ANIMALYMPICS

„I am in training, always. In my life, there is no time for women.“

Animalympics (Dschungel-Olympiade) ~ USA 1980
Directed By: Steven Lisberger

Die Tiere der Erde treffen sich erstmals zum friedlichen Sportwettkampf aller Arten und Kontinente. Ermöglicht wird das gigantische Spektakel vom Fernsehsender „ZOO“. Während die meisten verbissen um den Sieg kämpfen, findet Ski-Star Kurt Wuffner sein ganz persönliches „Dogri-La“ im Gebirge und bahnt sich zwischen den Marathon-Spitzenläufern Kitty Mambo und René Fromage allmählich eine unerwartete Liebelei an…

Ursprünglich als zweiteiliges Special des Senders NBC in Auftrag gegeben, erblickte infolge des von Jimmy Carter ausgerufenen US-Boykott der olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau (die Sowjets hatten kurz zuvor ihre Afghanistan-Invasion gestartet) zunächst nur das Wintersport-Segment die Bildschirme. Regisseur Lisberger und Produzent Donald Kushner bereiteten das Gesamtwerk daraufhin für einen internationalen Kinoeinsatz vor, mitsamt 35mm-Aufblähung und Dolby-Surround-Magnetton. Während das daraus resultierende Werk „Animalympics“ dann in den USA dennoch lediglich eine TV-Premiere via HBO erlebte, waren ihm in Europa recht ordentlich dotierte Kinoeinsätze beschieden.
Besonders in Verbindung mit der damals vorherrschenden, politischen Globalsituation besitzt „Animalympics“ bis heute einen gewaltigen Charme als gleichermaßen liebenswertes wie urkomisches und intelligentes Plädoyer für friedliche Co-Existenz. Die vermenschlichten Tiere wachsen durchweg über ihre „naturgegebenen“ Eigenschaften und Stärken hinaus, wobei viele von ihnen, zumeist natürlich die sympathisch gezeichneten, besondere Nehmer- und Gewinnerqualitäten an den Tag legen. Neben einigen klassischen Stücken von Mussorgsky, Berlioz und Brahms gibt es zehn von 10cc-Sänger und -Bassist Grahan Gouldman geschriebene und interpretierte Originalsongs, die, teils in voller Länge ausgespielt, jeweils mit videoclip-artigen Sequenzen unterlegt sind, deren Gestaltung mitunter stark psychedelische Züge annimmt. Jene Momente bilden die größte Stärke von „Animalympics“. In ihnen findet der Film ganz zu sich selbst in einer berührenden und sinnesaffizierenden, teilweise brillant arrangierten Mischung aus Bildern und Musik, die zweifelsohne auch eine Hommage an die klassische Disney-Phase darstellen und entsprechende Szenen aus „Dumbo“ oder „Fantasia“ Eherbietung erweisen. Vor allem die Stücke „Love’s Not For Me“, das den zermürbenden Ehrgeiz von Spitzensportlern karikiert, „Away From It All“ mit seiner Capra-Reverenz und „Underwater Fantasy“, das den Turmsprung des Schwimmasses Dean Wilson zu einem irrsinnigen Acid-Trip überhöht, sind unvergesslich.
Nun ist „Animalympics“ nicht durchweg perfekt. Die Begrenzung seiner Mittel kommt in der nicht immer detaillierten Gestaltung der Hintergründe oder der starr bis oberflächlich gezeichneten Zuschauermassen zum Ausdruck. Über die deutsche Vertonung, die (in Berlin) einerseits sehr kindgerecht arrangiert, dafür aber auch mit unnötigen Zusatzgeräuschen „angereichert“ wurde, lässt sich gewiss streiten. Insgesamt überwiegen jedoch deutlich die animatorischen Glanzstücke und vor allem die alles überlagernde Botschaft, die zum Schluss hin nochmal überdeutlich ausformuliert wird: Love conquers all. Wenn Ziegenbock René Fromage und Löwendame Kitty Mambo händchenhaltend Richtung gemeinsamem Happy End nebst romantischem Sonnenuntergang entjoggen, dann sollte die Lektion für die ganze Welt wahrlich hinreichend prägnant präsentiert sein.

8/10

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VICTOR CROWLEY

„We are so dead.“

Victor Crowley ~ USA 2017
Directed By: Adam Green

Nach Jahren der trügerischen Ruhe brodelt es wieder im Honey Island Swamp – ein dulles Trio von Amateurfilmern (Katie Booth, Chase Williamson, Laura Ortiz) sorgt durch seine Unachtsamkeit dafür, dass der mutierte Massenmörder Victor Crowley (Kane Hodder) die längste Zeit im Jenseits schlummerte. Zudem stürzt das Flugzeug eines Fernsehteams, das den damaligen Überlebenden Andrew Yong (Parry Shen) vor Ort interviewen möchte, vor Ort ab. Der alte Victor bekommt einiges zu tun…

Wie es sich für standesgemäße boogy men ziemt, war auch die Reaktivierung des Sumpfmonsters Victor Crowley, standesgemäß wieder von Kane Hodder interpretiert, bloß eine Frage der Zeit bis zur ohnehin überfälligen Rückkehr zum blutigen Aktionismus. Nachdem Kollege BJ McDonnell ihn im dritten Teil auf dem Regiestuhl ablöste, überraschte Adam Green seine Fangemeinde beim Frightfest UK im Herbst letzten Jahres mit der Eröffnung, dass ein neuer „Hatchet“ nicht nur in Planung, sondern bereits fertig sei und itzo auch gleich angeschaut werden könne. Die Reaktionen der Anwesenden sollen höchst euphorisch ausgefallen sein, was man ihnen angesichts der Überraschung kaum verdenken kann.
Nachdem bereits die Vorgänger keinen Hehl aus ihrer unbedingten Affinität zur Selbstironie und Transzendierung des gesamten Genres machten, ist „Victor Crowley“ nun endgültig reine Comedy, die sich jedoch durch dermaßen fiese (handgemachte!) Pampereien und matschiges Blutgesuhle angereichert findet, dass das Ganze natürlich trotzdem weiterhin seinem ganz exklusiven Publikum vorbehalten bleibt. Greens kernige Witze zünden zwar nicht immer, erweisen im besten Falle aber Humor-Großtätern wie Adam Sandler und Will Ferrell Reverenz, wobei die Rolle des schmierigen, am Ende aber doch aufopfernd-heldenhaften Touri-Führers Dillon (David Sheridan) besonders letzterem perfekt auf den Leib geschrieben gewesen wäre. Auch sonst ist Green ein ganzes Konglomerat aus Reminiszenzen und Hommages aus der Feder geflossen, die freilich auch wieder mit einigen netten cameos einhergeht.
Den Hut ziehen muss man diesmal ganz im Ernst vor der sich immer zeitgemäßer und liberaler gebenden FSK, die das gnadenlose Überspitzungspotenzial des Films völlig durchblickt und ihn ungeschnitten mit einer 18er-Freigabe durchgewunken hat. Vor dreißig Jahren wäre das Ding einkassiert worden, bevor der erste bundesdeutsche Filmvorführer auch nur ein Spitze von Victor Crowleys zauseligem Haupthaar zu Gesicht bekommen hätte. Humor muss man haben, dann klappt’s auch mit dieser Spaßgranate.

7/10

THE LONELY GUY

„Don’t worry. You’ll meet another girl.“

The Lonely Guy (Ein Single kommt selten allein) ~ USA 1984
Directed By: Arthur Hiller

Grußkartenschreiber Larry Hubbard (Steve Martin) steckt in der Krise: Nachdem er seine Freundin (Robyn Douglass) in flagranti erwischt hat, ist er urplötzlich Single und teilt damit das traurige Schicksal Millionen anderer New Yorker. Zu denen zählt auch Warren (Charles Grodin), der mittlerweile so verzweifelt ist, dass er einen Sprung von der Brooklyn Bridge bereits fest eingeplant hat. Trotz Hunden, lebensechten Pappaufstellern und anderen Kompensationsstrategien will es Larry und Warren nicht gelingen, glücklich zu werden. Doch das Schicksal hat selbst mit ihnen ein Nachsehen…

„The Lonely Guy“ dürfte wohl einer der Filme sein, die Steve Martins Renommee als zuverlässiger Filmkomiker in den achtziger Jahren mit am Nachhaltigsten gefestigt haben. Dass Neil Simon am Script beteiligt war, lässt sich zudem unschwer vermerken: Manhattan gerät hier, vor dem unwiederbringlichen Großstadt-Hedonismus seiner Dekade, zum Schmelztiegel gebrochener Herzen und urbaner Anonymität, was Hillers Film in Form einiger erstklassiger Slapstick-Gags, die sich in ihrer realistischen Konsequenz natürlich umso bitterer ausnehmen (aber eben das macht ja wahrhaft große Comedy aus), und in episodenhafter Form kommentiert. Nicht jeder Lacher hält allerdings einer mehrfachen, respektive wiederholten Überprüfung stand; vor allem aber sieht man sich als Zuschauer dem gedanklichen Konstrukt, dass eine erfüllte Existenz nur unter der Bedingung einer funktionierenden Partnerschaft möglich ist, erstmal widerspruchslos ausgeliefert. Ein sich durch die Kinogeschichte geradezu pflügendes Phänomen nebenbei: Ich habe mich im Nachhinein gefragt, ob es überhaupt jemals einen Film gegeben hat, der das Singledasein bedingungslos abfeiert? Dürfen Singles sich im Rahmen filmischer Wirklichkeit auch einmal als vollwertige Gesellschaftsmitglieder wähnen? „The Lonely Guy“ jedenfalls firmiert spätestens zum (bewusst surreal gestalteten?) Zuckerfinale hin als massive Breitseite gegen jedwede Lebenskonzeption, die Partnerschaftlichkeit ausspart, mit bisweilen herrlich satirischem Zungenschlag zwar, aber em Ende doch sehr konsequent. Aber was hätte Hiller andererseits auch zeigen sollen? Wie Martin und Grodin, quasi als Kulmination des bittersten running gags des Films, sich von der Brücke stürzen, ohne aufgefangen zu werden? Das hätte dann wohl niemand verkraften können…

8/10

ST. ELMO’S FIRE

„We’re all going through this. It’s our time at the edge.“

St. Elmo’s Fire ~ USA 1985
Directed By: Joel Schumacher

Seit ihrem Studium nebst den noch nicht lang zurückliegenden, hochqualifizierten College-Abschlüssen sind die sieben Freundinnen und Freunde Wendy (Mare Winningham), Billy (Rob Lowe), Leslie (Ally Sheedy), Alec (Judd Nelson), Kevin (Andrew McCarthy), Jules (Demi Moore), und Kirby (Emilio Estevez) unzertrennlich. In ihrer Lieblings-Studentenkneipe, der „St. Elmo’s Bar“, finden sie sich nach und zu jedem Leid und jeder Freud zum Feiern ein. Bis irgendwann dann doch das gefürchtete Erwachsenwerden etwas verspätet und mit der gebührenden Vehemenz an ihre adoleszenten Türen klopft: Obschon Leslie und Alec als ewiges Traumpaar kurz vor ihrer Hochzeit stehen, ist der eher stille Kevin, den die anderen schon für schul halten, seit eh und je heimlich in Leslie verliebt, Wendy, noch Jungfrau und aus konservativ-jüdischem Hause, liebt derweil Billy, der als Rock-Saxofonist ein haltloses Lotterleben zwischen Suff, Promiskuität und versehentlich gezeugtem Baby führt. Jules liebt die Rolle des glamour girl und steuert zwischen Koks und Champagner auf die finanzielle Pleite zu und Kirby verrennt sich in eine Liebelei zu seiner etwas älteren Ex-Kommilitonin Dale (Andie MacDowell), bei der er überhaupt keine Chance hat.

Der im Laufe der Jahre, spätestens jedoch seit seinen beiden beispiellos zielstrebig vor die Wand gefahrenen „Batman“-Filmen in den Neunzigern zunehmend streitbare Regisseur Joel Schumacher hat zumindest in meiner Wahrnehmung mit einigen früheren Arbeiten noch echte Marksteine setzen können. Sein dritter Regiefilm „St. Elmo’s Fire“ etwa ist schon deshalb von bleibendem kulturhistorischen Wert, weil er einen der wenigen echten Ensemble-Filme der Achtziger-Brat-Pack-Generation markiert. Neben Coppolas schwelgerischer Hinton-Adaption „The Outsiders“, gewissermaßen der Initialschuss für jene von hübschen Teenagern dominierte Hollywood-Nachwuchs-Clique, bildeten Milius‘ „Red Dawn“ und schließlich John Hughes „The Breakfast Club“ die weiteren „Kernwerke“ dieser sich über die gesamte Dekade hinziehenden, genreunabhängigen und rein via ihres darstellerischen Personals umreißbaren Strömung, da in ihnen jeweils eine größere Schnittmenge des vielleicht zwölf, dreizehn Darstellerinnen umfassenden Brat Pack auftrat. „St. Elmo’s Fire“ ist gewissermaßen der leicht verfüht gesetzte Schlusspunkt; ein generationsbezogen kontemporär angelegter „Big Chill“ und letzter Seufzer der Adoleszenz, bevor das Leben in mehr oder weniger begradigte, bourgeoise Yuppie-Bahnen übergeht. Gleich drei Teilnehmer des fast zeitgleich entstandenen „Breakfast Club“ (Estevez, Sheedy, Nelson) werden da urplötzlich von Schülern zu Ex-Studierenden deklariert und man nimmt es ihnen umweglos ab. Der etwas aufgesetzte Symbolismus des Elmsfeuers, dessen sich der Film ja bereits titulär befleißigt, steht im Zusammenhang mit dem finalen Schritt hin zum Erwachsenwerden für zweierlei: das verzweifelte Festhalten an der wenig verantwortungsvollen Existenz als Jugendlicher einerseits und die uneinlösbaren Versprechungen der idealisierten Bürgerlichkeit zum Anderen. Die „Probleme“, mit denen das Septett sich herumzuschlagen hat, entsprechen gewissermaßen den subsummierten, relativ luxuriösen Begleiterscheinungen und psychosozialen Redundanzien ebenjener Schwellenwanderung, inmitten der die Yuppie-Generation heraufbeschwörenden reagonomics. Als Zeitporträt mit einem zudem gloriosen Titelstück somit unbedingt konservierungs- und auch sehenswert.

8/10

PRETTY IN PINK

„I’m off like a dirty shirt.“

Pretty In Pink ~ USA 1986
Directed By: Howard Deutch

Die ebenso aparte wie kluge Teenagerin Andie Walsh (Molly Ringwald) macht das beste aus ihrem Leben als Tochter eines grenzdepressiven, alleinerziehenden Arbeitslosen (Harry Dean Stanton): In der High School gehört sie zu den Überfliegerinnen, ihre Klamotten schneidert sie selbst und verdient sich ein paar Kröten nebenher im kleinen, alternativ angehauchten Plattenladen der leicht durchgedrehten Iona. Dass sie ausgerechnet in den Bourgeoisie-Filius Blane McDonough (Andrew McCarthy) unsterblich verknallt ist, geht vor allem zu Lasten von Andies Sandkastenfreund Phil Dale, genannt Duckie (Jon Cryer), der sie besser kennt als jeder andere und seine aufrichtige Liebe zu ihr hinter albernem Gehabe versteckt. Als Duckie schließlich einsieht, dass Blane gar kein so übler Typ ist, macht er den Weg für das künftige Paar frei.

Broken hearts for you and me: „Pretty In Pink“, das Regiedebüt des künftigen John-Hughes-Faktotums Howard Deutch, ist im tiefsten Herzen ein Arschloch-Film, wie bereits „Sixteen Candles“ zuvor, der hier mit leicht veränderter Agenda, weniger Humor und stattdessen mehr pubertärem Pathos neu aufgelegt wurde. Gut, man kann im Hinblick auf das gewiss nicht völlig unromantische Ende dergestalt argumentieren, dass es Andie und ihrem Traumprinzen Blane vergönnt ist, sich über die (nicht eben diffizil umrissenen) sozialen Schranken von Standesdünkel und Vorurteilen hinwegzusetzen. Dass dabei jedoch der arme Duckie, der die g’scheite Andie eigentlich doch sehr viel mehr verdient hätte, im Regen stehen bleibt, ist ein deftiger Tritt in die ohnehin gebeutelten Familienjuwelen aller unglücklich Verliebten, denen offenbar selbst in einer amerikanischen High-School-Version von Grimms Märchen noch die Türen vor der Nase zugeschlagen werden. Okay – die eine oder der andere wird dagegenhalten: „Aber Duckie geht doch gar nicht leer aus, im Gegenteil, er bekommt Kristy Swanson (von den Credits schelmisch als „Duckette“ bezeichnet), die am Ende qua urplötzlich vom Himmel fällt und ihn siegesgewiss anlächelt. Duckie hat sich von seinen irrealen Träumen emanzipiert und ist nun bereit, eine echte, erwachsene Beziehung einzugehen.“ „Blödsinn!“, sage ich dazu. Duckie hätte die Heldin verdient gehabt, die er sich Zeit seines Lebens erträumt, von der eigentlich nur er wirklich weiß, wie sie tickt und die ihm – in vorgeblich naiver Arroganz – das Herz auf die schlimmste Art und Weise herausreißt, die dem Ungeliebten beschert werden kann: Sie zeigt ihm ihr erotisches Desinteresse auf und erwartet von ihm die selbstverständliche Annahme ihrer Perspektive, die ihn als bruderhaften Kumpel ausweist. Insofern hat sie auch überhaupt nicht das Recht dazu, beleidigt zu reagieren, als er vor ihr ein einziges Mal die Fassung verliert und ihr in drei, vier, todaufrichtigen Sätzen sein in Wallung gebrachtes Gefühlsleben ausschüttet. Doch sie ist erst gar nicht bereit, das auch nur im Mindesten anzuerkennen. Insofern wird niemand, der je unglücklich verliebt war, in „Pretty In Pink“ sein Seelenheil finden, zumal garantiert keiner von uns je eine Kristy Swanson zum Trösten vobeigeschickt bekam.
Als Zeit- und Generationsportrait taugt das „Brat-Pack“-Werk natürlich wiederum; James Spader nimmt sich, wenngleich völlig offensichtlich typegecastet, ganz wunderbar aus als intriganter Fatzke und die Songauswahl mit nicht weniger als drei (!) New-Order-Nummern und natürlich dem luxuriösen Titelstück wäre sowieso über jeden Zweifel erhaben. Allein das wehmütig schlagende Herz des in trübe Vergangenheitsidentifikationen verfallenen Chronisten mag sich in ihm so ganz und gar nicht behaglich fühlen.

7/10

THOR: RAGNAROK

„I have to get off this planet!“

Thor: Ragnarok (Thor – Tag der Entscheidung) ~ USA 2017
Directed By: Taika Waititi

Nach den Ereignissen um den mordenden Roboter Ultron und einer längeren, erfolglosen Suche nach den Infinity-Steinen kann der Donnergott Thor (Chris Hemsworth) den Feuerdämon Surtur besiegen. Derweil hat der altersmüde Odin (Anthony Hopkins) Asgard verlassen und Thors intriganter Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) unerkannt die Identität des Göttervaters angenommen. Nach der Klärung der Situation verabschiedet sich Odin von seinen Söhnen gen Walhalla, derweil sein ältestes Kind, die aus ihrer Gefangenschaft entkommene Todesgöttin Hela (Cate Blanchett), nachdrücklich ankündigt, dass künftig sie über Asgard herrschen wird. Zuvor entledigt sie sich ihrer beiden Brüder, die auf Sakaar landen, dem derzeitigen Aufenthaltsort des „Grandmaster“ (Jeff Goldblum), einer der kosmischen Entitäten, der nichts mehr liebt als Schaukämpfe. Als sein derzeitiger Champion entpuppt sich der mittlerweile seit zwei Jahren pausenlos im monströsen Körper des Hulk gefangene Bruce Banner (Mark Ruffalo). Nach einem für Thor desaströs endenden Kampf in der Arena gelingt es dem Donnergott, Banners menschliches Ich zurückzuholen und gemeinsam mit ihm und der zwischenzeitlich abtrünnigen Walküre (Tessa Thompson) nach Asgard zu entkommen, um Hela ein für allemal zu stellen.

„Thor: Ragnarok“ nimmt denselben Weg wie James Gunns „Guardians Of The Galaxy“-Filme und wählt zur Dargabe seiner epischen Geschichte den Weg selbstironischer Comedy, gepaart mit gewaltigen, knallbunten, bewusst effektüberladenen Bildern und nostalgischen Pulp-/Camp-Elementen, die im Golden und Silver Age der Comics fußen und diesen liebevoll-komische Reminiszenz erweisen. Wie zuvor bereits „Captain America: Civil War“ fokussiert sich der Film trotz eindeutiger Namensgebung keinesfalls mehr allein auf die Titelfigur, sondern versteht sich, ganz im Sinne des event movies, das er eben ist, als Mash-Up – Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) liefert sich einen gepflegt redundanten Auftritt als Suchshelfer auf der Spur des verschollenen Göttervaters und auch das bislang offene, weitere Schicksal des Hulk klärt sich. Der grüne Goliath ist nun endlich seiner aus den klassischen Comics berüchtigten, artikel- und präpositionslosen Rudimentärsprache mächtig, was allerlei komische Anlässe zu Konflikten mit dem unterdessen seiner Zauselmähne entledigten Donnergotts bietet. Neue Charaktere wie die Walküre (im verjährten Print noch der Inbegriff arisch-nordischer Wagnerismen, jetzt Hollywoods neuer Farbenfreude gemäß eine afro-asische, saufende Rotzamazone), der verräterische Ase Skurge (Karl Urban) oder der superliebe, steinerne Gladiator Korg (mit der Stimme des Regisseurs „angereichert“ ein klarer Rekrutierungsfall für die Guardians) sorgen für frische Impulse. Led Zeppelins Wikingerstück „Immigrant Song“ erklingen zu lassen, ist ein etwas offensichtlicher, aber immer noch toller Einfall, der es jedoch als einmalig bemühtes Bonmot getan hätte.
Waititi kennt man nunmehr als einen sympathische Filmemacher mit wohlfeilem Humor, dessen Engagement ausgerechnet für einen „Thor“-Film man allerdings gut und gern zwischen den Kreativpolen „eklektisch“ und „widersinnig“ anordnen möchte. Göttliche Grandezza, pompöses Superheldenspektakel und fiebriges Pathos gehen bei erwartungsgemäß ihm auf Nulllinie. Nicht jedem Anhänger meternster, nordischer Sagen wird das munden. Wenn dann noch Jeff Goldblum den dereinst blauhäutigen, stets respekteinflößenden, kosmischen Schachspieler Grandmaster (der eigentlich in einer Liga mit Giganten wie dem Beobachter oder Galactus spielt) zu einem seiner ihm eigenen Exalthiert gemäß interpretierten, wirren, etwas tuckig angehauchtenen Flitter-Alien ummodelt, dann gilt es abermals, umzudenken.
Vom „alten“ Thor und seinem ihn geleitenden, umfangreichen Mythologiepool heißt es ferner radikal Abschied nehmen. Die drei Freunde Hogun (Tadanobu Asano), Fandral (Zachary Levy) und Volstagg (Ray Stevenson) werden flugs und ohne großes Aufheben aus den neun Welten getilgt, für Anthony Hopkins gibt es einen kaum minder überhasteten Abschied um am Ende geht auch Asgard selbst infolge der lang gefürchtete, göttliche Apokalypse verlustig, seine letzten überlebenden Exilanten auf großer Sternentour in großem Raumschiff. Ragnarök findet zu böser Letzt also tatsächlich noch statt, ein weiterer heroischer Verlust auf dem Weg zum in Kürze stattfindenden, alles involvierenden Infinty War. Ob und inwieweit die neue MCU-Spaßigkeit diesem noch adäquat zu Gesicht stehen wird, bleibt fürs Erste abzuwarten.

7/10

SIXTEEN CANDLES

„Would you stop feeling sorry for yourself? It’s bad for your complexion.“

Sixteen Candles (Das darf man nur als Erwachsener) ~ USA 1984
Directed By: John Hughes

Kein schöner sechzehnter Geburtstag für die ohnehin pubertätsgefrustete Samantha Baker (Molly Ringwald): Weil ihre ältere Schwester Ginny (Blanche Baker) am nächsten Tag heiraten wird, gerät der eigene Ehrentag bei der gesamten Familie in Vergessenheit. Hinzu kommt, dass alle vier Großeltern bei den Bakers logieren und eines der beiden Seniorenpaare noch den konfusen, chinesischen Austauschstudenten Long Duk Dong (Gedde Watanabe) im Gepäck hat. Selbigen soll Samantha zu einem abendlichen Schulball mitschleppen, wo ihr bereits ihr aufdringlicher Verehrer Geek (Anthony Michael Hall) auflauert. Dass tatsächlich auch der von Samantha angehimmelte Jake (Michael Schoeffling) reges Interesse an ihr hat, will sie zunächst gar nicht wahrhaben…

Bevor John Hughes sich mit seinen folgenden Arbeiten zum großen Teenager-Problemonkel der achtziger Jahre aufschwang und hier und da auch nachdenklichere Töne walten ließ, setzte er in seinem Regiedebüt noch auf eine ziemlich tuffige Menagerie aus Scherchzen, von denen nicht eben jeder zünden mag, die aber immerhin auch den einen oder anderen gelungene Gags parat hat. Hughes‘ Muse Molly Ringwald – von ihm in nur acht Filmen immerhin dreimal besetzt – steht als mit sich und der Welt gepflegt unzufriedene High-School-Göre im Zentrum des Geschehens. In der verfluchten Zwischenzone, in der sie sich befindet, quasi auf halbem Wege zwischen Kindheit und Großwerden, muss sie sich einerseits noch käseköpfiger Tröpfe wie dem zahnspangenbewährten Geek und seinen Nerdfreunden erwehren, bekommt aber andererseits ein hochrotes Antlitz, wenn sich der von allen bewunderte Superschwarm Jake nach ihr umschaut. Der den per definitionem Geek titulierte, spielende Anthony Michael Hall, mit wiederum dreifachem Hughes-Auftritt quasi das männliche Gegenstück der Ringwald bei Hughes, ist gewissermaßen zugleich auch das ewige alter ego des Regisseurs: schmalschultrig, jungenhaft, wenig attraktiv, intelligent, schlagfertig und irgendwie nicht recht in der komplexen Hierarchie der peer groups angekommen. Als zweite Zentralfigur schafft er es ebenso wie Samantha, am Ende sein Glück in einer eher der Hilflosigkeit aller Beteiligten geschuldeten Zweisamkeit zu finden. Zumindest da bleibt Hughes dem Realismus verhaftet: Die Heldin bekommt das Arschloch, das sie von vornherein im Visier hat (ihr Jake sieht zwar gut aus und kommt aus reichem Hause, ist aber ansonsten bloß eine völlig hohle, charakterleere Nuss) und der Geek eine zwar ansehnliche, aber dafür versoffene Partydohle (Haviland Morris) mit weitaus umfassenderem Erfahrungshorizont – Jakes Ex nebenbei. Auf dem Weg zu diesen eigentlich unerquicklichen Romanzen mit absehbar kurzer Halbwertzeit liegen eine amtliche Songzusammenstellung sowie einige wirklich komische Momente, die sich allerdings primär bei den spleenigen Großeltern verorten lassen. Auch Gedde Watanabe, der zu jener Zeit auf spleenige Asiaten abonniert war, bekommt ein paar nette Bonmots mit auf den Weg. Persönliche humorige Höhepunkte sind allerdings all jene Szenen, die mit der Hochzeit von Schwester Ginny mit einem öligen Mafiaspross (John Kapelos) in Zusammenhang stehen: hier erweist sich Hughes als begnadeter Beobachter und Skizzierer skurriler Vorstadt-Spießigkeit, eine Eigenschaft, die ihm im Laufe der kommenden Jahre mehr und mehr abhanden kommen wird.

7/10