ENTEBBE

„I’m not a Nazi!“

Entebbe (7 Tage in Entebbe) ~ UK/USA 2018
Directed By: José Padilha

Am 27. Juni 1976 entführen zwei Mitglieder (Amir Khoury, Ala Dakka) der Palästinensischen Befreiungsorganisation PFLP mit Unterstützung der beiden deutschen Linksterroristen Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) eine Air-France-Linienmaschine, die, aus Tel Aviv kommend, nach einem Zwischenstopp in Athen in Paris landen soll. Die Hijacker leiten den Flug zunächst nach Bengasi und dann nach Uganda um, wo der berüchtigte Diktator Idi Amin (Nonso Anonzie) ihnen begrenztes Aufenthaltsrecht und Kooperation garantiert. Die Terroristen verlangen die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen von der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Rabin (Lior Ashkenazi). Als dieser von der Entführung erfährt, sieht er sich in einen verzweifelten Zwiespalt zwischen dem Staatsprinzip der Unerpressbarkeit und der Rettung der Geiseln gesetzt. Am Flughafen Entebbe beginnen derweil die Kidnapper, die israelischen von den nichtjüdischen Geiseln zu separieren und bedrohen diese mit dem Tode im Falle ausbleibender Regierungskooperation. Verteidigungsminister Peres (Eddie Marsan) setzt schließlich durch, das ein kurzerhand eingesetztes Kommando-Unternehmen die Gefangenen befreit.

Die Entführung des Airbus im Sommer 1976 und die anschließende Befreiung der Geiseln durch das israelische Militär wurde bereits mehrfach filmisch abgehandelt, zunächst praktisch in unmittelbarer Folge in Form der zwei konkurrierenden und jeweils starbesetzten TV-Produktionen „Raid On Entebbe“ und „Victory At Entebbe“, dann kurz darauf nochmal von Menahem Golan, der 1977 in „Mivtsa Yonatan“/“Operation Thunderbolt“ ein dezidiert tendenziöses Bild der Ereignisse darlegte. Auch spätere Filme, die um Idi Amin oder die RAF kreisten, griffen das Thema immer mal wieder auf. Insofern stellt sich durchaus die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit und der Berechtigung eines neuerlichen Aufrisses des Falls. José Padilha, dem man zunächst bescheinigen darf, einen handwerklich soliden Job vollbracht zu haben, konzentriert sein Narrativ auf die Perspektive beiden deutschen Mitentführer Böse und Kuhlmann, wobei insbesondere Letzterer in den bisherigen filmischen Annäherungsversuchen kaum bis gar kein Auftreten zugeteilt war. Brühl, der den Wilfried Böse spielt, steht derweil in hochkarätiger Tradition: Horst Buchholz, Helmut Berger und Klaus Kinski sind einige seiner Vorgänger. Ähnliches gilt für den Charakter des Idi Amin – der gefürchtete, narzisstische Despot, der sich einst höchstselbst dokumentarisch von Barbet Schroeder inszenieren ließ, bietet in all der albernen Lächerlichkeit, die sämtlichen grausamen Diktatoren neben ihrem menschenverachtenden Habitus immer a priori auch zu eigen war und ist, immer wieder eine dankbare Vorlage. In „Entebbe“ wird diese Aufgabe dem beeindruckend zuagierenden Nonso Anonzie übertragen, der im Zuge seiner wenigen Auftritte ein treffendes Bild zwischen Aufgesetztheit und Bedrohlichkeit liefert. Hervorhebenswert noch der Darsteller des Piloten, Denis Ménochet, der wie eine Mischung aus Lino Ventura und Jim Mitchum aussieht und der beinahe wie dafür geschaffen scheint, das Flair der damaligen Zeit zu präservieren.
Die immer wieder von Chronologiebrüchen und durch Rückblenden aufgespaltene Erzählung pendelt ansonsten zwischen sorgfältig und pflichtbewusst, gibt sich entsprechend detailversessen und bleibt, auch das zwangsläufig der Authentizitätspflicht geschuldet, weithin überraschungsarm. Welche Funktion allerdings Padilhas Parallelisierung der Begebenheiten in Entebbe mit Ausdruckstanzszenen erfüllen soll, in denen die Freundin (Zina Zinchenko) eines der an der Befreiungsaktion beteiligten Soldaten (Ben Schnetzer) sich um Kopf und Kragen choreographieren lässt (der Abspann greift dies nochmals auf), erschien mir zunächst mysteriös und, nach der Betrachtung, hoffnungslos prätentiös. Sah gewiss chic aus, wirkte jedoch schlussendlich leider bestenfalls sonderbar bis vollkommen redundant.

7/10

HANNA K.

„Could all three of you get out here, please?“

Hanna K. ~ F/ISR 1983
Directed By: Constantin Costa-Gavras

Als remigrierte, US-stämmige Jüdin hat die mäßig erfolgreiche Anwältin Hanna Kaufman (Jill Clayburgh) sich ihre romantische Perspektive auf den Staat Israel und seine Hauptstadt Jerusalem bislang bewahren können. Hanna hat mit Victor Bonnet (Jean Yanne) einen nichtjüdischen, intellektuellen und liberalen Ehemann in Paris und pflegt vor Ort eine Affäre mit dem Staatsanwalt Joshua Herzog (Gabriel Byrne), von dem sie ein Baby erwartet. Mit dem Tage, an dem sie den Palästinenser Selim Bakri (Mohammad Bakri) vor Gericht wegen des Verdachts auf Terrorismus pflichtverteidigt, ändert sich ihr vormals einfaches Leben. Bakri wird zunächst nach Jordanien abgeschoben, taucht jedoch einige Wochen später erneut in Israel auf. Ein Hinweis seinerseits an Hanna, das Dorf Kufr Rumaneh ausfindig zu machen, führt sie in die Provinz nach Kfar Rimon, einem teils von Neusiedlern bevölkerten Ort, der auf den Ruinen eines alten palästinensischen Dorfe erbaut wurde, von dem nurmehr Restspuren vorhanden sind. Hanna findet heraus, dass hier Bakris familiäre Wurzeln liegen und er nunmehr staatenlos ist. Bakri, der diesmal inhaftiert wird, tritt in Hungerstreik und wird daraufhin in Hannas Obhut übergeben. Jetzt steht sie zwischen drei Männern mit jeweils völlig unterschiedlichen Perspektiven.

In den Achtzigern zeigte Costa-Gavras sich zumindest in formaler Hinsicht als es wesentlich ruhiger angehen lassender, wenngleich nach wie vor strikt politischer Filmemacher, der sich mit „Hanna K.“ des heiße Eisens des Nahost-Konflikts annahm. Auch hier schwamm er gegen den allgemeinen Strom und wagte es als erster Spielfilm-Regisseur, die palästinensische und somit anti-israelische und gleichermaßen anti-amerikanische Sichtweise zu repräsentieren. Erwartungsgemäß formulierte er das Thema nicht zum plumpen Propagandapamphlet für schicke Hochrufe skandierende Palituch-Träger, sondern bemühte sich um ein differenziertes Bild, für dass er das Zentrum einer nicht nur politisch, sondern zugleich emotional zerrissenen Frau wählte. Aus der Dreiecksgeschichte wird so zusehends eine Vierecksgeschichte, die am Ende keinen befriedigenden Abschluss gewährleistet und Hanna allein und im Angesicht schwer bewaffneter Soldaten zurücklässt. Wen sollte sie wählen? Ihren deutlich älteren, eher väterlich-freundschaftlichen Ehemann mit der bequemen Sicht des westlichen Bildungsbürgers? Den leidenschaftlichen Zionisten und Vater ihres Sohnes oder doch den unter seiner ruhigen Oberfläche wütend brodelnden Entrechteten? Ebenso wie Hanna verzichtet am Ende auch Costa-Gavras auf ein eindeutiges Statement, wobei er wenig Zweifel daran lässt, dass die Zwei-Staaten-Lösung ihm am Wohlsten behagte. Der Regisseur lässt sich durch die Figur von Jean Yanne repräsentieren, des außenstehenden Linken, der am Ende zwar eine Meinung präferieren, sich jedoch stets auf das sichere Pflaster seiner Herkunft stützen kann. Diese Regisseur und Film inhärente Klugheit macht „Hanna K.“ noch immer zu einem der ausgeglichensten Meditationen zum Topos.

8/10

THE PRODIGAL

„Sometimes, Asham, a man must make a little trouble.“

The Prodigal (Tempel der Versuchung) ~ USA 1955
Directed By: Richard Thorpe

Palästina, 70 Jahre vor Christi Geburt. Der stolze Hebräer Micah (Edmund Purdom) rettet dem fliehenden, stummen Sklaven Asham (James Mitchell) das Leben. Dessen früherer Herr Nahreeb (Louis Calhern), Religionsstifter in Damaskus, will diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen und macht Micah mit der Hohepriesterin Samarra (Lana Turner) bekannt. Micah verfällt der schönen Heidin vom Fleck weg, lässt sich vom protestierenden Vater (Walter Hampden) die Hälfte seines Erbteils auszahlen und reist gemeinsam mit Asham Samarra nach Damaskus hinterher. Dort wird er bald zum Spielball von Nahreebs intriganten Spielchen, endet schließlich als Sklave im Kerker und führt seine Leidensgenossen zu einer Revolte, die Nahreeb, Samarra und auch deren falsche Götzen Astarte und Baal entmachtet.

Klump im Quadrat, aber natürlich sehr sehenswerter! Wer sich für großkotziges Sandalen- und insbesondere Bibelkino made in Tinseltown begeistern kann, für den führt kein Weg an „The Prodigal“ vorbei. Das neutestamentarische „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ wurde hier von der MGM, ganz zeitgemäß, verwurstet, um dem hoffnungslos Ausgelieferten gleich mehrere der zehn Gebote, dringlichst formuliert in stolzem CinemaScope, zurück ins Gedächtnis zu rufen. Dazu bedurfte es natürlich einiger perfider Mittel. Für Edmund Purdom, dem es par tout nicht gelingen wollte, zum Star monumentaler Hollywood-Epen aufzusteigen und der in späteren Karrieretagen in allerlei kreuzberüchtigter Italo-Ware zu sehen sein sollte, bildete die Hauptrolle in Thorpes reißerischem Schmarren nur einen weiteren Pflasterstein über den Atlantik. Lana Tuner zeigt vor allem viel Bein, mag sich ansonsten aber nicht recht entscheiden, ob sie nun die verruchte Ränkeschmiedin oder doch eher die dümmliche Märtyrerin zum Besten gibt. Sehr viel vergnüglicher nehmen sich da die Auftritte der älteren Herrschaften aus, darunter Calhern, Francis L. Sullivan, Cecil Kellaway und Henry Daniell, die „The Prodigal“ dann doch noch das rechte Maß ironischer Distanz verabreichten, um ihn respektabel zu machen. Persönliche Höhepunkte bilden ansonsten eine spektakuläre Statue des Fruchtbarkeitsgottes Baal, die ihn aussehen lässt wie einen dämonischen Höllenbuddha, ein flammendes Loch im Tempelboden, aus dem jedesmal, wenn einer hereinplumpst, die fröhlich die Lohe schießt sowie ein Duell Purdoms mit einem künstlichen Geier, der denkt, er müsse ihn umgehend fressen, nur weil er in einer Grube mit Skeletten landet. Das spartakische Finale schließlich wirkt so aufgesetzt wie dümmlich, aber das tut diesem bunten Film dann doch wieder wohl – weil es ihm völlig gerecht wird.

6/10

SABABA

Zitat entfällt.

Sababa (Hasenjagd 2. Teil) ~ ISR/BRD 1983
Directed By: Tzvi Shissel

Nur Kitbeg (Zachi Noy) ist von den drei berüchtigten Hallodris noch im Ausbildungscamp verblieben, versetzt nach Sababa, einer Stätte für hoffnungslose Idiotenrekruten. Mit ihm dabei sind noch Schleifer Shemesh (Joseph Shiloach), seine bezaubernde Freundin (Devora Bakon) und der überproportionierte Lagerleiter (Moshe Ish-Kassit). Mit der Ankunft einer Delegation um den schweizerischen Botschafter (n.n.), die sich vor Ort ein Bild von den Qualitätsstandards der Militärschule machen will, erwächst zwischen Camp Sababa und seiner benachbarten Kaserne ein harter Konkurrenzkampf, der in einem waghalsigen Manöver gipfelt. Möger der Dümmere gewinnen!

Gemeinsam mit meinem lieben Freund Oliver, der sich parallel zu anderem Klamaukigem justament in die Untiefen des israelischen Unterhaltungskinos vergangener Tage begibt und dazu wie stets Lesenwertes verzapft, hatte ich gestern das geflissentlich masochistisch angehauchte Vergnügen, zunächst „Sapiches“, zu gut deutsch: „Eis am Stiel 4 – Hasenjagd“, zu begutachten und mit „Sababa“ hernach noch den semiprominenten „Parafilm“ der Reihe. Dieser wurde zwar auch von Golan und Globus produziert und ist ganz offensichtlich ein der Hauptserie inhärentes Sequel, gibt seinen Figuren jedoch aus mir unbekannten Gründen (vermutlich hat es irgendwas mit Abschreibungsobligationen oder Ähnlichem zu tun, es wäre sicher interessant, da einmal nachzuforschen) andere Rollennamen und muss zudem zwei Drittel des notorischen Trios, Yftach Katzur und Jonathan Sagall nämlich, entbehren. Ansonsten verbleibt das in „Sapiches“ etablierte Setting und das Subgenre des Militärschwanks und sind zumindest die ferner aus jenem bekannten Ausbildercharaktere wieder dabei, wiederum mit neuen Bezeichnungen, aber nichtsdestotrotz in exakt denselben Parts. Shiloach wird heuer nicht mehr von Erik Schumann gesprochen, sondern von Michael Chevalier, ansonsten bleibt auch im Synchronfach alles beim Alten. Ein wichtiges, gar elementares Stichwort bildet sie überhaupt, die deutsche Vertonung, denn diese dürfte es am Ende sein, die „Sabana“ erst zu etwas Exorbitantem seines Fachs macht. Die Synchro stammt unzweifelhaft von Rainer Brandt (zu hören anhand seines Auftritts in einer Winzrolle als Kantinenkoch), der hier nochmal deutlich flirrender, transzendenter und dadaistischer zu Weke geht als in den meisten seiner Sternstunden. In welcher mental zugesp(r)itzten Verfassung Brandt und seine Werksgenossen auch immer gewesen sein mögen, als sie das Ding bearbeiteten, ich beneide sie darum. Denn hier wird man dessen anhörlich, was man nurmehr als kalkulierten Schwachsinn bezeichnen kann, die absolute, bis zum bitteren Ende (und darüber hinaus) ausformulierte Poesie des Unfassbaren. Dem Dialog zu „folgen“, so man dieses Verb angesichts dieses speziellen Rezeptionsobjekts überhaupt benutzen mag, gestaltet sich mit zunehmendem Verlauf des Films als mehr denn anspruchsvolle Herausforderung. Spätestens nach einer Viertelstunde fällt die Kinnlade herunter und mag nicht mehr an ihren angestammten Platz zurückkehren, bis dieses nach irdischen Standards kaum mehr zu messende Fanal der Abseitigkeit vorbei ist – es sei denn für hilflose, hysterische Lachanfälle, die unvermittels zwischendrin okurrieren können, je nach emotionaler Verfassung des Rezipienten. So viel erstmal von mir, alles weitere gibt’s  drüben bei Oli zu lesen, der möglicherweise einen etwas analytischeren Zugang findet. Ich befinde mich gegenwärtig noch in der Rekonvaleszenzphase.

6/10

RISEN

„What frightens you?“ – „Being wrong.“

Risen (Auferstanden) ~ USA 2016
Directed By: Kevin Reynolds

Jerusalem, 33. Statthalter Pontius Pilatus (Peter Firth) fürchtet, die Leiche des just gekreuzigten und in einer versiegelten Höhle bestattete Yeshua (Cliff Curtis) alias Jesus Christus könnte von seinen Anhängern gestohlen werden zum Zwecke der Befütterung des ihn umgebenden Mythos. Pilatus betraut seinen bodenständigen Tribun Clavius (Joseph Fiennes) mit dem Fall. Dieser muss schon bald feststellen, dass er seine Aufgabe allzu lax genommen hat, denn tatsächlich ist das Höhlengrab am nächsten Morgen aufgebrochen und der tote Nazarener spurlos verschwunden. Clavius setzt alles daran, den Leichnam ausfindig zu machen, doch vergebens. Seine Recherchen führen ihn schließlich zu Jesus‘ Jünger Bartholomäus (Stephen Hagan) sowie zu Maria Magdalena (María Botto) und über diese zu einem geheimnisvollen Mann, der nicht nur dem Hingerichteten zum Verwechseln ähnlich sieht, sondern wundersamerweise auch noch dessen charakteristische Wunden trägt. Clavius desertiert kurzerhand, um dem Geheimnis des vermeintlich Auferstandenen auf die Spur zu kommen.

Eigentlich ein dreister Anachronismus, erinnert „Risen“ hinsichtlich Plot und Botschaft an den pompösen, hollywoodschen Christus-Trash der Fünfziger: Technisch prachtvolle und inhaltlich schmalbrüstige Filme wie „Quo Vadis“, „The Robe“ und „Ben-Hur“ begegnen dem willfährigen Betrachter hier plötzlich in all ihrer längst verloren geglaubten Naivität wieder, ergänzt freilich um den seit „Gladiator“ etablierten Neoauthentizismus, in dem für die blitzsauber gefegten Ateliers, den hochglänzenden Marmor und die leuchtend bunte Kostüme von anno Plüsch kein Platz mehr ist. Stattdessen bemüht man sich um ein möglichst realistisches (oder zumindest oberflächlich realistisch wirkendes) Zeit- und Lokalkolorit, was einen Film wie „Risen“ zumindest schonmal um ein wesentliches Element des klassischen Bibelfilms erleichtert – das des Campigen nämlich. Zugleich enthebt jenes hehre Bestreben um Historizität damit allerdings auch jedwede ästhetische Angleichung des Films an seine Ahnherren. Wo „Risen“ wirklich hätte bestehen können – nämlich im Einsatz von Form und Frische – da versagt er. Leider, denn ansonsten bietet er ein durchaus unterhaltsames, nettes Wiederaufflackern der alten Mär um den harthgerzigen, polytheistisch geprägten Besatzer, der Zeuge christlicher Wunder wird, daraufhin sein Schwert und allen materiellen Tand niederlegt und demnächst vermutlich Blumen, Liebe und Fischerei predigen wird, statt wie ehedem seine (zuvor natürlich mehrfach im Bild belegte) kombattante Manneskraft in den Dienst des römischen Imperiums zu stellen. Anyway, ganz sympathisch fand ich den Film dann zugegebenermaßen doch irgendwie. Mein altes Faible für Geschichtsträchtiges aus Tinseltown lässt mich ja ohnehin regelmäßig leise frohlocken, wenn in dieser Richtung was Neues kommt. Und anders als just die sperrig-finsteren „Noah“  und „Exodus: Gods And Kings“ kultiviert „Risen“ sogar das kindgerechte Bild vom „lieben Gott“, so dass man das Teil sogar im Reliunterricht der Grundschule zeigen könnte. Ist doch prima.
Dass Jesus und seine Jungs eine Clique von bewusstseinserweiterten, knorken Hippies waren, daran lässt „Risen“ jedenfalls keinen Zweifel. Zwar sieht man Joseph Fiennes als Clavius kein aramäisches Kraut rauchen, man kann aber zumindest davon ausgehen, dass die selbst permanent gut drauf befindlichen Jünger ihm offscreen irgendwas Stärkeres untergejubelt haben. Vielleicht glaubt Reynolds ja auch selbst an seinen filzigen Fantasystoff, wer weiß. Gegönnt sei’s ihm.

6/10

EXODUS: GODS AND KINGS

„Who are you?“ – „I am.“

Exodus: Gods And Kings (Exodus: Götter und Könige) ~ USA/UK/E 2014
Directed By: Ridley Scott

Ägypten, vor 3300 Jahren: Nachdem der alte Pharao Seti (John Turturro) das Zeitliche gesegnet hat, übernimmt sein Sohn Ramses (Joel Edgerton) die Regentschaft. Setis Ziehsohn Moses (Christian Bale), den der Verblichene lieber als seinen Nachfolger gesehen hätte, erfährt indes von dem alten Nun (Ben Kingsley), dass er, anders als er zeitlebens geglaubt hat, kein Ägypter ist, sondern ein Waisenkind aus den Reihen der versklavten Herbräer. Ramses verbannt Moses daraufhin kurzerhand aus seinem Reich. Jenseits der Grenzen findet der Verstoßene eine Frau (María Valverde) und erhält seine göttliche Bestimmung. Er soll zurück nach Ägypten gehen und sein Volk in die Freiheit führen. Da der Pharao sich zunächst quer stellt und jede von Moses‘ überbrachten Forderungen mit noch drakonischerer Behandlung der Hebräer beantwortet, lässt Gott zehn Plagen auf die Ägypter herab. Ramses lässt die Hebräer ziehen, will die Schmach jedoch nicht auf sich sitzen lassen. Moses‘ Flucht durch das geteilte Rote Meer endet für die ihn unerbittlich verfolgenden Ägypter in einer letzten Katastrophe.

Gewidmet seinem Bruder Tony, der sich ob dessen möglicherweise im Grabe umdreht: In seiner vierten, sich historischen Monumentalwerks annehmender Arbeit (sein großes Debüt „The Duellists“ sowie „1492: Conquest Of Paradise“ außen vorgelassen), wird Ridley Scott nun also auch noch biblisch. Auch, wenn „Exodus: Gods And Kings“, soviel gleich vorweg, DeMilles „The Ten Commandments“ in keiner Weise das Wasser reichen kann, so verbindet ihn mit diesem doch vor allem eines: Die Geschichte des Exodus der Hebräer aus Ägypten ist und bleibt purster Bibel-Camp, egal, wie seriös auch der Ansatz sein mag, den ganzen Schmarren möglichst authentisch und vielleicht auch hier und da noch mit physikalischen Erklärungsansätzen für die eine oder andere Plage aufzupeppen. „Gladiator“ war ein kraftvoller Actionfilm, „Kingdom Of Heaven“ und „Robin Hood“ markierten zumindest historisch interessantes Schau-Kino. „Exodus“ nun muss jedwede Attribuierungen dieser Art leider entbehren; er erzählt schlicht einen unsympathischen Bibelabschnitt rund um unsympathische Leute. Und wie arrangiert er dies? Folgerichtig auf unsympathische Weise. Christian Bale als zottiger Stammesführer ist noch okay, ein paar Altstars wie Kingsley oder Sigourney Weaver sind immerhin schickes Beiwerk. Eine chargierende Krampe wie Joel Edgerton jedoch ausgerechnet als den hybrischen Ramses zu besetzen, wo doch jeder noch Yul Brynner im Kopf hat, das ist eine von mehreren Todsünden, auf die Scott aus welchen Gründen auch immer, nicht verzichten mochte. Weitere sind der augenscheinliche Verzicht auf Pomp und Pracht: Wo bei DeMille in VistaVision alles golden glänzte, Massen von Statisten dirigiert wurden, die Spezialeffektkunst einen neuen Zenit erreichte und der Himmel über Ägypten knallig blau leuchtete, da ist es bei Scott bloß permanent bewölkt und versandet. Noch nichtmal schön (im Sinne von: ästhetisch) anzuschauen ist sein Film. Immerhin: Dass der Nil sich blutrot färbt, weil Monsterkrokodile auf alles losgehen, was darin kreucht und fleucht (nebst ganzen Schiffsbesatzungen) ist eine urkomische Interpretation, dass Ewen Bremner (Spud aus „Trainspotting“) als geschwätziger Frühwissenschaftler dem Pharao auf die Nüsse geht und dann hingerichtet wird, ein seltsam eklektisch-witziges Element. Na ja, und ich gebe zu, dass ich mich allen obigen Gejammers zum Trotze vortrefflich unterhalten habe. Es passiert eben viel in dieser Antik-Soap. Nur ernstnehmen kann man Scotts Jüngsten bei aller (aufrichtigen) Liebe zu dem immer häufiger taumelnden Altmeister leider überhaupt nicht.
Der Gute wird auf seine alten Jahre noch zum ausgewiesenen Zelluloid-Käser. Aber da steht er ja nicht allein.
Immerhin noch eine Hauch weniger albern als „Noah“.

6/10