ALIEN: COVENANT

„I think if we are kind, it will be a kind world.“

Alien: Covenant ~ USA/UK/AUS/NZ/CN 2017
Directed By: Ridley Scott

Im Jahre 2104 reist das Kolonistenschiff „Covenant“ zum Planeten Origae-6, auf dem es lebensfreundliche Bedingungen gibt. Ein Raumsturm sorgt schließlich dafür, dass einige Crewmitglieder aus dem Hyperschlaf geholt werden. An Bord befindet sich zudem der Android Walter (Michael Fassbender), seinem einstigen Vorbild David (Michael Fassbender) zumindest äußerlich stark nachempfunden. Ein zufällig aufgefangener Funkspruch lässt sie auf einen nicht allzu weit entfernten Planeten aufmerksam werden, der ebenfalls für die Besiedlung durch Menschen geeignet scheint. Ein dorthin entsandter Expeditionstrupp muss diesen Eindruck jedoch bald revidieren: Es gibt keinerlei Tiere; stattdessen findet sich das Wrack eines außerirdischen Raumschiffs, das Hinweise auf einen früheren Kontakt mit der zehn Jahre zuvor verschwundenen „Prometheus“ enthält. Der zunächst unbemerkte Kontakt mit Killersporen, die in den von ihnen befallenen Wirtskörpern eine Frühform der aggressiven Xenomorphe heranwachsen lassen, versetzt die Raumfahrer schließlich in Panik. Für eine Flucht ist es jedoch bereits zu spät. Stattdessen eilt ihnen der hier vor langem gestrandete David zur scheinbaren Hilfe, der jedoch weitaus finsterere Pläne hat, als es zunächst den Anschein hat.

Grundsätzlich finde ich einen neuen „Alien“ eigentlich immer begrüßenswert. Ich mag die Reihe seit jeher, finde die Monster genuin toll und schätze die mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich hinter dem scheinbar simpel strukturierten Originalplot auftun. Ridley Scotts Originalfilm, den ich mittlerweile auswendig mitsprechen kann und allein in den letzten sechs Monaten zweimal gesehen habe, erfreut sich meiner persönlichen, ungebrochenen, eigentlich sogar stetig steigenden Beliebtheit. Seit Scott das Franchise mit dem Prequel „Prometheus“ quasi zurückerobert hat, droht er damit, dass er im Erfolgsfalle Ideen für etliche weitere Serienbeiträge im Ärmel hätte. Dieser Jüngste davon lässt angesichts solch hochtrabender Pläne allerdings nicht unbedingt frohlocken. Längst stehen die Xenomorphe überhaupt nicht mehr im Fokus, sondern bekleiden eher die Rolle bejubelnswerter Gaststars, angesichts deren rarer Auftritte man sich dann wohl noch erfreuen zeigen soll. Das Zentrum von „Alien: Covenant“ bildet vielmehr Michael Fassbender in seiner Doppelrolle als guter und als böser Androide mit leidlich genutztem Konfusionsfaktor.
Wenn man so will, vollzieht die Geschichte einen Brückenschlag zwischen dem „Alien“-Kosmos und Scotts anderer filmischen Großerrungenschaft, „Blade Runner“. Daran lässt bereits der Prolog keine Zweifel, der einen todkranken Peter Weyland (Guy Pearce) im prononciert „wagneresken“ Dialog mit seiner Großschöpfung David zeigt: Das ätherische, artifizielle Geschöpf hat seinen Vater an Perfektion längst übertroffen. Wie der weitere Verlauf zeigt, wird es darüberhinaus dereinst zum Wolf seiner Konstrukteure werden; es hat in einem Jahrzehnt des einsamen Sinnierens längst erkannt, dass der homo sapiens gewissermaßen „überholt“ ist, voll von Schwächen, und auf den Schrotthaufen der Evolution gehört. Die Aliens, wie wir sie seit anno ’79 (respektive die beängstigend pluralistische Ausprägung ihrer insektenatigen Organisation seit ’86) kennen, verdanken ihre endgültige Form als Waffe wider die Menschheit also einem von Menschen geschaffenen Androiden. Ob diese Kausalitätsenthüllung so brillant ist, wie Scott sie uns zu verkaufen trachtet, möchte ich dahingestellt lassen; immerhin war es einst ja gerade das die Xenomorphe umgebende, mysteriöse Element, das ihnen einen Großteil ihrer Originalität, Faszination und Bedrohlichkeit bescherte.
Da das Gegenwartskino sich aber nicht erst seit gestern innerhalb der gewaltigen Zwangsneurose bewegt, stets alles bis zum Erbrechen zu erklären und immer wieder aufs Neue durchdeklinieren zu müssen, sind Werke wie dieses wohl schlicht unvermeidbar. Immerhin ist „Covenant“ alles in allem kein dummer Film und hält zudem ein paar angemessen inszenierte Aktionsszenarien bereit. Doch reicht das?
Wie in vielen Präzdenzfällen, s. „Star Wars“, sollte man, so man sich „Covenant“ überhaupt ausliefern will, sich der Bereitschaft vergewissern, das Gestrige in Frieden ruhen zu lassen, die alte Weise, dass „früher sowieso alles besser“ war, geflissentlich beiseite schieben zu können und (vielleicht) zähneknirschend das fressen, was man vorgesetzt bekommt. Frei nach dem Motto: ein leerer Magen tut einem auch keinen Gefallen.

6/10

A CURE FOR WELLNESS

„I’m feeling much better now!“

A Cure For Wellness ~ USA/D 2016
Directed By: Gore Verbinski

Der bei einer New Yorker Bank arbeitende Yuppie Lockhart (Dane DeHaan) wird von der Firmenleitung damit knebelbeauftragt, vor Ort dem in einem exklusiven Kur-Ressort in den Schweizer Alpen weilenden Vorstandsmitglied Pembroke (Harry Groener) nachzuspüren und ihn zurück in die Staaten zu holen. Vor Ort angekommen, hat Lockhart einen Autounfall, der ihn mit einem gebrochenen Bein zurücklässt und ihn wider Willen selbst zu einem ungeplanten Aufenthalt in der Klinik nötigt. Alles dort ist seltsam – der mittlerweile aufgetauchte Pembroke, die anderen Patienten, der Chefarzt Volmer (Jason Isaacs), die junge, geheimnisvolle Hannah (Mia Goth), vor allem jedoch Volmers Therapiemethoden, die insbesondere den permanenten Genuss des angeblich heilsamen Quellwassers der Region vorsehen. Je länger Lockhart im Hause verwelt, desto mehr verschwimmen Halluzinationen und Realität. Was ist noch echt, was schon Albdruck?

Ein durchaus schöner, aktueller, von genießerischer Visualisierung getragener Horrorfilm und somit keine Selbstverständlichkeit. Irgendwo angesiedelt ist das inmitten von Guillermo del Toros „Crimson Peak“, dem erst kürzlich gesehenen „Saint Ange“ und ganz besonders Thomas Manns monumentalem „Zauberberg“, der vor allem eine nicht unwesentliche Rolle bei der Ersinnung der Geschichte um den marionettenhaft in de Ereignisstrudel geschubsten Banker Lockhart gespielt haben dürfte. Wie weiland vor rund einem Centennium für den Hamburger Hans Castorp in Davos verschwimmen für Lockhart irgendwann Zeit und Raum, wechseln realis und irrealis sich ab, wird sein Aufenthalt zu einer obskuren Mausefalle, von der man zunächst nicht recht weiß, ob sie einen Schutz vor der kapitalistisch pervertierten Außenwelt bietet oder doch wesentlich Sinistereres mit ihren Insassen vorhat. Große Finanzhaie und Manager verkehren in der Klinik des Dr. Volmer, allesamt nicht mehr die Jüngsten und alle trinken sie das Heilwasser aus der Zisterne unterhalb des Kurgebäudes, das seltsamerweise den Aal zu seinem Sinnbild ausersehen hat und weit oben auf einer nur höchst umständlich zu erreichenden Bergspitze ruht. Nach einigen höchst entsichernden Erlebnissen weiß man auch als kaum minder orientierungsloser Rezipient noch immer nicht recht, ob der sich verlierende Lockhart ein Opfer seiner persönlichen Traumata, die direkt dem Kannibalismus der internationalen Hochfinanz entspringen, ist oder ob die wirren Eindrücke tatsächlich realen Ursprungs sind. Die etwas campige, aber nichtsdestotrotz gut passende Auflösung verheißt schließlich Gewissheit. Dass sich davor eine der fiesesten „Zahnbehandlungen“ im Kino findet seit „The Marathon Man“ (Yuznas zwei „Dentist“-Filme sind dagegen geradezu Waisenknaben), sei an dieser Stelle ausdrücklich als Warnung verstanden.

8/10

LIFE

„Don’t open!“

Life ~ USA 2017
Directed By: Daniel Espinosa

Mit großen Erwartungen nimmt die internationale, sechsköpfige Crew der im Erdorbit schwebenden ISS eine vom Mars zurückkehrende Sonde entgegen, die nicht nur Bodenproben, sondern offenbar auch einen von dort stammenden Kleinstorganismus mit sich führt. Das winzige, von via Satellit zugeschalteten Schulkindern „Calvin“ getaufte Wesen entpuppt sich jedoch als wesentlich komplexer denn zunächst vermutet: Rasch wächst die amorphe, entfernt an einen Polypen erinnernde Kreatur heran und attackiert mit blitzartiger Geschwindigkeit die Crew – mit tödlichen Folgen. Schließlich bleibt den beiden letzten Überlebenden Jordan (Jake Gyllenhaal) und North (Rebecca Ferguson) nur die Enntscheidung, wie man Calvin am Effektivsten von der Erde fernhält.

Life on Mars? – But yes! Sich explizit an Ridley Scotts Original orientierende „Alien“-Rip-Offs gab es bis in die Neunziger hinein wie Sand am Meer, dann folgte eine kleinere Welle von Genrefilmen, in denen der Menschheit begegnende Extraterrestrier die Erde in invasorischer Größenordnung attackierten, gefolgt von oftmals vulgärphilosophischem Mystizismus-Quark, der die Außerirdischen als unfassbare, uns Erdbewohnern wahre Evolutionsschübe verabreichende Entitäten porträtierte. Ein possierliches Einzelmonster, das eine überschaubare Raumschiff- oder Raumstationscrew in Spielfilmlänge bis zum unausweichlichen Finalduell dezimiert, gab es indes schon seit Längerem nichtmehr im größer budgetierten Science-Fiction-Film. Der recht prominent besetzte „Life“ greift also ein zuletzt eher vernachlässigtes Genre-Segment auf, das sich seit jeher durch seine große Schnittmenge mit dem Horrorkino auszeichnet: Der künstliche, von der Erde losgelöste Himmelskörper tauscht seine Funktion als von Menschen geschaffenes, futuristisches Wunderwerk mit der des klaustrophobischen Gefängnisses, das für den ultra-anpassungsfähigen, mörderischen Fremdling gleichermaßen zum Jagdrevier avanciert. Calvin, so der durchaus niedliche Name des Marssprösslings, entpuppt sich dabei als wahrer Überlebenskünstler, der sogar den guten, alten Xenomorphen noch etwas vormachen könnte: Mithilfe seiner wirbellosen, wabernden Gestalt flutscht und huscht er in Windeseile durch alle Röhren und Gänge der ISS und hält es sogar längere Zeit im Vakuum des Alls aus, ohne weiteren Schaden zu nehmen. Entsprechend verständlich die Sorge der recht willkürlich zusammengestellten Multikulti-Astronautengruppe um die eigenen Existenzen und schließlich, nach der bitteren Erkenntnis, dass diese sowieso keinen Pfifferling mehr wert sind, um die Erde als Ganzes. Leider baut „Life“ mit zunehmender Erzählzeit etwas ab und fügt sich in die unausweichliche Vorhersehbarkeit: Während die ersten Studien rund um Calvin und vor allem sein erster Angriff, der dem keinesfalls unvorsichtig vorgehendeen Wissenschaftler Derry (Ariyon Bakare) gilt und dessen Hand in Mitleidenschaft zieht, noch vor gekonnten Spannungsschüben strotzen, wird es dann irgendwann beliebig und altbekannt. Dennoch finde ich es grundsätzlich erfreulich, dass im Stellaren spielendes Science-Fiction-Kino heuer doch nicht wie befürchtet zwangsläufig mit geistesblitzendem Krimskrams wie „Interstellar“ oder „Arrival“ assoziiert werden muss, sondern dass blood’n guts auch hier noch ihren Platz haben. Wenngleich ein paar Übungszüge bis zum wahrlich properen Freischwimmer zumindest in diesem Falle gewiss noch Not getan hätten.

7/10

THE PROJECTED MAN

„Take a good look! I’m a monster!“

The Projected Man (Frankenstein 70 – Das Ungeheuer mit der Feuerklaue) ~ UK 1966
Directed By: Ian Curteis

Unter stetigem Druck durch seinen Projektleiter Blanchard (Norman Wooland), der ihn am Liebsten vom Fleck weg schassen würde, arbeitet Dr. Paul Steiner (Bryant Haliday) an einer waghalsigen Experimentreihe, an deren Ziel die Projektion organischer Materie von einem Ort zum anderen steht. Hilfe erhält er von seinem Assistenten Mitchel (Ronald Allen) und seiner früheren Freundin Patricia (Mary Peach). Dennoch geht eine wichtige Demonstration in Gegenwart von Steiners früherem Mentor Lembach (Gerard Heinz) schief und Steiner wagt frustriert einen Selbstversuch, der katastrophal misslingt: Zwar vollzieht sich die Projektion, doch Steiner erscheint nach seiner vorübergehenden Auflösung als Monster mit halb entstelltem Gesicht und einer verbrannt aussehenden Kralle, die alles, was sie berührt, umgehend tötet. Jeder Versuch von Mitchel und Mary, den zunehmend wahnsinnig Werdenden zur Vernunft zu bewegen, scheitert…

Mit dem von der deutschen Titelschmiede aufgegriffenen „Frankenstein“- Ikonografie hat „The Projected Man“ faktisch gar nichts zu tun, mit Ausnahme vielleicht des ebenso genialen wie verschrobenen Wissenschaftlers im Zentrum der Ereignisse, der sich über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Schöpfung und Natur zu erheben versucht. Gut, der Mann heißt außerdem „Steiner“, was eine entsprechende Parallelisierung allerdings nicht zwangsläufig offensichtlich machen muss. Vielmehr steht Curteis‘ Film in der Tradition der im Zuge eines verhängnisvollen Selbstexperiments zu grauerregenden Monstren mutierenden mad scientists, die am Ende einen hohen Preis für ihre Freveleien zu bezahlen haben; angefangen bei Stevenson und Wells und in diesem speziellen Fall stark von der „The Fly“-Trilogie beeinflusst. Auch in jener ging es ja um Teleportation und einen massiv scheiternden Versuch, der das Genie zur Bestie werden ließ, wobei zumindest der physikalische Ansatz in „The Projected Man“ – der Titel verrät es bereits – sich geflissentlich vom Vorbild unterscheidet. Hier vermischen sich nicht etwa zwei Erbgüter von Mensch und Tier; die Veränderung des Erfinders vollzieht sich vielmehr ausschließlich durch die Tücken der unwägbaren Technologie. Heraus kommt ein optisches Pendant zum alten Batman-Gegner Two-Face, das zudem die mörderische Superkraft besitzt, allein durch die Berührung mit seiner Hand hochenergetische Stromschläge in seine ergo umgehend gerösteten Opfer zu jagen. Dass man angesichts solcher äußeren Umstände dem Irrsinn anheim fällt, ist da eine schon logische Schlussfolgerung.
„The Projected Man“ ist sichtbar billig hergestellt worden, entfaltet aber einen gewissen, sicherlich nicht eben problemlos herauszufilternden Charme, der ihn eben vor allem für Liebhaber verrückter Wissenschaftler goutierbar macht. Dass der Produzent John Croydon dem ursprünglichen Regisseur Ian Curteis gegen Ende der Dreharbeiten das inszenatorische Zepter entriss, macht sich nicht bemerkbar, ebensowenig wie die Tatsache, dass Bryant Haliday, der den bedauernswerten Dr. Steiner gibt, Mitbegründer der Filmpräservationsstätte Janus Films war, die sich wiederum zu einem wichtigen Partner von Criterion mauserte. All das macht aber gar nüscht.

5/10

MACISTE, L’UOMO PIÙ FORTE DEL MONDO

Zitat entfällt.

Maciste, L’Uomo Più Forte Del Mondo (Maciste und die Königin der Nacht) ~ I 1961
Directed By: Antonio Leonviola

Der Muskelmann Maciste (Mark Forest) gerät in Konflikt mit den zum Leben ohne Sonne verdammten Maulwurfsmenschen, die das Volk des ermordeten König Khur (Nando Tamberlani) versklaven, um es in ihrem unterirdischen Reich Juwelen abbauen zu lassen. Zusammen mit seinem neuen Kumpel Bango (Paul Wynter) lässt auch Maciste sich gefangennehmen und lernt mit Halis Mojab (Moira Orfei) die rachsüchtige, missgünstige Königin der Maulwurfsmenschen kennen. Diese würde den properen Maciste am Liebsten vom Fleck weg heiraten, doch jener erweht sich tapfer aller Avancen durch das böse Luder.

Neben Herkules brachte es der Muskelheld Maciste im Peplum der sechziger Jahre auf die meisten Serieneinträge. Wikipedia listet immerhin ganze 25. Dabei handelte es sich im Prinzip bloß um eine fix herbeigewunschene Wiederbelebung: In den zehner und zwanziger Jahren hatte der Bodybuilder Bartolomeo Pagano den Maciste bereits 26 Male gegeben. Der ursprünglich als karthagische Held konzipierte, bärenstarke Protz hatte im Vergleich zu Herkules dabei den Vorteil, nicht auf einen singulären, mythologischen Background festgelegt zu sein. Maciste turnte stattdessen munter durch Epochen und Regionen, war mal im alten Rom aktiv, dann im Schottland des 17. Jahrhunderts, nur um dann einem ägyptischen Pharao beizustehen oder in Spanien gegen Zorro anzutreten. In „Maciste, L’Uomo Più Forte Del Mondo“ war es an Fünffach-Maciste (und damit Silbermedaillen-Gewinner nach Kirk Morris), an unbestimmtem Ort und zu unbestimmter Zeit den Kampf gegen ein albino-artiges, unterirdisches Völkchen aufzunehmen, das, ganz seiner grottigen Herkunft entsprechend, nur Übles im Sinn hat. Dabei steht Forest ein nicht minder gut ausgestatter, dunkelhäutiger Recke namens Bango zur Seite, der in der deutschen Synchronisation mit dümmlichem Bamse-Olumbe-Dialekt „angereichert“ wurde, wohl, um seine Urwaldherkunft zu unterstreichen. Überhaupt wird viel von „Rassen“ und deren Differenzen parliert; zugleich lässt sich ein mehr oder minder diffuses, homoerotisches Element , wie es dem Peplum häufig ohnedies innewohnte, unter den beiden Raubritterkreuzen nicht hinfortleugnen. In ideologischer Hinsicht gibt es also einiges an tumbem Gekaspere, wobei Forest, der die Stimme von Hansjörg Felmy bekam, allein durch diesen Umstand gleich nur noch halb so blöd wirkt. Ist aber auch egal: Kämpfe gegen einen Affenmenschen im Kostüm und gegen ein paar Löwen sowie eine bombastische Kraftprobe machen Vieles an Unbill wieder wett und diesen Maciste zu einem Musterexempel seiner leicht debilen Zunft. Dass die billig edierte deutsche DVD eine abartig-asynchrone Synchrontonspur aufweist, halte ich nebenbei an dieser Stelle für meine warnungsvolle Mitteilungspflicht.

6/10

QUEEN KONG

„Do you think this has some underlying meaning or symbolism or social significance?“

Queen Kong (Die tollen Abenteuer der Queen Kong) ~ UK 1976
Directed By: Frank Agrama

Die kesse Filmemacherin Luce Habit (Rula Lenska) sucht für ihr nächstes Projekt zum Ersten einen kernigen männlichen Star und hat sich zum Zweiten die geheimnisvolle Insel „Lazanga Where They Do The Konga“ als Drehort ausgesucht, auf dem die Eingeborenen der Riesenäffin Queen Kong huldigen. Ihren Auserwählten findet Luce in dem Londoner Kleingauner Ray Fay (Robin Askwith), der sie eher unfreiwillig Richtung Afrika begleitet. Nach einigen Inselabenteuern nimmt man Queen Kong dann mit in die englische Metropole, wo sie flugs zum Star der Feminismusbewegung auserkoren wird.

Wollte ich schon lang einmal gesehen haben und bin nun froh, endlich auch hier ein Häkchen setzen zu können. Frank Agramas als „King Kong“-Parodie verkleidete Gaga-Komödie sucht ihre Wurzeln im britischen Anarchohumor jener Jahre, garniert vielleicht mit ein bisschen Zuwendung an Mel Brooks, jedoch vollkommen ohne dessen Gespür für liebevolle Parodismen oder auch sonst jedwede Art von Stil. Stattdessen bewegt sich der in ausnahmslos jeder Beziehung gammlige „Queen Kong“ in den flauen Gewässern des unwitzigen Nonsens und versagt bei seinen hochfrequenten Versuchen, komisch zu sein, so dermaßen, dass es körperlich wehtut. Robin Askwith, der mit seinem ausgeprägten Kieferbau in jungen Jahren exakt dieselbe Physiognomie aufwies wie Oliver Kahn und der seinerzeit als vielversprechender sonnyboy der aufstrebenden Comedy-Szene galt, sollte man sich bevorzugt in „Horror Hospital“ geben, der seinen „Qualitäten“ deutlich gerechter wurde.
Dies hier ist nichts weiter als lupenreiner, englischer Stinkkäse.

2/10

CALTIKI – IL MOSTRO IMMORTALE

Zitat entfällt.

Caltiki – Il Mostro Immortale (Caltiki – Rätsel des Grauens) ~ I 1959
Directed By: Riccardo Freda

Um den Grund für den großen Maya-Exodus im 9. Jahrhundert zu erforschen, reist Professor John Fielding (John Merivale) gemeinsam mit seiner Frau Ellen (Didi Sullivan) und einigen Kollegen in die mexikanische Ödnis, in die Nähe eines brodelnden Vulkans. Nachdem ein Expeditionsteilnehmer auf seltsame Weise zu Tode gekommen ist, werden die Eingeborenen nervös und Fielding hellhörig. Ein unterirdischer Tempel weist auf die uralte, unsterbliche Gottheit Caltiki hin, mit der Fielding alsbald unangenehme Bekanntschaft schließt: Bei Caltiki handelt es sich um ein gefräßiges, amorphes Wesen, das sich von Menschen ernährt und seine Opfer bis auf die Knochen aussaugt. Nur durch Feuer scheint die Kreatur sich bändigen zu lassen. Zurück in Mexiko City bekommt Fielding es dann mit gleich drei bedrohlichen Problemen zu tun: Sein Kollege und Freund Max Gunther (Gérard Herter), der von Caltiki angefallen und verstümmelt wurde, fängt an durchzudrehen, eine mitgenommenes Stück der Kreatur entwickelt neues Leben und ein Komet, auf den Caltiki höchst sensibel reagiert, passiert die Erde…

Fredas Monsterfilm, an dem auch Mario Bava emsig mitgewerkelt hat, ist ein echtes Liebhaberstück. Beeinflusst sowohl von den britischen Hammer-Vorläufern „X: The Unknown“ und „The Quatermass Xperiment“ als auch von dem bunten „The Blob“ schimmern immer wieder auch Anklänge an Lovecrafts Mythologiekonstrukt der „Großen Alten“ wieder: Caltiki entpuppt sich als eine uralte Kreatur außerirdischen Ursprungs, die durch ihren unaufhaltsamen Wuchs Menschheit und Erde bedroht. Wie es sich für einen veritables Monstervehikel jener Ära geziemt, wächst auch die Kraft Caltikis durch den Einfluss radioaktiver Strahlung – das weniger gallertartig denn nach überdiemsionalen Lederlappen aussehende Ungetüm ist insofern vor allem eine Replik auf den Zivilisationsstatus der es (oder vielmehr sie) erweckenden Tröpfe: Goldgier, Forschungsdrang und die geheimnisvolle Macht ungebändigter Naturkräfte ermöglichen erst das Wiedererwachen Caltikis, die seit Äonen gemütlich in ihrer vulkanischen Höhle vor sich hin gepennt hat und nun noch jeden Riesenaffen alt aussehen lässt.
Freda und Bava schaffen vor allem infolge überaus wirkungsvoller Tricks und Spezialeffekte (wobei ich zugeben muss, dass unförmige Wackelpudding-Aliens es mir seit jeher grundsätzlich angetan haben) Momente grandioser Schrecknisatmosphäre, die selbst kleine Albernheiten, wie den etwas unsinnigen Nebenplot um den von Caltiki infizierten Gunther, der immer verrückter wird, mit den Augen rollt, als gelte es, einen Wettbewerb zu gewinnen und zunehmend wirres Zeug daherstammelt, vergessen macht. Man spürt jederzeit und ganz deutlich, dass die beiden maestri ihre Sache ernst genommen und der möglicherweise einen oder anderen eher bescheidenen Bedingung zum Trotze gute Arbeit abzuliefern gedachten. Was ihnen gelang.

8/10