YOURS, MINE AND OURS

„It’s giving life that counts.“

Yours, Mine And Ours (Deine, meine, unsere) ~ USA 1968
Directed By: Melville Shavelson

Sowohl der Navy-Offizier Frank Beardsley (Henry Fonda) als auch die Militär-Krankenschwester Helen North (Lucille Ball) sind verwitwet und stehen jeweils mit ganzen zehn bzw. acht Kindern unterschiedlicher Altersklassen da. Als sie sich eines Tages per Zufall kennenlernen und zu einem ersten Date verabreden, ist rasch wahre Liebe im Spiel, die Vernunft angesichts der jeweiligen Beichte ihrer monströsen Anhänge obsiegt jedoch und man trennt sich gütlich. Franks Freund Darrel (Van Johnson) hat jedoch längst registriert, dass die beiden (nebst ihren Familien) füreinander bestimmt sind und verkuppelt sie dann doch erfolgreich mit anschließender Heirat. Jetzt heißt es, die Riesenbagage erfolgreich unter einen Hut zu bringen. Als sich schließlich ein erstes gemeinsames Baby ankündigt, wird das vorprogrammierte Chaos nicht kleiner…

Melville Shavelson schrieb und inszenierte gern und zuverlässig familientaugliches Studiokino auf der sicheren, oder, bös formuliert, biederen Seite. „Yours, Mine And Ours“ ist ür Shavelsons Arbeitsweise ein Vorzeigeexempel; eine liebenswerte, mit drei sympathischen Stars besetzte Komödie mit ein paar gelungeneren und ein paar ziemlich farblosen Situationsgags sowie wenigen dramatischen Kerben, die, dessen ist man sich sehr bald gewiss, jedoch nie das frohe Gesamtbild ins Taumeln bringen. An „Yours, Mine And Ours“ ist alles hübsche Routine. Er zeigt sich beeinflusst von den damals noch recht frischen TV-Sitcom-Formaten rund um herzliche, bourgeoise Familien und deren unaufgeregt gewöhnliche Alltagsexistenzen, wobei selbst die Regie höchstens einmal stellenweise und dann unwesentlich bis kaum spürbar von jenen bombensicheren Gewöhnlichkeitspfaden abweicht. Ähnlich wie James Stewart (der ohne Schwierigkeiten auch Fondas Rolle hätte spielen können) in seinen drei ebenfalls um diese Zeit entstandenen Koster-Filmen bildet auch „Yours, Mine And Ours“ einen jener spießig kolorierten, dabei völlig hilflosen Altstar-Versuche, gegen die immer stärker grollenden New-Hollywood-Umtriebe Front zu machen. Während in Südostasien der mit Napalm bombardierte Dschungel lichterloh brannte, mühte man sich unter anderem auch in massenkompatiblen Filmen wie diesen verzweifelt, das US-Militär in gerade Lichtverhältnisse zurückzurücken und ihren Entscheidungsträgern aufrichtige humane Grundgesinnungen angedeihen zu lassen: Ein sympathischer Offizier wie Frank Beardsley, der für ganze 19 Kinder verantwortlich ist und dessen Ältester (Tim Matheson) am Ende stolz erhobenen Hauptes zu den Marines geht kann ja faktisch nur ein erklärter Philanthrop sein. Dass die Chancen indes gut standen, dass die Beardsleys schon bald um einen Sprössling erleichtert werden würden, behielten Shavelson und sein Film derweil lieber für sich.

6/10

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MARY POPPINS

„Who looks after your father? Tell me that.“

Mary Poppins ~ USA 1964
Directed By: Robert Stevenson

Auf dem Kirschbaumweg Nummer 17 in London wohnt die Familie Banks. Während Vater George (David Tomlinson) eifrig seinem Job in der Bank nachgeht, betätigt sich Mutter Winnifred (Glynis Johns) allenthalben als Suffragette. Die beiden vernachlässigten Kinder Jane (Karen Dotrice) und Michael (Matthew Garber) verschleißen derweil ein Kindermädchen nach dem anderen. Bis die magische, feengleiche Mary Poppins (Julie Andrews) auftaucht. Mit viel Gesang, Träumereien und Lebensweisheit und vor allem der Unterstützung des Straßenkünstlers und Schornsteinkehrers Bert (Dick Van Dyke) gelingt es ihr, die Banks wieder zu einer glücklichen Familoie zu machen.

Die Geschichte, wie Walt Disney der Autorin P.L. Travers die Verfilmungsrechte an ihrer Kinderbuchfigur Mary Poppins abschwatzte, ist legendär und avancierte später selbst zum Filmstoff. Ebenso vehement allerdings, wie Disney die Literatin becircte, ist die Tatsache, dass „Mary Poppins“ und insbesondere der Film in Kombination mit seiner Hauptrollenbebütantin Julie Andrews einen maßgeblichen Epitaph des alten Hollywood bildet. Der Vorhang für die großen, teuren und überlangen (Fantasy-)Musicals der mittleren und späten sechziger Jahre, für die die Andrews steht wie außer ihr nur noch Barbra Streisand und die mit Ausnahme der traditionsverpflichteten Academy einen zunehmenden Anachronismus darstellten, begann sich bereits mit „Mary Poppins“ allmählich zu schließen. Und wie der Entstehungsprozess um Disney der wehrhaften Travers nach und nach unter allerlei (zwecklosem) Protest unterjubelte, dass seine Adaption ein Musical werden und Trickfilmsequenzen darin vorkommen würden, ist das Endresultat ein ebenso symbolischträchtiges Pamphlet für die Allmacht und Urgewalt der überalterten, im Aussterben begriffenen Hollywood-Mogule. Das „Löffelchen voll Zucker“, von dem „Mary Poppins“ in den allermeisten Aufzügen mindestens eins zuviel dreingegeben wurde, geriet hier zur sprichwörtlich bitteren Medizin. Die delirierende Sequenz im Herzen des Films, in der Mary Poppins, Bert und die Kinder in die Straßenmalereien hineintauchen und somit gleichermaßen in ein irrwitziges, disneytypisches Animationsnirwana etwa ist in ihrer überlangen Wesenheit beinahe schon dreist; die Nummer „Feed The Birds (Tuppence A Bag)“ an triefendem Schmalz praktisch kaum mehr überbietbar. Dennoch vollbringt es der Film in seiner Gesamterscheinung und vor allem seiner finalen, Travers ganz privater Urintention wiederum höchst gerecht werden Konsequenz, derzufolge Mary Poppins nicht die Kinder, sondern die Seele von Vater Banks heilt, seine heimlichen Stärken zu präservieren. Zumindest was mich anbelangt. Andere mögen ihn inbrünstig hassen – und auch für jene kann ich durchaus Verständnis aufbringen.

7/10

FATHER GOOSE

„How in English do you say „parachute“?“

Father Goose (Der große Wolf ruft) ~ USA 1964
Directed By: Ralph Nelson

Papua-Neuguinea, 1942: Der emeritierte Professor und Aussteiger Walter Eckland (Cary Grant) tuckert mit seinem Boot durch den Südpazifik, trinkt Scotch lässt den Krieg einen guten Mann sein und lebt so in den Tag. Sein alter Bekannter Frank Houghton (Trevor Howard) entscheidet sich, Walter kurzerhand als Inselwächter und Funker auf einem verlassenen Eiland zu verdingen und bedient sich dazu recht unfairer „Überredungskünste“.
Eines Tages evakuiert Walter mehr durch Zufall die Französischlehrin Catherine Freneau (Leslie Caron) und sieben ihrer Schülerinnen, die unfällig auf einer der Nachbarinseln gestrandet sind, und nimmt sie zähneknirschend bei sich auf. Nach einigen Reibereien verlieben sich die beiden ungleichen Zwangsgefährten ineinander.

„The African Queen“ und „Heaven Knows, Mr. Allison“, beide von John Huston, hatten es hinlänglich vorgemacht: Weltkriegskulisse, ein exotischer Schauplatz, ein versoffenes Raubein und eine zierliche Dame von gesteigerter Intelligenz ergeben stets eine fruchtbare Mischung, wenn es um die Ausarbeitung  einer Romanze vor Extremsituationen geht. „Father Goose“ erhöht den Comedy-Faktor der beiden, eher im tragikomischen Sektor anzusiedelnden Huston-Epen, indem er den Pazifikkrieg weitgehend zum Nebenschauplatz deklariert und sich ganz auf die obskure Konstellation Eckland/Freneau und natürlich die sieben Schulmädchen konzentriert. Die acht Damen bringen Cary Grant in seiner vorletzten Filmrolle schwer ins Schwitzen, da sie sich ebenso störrisch wie reizvoll in das vormals ob seiner Unordnung sorgsam durchdeklinierte Leben des versoffenen Aussteigers drängen. Nach anfänglicher Ablehnung der höchst eigensinnigen weiblichen Gesellschaft muss Eckland einsehen, dass er die Mädchen sehr gern hat und ihre Lehrerin sogar noch etwas lieber. Der bewschwerliche Weg der neun gestrandeten Menschlein beinhaltet einige Renitenzen durch die mit ihrer Situation verständlicherweise höchst unzufriedenen Schülerinnen, etliche, spritzige Wortgefechte zwischen Grant und Caron ganz nach klassischer Screwball-Manier, ein falscher Schlangenbiss, ein derbes Besäufnis und schließlich die entgegen aller Wahrscheinlichkeiten vollzogene Eheschließung des sich findenden Paars. Dass noch ein japanisches Aufklärungsschiff torpediert und versenkt wird, erinnert schlussendlich nochmal explosiv an den gewählten, historische Zeitrahmen.
Ein schöner, runder Sonntagnachmittagsspaß und ein exquisites Geschenk an seine beiden bezaubernden Hauptdarsteller.

8/10

DADDY’S HOME TWO

„Why didn’t het let go?“ – „Because he’s an idiot!“

Daddy’s Home Two (Daddy’s Home 2 – Mehr Väter, mehr Probleme) ~ USA 2017
Directed By: Sean Anders

Nachdem es Brad Whitaker (Will Ferrell) und Dusty Mayron (Mark Wahlberg) gelungen ist, ihre Differenzen beizulegen, ist so etwas wie echte Freundschaft zwischen den ungleichen Vätern entstanden. Kleinere Zipperlein wie das dezentralisierte, jährliche Weihnachtsfest lassen das Patchwork-Leben jedoch noch immer etwas kompliziert erscheinen, was besonders die Kinder trifft. Um auch diesen Zustand zu optimieren, sollen in diesem Jahr Brads und Dustys Väter eingeladen werden, ersterer (John Lithgow) ein ewig gut gelaunter Weltverbesserer und Idealist der alten Schule, zweiterer (Mel Gibson) ein Ex-Astronaut und unrettbarer Schürzenjäger mit höchst tradierten Gendervorstellungen, der sogleich die Gelegenheit nutzt, zum Fest ein schickes Chalet zu mieten, in dem die komplette Familie Platz hat. Gibt es unter der höchst heterogenen Mischsippe nicht bereits genug Sticheleien und böses Blut, eskaliert die Situation endgültig, als Dustys „Vorgänger“ Roger (John Cena) vor Ort auftaucht…

Dafür, dass nicht bevorzugt eine der verdienteren Ferrell-Komödien wie „Step Brothers“ oder „The Other Guys“ eine Fortsetzung erfahren durfte anstelle des etwas braver geratenen „Daddy’s Home“, mag es triftige Gründe geben. Ich selbst hätte dergleichen bevorzugt, kann aber auch mit „Daddy’s Home Two“ gut leben.
Nachdem sich Ferrell und Wahlberg im ebenfalls von Sean Anders kreierten Vorgänger bereits Einiges an hochnotpeinlichen Schlagabtäuschen zu liefern hatten, spitzt sich die Situation im Sequel quasi noch mehr zu, indem die – natürlich völlig erwartungsgemäß metaklischiert charakterisierten – Erzeuger der Erzeuger auftauchen und ein Maximum an Unruhe in den zuvor so filigran austarierten Familienhaushalt bringen. Die Kunst Anders‘ liegt darin, den vier männlichen Protagonisten jeweils hinreichend Bühne zu bereiten und nicht einen von ihnen im Regen stehen zu lassen. Dies gelingt ihm zwar nicht immer ganz zuverlässig, funktioniert jedoch über weite Strecken recht reibungslos. Die Senioren Lithgow und Gibson erweisen sich als Erste Wahl für die völlig diametralen Opas, wobei besonders der gebürtige Australier allerlei Gelegenheit erhält, seine Eskapaden der letzten Jahre und sein infolge dessen lädiertes öffentliches Image fürstlich aufs Korn zu nehmen, indem er seinem Part die ultimative Mischung aus konservativem Hardliner und reaktionärem Macho verleiht, der als Vater (und Großvater) natürlich ein völliger Versager ist, jedoch viel zu sehr eingefleischter Egomane, um selbiges überhaupt noch zu bemerken. Dennoch, wenn Gibson sich über Whitaker Junior und Senior lustig macht, kann man nicht anders, als es ihm gleich zu tun, worin der Film die schönsten Momente seiner sonst oftmals nur angedeuteten Doppelbödigkeit entwickelt.
Ansonsten setzt sich die zuletzt beobachtete Tendenz, derzufolge Ferrells Humoresken  zunehmend entschärft und auf eine familientauglichere und politisch sensitivere Ebene gehievt werden, neuerlich beobachten. Echten Biss entwickelt „Daddy’s Home 2“ nur ganz selten, und dann beinahe wie zufällig. Er begreift sich vermutlich eher als traditionsbewusster Beitrag zum beliebten, klassischen Subgenre der amerikanischen Weihnachtskomödie. Und dass die in den allermeisten Fällen harmonisch und versöhnlich ausfällt, gehört zu ihrem ureigenen Impetus.

7/10

LAURIN

Zitat entfällt.

Laurin ~ D/HU 1989
Directed By: Robert Sigl

Irgendwo in Deutschland, kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende, in einem kleinen Städtchen mit Meerzugang: Die Mutter (Kati Sir) der kleinen Laurin (Dóra Szinetár) muss sterben, weil sie Zeugin des Mordes an einem Jungen wurde. Für das Mädchen, dessen Vater (Barnabás Tóth) wie viele der Männer hier zur See fährt, beginnt eine Zeit der Unsicherheit und Einsamkeit. Mit der Rückkehr des Pfarrersohns Van Rees (Károly Eperjes) vom Militär mehren sich seltsame Zeichen, die nur Laurin wahrzunehmen im Stande ist.

Infolge der jüngst stattgefundenen Restaurierung, Neuveröffentlichung und kleinen Kino-Tournee von Robert Sigls fast schon dreißig Jahre altem Film ist „Laurin“ urplötzlich wieder in aller Munde zumindest der deutschen Cinephilie. Fast unmöglich, dem Ausnahmewerk momentan nicht allenthalben zu begegnen, dabei war es doch eigentlich nie ganz weg. Gern wird angeführt, dass „Laurin“ vor allem deshalb eine wesentliche Position in der jüngeren hiesigen Filmgeschichte einnimmt, weil er sich als Genrestück zumindest im zeitgenössischen Kino einen höchst spezifischen Ausnahmestatus sichert.
Auch für den Regisseur Robert Sigl, der „Laurin“ mit 26 Jahren fertigstellte und der in der Folge bislang ausschließlich fürs Fernsehen arbeitete, bleibt das vielschichtige, düsterromantische Kleinod ein Ausnahmetriumph. Mir selbst fiele aus dem zeitlichen Kontext nur noch Ralf Huettners „Der Fluch“ (bezeichnenderweise eine TV-Produktion) ein, wenn ich eine sich annähernd ähnlich beklemmend ausnehmende, emotional involvierende Arbeit nennen müsste.
„Laurin“ zeigt sich von vielerlei Einflüssen geprägt; die Geschichte eines Mädchens an der Grenze zur Pubertät (oder kurz darüber hinaus), dass auf eine phantastische, unter Umständen morbide Entdeckungssuche geschickt wird, hat etliche literarische und auch filmische Wurzeln. Lewis Carrolls „Alice“-Romane wären da zu nennen, „The Wizard Of Oz“ und, später im Film, „Valerie A Týden Divu“, „Lemora – A Child’s Tale Of The Supernatural“ und später noch „The Company Of Wolves“ und „Phenomena“. Aus all diesen Quellstoffen bezieht Sigls Film – ob bewusst oder unbewusst – seinen exquisiten Treibstoff. Ein wenig Herzog scheint noch drinzustecken, an dessen im historischen Ambiente angesiedelte Werke man sich hier und da erinnert fühlt. Trotzdem ist „Laurin“ immer noch eigenwillig genug, um als etwas Neues und Besonderes gewertet werden zu können und seinen besagten Exklusivstatus zu sichern. Mit ungarischen DarstellerInnen gedreht und in deutscher Sprache nachsynchronisiert, ergibt sich bei der Betrachtung zunächst der nicht zu unterschätzende Vorteil, sich nicht nur zeitlich, sondern auch demoskopisch entrückt zu wähnen. Wo genau das Städtchen liegt, in dem „Laurin“ spielt, lässt sich ferner kaum bestimmen; Ostsee und Donauufer schießen einem durch die assoziativen Verschaltungen. Das „Zweite Gesicht“ des Mädchens bringt dann ein dezidiert phantastisches Element mit in das sich bald entspinnende Mördermysterium, das sich später um brodelnde, seit langem schwelende Abgründe ergänzt findet: Der alternde Pastor (Endre Kátay) erweist sich als weitaus weniger enthaltsam als sein Stand ihm gestattet; er hat wenigstens ein uneheliches Kind und scheint, nicht zuletzt in Anbetracht der tiefen Verstörtheit seines Sohnes, der sich schließlich als Kindsmörder entpuppt, noch ganz andere, sehr viel dunklere Obsessionen zu hegen. Symbolische Vorboten – ein Flugdrachen, der wie ein schwarzes Herz durch die Luft flattert und ein nicht minder schwarzer Schäferhund – leiten Laurin bis hin zur Entlarvung und Unschädlichmachung der finsteren Wolken über dem ohnehin bereits dämmernden k.u.k.-Schmuck der sich neigenden Epoche.

9/10

CHILDREN OF THE CORN III: URBAN HARVEST

„Let the harvest begin!“

Children Of The Corn III: Urban Harvest (Kinder des Zorns III – Das Chicago-Massaker) ~ USA 1995
Directed By: James D.R. Hickox

Zwei der überlebenden Gatlin-Kinder, Eli (Daniel Cerny) und sein älterer Stiefbruder Joshua (Ron Melendez), werden Hals über Kopf von dem kinderlosen Ehepaar Porter aus Chicago adoptiert. Während der weltoffene Joshua sich rasch an die juvenilen Gepflogenheiten der Großstadt anpasst und Freunde findet, pflegt Eli weiterhin die alten „Gewohnheiten“, zu denen auch der umgehend erfolgende Anbau einer Maiskultur auf einem leerstehenden, an den Familiengarten angrenzenden Fabrikgelände gehört. Während Amanda Porter (Nancy Lee Grahn) rasch Angst vor Elis auffälligem Verhalten bekommt, ist ihr Gatte William (Jim Metzler) höchst begeistert von dem widerstandsfähigen Getreide, das hinter seinem Haus wächst und stielt bereits einen Deal ein, selbiges in alle Welt zu verschiffen. Derweil schart Eli eine neue Kultgemeinde um sich und huldigt mit dieser dem bereits lauernden Maisdämon „Der, der hinter den Reihen wandelt“.

Ein ordentlicher Schwung aufwärts gelang Anthony-Bruder und Douglas-Sohn James D.R. Hickox hinsichtlich des „Corn“-Serials nach David Prices eher unmotiviertem, müden Erstsequel mit dieser zweiten, um einiges spektakuläreren Fortsetzung. Die Grundidee, den Maiskult aus der ruralen Umgebung des Mittleren Westens in die Großstadt zu hieven, erweist sich als sinnstiftend und treffend und findet sich durch den Einfall, den Mais auf einer Industriebrache anzupflanzen, wiederum hübsch angereichert. Mit dem von dem dreizehnjährigen  Jungdarsteller Daniel Cerny angemessen diabolisch gespielten Eli gibt es einen würdigen Nachfolger zum seligen Isaac, dessen bösartiger Habitus hervorragend mit seinem netten Erscheinungsbild kontrastiert. Besonders der schwelende Konflikt zwischen Eli und dem Schulpfaffen Nolan (Michael Ensign), der ihn bald durchschaut und dessen Kirche Eli später übernimmt, weiß zu gefallen, bis es im Finale dann ordentlich kracht: Endlich bekommt man „Den, der hinter den Reihen wandelt“ zu Gesicht – ein gewiss nicht durchweg ganz reibungslos animiertes, aber vielleicht gerade deswegen besonders illustres, unförmiges Monster, das sich rigoros durch die Belegschaft seiner verblendeten Anhänger pflügt. Eine konkreter bebilderte Warnung vor kritiklosem Sektierertum wird man im Genrefilm schwerlich finden.

5/10

CHILDREN OF THE CORN II: THE FINAL SACRIFICE

„For everything, there is a season.“

Children Of The Corn II: The Final Sacrifice (Tödliche Ernte – Kinder des Zorns II) ~ USA 1992
Directed By: David Price

Die überlebenden Kinder aus Gatlin, Nebraska, Schauplatz eines im sektiererischen Wahn verübten Massenmords, werden von den Bewohnern des Nachbarorts Hemingford in Obhut genommen. Dem stehen ein paar Einwohner wie die alte Mrs. Burke (Marty Terry) überaus skeptisch gegenüber – machen sie doch eben die Gatlin-Kinder für die blutigen Geschehnisse verantwortlich. Der zufällig durchreisende Klatschreporter Garrett (Terence Knox) und sein ihn begleitender Sohn Danny (Paul Scherrer) werden mitten in die Ereignisse gezogen, die nicht nur die sinistren Halbwüchsigen, sondern auch einen Skandal um den Verkauf fauler Maiskolben beinhalten. Zudem ist „Der, der hinter den Reihen wandelt“ nicht weit…

Ganze acht Jahre nach der immerhin noch etwas stimmungsvoll gefertigten Adaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King machte sich das just gegründete, auf phantastische Stoffe abonnierte Weinstein-Studio Dimension daran, ein Franchise rund um die parareligiös verbrämten Satansblagen vom Stapel zu lassen. „Children Of The Corn II“ war zugleich auch der letzte Film der mittlerweile sieben Sequels und ein TV-Remake umfassenden Serie, dem ein Kinostart vergönnt wurde. Dabei fällt jene erste Fortsetzung gleich ziemlich albern aus: Um den sich als nicht sonderlich spannungsträchtig erweisenden Hauptplot um den infantilen Maiskult ein weiteres inhaltliches Mosaiksteinchen zuzusetzen, schrieben die Autoren ihm eine Geschichte um verschwörerische, kriminelle Landwirte nebenher, hinter denen sich die Stadtoberen von Hemingford verbergen. Die zu einem Quintett anwachsenden Helden bekommen es daher gleich mit zwei Übelswurzeln zu tun, was dennoch keinerlei Anlass zu visuellen Sensationen bietet. Abgesehen von ein paar wenigen netten Ideen und S-F/X bleibt alles so flach und dörr wie der Mittelwesten im Hochsommer. Die geflissentlich bedrohliche Atmosphäre des Originals weicht einem ordinären Slasherkonzept, das sich primär um den bösen Micah (Ryan Bollman) und seine ihm hörigen Jünger schart, wie sie sich ihrer unbequemen erwachsenen Gegner und Mitwisser entledigen. Ein altkluger Indianer (Ned Romero), der natürlich die übersinnliche Essenz hinter den Ereignissen durchblickt, darf dabei ebensowenig fehlen wie love interests für Vater und Sohn nebst den Zug sträflich ausbremsenden Romantikszenen.
Wer gern wissen möchte, warum die Neunziger im Genresektor vielerorts als „most boring deacde“ erachtet werden, der findet hier ein durchaus passendes Indiz. Kein Werk zum Blumentöpfe gewinnen.

3/10