GHOST TOWN

„Time is all we got in Cruz Del Diablo…“

Ghost Town ~ USA 1988
Directed By: Richard Governor

Auf der Suche nach der durchgebrannten, hochzeitsflüchtigen Kate (Catherine Hickland) landet Deputy Langley (Franc Luz) mitten in der Prärie, in dem ausgestorben scheinenden Städtchen Cruz Del Diablo. Doch trotz seines verfallenen Äußeren verzeichnet Cruz Del Diablo noch immer einige Einwohner – Zwischenwesen, die seit über 100 Jahren an die Stadt gebunden sind und nicht ins Jenseits eintreten können. Verantwortlich dafür ist der Desperado Devlin (Jimmie F. Skaggs), der hier mit seinen Männern schaltet und waltet wie er will und dereinst den ihm gegenübertretenden Sheriff Harper (Blake Conway) blutig den Garaus gemacht. Harpers unruhiger Geist betraut nun Langley persönlich mit der Aufgabe, Devlin zur buchstäblichen Hölle zu schicken.

Der Indie ‚Empire‘ hat in den Achtzigern ein paar Genre-Kleinode produziert und/oder verliehen, von denen zwar nicht jedes zum lupenreinen Klassiker avancieren konnte, deren Ausstoß-Gros aber dennoch als liebevoll geklöppeltes Zeitwerk seine Tage überdauert hat. So auch „Ghost Town“, der auf einer Idee von David Schmoeller basiert, von Einmal-Regisseur Richard Governor (den Wiki als ‚Richard McCarthy‘ listet) inszeniert und von Mac Ahlberg photographiert wurde. Geballte Empire-Kreativität also, die sich in diesem vor allem atmosphärisch wertigen Fantasy-Horror-Western niedersetzt. Warum und wieso der böse Bandit Devlin als Zwischengänger das Städtchen Cruz Del Diablo in einem jenseitigen Zwischenstadium festhält, tut letztlich nichts zur Sache; vielmehr soll der Zuschauer den verwirrten Protagonisten Langley auf seiner merkwürdigen Reise ins Mysteriöse begleiten. Da erweisen sich seltsame Personen wie ein blinder Kartengeber (Bruce Glover) als Trugbilder und umgekehrt, präsentieren sich Geisterdamen auf sehnsüchtiger Suche nach körperlicher Zuwendung und können vermeintlich Tote, auf die mit modernen Waffen geschossen wurde, nicht sterben. Im Gegensatz zu seinen Mitgespenstern welkt und west nur Ganove Devlin dahin, was den Maskenbildnern Gelegenheit für sehr schöne Arbeit verschaffte. So kann „Ghost Town“, der glücklicherweise immerhin einen Triumph der Form darstellt, einzig ein Problem nicht verhehlen: Jenes nämlich, dass die von ihm erzählte Geschichte nicht über seine gesamte Laufzeit hin anzieht und es immer wieder ein paar hilflos anmutende Durchhänger zu beklagen gibt, denen selbst der emsige, später zum Co-Regisseur ausgerufene Ahlberg keine Abhilfe verschaffen kann. Als abgeschlossene Episode eines Horror-Serials wie „Tales From The Crypt“ oder „Amazing Stories“ wäre „Ghost Town“ somit mutmaßlich ebenfalls gut aufgehoben gewesen – dann hätte es aber wiederum sicher anderweitige Abstriche gegeben. Ist schon okay so, wie es ist.

6/10

MANSION OF THE DOOMED

„Why should someone remove a person’s both eyes?“

Mansion Of The Doomed (Das Haus mit dem Folterkeller) ~ USA 1976
Directed By: Michael Pataki

Seit einem von ihm verschuldeten Autounfall, bei dem seine Tochter Nancy (Trish Stewart) erblindete, sucht der Augenchirurg Dr. Leonard Chaney (Richard Basehart) nach einem Weg, ihr das Sehen wieder zu ermöglichen. Eine neue Methode aus Übersee scheint für Abhilfe zu sorgen: Die Transplantation von intakten Augäpfeln und deren Kopplung an die Sehnerven des blinden Patienten sollen diesem das Augenlicht zurückverschaffen. Da es für einen solchen Eingriff erwartungsgemäß keinerlei willfährige Probanden gibt, benutzt Chaney kurzerhand Nancys Verlobten und seinen Kollegen Dan Bryan (Lance Henriksen), indem er ihn betäubt und nach erfolgter Augenentnahme und -verpflanzung kurzerhand in seinem Keller einkerkert. Zunächst glückt das Experiment, doch bereits nach wenigen Tagen stößt Nancys Körper die fremden Augen wieder ab. Neue „Spender“ müssen her, und davon nicht zu knapp…

Les visages sans yeux: Ein formvollendetes Stück Grand Guignol aus der für derlei klarlackversiegelten Schund ausgezeichneten Filmschmiede von Vater und Sohn Band, nominell Albert und Richard. Man muss sich auf deduktivem Wege nicht sonderlich bemühen, um relativ flink zu verzeichnen, dass „Mansion Of The Doomed“ natürlich ein – wenngleich inoffizielles – Remake von Georges Franjus erhabenem „Les Yeux Sans Visage“ darstellt, in dem Pierre Brasseur als wahnsinniger Chirurg seiner entstellten Tochter Edith Scob ihre vergangene Schönheit in Form eines neuen Antlitzes zurückzugeben versucht und dazu junge Frauen als unfreiwillige Spenderinnen missbraucht. Gleichermaßen schmierig und lustvoll in seiner Präsentation, wählte „Mansion Of The Doomed“ den überaus cleveren Weg, diese Storyprämisse kurzerhand „umzudrehen“, indem er seinen mad scientist anstelle eines kompletten Gesichtes nach neuen Augenpaaren für seine Tochter suchen lässt. Dafür ist ihm irgendwann jede noch so absurde Situation Recht und er betäubt und operiert bald jeden, der, aus welchen Gründen auch immer, mit ihm in Interaktion tritt. Die Drehbucheinfälle, wie Richard Basehart an neue Opfer gerät, werden dabei zusehends spektakulärer. Hauptattraktion des Films ist allerdings das Kellergefängnis, in dem Dr. Chaney seine augenoperierten Opfer einsperrt – immerhin ist er ja kein Mörder, sondern Humanmediziner! Bald tummeln sich in Chaneys Verlies diverse augenlose Zeitgenossinnen und -genossen (leider habe ich vergessen, mitzuzählen, aber um die sieben oder acht werden’s am Ende wohl sein) unterschiedlichster Provenienz und machen aus nur allzu verständlichen Gründen ein Heidentrara. In der Scheiße sitzend sind wir alle gleich. Einmal kratzt „Mansion Of The Doomed“ sogar kurz am wirklich Unangenehmen, als der immer irrer werdende Chaney auf die Idee kommt, seiner Tochter die unverbrauchten Augen eines kleinen Mädchens einzusetzen, das er prompt auf dem nächsten Spielplatz kidnappt. Glücklicherweise hat die junge Dame den häuslichen Warnungen vor den Unholden dieser welt doch besser zugehört, als es zunächst den Anschein macht und kann Chaney noch rechtzeitig entfliehen. Spätestens nach dieser Sequenz wünscht man dem Unhold dann auch wirklich die Pest an den Hals; insofern funktioniert sie als durchaus gelungenes Suggestivum.
„Mansion Of The Doomed“ macht jedenfalls eine Menge Freude, wenn er im Vergleich zu Franjus Kunstwerk auch zwangsläufig zu Staube kriechen muss. Von einem jungen Andrew Davis photographiert, verfügt er darüberhinaus mit Richard Basehart und einer aufgrund misslungener Kosmetikoperationen mimisch eigenartig erstarrten Gloria Grahame (in Alida Vallis vormaliger Rolle als Erfüllungsgehilfin) über zwei längst vom Verlöschen bedrohte Hollywood-Sterne und erhält so einen zusätzlichen, feinmatten Glanz.

7/10

CRASH!

„Noone will pursue me!“

Crash! (Draculas Todesrennen) ~ USA 1976
Directed By: Charles Band

Nach einem von seiner Frau Kim (Sue Lyon) verursachten Autounfall, der ihn auf den Rollstuhl angewiesen macht, ist der Altertumsforscher Marc Denne (José Ferrer) nicht nur wahnsinnig eifersüchtig, sondern auch ansonsten wahnsinnig geworden. Daher will er die lebenslustige und vor allem viel jüngere Kim zu Hause einsperren und richtet Dobermann Boy ab, sie im Falle einer ungenehmigten Ausfahrt sofort zu stellen. Das brave Hündchen tut, wie ihm geheißen und Kim landet mit ihrem schwarzen Chevy auf dem Kopf neben einer Bergstraße. Danach kommt sie, halbtot und amnesisch, ins Krankenhaus, in der Hand fest umkrallt einen Talisman vom Trödel. Dieser stellt die Inkarnation des hetitischen Marsgottes Acasa dar und verleiht Kim unheimliche, telekinetische Kräfte, die sie für die Rache an Marc gebraucht.

Schaut man sich „Crash!“ vom späteren Full-Moon-Mitbegründer und Albert-Sohn Charles Band an, dann sollte man sich zuvor zweierlei versichern: Dass man seinen gesunden Menschenverstand für eineinhalb Stunden in die Besenkammer sperrt nämlich und dass man zudem noch ein paar Bier im Kühlschrank deponiert hat, die die bevorstehende kognitive Ochsentour abfedern. „Crash!“ beginnt mit einem führerlosen, schwarzen Auto, das auf Südkaliforniens Straßen Jagd auf unschuldige Highway-Benutzer macht, die dann aus nicht immer ersichtlichen Gründen allesamt mit ihren eigenen Karossen wo runterfallen und explodieren. Dazu zählen besonders Polizisten, die versuchen, das schwarze Höllengefährt zum Anhalten zu zwingen. Währenddessen entspinnt sich zugleich die oben umrissene Geschichte um das beziehungskränkelnde Ehepaar Denne. Ungefähr im letzten Drittel erweist sich der schwarze Chevy Camaro dann als der telekinetisch ferngelenkte Wagen der Protagonistin. Man hat also zuvor die ganze Zeit Vorausblenden gesehen, die dann im umnebelten Zeitraffer allesamt nochmal wiederholt werden. Was Band und seinen Scriptautor Marc Marais dazu getrieben hat, so behende auf jede Art klassisch-chronologischer Narration zu scheißen und dem Zuschauer stattdessen eine infolge jener Missachtung sämtlicher Drehbuchregeln völlig wirre Erzählung aufzutischen, kann nur gemutmaßt werden. Fest steht: Hätte Band den herkömmlichen Weg irdener Stringenz gewählt, auf Reprisen und übertriebene Zeitlupen verzichtet, wäre der Film nur halb so lang geworden. Vermutlich war es das, was ihn veranlasst hat, die mentale Gesundheit seiner Zuschauer so rigoros fahrlässig zu gefährden. Abseits der Tatsache, dass man all den Blödsinn sowieso in Kauf nehmen muss, setzt die – eigentlich unerlässliche – deutsch synchronisierte Fassung dem Gesamtkunstwerk noch den letzten Zacken in die Krone: Der Titel lehnt sich nämlich in weiser Erfolgsvoraussicht an den von Cormans knackigem „Death Race 2000“ an, der, wie man vielleicht weiß, zu deutsch „Frankensteins Todesrennen“ geheißen ward. Wo ein Frankenstein ist, ist im Kino zumeist ein Dracula nicht weit und daher diese überaus sinnige Anlehnung. Um den Titel noch weiter zu beschweren, tauft die deutsche Vertonung den Wagen von Sue Lyon (dereinst Titelcharakter in Kubricks „Lolita“-Adaption) kurzerhand ‚Dracula‘ und untermauert die Dialoge mit entsprechend herbeifabulierten Hinweisen.
Wer knittrige und hässliche alte Kerle mit Säuferantlitz mag, kommt an „Crash!“ sowieso nicht vorbei, denn neben Ferrer geben sich in Nebenrollen noch Reggie Nalder und John Carradine ein Stelldichein, und das will bekanntermaßen grundsätzlich etwas heißen!

5/10