WONDER WOMAN

„What I do is not up to you!“

Wonder Woman ~ USA/CN/HK/UK/I/CAN/NZ 2017
Directed By: Patty Jenkins

Die Amazone Diana (Gal Gadot) wächst auf der vom Rest der Welt abgeschotteten Insel Themyscira auf, deren Bewohnerinnen eine enge Verbindung zur griechischen Sagenwelt pflegen. Ihren ersten Mann bekommt Diana 1918 zu Gesicht, als der US-Pilot Steve Trevor (Chris Pine) durch Zufall vor ihrer Insel notwassert. Als die idealistische, friedliebende Diana von ihm erfährt, was sich soeben in der Außenwelt abspielt, entschließt sie sich in der Überzeugung, der Kriegsgott Ares sei für jene Schrecknisse verantwortlich, Trevor zu folgen und den mythologischen Unhold zu stellen. Bevor sie Ares tatsächlich gegenübersteht, hat Diana noch einige Abenteuer zu bestehen.

Mit „Wonder Woman“ geht DC in die vierte Filmrunde und liegt damit noch immer meilenweit hinter der Konkurrenz von Marvel zurück. Ob sich dahinter eine Strategie verbirgt, das Publikum nicht zu übersättigen, oder ob es schlicht der zurückhaltenderen Qualität der Resultate anzulasten ist, dass sie wesentlich geringer frequentiert zu Tage treten, mag Spekulationssache sein. „Wonder Woman“, um den ja wieder recht großes Trara veranstaltet wurde, von wegen „erster von einer Regisseurin inszenierter Superheldenfilm“ etc.pp. bewegt sich ziemlich eindeutig auf der von „Man Of Steel“ und „Batman V Superman“ vorgerodeten Schneise, den etwas schmalhirnigen „Suicide Squad“ eimal außen vorgelassen. Die Titel-Heroine, neben Superman und Batman seit jeher die Dritte im Bunde von DCs „Big Three“, hatte ihr aktuelles Debüt ja bereits inmitten der beiden alliierten Muskelprotze bei Zack Snyder gegeben und eine  dementsprechend sanft eingeleitete Kinogeburt. Innerhalb der Rahmenhandlung erhält sie von niemand Geringerem als dem alten Flederfuchs Bruce Wayne ein altes Foto aus dem Ersten Weltkrieg, das die seither um keinen Tag gealterte Heldin mit ihrem damaligen Galan Steve Trevor an der belgischen Front zeigt. Die hernach präsentierte origin wird also im Zuge einer Erinnerung abgespielt. Wonder Womans Herkunftsgeschichte ist im Rahmen ihrer Comic-Historie wohl so oft umgeschrieben und neu interpretiert worden wie die keiner anderen DC-Figur; mal ist sie aus einem Lehmklumpen heraus entstanden, dann wieder das Resultat eines schwachen, fleischlichen Moments, mal gibt es zwei Wonder Women (Dianas Mutter Hippolyta ist eigentlich ihre Vorgängerin). Was also eine wie auch immer geartete, direkte Anbindung an das gezeichnete Vorbild anbelangt, konnte der Film praktisch so gut wie nichts falsch machen. Die Idee, Diana erstmals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs aktiv werden zu lassen ihr hernach gleich auch noch dessen Beendigung zuzuschreiben, erweist sich als durchaus charmant. Dass bei den betagteren Vertretern der Superheldenzunft auch historische Szenarien funktionieren, wissen wir bereits von „Captain America: The First Avenger“. Das Schützengrabengetümmel der Westfront bietet der Heldin allerlei rustikale Gelegenheiten, ihre noch nicht zur Gänze entdeckten Fähigkeiten auszuschöpfen und ordentlich kaiserliche Soldaten von der Platte zu putzen. Mir hat’s gefallen. Gal Gadot geht als nahezu perfekte Realinkarnation der schönen Amazone durch, Chris Pine erschien mir indes austauschbar. Subsummiert ist „Wonder Woman“ durchaus okay und phasenweise vergnüglich, wozu auch eine gepflegte Leichtigkeit im Umgang mit dem Sujet beiträgt. Dennoch freue ich für meinen Teil mich nach wie vor wesentlich mehr auf „Infinity War“ als auf den „Justice League“-Film…

7/10

LILI MARLEEN

„So woll’n wir uns da wiederseh’n – bei der Laterne wollen wir steh’n…“

Lili Marleen ~ BRD 1981
Directed By: Rainer Werner Fassbinder

Während der letzten Tage vor Hitlers Überfall auf Polen pflegt die weder sonderlich begabte noch erfolgreiche Tingeltangelsängerin Willie Bunterberg (Hanna Schygulla) in der Schweiz eine Liebesbeziehung zu dem jüdischen Komponisten und Untergrundaktivisten Robert Mendelssohn (Giancarlo Giannini), was dessen Vater (Mel Ferrer) mit einigem Argwohn verfolgt. Er ist es schließlich auch, der das Paar durch seinen Einfluss auseinanderbringt. Willie wird derweil von dem Nazi-Offizier Henkel (Karl-Heinz von Hassel) „entdeckt“ und groß herausgebracht. Eine eilends konservierte Aufnahme der Kommisschnulze „Lili Marleen“, die von der unglücklichen Liebe eines kasernierten Gefreiten handelt, macht Willie zum Star, nachdem das Stück eher zufällig knapp zwei Jahre später via Radio Belgrad übertragen wird – mit gigantischem Erfolg. Von nun an wird Willie von nahezu jedem Deutschen hofiert, Hitler inbegriffen. Ihre Liebe zu Robert jedoch bleibt ungebrochen, ebenso wie die seine. Als die Gestapo Robert verhaftet, kann Willie unter Einsatz ihres Lebens seine Freilassung erwirken, indem sie seinem Vater kompromittierende Bilder von Konzentrationslagern zuspielt, wodurch dieser ein Druckmittel hat. Dennoch ist dem Paar kein glückliches Ende beschieden.

Fassbinders großer Brückenschlag zwischen den deutschen Kinoströmungen der Vorjahrzehnte wurde zugleich sein teuerstes Projekt, co-produziert von Luggi Waldleitner. Unübersehbar ist „Lili Marleen“ eine Aufbereitung der zwischenzeitlichen Biographie von Lale Andersen und beruft sich auch auf deren Buch „Der Himmel hat viele Farben“; ihrem letzten Ehemann Artur Beul zufolge versagte das Drehbuch jedoch darin, einen möglichst authentischen Abriss der realen Ereignisse zu liefern. Ob Fassbinder an einem solchen überhaupt interessiert war, lässt sich jedoch ohnehin bezweifeln. Vielmehr scheint besagte Schaffung einer stilistischen Schnittmenge sein kreativer Antrieb gewesen zu sein – Opas Schnulzenkino, eine vorsichtige, bewusst irreale Romantisierung der NS-Jahre, die unlängst im europäischen Ausland kultivierte Nazi-Kolportage, all das findet im Film zu einem eigenartigen, eklektischen und zugleich doch immens faszinierenden und spannenden Abriss. Das hohe Budget von über zehn Millionen Mark, die internationale Besetzung, die daraus resultierende Entscheidung, in englischer Sprache zu drehen, beeindruckende Massenszenen (darunter zwei als Führerpropaganda inszenierte Auftritte Willies) und vor allem der sich anschließende Kassenerfolg all das ließ spekulative Rückschlüsse auf Fassbinders mittelfristige Karriereplanung zu, dem man den Gang nach Hollywood nunmehr zumindest zuzutrauen bereit war. Ebenso bewies der Regisseur, dass er bereit und im Stande war, seinen signatorischen Stempel selbst einem „Fremdstoff“ aufzudrücken, das Ursprungsscript stammte nämlich von Manfred Purzer, dessen sonstige Arbeit von Fassbinder nicht erst bei näherer Beschau doch ziemlich weit entfernt anmutet. So verwundert es auch nicht weiter, dass die wenigen Frontszenen keinesfalls von Fassbinder selbst hergestellt, sondern ohne Umschweife aus Peckinpahs „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ entnommen wurden. Auch diese Arbeitweise, bereits konserviertes „Fremdmaterial“ in einen neuen künstlerischen Kontext zu setzen, kommt „Lili Marleen“ in seiner Gesamtheit noch zugute.
Zumindest Lale Andersen wird der Film bei aller sonstigen Qualität aber nicht gerecht. Gern hätte man mehr von ihrem knappen Überleben im Dritten Reich gesehen, wie es ihr, nachdem sie beim Führer in Ungnade gefallen war und beinahe in einem KZ gelandet wäre, weiter ergangen ist. Hier begnügt sich Fassbinder, ganz bei sich und bei seinen Vorstellungen der erzählten Zeit, mit der Konzentration auf jene unglückliche Liebesschmonzette und deren kurzen, unerklecklichen Ausgang.

8/10

TO HELL AND BACK

„Man, that’s the first time I ever seen a Texan beat himself to the draw.“

To Hell And Back (Zur Hölle und zurück) ~ USA 1955
Directed By: Jesse Hibbs

Texas, 1941. Nach dem Tod der Mutter (Mary Field) sieht der Farmerjunge Audie Murphy (Audie Murphy) keinen anderen Weg, für seine verwaisten Geschwister zu sorgen, als sich zum Miltärdienst zu melden. Zu jung und zu klein, wird er zunächst mehrfach abgelehnt, landet dann aber schlussendlich in der Army und, nach der Grundausbildung, in Nordafrika, von wo ihn der Weg über Sizilien, Anzio und Südfrankreich bis zum Elsass führt. Murphy gilt bald als Mustersoldat, wird mehrfach befördert und trotz seiner fehlenden Schulbildung für eine Offizierslaufbahn in West Point vorgeschlagen, was er jedoch immer wieder ablehnt. Mit dem Ende des Krieges endet für ihn der aktive Dienst.

Audie Murphy war ein amerikanisches Original, für das man am Besten Zahlen und Fakten sprechen lässt: Er ist der höchstdekorierte US-Soldat des Zweiten Weltkriegs und wurde, zum Teil mehrfach, mit sämtlichen möglichen militärischen Auszeichnungen seines Landes ausgezeichnet. Insgesamt 33 Ehrungen konnte er verbuchen, hat in Europa rund 240 gegnerische Soldaten getötet und etliche weitere verwunden oder gefangen nehmen können sowie nachweislich sechs feindliche Panzer zerstört. Knappe drei Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Feld wurde er von Hollywood entdeckt und zum Star etlicher, zumeist kleinerer Westernproduktion, vornehmlich bei seinem Stammstudio Universal. Privat litt Murphy derweil unter extremen, posttraumatischen Belastungen, wurde medikamentenabhängig und setzte sich später für unter ähnlichen Symptomen leidende Veteranen aus Korea und Vietnam ein.
Von Murphys späteren Jahren und Meriten, die eine durchaus andere Sprache sprechen als die des heldenhaften Schlachtfeld-Hasardeurs, wie ihn der Film praktisch unentwegt zeigt, berichtet „To Hell And Back“ nichts. Tatsächlich ist er die weithin unkritische Beschreibung einer im rein militärischen Sinne tadellosen und vorbildhaften Soldatenlaufbahn. Der besondere Clou des Films liegt nun natürlich darin, den seinerzeit stets alterslos erscheinenden, etwas milchgesichtigen Murphy die Hauptrolle in der Adaption seiner Autobiographie spielen zu lassen, obschon dieser sich erst mehrfach bitten lassen musste und eigentlich viel lieber Tony Curtis als Audie Murphy gesehen hätte, um nur ja nicht in den Verdacht der Selbstbeweihräucherung zu geraten. Schlussendlich war und ist Murphy der bis heute einzige Hollywoodstar, der sich selbst in einem um seine Person kreisenden Spielfilm darstellte.
Der unter mancherlei redundantem, dramaturgischem Durchhänger ächzende, für ein Studio-Kriegsabenteuer gar nicht mal so sehr spektakulär wirkende „To Hell And Back“ war trotz seiner unleugbaren Mittelmäßigkeit ein Film, den seine Zuschauer ganz besonders liebten (was sie heute, angesichts der imdb-Durchschnittswertung, wohl immer noch tun) und bis zum knapp zwanzig Jahre später folgenden „Jaws“ der erfolgreichste Film der Universal. Welch mannigfaltige, nicht eben vorteilhafte Schlussfolgerungen dies im Hinblick auf sein Publikum und dessen Kritikfähigkeit suggeriert, muss nicht extra erwähnt werden. Auch infolge dessen ein (film-)historisches Faszinosum.

6/10

HACKSAW RIDGE

„In peace, sons bury their fathers. In war, fathers bury their sons.“

Hacksaw Ridge ~ USA/AUS 2016
Directed By: Mel Gibson

Nachdem der junge Desmond T. Doss (Andrew Garfield) sich in den späteren Tagen des Zweiten Weltkriegs für den Militärdienst meldet mit der festen Absicht, als Sanitäter im Feld zu arbeiten, entwickelt seine Ausbildung sich zum wahren Spießrutenlauf: Doss weigert sich nämlich nicht nur stehenden Fußes, eine Waffe abzufeuern sondern zudem noch überhaupt eine in die Hand zu nehmen. Nachdem man mit allen Mitteln versucht, Doss aus der Army zu jagen, sorgt ausgerechnet sein Vater (Hugo Weaving) durch alte Beziehungen und einen Rückbezug auf das Bundesgesetz in letzter Minute dafür, dass Doss seinen Dienst wie jeder andere verrichten darf. Während der blutigen Schlacht von Okinawa gelingt es Doss, 75 verletzte Männer vom aus dem Kampfgetümmel zu holen und so ihr Leben zu retten.

Totgesagte leben länger – im Falle des unbequemen Mel Gibson findet sich diese Weise just einmal mehr bestätigt. Mit dem immens intensiven „Hacksaw Ridge“ legt der zuletzt besonders spärlich arbeitende Filmemacher seine zweitbeste Regiearbeit nach „Braveheart“ vor, dessen epischen Atem er zwar nicht ganz wiederaufgreifen kann, mit dem es ihm jedoch gelingt, zu den ganz großen Pazifikkriegsfilmen aufzuschließen. Dabei ist „Hacksaw Ridge“ gewiss nicht ganz frei von Schwächen und einzelnen Nuancen, die sich geschickter hätten aufbereiten lassen. Das beginnt bereits mit der Besetzung der Hauptrolle durch Andrew Garfield, die ich für nicht ganz so glücklich halte, spiegelt sich in der nicht eben klischeefreien Erzählung der Romanze zwischen Doss und der Krankenschwester Dorothy Schutte (Teresa Palmer) wieder sowie der etwas angeranzten Dreiaktung Privatleben – Ausbildung – Einsatz, die sich durch eine achronologische Narration möglicherweise besser hätte auflösen lassen. Doch das sind recht luxuriöse Mäkeleien. Spätestens mit der Fokussierung auf das Schlachtengetümmel in Okinawa finden Film und Regisseur zu sich und damit zum Höchstniveau, denn die Gnadenlosigkeit und Barbarei der sich gegenseitig abschlachtenden Soldaten hat das Kino selten mit einer solch eindrücklichen Nahbarkeit eingefangen. Ob das ohnehin nur höchst selten berechtigte und zutreffende Präfix Anti- vor Gibsons Kriegsfilm gehört, nimmt sich, wie in diesen Fällen üblich, diskutabel bis fragwürdig aus, da faktisch kein eigentlicher Diskurs über das Wesen des Krieges stattfindet. Zumindest der authentischen Geschichte von Desmond Doss, der als völlige Ausnahmeerscheinung ausschließlich vor Ort war, um Humanitäres zu verrichten und um Leben zu retten anstatt welche zu nehmen, gräbt diese Hinterfragung allerdings kaum das Wasser ab. Kräftig.

8/10

CHARLIE BRAVO

Zitat entfällt.

Charlie Bravo (Strafkommando Charlie Bravo) ~ F 1980
Directed By: Claude Bernard-Aubert

Indochina, 1954. Dien Bien Phu ist gefallen, die Erlösung versprechende Indochinakonferenz bereits anberaumt. Eine Gruppe französischer Soldaten unter Lieutenant Brissac (Bruno Pradal) erhält in dieser späten Kriegsphase den Auftrag, die von den Viet Minh gekidnappte Krankenschwester Catherine Fournier (Karina Verlier) zu befreien und sich gemeinsam mit ihr durch das Feindgebiet zurück hinter die eigenen Linien zu schlagen. Unterwegs stößt noch ein Kriegsjournalist (Jean-François Poron) zu ihnen. Während ihres Einsatzes bringen Friedensverhandlungen in Genf dann das offizielle, ersehnte Ende des Krieges. Dennoch gelingt es den Wenigsten, sich bis zur vermeintlich rettenden Küste durchzuschlagen…

Ein Dschungelkriegsfilm aus Frankreich, das ist gewissermaßen schon eine filmhistorische Rarität. Ihr rund siebzig Jahre zurückliegendes Engagement im damaligen Indochina haben unsere Nachbarn nämlich weitaus rarer zu Kinozwecken ausgeschlachtet denn die Amerikaner ihr zum Trauma gewordenes, entsprechendes. So fiel „Charlie Bravo“, ob zufällig oder nicht, just in eine frühe Phase elementarer US-Vietnamfilme, die gerade kurz davor war, sich in eine neue, reaktionärere Woge zu stürzen. Charaktere und Setting erweisen sich tatsächlich flugs als austauschbar, was in einem vor allem in dieser Region angesiedelten Kinostück der Qualität keineswegs abträglich sein sollte. Wiederum findet sich das bereits mehrfach ausgeschlachtete My-Lai-Massaker (die Soldaten mähen ohne zu zögern und mit mühselig im Zaum gehaltener Mordlust das Dorf nieder, in dem sich die entführte Catherine befindet) zum Thema gemacht, wiederum das unsinnige bis obskure Sterben einer kleinen, okzidentalen Männergruppe am lebensfeindlichen Ende der östlichen Welt zentralisiert. Dennoch macht Claude Bernard-Auberts ruppiger Film, den er inmitten einer umfassenden Serie von rund dreißig Pornos inszenierte, Vieles sehr richtig. Er ist etwa sehr vorsichtig und zurückhaltend in der Verteilung von Sympathien. Die Identifikation des Zuschauers mit einem der Männer erweist sich als unmöglich; sie alle sind wahlweise zu verroht, nationalistisch oder auch einfach zu sehr der Situation angepasst, um sich ihnen zur Seite zu stellen. Auf den edlen, sich aufopfernden Offizier muss man ebenso verzichten, wie auf den insgeheim pazifistischen Gefreiten am Ende des Glieds, wenngleich Brissac buchstäblich alles in seiner Macht stehende für seine Leute tut.
Als unschöner bis derber, nüchterner und seinen Bestrebungen damit überaus gerecht werdender Kriegsfilm ohne Schnörkel mit einigen unvergesslichen Momenten ist „Charlie Bravo“ ein unbehauenes, oft übersehenes Juwel seiner höchst spezifischen Provenienz, das hervorzukramen sich lohnt.

7/10

STEINER – DAS EISERNE KREUZ, 2. TEIL

„Who ought to belive this anyway?“

Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil ~ BRD 1979
Directed By: Andrew V. McLaglen

Nach seinem desaströsen Einsatz in Russland wird Feldwebel Steiner (Richard Burton) flugs an die Westfront beordert, wo die Alliierten soeben dabei sind, die Operation Overlord einzuleiten. Auch Steiners alter Rivale von Stransky (Helmut Griem) ist wiederum nicht fern. Nach einem kurzen Fronturlaub in Paris muss Steiner zurück ins Kampfgebiet, um ein strategisch wichtiges Dörfchen in der Provinz zu verteidigen. Sein alter Freund General Hoffmann (Curd Jürgens) eröffnet ihm derweil insgeheim, dass einige ohe Offiziere der Wehrmacht eine Verschwörung gegen Hitler planen und Steiner dazu auserkoren ist, dem gegnerischen General Webster (Rod Steiger) diese Nachricht zukommen zu lassen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Die US-Admiralität glaubt jedoch an eine Finte und schickt dennoch eine Panzerbrigade in das von den Deutschen gehaltene Dörfchen. Zeitgleich scheitert der Putsch und Hoffmann nimmt sich das Leben. Stransky, der von alldem nichts ahnt und nach wie vor ein Fanatiker ist, plant, die ganze Panzerdivision mittels unterirdischer Sprengladungen zu vernichten…

Die Filmhistorie vergisst gern, dass der unverwüstliche Wolf C. Hartwig, der wusste, wie man eine Kuh adäquat bis auf den letzten Tropfen zu melken hat, seinem von Sam Peckinpah inszenierten Riesenerfolg „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ eine wiederum immens kostspielige Fortsetzung folgen ließ. Warum dieser amnesische Mantel? Nicht nur, dass „Steiner 2“ gnadenlos an den Kinokassen crashte, unterscheiden sich Original und Sequel hinsichtlich ihres Niveaus in etwa so, wie sich Peckinpah und McLaglen als Filmemacher unterscheiden. Eine philosophische Metaebene um preußische Arroganz und Gernegroßtum unter aristokratischen Wehrmachtsoffizieren, wie sie den Vorgänger auszeichnete, wird man hier vergeblich suchen. Vielmehr ist der zweite Teil, den nurmehr Klaus Löwitsch und Dieter Schidor in ihren vormaligen Rollen erlebten, nicht mehr oder weniger als ein kerniges Landser-Abenteuer, dass die schuldbelastete deutsche Seele  durch seine knuffigen Heldenakzente sogar ein klein wenig einzubalsamieren wusste. Mit Richard Burton, der im Prinzip viel eher seine Rolle als Söldner-Colonel Faulkner aus „The Wild Geese“ repetiert als auch nur im Mindesten den Versuch zu machen, seinen Vorgänger James Coburn anklingen zu lassen, stand McLaglen nur einer von mehreren vormaligen Kollaborateuren zur Seite. Ohnehin ist die Besetzung mindestens so erlesen und illuster wie die des Erstlings und rechtfertigt allein die Betrachtung des Films. Auch ist dieser keineswegs langweilig oder gar öde, obschon natürlich in seiner Struktur und Erzählweise überaus vorhersehbar und weitgehend überraschungsarm. Die düstere, bleierne, vom Wahnsinn infizierte Grundstimmung des Peckinpah-Films weicht hier eher der Betrachtung des Krieges als luftig-leichtes Männergeschäft, bei dem es auch mal was zu lachen gibt. Sicherlich zerfällt die Narration hier und da ferner ins seltsam Episodische, was möglicherweise auf diverse Straffungen und/oder Kürzungen zurückzuführen ist, doch dies nur mutmaßlich.
Als kleiner, kinohistorisch letzten Endes wohl tatsächlich „unbedeutender“ Beitrag zu der Gruppe vor allem logistisch abenteuerlicher Filmen über den Zweiten Weltkrieg kann sich, so sehe ich das, „Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil“ dennoch durchaus sehen lassen.

7/10

RED MOUNTAIN

„Unbelievable! A betrayer!“

Red Mountain (Die Hölle der roten Berge) ~ USA 1951
Directed By: William Dieterle

Colorado, 1865: Während der Sezessionskrieg in den letzten Zügen liegt, versucht der marodierende General William Quantrill (John Ireland), durch Paktschließungen mit Indianerhäuptlingen Boden für die fast bezwungene Südstaatenarmee gut zu machen. Der als ausgezeichneter Stratege geltende Captain Sherwood (Alan Ladd) soll in der Prärie zu Quantrill und seinen Leuten stoßen. Doch der unschuldig wegen Mordes am Bankier Braden (Dan White) verurteilte Goldsucher Lane Waldron (Arthur Kennedy) und seine Braut Chris (Lizabeth Scott) kommen Sherwood in die Quere, zumal dieser als tatsächlicher, wenngleich im Recht befindlicher Mörder sich für Waldron verantwortlich fühlt. Sherwood muss zu seinem ideologischen Leidwesen bald feststellen, dass Quantrill längst ein fanatischer Despot geworden ist, dem seine verqueren Ziele über alles gehen und der längst jedweden Blick für humane Gerechtigkeit eingebüßt hat. Zumal er sich längst in Chris verliebt hat, stellt sich Sherwood gegen die eigenen Leute…

William Dieterles – sieht man von seiner Aushilfsarbeit an King Vidors „Duel In The Sun“ ab – einziger Western (mit einigen von John Farrow inszenierten Sequenzen) lässt es bedauerlich erscheinen, dass der gebürtige Ludwigshafener nicht umtriebiger war in diesem Genre. Sein visuelles Gespür für Landschaften, für Technicolor und auch jenes für die teils widerstreitenden Beziehungen der Charaktere zueinander (das man insbesondere aus seinen vielen Biographien der dreißiger und vierziger Jahre kennt) entpuppen sich als hervorragender Zugewinn für das Sujet des Bürgerkriegswestern „Red Mountain“. Einmal mehr kreist dieser um den historischen William Quantrill, einen geächteten Konföderierten-Offizier, der sich an die Spitze einer relativ lose organisierten Gruppe von bushwackers setzte und paramilitärische Einsätze gegen die Union mit teils etlichen Zivilopfern leitete. Bezüglich der möglichen Authentizität der in „Red Mountain“ geschilderten Ereignisse darf man getrost von blühender Phantasie ausgehen: Weder dürfte Quantrill geplant haben, Indianerstämme unter dem Südstaatenbanner und gegen Lincoln zu vereinigen, noch hat Alan Ladd ihn auf dem Gewissen: Quantrill starb dort, wo er vornehmlich wirkte: In Kentucky, nachdem er mit seinen Männern in einen Hinterhalt der Blauröcke geraten war und von einem Unionssoldaten eine Kugel in den Rücken bekommen hatte. „Red Mountain“ schmückt das Ganze freilich sehr viel abenteuerlicher aus, was aber gar nicht stört. Wohl aber, zumindest etwas, die Tatsache, dass Ladd am Ende mit Lauren-Bacall-Lookalike Lizabeth Scott weiterziehen darf, nachdem sie ihren eigentlichen Galan Arthur Kennedy abgesägt hat und dieser den Heldentod sterben musste. Der gerechtigkeitsliebende Romantiker in mir kann derlei Wendungen einfach nicht leicht verdauen. Aber im Ernst: schöner Film.

8/10