BEYOND THE VALLEY OF THE DOLLS

„You will drink the black sperm of my vengeance!“

Beyond The Valley Of The Dolls (Blumen ohne Duft) ~ USA 1970
Directed By: Russ Meyer

Kaum in Hollywood angekommen, begibt sich das  aus den drei steilen Zähnen Kelly (Dolly Read), Casey (Cynthia Anderson) und Petronella (Marcia McBroom) bestehende Girlband-Trio „The Kelly Affair“sogleich unter die Fittiche des schwerst überkandidelten Rockmanagers Ronnie Barzell (John Lazar), genannt „Z-Man“. Nach ihrer Umtaufe in „The Carrie Nations“ erwartet die Drei eine ebenso erfolgsverwöhnte wie turbulente Zeit, die vor Partys, Sex, Drogen und Alkohol nur so strotzt, bis Barzells Verstand sich eines Nachts völlig verabschiedet und er Amok läuft…

Obschon der Film gleich zu Beginn mittels einer Schrifttafel erläutert, dass zu der drei Jahre zuvor entstandenen Susann-Adaption „Valley Of The Dolls“ keine Verwandtschaft bestehe, geschweige denn hier ein Sequel vorliege, kann Mark Robsons ebenfalls für die Fox entstandene Verfilmung ihren Einfluss nicht verleugnen. Wobei dieser natürlich überaus verquer aufgegriffen, durch den Wolf gedreht und ausgespien ward – „Beyond The Valley Of The Dolls“ dürfte nämlich jedem wohlerzogenen, amerikanischen Mädchen, das die Ereignisse in Robsons „Valley“ womöglich als nachgerade erschütternd wahrgenommen hatte, wie eine infernalische Höllentour ohne Rückfahrkarte vorgekommen sein!
Für die Regie dieses von Kritikerpapst Roger Ebert gescripteten, zelluloidgewordenen Irrsinns sicherte sich die Fox, infolge der Ära New Hollywood risikofreudig wie nie zuvor, die Mitarbeit des anarchischen Indie-Filmemachers Russ Meyer, der hier urplötzlich mit einem Millionenbudget hantieren durfte, seine persönliche Handschrift jedoch, und darin liegt das ganz besondere Bonbon, zu keiner Sekunde denunzierte. „Beyond The Valley Of The Dolls“ ist experimentell, rasant, schillernd, urkomisch, originell – kaum ein anverwandtes Adjektiv, das sich nicht auf ihn münzen ließe. Er greift – vielleicht die eine, hervorstechende Konnexion zum „Original“ – Personal und Ereignisse auf, die die Welt der Showbiz-Prominenz nunmehr endgültig ihrer Unschuld entledigt hatten – Phil Spector, den weder Ebert noch Meyer persönlich kannten, soll für die Figur des sich schließlich als transsexuell entpuppenden Z-Man Pate gestanden haben, wie das finale Massaker, das mit unerwarteter, dem Film aber dennoch völlig zupass kommender Brutalität einschlägt, möglicherweise inspiriert war von dem furchtbaren Mordzug der Manson-Family, der neben der hochschwangeren Sharon Tate (ein weiterer Kreisschluss) noch vier weitere Menschen zum Opfer gefallen waren. Allerdings übertüncht der relative Schock, mit dem man aus „Beyond“ entlassen wird, nicht den ursprünglichen Eindruck, mit dem Film ein unvergleichliches Zeitporträt geliefert bekommen zu haben und fürderhin eine derbe Selbstentlarvung, die von dem hausmütterlichen Credo des Vorbilds eigentlich gar nicht weiter entfernt sein könnte. Denn bei aller dargestellten Wahnhaftigkeit – „Beyond The Valley Of The Dolls“ liebt seine Zeit, sein Sujet, sein Milieu und vor allem sich selbst, ohne Rücksicht auf Verluste.

9/10

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VALLEY OF THE DOLLS

„I’ll plant my own tree. My own tree! And I will make it grow!“

Valley Of The Dolls (Das Tal der Puppen) ~ USA 1967
Directed By: Mark Robson

Die drei jungen Damen Anne (Barbara Parkins), Neely (Patty Duke) und Jennifer (Sharon Tate) lernen sich in New York kennen und werden Freundinnen. Ihre Schicksale, die sie allesamt zur Westküste und nach Hollywood führen, werden in den kommenden Jahren von immer größeren Krisen und Sturmtiefs durchgeschüttelt, bis zumindest Anne begreift, dass wahres Glück nichts mit Glanz und Glamour zu tun hat.

Jacqueline Susanns ein Jahr zuvor entstandener, gleichnamiger Roman wurde ein solch gewaltiger Bestseller, dass eine Filmadaption flugs zur beschlossenen Sache wurde. In ihrem Buch zeichnet die selbst showbiz-erfahrene Susann den zerstörerischen Einfluss insbesondere der Filmmetropole Hollywood auf junge, naive Damen nach, wobei sie auf diverse, inoffiziell zu Bewusstsein kommende Vorbilder von Frances Farmer über Betty Hutton, Judy Garland, Marilyn Monroe, Carole Landis und Ethel Merman, zurückgreift deren Personae und Biographien allesamt zumindest teilverwurstet wurden. Das Script veränderte allerdings das zeitliche Setting der Vorlage und versetzte es um zwei Dekaden in die Zukunft, um eine dichtere, realitätsnähere Anbindung zu schaffen.
Mit Ausnahme der als Erzählerin fungierenden Anne Welles, die als Provinzblümchen von Neuengland über New York nach Hollywood und wieder zurück tingelt und deren private Medienkarriere sich auf eine kurze Karriere als Werbemodel beschränkt, erleben die Protagonistinnen reichlich Schaden an Leib und Seele; die stimmgewaltige Neely O’Hara avanciert nach ihrer „Veredelung“ zum Superstar zu einer herrischen, selbstsüchtigen und medikamentenabhängigen Trinkerin, die sich von ihrem Jugendfreund (Martin Milner) trennt und schließlich in einer Entzugsklinik landet; Jennifer Norths einziges Kapital besteht derweil in ihrer physischen Schönheit und speziell ihren wohlgeformten Brüsten. Zunächst erkrankt ihr Mann, der Starsänger Tony Polar (Tony Scotti), an einer geisteszersetzenden Krankheit, dann erhält sie selbst die Diagnose Brustkrebs und nimmt sich das Leben.
Es geht also höchst turbulent zu in „Valley Of The Dolls“, der sein autoritäres Ausrufezeichen permanent über den gar so schrecklichen Ereignissen aufleuchten lässt und dabei mit zunehmender Erzählzeit immer mehr wie eine schulmeisterliche Warnung für potenzielle Starlets daherkommt. Formvollendete, naive Kolportage ist das und nicht selten fühlt man sich an ministerial subventionierte „Aufklärungsfilme“ für Schulen erinnert. Camp ist das, nicht ganz freiwillig vielleicht, dafür reinkulturell in Form und Finish, von einem Regisseur, der zum Entstehungszeitpunkt von „Valley Of The Dolls“ seine originären künstlerischen Wurzeln, die zu Orson Welles und Val Lewton zurückreichen, bereits weit hinter sich gelassen hatte und insbesondere in Anbetracht seiner einstmaligen Meriten eher bizarres Kinogut inszenierte. Was nicht bedeutet, dass es deshalb weniger sehenswert wäre – es ist bloß… anders.

7/10

I, MADMAN

„By the way, thanks for depositing the book.“ – „What book?“

I, Madman (Hardcover) ~ USA 1989
Directed By: Tibor Takács

Die in einem Buchantiquariat beschäftigte Virginia (Jenny Wright) ist – ganz zu ihrem eigenen Unverständnis – regelrecht vernarrt in den schmalen literarischen Output des Schundschriftstellers Malcolm Brand (Randall William Cook) und aktuell in dessen Roman „I, Madman“, in dem es um den mörderischen, verrückten Chirurgen Dr. Alan Kessler (Randall William Cook) geht. Dieser ist hinter einer schönen Schauspielerin namens Anna Templar (Jenny Wright) her und „rekonstruiert“ sein eigenes, entstelltes Antlitz, indem er seinen Opfern die entsprechenden Gesichtsteile gewaltsam entfernt und sich hernach selbst annäht. Als Personen aus Virginias Bekanntenkreis nach just diesem Schema ermordet werden, scheinen sich Fiktion und Realität unweigerlich zu vermengen…

Der seit seiner Entstehung eher ein Nischendasein fristende „I, Madman“ erfreut sich bei etwas tiefer in die Genrematerie eintauchenden Connaisseuren des Horrorfilms eines durchaus postiven Renommees. Ich selbst hatte ihn seit seiner Veröffentlichung auf Video, die immerhin gute siebzehn Jahre zurückliegt, nicht mehr gesehen und konnte mich, wie ich heuer feststellen musste, auch kaum mehr an ihn erinnern.
Bei Takács dritter Regiearbeit handelt es sich um eine liebenswert eigenwillige Ode an die gemeinhin als „schundig“ bezeichnete Welt der reißerischen Schmöker, wie man sie, aufgemotzt durch schmierige, gezeichnete Covermotive mit Monstren, Mördern und minimal bekleideten Mädchen in den Ständern jedes gut sortierten Busbahnhofskiosks findet. Die anglophone Welt kennt das als „pulp“, wir Deutschen gebrauchen (oder vielmehr gebrauchten) dafür vornehmlich den schönen Terminus „Groschenromane“. Was derlei Lektüre zumindest für den wahren Liebhaber so aufregend macht, davon erzählt „I, Madman“ – sie pulsiert, erregt, affiziert, involviert. Zumindest, wenn man gewillt ist, sich ihr hinzugeben, wie eben Protagonistin Virginia, die der mysteriösen Welt des irren Malcolm Brand nicht nur verfällt, sondern sich gar in dessen sich mehr und mehr manifestierender Parallelrealität zu verlieren droht. Eine Besonderheit des Films liegt somit darin, dass er selbst sich vollends mit den von der Hochkultur gern als „fragwürdig“ gewähnten, stilistischen Prägungen seines Sujets identifiziert, bis hin zur Verschmelzung dreier Erzählebenen – der literarischen innerhalb der Geschichte, der filmischen Realität und schließlich der narrativen Ausprägung, derer wir als Filmpublikum ansichtig werden. Gerade im Bereich des Phantasischen erweisen sich solcherlei inhaltliche Parallelisierungen, also Geschichten, die innerhalb von Geschichten ein möglicherweise unheilvolles Eigenleben zu führen beginnen, als ein oftmals sehr dankbarer Topos hinsichtlich der weitmöglichen Überlappung und/oder Verschiebung von Wirklichkeitsschichten. „I, Madman“ nimmt darüberhinaus innerhalb dieses Gattungssegments nochmals eine kleine Sonderposition ein, weil er sich selbst ganz und gar, mit Haut und Haaren quasi, jener Spekulativität verschreibt, die die von ihm porträtierte Welt der Fiktion inthronisiert.

8/10

THE OMEGA MAN

„I’m sorry you didn’t make it.“ – „Sorry the world didn’t make it.“

The Omega Man (Der Omega-Mann) ~ USA 1971
Directed By: Boris Sagal

Los Angeles in naher Zukunft: Als vermeintlich letzter Mensch auf Erden durchstreift Dr. Robert Neville die nach einem mit B-Waffen geführten Krieg der Großmächte die entvölkerte Stadt, immer auf der Suche nach einem Heilmittel und möglichen weiteren Überlebenden. Im Dunkeln lauert derweil „Die Familie“, eine größere Gruppe wahnsinnig gewordener, albinöser Mutanten angeführt von dem früheren Nachrichtensprecher Matthias (Anthony Zerbe), die das Armageddon ebenfalls überlebt haben und die das Ziel verfolgen, sämtliche verbleibende Technologie auf Erden zu vernichten. In Neville sehen sie ein Symbol der Forschung und somit des unweigerlichen Untergangs, was ihn in ihren Augen zum Tode verurteilt. Doch es gibt noch weitere Überlebende außerhalb des Stadtzentrums, darunter die wehrhafte Lisa (Rosalind Cash), ihr bereits infizierter Bruder Richie (Eric Laneuville) und der vormalige Medizinstudent Dutch (Paul Koslo). Durch das Treffen mit ihnen schöpft Neville neuen Lebensmut. Er verliebt sich in Lisa und es gelingt ihm sogar, Richie mittels eines aus seinem Blut destillierten Serums zu heilen. Doch Matthias und seine Getreuen sind nach wie vor hinter ihnen her…

Die zweite Adaption des Matheson-Romans „I Am Legend“ (nur sieben Jahre nach Salkows und Ragonas „L’Ultimo Uomo Della Terra“) dreht die Prämisse der Vorlage etwas: Darin sieht sich der Protagonist einer gewaltigen Überzahl von infolge der biologischen Kriegsführung entstandenen Vampiren gegenüber, die sich mit den „klassischen“ Gegenmitteln wie religiösen Symbolen oder Knoblauch bekämpfen lassen. Dieser etwas einfältigen Monsterplage zum Trotz ist und bleibt Mathesons Buch ein eminenter Motivlieferant für das Phantastische, denn viral bedingte Seuchen, wobei diese heute eher zombieeske Kannibalen und/oder entgeisterte Wüteriche hervorbringen, gibt es nach wie vor zuhauf in Film, Literatur und Computerspiel. Der Roman endet schließlich mit der Erkenntnis des Protagonisten, dass er selbst innerhalb der neuen Weltordnung zu einem mythologischen Horrorwesen geworden ist; nunmehr ist er als Massenmörder derjenige, vor dem die Infizierten in Furcht leben, in etwa so, wie Vampire uns gewöhnlich Schrecken einjagen.
Von den bislang drei Verfilmungen ging keine so weit, ein solch hohes Maß ans Selbstreflexion walten zu lassen. Vielmehr sind sie durchweg solide bis gute Genreware nebst den üblichen Standardisierungen, die vor allem als Spiegel ihrer jeweiligen Enstehungszeit Bestand haben. „The Omega Man“, gewissermaßen der Mittelteil einer apokalyptischen Trilogie von Science-Fiction-Filmen mit dem nicht mehr ganz jungen Charlton Heston (eingerahmt von „Planet Of The Apes“ und „Soylent Green“), ist stilistisch und auch mental ein libertines Kind der Frühsiebziger. Schon die überaus selbstbewusst bis umschweifelos geführte Sexualbeziehung zwischen dem etwas verknitterten Monumentalhaudegen und der Quasi-Black-Panther-Heroine Rosalind Cash bürgt für ein neues gesellschaftliches Selbstverständnis. Die stark an eine Sekte religiöser Fanatiker erinnernde „Familie“ des unheimlichen Matthias, die jedweden wissenschaftlichen Fortschritt gleichsetzt mit Tod und Zerstörung (also ihrer eigenen Entstehungsgrundlage), steht für blinden Atavismus und Regression. Dass Heston, dem Moses und Ben-Hur noch immer in den Knochen sitzen, am Ende als messianischer Heilsbringer den Märtyrertod stirbt, mag sich da wiederum nicht ganz in die übrige Tönung dieses vor allem stilistisch und somit als Regisseursfilm immens gelungen Werkes einpflegen. Dennoch muss ich sagen, dass mir „The Omega Man“ nach der jüngsten Betrachtung so gut gefallen hat wie nie zuvor.

8/10

WISHMASTER

„I claim that which is owed.“

Wishmaster ~ USA 1997
Directed By: Robert Kurtzman

Durch eine Kette von Zufällen entkommt ein böser Djinn (Andrew Divoff) aus seinem Jahrhunderte alten Gefängnis in einem Feueropal und macht das Los Angeles der Gegenwart unsicher. Allen voran hat sich fortan die Juwelenexpertin Alex Amberson (Tammy Lauren) sich mit dem monströsen Dämon herumzuschlagen, der zugleich eine Art mentale Verbindung zu ihr herstellt. Alex muss sich clever genug anstellen, den Djinn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen…

Aus der ersteinmal wenig innovativen Idee, der umfassenden Riege von Slasher-Helden eine neue, franchisekompatible Figur hinzuzusetzen hat Robert Kurtzman, erstes Initial der legendären Effekteschmiede K.N.B., ein echtes Fan-Happening gezaubert; ein Sahneschnittchen für alle Genrenerds und solche, die sich anschicken, welche zu werden. So sind die zahlreichen Cameos von hauptsächlich Horrorfans geläufigen Gattungsgrößen neben den Mord- und Effektszenen zweifelsohne der Kitt, der den bei Licht besehen und entzaubert gesprochen doch recht konventionellen und einfältigen Fantasystoff zusammenhält. Man könnte ergo durchaus von einem „Konzeptfilm“ sprechen, der am Ende jedoch auf grandiose Weise sein Tempo beibehält und dadurch, dass er mit so vielen liebevollen Einfällen gespickt ist (Harry Manfredinis ewiggleiche Synthie-Klänge zählen übrigens nicht dazu), den notwendigen Charme entwickelt um sich tatsächlich einen ordentlichen Film schimpfen zu dürfen.
Ergänzend sollte besonders die Anreicherung mit schwarzhumorigem Witz dafür mitverantwortlich sein, die vor allem auf die Tatsache rekurriert, dass der Djinn nur dann agieren kann, wenn seine Opfer einen undurchdachten Wunsch äußern, der in der Regel von dem Bösewicht selbst suggeriert und forciert wird und dessen reale Entsprechung sich freilich in das Gegenteil des ursprünglich Intendierten verkehrt. Das wiederum bietet der K.N.B.-Belegschaft hinreichend Gelegenheit zur Vorführung ihrer Kunstfertigkeit. Dadurch, dass alles, was der Djinn im Laufe der Erzählung an Bösem anrichtet, am Ende wieder rückgängig gemacht und relativiert wird, erreicht Kurtzman zudem einen besonderen Kniff der Jugendfreigabe – alles halb so schlimm, ist ja ohnehin nie passiert. Dumm nur, dass die meisten Aufpasser und selbsternannten Schutzbefohlenen in aller Welt das zunächst ganz anders sahen. Zwanzig Jahre später sind die Gemüter, wie in vielen anderen Fällen, wieder auf ein adäquates Maß heruntergekocht. Gut so. Fear the Djinn!

7/10

THE PURGE: ANARCHY

„Motherfuck the Purge!“

The Purge: Anarchy ~ USA/F 2014
Directed By: James DeMonaco

Es ist wieder Purge-Nacht in Amerika. Im Großraum Los Angeles bilden ein paar in den Strudel der mörderischen Ereignisse geratene Individuen eine kleine Zweckgemeinschaft: Die Kellnerin Eva (Carmen Ejogo) und ihre Tochter Cali (Zoë Soul), das Pärchen Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez) und der Polizist Leo (Frank Grillo) raufen sich zusammen und fliehen vor ihren Häschern durch die Nacht. Nach diversen brenzligen Situationen, in die unter anderem der blutrünstige Big Daddy (Jack Conley) verwickelt ist, geraten sie in die Hände von Kopfjägern, die sie an eine Menschenauktionatorin (Judith McConnell) weiterverschachern. In einem eigens angelegten Indoor-Minipark muss das Quintett daraufhin vor reichen Sadisten fliehen, die auf Mord aus sind. Nachdem Leo mit unerwarteter Unterstützung des Rebellen Carmelo (Michael Kenneth Williams) und seiner Leute seine kombattanten Qualitäten ausgestellt hat, können die Überlebenden fliehen und Leo sich endlich seiner privaten Agenda widmen. Er hat noch eine ganz persönliche Rechnung offen mit dem Mann (Brandon Keener), der einst betrunken seinen kleinen Jungen überfahren hat und straffrei ausgegangen ist…

„Purgen“, das ist in der deutschen Synchronfassung als Neoanglizismus ein vielfach gebrauchtes Verb, in bemühter Angleichung an die Originalversion. Dass es etwas albern klingt, ergibt sich bereits aus dem geschriebenen Terminus, passt insofern aber zu DeMonacos Weiterspinnung seiner kleinen, verlogenen Moritat um die Entsetzlichkeit jener blutrünstigen Perversion namens „Purge“, die ein zukünftiges Albtraum-Amerika heimsucht. Nun bezieht die gesamte Reihe ihr hauptsächliches Spannungspotenzial daraus, dass man, nachdem diesbezüglich jeweils hinreichend Hass und Abscheu evoziert wurden, genüsslich der Exterminierung von Sadisten, Geisteskranken und anderem, üblen Gesindel, dass selbst mit Vorliebe purgt, beiwohnt, kommt einer saftigen Ad-Absurdum-Führung gleich – wer purgt, muss durchs Purgen sterben. Das ist nach DeMonacos simpler Logik nur recht und billig und prägt als hübsch perfides Paradoxon das Gesicht der recht hastig produzierten Serie. So verlogen die Moral des Ganzen, so abermals gelungen sein Tempo und die trotz des nächtlichen Settings gut ausgeleuchtete Balleraction. Zur Sache geht es hier im großen Stil und zumindest die Ausweitung auf das urbane, flächige Los Angeles und einen größeres Personen- und somit Motivations-Arsenal bekommt der gesamten Anordnung recht gut. Einen wirklich gelungenen Film sollte man jedoch auch diesmal nicht erwarten. Ist mehr was zum Durchlüften.

6/10

DEMONOID: MESSENGER OF DEATH

„You either cut off my hand, or I’ll kill you!“

Demonoid: Messenger Of Death (Macabra – Die Hand des Teufels) ~ MEX 1981
Directed By: Alfredo Zacarías

Nachde das Ehepaar Mark (Roy Benson) und Jennifer Baines (Samantha Eggar) all sein Sauerverdientes in den Erwerb einer mexikanischen Silbermine investiert hat, lässt der Ertrag auf sich warten, zumal die Arbeiter vor Ort allesamt Bammel haben, tiefer in den Stollen vorzustoßen. Bei einer eigenen Expedition in die Untiefen der Höhle stoßen die Baines‘ schließlich auf eine altertümliche Kultstätte mitsamt einem Grabmal. Mark bemächtigt sich darin einer silbernen Schatulle, die einer Hand nachempfunden ist. Im Hotel offenbart sich dann deren schreckliches Geheimnis: Der Staub aus dem Kästchen verwandelt sich eine knochige Hand, die von Mark Besitz ergreift. Dieser dreht daraufhin durch, jagt die Mine in die Luft und flieht. Jennifer kann später nurmehr seine verbrannte Leiche identifizieren, nachdem Mark in Las Vegas offenbar in Streit geraten ist. Sie wendet sich an Vater Cunningham (Stuart Whitman), der ihre Geschichte um die Teufelshand nicht glauben mag, sich schon bald jedoch eines Besseren belehrt findet…

Von übernatürlichen Mächten besessene Gliedmaßen, zumal Hände, bilden bereits seit Robert Wienes „Orlacs Hände“ und seiner bald erfolgenden Remakes einen unregelmäßig, aber stetig bemühten Nebenstrang im Horrorfilm nebst mancherlei oder weniger berühmten Ablegern. Auch „Demonoid: Messenger Of Death“ des mexikanischen Filmemachers Alfredo Zacarías, der um diese Zeit einen kurzfristigen Abstecher ins anglophone Genrekino mit den entsprechenden Darstellern wagte, zählt dazu. Sein Werk passt insofern ganz gut zu dem von den Cardonas, die ja ebenfalls in diesen Sphären umtriebig waren, oder entfernt auch zum italienischen Splatterfilm jener Tage. Dafür bürgt nicht zuletzt auch das Engagement Stuart Whitmans, der sich zu dieser Zeit zumindest im Kino für keinen noch so abstrusen, internationalen Heuler zu schade war, und mit seinem graumeliert gescheitelten Haupt so manches Gossenstück aufzuwerten wusste. Immerhin dürfte „Demonoid“, dem es sogar gelingt, ein bisschen den spirit des US-Horrorkinos der Früh- und Mittsiebziger zu präservieren, zu seinen etwas besseren Filmen der Ära gehören. Die böse Dämonenhand von anno dunnemals, die immer wieder neue Wirte findet und diese jeweils tot und energieentledigt (sprich: grau und verschrumpelt) hinterlässt, macht durch ihren beinahe episodsisch nachgezeichneten Werdegang jedenfalls allerlei Freude und hält den Zuschauer bei Laune bis hin zu ihrem unvermeidlichen Cliffhanger-Auftritt am Ende. Immer wieder hat es zwischendrin überdurchschnittliche Szenen wie etwa den beklemmenden Besuch der Baines in einem Mumienmuseum. Hinzu kommt noch das allenthalben eingespielte Ohrwurm-Titelthema von Richard Gillis und fertig ist die etwas absonderliche Laube.

6/10