VOLUNTEERS

„We must all do what we must do, for if we do not, then what we must do does not get done.“

Volunteers (Alles hört auf mein Kommando) ~ USA 1985
Directed By: Nicholas Meyer

Wenngleich sich Laurence Bourne III (Tom Hanks) als Millionenerbe und frisch gebackener Akademiker glücklich schätzen könnte, bringen ihn Spielsucht und schnöselige Arroganz arg in die Bredouille. Da sein Vater (George Plimpton) ihm diesmal nicht aushelfen mag, muss Laurence vor den Schuldnern fliehen. Kurzerhand tauscht er die Identität mit seinem Zimmergenossen Kent Sutcliffe (Xander Berkeley) und reist an dessen Statt nach Thailand, wo er als Vertreter des Internationalen Friedenskorps eine Brücke für ein paar abgeschnitten lebende Dörfler bauen soll. Trott diverser Unwägbarkeiten vor Ort, darunter ein durchgeknallter Opiumboss (Ernest Harada), kommunistische Infiltratoren und ein wirrer CIA-Agent (Tim Thomerson), fühlt sich Laurence mitten im südostasiatischen Schlamassel bald wohler, als er zunächst gedacht hätte…

Noch auf dem Weg zum richtigen, echten stardom spielte Tom Hanks in den Mittachtzigern hier und da in Filmen mit, denen selbst beinharte Bewunderer heutzutage nurmehr einen ganz speziellen Obskuritätenstatus zudenken mögen. „Volunteers“ von Zweimal-„Star-Trek“-Regisseur Nicholas Meyer ist so ein kleiner Exot. Was als relativ zeittypischer Post-Pennäler-Spaß beginnt, entwickelt sich ziemlich rasch zu einer nicht immer ins Schwarze treffenden Groteske und Hommage an David Leans großen „The Bridge On The River Kwai“, die Hanks ins Goldene Dreieck führt, wo er jedem regionalen Klischee begegnet, das nicht bei Drei auf den Bäumen ist – angefangen bei der einfältigen Landbevölkerung nebst vorlautem Dorf-Eulenspiegel (Gedde Watanabe) und blindem, weisen Ratsältesten (n.a.). Selbst der gute, alte Dschungeltiger ist nicht fern. Müßig insofern zu erwähnen, dass mit Professor Toru Tanaka und Clyde Kusatsu neben dem erwähnten Watanabe gleich drei einprägsame Hollywood-Gesichter für ostasiatisches type casting Einzug in die Besetzung hielten. Man fragt sich schon bald unwillkürlich, wo denn wohl Mako oder Cary Hiroyuki-Tagawa abgeblieben sind. Unterstützung für Hanks gibt es nach „Splash“ fürderhin bereits zum wiederholten Male vom Comedy-Kollegen John Candy, der einige der witzigeren Szenen abbekommt als ebenso von sich selbst überzeugter wie leicht beeinflussbarer, amerikanischer Trottel. Am meisten mag ich an „Volunteers“ jedoch Tim Thomerson, der mit seinem Fahrtenmesser „Mike“ spricht wie mit einem imaginären Freund und eine der schönsten Personalsatiren auf die US-Außenpolitik unter Reagan zum Besten gibt. Thomerson hat tatsächlich ein gewaltiges, komisches Talent, das, zumal aufgrund seines sehr viel langlebigeren Status‘ als kleiner Star und /oder Nebendarsteller etlicher Genreproduktionen durch die Jahrzehnte leider nur allzu selten erkannt und ausgeschöpft wurde. Ein sehr sympathischer Akteur, der gewiss viele hochinteressante geschichten zum Besten geben kann.

6/10

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DIRTY GRANDPA

„Party till you’re pregnant!“

Dirty Grandpa ~ USA 2016
Directed By: Dan Mazer

Nach dem Tod seiner Großmutter und kurz vor der eigenen Hochzeit soll der erfolgreiche Nachwuchsadvokat Jason Kelly (Zac Efron) seinen Opa Dick (Robert De Niro) nach Florida chauffieren. Der betagte Herr erweist sich jedoch mitnichten als greiser Trauerkloß, sondern als höchst alkoholaffiner, verbalviriler Frechdachs, der auf seine alten Tage nochmal die Party seines Lebens feiern will und ausgerechnet den spießigen Enkelsohn als partner in crime auserkoren hat. Bei den diversen Fettnäpfchen, in die Jason und Dick im Zuge ihrer turbulenten Reise treten, ist die beinharte CIA-Ausbildung des Letzteren den beiden nicht selten behilflich. Zudem steckt hinter Dicks Roadtrip natürlich ein handfester Plan für seinen biederen Übersprungsspross.

„Dirty Grandpa“ ist wohl die Art von Film, die De Niro heute macht. „Wohl“, weil ich mit dem jüngeren output dieses einstmals als Speerspitze seines Fachs geltenden Schauspielers kaum mehr vertraut bin. Den Film habe ich mir tatsächlich auch nicht seines Hauptdarstellers wegen angesehen, sondern weil ich eine Partykomödie sehen wollte. Als solche funktioniert „Dirty Grandpa“ innerhalb seiner ihm inhärenten Einfalt eigentlich auch ganz gut. Und selbst De Niro geht als buchstäblicher Titelcharakter völlig in Ordnung, auch wenn sein inflationärer Gebrauch von Vier-Buchstaben-Wörtern zunächst etwas übertrieben, um nicht zu sagen albern wirkt. Aber dies entpuppt sich ja am Ende als Teil seiner von seiner Film-Persona höchstselbst entwickelten Erweckungskur und geht daher halbwegs in Ordnung.
Ansonsten haben wir hier ein ausgewiesenes Fast-Food-Produkt, das die Welt sich weder schneller drehen lässt, noch nie sie verlangsamt. Die Script-Prämisse, die Witze vor allem aus der Perspektive des dezidiert aus seiner sozialen Rolle fallenden Senioren politisch unkorrekt dastehen zu lassen, wirkt nach einer Weile allerdings leicht verkrampft und gibt eher insofern Anlass zur Besorgnis, dass vermutlich ein Großteil der avisierten Zuschauerschaft, die sich primär fraglos durch die verspießte, verhuschte, entpolitisierte Generation Smartphone repräsentiert finden dürfte, tatsächlich mild schockiert auf den im Film präservierten, libertinen Lebensgeist reagiert. Insofern bildet „Dirty Grandpa“ vor allem einen Film für Zeitgenossen, deren Arschbacken vom vielen Zusammenkneifen bereits erstarrt sind. Das geht einerseits in Ordnung, gibt aber andererseits Anlass zur Besorgnis: Menschen, die sich eine optionale Realität über Werke wie dieses erschließen, können einem leid tun. Macht mal lieber selber.

6/10

THE WEEK OF

„Why the giggling?“

The Week Of ~ USA 2018
Directed By: Robert Smigel

Für den Familien- und Brautvater Kenny Lustig (Adam Sandler) wird’s eng: In einer knappen Woche steht die Hochzeit seiner Ältesten (Allison Strong) auf dem Plan. Bei dem Schwiegerpapa in spe handelt es sich um Kirby Cordice (Chris Rock), Promi-Chirurg und Societylöwe aus L.A. mit etwa dem hundertfachen Vermögen von Kenny, der dennoch darauf besteht, die Heirat, wie es die Tradition nunmal gebietet, selbst auszurichten. Bereits deren Prolog artet zum Riesendebakel aus: Weil das von Kenny ausgewählte Hotel alles andere als luxuriösen Ansprüchen genügt und dort zudem eine Panne nach der anderen um sich greift, muss Kenny sämtliche der von auswärts anreisenden Hochzeitsgäste in seinem doch recht beengten Haus unterbringen. Turbulenzen und Konflikte sind vorprogrammiert, zumal Kenny und Kirby sich ganz allmählich einen latenten Konkurrenzkampf zu liefern beginnen…

Des Sandmans neuester Netflix-Streich, der seine alten Eidgenossen Chris Rock und Steve Buscemi wieder ins Boot holt, fügt sich nicht nur völlig organisch und nahtlos in das mittlerweile wohl tatsächlich beispiellose Œuvre des Hauptdarstellers ein, sondern ist auch sonst eine formvollendete Komödie, die zu den besten Werken Sandlers zählt und ein veritables Geschenk für jeden erklärten Freund des Künstlers darstellt. Gut, als innovativ darf sich der Aufzug nicht eben bezeichnen, dafür sind die großen Vorbilder von Minnellis „Father Of The Bride“ bis hin zu Altmans „A Wedding“ dann doch zu präsent, und das nicht allein in ihrer inhaltlichen Grundierung. Man darf sich „A Week Of“ vielmehr so vorstellen, dass der entsprechende Inspirationsfundus kreativ genutzt wird, um sich in Sandlers seit eh und je etabliertes, amerikanisch-jüdisches Mittelklasse-Parallel-Universum zu assimilieren und gänzlich darin aufzugehen. Ein gewaltiges, liebenswertes Chaos mit etlichen, noch liebenswerteren Fremdschämmomenten entspinnt sich daraus, das zwar recht keck, aber niemals über Gebühr unappetitlich oder auch nur im Entferntesten misanthropisch daherkommt. Für jede einzelne Figur dieses an Charakteren alles andere als armen Kaleidoskops ist viel Liebe und/oder aufrichtige Sympathie vorhanden, die am Ende der Geschichte selbst noch die vermeintlichen Verlierer als Gewinner dastehen lässt. Die Gagdichte ist enorm und, was noch schöner ist, die allermeisten sitzen auch, und zwar am rechten Fleck.
Das Finale ist dann wie es sich ja letzten Endes ziemt, ein klein wenig weinerlich geraten – die zwei Antagonisten respektive (Schwieger-)Väter raufen sich zusammen und erkennen jeweils an, was der Konterpart dem Gegenüber voraus hat und dürfen die gewaltige Erkenntnis für sich in Anspruch nehmen, dass der materiell Unvermögendere keinesfalls der Ärmere der beiden ist. Diese kleine, nicht unbedingt weise umrahmte Sozialfabel gehört jedoch zwingend zum Gesamtbild, ebenso wie das in gegenwärtigen Zeiten scheinbar wieder nötige Versprechen von der interethnischen Verständigung. Dass ein weißes, jüdisches Mädchen den Spross eines reichen Afroamerikaners heiratet, sollte eigentlich längst eine Selbstverständlichkeit sein. Dass „The Week Of“ diese Kernprämisse als ebendies wahrnimmt, macht ihn nur noch schöner.

8/10

SOLDIER IN THE RAIN

„Let me tell you something, my friend: being a fat narcissist isn’t easy.“

Soldier In The Rain (Ein Soldat steht im Regen) ~ USA 1963
Directed By: Ralph Nelson

Nur scheinbar eine oberflächliche Zweckfreundschaft, ist die Beziehung zwischen dem jungen, träumerisch veranlagten Sergeant Eustis Clay (Steve McQueen) und dem älteren, desillusionierten MasterSergeant Maxwell Slaughter (Jackie Gleason) insgeheim geprägt von tiefer Sympathie füreinander. Auf demselben Stützpunkt stationiert, versorgt man sich gegenseitig mit kleinen Annehmlichkeiten, führt die hiesigen Kommissköpfe an der Nase herum und fantasiert von einem Leben jenseits des Militärs auf einer polynesischen Insel. Um ihn zu etwas mehr Lebenslust und vielleicht sogar zum Ausstieg aus seiner ewigen Soldatenexistenz bewegen, macht Eustis seinen schwergewichtigen Freund mit der etwas einfältigen, aber reizenden Bobby Jo Pepperdine (Tuesday Weld) bekannt. Tatsächlich verliebt sich das ungleiche Paar ineinander, eine gemeinsame Zukunft ohne Offiziersstreifen lacht. Doch eine ordinäre Kneipenschlägerei macht ihnen einen Strich durch die Rechnung…

Zu einer tragikomischen, eher kleinformatig-intimen Fingerübung geriet Ralph Nelsons dritter Film, der seine Kinopremiere nur knapp zwei Monate nach dem Vorgänger „Lilies Of The Field“ erlebte, allerdings unter weitgehender Ignoranz des Publikums. Um die zentralisierte, von luziden Vater-Sohn-Elementen geprägte Freundschaft der beiden Helden, die auf ihre jeweilige Weise vom anderen profitieren, strickt das Script anfänglich noch ein paar nicht immer allzu brillante Soldaten-Juxereien. So etwa, wenn es darum geht, Clays etwas dümmlichen Kumpel Meltzer (Tony Bill) zum gewinneinsatzmaximierenden Meisterläufer zu formen oder darum, die beiden unsympathischen Betonbirnen Priest (Ed Nelson) und Lenahan (Lew Gallo) auszutricksen. Scheinbar unbedeutende Gebrauchsgegenstände wie ein Ventilator, ein Pepsi-Automat oder ein Stapel Matratzen erhalten ein geradezu ausnehmendes, inhaltliches Beimaß, was sich schließlich jedoch als wiederum als von einiger Notwendigkeit geprägt finden wird. Die Geschichte von Eustis und Maxwell  liegt nämlich, wie erst das trockene, bewusst unmelancholische und doch tieftraurige Ende zeigen wird, eigentlich bereits zu Beginn ihrer filmisch erzählten Zeit in ihren letzten Zügen: Nach einer bereits annähernd märchenhaften Wendung (allen äußeren Widerständen zum Trotz finden der adipöse, zynische, Soldat Slaughter und die bald dreißig Jahre jüngere, blonde Schönheit Bobby Jo zueinander), die aller realen Wahrscheinlichkeit trotzt, schlägt das Schicksal nämlich umso härter zurück. Im Zuge einer schlagkräftigen Hilfsaktion für seinen Kumpels Eustis, der von den verhassten Kontrahenten Priest und Lenahan in die Mangel genommen wird, erleidet Maxwell einen Herzanfall. Die Uniform wird er hernach nicht mehr in den Schrank hängen, ebensowenig wie Eustis, der nach dem bald erfolgten Tod seines Freundes die kindischen Träumereien vom Pazifik und dem großen Geld aufgibt und stattdessen seine Militärkarriere weiter verfolgt. Von welch bitterer Tragweite eine solche Entscheidung tatsächlich sein konnte, zeigte derweil, wenngleich ganz unbewusst, kontextuell das wahre Leben: Nur Tage vor dem Kinoeinsatz von „Soldier In The Rain“ wurde John F. Kennedy erschossen, der Zwischenfall im Golf von Tonkin lag nurmehr neun Monate in der Zukunft. Einmal mehr war er aus, der Traum vom lustigen Soldatenleben.

7/10

LILIES OF THE FIELD

„I cannot see further and I cannot believe further.“

Lilies Of The Field (Lilien auf dem Felde) ~ USA 1963
Directed By: Ralph Nelson

Der farbige Gelegenheitsarbeiter Homer Smith (Sidney Poitier) ist mit seinem Wagen auf dem Weg durch die Wüste von Arizona. Um Kühlwasser nachzufüllen, macht er Station bei einer kleinen Gruppe Nonnen aus Europa, die mitten im Nirgendwo ein kleines, armseliges Konvent unterhalten. Für die Oberin Mutter Maria (Lilia Skala) ist Homer ein Geschenk des Himmels: Hier ist der Mann, der ihr die lang ersehnte Kapelle auf ihrem Grund bauen wird, damit die mexikanischen Einwanderer der Gegend ihre Sonntagsmesse endlich nicht mehr unter freiem Himmel besuchen müssen. Während Homer jedoch ein Entgelt für seine Mühen erwartet, über das die Schwestern nicht verfügen, nötigt Maria ihm geschickt Gewissen und Ehrgeiz ab, um das Projekt „Kapelle“ nach einigem Hin und Her doch noch in Angriff zu nehmen.

Nach seinem sogleich meisterhaften Leinwanddebüt „Requiem For A Heavyweight“ widmete sich Ralph Nelson einem etwas luftigeren, weniger schwermütigen Stoff mit einem bestens aufgelegten Sidney Poitier in der Hauptrolle. Vor allem der Hauptrollen-Oscar für Poitier, der erste und einer von bis heute lediglich Vieren für männliche afroamerikanische Darsteller, sorgte für nachhaltige Popularität für diese leise Komödie mit ernsten Untertönen hier und da. Seinen vornehmlichen Reiz bezieht „Lilies“ aus seiner Figurenkonstellation – sehr konträr angelegten Charakteren, deren Lebensziele letzten Endes identisch sind. Der Arbeiter-Tramp Homer Smith, ein intelligenter, vor Selbstbewusstsein strotzender Libertin, der sich die Welt macht, wie sie ihm gefällt und der sein Schlafgemach stets bei sich trägt, ist das Musterbeispiel für das neu erwachende, schwarze Selbstbewusstsein Amerikas. Homer ist keiner, der sich widerspruchslos „Boy“ nennen lässt und keiner, der es für selbstverständlich hält, dass seine Pigmentierung ihn minderwertiger dastehen lässt als irgendein hellhäutigeres Individuum.
Dem Nonnen-Quintett indes verlangt es nicht minder an Freiheit: Man erfährt, dass die fünf Frauen aus dem Ostblock, teils aus der DDR, stammen und den langen Weg nach Amerika mit einiger Not und unter Entbehrungen bewältigt haben, nur um schließlich am buchstäblichen Arsch der Welt ihr kärgliches Auskommen zu finden. Die zunächst imaginäre, später ansehnlich fertiggestellte Kapelle wird somit für die sich zu miteinander heimlich sympathisierenden Antagonisten Homer und Maria mehr und mehr zu einem Symbol für ihre jeweiligen Ideale und dafür, gegen alle Widerstände etwas zu schaffen, was zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Der heimliche, nie gänzlich eskalierende Konflikt zwischen Arbeiter und Mutter Oberin befeuert und beflügelt den wechselseitigen Idealismus nur; es geht schließlich darum, der bzw. dem anderen zu zeigen, dass Aufgeben keine Option darstellt. Das Problem des unterschwelligen Alltagsrassismus klingt dabei immer wieder an; die beiden mentalen Kontrahenten bezeichnen sich jeweils gegenseitig als „Hitler“ (wobei es dabei weniger um menschliche Belange denn um Dominanzverhalten geht), der lokale Bauunternehmer Ashton (von Nelson unkreditiert selbst gespielt) hat erstmal den nötigen Respekt vor Smith zu erlernen. Homers wesentliches (und berechtigtes) Misstrauen gegen alle Weißen stößt bei den Nonnen von hinter dem Eisernen Vorhang derweil ins Leere, denn die Damen scheren sich nicht um Hautfarbe. Am Ende, der Plan ist aufgegangen, haben alle nach der einen oder anderen Turbulenz ihr individuelles Ziel erreicht. Fast wehmütig, aber doch in berechtigtem Stolz, geht man auseinander und hat mancherlei Lektion gelernt.

8/10

FATHER GOOSE

„How in English do you say „parachute“?“

Father Goose (Der große Wolf ruft) ~ USA 1964
Directed By: Ralph Nelson

Papua-Neuguinea, 1942: Der emeritierte Professor und Aussteiger Walter Eckland (Cary Grant) tuckert mit seinem Boot durch den Südpazifik, trinkt Scotch lässt den Krieg einen guten Mann sein und lebt so in den Tag. Sein alter Bekannter Frank Houghton (Trevor Howard) entscheidet sich, Walter kurzerhand als Inselwächter und Funker auf einem verlassenen Eiland zu verdingen und bedient sich dazu recht unfairer „Überredungskünste“.
Eines Tages evakuiert Walter mehr durch Zufall die Französischlehrin Catherine Freneau (Leslie Caron) und sieben ihrer Schülerinnen, die unfällig auf einer der Nachbarinseln gestrandet sind, und nimmt sie zähneknirschend bei sich auf. Nach einigen Reibereien verlieben sich die beiden ungleichen Zwangsgefährten ineinander.

„The African Queen“ und „Heaven Knows, Mr. Allison“, beide von John Huston, hatten es hinlänglich vorgemacht: Weltkriegskulisse, ein exotischer Schauplatz, ein versoffenes Raubein und eine zierliche Dame von gesteigerter Intelligenz ergeben stets eine fruchtbare Mischung, wenn es um die Ausarbeitung  einer Romanze vor Extremsituationen geht. „Father Goose“ erhöht den Comedy-Faktor der beiden, eher im tragikomischen Sektor anzusiedelnden Huston-Epen, indem er den Pazifikkrieg weitgehend zum Nebenschauplatz deklariert und sich ganz auf die obskure Konstellation Eckland/Freneau und natürlich die sieben Schulmädchen konzentriert. Die acht Damen bringen Cary Grant in seiner vorletzten Filmrolle schwer ins Schwitzen, da sie sich ebenso störrisch wie reizvoll in das vormals ob seiner Unordnung sorgsam durchdeklinierte Leben des versoffenen Aussteigers drängen. Nach anfänglicher Ablehnung der höchst eigensinnigen weiblichen Gesellschaft muss Eckland einsehen, dass er die Mädchen sehr gern hat und ihre Lehrerin sogar noch etwas lieber. Der bewschwerliche Weg der neun gestrandeten Menschlein beinhaltet einige Renitenzen durch die mit ihrer Situation verständlicherweise höchst unzufriedenen Schülerinnen, etliche, spritzige Wortgefechte zwischen Grant und Caron ganz nach klassischer Screwball-Manier, ein falscher Schlangenbiss, ein derbes Besäufnis und schließlich die entgegen aller Wahrscheinlichkeiten vollzogene Eheschließung des sich findenden Paars. Dass noch ein japanisches Aufklärungsschiff torpediert und versenkt wird, erinnert schlussendlich nochmal explosiv an den gewählten, historische Zeitrahmen.
Ein schöner, runder Sonntagnachmittagsspaß und ein exquisites Geschenk an seine beiden bezaubernden Hauptdarsteller.

8/10

DADDY’S HOME TWO

„Why didn’t het let go?“ – „Because he’s an idiot!“

Daddy’s Home Two (Daddy’s Home 2 – Mehr Väter, mehr Probleme) ~ USA 2017
Directed By: Sean Anders

Nachdem es Brad Whitaker (Will Ferrell) und Dusty Mayron (Mark Wahlberg) gelungen ist, ihre Differenzen beizulegen, ist so etwas wie echte Freundschaft zwischen den ungleichen Vätern entstanden. Kleinere Zipperlein wie das dezentralisierte, jährliche Weihnachtsfest lassen das Patchwork-Leben jedoch noch immer etwas kompliziert erscheinen, was besonders die Kinder trifft. Um auch diesen Zustand zu optimieren, sollen in diesem Jahr Brads und Dustys Väter eingeladen werden, ersterer (John Lithgow) ein ewig gut gelaunter Weltverbesserer und Idealist der alten Schule, zweiterer (Mel Gibson) ein Ex-Astronaut und unrettbarer Schürzenjäger mit höchst tradierten Gendervorstellungen, der sogleich die Gelegenheit nutzt, zum Fest ein schickes Chalet zu mieten, in dem die komplette Familie Platz hat. Gibt es unter der höchst heterogenen Mischsippe nicht bereits genug Sticheleien und böses Blut, eskaliert die Situation endgültig, als Dustys „Vorgänger“ Roger (John Cena) vor Ort auftaucht…

Dafür, dass nicht bevorzugt eine der verdienteren Ferrell-Komödien wie „Step Brothers“ oder „The Other Guys“ eine Fortsetzung erfahren durfte anstelle des etwas braver geratenen „Daddy’s Home“, mag es triftige Gründe geben. Ich selbst hätte dergleichen bevorzugt, kann aber auch mit „Daddy’s Home Two“ gut leben.
Nachdem sich Ferrell und Wahlberg im ebenfalls von Sean Anders kreierten Vorgänger bereits Einiges an hochnotpeinlichen Schlagabtäuschen zu liefern hatten, spitzt sich die Situation im Sequel quasi noch mehr zu, indem die – natürlich völlig erwartungsgemäß metaklischiert charakterisierten – Erzeuger der Erzeuger auftauchen und ein Maximum an Unruhe in den zuvor so filigran austarierten Familienhaushalt bringen. Die Kunst Anders‘ liegt darin, den vier männlichen Protagonisten jeweils hinreichend Bühne zu bereiten und nicht einen von ihnen im Regen stehen zu lassen. Dies gelingt ihm zwar nicht immer ganz zuverlässig, funktioniert jedoch über weite Strecken recht reibungslos. Die Senioren Lithgow und Gibson erweisen sich als Erste Wahl für die völlig diametralen Opas, wobei besonders der gebürtige Australier allerlei Gelegenheit erhält, seine Eskapaden der letzten Jahre und sein infolge dessen lädiertes öffentliches Image fürstlich aufs Korn zu nehmen, indem er seinem Part die ultimative Mischung aus konservativem Hardliner und reaktionärem Macho verleiht, der als Vater (und Großvater) natürlich ein völliger Versager ist, jedoch viel zu sehr eingefleischter Egomane, um selbiges überhaupt noch zu bemerken. Dennoch, wenn Gibson sich über Whitaker Junior und Senior lustig macht, kann man nicht anders, als es ihm gleich zu tun, worin der Film die schönsten Momente seiner sonst oftmals nur angedeuteten Doppelbödigkeit entwickelt.
Ansonsten setzt sich die zuletzt beobachtete Tendenz, derzufolge Ferrells Humoresken  zunehmend entschärft und auf eine familientauglichere und politisch sensitivere Ebene gehievt werden, neuerlich beobachten. Echten Biss entwickelt „Daddy’s Home 2“ nur ganz selten, und dann beinahe wie zufällig. Er begreift sich vermutlich eher als traditionsbewusster Beitrag zum beliebten, klassischen Subgenre der amerikanischen Weihnachtskomödie. Und dass die in den allermeisten Fällen harmonisch und versöhnlich ausfällt, gehört zu ihrem ureigenen Impetus.

7/10