100 FEET

„You wouldn’t believe me anyhow…“

100 Feet ~ USA 2008
Directed By: Eric Red

Die letzten Monate ihrer dreijährigen Freiheitsstrafe darf die Witwe Marnie Watson (Famke Janssen) unter strengem Hausarrest in jener Immobilie verbringen, in der sie zuvor ihren Ehemann, den Polizisten Mike (Michael Paré) in Notwehr erstach – Mike hatte sie während ihrer Ehe permanent geschlagen und Marnie nach Einreichung der Scheidung gedroht, sie endgültig umzubringen, weswegen ihr einzig dieser letzte Ausweg blieb. Nunmehr muss Marnie eine Fußfessel tragen, die ihr nicht erlaubt, sich für einen längeren Zeitraum mehr als 100 Fuß von einem im Haus angebrachten Sender zu entfernen. Mikes früherer Partner Shanks (Bobby Cannavale) ist zudem der festen Überzeugung, dass Marnie etwas verbirgt und beschattet sie daher nahezu pausenlos. Was er nicht ahnen kann: Mikes Geist wandelt noch immer durchs Haus und vergreift sich trotz seines Ablebens weiter an Marnie, deren nunmehr einziger zwischenmenschlicher Kontakt zu dem Botenjungen Joey (Ed Westwick) sich mehr und mehr intensiviert – eine Entwicklung, die Mikes Geist so gar nicht schmeckt…

Marnie’s late revenge: Eric Reds bis dato letzte Regiearbeit fürs Kino (ihrerseits nach einer Pause von 12 Jahren) ist ein angesichts seiner Doppelbödigkeit nicht uncleveres und zugleich an pulpige EC-Wurzeln erinnerndes Spuk-Kammerspiel mit einem ungewohnt aktiven und zu überaus manifesten Aktionen im Stande befindlichen Rachegeist, den Michael Paré (der bereits in „Bad Moon“ als übellauniger Werwolf reüssierte) leider nur schemenhaft mit seiner Präsenz bereichert. Sehr viel mehr zu tun hat da die dauerpräsente Famke Janssen in einer ihrer, wie ich finde, dankbarsten Rollen als zu dessen Lebzeiten und eben auch darüber hinaus von ihrem Gatten geplagte Ehefrau, die, von ihrem gesamten Umfeld missverstanden und geächtet, aller Verzweiflung zum Trotze immer neue Gipfel emanzipatorischer Wehrhaftigkeit erklimmen muss. Ihr dabei zuzusehen, wie sie zunächst bemüht ist, sich aller Relikte ihres früheren, undankbaren Ehelebens zu entledigen, nur um dann umso härter von dem toten Mike für ihre fortwährende „Untreue“ bestraft zu werden, das wird von Red, der sich selbst den singulären Schauplatz als Handlungsträger auferlegt, sehr einnehmend und spannend inszeniert. Subtile Gespensterattacken sind des Regisseurs Sache nicht; sein wutschnaubender Poltergeist geht in die Vollen wie kaum einer seiner bekannten Artgenossen, bis er, nach einem vermeintlichen kathartischen koitalen Intermezzo mit seiner Witwe, den juvenilen Nebenbuhler Joey im Zuge einer recht heftigen Sequenz praktisch jeden Knochen einzeln umdreht. Es erweist sich als im Sinne klimaktischen Turmbaus durchaus erfreulich, dass Red sich diese gewaltvolle Entladung und Demonstration von Mikes tatsächlichen Fähigkeiten für eine späte Handlungsminute aufbewahrt und darauf dann sogleich den Showdown folgen lässt, anstatt sein F/X-Pulver allzu früh zu verballern, aber das ist ja stets eines seiner Markenzeichen geblieben. Allzu ernst nehmen sollte man diese Mär am Ende des Tages jedenfalls nicht. Red arbeitet just an einem Bigfootploitation movie, dem ich nach der Betrachtung von „100 Feet“ und somit der Bestätigung, dass mit Red immer noch zu rechnen ist, durchaus frohgemut entgegensehe.

7/10

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36.15 CODE PÈRE NOËL

Zitat entfällt.

36.15 Code Père Noël (Deadly Games) ~ F 1989
Directed By: René Manzor

Thomas de Frémont (Alain Lalanne) ist neun Jahre alt, liebt reaktionäre amerikanische Actionfilme, Spiele aller Art und betätigt sich bereits als Nachwuchsprogrammierer. Thomas‘ Mutter Julie (Brigitte Fossey) arbeitet als Kaufhausmanagerin und ist daher auch an Weihnachten noch schwer beschäftigt, sein Großvater (Louis Ducreux) kümmert sich jedoch rührend um den Jungen. Thomas‘ größte Herausforderung zum Fest der Liebe besteht darin, die Existenz des Weihnachtsmannes zu beweisen. Zu diesem Zweck hat der Tüftler die gesamte, heimische Provinzvilla mit Kameras versehen. Der Herr (Patrick Floersheim) jedoch, der im Nikolauskostüm durch den Kamin herabkommt, ist mitnichten der liebe „Père Noël“, sondern ein mörderischer Psychopath, der just zuvor wegen einer Übergriffigkeit von Julie entlassen wurde. Allein in dem riesigen Anwesen muss sich Thomas gegen den tödlichen Weihnachtsmann zur Wehr setzen…

Als finsteres Märchen mit kindlichem Protagonisten, das sich dennoch an ein primär erwachsenes Publikum richtet, verortet sich „36.15 Code Père Noël“ irgendwo in der Genealogie zwischen Filmen wie „Night Of The Hunter“, „Something Wicked This Way Comes“, „Lady In White“ und „The Reflecting Skin“, in denen jeweils halbwüchsige Helden mit furchtbaren Erfahrungen und somit traumatischen Erkenntnissen über die Schattenseiten der Existenz konfrontiert werden. Auch Manzors Film, für dessen Genuss man als mündiger Zuschauer ein gerüttelt‘ Maß an Akzeptanzflexibilität aufbringen muss, gestattet sich dabei trotz aller Konsequenz immer wieder auch notwendige, ironische Brüche. Schon die Anfangssequenz, die mit einer abgewandelten Variation von „Eye Of The Tiger“ unterlegt ist, zeigt Thomas, wie er sich am Heiligmorgen martialisch ausstaffiert, um im Zuge eines seiner Kriegsspiele (die heimische Villa fungiert dabei für ihn wie ein gigantischer Abenteuerspielplatz) den Hund als Gegner zu jagen. Die Sequenz verbindet in einer Eins-zu-Eins-Montage einstellungsgetreu die beiden „Präparationsszenen“ aus „Rambo: First Blood Part II“ und „Commando“, in denen sich Stallone bzw. Schwarzenegger unter schwitzigem Muskelspiel waffenstarrend ausstaffieren, um sich hernach ihrer jeweiligen Mission widmen zu können. Zugleich ist Thomas bei aller technischen wie intellektuellen Hochbegabung jedoch auch noch ganz kleiner Junge, der sich den Zauber des Weihnachtsfests durch den festen Glauben an Père Noel, wie der Nikolaus in Frankreich gerufen wird, weiterhin präserviert. Sein ehrgeiziger Versuch, dessen Existenz zu beweisen, endet jedoch in der schlimmstmöglichen Bestrafung, die ein derartiger Frevel, also die radikale Konfrontation von Glauben und Vernunft, nach sich zu ziehen vermag: Die erste Handlung des eingedrungenen, psychotischen Weihnachtsmanns besteht darin, Thomas‘ Hund abzustechen. Was Manzor bereits zuvor als latente Bedrohlichkeit zeichnete, bricht sich hier endgültig Bahn; der Killer, der zu diesem Zeitpunkt bereits die Familie des Verwalters auf dem Gewissen hat, wird nicht davor zurückschrecken, in mörderischer Absicht auch auf Thomas und seinen halbblinden Großvater loszugehen. Einzig die Findigkeit des Jungen und seine wiederum kindlich bedingte Gabe, das Duell gegen den Irren wie eine seiner vielfach erprobten, kombattanten Spielsituationen zu begehen, helfen ihm, den Kampf erfolgreich durchzustehen. Wie und ob Thomas sich nach dieser gewaltsam-abrupten Negation aller infantilen Magie psychisch gesund weiterentwickeln soll, daran dürften nach Filmende berechtigte Zweifel bestehen.

7/10

DEMON WIND

„You don’t own that property.“

Demon Wind (Tanz der Dämonen) ~ USA 1990
Directed By: Charles Philip Moore

Nachdem Cory (Eric Larson) Zeuge vom Suizid seines erst just wiedergefundenen Vaters (Jake Jacobson) wurde, will er dessen Herkunft ergründen, was ihn und neun seiner Freunde zu einer verlassenen Provinzfarm führt, auf der Corys Dad einst geboren wurde und auf der sich zu Depressionszeiten höchst Mysteriöses abgespielt haben muss. Gleich bei der Ankunft werden die jungen Leute mit dem Übersinnlichen konfrontiert: Die Autos springen nicht mehr an, ein merkwürdiger Nebel lässt sie nicht mehr fort. Bald tauchen gräslich entstellte Dämonen auf, deren oberster Boss (C.D.J. Koko), niemand Geringerer als der Sohn des Satans, Cory ans Leder will. Doch dieser verfügt zum Glück über das alte Tagebuch seiner Großmutter (Elizabeth Ince), in dem sich einige hilfreiche Zaubersprüche verbergen…

Aua. Ich darf ohne Umschweife zugeben, „Demon Wind“ vor allem deshalb angeschaut zu haben, weil er (blamablerweise) noch immer zu den legendären §-131-Filmen zählt, jenen „verdienten“ Werken also, die den im StGB verankerten Verdacht der medialen Gewaltverherrlichung erfüllen und daher in Deutschland nicht (mehr) öffentlich zugänglich gemacht werden dürfen. Einen anderen Grund kann es, soviel darf ich nach erfüllter Mission gleich vorwegschicken, allerdings auch nicht geben. Charles Philip Moores Regiedebüt muss sich am Ende nämlich bloß einen Vorwurf gefallen lassen: Den der allumfassenden Debilität. Was man den Mann lassen muss: Er hat sein gewiss ehrgeiziges Ziel, einen etwas deftigeren Indie-Horrorfilm im Stil von „The Evil Dead“ zu drehen, immerhin in die Tat umsetzen können; die grundsätzlich einmal vorhandene Ambitioniertheit des Projekts spiegelt sich dabei vor allem in den schleimigen, latextriefenden Masken der sprücheklopfenden, zombieesken Höllenwesen wider. Leider hat Moore jedoch vergessen, dass ein wirklich nachhaltiger Gattungsvertreter etwas mehr benötigt als eine hübsche, werbewirksame Fotostrecke in der Fangoria; im günstigen Fall sollte wahlweise eine spannende bis bedrohliche Atmosphäre evoziert , das Element des Übernatürlichen auf zumindest halbwegs ausgereiftem Fundament platziert werden und die Darsteller vielleicht zu etwas mehr imstande sein denn träge durch die kargen Kulissen zu tapern und ihre sinnentleerten Dialoge gelangweilt herunterzurasseln. Kameraarbeit, Szenengestaltung und Montage sind eine einzige Vollkatastrophe und sorgen dafür, dass niemals auch nur der Eindruck veritablen Tempos entsteht, und wenn in Nahaufnahme der dreihundertachtundsechzigste karobehemdete Dämonenwanst explodiert und sein gelbes Kunstblut verspritzt, dann wird die Wanduhr zum besten Freund des leidgeprüften Rezipienten. „Demon Wind“ ist somit nicht nur unbehende, strunzdumm und lächerlich und sieht scheiße aus; er ermangelt als letztes probates Element möglicher Ehrenrettung auch noch jeglichen Anflug glaubhaft vorgetragener Selbstironie. Und wenn Cory sich am Ende dann noch selbst in einen „guten Dämon“ verwandelt, um dem ziegenbeinigen Obermotz gegenüberzutreten, dann ist endgültig der Ofen aus. Dass „Tanz der Dämonen“ bei uns sogar ein Kinoeinsatz zuteil wurde, erscheint nunmehr unglaublich.
Aua zum Quadrat.

3/10

AMERICAN RISCIÒ

Zitat entfällt.

American Risciò (American Rikscha) ~ I 1989
Directed By: Sergio Martino

Coconut Grove, Florida. Der Student Scott Edwards (Mitch Gaylord) bessert WG-Kasse und körperliche Fitness durch einen Nebenjob als Rikschafahrer auf. Als er eines regnerischen Tages die alte Chinesin Madame Luna (Michi Kobi) nach Haus fährt, erwartet ihn eine unglaubliche Reise in die Welt fernöstlicher Magie und in die guter wie böser Mächte in ewigem Widerstreit.

Sergio Martinos „American Risciò“ ist ein recht sonderbarer, oftmals surreal anmutender Vertreter im späteren Schaffen des Regisseurs. Das italienische Genre- und Plagiatskino darbte zum Ende der achtziger Jahre hin bekanntermaßen bereits beträchtlich und hatte sich dem allmählichen Siechtum zu überantworten. Einerseits bedauerlich, andererseits jedoch auch der periodische Wegbereiter für mitunter unfasslich Delirierendes wie diesen, auch „American Tiger“ titulierten, ominösen Gattungshybriden, der stilgerecht einmal mehr etliche US-Vorbilder aus jüngerer Entstehungszeit verwurstet und rezitiert und seine wüste, kaum nachvollziehbare Story dabei mit traumwandlerischer Selbstsichherheit präsentiert. Die beiden Hauptdarsteller Mitch Gaylord, Ex-Olympia-Goldmedaillengewinner im Geräteturnen, und die ansonsten unbekannte Victoria Prouty als Striptease-Animateuse nehmen sich in punkto darstellerischer Ohnmacht wenig und chargieren sich so durch die Szenen. Donald Pleasence spielt den Ober-Villain, einen bösartigen Fernsehprediger, der gierig ist nach Macht und Moneten und sich im Todeskampf in ein Wildschwein verwandelt. Dann hätten wir noch den sympathischen Daniel Greene, hier ausnahmsweise als ebenso miesgelaunter wie inkompetenter Sekten-Adlatus und Berufskiller am Start. Von Greene bin ich ja seit meiner Kindheit und seit dem damals gesehenen „Hands Of Steel“, ebenfalls von Maestro Martino, heimlicher Fan. Wie Reb Brown und Lou Ferrigno gehörte er zu jenen muskelbepackt-bärigen, amerikanischen Filmheroen der eighties, die wohl schlicht zu brav und zu nett waren, um in Hollywood langfristig Fuß zu fassen, daher die Traditionsnachfolge ihrer Peplum-Vorväter Steve Reeves oder Mark Forest antraten, ihr Glück in Italien versuchten, um dort billigen Variationen von Schwarzenegger- und Stallone-Krachern vorzustehen. Was Greene, wie auch seinen Kollegen, an schauspielerischem Können abging, machten sie durch Präsenz und Charisma wett und bereicherte somit manchen potenziellen römischen Heuler. So auch diesen. Die Szenen, in denen eine imaginäre Kobra Greene vom Vollzug seiner blutigen Profession abhält, oder sich ein verhexter Schlüssel durch seine Hand frisst, sind die heimlichen Höhepunkte dieses – höflich ausgedrückt – obskuren Films. Fairerweise muss man Martino jedoch zugestehen, dass er als Regisseur hier abermals einen durchaus ordentlichen Job macht – für das ganze, bizarre Brimborium drumherum mag man ihm so gar keine Schuld geben.

5/10

THE PREDATOR

„They’re large, they’re fast, and fucking you up is their idea of tourism.“

The Predator (Predator – Upgrade) ~ USA/CA 2018
Directed By: Shane Black

Während eines Einsatzes in Mexiko gerät Army-Sniper Quinn McKenna (Boyd Holbrook) an einen ebenfalls vor Ort befindlichen Predator. Mit mehr Glück als Verstand gelingt es McKenna, das Alien außer Gefecht zu setzen und ihm einige Ausrüstungsgegenstände abzunehmen. Diese verschickt McKenna in weiser Voraussicht an seine in einer US-Kleinstadt lebende Familie, Frau Emily (Yvonne Strahovski) und Sohnemann Rory (Jacob Tremblay), der gleichsam hochintelligent ist und unter dem Asperger Syndrom leidet. Derweil wird der eigens zur Predator-Beobachtung abgestellte Agent Will Traeger (Sterling K. Brown) auf McKenna und den von ihm kaltgestellten Fremden aufmerksam. Die eilends hinzugezogene Casey Brackett (Olivia Munn) kann ihr Glück, eine außerirdische Spezies untersuchen zu dürfen, kaum fassen. Während der flüchtige McKenna gefasst und mit einigen anderen Militärhäftlingen verlegt wird, kann der gefangene Predator fliehen. Es findet sich jedoch noch ein weiterer, durch Genmanipulation mutierter Außerirdischer ein, der seinen Artgenossen tötet und Jagd auf McKenna und Sohn Rory macht. Offenbar sind die beiden im Besitz von etwas, dessen sie nicht habhaft sein sollten…

Die sich nur anscheinend etwas kompliziert ausnehmende Synopsis von Shane Blacks jüngster Regiearbeit sollte keinen falschen Eindruck vermitteln: „The Predator“ dürfte einserseits zwar den bis dato blutigsten, andererseits allerdings zugleich den humorigsten Eintrag in dem bisher (zählt man die beiden Crossover mit) sechs Filme umfassenden Zyklus um die illustren außerirdischen Jäger abgeben. Wie es so des Regisseurs Art ist, besteht das von ihm selbst und Fred Dekker dem Film zugrunde gelegte Script gleichsam aus explosiven Actionsequenzen und einer selbst für Blacks zunehmend anarchische Verhältnisse rückhaltlosen Kaskade aus Sprüchen und Gags, von denen sich aber diverse leider auf halbgarer Ebene verflüchtigen. So nimmt sich „The Predator“ primär als ein weiterer Beitrag zur gegenwärtig angesagten Achtziger-Retro-Welle aus: Black, der ja bekanntlich einst selbst in John McTiernans maßgeblichem Original als Hawkins – Söldner, Lieferant schmutzig-misogyner Witzchen und erstes Opfer des Predator – auf der Seite der „Guten“ angetreten war und sich hernach vor allem als Drehbuchautor einen Namen machen konnte, arbeitete hier erstmals seit „The Monster Squad“ wieder mit seinem alten Kumpel Dekker zusammen. Offenbar haben die beiden Jungs noch einen ganz ähnlichen Schalk wie vor rund dreißig Jahren im Nacken, denn „The Predator“ dürfte vor allem Kids viel Freude bereiten oder noch viel mehr Solchen, die auch nach drei Dekaden noch umweglos ihre einstige Jungpersona zu reaktivieren vermögen. Als ernsthaftes Genrestück in der Tradition der ersten beiden „Predator“-Filme von McTiernan und Hopkins sollte man Blacks Schwank jedenfalls nicht in Empfang nehmen, sondern vielmehr als herzhaft-kurzweiligen Spaß, dessen R-Rating-Effekte abseits seines kindlichen (Mit-)Protagonisten, dem im späteren Plotverlauf eine unerwartete Zentralfunktion zukommt, recht genüsslich und in übertriebenem Maße zelebriert werden. Den Dreieinhalb-Meter-Super-Riesen-Predator und seine (in abgewandelter Form aus dem ’10er-Film von Nimród Antal bekannten) Schoßhunde als eminente Bedrohung ernstzunehmen, entbietet sich jedenfalls als nahezu unmöglich und auch die multipel eingestreuten, komisch konnotierten Reminiszenen an die bisherige Filmhistorie der Monster verhindern recht zielsicher, dass „The Predator“ sich jemals dem Verdacht etwaiger Ernsthaftigkeit aussetzen könnte. Er ist dann doch vielmehr ein grobschlächtiges Spaßprodukt, dem man aufgrund seiner deftigen, mit entwaffnendem Selbstverständnis zelebrierten Infantilität kaum ernsthaft böse sein mag.

6/10

THE FLY II

„You can’t walk… and you’re getting worse…“ – „I’m getting… better!“

The Fly II (Die Fliege II – Die Geburt einer neuen Generation) ~ USA 1989
Directed By: Chris Walas

Als die Journalistin Veronica Quaife (Saffran Henderson) schließlich doch noch das Kind des auf fürchterliche Weise getöteten, mutierten Wissenschaftlers Seth Brundle zur Welt bringt, stirbt sie gleich nach der Geburt. Doch die scheinbare Monsterbrut entpuppt sich als sehr menschliches Kind, dass binnen fünf Jahren, abgeschottet von der Außenwelt und unter Laborbedingungen zu einem höchst intelligenten, jungen Mann namens Martin (Eric Stoltz) heranwächst. Doch Martin Brundles vermeintlich fürsorglicher Pflegevater, der Konzernchef Anton Bartok (Lee Richardson), hat nur den schnöden Profit im Sinn, den er sich von dem ungewöhnlichen Jungen und vor allem von dessen Weiterarbeit an den Teleportationsexperimenten seines Erzeugers verspricht. Als Martin sich in seine Mitarbeiterin Beth (Daphne Zuniga) verliebt und ihm bald der weitere Kontakt mit ihr verwehrt wird, deckt er endgültig Bartoks wahre Intentionen auf und eine wohlbekannte Verwandlung beginnt sich seiner zu bemächtigen.

Nach dem mittlerweile zum ungezählten Male wiederholten Hochgenuss von David Cronenbergs „The Fly“-Remake überkam mich die spontane Lust, mir nach bestimmt 25 Jahren einmal wieder Chris Walas‘ Sequel, die erste von zwei Regiearbeiten des brillanten S-F/X-Wiz, anzuschauen.
Zunächst lässt sich wohl festhalten, dass die Fortsetzung von der bloßen inhaltlichen Weiterspinnung in keiner Art und Weise an dem Vorbild und seiner hinlänglich bekannten, metaphilosophischen Meditationsebene messen lässt. Walas schwenkt vielmehr gleich zu Beginn radikal hinüber in Richtung hausbackenes Achtziger-Genrekino, das, von einigen Schrecksekunden zu Beginn abgesehen, im ersten Drittel wie ein zeitgemäßer SciFi-Film für ein eher junges Publikum wirkt und in di8esem Zusammenhang vornehmlich an Selbstfindungsgeschichten wie Simon Wincers „D.A.R.Y.L.“ erinnert. Dann folgt die bittere Zäsur, jener grausige Moment mit dem infolge eines missglückten Teleortationsversuchs furchtbar entstellten Laborhund, den Martin erst zwei Jahre später noch immer lebend vorfindet und von seinen Qualen erlösen muss. Diese eine Szenenklammer hatte schon damals und hat noch immer eine höchst transgressive, kaum erträgliche Wirkung auf mich und steht (befremdlicherweise) in keinem emotionalen Verhältnis zum Rest des Films. Vielleicht ist es gerade deshalb gut, dass es sie gibt – ich bin mir da nach wie vor nicht ganz schlüssig.
Gegen Ende jedenfalls dann, als Martins seit eh und je prognostizierte Mutation einsetzt und ihn nurmehr der Gedanke an Rache umtreibt, lässt Walas alle zuvor greifende Zurückhaltung fallen und holzt make-up-mäßig drauf los als gäbe es kein Morgen. Anders als ehedem bei Vater Seth, den mit dem Fliegengenom auch der animalische Wahnsinn befällt, ist Martins Agenda jedoch eine bestens nachvollziehbare und verständliche, wie auch sein trotz des monströsen Äußeren sehr gerissenes Kalkül beweist, das ihm selbst ein humanes Happy End und Hundsfott Bartok ein übles Schicksal als schleimiges Etwas (wie einst dem von ihm am Leben gehaltenen Hund) verheißt. Zuvor darf Brundlefliege junior jedoch noch einige von Bartoks Mitarbeitern aufs Übelste verunstalten, was Walas dann zu seinem wahren Leisten verhilft, obgleich auch die detailliert vorgeführten Splattersequenzen den Wirkungsgrad von jenen des „Originals“ völlig verfehlen.

6/10

MANDY

„I’m your God now.“

Mandy ~ USA/UK/B 2018
Directed By: Panos Cosmatos

1983, irgendwo abgeschlagen in einem parallelen Amerika. Eine Gruppe satanistischer LSD-Hippies unter dem Vorsitz des größenwahnsinnigen Jeremiah Sand (Linus Roache) entführt mithilfe einer Gruppe durch Drogenexperimente derangierter Motorradfreaks den Waldarbeiter Red Miller (Nicolas Cage) und seine Freundin Mandy (Andrea Riseborough). Letztere soll sich Sand sexuell gefügig machen, was jedoch völlig in die Hose geht. Aus verletzter Eitelkeit heraus lässt Sand Mandy bei lebendigem Leibe verbrennen und den vermeintlich tödlich verletzten Red dabei zusehen. Dieser kann sich jedoch befreien und begibt sich auf einen blutigen Rachefeldzug gegen die esoterische Brut.

In den letzten Monaten führte in den Reihen der Online-Cinephilie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Wahrnehmungsweg an „Mandy“ vorbei. Die zweite Regiearbeit von Panos Cosmatos, Sohn des 2005 verblichenen Filmemachers George Pan Cosmatos, wird von etlichen Filmfreunden allenthalben gralsartig vergöttert und verklärt. Dies sei Nicolas Cages großes Comeback nach einem langsam aber sicher besorgniserregenden Loch der DTV-Unebenheiten heißt es da, oder dass „Mandy“s wabernde Audiovisualität, die sich mit Nachdruck vor allem in seiner blutrotgefilterten Photographie und dem typisch dröhnenden Score des just verstorbenen, isländischen Komponisten Jóhann Jóhannsson expediert, bahnbrechend frisch und unverbraucht wirke.
Am Ende, das ist ja meistens so, kann die finale Begegnung der zuvor befeuerten, unbändigen Euphorie natürlich nicht das Wasser reichen. Das Meisterwerk, das manche in ihm sehen, dürfte „Mandy“ keineswegs sein, vielmehr eine in ihren tieferen Seelenebenen überaus schlichte Grindhouse-, Exploitation- und Zeithommage, ein (sehr vorsätzliches) trip movie, das Acidrausch und Wahnwitz kalkuliert verbindet und mich vornehmlich an Jason Eiseners ganz ähnlich getrimmten und gestimmten „Hobo With A Shotgun“ erinnerte. Cosmatos verquirlt alles Mögliche, was ihm in an Verquerem und Verrücktheiten in den Sinn kommt aus Comic, Musik, Film, Literatur und lässt seinen wild irrlichternden Metzger-Orpheus Nicolas Cage ins LSD-getränkte Schneekugel-Inferno abtauchen, ohne dass dieser je die Chance zu erlösender Glückseligkeit in Aussicht gestellt bekäme. Das ist natürlich alles von vergnüglicher Abseitigkeit, oftmals von grotesker Komik und entfaltet seine vermutlich größtmögliche Wirkung vor allem beim selbst intoxinierten Rezipienten. Dieser findet dann auch erstmal recht erschlagen von dem Frontalangriff auf Sinne und Impression, vermag die Quelle der Überwältigung tags darauf jedoch unter Umständen wie jede Art von Droge als dem Glück des Moments geschuldet einordnen.
„Mandy“ ist ein guter, ambitionierter, kleiner Schweinehund von einem Film, einer jedoch, dessen Bärbeißigkeit man nicht etwa den Fehler begehen sollte, als uneingeschränkt meisterlich einzuordnen. Einer solchen Qualitätsmaßgabe wird er auf lange Sicht nämlich nicht standhalten.

7/10