THE SUICIDE SQUAD

„Nom-nom?“

The Suicide Squad ~ USA/CA/UK 2021
Directed By: James Gunn

Die aus im Gefängnis einsitzenden, kriminellen oder geistesgestörten Metawesen bestehende, von Agent Amanda Waller (Viola Davis) rekrutierte „Task Force X“ aka „Suicide Squad“ erhält in weitgehend neuer Zusammensetzung einen weiteren Auftrag: Die Truppe soll auf der von einer Militärjunta beherrschten Karibikinsel Corto Maltese einfallen und eine von Regierungstruppen schwer bewachte Festung namens „Jotunheim“ zerstören, in der ein mysteriöses Forschungsprojekt names „Starfish“ beheimatet ist. Die Suicide Squad landet in zwei Abteilungen an der Küste von Corto Maltese, wobei die erste, mit Ausnahme von Colonel Rick Flag (Joel Kinnaman) und der verrückten Harley Quinn (Margot Robbie), unmittelbar aufgerieben wird. Die kleinere, aber deutlich wehrhaftere Abordnung besteht aus dem Söldner Robert DuBois (Idris Elba) alias „Bloodsport“, dem selbsternannten „Peacemaker“ Christopher Smith (John Cena), dem irren Laborexperiment Abner Krill (David Dastmalchian) alias „Polka-Dot-Man“, dem maritimen Halbgott Nanaue (Sylvester Stallone) alias „King Shark“ und der mit absoluter Macht über Ratten ausgestatteten Cleo Cazo (Daniela Melchior) alias „Ratcatcher II“. Gemeinsam arbeitet sich das Team bis in die Hauptstadt vor, nimmt den Projektleiter Gaius Grieves (Peter Capaldi) alias „Thinker“ gefangen und gelangt mit dessen Hilfe in die Mauern von Jotunheim. Die ursprüngliche Mission kann unter Verlusten erfüllt werden, doch mit der Einebnung des Gebäudes wird zugleich eine neue, furchtbare Gefahr entfesselt. Von nun an muss die Suicide Squad auf eigene Rechnung arbeiten…

Wie der „Guardians Of The Galaxy“-Betreuer James Gunn zu seinem Zwischenspiel beim DCEU kam, dürfte ja hinlänglich bewusst sein. Dass damit zugleich ein kleiner, kreativer Brückenschlag zwischen den beiden Comicfilm-Riesen vollzogen wurde, erweist sich als so gleichermaßen reizvoll wie schadenfreudig: Während Disney und MCU-Mastermind Kevin Feige Gunn vormals eher in weitgehend domestizierten Schranken arbeitenund seine bekanntermaßen im derberen Filmschaffen wurzelnde Kreativenergie sich in psychedelischen Space-Gags sublimieren ließen, konnte er bei DC zum ersten Mal seit seinem zweiten Film „Super“ wieder vollends die Sau durchs Dorf und es gerade so bunt treiben, wie ihm der freche Schnabel gewachsen ist. Das Resultat ist die erste echte splatter comedy im großbudgetierten High-End-Superheldenfilm, eine liebenswert-böshumorige Burleske, in der geholzt wird, dass die Schwarte kracht. Dabei wird die makrokosmische Anbindung an Zack Snyders DC-Trilogie aufrecht erhalten und es handelt sich tatsächlich auch nicht, wie gelegentlich aufzuschnappen war, um ein Reboot von David Ayers „Suicide Squad“, sondern um ein echtes Sequel, das zur gleichen Zeit allerdings eine umfassende Renovierung des Originals betreibt. Bekanntermaßen wurde Ayer damals gehörigst in die Schranken gewiesen und dazu angehalten, seine Vision dieses verlottertsten aller Heldenteams so jugendfrei als möglich abzuliefern. Die Gags darin nahmen sich dementsprechend eher durchgemangelt aus und der overfiend wenig denkwürdig. Mit all diesen kleinen und großen Faux-pas räumt Gunn in seiner sehr persönlich gefärbten Vision der Squad rigoros auf: Ihren selbstmörderischen Beinamen trägt die Task Force X nunmehr völlig zu Recht; unmittelbar zu Beginn wird der gewissermaßen zur Ablenkung der Kerngruppe dienenden Vorhut der Garaus gemacht, als gäbe es kein Morgen mehr und die Marschrichtung des Films damit auch gleich unumwunden vorgegeben. Der im Folgenden von Gunn ausgerollte Irrsinnsteppich besteht aus einem Füllhorn mitunter brillanter visueller Einfälle, kleinen, manchmal etwas überschmückt scheinenden Nebenepisödchen [über Wert und Nutzen der als Bypass eingeflochtenen Kurzromanze zwischen Harley Quinn und dem Inseldespoten Luna (Juan Diego Botto) ließe sich etwa diskutieren – zweifelsohne dient sie in erster Linie dazu, Robbie Screentime zu verschaffen] und natürlich dem famosen Endkampf gegen den klassischen JLA-Gegner Starro, einen gewaltigen, außerirdischen Seestern, der sich seine Untertanen mittels kleiner Versionen seiner selbst, die er auf deren Gesichter pflanzt, gefügig macht. Wenn man es recht bedenkt, konnte der in Gestalt und Ausprägung nicht mehr ganz zeitgemäße Starro auch nur von einem wie Gunn zum Leinwandleben erweckt werden, die meisten anderen Filmemacher hätten sich vermutlich bis auf die Knochen blamiert. Schließlich lassen sich Gebrauch und Kompilierung der Figuren als gehörig sarkastisches Statement begreifen – die zur neuen Suicide Squad zählenden Charaktere sind, natürlich mit Ausnahme von Fanliebling Harley Quinn, die, ohne allzu augenfällige Beschränkungen zu erfahren, im Prinzip das einzig greifbare räsonistische Bindeglied zwischen dem etablierten DCEU und Gunns abgefucktem Grand-Guignol-Zirkus darstellt, allesamt letztklassige Seitenfüller, an die sich in erster Linie wohl nur wandelnde Comic-Enzyklopädien erinnern werden. Dass es zugleich aber nur solche vergessenen TertiärschurkInnen sein können, mit denen Gunn ins Feld zieht, ist letzten Endes so evident wie eigentlich alles andere auch an diesem rüpelhaft-spaßigen Film.

8/10

A QUIET PLACE PART II

„Breathe.“

A Quiet Place Part II ~ USA 2020
Directed By: John Krasinski

Nach dem Opfertod ihres Mannes Lee (John Krasinski) macht sich Evelyn Abbott (Emily Blunt) gemeinsam mit ihren drei Kindern, der taubstummen Regan (Millicent Simmonds), dem etwas jüngeren Marcus (Noah Jupe) und dem Neugeborenen, auf eine Reise ins Ungewisse, stets auf der Flucht vor den blinden Monsteraliens. In den angrenzenden Bergen stoßen sie auf eine verlassene Stahlfabrik, in der sich Emmett (Cillian Murphy), ein früherer Freund der Abbotts, der seine gesamte Familie verloren hat, verschanzt hält. Durch Zufall empfängt Marcus ein Radiosignal, das den Oldie „Beyond The Sea“ in Dauerschleife ausstrahlt. Regan ahnt, dass sich dahinter Überlebende verbergen müssen, die den Song als Hinweis auf ein mögliches Inselrefugium vor der Küste senden. Auf eigene Faust macht sie sich heimlich auf, ihre Vermutung zu beweisen. Die darüber entsetzte Evelyn kann Emmett überreden, ihr zu folgen.

Sein Sequel zu dem erfolgreichen „A Quiet Place“ legt Regisseur und Autor Krasinski in dessen unmittelbare Chronologie. Die angeschlagene Familie Abbott verfolgt die Fortsetzung dabei weiter auf ihrem Weg durch das nunmehr hinlänglich etablierte Endzeit-Szenario und gibt einen etwas genaueren Überblick über die veränderten Zustände und Überlebensmodi innerhalb jener auf absolute Stille angewiesenen Albtraumrealität. Als (offenbar unerlässliches) männliches Substitut für Krasinskis heldenhaft gestorbenen Familienvater bemüht der Plot den von dem in punkto apokalyptische Sujets hinlänglich erfahrenen Cillian Murphy als psychisch angeschlagenen Emmett, dem im Laufe der Ereignisse eine zunehmend tragende Rolle zuteil wird. Ansonsten lernt und erfährt man noch einiges mehr über die invadierte Welt von „A Quiet Place“, wobei diese sich nicht wesentlich von hinlänglich bekannten, klassischen Vorbildern unterscheidet: Es gibt marodierende und plündernde Outlaws, deren regressive Atavismen sich bereits physisch manifestieren, derweil sich Regans Vermutung der eiländischen Flüchtlingsenklave als tatsächlich zutreffend erweist: Auf einer recht geräumigen Insel lebt eine Gruppe Überlebender unter der Führung eines weißbärtigen Patriarchen (Djimon Hounsou) ein zivilisatorisch relativ ungetrübtes, autarkes Idyll. man ist dort sicher, weil die Monster nicht schwimmen können. Mit Emmett und Regan kommt jedoch auch hierher der Tod – eine der Kreaturen befindet sich an Bord eines kleines Schiffes, das in eine der Inselbuchten getrieben wurde und beginnt vor Ort sogleich ihr blutiges Werk.
Bis hierher besitzt „A Quiet Place Part II“ seiner multipel ausgewalzten Elemente und Konstruiertheiten zum Trotz eine dem Original oftmals ebenbürtige Stringenz, die sich vor allem in Krasinskis unbestreitbarer Fähigkeit, formidable Suspense-Momente zu kreieren und zu forcieren, niederschlägt. Im als klimaktische Trias angelegten, extrem verdichteten Showdown, der mittels einer bravourös arrangierten Parallelmontage gleich drei zueinander in kausaler Abhängigkeit stehende Überlebenskämpfe zeigt, erreicht seine Mise-en-scène dann sogar annähernde Meisterschaft. Leider lassen Regisseur und Film unmittelbar hernach im Stich; der Film endet auf höchst unbefriedigende Weise mit losen Handlungsfäden, was in Zeiten des parforce kultivierten, seriellen Erzählens wohl am ehesten dem Cliffhanger am Ende irgendeiner halbgaren Reihenstaffel entspricht – ohne Ankündigung einer weiteren Fortsetzung wohlgemerkt. Auf die knappe Erzählzeit bezogen wäre da, mutmaßlich ebenso anbetreffs der monetären Mittel, gewiss durchaus noch Luft gewesen, so dass sich der Schluss als wahlweise unbefriedigendes oder gar manieristisches Nasedrehen ohne ersichtliche Ursache niederschlägt. Ein Spin-Off sei angekündigt, mit einer regulären Weiterführung des bereits als „Franchise“ gehandelten Epos frühestens in ein paar Jahren zu rechnen. Das muss man zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl nicht verstehen und beschränkt den potenziellen Wiederholungsgenuss bereits von vornherein empfindlich.

7/10

LOVE AND MONSTERS

„Don’t settle. You don’t have to. Even at the end of the world.“

Love And Monsters ~ CAN/USA/AUS 2020
Directed By: Michael Matthews

In Abwendung eines drohenden Meteoriteneinschlags schießt die Menschheit biochemische Raketen ins All. Der anschließende Fallout sorgt dafür, dass sämtliche kaltblütigen Tiere zu gewaltigen, fressgierigen Monstern mutieren und die Erdbevölkerung von diesen dann doch noch stark dezimiert wird. Die verbliebenen Überlebenden schließen sich zu Kolonien zusammen, die sich, stets auf der Hut vor den Kreaturen, in hermetisch abgeriegelten Verstecken verbarrikadieren. Sieben Jahre nach der Apokalypse lebt der Midtwen Joel (Dylan O’Brien), der einst seine Eltern verloren hat, als einziger Single bei einer Kolonie unterirdisch hausender, junger Leute und begnügt sich dort mit einem eher ereignislosen Dasein als Suppenkoch. Als er eines Tages per Funk seine frühere Freundin Aimee (Jessica Henwick) aufspürt, reift in ihm der Wunsch, zu ihr zu gelangen, um die alte Liebe neu zu entflammen. Schließlich macht er sich zu Fuß auf die gefährliche Reise durch die Monsterwelt und findet am Ende etwas ganz anderes, als er erwartet hätte…

Nachdem ich bereits drauf und dran war, „Love & Monsters“ nach den ersten Minuten, in denen er sich geriert wie eine postapokalyptische nerd comedy im Stil des fürchterlichen „Zombieland“, flugs abzuhaken, holte mich Michael Matthews zweite Feature-Regie dann doch noch amtlich ab und nahm mich mit sich auf seine liebenswerte Reise. Spätestens in dem Moment, in der Joel seinen Hund Boy trifft und fortan mit ihm durch Dick und Dünn geht, hatte das hübsche Fantasymärchen auch euren Chronisten auf seiner Seite, bekanntermaßen ja großer Hundeliebhaber und insofern daraufhin voll bei der Stange. Doch natürlich ist der prächtige Boy nicht die einzige Attraktion, mit der der in Australien on location formidabel photographierte „Love And Monsters“ aufzuwarten weiß. Die glücklicherweise nicht inflationär, sondern als wohltemperierte Höhepunkte gesetzten Monsterkreationen gestalten sich durchweg grandios und sind von einer herzerfrischenden Kreativität, wie man sie im entsprechenden CGI-Bereich so selten findet. Dass die Viecher, zu denen man weitestgehend auch einen lädierten, Joel im Mittelteil über eine emotionale Durststrecke hinweghelfenden Roboter zählen kann, dann auch keinesfalls eindimensional, sondern sogar regelrecht nuanciert charakterisiert werden, zeugt von der gemeinhin recht anthroposophischen Weltsicht, die der Film trotz seines oberflächlich fatalistischen Themas zu transportieren schafft. Er liebt mit Ausnahme von den paar obligatorischen Bösewichtern am Ende seine menschlichen und tierischen Figuren und sogar seine Ungeheuer durch die Bank und setzt dem Zynismus der meisten Endzeitfilme damit ein geradezu kontrapunktives Signal. Auf blutige Details verzichtet „Love And Monsters“ dabei trotz deren eigentlich naheliegender Verwendung beinahe vollkommen und bietet sich somit gar als lohnenswertes Programm für etwas reifere Kinder an. Mein 9- oder 10-jähriges Ich hätte er jedenfalls zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen, doch auch die Fantasie im reiferen Manne kommt durchaus zu ihrem abenteuerlustigem Recht.
Dass Matthews – ob nun bewusst oder nicht – ganz nebenbei ein gar nicht mal so sehr auf den Kopf gestelltes Remake von Rob Reiners immergrünem Coming-of-Age-Klassiker „The Sure Thing“ liefert, welches aus Daphne Zunigas damaligem Part kurzerhand einen Australian Kelpie macht, ist ein weiterer Bonus dieses unerwartet schönen Films. Two thumbs up.

8/10

C.H.U.D.

„They have the power to shut the sky…“

C.H.U.D. ~ USA 1984
Directed By: Douglas Cheek

Auf den Straßen von Manhattan beginnen Menschen zu verschwinden, vornehmlich aus dem Obdachlosenmilieu. Für drei Männer gestaltet sich die ganz unterschiedlich motivierte Suche nach der Ursache dieser Ereignisse zusehends schwierig: Der gerade umgezogene Fotograf George Cooper (John Heard) plant eine Serie über das urbane Prekariat, AJ Shepherd (Daniel Stern), genannt „The Reverend“, leitet eine Suppenküche für die Ärmsten der Armen und Police Captain Bosch (Christopher Curry) vermisst seine Frau (Laure Mattos), die nach einem späten Hundespaziergang nicht zurückgekehrt ist. Ihre Rechecherchen führen das Trio zu einem hochbrisanten Umweltskandal: Der gewissenlose Unternehmer Wilson (George Martin) entsorgt schon seit Jahren nuklearen Müll unter den Straßen der Stadt, wo die dort hausenden Stadtstreicher zu verstrahlten Monstern mutieren. Jene so genannten C.H.U.Ds (Cannibalistic Humanoid Underground Dwellers) machen Jagd auf Menschen und sind für Wilson und seine Leute offenbar ein hinlänglich bekanntes Problem, dessen man mittlerweile jedoch nicht mehr Herr werden kann…

Douglas Cheeks einzige Filmregiearbeit „C.H.U.D.“ lässt sich als legitimes Bindeglied zwischen dem New Yorker 42nd-Street-/Underground-Kino der späten siebziger und frühen achtziger Jahre, das durch Namen wie Ferrara, Henenlotter, Glickenhaus oder Lustig repräsentiert wird und dessen späteren Nachzüglern wie Jim Muros „Street Trash“ bezeichnen. Dabei ist Cheek ein sehr charmanter, spitzfindiger und durchaus gescheiter Indie-Monsterfilm geglückt, der sich im Laufe der Jahrzehnte ein verdientes Renommee erarbeiten konnte. Dem Werk zur Seite steht eine vor allem rückblickend ansehnliche Besetzung (neben den erwähnten Hauptdarstellern finden sich im Cast Namen wie Kim Greist, J.C. Quinn oder Eddie Jones und in kleineren Auftritten Graham Beckel, Frankie Faison und John Goodman) deren jeweils gut aufgelegtes Spiel die sorgfältigen Charakterzeichnung des Scripts nochmals bonifiziert. Ganz weit im atmosphärischen Vordergrund von „C.H.U.D.“ steht allerdings die von der vermüllten Asphaltrealität ihrer Zeit strotzende Photographie, die nur ausgesucht schäbige Facetten der Großstadt herzeigt; dampfende Gullys, bewölkte Dunkelheit, beengte Appartements, verfallende Innenräume und natürlich die subterranen Heimstätten der angsterfüllten Obdachlosen, die sich mitunter verwandeln und dann selbst zu dezimieren beginnen. Als galliger Kommentar zur New Yorker Prä-Gentrifizierungs-Ära lässt sich das mit ein wenig Phantasie ebenso trefflich lesen wie als Hommage an das wahre humane Fundament der Metropole, das eben nicht aus Yuppies und Brokern besteht, sondern aus Polizisten, Künstlern, Sozialarbeitern, Pennern und, ja – vielleicht auch monströsen Kannibalen.

8/10

ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE

„I’m not broken. And I’m not alone.“

Zack Snyder’s Justice League ~ USA/UK 2021
Directed By: Zack Snyder

Steppenwolf (Ciarán Hinds), ein kriegerischer Halbgott von der dem puren Bösen anheim gefallenen Welt Apokolips, will sich nach früherer Verstoßung infolge allzu eigenmächtigen Verhaltens wieder bei seinem Herrn und Meister Darkseid (Ray Porter) einschmeicheln und fällt zu diesem Zwecke mit seinen fliegenden Paradämonen auf der Erde ein. Hier lagern nämlich seit Urzeiten drei Mutterboxen, lebende Computer, die sich nach äonenlangem Schlaf just reaktiviert haben und die den Schlüssel zur von Darkseid ersehnten „Anti-Lebens-Gleichung“ in sich tragen. Bruce Wayne (Ben Affleck) ahnt um die drohende Gefahr und schart mit der Amazon-Prinzessin Diana (Gal Gadot), dem Atlanter-/Mensch-Mischling Arthur Curry (Jason Momoa), dem superschnellen Barry Allen (Ezra Miller) und dem Cyborg Victor Stone (Ray Fisher) vier Mitstreiter um sich, die den einfallenden Horden die Stirn bieten und die Erde möglicherweise retten können. Schon bald wird dem ungleichen Quintett klar, dass selbst seine geballte Macht nicht gegen Steppenwolf ausreicht und die Idee reift, den im Kampf gegen Doomsday getöteten Kal-El (Henry Cavill) wieder zum Leben zu erwecken. Nachdem der Plan gelingt und der zunächst amnesische, letzte Kryptonier wieder zu Sinnen gekommen ist, zieht man gemeinsam in die Schlacht gegen die bösen Aliens.

Ob die letzten Endes nun doch in Erfüllung gegangene Existenz von „Zack Snyder’s Justice League“ wirklich das Resultat unbeugsamen Fan-Engagements ist oder lediglich ein cleverer Schachzug von Warner und DC, deren noch jungen Bezahlsender HBO Max zu lancieren und die stiefmütterlich verschmähte, nach Snyders (durch bekannte, tragisch-persönliche Gründe erfolgtem) Ausscheiden von Joss Whedon fertiggestellte Kinoversion nachträglich zu amnestieren, wissen vermutlich nur die New Gods.
Wie dem auch sei, ich fand „Justice League“ nicht so übel, wie er allerorten gehandelt wurde, mir gefielen die kunterbunten, saturierten Leuchtfarben des vormaligen Finales durchaus, wenngleich die Zäsur zu den von Snyder ja auch als Vorbereitungsfilme inszenierten „Man Of Steel“ und „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ schon überdeutlich wurde. Dass Snyder bei seinen DC-Superhelden-Adaptionen eher auf Bierernst und existenzialistische Schwere setzt, war ja längst offenkundig und dazu mochte Whedons in der von ihm verantworteten Postproduktion umgepolter Karneval nicht wirklich passen. Nun also Snyders eigene, prononciert epische Version, die nicht nur für ein hörbares globales Aufatmen der dedizierten Fangemeindesorgte, sondern auch in manch anderer Hinsicht als große Wiedergutmachung gekränkter Befindlichkeiten fungiert (dafür, dass ich selbst zur zeitgenössisch sogar zweimal betrachteten Erstfassung keinen Text verfasste, gibt es übrigens keinen veritablen Grund außer mutmaßlich jenen, dass es mir an Zeit und/ oder Inspiration gefehlt haben wird). „Zack Snyder’s Justice League“ ist, alles andere zu behaupten wäre jawohl auch albern, tatsächlich besser als die von der naseweisen Netz-Intelligenzia abschätzig als „Josstice League“ bezeichnete Whedon-Version, aus naheliegenden Gründen. Nicht zuletzt die um das Doppelte verstärkte Erzählzeit gewährt dem Ganzen zunächst eine sehr viel komplexere und umfassendere Herangehensweise, was sich insbesondere in der Charakterisierung der Figuren niederschlägt. Die bislang ja ohne „eigene“ Filme auskommen müssenden Barry Allen und Victor Stone erhalten nun wesentlich plastischere Hintergründe, die jeweils in unterschiedlich geprägten Vater-/Sohn-Konflikten wurzeln und die ihnen inhärente Tragik (insbesondere im Falle des letzteren) deutlich nachvollziehbarer machen. Während vor allem Flash in Whedons Schnittfassung zu einem, um den unausweichlichen MCU-Vergleich zu ziehen, flapsig-spaßigen Spider-Man-Youngster frisiert wurde (nebenbei eine Wandlung, die zu seiner originären Comic-Persona als eher biederem Polizeiwissenschaftler überhaupt nicht passen wollte), gestattet der Snyder-Cut sich einige schöne bis nachgerade poetisch inszenierte Augenblicke um den Blitzflitzer. Mögliche künftige Helden wie der Martian Manhunter (Harry Lennix) oder Ryan „Atom“ Choi (Ryan Zheng) können eingeführt werden und Darkseid, der im DC-Universum das Gegenstück zu Marvels Thanos darstellt, erhält nun wesentlich mehr Raum. Ein neuer Score (von Junkie XL statt Danny Elfman) erklingt, diverse fomale (Kadrage-Verschmalung auf das 4:3-IMAX-Format, merkliche Ausdünnung der Farb- und Kontrastpalette) und kosmetische (Supermans Dress ist jetzt der schwarze aus der „Return“-Comic-Strecke von 1993) Modifikationen brechen sich Bahn. Zudem findet ein großzügiger Epilog Platz, der auf das hinweist, was Snyder für die zunächst geplanten „JL“-Sequels vorschwebte; Darkseids künftige Eroberung der Erde und Supermans Hinwendung zur Dunklen Seite, die, wie in einem wohlbewussten Vorbild, am Ende nurmehr durch eine Rückreise in der Zeit ungeschehen gemacht werden kann. Da ja irgendwie nun doch alles möglich ist, werden wir vielleicht in ein paar Jahren auch noch jener Vision(en) ansichtig. Das Durchhaltevermögen hartnäckiger Geeks stirbt zuletzt.

8/10

BITE

„People always get sick after vacations.“

Bite ~ CAN 2015
Directed By: Chad Archibald

Vielleicht war der kleine Junggesellinnen-Abschiedstrip nach Costa Rica doch nicht die beste Idee: Nicht nur, dass die designierte Braut Casey (Elma Begovic) sich jetzt gar nicht mehr sicher ist, dass sie ihren Künftigen Jared (Jordan Gray) überhaupt heiraten will, gab es im Urlaub noch ein alkoholinduziertes Techtelmechtel, an das sich Casey kaum erinnert und bei dem ihr Verlobungsring verlustig ging. Und dann ist da noch dieser entzündete Biss am rechten Oberschenkel von einem seltsamen, exotischen Sumpfinsekt. Dieser sorgt dafür, dass es Casey wieder daheim bald rapide schlechter geht. Ihre Wohnung verwandelt sich in eine riesige, matschige Bruthöhle und bald gibt es neben unerfreulich verlaufenden Besuchen von Caseys Freundinnen auch noch ungewöhnlichen Nachwuchs…

Ein kleiner, im Großen und Ganzen zu vernachlässigender, weil eher dümmlicher Transformationshorrorfilm, der sich mehr denn großzügig bei Cronenbergs „The Fly“-Variation bedient, ohne auch nur zu einer Sekunde dessen Geist oder bestürzende Konsequenz zu erreichen. Tatsächlich scheint der wohl des Öfteren im günstigen Gattungsfach umtriebige Regisseur Chad Archibald recht genau um die weitgehende Unzulänglichkeit seines Plagiats zu ahnen und macht daher alles gleich a priori drei bis fünf Nummern kleiner als das ohnehin unerreichbare Vorbild. Wenngleich die arme Casey, deren Metamorphose zum frauhohen Semiinsekt wir nach einem planlos-ordinären Embedded-filming-Auftakt bezeugen dürfen, sich also noch nichtmal reif für die Ehe fühlt, muss sie also stattdessen gleich eine Mutterrolle übernehmen. Jene entwickelt sich nun dergestalt, dass aus dem Biss am Bein bald eine unappetitliche, eiternde Wucherung wird. Auf die eigentlich doch naheliegende Idee, eine Krankenhaus-Ambulanz aufzusuchen, kommt die liebe Casey, so lange es noch Zeit wäre, nicht etwa; stattdessen holt sie sich lieber eine telefonische Ferndiagnose ein, geht in die Wanne und macht darin längere Nickerchen ohne zu ertrinken. Feste Nahrung geht bald nicht mehr, der Hund vom Nachbarn mag nicht länger mit ihr Gassi gehen. Dafür schimmelt bald die allzu aufdringliche Schwiergermutter in spe im Bad vor sich hin. Schließlich wird mächtig abgelaicht und das ganze pseudoschick eingerichtete Bachelorettenappartment avanciert analog zu seiner Bewohnerin zu einem überdimensionalen Insektennest. Alles gewiss fies und gut soweit, nur dass die unweigerliche Genretradition standesgemäß nach Opfern verlangt und das – von Archibald cogepinnte – Script diese im überaus selbstbewussten Stil einer dümmlichen Teenie-Soap verwurstet, von den ziemlich unbegüterten DarstellerInnen ganz zu schweigen. Mit einmaliger Beschau ist es hier, sofern das überhaupt sein muss, also völlig getan, zumal die prekäre deutsche Synchronfassung absolut nichts retten kann, im Gegenteil.
Eine amüsante kleine Randnotiz des Absonderlichen: binnen fünf Wochen war dies bereits der dritte Film, in dem ein junger Mann mit fiesen Untierchen schwanger gehen und diese gebären muss – ohne die geringste bewusst intendierte Planung meinerseits. Vielleicht deutet dies auf eine überfällige Revision von „Seitenstechen“ und/ oder „Junior“ hin…

4/10

GODZILLA VS. KONG

„He sure knows how to move.“

Godzilla Vs. Kong ~ USA/AUS/CAN/IN 2021
Directed By: Adam Wingard

Nachdem man eigentlich der vertrauensvollen Überzeugung war, Godzilla sei ein Freund der Menschheit, greift der Urzeittitan plötzlich einen Florida-Standort des Multis „Apex Cybenertics“ an und zerstört diesen. Während Madison Russell (Millie Bobby Brown) gemeinsam mit ihrem Kumpel Josh (Julian Dennison) und dem etwas wirren Whistleblower Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) der Ursache für Godzillas unerwartetes Verhalten auf die Spur kommen will, engagiert der Apex-Kopf Walter Simmons (Demián Bichir) den Hollow-Earth-Theoretiker Nathan Lind (Alexander Skarsgård) für eine Expedition in die unerforschte „Innenerde“. Dort soll nämlich eine gewaltige Energieressource lagern, die die Menschen, so Simmons‘ fadenscheinige Erläuterung, für sich nutzen könnten. Um in die Hohlwelt vorzudringen, deren Eingang in der Antarktis liegt, benötigt man jedoch auch Kong, der auf seiner Insel Skull Island von Monarch abgeschirmt wird, unter permanenter Beobachtung steht und lediglich mit dem kleinen Iwi-Mädchen Jia (Kaylee Hottle) kommuniziert. Lind überredet seine alte Kollegin Ilene Andrews (Rebecca Brown), Kong zu sedieren und zum Südpol zu schaffen. Doch wie befürchtet wittert Godzilla den nunmehr unter freiem Himmel befindlichen Riesenaffen und greift diesen nebst der Monarch-Tankerflotte mitten auf dem Pazifik an. Das erste Duell geht zugunsten des in seinem Element befindlichen Urweltmonsters aus, doch immerhin kann Kong zum Zielpunkt der Reise geschafft werden. Nach seinem Trip in die Innenerde „königlich“ gestärkt kommt es zu einem weiteren Kampf zwischen Kong und Godzilla in Hong Kong, wobei letzterer nicht ahnt, dass er in Kürze die Hilfe seines alten Erzgegners gegen eine noch gewaltigere Bedrohung benötigen wird…

Rein inhaltlich ist das alles erstmal viel Geraune um nichts, denn, soviel ist kein Geheimnis, es geht doch einzig und allein um das spektakuläre Aufeinandertreffen der beiden Supermonster und wie sie sich möglichst effektgesäumt durch unterschiedliche Szenarien prügeln. Knapp fünf Jahrzehnte nach Ishirô Hondas „Kingo Kongu Tai Gojira“ bildet „Godzilla Vs. Kong“ nun also den zweiten Kino-Clash der Titanen und gleichermaßen jenen (ersten?) Höhepunkt, auf den das Legendary-MonsterVerse von Beginn an zusteuerte. Ich muss gleich voranstellen, dass ich selbst auf ganzer Linie zum „Team Kong“ gehöre, da mich mit den japanischen Kaiju-Filmen bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich viel verband, der gute Monstergorilla derweil mir jedoch bereits seit frühen Kindertagen eine Menge bedeutet.
Als vierte Installation des MonsterVerse-Franchise ist Adam Wingards Film zugleich bisher der gelungenste. Die Gründe dafür sind mehrgestaltig. Zunächst verzichtet man hier zugunsten von lockerem Humor und sanfter Ironie auf die eherne Düsternis, die die beiden „Godzilla“-Filme von Gareth Edwards bzw. Michael Dougherty sich zueigen machten und die, besonders im Falle des Sequels, letztlich ziemlich ins Leere lief. Mit Ausnahme des Original-„Gojira“ transportierten die Toho-Filme ja auch stets eine ihnen bald wesentlich inhärente Infantilität, zu der die Verquickung aus Ur-Mythologie und capitalistic fiction nicht recht passen mochte. Adam Wingards Ansatz ist da schon wesentlich mehr fanboy-like. Er konzentriert sich auf eine mit knallig bunten Farben gesäumte Bebilderung der versprochenen Monsteraction, verzichtet dabei ganz bewusst auf offensichtliche, tendenziöse Sympathisierungen mit einem der beiden Titel-„Helden“ (um ja keine Fraktion gegen sich aufzubringen) und liefert kleine Reminiszenzen an das unübertroffene „King Kong“-Original und dessen erstes Remake, was ihn dann wahrscheinlich doch als heimlichen Hauptverehrer des haarigen Megaprimaten ausweist. Die pure kindliche Freude an der Option, nach diversen Indie-Genrearbeiten einen solchen Big-Budget-Blockbuster verantworten zu dürfen, spürt man Wingard jedenfalls rundheraus an. Er meistert es zudem halbwegs zuverlässig, die zwangsläufig als solche dastehenden Füllsequenzen um das nerdige Trio und die zu bloßer Staffage verdammten übrigen menschlichen Figuren nicht vollends der Bedeutungslosigkeit zu überantworten. Und: zu guter Letzt genießt Wingard es offenkundig, dem archetypischen Kinonimbus „Kong“ nun auch genealogisch seinen „King“ (zurück-)verehren und ihm mit der Hollow Earth gleich noch sein angestammtes, wahres Königreich verleihen zu dürfen. Jenes, davon darf man wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgesehen, werden wir nicht zum letzten Mal besucht haben.

7/10

THE MORTUARY COLLECTION

„Your story is just beginning.“

The Mortuary Collection (Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte) ~ USA 2019
Directed By: Ryan Spindell

Kurz nach der Messelesung für den kleinen, verblichenen Logan (Bradley Bundlie) stellt sich die junge, kecke Sam (Caitlin Custer) bei Montgomery Dark (Clancy Brown) vor, dem verknitterten Leichenbestatter der Kleinstadt Raven’s End, der just eine Aushilfe sucht. Während Brown Sam durch sein verwinkeltes Haus nebst Bibliothek und Krematorium führt, lässt sie sich von dem Alten zunehmend morbide Geschichten über vergangene Todesfälle berichten, wobei sie in der letzten davon selbst eine zentrale Rolle einnimmt: 1.) Während einer Party macht die allzu gierige Taschendiebin Emma (Christine Kilmer) nachhaltige Bekanntschaft mit einem hinter einem Badezimmerspiegel hausenden Monster. 2.) Der Student und Mädchenabschlepper Jake (Jacob Elordi) lernt auf denkbar unangenehme Weise, was es bedeuten kann, bewusst auf Verhütungsmittel zu verzichten. 3.) Dem seine katatonische Frau Carol (Sarah Hay) pflegenden Wendell (Barak Hardley) wird es eines Tages zuviel und er beschließt, sich der Gattin zu entledigen – kein einfaches Unterfangen… 4.) Ein entflohener Geisteskranker treibt sein Unwesen in Raven’s End und scheint ausgerechnet ins Haus der Kublers eingedrungen zu sein, in dem der kleine Logan (Bradley Bundlie) allein mit seinem Babysitter ist…

Horror-Anthologien sind mir grundsätzlich stets willkommen, vor allem, wenn sie den Mut besitzen, unzweideutig zu sich und ihren Wurzeln zu stehen und, wie im vorliegenden Falle, das Auspendeln zwischen Pulpkultur, Ironie und schmallippiger Boshaftigkeit gelungen zu tarieren wissen. Gewiss ist auch der Inspirationspool des Langfilm-Debütanten Ryan Spindell ziemlich gewaltig und vereint das Allermeiste, das der beflissenere Genre-Millenial so im Hinterkopf haben wird, als da natürlich die alten EC-Comics wären und ihre ersten Kinoepigonen, die Amicus-Omnibusse, mit dem Abjekt-Skurrilen liebäugelnde Filmemacher von Raimi über die Coens, Gordon, Henenlotter und Gilliam bis hin zu mannigfaltigen, kaum minder offensichtlichen literarischen Einflüssen wie den Grimms, Lovecraft, King und Gaiman. All diese omnipotent-einflussreichen Köpfe und ihre Kreativwelten ragen irgendwo mal mehr, mal weniger deutlich aus den diversen Fugen des knarzigen Stilgemäuers, das „The Mortuary Collection“ errichtet, ehrerboten hervor, ohne, dass man gleich die böse Plagiats-Arschkarte ziehen müsste. Spindell arbeitet seinen eigenen 2015er-Short „The Babysitter Murders“, seinerseits bereits eine unschwer identifizierbare „Halloween“-Hommage, mit ein und spinnt hernach sozusagen die Geschichte von dessen Protagonistin fort, die am Ende eine „The Sentinel“-mäßige Wachablösung auferlegt bekommt. Seine sich zunehmend länger und komplexer in den Rahmenplot verwebenden Segmente finden sich dabei sowohl von kräftig ironisierten Moralweisen des reaktionären Horrorfilms des letzten Jahrhunderts getragen als auch von dem surrealen Setting jener Kleinstadt „Raven’s End“. Diese ist bereits für sich genommen weder regional noch zeitlich eindeutig einzuordnen; weder anhand der Figuren, noch der ins Bild gerückten Sozial- und Kulturartefakte lässt sich eine derartige Verankerung vornehmen. Raven’s End erweist sich als ein manifestiertes Konglomerat der Genregeschichte, in dem bizarre Tentakelwesen aus den Tiefen des angrenzenden Ozeans ebenso einen festen Platz bekleiden wie allzu neugierige Kinder, inkompetente Ärzte, wahnsinnige Serienmörder, monströse Zwitterwesen und baufällige Mietshäuser; eine hermetische Stadt, die ihre eigene Chronologie aus abertausenden von Geschichten in der Bibliothek des das Städtchen gewissermaßen auch architektonisch „krönenden“ Bestattungsinstituts verwahrt.
„The Mortuary Collection“ präserviert zugleich also auch einen hübsch arrangierten Gothic-Fantasy-Stoff, ohne, dass er sich Nachwuchszauberern oder Einhornzüchtern anbiedern würde. Dafür malt er seine bitterböse Paralleldimension dann doch in allzu galligem Rot.

8/10

CREEP

„Please let me go. I won’t tell anyone.“

Creep ~ UK/D 2004
Directed By: Christopher Smith

Die in der Londoner It-Szene aufblühende Deutsche Kate (Franka Potente) nimmt sich, leicht berauscht von Alkohol und Gras, vor, den justament in der Stadt weilenden George Clooney zu treffen. Bevor sie den letzten Zug erwischen kann, nickt sie jedoch am U-Bahnhof ein und wacht bald darauf völlig allein und verlassen wieder auf. Nicht nur, dass die nächtliche Station abgesperrt ist und Kate somit eingesperrt ist, stellt ihr auch noch ihr aufdringlicher Verehrer Guy (Jeremy Sheffield) nach. Und dieser ist noch bei Weitem nicht die grausigste Person, die Kate in jener Nacht die großstädtische Unterwelt zur Hölle macht…

Mit „Creep“ bin ich nicht sonderlich glücklich, allzu einfallslos verfolgt er insgesamt das Genrekonzept „U-Bahn-Horror“, allzu offen bleiben etliche Fragen um den verwachsenen Freak (Sean HarrisSean ), jenen heimlichen Beherrscher der suburbanen Tunnelsysteme, und seine Herkunft. Christopher Smith hätte sich auch ebensogut dafür entscheiden können, seine ohnehin knapp bemessene Erzählzeit ohne jegliche Verweise auf die Vergangenheit des Deformierten auskommen zu lassen; dem zunächst noch verfolgten Bild der mysteriösen, nicht greifbaren Bedrohung, die er ausstrahlt, hätte dies möglicherweise nur zur Konsequenz gereicht. So lassen diverse, nicht weiter ausgeführte Bildfetzen den Zuschauer allenthalben spekulieren, was das wohl für ein verkrüppeltes Wesen sein mag, das jedweder menschlichen Sozialisation entbehrt und mit den Ratten, die offenbar zu seiner Familie wurden, zu kommunizieren scheint. Wer ist der unter anderem auf Fotos mit dem (noch kindlichen) Rattenkönig auftauchende, geheimnisvolle Doktor und in welcher Beziehung steht er zu ihm? Offenbar gab es vor Jahren furchtbare Experimente an mehreren Probanden – was hat es damit auf sich und warum gibt es überhaupt diese subterranen Operationsräumlichkeiten? Bleibt alles vage. Relativ eindeutig scheint mir nur, dass Smith gewiss mit Gary Shermans Klassiker „Death Line“ geliebäugelt und sich möglicherweise auch die in den Achtzigern relativ zeitgleich aufgetretenen Comic-Villains „Vermin“ (Marvel) und „Ratcatcher“ (DC) als Inspiration für das Tunnelmonster zunutze gemacht hatte – ich fühlte mich jedenfalls permanent an selbige erinnert.
Ansonsten bleibt „Creep“, wie bereits konstatiert, stark schematisch und überraschungsbar in Planung und Ausführung; die zusätzlich eingeflochtenen Figuren dienen lediglich dazu, dem Freak (und somit dem Rezipienten) ein paar mehr oder weniger blutig zur Strecke gebrachte Mordopfer zu bescheren sowie Angst und Ekel der Protagonistin zu potenzieren. Franka Potente, anno 2004 bereits seit längerem im internationalen Filmbiz beheimatet, spielt deren Part gewohnt brauchbar. Erwähnenswert vielleicht noch, dass die Filmstiftung NRW, die man üblicherweise weniger mit Genrekino assoziiert, zumal mit solchem der etwas deftigeren Provenienz, „Creep“ mitproduzierte. Wesentlich mehr wird auf längere Sicht nicht hängen bleiben.

5/10

CRITTERS

„We’re here for the crites.“

Critters ~ USA 1986
Directed By: Stephen Herek

Ein paar Crites, höchst gefräßige, kleine Aliens mit einigen gemeinen physischen Eigenschaften, fliehen aus der Quarantäne, kapern ein Raumschiff und setzen Kurs auf die Erde. Ihnen auf den Fersen sind zwei außerirdische Kopfgeldjäger mit der Fähigkeit zur Gestaltwandlung. Die Crites landen schließlich in Kansas, auf der Farm der Browns, wo sie sich zuallererst durch ein paar Rinder fressen. Ausgerechnet Brad (Scott Grimes), der lausbübische Filius der Browns, der ein Herz für allerlei Geschosse und Knallkörper hat, bewahrt den kühlsten Kopf und kann mit der etwas ungestümen Hilfe der beiden mittlerweile aufgetauchten und zu Menschen (Don Keith Opper, Terrence Mann) getunten Weltraumpistoleros (fast) alles zum Guten wenden.

Dieser kleine Evergreen aus der noch aufstrebenden New-Line-Schmiede hat sich nach einer viel zu langen Betrachtungspause wieder zielsicher sein Plätzchen in der mir besonders preziosen Nostalgiekammer meines Filmherzens zurückerobert. Ich weiß noch, dass „Critters“ damals relativ zügig nach seinem Kino- und Videoeinsatz auch im TV ausgestrahlt wurde, was eine Aufzeichnung und damit besonders viele Begegnungen nach sich zog. Warum, das ist noch heute so evident wie vor 33 Jahren: „Critters“ ist ein rundum liebevoll gefertigtes Genrestück, das besonders Kids anspricht, ohne in weichspülerische Spielberg-Sphären abzugleiten. Vielmehr zeigt es genau diesen den weit ausgestreckten Mittelfinger, atmet den Geist ironischer Connaisseure wie John Landis und Joe Dante, versteht sich gewissermaßen als optionaler Appetizer für zukünftige Fans deftiger Erwachsenenunterhaltung und ist damit ebenso witzig wie fies. Regisseur Stephen Herek spielt gekonnt mit diversen popkulturellen Zeitklischees und verarbeitet sie im besten Wissen, dass er deren kommerziellen Horizont ohnehin nie erreichen wird oder könnte. Stattdessen setzt er auf ein tolles Vorzugsensemble; Dee Wallace, M. Emmet Walsh oder Billy Green Bush stellen natürlich klingende Namen, die jedem etwas belichteteren Liebhaber des US-Kinos der siebziger und achtziger Jahre prompt ein wohliges Lächeln auf die Wangen zaubern dürften. Wie die übrigen Darsteller sind sie hier mit viel Spaß und offensichtlich im professionellen Wissen, etwas Bleibendes zu liefern, bei der Sache.
„Critters“ gehört zudem genau zu jenen unerlässlichen Artefakten, aus denen sich die seit einigen Jahren grassierende Retrowelle um „Stranger Things“ und ähnliche Derivate speist, nur dass man hier eben ein waschechtes Original statt Klonkalkül erhält.

8/10