auf seinen Hauptdarsteller zuschneidet, mindestens ebenso kregel und hyperaktivistisch aus wie der direkte Vorgänger „L’Homme De Rio“. Auch noch etwas alberner und mit deutlich erhöhtem Personal angereichert präsentiert sich der Film, der den etwas befremdlichen Titel der Tatsache verdankt, dass die Yacht Arthur Lempereurs gerade im Hafen von Hong Kong vor Anker liegt und die Kronkolonie somit den Haupt-Handlungsort stellt. Dennoch gibt es Ausflüge nach Indien und Nepal, die Bébel einige spektakuläre Szenen mit Bergen, Schnee, Religionsfanatikern und einem Heißluftballon verfügbar machen sowie ins südchinesische Meer nebst Insel-Showdown. Die Figuren-Ménagerie umfasst neben dem anfangs mit einer bescheuerten Tolle auftretenden Bébel, seinem exotischen Mentor und der Andress noch einen erztreuen Butler (Jean Rochefort), zwei tölpelhafte Versicherungsangestellte (Mario David, Paul Préboist), eine fiese Schwiegermutter in spe (Maria Pacôme), deren verblödeten Hofmacher (Jess Hahn) und, als Krönung sozusagen, einen fetten Gangsterboss (Joe Saïd), der Monieur L. unbedingt das Lebenslicht ausblasen will. Hinzu kommt wiederum ein Dauerfeuerwerk aus teilweise albernsten Gags und Stunts, einige betörende Einstellungen rund um die in Bestform befindliche Ursula Andress und diverse andere Zwangsmethoden, dem Publikum nur ja kein Sekündchen der Langeweile zu gönnen. Diese Mission dürfte dann wohl als geglückt zu verbuchen sein.

7/10

THE AMSTERDAM KILL

„Riley Knight isn’t to be trusted.“

The Amsterdam Kill (Der Tiger aus Taipeh) ~ HK/USA 1977
Directed By: Robert Clouse

Der chinesische Mafioso Chung Wei (Keye Luke) möchte aus dem internationalen Drogenhandel aussteigen und sucht sich als Kontaktperson den in Ungnade gefallenen Ex-Polizisten Larry Quinlan (Robert Mitchum) aus. Quinlan nimmt Kontakt mit seinen früheren Kollegen in Fernost auf, behält Chung Weis identität jedoch zunächst für sich. Um die Behörden von seinen guten Absichten zu überzeugen, schanzt der in Amsterdam weilende Chung Wei Quinlan und ihnen einige Schachfiguren des Hong Konger Heroinvertriebs zu. Doch es gibt ein Leck, das offensichtlich in höchsten Ermittlerkreisen zu suchen ist…

„The Amsterdam Kill“ findet nie so recht zu einer endgültigen Form und setzt sich stattdessen zwischen alle Stühle. Dabei sind die Ressourcen mehr denn vielversprechend: Robert Mitchum, der im Neo-Noir-Kino der Siebziger einen zweiten Frühling erlebte als zumeist altersweiser, erzcooler Haudegen und Experte in allerlei untweltlichen Subkulturen, ist in der Hauptrolle zu begutachten; Leslie Nielsen, Bradford Dillman und Richard Egan sind zu seiner tatkräftigen Unterstützung abgestellt und mit Hong Kong und Amsterdam werden zwei überaus pittoreske Schauplätze in die Waagschale geworfen. Der Plot um Heroin, Triaden und korrupte Cops schließlich bietet klassischen Thrillerstoff. Der beste Beweis dafür, dass Robert Clouse sich zumindest damals noch durchaus als der rechte Mann empfohl, die vorgestellten Elemente in den Begriff zu bekommen und in kongeniale Form zu bringen, ist sein „Enter The Dragon“. Von diesem geht „The Amsterdam Kill“ jedoch das Meiste ab; er bleibt über die meisten Etappen träge und wirkt nahezu altersschwach in seinem unmotivierten Bemühen, veritables Genrekino auf die Beine zu stellen. Die wenigen Actionsequenzen bleiben unspektakulär und man findet sich als Rezipient nach anfänglicher Aufmerksamkeitsschürung infolge fehlender Spannungsmomente zusehends im Stich gelassen. Immerhin schustert die deutsche Synchronfassung dem Film Einiges an Liebgewinn zu, zumal die Sprecher einen deutlich engagierteren Eindruck hinterlassen als ihre sichtbaren Pendants.
Ganz so katastrophal, wie ich es nun vielleicht ein Stück weit formuliert habe, ist es dann aber doch wieder nicht her mit „The Amsterdam Kill“- zumindest wer sich für eines der oben erwähnten personellen Elemente zu erwärmen weiß und/oder das Ambiente des Siebziger-Kinos schätzt,  kann auch hier einen weithin ungefährdeten Blick riskieren. Mitchum ist selbst im Habschlaf noch immer eine Bank und dann hat er noch diese wundervolle Hotelsequenz, in der er sich, bei einer Flasche J&B (natürlich) monologisierend, einen entscheidenden Hinweis für seine weiteren Ermittlungen zusammenlallt. Ich verwette meine linke kleine Zehnagelspitze darauf, dass der Mann beim Dreh tatsächlich den Arsch voll hatte bis obenhin.

6/10

THE MAN FROM HONG KONG

„Improve your colour palette!“

The Man From Hong Kong (Der Mann von Hongkong) ~ AUS/HK 1975
Directed By: Brian Trenchard-Smith


Um den des Drogenhandels verdächtigen Chinesen Win Chan (Sammo Hung) zum Reden zu bringen, wird der knallharte Hong Konger Inspektor Fang Sing Leng (Wang Yu) nach Sidney eingeflogen. Fang prügelt Chan den Namen „Wilton“ aus dem Kiefer, womit der Verhaftete sein Todesurteil unterschreibt: Auf seinem Weg zum Gericht wird Win Chan von einem Attentäter erschossen. Fang findet heraus, um wen es sich bei Jack Wilton (George Lazenby) handelt: Einen Syndikatsboss mit zweifelhaftem Leumund, der sein Vermögen durch allerlei kriminelle Aktivitäten angehäuft hat. Während seine australischen Partner (Roger Ward, Hugh Keays-Byrne) Fangs Alleingänge mit einiger Sorge beobachten, kämpft der Chinese sich gnadenlos durch bis zum Oberboss.

In diesem raren Exempel einer Hong-Kong-/Australischen Coproduktion wurde versucht, den damals auf dem internationalen Markt heiß gehandelten Martial-Arts-Star Wang Yu zu einem fernöstlichen James Bond zu stilisieren. Inspektor Fang Sing Leng gehört einer Spezialeinheit der Polizei an, ist ein versierter Meister unterschiedlicher Kampfstile und verbeißt sich in sein ausgesuchtes Ziel wie ein tollwütiger Straßenköter. Die weltmännische Eleganz seines britischen Vorbilds mag Wang Yu etwas abgehen, dafür ist er ein kaum minder viriler Beischläfer, dem die Damen ohne große Worte bereitwillig ins Bettgemach folgen und wesentlich unempfindlicher, was körperliche Blessuren angeht. Der eigentliche Clou des Films bestand natürlich darin, Einmal-Bond George Lazenby als Superbösewicht und somit Wang Yus Antagonisten zu besetzen. Für die Rolle des brutalen und – natürlich – rassistischen Heroinschiebers Jack Wilton trainierte sich Lazenby sogar ein paar Kung-Fu-Moves an, die er an drei, vier Stellen des Spektakels vorführen darf. Dass er im direkten Duell auch nur die mindeste Chance gegen seinen Widersacher hätte, glaubt man allerdings zu keiner Sekunde und so endet er, wie ein Sauhund wie er es verdient: Mit einer explodierenden Handgranate zwischen den Zähnen.
„The Man From Hong Kong“ besitzt noch viele weitere Reize und reizvolle Elemente; allem voran sicherlich die eigentlich zwingende, filmische Parallelisierung der beiden pazifischen Kronkolonien Hong Kong und Australien. Es gibt beachtlich kompetent gefertigte Verfolgungsjagden zu Fuß und per Kraftfahrzeug, pittoreske Drachenflug-Sequenzen über den jeweiligen Landesmetropolen und mit Ward, Keays-Byrne und dem bassett-gesichtigen Frank Thring gleich drei spätere „Mad-Max“-Darsteller, wobei besonders der wildwüchsige Wolfsjunge Hugh Keays-Byrne, der sich bereits in Sandy Harbutts verpflichtenden Rockerepos „Stone“ als unverzichtbar erwies, als Lotterbulle Morrie Grosse für Einiges an Spezialgelagertem verantwortlich zeichnet. Selbst ein Schuss Romantik, der im Prinzip lediglich als dramaturgische Steilvorlage für eine zusätzliche Rachemotivation Wang Yus fungiert, fehlt nicht. Synchronenthusiasten werden ferner die buchstäblich unüberhörbare Nonchalance von Arne Elsholtz‘ Berliner Qualitätsarbeit zu lobpreisen wissen, wobei sich neben den vielen anderen Stimmhelden besonders Harald Juhnke auf George Lazenby über die Jahre zu einem wahren Spartenklassiker gemausert hat. Die diversen Holzhammergags der ewigen Marke ‚Chinesen und Reis‘ könnte man in dieser laxen Form heuer auch nicht mehr bringen.

8/10

TAI-PAN

„I should’ve killed you when I had the chance…“

Tai-Pan ~ USA 1986
Directed By: Daryl Duke

Um 1842 im südchinesischem Raum. Der Brite Dirk Struan (Bryan Brown) hat sich den Titel des „Tai-Pan“ erobert, des wichtigsten westlichen Großhändlers im gesamten Territorium. Infolge seines nominellen Monopols stößt er immer wieder auf erbitterte Gegner, allen voran seinen vormaligen Partner und jetzigen Konkurrenten Tyler Brock (John Stanton), der ihn bis aufs Blut hasst und ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen versucht. Nachdem der Opiumschmuggel untersagt wird, benötigt Struan neue Handelsgrundlagen, wobei er sich auf Tee spezialisiert. Infolge der Annektierung Hong Kongs durch die Engländer lässt sich Struan auf der Insel nieder und errichtet von dort aus sein neues Imperium.

Als Bestandteil von James Clavells „asiatischer Saga“, einer Abfolge mehrerer erfolgreicher Romane, von denen man in den Achtzigern auch in jedem zweiten bundesdeutschen Wohnzimmer mindestens ein Exemplar ausmachen konnte, wurde „Tai-Pan“ von De Laurentiis‘ Produktionsgesellschaft für das Kino ausgewertet. Das Resultat bietet vor allem besten Camp mit Bryan Brown als eine Art westlichem Superhelden mit schurkischem Flair, der gnadenlos mythifiziert wird als einer jener historischen Macher, die dazu angetan waren, die Weltgeschicke zu bestimmen. „Tai-Pan“ kultiviert Dirk Struan zum Öffner zwischen West und Ost, einem Mentalitätshybriden, der vor allem durch seine Fähigkeit, sich in beiden Welten zurechtzufinden, letzten Endes reüssieren kann. Struan hat einen englischen Sohn (Tim Guinee) und einen chinesischen (Russell Wong), lebt mit der hiesigen Sklavin May-May (Joan Chen) zusammen, die er jedoch vor der Öffentlichkeit versteckt halten muss, um sein Renommee nicht zu gefährden. Mit stolz geschwellter Brust, gewinnend lächelnd und mit Zigarre im Mundwinkel schreitet Bryan Brown als steter Herr der Lage durch dieses Mini-Epos, dem man die Ressentiments des kanadischen Regisseurs Daryl Duke faktisch permanent anmerkt: Ebenso wie die von ihm inszenierten „The Thorn Birds“ (und, nebenbei, auch die Clavell-Adaptionen „Shōgun“ und „Noble House“) wäre auch „Tai-Pan“ viel eher zur TV-Miniserie geboren gewesen. Diverse Zeitsprünge und spürbare inhaltliche Versäumnisse lassen den Film unvollkommen und löchrig erscheinen, ganz abgesehen von seiner ohnehin recht käsigen Gesamtgestalt, der die Leistungen von dp Jack Cardiff und Kompositeur Maurice Jarre – ohnehin Namen, die für sich sprechen – doch arg diametral gegenüberstehen. Ich muss allerdings einräumen, dass gerade jenes Unfertige, Unpassende genau das ist, was mir an dem Film gefällt; er ist auf geradezu empörende Weise durchdrungen von Gegensätzen – Epik und Naivität, Opulenz und Ranzigkeit, Schönheit und Stupidität. Zum Flop geboren, sprechen die Box-Office-Zahlen eine deutliche Sprache: Bei einem für die Mittachtziger nicht unbeträchtlichen Budget von 25 Millionen Dollar spielte der Film in seinem Produktionsland gerade etwas über 4 Millionen ein. Warum die DLG in den folgenden Jahren immer weniger präsent war, lässt sich in Anbetracht dessen unschwer zusammenreimen.

7/10

BLACKHAT

„You have to run.“

Blackhat ~ USA 2015
Directed By: Michael Mann

Ein Blackhat (Yorick van Wageningen), Insiderbezeichnung für einen kriminellen Hacker mit außerordentlich verbrecherischem Habitus, sorgt zunächst für eine Reaktorpanne in einem Hongkonger Kernkraftwerk und danach für eine Kursexplosion der Soja-Preise an der Börse. Chinesische und amerikanische Regierungsinstanzen vermuten, dass dies erst der Anfang einer Reihe weiterer Anschläge sein könnte. Helfen kann an dieser Stelle nurmehr der im Gefängnis sitzende Cyberkriminelle Nick Hathaway (Chris Hemsworth), der einst das von dem Blackhat für seine Aktionen missbrauchte Tool erfunden und programmiert hat. Zusammen mit seinem alten Freund Chen (Leehom Wang), zwei FBI-Leuten (Viola Davis, Holt McCallany) und Chens Schwester Lien (Wei Tang), in die er sich verliebt, begibt sich Hathaway gegen möglichen Straferlass in Fernost auf die Suche nach dem Blackhat. Schon bald färbt sich die Fahndung deutlich persönlicher, denn der Computerterrorist und seine Leute gehen mit brutaler Gewalt gegen ihre Verfolger vor…

Erst knappe sechs Jahre nach dem Dillinger-Epos „Public Enemies“  wartet Michael Mann mit seinem nächsten Kabinettstück auf. Die Wartezeit war zweifelsohne zu lang, zumal angesichts der vielen inszenatorischen Wiedererkennungswerte, die „Blackhat“ ganz unzweideutig als Werk seines auteurs identifizierbar machen; die glücklich stimmen, dass Mann sich aus der ihm nicht allzu perfekt stehenden Phase des period-piece-director schadlos befreien konnte und nun wieder mit gewohnter Kraft in der Berichtswelt der Gegenwart zu Werke geht. Was den durchaus konventionellen Plot des Films anbelangt, so mag man konstatieren, dass hierin ganz bestimmt keine wesentlichen Überraschungen liegen. Die Geschichte eines bösen Kriminellen, der von einem weniger bösen Kriminellen, den man zunächst aus dem Knast holen muss, auf dass dieser seiner Mission nachgehen kann, gejagt wird, ist uralter Traditionsstoff nebst klar definierter Facetten und Nuancen. Der Story-Überbau um Cyberverbrechen fungiert für Michael Mann eher als Alibi, für die sich der etwas geeky aussehende Scriptautor Morgan Foehl sicherlich wesentlich mehr interessierte als sein Regisseur. So wirkt denn auch der von ersterem implizierte, paranoide Subtext um den potenziellen Albtraum einer durchweg computerisierten Welt, deren Lücken und Schwächen sich versierte Gangster zunutze machen können, um Anarchie und Chaos herbeizuführen, in seinem restriktiven Bestreben etwas unbeholfen. Glücklicherweise lässt Mann sich davon nicht beeindrucken, sondern bleibt ganz bei sich und seinem persönlichen Motivkreis. Des Meisters unverkennbarer Stil ist es, der „Blackhat“ am Ende nämlich doch grenzgenialisch macht, geprägt von kargem Dialog, nächtlich leuchtender Urbanität [Fernost – Hong Kong, Kuala Lumpur, Jakarta inspirierte(n) ihn sichtlich gehaltvoll], intensiv ausgespielter Romantik, harter Aktion, die zwar in vergleichsweiser überschaubaren Dosen geliefert wird, dann aber so brachial daherkommt, dass die Arri gleich mit zu bersten droht. Eine blubbernde Flächigkeit, die niemals auch nur ansatzweise Gefahr läuft, langweilig zu werden. Wer mit Manns Art der Narration halbwegs vertraut ist, der weiß, was ich meine. Trotz stattlicher Erzählzeit kann man sich in „Blackhat“ unversehens hinabsenken wie in ein wohltuendes Solebad und kommt gleichermaßen entspannt wie erfrischt wieder heraus.

9/10