SPELLBINDER

„Take this as a warning. There won’t be another.“

Spellbinder ~ USA 1988
Directed By: Janet Greek

Eines Abends nach dem Basketball-Training wird der Nachwuchsanwalt und Single Jeff Mills (Tim Daly) Zeuge einer Szene, bei der ein brutaler Typ (Anthony Crivello) auf offener Straße eine  junge Frau (Kelly Preston) malträtiert. Jeff, ganz heldenhafter Retter, verjagt den Kerl und kümmert sich um die sich ihm als Miranda Reed vorstellende Schöne. Miranda trifft Jeffs einsames Leben wie ein Schlagball und es entwickelt sich rasch eine heftige Romanze. Doch Miranda umgibt ein Geheimnis: offenbar ist sie auf der Flucht vor einem satanistischen Hexenzirkel, dessen Netzwerk nicht nur ganz L.A., sondern auch darüber hinaus bis in höchste soziale Schichten aktiv ist. Miranda, die bald darauf verschwindet und ebenso abrupt wieder auftaucht, eröffnet Jeff, dass sie nur noch wenige Tage Zeit habe, den Sektierern zu entkommen, ansonsten würde sie von ihnen geopfert werden. Jeff setzt alles daran, die Geliebte vor ihrem Schicksal zu bewahren und erlebt eine böse Überraschung.

„Spellbinder“ hatte die große, auf den ersten Blick gewiss etwas verwunderliche Ehre, von Hans Schifferle für dessen hochbeachtliche 1994er-Sammlung der „100 besten Horrorfilme“ selektiert zu werden, was ihm zumindest für die Kenner jenes feinen Bandes vor einem unverdienten Absturz in die dräuende Vergessenheit ersparte. Doch wie so häufig erkannte der in Genresachen bestens bewanderte Kritiker die wahre Qualität dieses kleinen Wunderwerks und verschaffte ihm den verdienten Status.
„Spellbinder“ funktioniert auf vielerlei Ebenen; am augenscheinlichsten wohl als inoffizielles Remake von Robin Hardys „The Wicker Man“, dessen frösteln machendes Thema um modernen Paganismus bzw. Satanismus er nahezu verlustfrei in die Großstadt Los Angeles übertrug. Hier wie dort steht im Zentrum ein einsamer, junger Mann, pflichtbewusst und mit goldenem Herzen versehen, der zum Zentrum einer sorgsam entspinnten Verschwörung wird. Allerdings ist Jeff Mills kein eherner, britischer Polizeibeamter, sondern ein typisch kalifornischer Yuppie, gepflegt, von Stil und Geschmack beseelt, zugleich aber von der Oberflächlichkeit seiner Kaste angewidert und ein hoffnungsloser Träumer und Romantiker mit umfangreicher Capra-VHS-Sammlung. Die große Liebe hat sich ihm bis dato nicht offenbart, wie könnte er da einer Traumfrau wie Miranda entsagen? Dass jedoch nicht nur sie nicht das ist, was sie selbst auf den zweiten Blick zu sein vorgibt, diese schmerzliche Erfahrung muss Jeff zum Ende seiner Reise hin machen, als sich sein von Anfang an gezinktes Verlierblatt vor ihm auf dem Tisch ausbreitet. „Spellbinder“ hat es dabei nicht nötig, auf lauten, grellen Horror zu setzen, sein Schrecken entblättert sich vielmehr auf subtile und damit umso effektivere Weise. Man sucht bald gemeinsam mit dem durch L.A. irrenden Jeff nach Hinweisen, die Licht ins mysteriöse Dunkel bringen könnten. Ein Cary-Hiroyuki Tagawa als offenbar durchaus bewanderter Polizei-Lieutenant wirkt da beispielsweise nicht eben Vertrauen erweckend. Die Blumen des Bösen scheinen urplötzlich aus allen Löchern zu sprießen, dräuende Paranoia verschafft sich ihren berechtigten Raum. Dabei ist doch alles nur Teil eines endlosen Kreislaufs, womit wir wieder beim paganistischen Weltbild angelangt wären. Und natürlich bei dessen gehörntem Erfüllungsgehilfen. Sollte ich jemals die Muße verspüren, eine Liste über die besten Sekten- und Satanisten-Horrorfilme anfertigen, bekommt „Spellbinder“ einen der oberen Plätze. Mein Wort darauf.

8/10