THE NATURE OF THE BEAST

„You can’t kill the devil.“

The Nature Of The Beast (Bad Heat – Highway des Todes) ~ USA 1995
Directed By: Victor Salva

Der biedere Firmenangestellte Jack Powell (Lance Henriksen) befindet sich auf dem Heimweg nach San Diego, quer über die Highways der kalifornischen Wüste. Dort treibt zeitgleich ein Serienkiller, der überall sein Signet „Hatchet Man“ hinterlässt, sein Unwesen. Ein ihm mysteriös vorkommender Anhalter (Eric Roberts) heftet sich alsbald an Jacks Fersen. Der sich als Adrian vorstellende Fremde glaubt, in Jack einen ebenfalls gesuchten Casino-Räuber zu entlarven, der zudem von der Mafia verfolgt wird, derweil sich im Gegenzug der Eindruck manifestiert, dass Adrian der Hatchet Man sein könnte. Adrian nutzt die Angst, die der spießige Familienvater vor ihm hat, wohlfeil aus und lässt ihn fortan nicht mehr vom Haken. Ein bizarres Katz-und-Maus-Spiel ist die Folge.

Der einst durch einige unappetitliche Enthüllungen von sich reden machende Regisseur Victor Salva, dem just jene Ereignisse einen empfindlichen Strich durch die Karriere versetzten, hat mit „The Nature Of The Beast“ den ersten Film nach jenen Ereignissen und der darauf folgenden Gefängnisstrafe inszeniert. Salva hatte seine Strafe gerechterdings und ordnungsgemäß verbüßt, weshalb es der Produktionsfirma New Line durchaus hoch anzurechnen ist, dass man ihm für und mit „The Nature Of The Beast“ eine Chance offerierte. Der Film selbst ist recht ordentlich geraten, wenn auch mit Ausnahme des cleveren plot twists am Ende nichts wirklich Besonderes. Wähnt man sich zunächst über längere Strecken in einer Art eher nachteilig modifizierten Neuauflage von Robert Harmons ganz wunderbarem „The Hitcher“, relativiert sich jener Eindruck schlussendlich auf angenehme Weise, wobei der Weg dorthin eben nicht immer erquicklich gepflastert ist. Allzu breit ausgespielt wirkt Eric Roberts‘ Charakterisierung des bad guy, der tatsächlich ein wenig zu sehr überdimensioniert daherkommt, als dass man sie ihm bereitwillig abnähme. Zudem gerät die hier und da hilflos erscheinende Episodenhaftigkeit dem Ganzen eher zum Nachteil. Man erhält im Nachhinein den Eindruck, als hätte Salva seinen Film rein für die abschließende Überraschung geschrieben und inszeniert und nicht umgekehrt, wie es eigentlich hätte sein sollen. Immerhin erhebt diese „The Nature Of The Beast“ nochmal auf eine neue Ebene und sorgt dafür, dass der revisionistische Gesamteindruck ein (wenngleich verhalten) positiver bleibt.

6/10

THE RIFT

„There’s nothing we can do for him.“

The Rift (Sirene I) ~ E/USA 1990
Directed By: Juan Piquer Simón

Weil das von ihm konstruierte U-Boot „Siren I“ im Atlantik verschwunden ist und ein Notrufsignal aussendet, holt man den Allrounder Wick Hayes (Jack Scalia) auf die „Siren II“, die sich von Norwegen aus zu einer Rettungsexpedition auf den Weg macht. Neben Hayes befinden sich noch einige von der Firma „Comtech“ angeheuerte Sicherheitsleute an Bord, darunter der Kommisskopf Phillips (R. Lee Ermey), der Ingenieur Robbins (Ray Wise) und Wicks Ex-Freundin, die Biologin Nina Crowley (Deborah Adair). Noch bevor man „Siren I“ aufspürt, kommt es bei einem Tauchgang bereits zu einem ernsten Zwischenfall: Ein Besatzungsmitglied (Pocholo Martinez Bordiu) kommt in einem Gestrüpp riesiger Algen ums Leben. Eine eilends entnommene Probe der Pflanzen beginnt bald an Bord, ein Eigenleben zu führen. Die bald in einer Unterwasserhöhle befindlichen Überreste der „Siren I“ offenbaren derweil Furchtbares. Offenbar hat man hier genetische Experimente durchgeführt, die schreckliche, nunmehr die Mannschaft von „Siren II“ attackierende Mutationen hervorgebracht haben. Von dieser weiß außerdem ein Mitglied sehr viel mehr über das Geschehen als die übrigen…

Ein im Zuge der kleinen Untersee-Genre-Welle in den Spätachtzigern entstandenes Plagiatsstück, das sich als nettes creature feature durchaus über die Runden retten kann. Obschon „The Rift“ allerdings knackig- kurz gehalten ist, muss er sich während der ersten Hälfte, in der faktisch nichts Bedeutsames geschieht, durch einige Längen kämpfen. Dann jedoch, einhergehend mit der Entdeckung der „Siren I“, bekommt er den nötigen Drive, um den bereits geifernden Horrorbuff zufriedenzustellen: Es gibt einige fiese, schön schleimige Monster-F/X, ein paar unappetitliche Attacken auf die natürlich unbewusst im Angriffsradius der Mutanten befindlichen U-Boot-Fahrer und die Auflösung des ganzen Humbugs, die sich mit voller Breitseite und unverhohlen dreist bei James Camerons „Aliens“ bedient, sowohl im Hinblick auf Inszenierung und Ästhetik als auch auf den Twist selbst. Die im submarinen Höhlensystem vorgefundenen Kreaturen erweisen sich nämlich als die missglückten Resultate biologischer Waffenforschung, die sich, wie das so üblich ist, irgendwann gegen ihre Schöpfer gewandt haben und nun nach noch mehr Fleisch und Blut lechzen. Ray Wise (bester Mann des Films) fungiert dabei als Pendant zu dem in „Aliens“ von Paul Reiser gespielten Burke, der, zunächst freundlich und kooperativ auftretend, seine ganz eigenen Pläne in petto hat. Derweil nimmt man dem schmierigen Jack Scalia zu keiner Sekunde ab, ein genialer U-Boot-Konstrukteur zu sein, während R. Lee Ermey seine ikonische Oberarschloch-Rolle aus „Full Metal Jacket“ wieder etwas zurechtrücken darf, indem er am Ende etwas unerwartet als Held und Märtyrer reüssiert.
„The Rift“ ist somit vor allem was für den gehobenen Gourmet europäisch geprägter Genreableger-Kunst, der vielleicht auch an Cozzis „Contaminazione“ oder Ippolitos „Alien 2 – Sulla Terra“ seine Freude hat.

6/10