THE BLOOD BEAST TERROR

„Electroplating! Interesting idea!“

The Blood Beast Terror (Das Blutbiest) ~ UK 1968
Directed By: Vernon Sewell

Eine furchtbare Mordserie, bei der die Opfer völlig blutleer aufgefunden werden, erschüttert das Viktorianische Königreich im Umfeld Londons. Inspector Quennell (Peter Cushing) vom Scotland Yard konzentriert seine Ermittlungen auf den Dunstkreis des Entomologen Dr. Mallinger (Robert Flemyng), der sich besonders auf die Erforschung exotischer Schmetterlingsarten spezialisiert hat. Tatsächlich könnte Quennell gar nicht richtiger liegen: Mallinger hat bereits einen Totenkopfschwärmer in Menschengröße erschaffen, der zur Lebenserhaltung frisches Blut benötigt und außerordentliche Tarneigenschaften besitzt. Dieser soll nun auch noch einen Gefährten erhalten!

Diese vierte Produktion des kurzlebigen Hammer-Epigonen Tigon British, die gelegentlich als Dublette mit Michael Reeves‘ „The Witchfinder General“ aufgeführt wurde, beweist nachdrücklich, dass und inwieweit Tony Tensers kleine Filmschmiede der großen Konkurrenz zumindest dann unterlegen war, wenn der Produktion weder ein außergewöhnlicher Regisseur noch ein findiger Autor zur Verfügung standen.
Freilich bemüht die gesamte Gestaltung von Sewells Film wohlbewusste Vorbilder: Das kostüm- und ausstattungsintensive Setting der Viktorianischen Ära gibt es hier ebenso wie den mad scientist und seine ebenso schöne wie verderbte Kreatur, deren Ursprung natürlich in den unzivilisierten Teilen der Welt zu finden ist. So fühlt man sich betreffs jener recht offensichtlichen Emulsion etwa nicht selten an John Gillings schönen (und wesentlich ausgereifteren) „The Reptile“ erinnert. Allerdings lässt sich „The Blood Beast Terror“ zugleich eine durchaus offenherzige Selbstironie nicht absprechen; diese äußert sich beispielsweise anhand einer breit ausgespielten Szene, in der Dr. Mallinger und seine Studenten sich ein hübsches Grand-Guignol-Stück ansehen, das unzweideutige Motive aus Mary Shelleys „Frankenstein“ und der West-Port-Morde vermengt und den Professor zu weiteren, galvanisch basierten Experimenten anregt. Selbiger sollte ursprünglich von Basil Rathbone gespielt werden – durchaus ein kleiner Besetzungscoup, der jedoch durch das überraschende Ableben des arrivierten Akteurs durchkreuzt wurde. Seinen Ersatz bildete Robert Flemyng, der wiederum in einer nicht unähnlichen Rolle sechs Jahre zuvor in Riccardo Fredas wunderbarem „L’Orribile Segreto Del Dr. Hichcock“ zu sehen gewesen war.
Letzten Endes lohnt sich „The Blood Beast Terror“ wohl primär für ausgesprochene Chronisten des britischen Genrekinos dieser Ära und/oder tapfere Cushing-Enthusiasten. Damit wäre ihm jedoch sein Stammpublikum reserviert.

6/10

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EXQUISITE TENDERNESS

„I think you’re nuts.“

Exquisite Tenderness ~ USA/UK/D 1995
Directed By: Carl Schenkel

Bevor die eifrige Chirurgin Theresa McCann (Isabel Glasser) ihrem mit unlauteren Heilmethoden experimentierendem Kollegen Dr. Stein (Malcom McDowell) ans Bein pinkeln kann, wird dieser auch schon brutal ermordet. Und es bleibt nicht bei diesem einen Opfer – der einst von McCann und Stein geschasste Dr. Julian Matar (Sean Haberle) dämmert mitnichten, wie allgemein vermutet, querschnittsgelähmt in einem Sanatorium in Colorado vor sich hin, sondern ist, mittlerweile körperlich wieder quietschfidel, aber geistig sogar noch zerrütteter als zuvor, an seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt, um nicht nur blutige Rache zu üben, sondern zudem seine Zellerneuerungsversuche zu perfektionieren. Er benötigt zudem permanent ein frisch entnommenes Sekret aus der menschlichen Hypophyse, um fit bleiben zu können…

Was sich mit dem drei Jahre zuvor entstandenen „Knight Moves“ bereits andeutete, fand mit dem auch als „The Surgeon“ bekannten „Exquisite Tenderness“ (jener Begriff steht, wie uns der Film erläutert, im Ärztesprech für einen Zustand ganz besonders extremer Schmerzen beim Patienten) Carl Schenkels endgültige Hinwendung zu dem statt, was man landläufig als Kino der Kategorie B bezeichnen könnte. Vollzog der Plot des bereits stets eng an der Phantastik befindlichen und spätestens im Finale mit dem Horrorgenre liebäugelnden Vorgängers bereits einige höchst unglaubwürdige Volten, so wurde „Exquisite Tenderness“ schließlich ein lupenreiner Gattungsvertreter der zuletzt in den Achtzigern wohlfeil bedienten Subkategorie „Krankenhaus-Slasher“. Als mit einem völlig verrückten Weißkittel auf Metzeltour befindlichen Superbösewicht arbeitendes Werk erinnerte mich Schenkels ruppiger Film sogar ein wenig an Manny Cotos hübsch durchgemangelten „Dr. Giggles“, zu dem er wiederum einige mentale Parallelen aufweist. Interessanterweise strukturiert und komponiert Schenkel diese Arbeit ganz ähnlich wie seine letzte; es gibt zu Beginn beider Filme eine schwarzweiß bebilderte Rückblickssequenz, die jeweils die psychologische Disposition bzw. die Motivation des hier und dort aktiven Serienkillers erläutert, später wird aus der Identität des Mörders zunächst ein Geheimnis gemacht, derweil der Held bzw. die Heldin in Misskredit geraten. In beiden Filmen verbindet Killer und HeldIn eine gemeinsame Vergangenheit, in beiden Filmen ist Rache ein wesentlicher Antriebsfaktor für den Übeltäter. In beiden Filmen bildet sich ein Pärchen nach visuell anregend gestaltetem, koitalem Zwischenspiel und steht gemeinsam gegen den Bösewicht und beide Finalsequenzen kommen nicht ohne ein abermaliges, spektakuläres Wiederaufbäumen des Verbrechers aus, bevor dieser dann nochmal doppelt so blutig das Zeitliche zu segnen hat. Kurzum: „Exquisite Tenderness“ bildet gewissermaßen eine bucklige Alternativversion zu „Knight Moves“, mit Medizinern anstelle von Schachspielern, ohne die schöne Kameraarbeit eines Dietrich Lohmann, dafür deutlich deftiger, räudiger, zerlumpter und eigentlich auch ehrlicher zu allen Beteiligten als der Vorläufer. Der Spaßfaktor allerdings, der bleibt gleich hoch.

5/10

WONDER WOMEN

„I don’t like long legs. They get in the way.“

Wonder Women (Liebesgrüße aus Fernost) ~ PH/USA 1973
Directed By: Robert Vincent O’Neill

Als überall auf der Welt spurlos Spitzensportler verschwinden, werden die Geheimdienste hellhörig. Spitzenagent Mike Harber (Ross Hagen) soll eine lose Spur in Manila aufnehmen, die über Umwege zu der kriminellen Organisation der verrückten Wissenschaftlerin Dr. Tsu (Nancy Kwan) führt. Diese hat eine Methode zur Verpflanzung jedes beliebigen Körperteils entdeckt und verschachert nun die Bestände ihres wachsenden Sammelsuriums an die global Meistbietenden. Harber muss gut aufpassen, denn bald schon liegt auch er unter Tsus Skalpell…

Grundsätzlich mäßig interessanter Bond-Spoof der gröberen Sorte, der es jedoch infolge der Unterstützung ein paar augenscheinlich kleiner Details zumindest ins Semi-Finale schafft. An erster Stelle wäre da selbstverfreilich die an Kalauern alles andere als arme, gut hörbar von Rainer Brandt oder Arne Elsholtz erstellte Synchronfassung zu nennen, die „Liebesgrüße aus Fernost“ zumindest für den bundedeutschen Betrachter verpflichtend begleiten sollte. Das vehement zwischen aufreizend-unpassend und abseitig oszillierende Nonsens-Gesäusel besitzt absolute Liebhaberqualitäten, etwa, wenn Ross Hagen sich mit der Stimme von Thomas Danneberg zur Anmache einer weiblichen Bar-Entdeckung anschickt: „Hallo, ich bin der Erbprinz von Salzufflen.“ Man könnte endlos weitere Beispiele aus jenem pathologischen Lyrikfundus zitieren.
Doch „Wonder Women“ hat noch etwas wirklich Tolles (in dem Falle sogar Ureigenes) zu bieten, das das tapfere Durchstehungsvermögen des Psychotronikfreundes fürstlich belohnt: die monströse Menagerie von Dr. Tsus (eine Art Sumuru-Plagiat, für das man sich immerhin die Physis von Nancy „Suzie Wong“ Kwan zu sichern wusste) medizinischen Fehlschlägen, die auf strohiger Unterlage hinter Gittern ihr entseelt-mutiertes Dasein fristen und natürlich bloß auf die überfällige, stumpfe Rache sinnen. Wehe, wenn sie losgelassen! Und freilich passiert beizeiten genau das, unter allem gebührlichen Getöse, wenn auch immer noch bedauernswert jugendfrei.
„Wonder Women“ belohnt den geneigten Entdecker also mit einer Menge antiräsonalem Schabernack, dem auszusetzen sich trotz manch eher fader Phase inmitten des auch mit 82 Minuten eigentlich noch immer viel zu langen Blödsinns eine Menge Freude bereitet. Oder bereiten kann – das liegt dann wieder bei jedem selbst.

6/10

THE MAN WHO CHANGED HIS MIND

„Most of me is dead. The rest of me is damned.“

The Man Who Changed His Mind (Der Mann, der sein Gehirn austauschte) ~ UK 1936
Directed By: Robert Stevenson

Die Nachwuchschirurgin Clare Wyatt (Anna Lee) meldet sich bei dem zurückgezogen forschenden Gehirnexperten Dr. Laurience (Boris Karloff), um ihm zu assistieren. Laurience, dessen einziger Freund sein zynischer, im Rollstuhl sitzender Adlatus Clayton (Donald Calthrop) ist, offeriert Clare, dass er einen Weg gefunden hat, die Gehirnmuster eines Lebewesens mit denen eines anderen zu vertauschen, dass also eine vollständige Übertragung des Geistes möglich ist. Was bisher bei Schimpansen funktionierte, will Laurience nun auch an Menschen erproben. Die finanzielle Bezuschussung erhält er durch den reichen Pressemogul und Gönner Haslewood (Frank Cellier), dessen Sohn Dick (John Loder) Clares Freund ist. Doch Laurience wird öffentlich verlacht, eine erste Demonstration geht schief und der frustrierte Wissenschaftler tauscht kurzerhand den Geist Haslewoods mit dem des sterbenden Clayton. Lauriences Wahn ergreift mehr und mehr Besitz von ihm. Schließlich will er Clare für sich haben und fasst einen weiteren, perfiden Plan…

Ein berufsbedingter Ausflug in die Alte Welt führte Boris Karloff ins Königreich, wo er unter der Ägide der Gainsborough Pictures (Produktion), der Gaumont British (Verleih) und der Inszenierung des späteren Disney-Regisseurs Robert Stevenson dieses erstklassige Mad-Scientist-Movie bespielte. Die verführerische Diabolik des Sinistren lastet diesmal allerdings nicht allein auf seinen Schultern; mit seinem nicht minder hinterlistigen Freund Clayton kann er zumindest, so lange dieser ihm von Nutzen ist, auf einen „gleichwertigen“ Kompagnon setzen. „The Man Who Changed His Mind“ (der in William K. Eversons im Rahmen von Goldmanns Citadel-Reihe erschienen Standardwerk „Klassiker des Horrorfilms“ so wunderhübsch eingedeutscht wurde als „Der Mann, der es sich anders überlegte“) hält den Vergleich mit jeder aus dieser Zeit stammenden, phantastischen Studioproduktion aus Hollywood Stand und zieht sämtliche, teils bereits standardisierten Register: Der zauselige, zwangselixierte Wissenschaftler in seinem gräulichen Provinzhaus mitsamt Versuchsaffen, der sein Genie infolge ihn missverstehender Kollegen für das Böse missbraucht und schließlich zum Mörder wird, die schöne, wissbegierige Nachwuchswissenschaftlerin, die bei ihm an der denkbar falschesten Adresse ist und schließlich eine unglückliche Liebe, die das diesmal sehr menschliche Biest am Ende zu Fall bringen wird. Immerhin – auch diesmal ist Karloffs Figur nicht durchweg verloren; sterbend bereut Dr. Laurience seine Untaten. Alles drin, alles dran. Als zusätzliches Kuriosum dürfte noch erwähnt werden, dass Karloffs Figur hierin Kette raucht, als gäbe es kein Morgen. Kaum eine Einstellung, in der er nicht ohne Glimmstengel zu sehen ist, womit Dr. Laurience vermutlich der Titel des nikotinsüchtigsten verrückten Filmwissenschaftlers aller Zeiten gebührt.

8/10

THE WALKING DEAD

„You can’t kill me for something I didn’t do! You can’t!“

The Walking Dead (Die Rache des Toten) ~ USA 1936
Directed By: Michael Curtiz

Der gutmütige, arbeitslose Pianist John Ellman (Boris Karloff) gerät in die Fänge einer Gangsterclique, die ihn als Täter für den Mord an einem Richter (Joseph King) vorschiebt. Der tatsächlich unschuldige Ellman wird gefasst und trotz aller Beteuerungen, gelinkt worden zu sein, verurteilt. Ellman landet auf dem elektrischen Stuhl, bevor man seine Hinrichtung wegen begründeter Zweifel aufschieben kann. Dem übereifrigen Dr. Beaumont (Edmund Gwenn) gelingt es jedoch, Ellman ins Leben zurückzuholen, doch er ist nicht mehr derselbe. Immer wieder zieht es ihn, einem Racheengel gleich, zu den an seinem Tode schuldigen Verbrechern, die einer nach dem Anderen in Todesangst das Zeitliche segnen. Als Ellmans Vergeltungsmission vollendet ist, findet auch er endlich den verdienten und ersehnten Frieden.

Für einen der raren Beiträge zu ihrem eigenen, kleinen Horrorzyklus, der nicht zuletzt als Konkurrenz zu den Monsterfilmen und -Serials der Universal entstand, sicherte man sich bei Warner Bros. aufs Neue die Beteiligung des genreerprobten Darstellers Boris Karloff, der in „The Walking Dead“ eine wiederum sehr tragische Rolle als Quasi-Zombie einzunehmen hatte. Sein John Ellman ist zu Lebzeiten ein eigentlich feinsinniger, bemitleidenswerter Ex-Knacki, dem das Leben ohnehin schon übel mitgespielt hat und der dann zu allem Überfluss noch in schlechte Gesellschaft gerät. Sein Leidensweg endet jedoch nicht mit dem unverdienten Tod, da der allzu neugierige Wissenschaftler Beaumont Ellman eilends aus dem Jenseits zurückholt, um von ihm zu erfahren, wie es wohl auf der anderen Seite aussehe.
Der wiedergekehrte, nicht recht bei Form befindliche Ellman wird als wissenschaftliche Sensation gefeiert und darf neugierigen Besuchern aus der besseren Gesellschaft sein Klavierspiel demonstrieren – eine horrible Kuriosität, der erst jetzt (ein pervertiertes, sensationalistisches) Interesse zuteil wird. Den Gangstern, die die Schuld an Ellmans Tod tragen, geht jedoch verdientermaßen rasch die Muffe – offenbar ist der vormalige Tote mit einem überirdischen Gerechtigkeitsauftrag zurückgekehrt, der ihrer aller Ableben vorsieht.
Karloff hatte zunächst Bedenken, die Rolle anzunehmen, da sie der des Frankenstein-Monsters allzu sehr ähnelte und er sich typologisch nicht festlegen lassen wollte. Am Ende ist sein John Ellman jedoch wohl zu einer seiner schönsten Darstellungen überhaupt gereift, so wie „The Walking Dead“ eigentlich auch bloß teilweise dem Bild klassischen Horrors entspricht. Curtiz‘ Film ließe sich möglicherweise wesentlich treffender als „phantastisches Drama“ umschreiben, das niemals den Fehler begeht, allzu viele seiner immanent dräuenden Geheimnisse auszuplaudern. Diese Einordnung manifestiert sich besonders zum Ende, als der nicht locker lassende Dr. Beaumont Ellman ein letztes Mal etwas über das Jenseits entlocken will, jedoch wiederum leer ausgehen muss.

8/10

SHOCK WAVES

„Get off my island!“

Shock Waves ~ USA 1977
Directed By: Ken Wiederhorn

Während eines kleinen Kreuzfahrt durch die Karibik werden die Mitreisenden zunächst Zeugen eines seltsamen Seebebens, woraufhin der Kompass seinen Dienst quittiert und das ohnehin marode Schiffchen vor einer unbekannten Insel auf eine Schlammbank läuft. Der nächtens verschwundene Kapitän (John Carradine) wird kurz darauf tot am Strand aufgefunden. Der Maat Keith (Luke Halpin) und die übrigen Passagiere schlagen sich bis zu einem feudalen, alten Gemäuer im Herzen der Insel durch, dessen einziger Bewohner, ein grantiger, alter Herr (Peter Cushing), ihnen bedeutet, „seine“ Insel schleunigst wieder zu verlassen. Der Grund für dessen Besorgnis wird bald ersichtlich: Der Gute war im Zweiten Weltkrieg Kommandant einer gefürchteten Sondereinheit der SS, die aus im Zuge von Naziexperimenten entstandenen Supersoldaten bestand. Jene sind entgegen der Annahme des Alten mitnichten vor der Insel ertrunken, sondern durch das Seebeben zu neuem Leben erwacht und gehen nun unbarmherzig auf alles los, was sich bewegt…

Ken Wiederhorns kurze Karriere als Regisseur währte nur vergleichsweise schmale sechzehn Jahre und brachte lediglich sieben Werke hervor, von denen immerhin ganze vier dem Horrorgenre zuzurechnen sind. „Shock Waves“, eine kostengünstige, kleine Indie-Produktion, markierte dabei sein etwas schmallippiges Debüt. Abseits von den anekdotenstiftenden Auftritten der wie stets sehenswerten Grandseigneurs Carradine und Cushing, deren Engagements zugleich einen Großteil des zur Verfügung stehenden Budgets verschlang, kann noch die hier erstmalig kreditierte Brooke Adams, nicht nur in jungen Jahren eine überaus aparte und vor allem auch darstellerisch sehr begüterte, charismatische Aktrice, die gleich danach von Terrence Malick „entdeckt“ wurde und hier final girl und Rahmenhalterin der Mär, einige Pluspunkte einfahren.
Darin erschöpfen sich die Qualitäten von „Shock Waves“ allerdings bereits weitgehend. Dabei erscheint die Idee um eine kleine Garnison untoter, entfesselter Sturmsoldaten arischer Provenienz gar nicht mal übel, zumal Wiederhorn hinsichtlich des Themas Nazi-Zombies heute ja gewissermaßen als Entrepreneur dasteht. Es hapert jedoch an der Umsetzung – insgesamt sechs etwas aufgeschwemmte, tote Heinos tauchen allenthalben aus irgendeiner Pfütze auf, schlurfen durchs Areal und erwürgen ihre sich zumeist gewohnt dämlich anstellenden Opfer. Dass man ihnen bloß die Brille von den verdörrten Augen reißen muss, um sie ein für allemal lahmzulegen, macht sie nicht eben bedrohlicher und so hat man sich mit dem Wenigen zu begnügen, was „Shock Waves“ an Erinnerungswertem auffährt.

5/10

WONDER WOMAN

„What I do is not up to you!“

Wonder Woman ~ USA/CN/HK/UK/I/CAN/NZ 2017
Directed By: Patty Jenkins

Die Amazone Diana (Gal Gadot) wächst unter ihren Stammesgenossinnen auf der vom Rest der Welt abgeschotteten Insel Themyscira auf, deren Bewohnerschaft eine enge Verbindung zur griechischen Sagenwelt pflegt. Ihren ersten Mann bekommt Diana 1918 zu Gesicht, als der US-Pilot Steve Trevor (Chris Pine) durch Zufall vor ihrer Insel notwassert. Als die idealistische, friedliebende Diana von ihm erfährt, was sich justament in der Außenwelt abspielt, entschließt sie sich in der Überzeugung, der Kriegsgott Ares sei für jene Schrecknisse verantwortlich, Trevor zu folgen und den mythologischen Unhold zu stellen. Bevor sie Ares tatsächlich gegenübersteht, hat Diana noch einige Abenteuer zu bestehen.

Mit „Wonder Woman“ geht DC in die vierte Filmrunde und liegt damit noch immer meilenweit hinter der Konkurrenz von Marvel zurück. Ob sich dahinter eine Strategie verbirgt, das Publikum nicht zu übersättigen, oder ob es schlicht der zurückhaltenderen Qualität der Resultate anzulasten ist, dass sie wesentlich geringer frequentiert zu Tage treten, mag Spekulationssache sein. „Wonder Woman“, um den ja wieder recht großes Trara veranstaltet wurde, von wegen „erster von einer Regisseurin inszenierter Superheldenfilm“ etc.pp. bewegt sich ziemlich eindeutig auf der von „Man Of Steel“ und „Batman V Superman“ vorgerodeten Schneise, den etwas schmalhirnigen „Suicide Squad“ eimal außen vorgelassen. Die Titel-Heroine, neben Superman und Batman seit jeher die Dritte im Bunde von DCs „Big Three“, hatte ihr aktuelles Debüt ja bereits inmitten der beiden alliierten Muskelprotze bei Zack Snyder gegeben und eine  dementsprechend sanft eingeleitete Kinogeburt. Innerhalb der Rahmenhandlung erhält sie von niemand Geringerem als dem alten Flederfuchs Bruce Wayne ein altes Foto aus dem Ersten Weltkrieg, das die seither um keinen Tag gealterte Heldin mit ihrem damaligen Galan Steve Trevor an der belgischen Front zeigt. Die hernach präsentierte origin wird also im Zuge einer Erinnerung abgespielt. Wonder Womans Herkunftsgeschichte ist im Rahmen ihrer Comic-Historie wohl so oft umgeschrieben und neu interpretiert worden wie die keiner anderen DC-Figur; mal ist sie aus einem Lehmklumpen heraus entstanden, dann wieder das Resultat eines schwachen, fleischlichen Moments, mal gibt es zwei Wonder Women (Dianas Mutter Hippolyta ist eigentlich ihre Vorgängerin). Was also eine wie auch immer geartete, direkte Anbindung an das gezeichnete Vorbild anbelangt, konnte der Film praktisch so gut wie nichts falsch machen. Die Idee, Diana erstmals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs aktiv werden zu lassen ihr hernach gleich auch noch dessen Beendigung zuzuschreiben, erweist sich als durchaus charmant. Dass bei den betagteren Vertretern der Superheldenzunft auch historische Szenarien funktionieren, wissen wir bereits von „Captain America: The First Avenger“. Das Schützengrabengetümmel der Westfront bietet der Heldin allerlei rustikale Gelegenheiten, ihre noch nicht zur Gänze entdeckten Fähigkeiten auszuschöpfen und ordentlich kaiserliche Soldaten von der Platte zu putzen. Mir hat’s gefallen. Gal Gadot geht als nahezu perfekte Realinkarnation der schönen Amazone durch, Chris Pine erschien mir indes austauschbar. Subsummiert ist „Wonder Woman“ durchaus okay und phasenweise sogar vergnüglich, wozu insbesondere eine gepflegte Leichtigkeit im Umgang mit dem Sujet beiträgt. Dennoch freue ich für meinen Teil mich nach wie vor wesentlich mehr auf „Infinity War“ als auf den „Justice League“-Film.

7/10