LA RAGAZZA DAL PIGIAMA GIALLO

Zitat entfällt.

La Ragazza Dal Pigiama Giallo (Blutiger Zahltag) ~ I/E 1977
Directed By: Flavio Mogherini

Am Strand von Sydney wird in einem Autowrack die zum Teil verbrannte Leiche einer jungen Frau entdeckt. Obschon bereits pensioniert, beginnt der alte Inspector Thompson (Ray Milland), ganz zum Leidwesen des ermittelnden Kriminalbeamten Ramsey (Ramiro Oliveros), sich in den Fall einzuschalten. Nach diversen Fehlverdächtigungen, falschen Spuren und Identifikationsversuchen, zu denen sogar eine öffentliche Zurschaustellung der Toten gehört, stößt Thompson endlich auf eine heiße Spur, die er mit dem Leben bezahlen muss…

Eine der vielleicht merkwürdigsten und doch schönsten Blüten des Giallo trieb Flavio Mogherini mit diesem wunderbaren, Kriminaldramakleinod, dem zumindest auf nationaler Ebene eine ganz besondere Ausnahmestellung innerhalb der Gattung gebührt. Dass das italienische Genrefilm gern mal über den regionalen Tellerrand hinausschaute, kennt man bereits aus zig anderen Beispielen wie etwa „L’Iguana Dalla Lingua Di Fuoco“ oder „Una Magnum Special Per Tony Saitta“. Hier also führte die Reise einmal nach Australien (einige freilich leider allzu gut sichtbar eingeflochtene, daheim in Rom gedrehte Sequenzen inbegriffen). Der noch recht konventionelle Beginn konfrontiert den Zuschauer mit zwei parallelen Erzählsträngen, deren fataler Zusammenhang sich keinesfalls umgehend erschließt: da ist zum Einen der Mordfall um das unbekannte, verstümmelte Mädchen und zum anderen die bedrückende Geschichte der Exilniederländerin Glenda (Dalila Di Lazzaro), die sich zwischen drei Männern nicht entscheiden kann – der gesetzte, aber wesentlich ältere Professor Douglas (Mel Ferrer) fasziniert sie, für den athletischen, aber eher simpel gestrickten Roy (Howard Ross) spielt sie allenthalben das Betthäschen und dessen Freund Antonio (Michele Placido) heiratet sie schließlich. Dass die Ehe äußerst unglücklich verläuft (Glenda ist mit Antonios Kellnergehalt unzufrieden und es gibt eine prekäre Schwangerschaft), erfährt der Rezipient aus zwar chronologisch angeordneten, dafür jedoch durch größere Zeitsprünge gekennzeichnete, biographische Abrisse aus Glendas zunehmend chaotisch verlaufendem Leben. Spätestens am Ende ihres Weges, sie sucht einen klaren Kopf in der Einsamkeit des outback, offenbaren sich dann die Zusammenhänge zwischen den beiden Narrationspfaden.
Mogherinis Kunst oszilliert dabei überaus gekonnt zwischen Sleaze und Geschick, lässt hier und da ein wenig nackte Haut über die Leinwand huschen und verschafft sich inmitten des Ortolani-Scores nebst zwei sich zu rabiaten Ohrwürmern mausernden, von Amanda Lear gesungenen Discosongs immer wieder höchst bedrückende Augenblicke. Zu nennen wäre hier insbesondere die, wie der gesamte zugrunde liegende (tatsächlich allerdings unaufgeklärte) Fall  sich auf ein authentisches Vorbild aus den dreißiger Jahren berufende Szene, in der die (noch) anonyme Leiche von der hilflosen Polizei den Augen der Öffentlichkeit preisgegeben wird. Nackt schwimmt der einst schöne, nunmehr schwer geschändete und obduzierte Körper in einem Konservierungsbassin und wird vor den Augen einer sensationslüsternen, geifernden Menge seiner letzten Intimität beraubt. Diese Sequenz ist ebenso unangenehm poetisch wie zeitlos: Man stellt sich unwillkürlich vor, wie vierzig Jahre später ein Haufen Gaffer mit ihren Smartphones Selfies von sich und der Leiche knipst und veröffentlicht.
Der traurige, allumfassende Leidensweg Glendas – er endet noch längst nicht mit ihrem gewaltsamen Tod.

8/10

HELL OR HIGH WATER

„We ain’t stealing from you. We’re stealing from the bank.“

Hell Or High Water ~ USA 2016
Directed By: David Mackenzie

Die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner Howard (Ben Foster) rauben binnen kurzer Zewit zwei Filialen der lokalmächtigen Texas Midlands Bank aus. Während der alternde Texas Ranger Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner Parker (Gil Birmingham) sich an ihre Fersen heften, gestaltet sich das weitere Vorgehen der Flüchtigen besonders durch das impulsive und gewaltaffine Verhalten des Ex-Häftlings Tanner zusehends außer Kontrolle geratend. Obgleich die Motivlage der Brüder moralisch durchaus diskutabel ist – die Texas Midlands hat eine Wucher-Hypothek gegen Tobys Ranch in der Hand – ist ein finaler Zwist zwischen den Kriminellen und der Justiz unausweichlich.

Wie eine gepflegte Analyse der US-Bürger-Befindlichkeit im Katastrophen-Wahljahr 2016 wirkt dieser meisterhafte, ebenso staubige wie sonnenlichtdurchflutete Southern Noir des Schotten David Mackenzie: Ganz Westtexas scheint darin übersät von aufgegebenen, verrottenden Immobilien und Grundstücken, an denen zwangsläufig auch etliche familiäre Existenzen hängen. Stattdessen säumen Werbeplakate für Kredite und Hypotheken die Highways – es ist die Ära der Gläubiger, Wucherer und Blutsauger. Neben ein paar Diners scheint die allgegenwärtige Texas Midlands Bank mit ihren zig Niederlassungen eine der letzten funktionierenden Institutionen im Staat zu stellen; natürlich nur, insofern man deren kapitalistische Albtraum-Agenda als „funktional“ anzuerkennen bereit ist. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich das Familiendrama der Howard-Brüder, die beinahe schon allegorische Opfer der Umstände sind. Die Verschuldung des Familienbesitzes geht auf die verzweifelte, in Kummer verstorbene Elterngeneration zurück; den letzten probaten Ausweg bildet die Flucht nach vorn. Während Toby den Weg zum Outlaw für seine Kinder beschreitet, steht Tanner, knasterfahren, wild um sich schießend und getrieben von einer entsprechend unzweideutigen Neigung zu offener Gewaltausübung, eher in der Tradition der marodierenden Wildwest-Banditen von vor 130 Jahren. Immerhin sind Mackenzie und sein kaum minder brillant zu Werke gehender Autor Taylor Sheridan, dessen begnadeten Fingern bereits der monumentale „Sicario“ entwuchs, romantisch genug, um Toby am Ende mit einem blauen Auge davonkommen zu lassen, freilich nicht ohne ihn ein letztes (?) Mal mit seinem Antagonisten zu konfrontieren. Gute Freunde werden die beiden nicht mehr, dass sie jedoch reziprokes Verständnis und zumindest einen Hauch von Respekt füreinander entwickeln, daran mag ebensowenig Zweifel bestehen.
Wenn man sich zudem vergegenwärtigt, in welchem demografischen Umfeld die Republikaner die meisten Wähler fischen konnten, entsteht ein hübsch kompaktes, fiktionalisiertes Sozialanalytikum, das nicht nur in dieser Hinsicht gewiss noch in vielen Jahren Bestand haben wird. Leider ist es ja so – beschissene Zeiten befeuern großartiges Kino.
So ziemlich das Beste, was ich jüngst an „Aktuellerem“ gesehen habe.

10/10

THE HARD WAY

„Oh man, this is too real.“

The Hard Way (Auf die harte Tour) ~ USA 1991
Directed By: John Badham

Der verwöhnte Hollywood-Star Nick Lang (Michael J. Fox) will in seinem nächsten Film unbedingt einen realitätsnahen Großstadtcop spielen. Ganz im Sinne des method acting plant er zu Studienzwecken zuvor einen echten Cop auf Streife zu begleiten. Dieser findet sich in dem unkonventionellen New Yorker John Moss (James Woods), der gerade einem verrückten Serienkiller, dem „Party Crasher“ (Stephen Lang) auf den Fersen ist. Lang wirbelt daraufhin nicht nur das Privatleben des ihn hassenden Moss gehörig durcheinander, er muss auch lernen, dass Film und Wirklichkeit selten einhergehen.

„Mein“ John Badham war immer der der siebziger und achtziger Jahre; seine Arbeiten nach dem tollen „Stakeout“ empfand ich, sofern überhaupt gesehen, stets als eher beliebiges, wenn auch routiniert gefertigtes Gebrauchskino. Seit immerhin fünfzehn Jahren hat Badham nunmehr nicht fürs Kino gearbeitet, sondern begnügt sich seither damit, einzelne Episoden für TV-Serials zu inszenieren.
„The Hard Way“ ist ein recht gutes Beispiel für Badhams Weg in Richtung Beliebigkeit und gleichermaßen auch für die sich immer weiter manifestierende Art der Studios, in den Neunzigern zunehmend formelhaftes Kommerzkino zu kultivieren: Als komplett entwichtete Action-, oder auch Buddy-Komödie funktioniert der Film durchaus. Fox und Woods sind als sich mehr denn zaghaft annäherende Antipoden so typengerecht besetzt, wie es eben geht und die ihnen zugedachte Geschichte völlig reißbretthaft. Als Hollywood-Satire indes ist „The Hard Way“ ebenso antiquiert und naiv wie Nick Langs intrafilmische Vorstellungen authentischer Polizeiarbeit. Zu keiner Sekunde ist die Geschichte bereit, sich auf ein wie auch immer geartetes Meta-Terrain zu begeben, alles bleibt flach und stereotyp. Seine dennoch nicht abzuleugnende Vitalität bezieht der Film neben der illustren Schar an Nebendarstellern tatsächlich einzig aus Badhams inszenatorischer Professionalität, die erwartungsgemäß vor allem in den spektakulären Actionsequenzen zur Geltung kommt. Ohne sie wäre „The Hard Way“ heute noch mehr Fußnote als er es ohnehin schon ist.

6/10

IO HO PAURA

Zitat entfällt.

Io Ho Paura (Ich habe Angst) ~ I 1977
Directed By: Damiano Damiani

Ludovico Graziano (Gian Maria Volontè) ist als Brigadiere der römischen Polizei tätig und als solcher zuständig für den Personenschutz von Justizbeamten, die sich von politischen Extremisten wie den Roten Brigaden bedroht sehen. Als er gemeinsam mit dem einsamen, linientreuen Richter Cancedda (Erland Josephson) einer obskuren Spur um einen ermordeten Wachmann nachgeht, hinter der sich wesentlich Brisanteres verbirgt als es zunächst den Anschein hat, stößt Graziano in ein Wespennest aus Verschwörung und Korruption.

Großes Politkino von Damiano Damiani und nach seinem eher mediokren „Nessuno“-Nachzügler „Un Genio, Due Compari, Un Pollo“ ganz klar ein Schritt zurück zu alter Großform. Neben dem kostbaren, zeitverbundenen Element der Paranoia vor Linksterrorismus und der systemischen Durchsetzung von Sympathisanten und Verschwörern ist im Falle „Io Ho Paura“, dessen Titel in gleich mehrfacher Varianz wahrlich Bände spricht, vor allem die psychologische Vivisektion des Protagonisten von einiger Brillanz: Volontè präsentiert die Kehrseite der in diesen Jahren vom Genrekino stilisierten Superhelden-Cops, die jeder noch so brenzligen Bedrohung von Leib und Leben eher lustvoll denn tapfer entgentraten und die bösen Jungs mit polierten Knöcheln und gezückten Kanonen reihenweise in Kranken- und Leichenhäuser beförderten. Ludovico Graziano indes ist ein Mensch wie jeder andere, zwar mit einer besonderen Beobachtungsgabe gesegnet, aber doch eher kleinlaut, wenn er gewahr wird, dass er möglicherweise übers Ziel hinaus geschossen ist. Genau dies widerfährt ihm, als er versehentlich einer extremistischen Vereinigung in die Quere kommt. Da Graziano nach der Ermordung des Richters Cancedda niemanden mehr hat, dem er sich anzuvertrauen wüsste und proportional zu der verstreichenden Zeit und den eigenartigen Ereignissen um ihn herum auch seine Angst wächst, bald selbst aus dem Weg geräumt zu werden, greift er zu ungewohnten Mitteln. Ob deren Befleißigung ihn allerdings mittelfristig retten wird…?
„Io Ho Paura“ ist einer von Damianis hervorstechendsten und zugleich involvierendsten Filmen, ein zutiefst bedrückendes Meisterwerk um Isolation und universellen Vertrauensverlust.

9/10

LA POLIZIA INCRIMA LA LEGGE ASSOLVE

Zitat entfällt.

La Polizia Incrimina La Legge Assolve (Tote Zeigen singen nicht) ~ I/E 1973
Directed By: Enzo G. Castellari

Commissario Belli (Franco Nero) macht die zunehmende Ausbreitung der libanesischen Drogenmafia in seiner Heimatstadt Genua Sorgen. Die Gangster gehen überaus planvoll zu Werke in ihrer systematischen Vereinnahmung des Rauschgiftmarktes, worunter sowohl die altetablierten Mafioso wie der alternde Don Cafiero (Fernando Rey) als auch die unter immer härteren Beschuss geratende Polizei zu leiden hat. Als Belli erfährt, dass sein Vorgesetzter Scavino (James Whitmore) schon seit Längerem eine umfassende Akte über die Vorkommnisse pflegt, überredet er ihn, diese der Staatsanwaltschaft vorzulegen. Ein verhängnisvoller Fehler, den auch Belli schwer bezahlen muss.

Dieser frühe, essenzielle Poliziottesco von Castellari hat mit den späteren, zunehmend exploitativen Auswüchsen des Subgenres noch wenig gemein. Zwar sorgt der Regisseur bereits für eine deutlich höhere emotionale Involvierung des Publikums, etwa, indem er seinem Protagonisten eine private (Rache-)Agenda auferlegt und ihn auch sonst immer weiter mit dem Rücken zur Wand positioniert, die unheilvoll über allem schwebende Atmosphäre der Korruption und Verstrickung politischer Organe in das organisierte Verbrechen jedoch lassen deutlich größere Anklänge an Damiani oder Rosi durschschimmern als an kommende, eher spaßverpflichtete Gassenhauer rund um Maurizio Merli oder Luc Merenda. Dafür trägt neben Castellaris bierernster Herangehensweise nicht zuletzt die erlesene Besetzung Sorge: Nero als involvierter, aber letztlich hilfloser Polizist, dessen Engagement ihn seine kleine Tochter kostet, Fernando Rey als graue Eminenz im Hintergrund, mit der trotz augenscheinlichem Rückzug immer noch zu rechnen sein muss und besonders James Whitmore in einem seiner raren europäischen Engagements als keinesfalls zu Unrecht resignierender Polizeichef kurz vor der Pension leisten Beachtliches. Der bleihaltige Showdown findet schließlich nicht in Genua, sondern südwestlich im jenseits der Grenze gelegenen Marseille statt; neben Reys Beteiligung vielleicht ein weiteres, kleines Augenzwinkern in Richtung Friedkins „The French Connection“.

8/10

LA POLIZIA È SCONFITTA

Ziat entfällt.

La Polizia È Sconfitta (Sonderkommando ins Jenseits) ~ I 1977
Directed By: Domenico Paolella

Der Verbrecher Valli (Vittorio Mezzogiorno) schüttet eine Welle der Gewalt über die Stadt Bologna aus – ob Schutzgelderpressung, Raubüberfälle oder Drogenhandel, kaum ein kriminelles Segment ist vor ihm und seinem rücksichtslosen Vorgehen sicher. Wer nicht in Vallis Sinne spurt, wird gnadenlos hingerichtet. Um den Unhold endlich dingfest machen zu können, ruft Inspettore Grifi (Marcel Bozzuffi) eine motorradbewährte Spezialeinheit ins Leben, die eine besondere Zusatzausbildung und besondere Befugnisse erhält. Doch selbst mit solcherlei Profis an seiner Seite gelingt es Grifi zunächst nicht, an Valli heranzukommen…

Mit der gesetzten Gelassenheit des Altprofis inszenierte der damals 62-jährige Domenico Paolella, ein erfahrener Genreregisseur, der sich vom Peplum über Bond-Spoofs und Western bis hin zu Nunploitation an fast allem versucht hatte, seinen ersten und einzigen Poliziottesco. Weniger aufpeitschend als Lenzi oder Di Leo konzentriert Paolella sich ganz auf das fast schon intime Duell zwischen Grifi und Valli, wobei der üblicherweise eher als Bösewicht antretende Marcel Bozzuffi (der nur ein Jahr zuvor in Dallamanos „Quelli Della Calibro 38“ andererseits bereits ein fast identisches Polizistenporträt hingelegt hatte) und der charismatische Vittorio Mezzogiorni als Antagonisten ihre Sache jeweils besonders gut machen. Gut, die ganze Motorrad-Spezialeinheits-Masche wirkt etwas weit her geholt, um nicht zu sagen: redundant. Warum die Supercops im Zuge ihres Sondertrainings mit den heißen Öfen immer wieder in einer Kiesgrube Sprungaktionen durchprobieren müssen, bleibt eines der Geheimnisse des Films. Andererseits macht „La Polizia È Sconfitta“ hinsichtlich seines visuellen Naturalismus‘ keine Gefangenen: Mezzogiornos gewalttätige Anwandlungen (sowie die seiner nicht minder sadistischen Helfershelfer) ähneln denen des seligen Tomas Milian in „Milano Odia: La Polizia Non Può Sparare“ oder jenen von Helmut Berger in „La Belva Colla Mitra“, was natürlich für einen gewissen, frischen Glanz in der Ahngalerie großer Poliziottesco-Psychopathen sorgt. Valli jagt Leute in die Luft, lässt Kehlen durchschneiden, Verräter kastrieren und lässt auch gern mal selbst die MP rattern. Ob man das zumindest mir persönlich etwas aufgesetzt vorkommende Ende mit dem Lynchmob nun als unbedingt passend bewerten mag oder nicht – Paolellas kleiner Knüppel-aus-dem-Sack bleibt so oder so gediegenes Genrehandwerk.

7/10

UNLAWFUL ENTRY

„Don’t shoot! I’m a lawyer!“

Unlawful Entry (Fatale Begierde) ~ USA/J 1992
Directed By: Jonathan Kaplan

Nach einem gewaltsamen Einbruch bei dem Vorstadt-Ehepaar Michael (Kurt Russell) und Karen Carr (Madeleine Stowe) erweist sich der rasch vor Ort befindliche Officer Davis (Ray Liotta) als patenter Seelentröster und Berater. Ein paar Tage später lädt Davis Michael sogar ein, ihn und seinen Partner Cole (Roger E. Moseley) auf Streife zu begleiten. Nachdem Cole bereits ausgestiegen ist, präsentiert Davis seinem mitfahrenden Gast ein besonderes Bonmot: Den Einbrecher (Johnny Ray McGhee) von neulich. Das Angebot, den Kriminellen zusammenzudreschen lehnt Michael ab, während Davis ausgiebig Gebrauch davon macht. Nach diesem Zwischenfall will Michael nichts mehr mit dem offenbar schwer gestörten Cop zu tun haben, doch Davis lässt sich nicht vertreiben. Er hat ein Auge auf Karen geworfen und versucht mit allen Mitteln, Michael aus dem Weg zu räumen…

Your usual ‚cyco movie: Diesmal ist es kein Minderjähriger, kein Fan, kein Kindermädchen oder Nachbar, sondern niemand Geringerer als dein uniformierter Freund und Helfer, der den Alltag eines unbescholtenen, bourgeoisen Ehepaars aus den Angeln hievt und sich im Laufe seiner Attacken zu einem immer obsessiveren Monster entwickelt. Ansonsten bereitet Corman-Eleve Kaplan das Ganze so gewohnt und konsumierbar auf wie eh und je; der anfänglich trotz etwas (geschickt angedeuteter) mysteriöser Umwaberung noch halbwegs sympathisch gezeichnete Streifenpolizist entpuppt sich bald als explosiver Gewalttäter, der, einmal getriggert, buchstäblich über Leichen geht, um an sein Ziel zu gelangen. Die psychologische Determinante fällt dabei freilich etwas hemdsärmelig aus; Pete Davis, so erfahren wir, ist nämlich ein hoffnungslos vereinsamtes Lichtlein, das zu glauben beginnt, Michael Carr habe schlichtweg nicht genug Ei in der Hose, um seine wohlgeformte Frau adäquat vor der Unbill der Welt schützen zu können. Dass er angesichts dieser Prämisse auf einen so dermaßen (selbst-)zerstörerischen Feldzug gehen soll, mutet, freundlich formuliert, nur  bedingt glaubhaft an. Hoffnungslos klischiert eingearbeitete Nebenfiguren wie Davis‘ bäriger Partner oder die hero’s best friends (Ken Lerner, Deborah Offner) bestätigen den stark formelhaften Charakter des Ganzen, das über seine bloße Enterainment-Funktion hinaus nur wenig Entdeckenswertes bereithält. Auch Kaplans beste Tage waren hier leider bereits vorüber.

6/10