THE CRUCIFIXION

„Remember: You’re weak because you have no faith!“

The Cucifixion ~ USA/UK/RO 2017
Directed By Xavier Gens

Die Jungjournalistin Nicole Rawlins (Sophie Cookson), die einst ihre Mutter durch eine schwere Krankheit verloren und daran bis heute zu knabbern hat, überredet ihren Onkel und Chefredakteur (Jeff Rawle), sie für eine spektakuläre Story nach Rumänien zu schicken. Dort soll der Provinzgeistliche Dimitru (Catalin Babliuc) einen Exorzismus an der Nonne Adelina (Ada Lupu) durchgeführt haben, woraufhin diese verstarb. Dimitru ist nun des Mordes angeklagt, bleibt jedoch felsenfest bei seiner Version der Geschichte, derzufolge der Dämon Schwester Adelina auf dem Gewissen hat. Nach einigen höchst seltsamen Vorgängen muss die Erzatheistin Nicole schon bald ihre Ansichten zur Spiritualität überdenken und findet in dem jungen Vater Anton (Cornelio Ulici) einen treuen Freund für ihre folgende Mission…

Dafür, dass Xavier Gens ein solch spärlicher Regiearbeiter ist, lässt seine Zielsicherheit im Hinblick auf die Auswahl der zu bearbeitenden Stoffe doch geflissentlich zu wünschen übrig. Mit Ausnahme seiner denkwürdige Hillbilly-Blutoper „Frontière(s)“ blieb und bleibt da vergleichsweise wenig im Filmgedächtnis haften; ein Schicksal, das auch dem zumindest inhaltlich furchtbar unoriginellen „The Crucifixion“ bald ereilen wird. Die Story heftet sich, natürlich unter Berufung auf einen authentischen Fall, der sich 2005 im ruralen Rumänien ereignet hat und bei dem ein Priester und vier Nonnen, die eine junge Schwester trotz fachärztlicher Schizophrenie-Diagnose einer Teufelaustreibung unterzogen hatten, wegen Mordes angeklagt und verurteilt wurden. Eine spätere Untersuchung ergab, dass das Opfer nicht infolge der indizierten, körperlichen Misshandlungen durch die Geistlichen, sondern durch eine Überdosis Adrenalin im sie abtransportierenden Krankenwagen verstorben war. Erst durch die nachträgliche Beschäftigung mit dem Thema habe ich erfahen, dass sich der rumänische Filmemacher Cristian Mungiu bereits vor einigen Jahren jener Ereignisse in Spielfilmform angenommen hat – schätzungsweise um Einiges seriöser und sehenswerter, was ich in Bälde überprüfen werde.
Dass das relativ eingeschränkte Exorzismus-Subgenre im Horrorfach noch immer um neue Beiträge ergänzt wird, sollte eigentlich bereits als immanente Warnung hinreichen; in diesem Falle lockte mich jedoch der Name des Regisseurs in zugegeben etwas blauäugiger Erwartung etwas besserer Lieferung. Immerhin lässt sich Gens zugeben, dass seine sehr traditionspflegende Inszenierung noch das mit einigem Abstand Beste an „The Crucifixion“ ist. Bildfluss und Montage bleiben fließend und dabei angemessen zurückhaltend, auf wilde Found-footage-Orgien verzichtet Gens dankenswerterweise komplett, wenn ihn auch drei, vier jump scares haben schwach werden lassen. Aber okay. Ich musste bei den Besuchen der Heldin in der rumänischen Provinz zudem häufig an den zauberhaften „Howling II“ denken, in dem bereits die sich doch stark hintergebirgig ausnehmende Landbevölkerung mit ihren überalterten Folkloreritualen wesentlich furchteinflößender ausnimmt als der übernatürliche content des Ganzen. So gibt es auch in „The Crucifixion“ ein volkstümliches Maskenfest, das in seiner diffusen Unheimeligkeit um Einiges gruseliger daherkommt als das effektlastige Finale mit seiner ziemlich stupiden Befürwortung christlicher Treue und Glaubensstärke. Überhaupt mag ich es nicht leiden, wenn fiktive Stoffe versuchen, ihre Protagonisten und somit gewissermaßen auch ihre Rezipientenschaft zielgerichtet zu oktroyieren. Dass „The Crucifixion“ jedoch just in diese Kerbe schlägt, kostet ihn – bedauerlicherweise – eine Masse Sympathiepunkte.

5/10

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DEMONS OF THE MIND

„I have been led here, I have work to do. But what?“

Demons Of The Mind (Dämonen der Seele) ~ UK 1972
Directed By: Peter Sykes

Tiefste, deutschsprachige Provinz, irgendwann im frühen 18. Jahrhundert: Baron Zorn (Robert Hardy) fürchtet um die geistige Gesundheit seiner beiden Kinder Emil (Shane Briant) und Elisabeth (Gillian Hills), die er als Erbträger der schweren, psychischen Erkrankung seiner Frau (Sidonie Bond) wähnt, die sich einst, unter Bezeugung der Kinder, das Leben nahm. Eine Mordserie rüttelt bereits die Gegend wach; die angrenzend lebenden Dorfbewohner sprechen hinter vorgehaltener Hand bereits von Dämonen, die ihr Unwesen treiben sollen. Als alle Aderlässe und Hausarreste keine Besserung versprechen, ruft der Baron die Therapeuten Falkenberg (Patrick Magee) und Richter (Paul Jones) herbei. Können sie den Geschwistern helfen?

Das Jahr 1970 bildete gewissermaßen ein Schallmauer betreffs des Ausstoßes der englischen Produktionsfirma Hammer. Die bunten, stark kontrastierten Bilder der um allerlei Monster und Vampire kreisenden Werke der fünfziger und sechziger Jahre, wichen ebenso wie die schwarzweißen Scope-Kadragen um in den Wahnsinn getriebene Verschwörungsopfer jener typisch blassen, ausgeblichenen wirkenden Fotografie, die man gemeinhin mit dem britischen Filmschaffen der folgenden Dekade assoziiert. Reeves‘ bitterböser „The Witchfinder General“ hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Mit dem formalen Wandel folgte auch eine mentale Umorientierung, für die „Demons Of The Mind“ ein rechtes Paradeexempel abgibt: Inhalt und Narration ordnen sich einer oftmals delirierenden, fiebrigen Atmosphäre unter, in der dekadente Blaublütige dem ihren Stande inhärenten Irrsinn anheim fallen, irrational agieren und zu Mördern werden.
Die Geschichte des Geschlechts derer von Zorn ist zugleich die Geschichte des Zerfallens der Aristokratie und ihrer Privilegien – Inzestuöse Gelüste und Blutrunst greifen um sich, derweil das einfache Volk sich zur Revolte aufschwingt, um dem seit Generationen zunehmend kritisch beäugten Treiben der Feudalherrscher ein gewaltsames Ende zu bereiten. Die Psychoanalyse beginnt zwar, unter nicht minder hilflosem Zweifel erste Hilfestellungen feilzubieten; diese müssen sich ihre Akzeptanz jedoch erst noch erobern.
„Demons Of The Mind“ mit der Erwartung eines logisch konzipierten, kausalen Ablaufs zu begegnen, erweist sich als wenig erfüllender Ansatz. Man findet sich rasch verloren in den Wirrungen der von Sykes recht expressiv Dargebotenen. Vielmehr bebildert der Regisseur die verdrehten Hirnwindungen seiner geistig angegriffenen Protagonisten, spielt mit allerlei Symbolen und ungewöhnlichen Einstellungen und lässt inmitten dieser Hardy und Magee in wie üblich der Verzweiflung naher Hilflosigkeit in ihr Verderben rennen.

7/10

CHILDREN OF THE CORN III: URBAN HARVEST

„Let the harvest begin!“

Children Of The Corn III: Urban Harvest (Kinder des Zorns III – Das Chicago-Massaker) ~ USA 1995
Directed By: James D.R. Hickox

Zwei der überlebenden Gatlin-Kinder, Eli (Daniel Cerny) und sein älterer Stiefbruder Joshua (Ron Melendez), werden Hals über Kopf von dem kinderlosen Ehepaar Porter aus Chicago adoptiert. Während der weltoffene Joshua sich rasch an die juvenilen Gepflogenheiten der Großstadt anpasst und Freunde findet, pflegt Eli weiterhin die alten „Gewohnheiten“, zu denen auch der umgehend erfolgende Anbau einer Maiskultur auf einem leerstehenden, an den Familiengarten angrenzenden Fabrikgelände gehört. Während Amanda Porter (Nancy Lee Grahn) rasch Angst vor Elis auffälligem Verhalten bekommt, ist ihr Gatte William (Jim Metzler) höchst begeistert von dem widerstandsfähigen Getreide, das hinter seinem Haus wächst und stielt bereits einen Deal ein, selbiges in alle Welt zu verschiffen. Derweil schart Eli eine neue Kultgemeinde um sich und huldigt mit dieser dem bereits lauernden Maisdämon „Der, der hinter den Reihen wandelt“.

Ein ordentlicher Schwung aufwärts gelang Anthony-Bruder und Douglas-Sohn James D.R. Hickox hinsichtlich des „Corn“-Serials nach David Prices eher unmotiviertem, müden Erstsequel mit dieser zweiten, um einiges spektakuläreren Fortsetzung. Die Grundidee, den Maiskult aus der ruralen Umgebung des Mittleren Westens in die Großstadt zu hieven, erweist sich als sinnstiftend und treffend und findet sich durch den Einfall, den Mais auf einer Industriebrache anzupflanzen, wiederum hübsch angereichert. Mit dem von dem dreizehnjährigen  Jungdarsteller Daniel Cerny angemessen diabolisch gespielten Eli gibt es einen würdigen Nachfolger zum seligen Isaac, dessen bösartiger Habitus hervorragend mit seinem netten Erscheinungsbild kontrastiert. Besonders der schwelende Konflikt zwischen Eli und dem Schulpfaffen Nolan (Michael Ensign), der ihn bald durchschaut und dessen Kirche Eli später übernimmt, weiß zu gefallen, bis es im Finale dann ordentlich kracht: Endlich bekommt man „Den, der hinter den Reihen wandelt“ zu Gesicht – ein gewiss nicht durchweg ganz reibungslos animiertes, aber vielleicht gerade deswegen besonders illustres, unförmiges Monster, das sich rigoros durch die Belegschaft seiner verblendeten Anhänger pflügt. Eine konkreter bebilderte Warnung vor kritiklosem Sektierertum wird man im Genrefilm schwerlich finden.

5/10

CHILDREN OF THE CORN II: THE FINAL SACRIFICE

„For everything, there is a season.“

Children Of The Corn II: The Final Sacrifice (Tödliche Ernte – Kinder des Zorns II) ~ USA 1992
Directed By: David Price

Die überlebenden Kinder aus Gatlin, Nebraska, Schauplatz eines im sektiererischen Wahn verübten Massenmords, werden von den Bewohnern des Nachbarorts Hemingford in Obhut genommen. Dem stehen ein paar Einwohner wie die alte Mrs. Burke (Marty Terry) überaus skeptisch gegenüber – machen sie doch eben die Gatlin-Kinder für die blutigen Geschehnisse verantwortlich. Der zufällig durchreisende Klatschreporter Garrett (Terence Knox) und sein ihn begleitender Sohn Danny (Paul Scherrer) werden mitten in die Ereignisse gezogen, die nicht nur die sinistren Halbwüchsigen, sondern auch einen Skandal um den Verkauf fauler Maiskolben beinhalten. Zudem ist „Der, der hinter den Reihen wandelt“ nicht weit…

Ganze acht Jahre nach der immerhin noch etwas stimmungsvoll gefertigten Adaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King machte sich das just gegründete, auf phantastische Stoffe abonnierte Weinstein-Studio Dimension daran, ein Franchise rund um die parareligiös verbrämten Satansblagen vom Stapel zu lassen. „Children Of The Corn II“ war zugleich auch der letzte Film der mittlerweile sieben Sequels und ein TV-Remake umfassenden Serie, dem ein Kinostart vergönnt wurde. Dabei fällt jene erste Fortsetzung gleich ziemlich albern aus: Um den sich als nicht sonderlich spannungsträchtig erweisenden Hauptplot um den infantilen Maiskult ein weiteres inhaltliches Mosaiksteinchen zuzusetzen, schrieben die Autoren ihm eine Geschichte um verschwörerische, kriminelle Landwirte nebenher, hinter denen sich die Stadtoberen von Hemingford verbergen. Die zu einem Quintett anwachsenden Helden bekommen es daher gleich mit zwei Übelswurzeln zu tun, was dennoch keinerlei Anlass zu visuellen Sensationen bietet. Abgesehen von ein paar wenigen netten Ideen und S-F/X bleibt alles so flach und dörr wie der Mittelwesten im Hochsommer. Die geflissentlich bedrohliche Atmosphäre des Originals weicht einem ordinären Slasherkonzept, das sich primär um den bösen Micah (Ryan Bollman) und seine ihm hörigen Jünger schart, wie sie sich ihrer unbequemen erwachsenen Gegner und Mitwisser entledigen. Ein altkluger Indianer (Ned Romero), der natürlich die übersinnliche Essenz hinter den Ereignissen durchblickt, darf dabei ebensowenig fehlen wie love interests für Vater und Sohn nebst den Zug sträflich ausbremsenden Romantikszenen.
Wer gern wissen möchte, warum die Neunziger im Genresektor vielerorts als „most boring deacde“ erachtet werden, der findet hier ein durchaus passendes Indiz. Kein Werk zum Blumentöpfe gewinnen.

3/10

CHOPPING MALL

„Thank you. Have a nice day.“

Chopping Mall (Shopping) ~ USA 1986
Directed By: Jim Wynorski

Voller Stolz präsentiert das Einkaufszentrum „Park Plaza Mall“ seine drei hochmodernen „Protektoren“- rollende Roboter, die nach Ladenschluss die Aufgabe haben, Diebesgesindel und andere Eindringline zu stellen und bis zur Ankunft der Polizei in Gewahrsam zu nehmen. Doch auch diese zukunftsweisende Technik ist keinesfalls ohne Tücken – ein Blitzeinschlag lässt die drei Maschinen zu gnadenlosen Killern werden, die ihr umfangreiches Waffenarsenal dazu verwenden, alles umzunieten, was sich in dem hermetisch verschlossenen, nächtlichen Gebäudekomplex bewegt. Dumm nur, dass ausgerechnet itzo vier junge Pärchen beschließen, insgeheim eine feuchtfröhliche Party in der Mall zu feiern. Bald gibt es die ersten Toten…

Die patenschaftliche Ägide über Jim Wynorskis zweiten, wiederum tollen Film übernahm Corman-Gattin Julie, was sich wiederum durch etliche Referenzen und Verweise äußert, die der Regisseur in seinen Settings unterbringt – seien es gut sichtbar ins Bild gesetzte Filmplakate jüngerer Corman-Produktionen (auch „The Lost Empire“ darf freilich nicht fehlen) oder witzige Cameos der Corman-Usuals Paul Bartel, Mary Woronov und Dick Miller. Nach einer humorigen Einführung der mehr oder minder sympathischen Party-Kids geht Wynorski dann auch ziemlich fix in medias res – die drei possierlichen Killbots, die wohl nicht von ungefähr ein klein wenig an Number 5 aus John Badhams  „Scort Circuit“ erinnern, garniert allerdings mit der zielstrebigen Attitüde des T-800, ballern ihre bunten Laserstrahlen schlecht gezielt und quer durch das Einkaufszentrum, wobei auch schonmal ein ganzer Kopf platzend verlustig geht. Immerhin ist Wynorski so gütig, die Pärchen jeweils kurz nacheinander das Zeitliche segnen zu lassen – so ist die Trauerphase jeweils nicht so lang. Dem altbekannten, ironisch gefassten Slasher-Prinzip gemäß bleiben am Ende natürlich die beiden unschuldigsten Teenager am Leben – jene nämlich, die sich an diesem Abend erst kennengelernt und braverweise als Einzige aus der Gruppe keinen koitalen Kontakt gepflegt haben. Everybody’s darling Barbara Crampton ist auch dabei, leider nicht als final girl, was ihr im Vergleich zu der zwar wackeren, aber etwas blassen Kelli Maroney durchaus zugestanden hätte.
Die anarchische Buntheit und die liebevollen production values des Vorgängers gehen „Chopping Mall“ zwar etwas ab, das macht er jedoch durch seine grellen Einfälle und die besonders Hermetik des Schauplatzes wieder wett. Still Wynorski at his very best.
Und dann kam „Deathstalker II“

7/10

DEEPSTAR SIX

„It’s not just a job, it’s an adventure!“

DeepStar Six ~ USA 1989
Directed By: Sean S. Cunningham

Die elfköpfige Besatzung der submaritimen Navy-Station „DeepStar“, die unterseeische Plätze für Raketenabschussrampen finden und aufbereiten soll, gerät in die Bredouille, als sie in eine Höhle vorstößt, in der ein prähistorisches Monster lauert. Die ebenso hungrige wie wendige Kreatur kann entkommen, demoliert sukzessive die Maschinen und lebenserhaltenden Systeme und arbeitet sich langsam zur Hauptbasis der ihm ausgelieferten Männer und Frauen vor…

„DeepStar Six“ bildete gewissermaßen den weitesten Vorstoß des ehemaligen „Friday The 13th“-Regisseurs Sean S. Cunningham in massenkompatiblere Gefilde, bevor er sich weitgehend aufs Produzieren verlagerte. Wenngleich der von der damals just im Reüssieren begriffenen Firma „Carolco“ der beiden Immigranten Mario Kassar und Andrew Vajna hergestellte Film am Ende noch immer lupenreines Genrekino abgibt, konnte Cunningham weder zuvor noch danach je über ein vergleichbar hohes Budget verfügen. Entsprechend professionell gestaltet sich die Form von „DeepStar Six“, der sich immerhin des historischen Renommees erfreut, das erste Lichtspiel in einer ihm nachfolgenden, kleinen Welle phantastischer Unterwasser-Geschichten darzustellen. Ein recht amtliches Ensemble und Mac Ahlberg als dp sicherten unter anderem die professionelle Präsentation des Ganzen und sogar Harry Manfredini, dem hier ausnahmsweise anstelle eines einzelnen Synthesizers ein ganzes Orchester zur Verfügung stand, klingt plötzlich wie ein „richtiger“ Hollywood-Komponist. Die große Schwäche liegt derweil beim Look des – glücklicherweise recht selten auftretenden – Monsters, das als Zentralobjekt und Motor des gesamten Films immerhin einen sehr prominenten Status innehat. Das Vieh (ein „Anthropode“, wie Marius Weyers einmal höchst wissenschaftlich-kompetent in den Raum wirft) wirkt keineswegs so behende und bedrohlich, wie der Plot es dem Publikum weiszumachen trachtet, und tatsächlich sterben die meisten der Opfer gar nicht durch direkte Interaktion mit der Kreatur, sondern durch Unfälle und andere Missgeschicke.
Dennoch gefällt mir „DeepStar Six“ nicht zuletzt als Relikt seiner Zeit noch immer recht gut – er ist auf seine etwas naive Weise durchaus spannend, straight und wirkt zudem stets aufrichtig sowie beseelt von der Lust, seinem Publikum etwas Handfestes zu liefern. Das ist schon weitaus mehr, als man von vielem anderen (auch zeitgenössischem) Zelluloidausstoß behaupten kann.

7/10

NIGHT SCREAMS

„I no longer feel that social interaction will be harmful…“

Night Screams (Nacht des Grauens) ~ USA 1987
Directed By: Allen Plone

Während das eigentlich schwer unzufriedene Football-Nachwuchs-Talent David (Joseph Paul Manno) mit seinen Freunden im feudalen Haus der Eltern eine dufte Fete steigen lässt, kommt es zu mancherlei Unpässlichkeiten: Nicht nur, dass zwei psychotische Knastausbrecher und Killer sich den häuslichen Keller als Versteck ausgesucht haben, treibt auch noch ein weiterer irrer Serienmörder sein Unwesen und knöpft sich einen Partygast nach dem anderen vor. Ist es gar David selbst, der hier durchdreht? Immerhin hat seine Mom (Beth Lewis) vergessen, ihm rechtzeitig seine Tabletten zuzustecken…

Allen Plone, in Anbetracht seiner sonstigen kreativen Errungenschaften offenbar großer Fan der Disco-Götter Earth, Wind & Fire, brachte es nach „Night Screams“ noch auf zwei weitere Spielfilme als Regisseur, bevor er sich entschloss, das entsprechende Feld dann doch lieber inspirierteren Schaffensgenossen zu überlassen.
Bei „Night Screams“ handelt es sich um einen topologisch zunächst unauffälligen Slasher, dessen einzig spezifisches Handlungsmoment darin besteht, der Geschichte ein Duo brutaler Knackis hinzuzusetzen, deren ursprüngliche Einführung und späteren Einsatz der Film dann aber wieder weitestgehend vergisst. Vielmehr gefällt sich Plone darin, sein Werk durch eine möglichst wirre Inszenierung stark unübersichtlich zu gestalten. Möglicherweise wollte er auf diese Weise auch bloß die eigene Lustlosigkeit verschleiern, denn ‚lustlos‘ ist wohl das „Night Screams“ am gerechtesten werdende Prädikat. Der Film ist vor allem hässlich, fahl und schwunglos; nahezu jede/r der sicht- und unsichtbar Beteiligten hinterlässt den Eindruck, als glaube sie / er erst gar nicht an das Projekt oder dessen möglichen Erfolg. Selbst die Musik einer sich flott wähnenden Clubband (n.n.) dröhnt blass und austauschbar. Die konservische Verwendung einzelner Szenen aus „Graduation Day“ und aus einem älteren John-Holmes-Porno, die jeweils von filminternen Videoguckern goutiert werden, besitzt wohl ausschließlich eine – geflissentlich formuliert ominöse – Dehnungsfunktion. Das wiederum hoffnungslos undurchsichtig „aufgelöste“ Ende macht den ganzen Driss erwartungsgemäß nicht besser. Selbst die meisten kills kommen öde um die Ecke.
Eine Veranstaltung, die man getrost aussparen kann.

3/10