BOAR

„They’re all dead!“

Boar ~ AUS 2017
Directed By: Chris Sun

Ein gewaltiger Keiler, der auf alles los geht, was sich bewegt, macht den australischen Outback unsicher. Selbst die härtesten Typen scheitern an ihm. Es bedarf erst dreier tapferer Frauen (Simone Buchanan, Christie Lee-Britten, Melissa Tkautz), um das Riesenvieh in die Schranken zu weisen.

Von räudigen Schweinen und reanimierter Ozploitation: Gern hätte ich frohgemut verkündet, dies sei der bessere „The Meg“ – leider ist er es nicht.
„Boar“, der vierte Film des australischen Horrorauteurs Chris Sun, bildet erwartungsgemäß eine kleine Hommage an Russell Mulcahys 35 Jahre alten „Razorback“, freilich ohne dessen visuelle Kraft und delirierende Atmosphäre und stattdessen offenkundig konzipiert als lustiges event movie für Splatterfans und Festivals. Als solches funktioniert „Boar“ dann auch leidlich, krankt zugleich jedoch ebenso nachhaltig daran, dass er seine titelgebende Naturgewalt als veritables Schrecknis zu veräußern versäumt und sich stattdessen mit einem Status als derbe Komödie zufrieden gibt. Anders als Mulcahy, der seinem SUV-formatigen Borstentier seinerzeit noch den schmutzigen, mystifizierten Hauch eines präapokalyptischen Endzeitboten zu verleihen wusste, lässt Sun den Eber einfach ungebremst von links nach rechts und umgekehrt durchs Bild preschen und den Leuten, die das Pech haben, sich in seiner Nähe aufzuhalten, die Köpfe abbeißen. Als Fanvehikel indes ist „Boar“ zumindest mäßig sinnstiftend: John Jarratt aus dem „Wolf Creek“-Franchise lässt sich blicken, es gibt ein Wiedersehen mit Roger Ward und Steve Bisley (mit letzterem freilich nur ein sehr kurzes in Cameo-Form) und auch der massige Aussie-Wrestler Nathan Jones stellt seine beeindruckende Physis zur Schau – Genre-Veteran Bill Moseley nicht zu vergessen. Dass sie alle jedoch unwesentlich mehr als Staffage sind und Sun letzten Endes kaum etwas wirklich Sinnstiftendes mit ihnen anzufangen weiß, stimmt nicht eben milde. Immerhin, was viele ihm zugute halten, will auch ich nicht außer Acht lassen: Dass Sun weitgehend auf CGI verzichtet und das Wildschwein zumindest in Halbtotalen und Nahaufnahmen als animatronisches Untier präsentiert, weiß zu gefallen, ebenso wie die hervorhebenswerte Tatsache, dass er seine alten, zauseligen Buschveteranen um Jarratt und Ward ihre Dialoge mutmaßlich zumindest teilweise in derbstem Kaugummidialekt improvisieren ließ. Der kontinentalen Atmosphäre ist dies durchaus zuträglich und ein Grund mehr, die deutsche Synchronfassung zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, denn diese entpuppte sich bereits nach einer Minute als gänzlich fürchterlich und unbrauchbar und könnte „Boar“ zumindest diesbezüglich weitaus ungenießbarer machen, als er es schlussendlich verdient.

4/10

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OVERLORD

„Welcome to France, boys.“

Overlord (Operation: Overlord) ~ USA 2018
Directed By: Julius Avery

Am 5. Juni 1944, dem Vorabend des D-Day respektive der „Operation Overlord“, soll eine kleine Schar alliierter Fallschirmjäger den Sonderauftrag ausführen, einen deutschen Störsender auszuschalten, der sich in der Kirche eines kleinen Provinzdorfs in der Normandie befindet. Nachdem bereits die nächtliche Landung einige Opfer gekostet hat, gelingt es vier überlebenden Soldaten, Corporal Ford (Wyatt Russell) und den Privates Boyce (Jovan Adepo), Tibbet (John Magaro), Chase (Iain De Castecker) und Dawson (Jacob Anderson), Kontakt zu der jungen Französin Chloe (Mathilde Ollivier) aufzunehmen, die die Männer in ihrem Haus versteckt. Doch in dem Dörfchen und insbesondere der Kirche geht es nicht mit rechten Dingen zu, wie Boyce, dem es gelingt, in das Tunnelsystem unterhalb des Gotteshauses zu gelangen, bald herausfindet: Der Nazi-Wissenschaftler Schmidt (Erich Redman) ist dort auf eine teerartige Substanz im Erdreich gestoßen, die, mittlerweile diversen unfreiwilligen Versuchspersonen injiziert, Schmidts Probanden zu ebenso wahnsinnigen wie superstarken Zombies mutieren lässt. Boyce und die anderen haben bald alle Hände voll zu tun, die SS und ihre Nazimonster aufzuhalten…

Aus J.J. Abrams‘ „Bad Robot“-Manufaktur stammt dieser gelungene Ansatz, dem Naziploitation-Genre abermals neues Leben einzuhauchen. Hitler, dem Nationalsozialismus und dem Dritten Reich wurde in der Trivialkultur im Grunde bereits seit den Tagen ihrer kläglichen Existenz (man denke nur an das ikonische Cover der ersten „Captain America“- Ausgabe von Timely Comics im März 1941, das den patriotisch gewandeten Superhelden zeigt, wie er dem Führer persönlich einen kräftigen Kinnhaken verabreicht und dessen lustvolle Realitätsverzerrung auch „Overlord“ präserviert)  immer wieder versucht, durch popkulturelle Überhöhungen beizukommen. Dies geschah in mal mehr, mal weniger akzeptabler Form, wobei häufig mad scientists und Okkultismus eine bedeutsame Rolle bei den phantastischer geprägten Exkursen der Gattung spielten. So erinnert „Overlord“ nicht von ungefähr an den erst sechs Jahre alten „Frankenstein’s Army“, in dem niemand Geringerer als der Enkel Dr. Frankensteins Monstersoldaten für die darbende Wehrmacht der letzten Kriegstage erschafft. Ganz so inhaltlich grotesk nimmt sich Julius Averys Film zwar nicht aus, seine Fabulierfreude entpuppt sich aber als dennoch ansteckend, zumal es im Zusammenhang mit den entseelten Kreaturen auch zu mancherlei deftigen Aufzügen kommt.
Das Ganze ist bei allem geschmäcklerischen Wagemut (der freilich wiederum gar nichts ist im Vergleich zu den italienischen Kloppern aus den Siebzigern von Sergio Garrone, Bruno Mattei oder Mario Caiano) zudem überaus sauber und enthusiastisch gefertigt, so dass es bei einer gekonnt aufgerichteten Spannungskurve allenthalben für diverse kinetische, actionreiche Sequenzen reicht. Wenn Nazis plattgemacht werden, dann ist das ja sowieso immer was Schönes und Avery hat seine diesbezüglichen Lektionen ausgiebig gelernt.

8/10

HUMONGOUS

„What are you doing? What do you have in mind?“

Humongous ~ CAN 1982
Directed By: Paul Lynch

Eric (David Wysocki), Nick (John Wildman) und Carla (Janit Baldwin), drei jugendliche Kinder wohlhabender Eltern, und ihre Freundinnen Sandy (Janet Julian) und Donna (Joy Boushel) unternehmen mit der Familienyacht einen Törn auf dem Lake Michigan. Der ältere, vernünftige Eric und der aufbrausende Nick sind sich nicht wirklich grün. An einem nebligen Abend nehmen sie den schiffbrüchigen Angler Bert (Layne Colman) an Bord, der ihnen von der auf einer Insel im See hausenden Ida Parsons (Shay Garner) berichtet, die dort mit ihren Hunden das Dasein einer verschrobenen, ältlichen Einsiedlerin führen soll. Ein handfester Streit von Eric und Nick sorgt dafür, dass die Yacht in der Nähe jener „Hundeinsel“ kentert. Das Sextett kann sich an Land retten und macht alsbald die unangenehme Bekanntschaft eines ungeschlachten Gesellen, der sich als geistig wie physisch deformierter Sohn (Garry Robbins) der längst verstorbenen Ida Parsons herausstellt und der nie zuvor mit anderen Menschen in Berührung geraten ist…

Paul Lynchs kostengünstig hergestellter Slasher „Humongous“ teilt sich mit dem etwa ein Jahr zuvor gestarteten „The Unseen“ von Danny Steinmann den vergleichsweise unbepflügten Topos des „Kaspar-Hauser-Monsters“, eines fernab jedweder zivilisatorischen Einflussnahme aufgewachsenen und obendrein einer bestialischen Vergewaltigung entstammenden Kindes also, das sich zu einer Art hünenhaftem Mutanten ohne moralische Bremsen entwickelt hat und dessen urwüchsig-animalisches Naturell sich im jungfräulichen Kontakt mit unvorbereiteten Großstädtern umgehend als todbringend erweist. Auch deutliche Anklänge an Joe D’Amatos berüchtigten „Anthropophagus“ und dessen Motiv der entvölkerten Insel, auf der das Grauen im Verborgenen lauert, lassen sich bei Lynch ziehen. Mit Ausnahme des diesmal aus naheliegenden Gründen also kaum psychologisch unterfütterten Killers und des vergleichsweise ungewohnten Schauplatzes des einsamen Eilands hält sich „Humongous“ allerdings weitgehend an die Spielregeln des just fröhlich aufploppenden Subgenres; von den jugendlichen, fast gänzlich unsympathischen Protagonisten über die das Grauen vorbereitende und prologisierende campfire tale, den trägen Spannungsaufbau sowie die sich in rascher Folge abspielende Dezimierung der Gruppe bis hin zum final girl (Janet Julian, eine sehr nette Aktrice, die man später noch zweimal bei Abel Ferrara bewundern konnte) und dessen diverse nur scheinbar erfolgreiche Versuche, dem widerborstigen Unhold endgültig den Garaus zu machen, wurde die Grundrezeptur bald sklavisch eingehalten. Was Lynchs Film dann zumindest noch einen kleinen Exklusivitätsbonus beschert, ist seine oftmals über das gewohnte Maß hinaus reichende, abseitig wirkende und – das darf und muss man wohlwollend konstatieren – gekonnt evozierte Grundstimmung, die recht geschickt die eine oder andere Urangst des WASP-Amerikaners vor brutaler Archaik und unberechenbaren Atavismen widerspiegelt, wie sie üblicherweise dem Backwood-Sektor zu eigen ist.

5/10

THE PREDATOR

„They’re large, they’re fast, and fucking you up is their idea of tourism.“

The Predator (Predator – Upgrade) ~ USA/CA 2018
Directed By: Shane Black

Während eines Einsatzes in Mexiko gerät Army-Sniper Quinn McKenna (Boyd Holbrook) an einen ebenfalls vor Ort befindlichen Predator. Mit mehr Glück als Verstand gelingt es McKenna, das Alien außer Gefecht zu setzen und ihm einige Ausrüstungsgegenstände abzunehmen. Diese verschickt McKenna in weiser Voraussicht an seine in einer US-Kleinstadt lebende Familie, Frau Emily (Yvonne Strahovski) und Sohnemann Rory (Jacob Tremblay), der gleichsam hochintelligent ist und unter dem Asperger Syndrom leidet. Derweil wird der eigens zur Predator-Beobachtung abgestellte Agent Will Traeger (Sterling K. Brown) auf McKenna und den von ihm kaltgestellten Fremden aufmerksam. Die eilends hinzugezogene Casey Brackett (Olivia Munn) kann ihr Glück, eine außerirdische Spezies untersuchen zu dürfen, kaum fassen. Während der flüchtige McKenna gefasst und mit einigen anderen Militärhäftlingen verlegt wird, kann der gefangene Predator fliehen. Es findet sich jedoch noch ein weiterer, durch Genmanipulation mutierter Außerirdischer ein, der seinen Artgenossen tötet und Jagd auf McKenna und Sohn Rory macht. Offenbar sind die beiden im Besitz von etwas, dessen sie nicht habhaft sein sollten…

Die sich nur anscheinend etwas kompliziert ausnehmende Synopsis von Shane Blacks jüngster Regiearbeit sollte keinen falschen Eindruck vermitteln: „The Predator“ dürfte einserseits zwar den bis dato blutigsten, andererseits allerdings zugleich den humorigsten Eintrag in dem bisher (zählt man die beiden Crossover mit) sechs Filme umfassenden Zyklus um die illustren außerirdischen Jäger abgeben. Wie es so des Regisseurs Art ist, besteht das von ihm selbst und Fred Dekker dem Film zugrunde gelegte Script gleichsam aus explosiven Actionsequenzen und einer selbst für Blacks zunehmend anarchische Verhältnisse rückhaltlosen Kaskade aus Sprüchen und Gags, von denen sich aber diverse leider auf halbgarer Ebene verflüchtigen. So nimmt sich „The Predator“ primär als ein weiterer Beitrag zur gegenwärtig angesagten Achtziger-Retro-Welle aus: Black, der ja bekanntlich einst selbst in John McTiernans maßgeblichem Original als Hawkins – Söldner, Lieferant schmutzig-misogyner Witzchen und erstes Opfer des Predator – auf der Seite der „Guten“ angetreten war und sich hernach vor allem als Drehbuchautor einen Namen machen konnte, arbeitete hier erstmals seit „The Monster Squad“ wieder mit seinem alten Kumpel Dekker zusammen. Offenbar haben die beiden Jungs noch einen ganz ähnlichen Schalk wie vor rund dreißig Jahren im Nacken, denn „The Predator“ dürfte vor allem Kids viel Freude bereiten oder noch viel mehr Solchen, die auch nach drei Dekaden noch umweglos ihre einstige Jungpersona zu reaktivieren vermögen. Als ernsthaftes Genrestück in der Tradition der ersten beiden „Predator“-Filme von McTiernan und Hopkins sollte man Blacks Schwank jedenfalls nicht in Empfang nehmen, sondern vielmehr als herzhaft-kurzweiligen Spaß, dessen R-Rating-Effekte abseits seines kindlichen (Mit-)Protagonisten, dem im späteren Plotverlauf eine unerwartete Zentralfunktion zukommt, recht genüsslich und in übertriebenem Maße zelebriert werden. Den Dreieinhalb-Meter-Super-Riesen-Predator und seine (in abgewandelter Form aus dem ’10er-Film von Nimród Antal bekannten) Schoßhunde als eminente Bedrohung ernstzunehmen, entbietet sich jedenfalls als nahezu unmöglich und auch die multipel eingestreuten, komisch konnotierten Reminiszenen an die bisherige Filmhistorie der Monster verhindern recht zielsicher, dass „The Predator“ sich jemals dem Verdacht etwaiger Ernsthaftigkeit aussetzen könnte. Er ist dann doch vielmehr ein grobschlächtiges Spaßprodukt, dem man aufgrund seiner deftigen, mit entwaffnendem Selbstverständnis zelebrierten Infantilität kaum ernsthaft böse sein mag.

6/10

THE FLY II

„You can’t walk… and you’re getting worse…“ – „I’m getting… better!“

The Fly II (Die Fliege II – Die Geburt einer neuen Generation) ~ USA 1989
Directed By: Chris Walas

Als die Journalistin Veronica Quaife (Saffran Henderson) schließlich doch noch das Kind des auf fürchterliche Weise getöteten, mutierten Wissenschaftlers Seth Brundle zur Welt bringt, stirbt sie gleich nach der Geburt. Doch die scheinbare Monsterbrut entpuppt sich als sehr menschliches Kind, dass binnen fünf Jahren, abgeschottet von der Außenwelt und unter Laborbedingungen zu einem höchst intelligenten, jungen Mann namens Martin (Eric Stoltz) heranwächst. Doch Martin Brundles vermeintlich fürsorglicher Pflegevater, der Konzernchef Anton Bartok (Lee Richardson), hat nur den schnöden Profit im Sinn, den er sich von dem ungewöhnlichen Jungen und vor allem von dessen Weiterarbeit an den Teleportationsexperimenten seines Erzeugers verspricht. Als Martin sich in seine Mitarbeiterin Beth (Daphne Zuniga) verliebt und ihm bald der weitere Kontakt mit ihr verwehrt wird, deckt er endgültig Bartoks wahre Intentionen auf und eine wohlbekannte Verwandlung beginnt sich seiner zu bemächtigen.

Nach dem mittlerweile zum ungezählten Male wiederholten Hochgenuss von David Cronenbergs „The Fly“-Remake überkam mich die spontane Lust, mir nach bestimmt 25 Jahren einmal wieder Chris Walas‘ Sequel, die erste von zwei Regiearbeiten des brillanten S-F/X-Wiz, anzuschauen.
Zunächst lässt sich wohl festhalten, dass die Fortsetzung von der bloßen inhaltlichen Weiterspinnung in keiner Art und Weise an dem Vorbild und seiner hinlänglich bekannten, metaphilosophischen Meditationsebene messen lässt. Walas schwenkt vielmehr gleich zu Beginn radikal hinüber in Richtung hausbackenes Achtziger-Genrekino, das, von einigen Schrecksekunden zu Beginn abgesehen, im ersten Drittel wie ein zeitgemäßer SciFi-Film für ein eher junges Publikum wirkt und in di8esem Zusammenhang vornehmlich an Selbstfindungsgeschichten wie Simon Wincers „D.A.R.Y.L.“ erinnert. Dann folgt die bittere Zäsur, jener grausige Moment mit dem infolge eines missglückten Teleortationsversuchs furchtbar entstellten Laborhund, den Martin erst zwei Jahre später noch immer lebend vorfindet und von seinen Qualen erlösen muss. Diese eine Szenenklammer hatte schon damals und hat noch immer eine höchst transgressive, kaum erträgliche Wirkung auf mich und steht (befremdlicherweise) in keinem emotionalen Verhältnis zum Rest des Films. Vielleicht ist es gerade deshalb gut, dass es sie gibt – ich bin mir da nach wie vor nicht ganz schlüssig.
Gegen Ende jedenfalls dann, als Martins seit eh und je prognostizierte Mutation einsetzt und ihn nurmehr der Gedanke an Rache umtreibt, lässt Walas alle zuvor greifende Zurückhaltung fallen und holzt make-up-mäßig drauf los als gäbe es kein Morgen. Anders als ehedem bei Vater Seth, den mit dem Fliegengenom auch der animalische Wahnsinn befällt, ist Martins Agenda jedoch eine bestens nachvollziehbare und verständliche, wie auch sein trotz des monströsen Äußeren sehr gerissenes Kalkül beweist, das ihm selbst ein humanes Happy End und Hundsfott Bartok ein übles Schicksal als schleimiges Etwas (wie einst dem von ihm am Leben gehaltenen Hund) verheißt. Zuvor darf Brundlefliege junior jedoch noch einige von Bartoks Mitarbeitern aufs Übelste verunstalten, was Walas dann zu seinem wahren Leisten verhilft, obgleich auch die detailliert vorgeführten Splattersequenzen den Wirkungsgrad von jenen des „Originals“ völlig verfehlen.

6/10

PRIMAL RAGE

„There’s something in these woods…“

Primal Rage ~ USA 2018
Directed By: Patrick Magee

Ashley Carr (Casey Gagliardi) holt ihren Gatten Max (Andrew Joseph Montgomery) ab, nachdem jener eine Gefängnisstrafe abgesessen hat. Der Weg zurück führt das emotional angegriffene Paar durch bergiges Waldgebiet und schließlich zum Fund einer mitten auf der Straße liegenden, verunstalteten Leiche. Eine Steinattacke sorgt dafür, dass Max in einen Fluss stürzt und von Ashley gerettet werden muss. Die beiden verirren sich und treffen auf ein Paar unberechenbarer, jagender Hillbillys, die ihnen ihre Hilfe anbieten. Im Hintergrund lauert allerdings noch etwas ganz anderes, Monströses auf die Natureindringlinge…

Die Bigfootploitation lebt und findet mit ihrem jüngsten Vertreter „Primal Rage“ einen neuerlichen, wenn auch kleinen Höhepunkt. Nicht nur das creature design, auch die atmosphärische Grundierung und der basale Plot eines seiner Beute immens überlegenen, bestialisch zu Werke gehenden Jägers erinnern stark an John McTiernans „Predator“, aus dem der vielversprechende Regiedebütant und vormalige S-F/X-und Make-Up-Wiz Patrick Magee (der mit dem britischen Darsteller selben Namens erwartungsgemäß nichts weiter zu tun hat) unübersehbar und ohne Zweifel seine wesentliche Inspiration bezogen haben wird. Der legendäre, was seine jüngeren Filmauftritte anbelangt, vor allem zunehmend berüchtigte Waldmensch zeigt sich bei Magee einmal mehr von seiner blutrünstigen Seite und tritt zur späteren Entscheidungsschlacht gar in Gruppenstärke an: Die mit gewaltigen Pranken und Hauern ausgestatten, haarigen Kerle können diesmal sogar mit (archaischen) Präzisionswaffen wie Pfeil und Bogen umgehen und mögen es verständlicherweise überhaupt nicht, in ihrer ruralen, idyllischen Abgeschiedenheit gestört zu werden. Entsprechend hoch, so erfahren wir bald, gestaltet sich die den hiesigen Sheriff (Eloy Casados) vor einige Erklärungsnot stellende Vermisstenzahl in der Gegend. Am Ende bleibt es der tapferen Ashley überlassen, sich den ungehaltenen Biestern zu stellen.
Magee geht seinen dünnen Plot erfreulich anschaulich, brutal und mit für das geringe Budget einer Kleinproduktion ordentlichen production values an. Das Handwerk hat er sich bei den erfahreneren Kollegen, für die er zuvor seine prosthetics und Masken angefertigt hat, offenbar erfolgreich abgeschaut, denn billig oder lotterhaft wirkt „Primal Rage“ eigentlich nie. Möge Magee beim nächsten Mal noch zündendere Ideen und ein ausgewogeners Script zur Verfügung stehen und er wird möglicherweise richtig ordentlich liefern können.

6/10

THE BLOOD BEAST TERROR

„Electroplating! Interesting idea!“

The Blood Beast Terror (Das Blutbiest) ~ UK 1968
Directed By: Vernon Sewell

Eine furchtbare Mordserie, bei der die Opfer völlig blutleer aufgefunden werden, erschüttert das Viktorianische Königreich im Umfeld Londons. Inspector Quennell (Peter Cushing) vom Scotland Yard konzentriert seine Ermittlungen auf den Dunstkreis des Entomologen Dr. Mallinger (Robert Flemyng), der sich besonders auf die Erforschung exotischer Schmetterlingsarten spezialisiert hat. Tatsächlich könnte Quennell gar nicht richtiger liegen: Mallinger hat bereits einen Totenkopfschwärmer in Menschengröße erschaffen, der zur Lebenserhaltung frisches Blut benötigt und außerordentliche Tarneigenschaften besitzt. Dieser soll nun auch noch einen Gefährten erhalten!

Diese vierte Produktion des kurzlebigen Hammer-Epigonen Tigon British, die gelegentlich als Dublette mit Michael Reeves‘ „The Witchfinder General“ aufgeführt wurde, beweist nachdrücklich, dass und inwieweit Tony Tensers kleine Filmschmiede der großen Konkurrenz zumindest dann unterlegen war, wenn der Produktion weder ein außergewöhnlicher Regisseur noch ein findiger Autor zur Verfügung standen.
Freilich bemüht die gesamte Gestaltung von Sewells Film wohlbewusste Vorbilder: Das kostüm- und ausstattungsintensive Setting der Viktorianischen Ära gibt es hier ebenso wie den mad scientist und seine ebenso schöne wie verderbte Kreatur, deren Ursprung natürlich in den unzivilisierten Teilen der Welt zu finden ist. So fühlt man sich betreffs jener recht offensichtlichen Emulsion etwa nicht selten an John Gillings schönen (und wesentlich ausgereifteren) „The Reptile“ erinnert. Allerdings lässt sich „The Blood Beast Terror“ zugleich eine durchaus offenherzige Selbstironie nicht absprechen; diese äußert sich beispielsweise anhand einer breit ausgespielten Szene, in der Dr. Mallinger und seine Studenten sich ein hübsches Grand-Guignol-Stück ansehen, das unzweideutige Motive aus Mary Shelleys „Frankenstein“ und der West-Port-Morde vermengt und den Professor zu weiteren, galvanisch basierten Experimenten anregt. Selbiger sollte ursprünglich von Basil Rathbone gespielt werden – durchaus ein kleiner Besetzungscoup, der jedoch durch das überraschende Ableben des arrivierten Akteurs durchkreuzt wurde. Seinen Ersatz bildete Robert Flemyng, der wiederum in einer nicht unähnlichen Rolle sechs Jahre zuvor in Riccardo Fredas wunderbarem „L’Orribile Segreto Del Dr. Hichcock“ zu sehen gewesen war.
Letzten Endes lohnt sich „The Blood Beast Terror“ wohl primär für ausgesprochene Chronisten des britischen Genrekinos dieser Ära und/oder tapfere Cushing-Enthusiasten. Damit wäre ihm jedoch zugleich ein quantitativ nicht unerhebliches Stammpublikum sicher.

6/10