SPIDER-MAN: FAR FROM HOME

„I’m in love with Spider-Man’s aunt!“

Spider-Man: Far From Home ~ USA 2019
Directed By: Jon Watts

Wie ein paar anderen Milliarden Erdbewohnern macht auch Peter Parker (Tom Holland) und einigen seiner Schulfreunde der „Blip“ (der durch im Zuge von „Avengers: Endgame“ durch Bruce Banner ausgelöste Umkehreffekt von Thanos‘ „Snap“) nachhaltig zu schaffen: Während die Physis der Betroffenen normal weitergealtert ist, befindet sich die Persönlichkeit noch auf dem Stand von fünf Jahren zuvor. Besonders bei Teenagern wirkt sich dieser Zustand mitunter verstörend aus. Eine Europareise mit der gesamten Klasse als High-School-Abschluss kommt Peter da gerade Recht, um mit sich und dem Abschied von seinem Mentor Tony Stark ins Reine zu kommen. Doch ist da auch noch die angehimmelte MJ (Zendaya), zu der der junge Mann sich zunehmend hingezogen fühlt.
In der Alten Welt angekommen, muss Peter dann rasch erkennen, dass er vor Spider-Man nicht davonlaufen kann. Eine Gruppe monströser Elementarwesen, der angeblich von einer Parallelerde stammende Superheld Quentin Beck (Jake Gyllenhaal), genannt „Mysterio“ und der unverwüstliche Nick Fury (Samuel L. Jackson) kreuzen bald seinen Weg. Und eine gewaltige Dummheit beim Umgang mit Starks Erbteil für Peter, der mächtigen Kontrolleinheit „E.D.I.T.H.“, gilt es, unter Aufbietung aller Superspinnenkräfte versteht sich, wieder geradezurücken.

Der Nachhall des immens erfolgreichen Kassenklingelns dieses zweiten, wiederum von Jon Watts inszenierten Spider-Man-Solo-Abenteuers im Rahmen des MCU, erwies sich als alles andere denn erfreulich – Sony, nach wie vor primärer Rechteinhaber für die Figur nebst ihrem Comicanhang, vermeldete wieder gesteigertes Interesse an deren eigener Vermarktung und, damit einhergehend, bei Nichterfüllung vertraglicher Neubedingungen durch Disney und Kevin Feige, eine Rückkehr unter das hauseigene Dach. Für kommende Filme würde dies bedeuten, dass Spider-Man aus dem MCU wieder extegriert und beiderseits sämtliche charakterliche Entwicklungen seit „Captain America: Civil War“ wieder getilgt werden müssten. Eine besonders für Freunde geschlossener Kontinuität im Hinblick auf verfilmte Marvel-Geschichten immens bittere Pille, die seit 2002 praktisch einem rekordverdächtigen vierten Reboot entspräche. Immerhin bleibt Tom Holland, der seine Auftritte als Spidey sehr zu lieben scheint,  seinem alter ego als Gesichtsstifter wohl vorerst erhalten.
„Far From Home“ nun führt zunächst einmal den publikumsverwöhnten Habitus des Vorgängers weiter. Wiederum ist Peter Parker noch Schüler mit (post-)pubertären Alltagsproblemen, dessen Fähigkeiten ihm innerhalb der übrigen Superheldengemeinde einen durchaus problematischen Exklusivstatus anheim stellen. Mit vielleicht 17, 18 Jahren bereits mehrfach an der Weltrettung beteiligt gewesen, Göttern und außerirdischen Despoten begegnet und im Weltall herumgejagt zu sein, geht an einem eher schüchternen Waisenknaben aus der Bronx gewiss nicht spurlos vorüber. Hinzu kommt in erschwerender Weise der schmerzliche Verlust des zwischenzeitlichen Ersatzvaters und die von ihm hinterlassene Märtyrerlücke, die darüber hinaus die gesamte Welt trauern lässt. Dem in dieser Weise angeschlagenen und geforderten jungen Mann erscheint der schulische Eurotrip mit zwei schrulligen Lehrern (Martin Starr, J.B. Smoove) als denkbar beste Ablenkung zur Stunde, zumal endlich einmal Platz für die persönlichen, altersadäquaten, sprich: romantischen Bedürfnisse gelassen scheint. Doch die nächste Bedrohung naht schon – Comickenner wissen schon bei dessen erstem Auftritt, dass der Mann mit dem nebulösen Glasglockenhelm namens „Mysterio“ natürlich kein Held, sondern vielmehr ein machthungriger Illusionist ist, der ganz eigene, sinistre Pläne hegt. Hier stammt jener Quentin Beck allerdings nicht aus den S-F/X-Schmieden Hollywoods – vielmehr entpuppt er sich als vormaliger Bestandteil der Stark-Factory und, wie bereits Adrian Toomes alias „Vulture“ (und andere bedauernswerte Zeitgenossen) als ein durch Tony Starks Umtriebe Geschmähter, der nach postumer Vergeltung sucht. Becks opportunistisches Streben sieht nichts Geringeres vor, als die Nachfolge von Iron-Man als globaler Premiumheld anzutreten und nimmt dafür die Zerstörung ganzer Städte und etlicher Existenzen in Kauf, die seine Illusionen, die „Elementals“, als Kollateralschäden hinterlassen. Dass Peter ihm kurzsichtig in die Hände spielt, indem er Beck naiverweise die ihm persönlich von Stark hinterlassene „E.D.I.T.H.“-Brille, die ihrem Träger die Kontrolle über Abertausende von Kampfdrohnen ermöglicht, verehrt, gilt es schließlich wieder gut zu machen. Doch einen Mann, der die Realität selbst zum Trugbild werden lassen kann, zu bekämpfen, wird erwartungsgemäß zu einer der schwierigsten Herausforderungen für den Heldennachwuchs. Flankiert werden die erstklassig visualisierten Kämpfe zwischen Spider-Man und Mysterio von nett arrangierten, häufig komischen Situationen, in die Peter und sein Tross zwischen den pittoresken Schauplätzen Venedig, Prag, Berlin und London immer wieder geraten. In Screwball-Manier muss sich Peter zwischen seinem frischverliebten Kumpel Ned (Jacob Batalon), der umschwärmten MJ (die sich jetzt plötzlich wie Mary-Jane abkürzt, wo sie in „Homecoming“ noch „Michelle“ hieß), den überforderten Lehrern sowie den immer wieder auftauchenden Fury und Maria Hill (Cobie Smulders) seinen Weg bahnen und dazu noch seine Heldenidentität schützen. Allerlei Optionen für Rasanz und Tohuwabohu, die Watts souverän, amüsant und teenagergerecht zu stemmen weiß. Damit empfiehlt er sich zugleich als Regisseur für kommende Spidey-Abenteuer, deren Zukunft nun ja trotz der aufregenden Mid- und der noch aufregenderen Post-Endtitel-Sequenzen leider keineswegs in Stein gemeißelt ist. Immerhin empfiehlt sich nunmehr bereits Phase 4: Die formwandelnden Skrulls sind offenbar doch nicht so freundlich, wie uns „Captain Marvel“ erst im Frühjahr 2019 weiszumachen trachtete…

8/10

AVENGERS: ENDGAME

„Everything’s gonna work out exactly the way it’s supposed to.“

Avengers: Endgame ~ USA 2019
Directed By: Anthony Russo/Joe Russo

Nach Thanos‘ (Josh Brolin) das gesamte Universum in Mitleidenschaft ziehendem Sieg macht der gemeinsam mit Nebula (Karen Gillan) im All treibende Tony Stark (Robert Downey Jr.) sich zum Sterben bereit, wird jedoch in allerletzter Sekunde von der zur Hilfe eilenden Carol Danvers (Brie Larson) gerettet. Die nunmehr verbliebenen Avengers machen den wahnsinnigen Titanen auf seiner Zufluchtswelt ausfindig, nur um von ihm zu erfahren, dass dieser die Infinty-Steine nach der erfolgreichen Ausführung seiner Pläne samt und sonders zerstört hat. Der kurzgeschlossene Thor (Chris Hemsworth) enthauptet Thanos daraufhin.
Fünf Jahre später versuchen die Menschen der Erde noch immer verzweifelt, mit ihren Verlusten zurecht zu kommen und auch die Avengers haben sich sehr verändert. Tony und Pepper (Gwyneth Paltrow) haben geheiratet und leben mit ihrer kleinen Tochter (Lexi Rabe) abgeschieden auf dem Land. Steve Rogers (Chris Evans) betreibt unermüdliche Trauerarbeit für Kleingruppen, der aus dem Leim gegangene Thor entlädt seinen Frust in Alkohol und irdischem Slackertum. Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) kümmert sich gemeinsam mit den auf der Erde gestrandeten Rocket und Nebula sowie Jim Rhodes (Don Cheadle) und T’Challas (Chadwick Boseman) überlebender Kriegerin Okoye (Danai Gurira) um die internationale Sicherheit und sucht parallel dazu nach Clint Barton (Jeremy Renner), der sich nach dem Tod seiner kompletten Familie als global operierender Vigilant im Untergrund bewegt. Bruce Banner (Mark Ruffalo)  hat indes seine „Hulk“-Persönlichkeit gezähmt und sie zum festen Bestandteil seines menschlichen Wesens gemacht. Der erst nach all dieser Zeit aus der Quantenrealität zurückkehrende Scott Lang (Paul Rudd), dessen Aufenthalt in der Mikrowelt ihm wie fünf Stunden erschienen, sucht die Avengers auf und legt ihnen eine letzte Möglichkeit nahe, Thanos‘ Auslöschungen rückgängig zu machen: die Zeitreise. Der unter Behelf von Tony Starks Genie bald entwickelte Plan sieht vor, in Kleinteams zu jenen Punkten in der Vergangenheit zurückzugehen, an denen man der Infinity-Steine am Günstigsten habhaft werden kann. Doch lauern in der Vergangenheit auch Thanos und dessen ihm damals noch ergebene Tochter Nebula, die durch deren zukünftiges Pendant um die Pläne der Avengers erfahren und Gegenmaßnahmen ergreifen…

Erwartungsgemäß endet diese „Phase 3“ des MCU nicht nur mit einem ausgedehnten Knall, sondern markiert weiterhin gewissermaßen einen Endpunkt der gesamten bisherigen MCU-Historie seit „Iron-Man“, in ihrer Gesamtheit auch als „Infinity-Saga“ bezeichnet. Zu diesem Zweck greift der Plot von „Avengers: Endgame“ geschickt zurück in die Ereigniswelten der zurückliegenden Abenteuer und stellt damit nochmals die größte narrative Stärke des MCU heraus, die ihre Kraft eben auch der nochmals sehr viel ausufernderen Konzeption der Comic-Welten verdankt: Die Verknüpfung inhaltlicher Details und Momente aus 21 Filmen in elf Jahren, einem gewaltigen, in der Geschichte des Kinos in dieser Form bislang einzigartigen Erbe. Die Sorge dafür, dass jene Brückenschläge sinnvoll und reibungslos ablaufen, wäre wiederum ein hervorzuhebendes Qualitätsmerkmal des MCU, dass sich spätestens mit „Endgame“ zu einem geschlossenen (wenngleich nicht abgeschlossenen), bunten Fresko ausweitet, das nunmehr, da es vollendet wurde, beinahe den Anschein einer seit Anbeginn minutiösen Planung hinterlässt.
Gewiss ist der Film zuvorderst ein direktes Sequel zu „Infinity War“, dessen brutales Finale ja bekanntermaßen ein großes Quantum an liebgewonnenem Figureninventar zu Staub zerfallen ließ und das weder die Fans noch die Avengers in solch „finiter“ Konsequenz auf sich sitzen lassen konnten. So geht nun „Endgame“ als zwangsläufig aufgefächerter Mehrakter in sein Endspiel: Nach der ersten Berappelung und der Rache an Thanos folgt  ein Zukunftssprung um fünf Jahre, die nur wenige Wunden zu heilen vermögen. Dank Scott Lang reifen dann die Pläne um einen doch noch optionalen Sieg über die Endgültigkeit des Schicksals. Mittels eines – wie könnte es anders sein – etwas wackeligen Zeitreiseplots reisen die Helden dann zu zwei bzw. drei Punkten in der Vergangenheit, um sich in den Besitz der Steine, nach wie vor klassische MacGuffins, zu bringen und stolpern dort natürlich über turbulente (New York) bis dramatische (Kosmos) Unwägbarkeiten. Es folgt die Mutter aller Superheldenschlachten, quasi ein filmgewordenes Gemälde von John Buscema, Jim Starlin, Ron Lim, George Pérez und Alan Davis in kombinierter Reinkultur, auf den Ruinen des von Thanos in Asche gelegten Avengers-Hauptquartiers. Die Gänsehäute überbieten sich, wenn nunmehr endlich sämtliche der bekannten (wiedererweckten) Heroinen und Heroen, inklusive einer gerüsteten Pepper Potts und einer wiederum im letzten Augenblick auftauchenden Captain Marvel, mitsamt ihren Armeen aus asgardianischen Walküren und Wakanda-Kriegern, um den neuen Infinity-Handschuh kämpfen und Thanos‘ Streitmacht eine herbe Schlappe zufügen. Leider versäumte man in diesem doch so naheliegenden Zusammenhang die Chance, die Defenders aus den Netflix-Serials zumindest für ein Cameo mit ins Boot zu holen – ein solcher hätte gewiss für (berechtigte) frenetische Ekstaseschreie zu sorgen vermocht. Bei mir zumindest. Natürlich gibt es in der Folge ein, um nicht zu sagen das große(s) Heldenopfer zu beklagen, dessen Trauerfeier und Auswirkungen den letzten, tränenschürenden Abschnitt des Films bestimmen. Die Wunden wollen geleckt sein, doch die Türen für die nächste, große Saga nebst den noch Aktiven und ihren Nachfolgern finden sich bereits leise und ganz wie nebenbei geöffnet.
Darüber, dass „Endgame“ zumindest für den Moment „Avatar“ als den bis dato erfolgreichsten Blockbuster abgelöst hat, mag ich, auch wenn es mich aus mehrerlei Gründen in Hochstimmung versetzt, keine weiteren, grübelnden Worte verlieren. Allein die Tatsache, das MCU infolge eines seiner schönsten Produkte weiterhin derart kassenstark und damit zukunftsgewappnet zu wähnen, genügt mir für den Moment. Ich für meinen Teil werde mit ganz viel aufrichtiger Liebe für das Erreichte und ebenso für das noch zu Erreichende am Ball bleiben. Bis hierher: Danke.

9/10

CAPTAIN MARVEL

„I’ll be back.“

Captain Marvel ~ USA 2019
Directed By: Anna Boden/Ryan Fleck

Zwischen den extraterrestrischen Imperien der Kree und der Skrull tobt ein ewiger Krieg. Während einer Rettungsmission geraten die ursprünglich von der Erde stammende, jedoch amnesische Kree-Soldatin Vers (Brie Larson) und ihre fünfköpfige Crew in einen Hinterhalt der Skrulls, die aufgrund ihrer Fähigkeit zur Gestaltwandlung strategische Vorteile genießen. Bei der anschließenden Flucht strandet Vers auf ihrem Herkunftsplaneten,  im Los Angeles des Jahres 1995. Dort findet sie sich zunächst kaum zurecht, bis sie auf S.H.I.E.L.D. und dessen Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) trifft. Gemeinsam mit Fury und verfolgt von dem Skrull Talon (Ben Mendelsohn) macht sich Vers auf, ihre Vergangenheit zu entschlüsseln, wobei ihr ihre frühere beste Freundin Maria Rambeau (Lashana Lynch) behilflich ist: Einst war Vers die Kampfpilotin Carol Danvers, die seit sechs Jahren als tot gilt. Die Militär-Wissenschaftlerin Wendy Lawson (Annette Benning), an die Carol sich in ihren träumen erinnert, war in Wahrheit die abtrünnige Kree-Soldatin Mar-Vell, die kriegsmüden Skrull-Fküchtlingen einen sicheren Zufluchtsort verschaffen wollte, dann jedoch von dem Kree Yon-Rogg (Jude Law) entdeckt und getötet wurde. Just bei diesem Anschlag übertrug sich eine gewaltige Menge Energie aus dem in Mar-Vells Händen befindlichen Tesserakt auf Carol – der Ursprung ihrer Kräfte. Nachdem Carol abermals den Kree in die Hände fällt und verhört wird, gelingt es ihr, ein Regulierungsimplantat zu entfernen und so das volle Potenzial ihrer Macht zu entfalten. Im Alleingang nimmt sie es mit einer die Erde bedrohenden Kree-Flotte auf und verlässt ihren Heimatplaneten abermals, um den Konflikt zwischen Kree und Skrulls endgültig zu beenden – nicht jedoch, ohne Fury eine Kontaktmöglichkeit und den Tesserakt zu hinterlassen.

Eine Menge an inhaltlichem Holz präsentiert dieser „Avengers: Endgame“ vorbereitende MCU-Beitrag, der natürlich auch auf den „geheimnisvollen“ Cliffhanger aus „Infinty War“ rekurriert, in dem der sich just im Auflösen befindliche Fury gerade eben noch jenen mysteriösen Pager mit Starforce-Symbol bedienen kann, das Comicleser natürlich schon seit nunmehr rund fünfzig Jahren zu identifizieren wissen. Die ursprüngliche Geschichte von Mar-Vell, der als Captain Marvel gegen seinen früheren Freund Yon-Rogg, die Skrulls und natürlich Thanos zu kämpfen hatte, der als erster Superheld überhaupt einen spektakulären Tod (durch ganz profanen, irdischen Krebs) im Zuge einer wunderschönen Graphic Novel von Jim Starlin fand und, als einer der wenigsten seiner Zunft, seither nicht wiederauferstanden ist, ignoriert der Film kurzerhand, stellt sie auf den Kopf und widmet sich stattdessen Mar-Vells Nachfolgerin Carol Danvers. Die eigentliche zweite Captain Marvel, die Polizistin Monica Rambeau, tritt im Film als kleines Mädchen und Tochter von Carols bester Freundin (Akira Akbar) auf, was bereits darauf hindeutet, dass ihr künftiges, erwachsenes alter ego später noch eine wichtige Rolle bekleiden könnte. Auch sonst stellt sich „Captain Marvel“ also primär in den Dienst der veränderten MCU-Continuity und der nötigen Aufgabe, Thanos in Kürze ein ordentliches Pfund entgegensetzen zu können.
Freilich zählt „Captain Marvel“, trotz eines längeren Zwischenspiels auf der Erde, zu den Weltraum-Ablegern des MCU, ebenso wie die „Guardians Of The Galaxy“ oder „Thor: Ragnarok“, in denen bunte Laserstrahlen und interplanetarische Dimensionswirbel in den schillerndsten, halluzinogenen Farbmixturen durchs All zucken und wabern. Weder bietet er jedoch den kontextualisierten Witz der vorgenannten Beispiele noch deren spürbar innige Liebe zu ihren Figuren auf; vielmehr ist er krampfhaft darum bemüht, der nach wie vor männlich dominierten Superhelden-Mythologie, analog zu DCs „Wonder Woman“, mehr wuchtige Frauenschlagkraft zu verabreichen und etabliert damit zugleich eines der mächtigsten Wesen im MCU überhaupt, das im Finale so dermaßen rigoros im Kosmos herumholzt, dass Han Solo angesichts dessen eine Kiefersperre bekäme. Gedanke und Idee sind ergo völlig okay, nur mangelt es dem Film am Wesentlichen, was die letzten MCUs so schön machte: Den vielen, kleinen, echten Gänsehautmomenten. Relativ ungerührt nimmt man diesmal zur Kenntnis, was da in der üblichen audiovisuellen Perfektion dargeboten wird und wünscht sich mehr konzise Konzilianz. Die Kree kennen wir bereits, die Skrulls werden (überraschend differenziert immerhin) eingeführt. Ein verjüngter, haupthaariger Nick Fury, dessen charakteristische Augenklappe noch fehlt und der, ungewohnt begeisterungsfähig, unentwegt der Alienkatze Goose seine Putzigkeitsaufwartungen macht, ist gewiss nicht unwitzig, als Bindeglied zum gewaltigen Rest jedoch ein wenig wacklig. Zudem muss ich sagen, dass ich ganz persönlich mir anstelle von Annette Benning einen adäquateren Mar-Vell gewünscht hätte – immerhin handelt es sich bei ihm um eine meiner Lieblingsfiguren seit Kindheitstagen. Hätte man nicht wen anders nehmen können – Aaron Eckhart etwa? But this had to be a women’s thing, obviously and particularly.

7/10

GLASS

„This was an origin story the whole time.“

Glass ~ USA 2019
Directed By: M. Night Shyamalan

Als der mittlerweile jahrelang incognito als „Overseer“ im Vigilantengeschäft tätige, mittlerweile verwitwete David Dunn (Bruce Willis), unterstützt von seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark), auf den multipel gestörten Serienmörder Kevin Wendell Crumb (James MacAvoy) alias „The Horde“ aufmerksam wird und ihn kurz vor dessen nächster Schreckenstat stellt, werden beide gefasst, in in psychiatrische Sicherheitsverwahrung und dort unter die Obhut von Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) verfrachtet. Dort begegnet David auch seinem alten Widersacher Elijah „Mr.“ Glass (Samuel L. Jackson) wieder, der hier stark sediert und depressiv seine Tage fristet. Dr. Staple ist Expertin für scheinbar Größenwahnsinnige mit dem Hang, sich selbst als Superwesen oder Metamenschen zu betrachten und setzt sich zum Ziel, das Trio mithilfe gruppentherapeutischer Sitzungen vom Gegenteil zu überzeugen. Doch im brillanten Hirn hinter seinem nur vorgespielt lethargischen Blick gärt er bereits wieder bei Mr. Glass…

Nachdem M. Night Shyamalan mittels einem das Publikum aufjuchzen lassenden Epilog zuletzt bereits den Protagonisten seines nach wie vor schönsten Films „Unbreakable“ mit der Story von „Split“ koppelte, ließ sich bereits erahnen, was da kommen mochte. Nicht zuletzt die Tatsache, dass der im Jahr 2000 gestartete „Unbreakable“ die in den letzten zwei Dekaden zum maßgeblichen Blockbustersegment avancierte Superheldencomic-Adaption durch seine geschliffene Mythologiedialektik entscheidend vor- und mitbereitet hat, erschien ein Wiederaufgreifen des darin vorgestellten Ansatzes sinnvoll. In Kombination mit dem gegen Ende selbst phantastische Züge annehmenden „Split“ eine umso vielversprechendere Angelegenheit. Shyamalan feilt dann auch eifrig weiter an seinem ganz eigenen Superhelden-Universum und gibt Mittel und Wege für ein weiteres potenzielles Franchise vor, dessen serieller Charakter sich nach dem Ende von „Glass“ jedoch etwas fragwürdig gestaltet. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Geschichte abermals weitergehen kann und/oder wird. Der vorliegende Film begnügt sich indes (noch) damit, auf die gewaltigen CGI- und Materialschlachten aus MCU und DCEU zu verzichten. Kündigt sich durch Mr. Glass‘ massenmörderische Planungen bereits ein urbaner Showdown mit allerlei Kollateralschäden an, bleibt es dann doch bei einem einzigen aktionsbetonten Widerstreit der naturgewaltigen Übermenschen vor den Toren der psychiatrischen Klinik, an dem die jeweils wichtigsten Bezugspersonen der drei Antagonisten, also Dunns Sohn Joseph, die Crumb zuvor notgedrungen entkommene und nunmehr in bizarrer Beziehung zu ihm stehende Casey Cooke (Anna Taylor-Joy) und schließlich Elijahs Mutter (Charlayne Woodward), ebenso wie eine sich erst gegen Ende herausschälende, vierte Partei maßgeblich beteiligt sind. Zuvor nimmt sich Shyamalan abermals Muße und Gelegenheit, der kulturellen und literarischen Genealogie des Superheldencomics, seiner Wurzeln, Anfänge und Ausprägungen durch Glass‘ Analysen Raum zu geben und sich mit der (nur kurze Zweifel aufwerfenden) Frage nach dem Geisteszustand von Dunn, Crumb und Glass zu befassen. Ansonsten gehört dieser Film schon durch seine figuralen Erfordernisse eindeutig den „Bösen“, Bruce Willis/David Dunn ist eher Stichwortgeber und Nebenfigur, während MacAvoy abermals ausgiebig Gelegenheit erhält, seine multiplen Persönlichkeiten in oftmals rasanter Abfolge aufblitzen zu lassen und Jackson eben weiterhin den ebenso fragilen wie sinistren Strippenzieher zu geben hat.
Der Gesamteindruck ist durchaus gut, aber – leider? – nicht epochal.

7/10

AVENGERS: INFINTY WAR

„You should have gone for the head.“

Avengers: Infinty War ~ USA 2018
Directed By: Anthony Russo/James Russo

Für seinen Infinity-Handschuh, der ihm vollbesetzt göttliche Allmacht verliehe und es ihm möglich machte, sein Vorhaben betreffs einer Sanierung des gesamten Universums zu realisieren, fehlen dem wahnsinnigen Titanen Thanos (Josh Brolin) noch vier der sechs Ewigkeitsjuwelen: Der Zeitstein, der im Besitz des Okkultisten Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist, der Gedankenstein, der dem Androiden Vision (Paul Bettany) seine menschliche Seele und damit zugleich seine Existenz verleiht, der Realitätsstein, den der außerirdische Artefaktesammler Collector (Benicio Del Toro) verwahrt und schließlich der Seelenstein, den der auf dem Planeten Vormir gestrandete Red Skull (Ross Marquand) unter Bewachung hält. Gemeinsam mit seinen Vasallen, der „Black Order“, den monströsen Outriders, und seiner mit jedem eroberten Stein anwachsenden Macht über Raum, Zeit und Realität, gelingt es Thanos, trotz der vereinten Gegenwehr der Avengers und der Guardians Of The Galaxy, sämtliche Juwelen in seinen Besitz zu bringen und seinen irrwitzigen Plan, die Hälfte aller Lebewesen des Kosmos zu beseitigen, um diesen vor sich selbst zu schützen, in die Tat umzusetzen.

Dieses gewaltige filmlogistische Unterfangen, das gemeinsam mit seinem kommenden Nachfolger zugleich Höhepunkt und Abschluss der ersten, nunmehr dreizehn Jahre andauernden und zwanzig Kinofilme umfassenden MCU-Phase zugleich krönen und abschließen soll, erfüllt die vielerorts an es gestellte, hohe Erwartungshaltung durchaus behende. Die stille Prämisse, dass in dem Superhelden-Clash die meisten der bislang vorgestellten Charaktere ein Plätzchen bekommen, vermochten die Russo-Brüder, die zuvor bereits mit zwei „Captain America“-Filmen unter Beweis stellen konnten, dass sie derart herausfordernde Unternehmungen zu stemmen im Stande sind, weitgehend einzulösen. Da der jüngste „Ant-Man“-Film und die eigentliche MCU-Nr.-20 sich den Ereignissen in „Infinity War“ leider erst in den end credits untermengt, ist eben der Kontinuität geschuldet, hat allerdings zur Folge, dass Scott Lang und seine Freunde in diesem Film noch keinen Platz bekommen konnten. Umso bedauerlicher fand ich es, dass man nicht die sich bietende Chance genutzt und das street level der Web-Serials in „Infinity War“ berücksichtigt hat. Aber das bin nur ich. Wenn diese überkandierte, halluzinogene Wundertüte der Russos ein -vermeintliches – Problem hat, dann ist es ohnehin seine mehr oder weniger zwangsläufig in die Episodenhaftigkeit dividierende Struktur. Hätte sich überhaupt da noch eine weitere Ebene einflechten lassen, in der Netflix-Defenders räudige Monsteraliens vermöbeln? Der Film müsste dann mindestens noch eine halbe Stunde länger sein. Doch halt – genau so verfahren die klassischen Comics (und auf einem von denen basiert „Infinity War“ schließlich) ja auch: Kleinere Teamabspaltungen versuchen, Pars-Pro-Toto-Probleme an unterschiedlichen Orten zu lösen. So war das früher nunmal, als ausgeflippte, hippieeske Visionäre wie Jim Starlin noch ihre überbordende New-Age-Phantasie mit Superhelden-Universen kreuzen durften. Und wer dann noch bemängelt, dass der Film ja gar kein wirkliches Ende hat, sondern mittels eines cliffhangers auf seinen von Anfang an avisierten Nachfolger verweist, der hat sowieso nichts kapiert.
Ich habe als Filmfreund ja immer das – zugegebenermaßen leicht neurotisch angehauchte Problem, mich als ausgesprochener Liebhaber des MCU permanent rechtfertigen zu müssen; im Alltagsdialog, gegenüber Freunden, dem cinephilen Netzwerk auf Facebook, manchmal, in schwachen Momenten, sogar vor mir selbst. Wer das Kino liebt, der, so scheint mir, muss das MCU schon aus Prinzip belächeln, langweilig, einfallslos, infantil und dumm oder gar verwerflich finden, verachten, oder kurz: hassen. Es fällt selbst mir, dem Fels in der Brandung, tatsächlich leichter, gängige Negativattribute zu bfinden und aufzuzählen. Die Crux ist ja offensichtlich, immerhin walzt hier vor allem eine ungeheure Geldmaschinerie vor sich her, ein kommerzieller Fliegenvorhang, der der gesamten Mainstream-Kinolandschaft seinen unausweichlichen Stempel aufdrückt. Neue Franchises schießen überall wie Pilze aus dem Boden, auch andernorts werden Handlungsbögen gespannt, narrative Pseudo-Komplexitäten zwangsetabliert, die natürlich niemals auch nur annähernd den monströsen Background von sechs Jahrzehnten Comic- und, ja, Literaturhistorie aufwiegen könnten. Das kann kein „Star Trek“ und kein „Star Wars“ und auch nichts sonst. Und vor allem das DCEU versagt weiterhin kläglich und macht, zumindest, was seine ins Leere laufenden Bemühungen anbelangt, dem filmischen Ideenpool von Marvel das Wasser zu reichen, alles falsch, was man nur falsch machen kann. Das MCU jedoch stemmt sein Erbe ungebrochen weiter und gehört mit all seinen Ausläufern für mich, und jetzt apologisiere ich schon wieder fleißig, obwohl ich’s mir doch schenken wollte, weiterhin zum Schönsten, Strahlendsten und Erfreulichsten, was ich Zeit meines Lebens an filmischer Emission erleben durfte. Hier fühle ich mich immer wieder wie zu Hause und, was fast noch wichtiger ist, gut dort angekommen. Möge das MCU noch lange Bestand haben und weiterhin so bunte Blüten treiben. Ich werde mich ebenso tapfer an deren Liebreiz erfreuen, und wenn ich mich damit noch so wenig ernstgenommen fühlen muss.

9/10

KONG: SKULL ISLAND

„You don’t go into someone’s house and start dropping bombs, unless you’re picking a fight.“

Kong: Skull Island ~ USA 2017
Directed By: Jordan Vogt-Roberts

1973: Der Regierungsangestellte Bill Randa (John Goodman) und sein Adlatus Houston Brooks (Corey Hawkins) sind davon überzeugt, dass die Erde von zahlreichen, bislang unentdeckt gebliebenen Monstern übersät ist. Er bewegt Senator Willis (Richard Jenkins) dazu, ihm eine Expedition zu der im Südpazifik liegenden Insel „Skull Island“ zu finanzieren, die unter militärischer Schützenhilfe stattfinden soll. Lt. Colonel Preston Packard (Samuel L. Jackson), der den sich zum Debakel entwickelnden Vietnamkrieg nicht verwinden kann und seine Helikopter-Einheit unterstützen Randa ebenso wie der britische Fährtenleser James Conrad (Tom Hiddleston), die Photographin Mason Weaver (Brie Larson) und einige weitere Wissenschaftler. Nachdem man Skull Island erreicht hat und sogleich mit einem Granatenteppich eindeckt, tritt prompt der Herrscher der Insel, der Riesengorilla Kong, auf den Plan und dezimiert die Invasoren um gut die Hälfte. Auf sich gestellt müssen sich nun mehrere voneinander isolierte Teams durch das überaus lebensfeindliche Terrain schlagen. Kong ist nämlich bei weitem nicht das einzige und schon gar nicht das garstigste Ungeheuer auf Skull Island…

Die Produktionsgesellschaft Legendary Pictures ist ja derzeit besonders umtriebig hinsichtlich der Fortführung ihres „MonsterVerse“-Franchise, dessen erster Beitrag Gareth Edwards‘ „Godzilla“-Reboot markiert. Nach dem Vorbild des MCU gibt es zunächst einige scheinbar voneinander unabhängige Filme, die jedoch in derselben continuity angesiedelt ist, um dann zu einem vorläufig-klimaktischen, großen Mash-up zusammengefügt zu werden. Als zwangsläufig zu wertende Sprosse jener Leiter zum sukzessiv avisierten Gipfel geht „Kong: Skull Island“ völlig in Ordnung, ebenso wie überhaupt als amtlicher CGI-Monsterfilm. Man muss sich das Ganze in etwa so vorstellen wie einen klassischen, wenngleich etwas charmeentledigten Trip von Fay Wray, Robert Armstrong und Bruce Cabot nach Skull Island und ihren anschließenden Aufenthalt auf der von monströsen Urviechern übersäten Insel plus einer Menge pyrotechnischer Schauwerte und Ballereien, minus der Romanze zwischen Megaprimat und weißer Frau nebst tragischem Ausgang in New York. Kong mag Brie Larson zwar, ein libidinöses Interesse geht diesmal jedoch nicht von ihm aus. Dazu ist er auch viel zu beschäftigt, immerhin muss er nicht nur gegen einen Riesenkalamaren und einen übellaunigen Samuel L. Jackson antreten, sondern zudem noch gegen eine gigantische Ekelechse mit zwei Läufen, langem Schwanz und Knochenschädel, die ihrer umfassenden Sippschaft gemäß, offenbar von Natur aus böse ist. Es rummst und kracht also ordentlich, Regie-Nachwüchsler Jordan Vogt-Roberts versäumt es jedoch glücklicherweise nicht, sein Spektakel mit einem regelmäßig-kräftigen Herzschlag zu versehen und somit die übliche Gefahr der allermeisten Effektorgien, sich über die rigorose Demonstration von Machbarkeiten hinaus selbst zu vergessen, weitgehend einkreist. Der Abschluss um John C. Reillys finale Heimkehr, die sehr charmant als Super-8-Film vor dem Abspann läuft, lässt es dann sogar noch einmal regelrecht eklektisch menscheln. Eine runde Sache, das.

7/10

THE LEGEND OF TARZAN

„No man ever started with less.“

The Legend Of Tarzan ~ USA/UK/CAN 2016
Directed By: David Yates

Die Kongo-Konferenz in den 1880ern sichert dem belgischen König Leopold II. gewaltige Befugnisse in der afrikanischen Kolonie zu, doch bereits gegen Ende des Jahrzehnts droht dem Monarchen der Bankrott. Um in den Besitz eines sagenhaften Diamentenschatzes zu kommen, stellt Leopold durch Leon Rom (Christoph Waltz), seinen Agenten vor Ort, dem Eingeborenenkönig Mbonga (Djimon Hounsou) die Übergabe seines alten Erzfeindes Tarzan (Alexander Skarsgård) in Aussicht, der seit mittlerweile acht Jahren als John Clayton, Lord von Greystoke in England die Privilegien seiner adligen Herkunft genießt. Unter einem Vorwand versuchen die Belgier, ihn zurück nach Afrika locken. Doch der clevere US-Diplomat George Washington Williams (Samuel L. Jackson), ein flammender Gegner der Sklaverei, riecht den Braten und überredet Clayton, vor Ort gegen die Umtriebe der Besatzer Widerstand zu leisten. Gemeinsam mit seinen früheren Verbündeten, Menschen und Tieren, ziehen Tarzan und Williams in den Kampf gegen Leopolds Armee, die Force Publique…

Ich bin stets sehr fasziniert gewesen von dem ganzen mythologischen Überbau, den die Tarzan-Saga seit ihren Wurzeln in der Pulp-Literatur vor rund 105 Jahren hinzugewann, der Wandlung der Figur in Film und Comic-Strips und nicht zuletzt den ungezählten Epigonen und Plagiaten. Dabei haben mir die populäreren Filme, vor allem die zwölfteilige Reihe mit Johnny Weissmuller, von dem dann Lex Barker übernahm; die höchst eigenwillige Interpretation von John Derek und schließlich Hugh Hudsons leider oft missverstandener, existenzialistischer Ansatz immer besonders gut gefallen, weil sie alle mir seit meiner – teils frühen – Kindheit sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Den Animationsfilm von vor drei Jahren habe ich mir wohlweislich erspart, wie ich rückblickend auch mit Yates‘ Interpretation hätte verfahren sollen. Das Ding geht nämlich mit Volldampf in die Binsen. So ziemlich alles, was am jüngeren Blockbusterkino als generisch und langweilig verurteilt wird, findet sich hier mit der Akkuratesse einer Checkliste abgearbeitet. Von der eigenwilligen Magie der Ur-Geschichte, einem fabulierfreudigen, in bislang unentdeckte, wildwuchernde Teile des afrikanischen Dschungels führenden Kolonialmythos, bleibt nichts mehr. Alexander Skarsgårds Tarzan ist ein ausgehöhlter, nur physisch schöner Heros, der mit selbstreflexiver Sicherheit um seine eigene Bedeutung als Popikone weiß und sich damit das Wasser der Glaubwürdigkeit innerhalb der Fabel vollständig abgräbt. Samuel L. Jackson – man muss ja mittlerweile für jeden Multiplexaufwasch dankbar sein, der ihn auch mal unauffällig ausspart – macht es sich gewohnt einfach: er transponiert seinen Nick Fury aus dem MCU kurzerhand in die viktorianische Ära, um einem historischeren Superhelden als den gewohnten Unterstützung zu leisten. Und der Waltz, der spult eben sein gewohntes, aber wie ich finde immer noch ansehnliches Bösewichtsrepertoire herunter. Andere langweilt er ja mittlerweile auch bloß noch. Margot Robbie indes führt die vermutlich egalste Jane vor, die es bisher im Kino zu sehen gab.
Was „The Legend Of Tarzan“ aber endgültig und mit aller Gewalt das Genick bricht, ist der umfassende CGI-Einsatz, der den gesamten Film zu einem unsäglichen, aseptischen Plastikabenteuer degradiert. Die Tiere, die Steppenlandschaften und selbst der Dschungel sind samt und sonders unecht und kommen aus dem Rechner und das Schlimmste: man sieht das zu jeder Sekunde. Wo früher noch phantasiebegabte Set-Dekorateure und Matte-Painter die Illusion tollkühner Lianenschwingerei zu erzeugen wussten, bleibt heute nurmehr die Klebrigkeit einer industriell gefertigten Fabriksüßspeise mit garantiert künstlicher Geschmacksrichtung. Dem gesamten Projekt gerät jede Leidenschaft abhanden; und selbst die eigentlich hübsche Phantastik-Idee, bösen Imperialisten mit einer Horde Seite an Seite mit Löwen und Krokodilen in den Kampf ziehenden Gnus zu Leibe zu rücken und diese nicht nur von der afrikanischen Küste hinfort, sondern gleich zurück bis nach Westeuropa zu jagen, rettet am Ende nichts mehr. Zwar bleibt die Versicherung, dass der Zauber des schwarzen Kontinents im Bedarfsfall auch die Fruchtbarkeit nährt, bloß führt sich jenes Vitalitätsversprechen angesichts des ihm zugrunde liegenden Films böse ad absurdum. Wo nichts ist, kann nichts wachsen.  

3/10

THE HATEFUL EIGHT

„Got room for one more?“

The Hateful Eight ~ USA 2015
Directed By: Quentin Tarantino

Der Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth (Kurt Russell) ist in einer Kutsche durch das verschneite Wyoming auf dem Weg zum Städtchen Red Rock, um dort seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) abzuliefern. Unterwegs liest er einen Berufsgenossen, den Ex-Unions-Offizier Marquis Warren (Samul L. Jackson) nebst drei bereits dahingeschiedenen „Klienten“ sowie den neuen Sheriff von Red Rock, Chris Mannix (Walton Goggins) auf, der auf dem Weg zu seinem Amtsantritt ist. Um einem heraufziehenden Schneesturm zu entgehen, sucht das Quartett Zuflucht in dem kleinen Lädchen von Minnie Mink (Dana Gourrier), die man jedoch nicht daheim vorfindet. Stattdessen befinden sich der alte Konföderierten-Veteran Smithers (Bruce Dern), ein Mexikaner (Demián Bichir), ein Engländer (Tim Roth) und ein Cowboy (Michael Madsen) in Minnies Haus an. Die folgende, bluttriefende Nacht wird keiner von ihnen überleben…

Wenn ein neuer Film von Quentin Tarantino die Leinwände der Welt heimsucht, dann geschieht dies niemals ohne bombastisches Trara, und ebensowenig ohne Aussparung des Jubilierens seiner umfassenden Anhängerschaft, die sein im Prinzip eindimensionales Rezitationskino regelmäßig und nach wie vor zur tollsten Angelegenheit seit Erfindung der Butterbrotdose verklärt. Diesmal hat Q.T. sich Ennio Morricone gekrallt, der schon seit einer halben Ewigkeit keine US-Produktion mehr vertont hatte und seinen dp Robert Richardson zudem mit dem seit fast fünfzig Jahren nicht mehr verwendeten Kameraformat Ultra Panavision 70 arbeiten lassen, das eine extrem breite Cadrage (im Seitenverhältnis 2,76:1) ermöglicht und zuvor lediglich für zehn Filme zu Zeiten von Hollywoods Silver Age (der letzte davon war Basil Deardens „Khartoum“) benutzt wurde. Der Grund für die schon damals seltene Verwendung dieses Aufnahmeverfahrens lag vor allem in der fehlenden technischen Ausstattung der Filmtheater: Um in den vollen Genuss der 70mm-Projektion mit all ihren bildästhetischen Vorzügen zu kommen, bedurfte es einer entsprechenden technischen Ausstattung. Da über diese weltweit nur wenige, große Kinos verfügten, erwies sich der sehr exklusive Aufnahmeprozess bald als allzu unökonomisch. Kommt jedoch ein querulanter Rotzlöffel vom Schlage eines Q.T. daher, selbstbekokst und narzisstisch wie man ihn kennt, dann wird plötzlich auch dies wieder ermöglicht – allerdings müsste man sich zu einem der wenigen, von der Roadshow beehrten Theater aufmachen, um wirklich etwas von dem 70mm-Vergnügen „The Hateful Eight“ haben zu können. Ob der Film, der noch mehr kostenlose PR dadurch erhielt, dass sein Script vorab geleakt wurde und der infolge dessen zunächst erst gar nicht mehr entstehen sollte, all jenen Aufwand rechtfertigt, kann ich ehrlich gesagt nicht sicher beurteilen. Er präsentierte sich mir als über weite Strecken passabel und zumeist unterhaltsam, ohne jemals in den Verdacht auch nur annähernder Brillanz zu geraten. Sicher erscheint mir vor allem, dass der Film durch Tarantinos Hang zur dialogischen Geschwätzigkeit etliche Minuten länger geworden ist, als er hätte sein müssen, können oder dürfen und somit vor allem ein neuerliches Zeugnis für die grenzenlose Selbsträson seines Autors geriert. Die angestrebte klaustrophobische Atmosphäre aus Carpenters „The Thing“-Remake, als dessen spezielle Avance „The Hateful Eight“ dem Vernehmen nach gedacht ist, erreicht der Film jedenfalls zu keiner Sekunde. Dafür muss Tarantino erstmal erwachsen werden und lernen, sich seine nicht selten aufdringlichen Hommages zu verkneifen sowie sich seinen unablässig bemühten, selbstreferenziellen Humor abzuschminken, der im Grunde jeden einzelnen seiner Filme zugleich immer auch zur Groteske und damit gleichfalls zur Komödie macht. Immerhin kann man Q.T. eine Eigenschaft nicht vorwerfen: die der kreativen Heterogenität.

6/10

THE LONG KISS GOODNIGHT

„The last time I got blown, candy bars cost a nickel.“

The Long Kiss Goodnight (Tödliche Weihnachten) ~ USA 1996
Directed By: Renny Harlin

Trotz einer retrograden Amnesie, die ihr gesamtes Leben bis vor acht Jahren völlig vernebelt, lebt die brave Hausfrau Samantha Caine (Geena Davis) glücklich mit Lebensgefährten (Tom Amandes) und Töchterchen (Yvonne Zima) in einer beschaulichen Kleinstadt in Pennsylvania. Ein Autounfall sorgt für erste, bruchstückhafte Erinnerungen an ihr früheres Dasein, parallel dazu findet auch der von Samantha beauftragte Privatdetektiv Mitch Hennessey (Samul L. Jackson) Hinweise auf ihre tatsächliche Biographie. Als ein einäugiger Verrückter (Joseph McKenna) Samantha in ihrem Haus attackiert, macht sie sich mit Mitch auf die Suche nach ihrem früheren Selbst. Die Wahrheit erweist sich als bleihaltiger denn befürchtet: Samantha ist in Wirklichkeit eine CIA-Killerin namens Charly Baltimore (Geena Davis), die einst während der Erfüllung eines Auftrags ins Meer stürzte und die Erinnerung verlor. Ihr damaliges Zielobjekt „Daedalus“ (David Morse) arbeitet jetzt mit der CIA zusammen. Diese plant, zu Zwcken der Budgeterhöhung durch den Kongress, einen islamistischen Terroranschlag vorzutäuschen. Samantha/Charly, die zwischenzeitlich wieder ganz ihre alte, knallharte  Persönlichkeit wiederentdeckt hat, und dem verdutzten Mitch bleiben nurmehr Stunden, um das „hausinterne“ Attentat zu verhindern…

Renny Harlins achte Regiearbeit, nach dem katastrophal gefloppten Piratenabenteuer „Cutthroat Island“ ein abermaliges Geschenk an seine damalige Ehefrau Geena Davis, hatte ich bis dato nur einmal, nämlich bei seinem damaligen Videostart, gesehen und fand ihn ehedem recht albern und blöd. Jetzt bekam ich Lust, ihn mir nocheinmal anzuschauen und gehe doch unerwartet versöhnt aus dem Wiedersehen hervor. „The Long Kiss Goodnight“, den, wie ich vor einiger Zeit in einem Interview mit ihm gelesen habe, Samuel L. Jackson als von all seinen Filmen als seinen ihm liebsten bezeichnet, was ja doch einer mittelschweren Adelung gleichkommt, fiel mir heuer vor allem als Baby des Scriptautors Shane Black ins Auge. Dieser kombinierte seinerzeit ja stets und in der Regel recht erfolgreich explosives und über die Maßen gewalttätiges Actionkino mit obligatorischer Heldenfolter durch die Bösewichte sowie trockenstem Humor und entsprechend knackigem Dialog, der sich hier insbesondere durch eine großzügige Sprüchekaskade seitens Jacksons sympathischer Figur abzeichnet. Dieser Mitch Hennessey, ein korrupter Ex-Cop, der sich nicht entblödet, sein schmales Privatdetektivs-Einkommen durch das eine oder andere krumme Geschäft aufzubessern, ist trotz Geena Davis‘ kaum minder intensiver Darstellung das eigentliche Herz des Films. Gerade aus der Buddy-Partnerschaft dieser beiden höchst gegensätzlichen Charaktere, die zwischenzeitlich sogar Ansätze einer möglichen (im Sinne der Storyline jedoch wiederum unmöglichen) Romanze zum Anklingen bringen, bezieht „The Long Kiss Goodnight“ viel von seinem Reiz. Doch auch sonst darf ich nunmehr konstatieren, dass Harlins Film zu den Vorzeigeexemplaren des im Vergleich zur Vorgängerdekade an Höhepunkten eher bescheidenen Actionkinos der Neunziger zählt, der wohl nicht zuletzt aufgrund der Herkunft des Regisseurs einen gesunden „europäischen“ Touch und damit eine recht spezifische Signatur besitzt und nur selten durch kleinere Redundanzen (damit meine ich den xten Moment, in dem Geena Davis als ihren Gender-Konterparts überlegene, knallharte Superkillerin mit lockerem Mundwerk veräußert wird sowie die eine oder andere rückblickend eher bescheiden in den Bildkader integrierte Kunstexplosion) an Qualität einbüßt. Diese Ausgrabung hat sich durchaus gelohnt.

7/10

AVENGERS: AGE OF ULTRON

„Nothing makes sense.“

Avengers: Age Of Ultron ~ USA 2015
Directed By: Joss Whedon

Nachdem die Avengers in dem osteuropäischen Kleinstaat Sokovia den „Hydra“-Kopf Baron von Strucker (Thomas Kretschmann) in seiner Festung ausfindig gemacht, besiegt haben und ihm Lokis magisches Zepter abgenommen haben, erwachsen ihnen in den Zwillingen Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro Maximoff (Aaron Taylor-Johnson) zwei gefährliche neue Feinde. Genetisch durch von Struckers Menschenexperimente verändert, besitzt Wanda gewaltige telepathische und telekinetische Kräfte, derweil Pietro über Supergeschwindigkeit verfügt. Eine von Wanda über Tony Stark (Robert Downey Jr.) ausgeschüttete Vision vom Ende der Welt lässt den eigenwilligen Wissenschaftler mithilfe des eroberten Zepters an einer neuen, künstlichen Intelligenz arbeiten, die im ausgereiften Zustand als Friedensbewahrer über die gesamte Erde wachen soll. Doch es kommt zu einer Fehlfunktion und „Ultron“ macht sich selbstständig. Wie weiland Frankensteins Monster sieht der wahnsinnige Android in seinem Schöpfer die persönliche Nemesis und in der Menschheit in ihrem gegenwärtigen Zustand die größte Bedrohung des Planeten. Ein erster Schlag Ultrons mithilfe der sich auf seine Seite schlagenden Maximoffs entfesselt den Hulk, der beinahe eine ganze afrikanische Stadt zerstört und bringt die Avengers an den Rand der Teamauflösung. Mithilfe Nick Furys (Samuel L. Jackson) jedoch rauft man sich wieder zusammen. Unerwartete Unterstützug kommt durch den disintegriert geglaubten Computer Jarvis, der als Android Vision (Paul Bettany) wieder aufersteht und die beiden Zwillinge, die, nachdem sie Ultrons wahre Pläne durchschaut  haben, zu den Avengers stoßen. Jetzt heißt es gemeinsam die Welt zu retten, den Ultrons teulischer Plan sieht vor, die gesamte menschliche Existenz zu vernichten.

Nachdem die Marvel-Verfilmungen und insbesondere die bei Disney lagernden, von Kevin Feige produzierten „MCU“-Abenteuer sich in der Regel großen Zuspruchs erfreuen durften, scheint der regelmäßig auftretende Enthusiasmus jetzt langsam abzuflauen. Josh Tranks „Fantastic Four“ gar wird so gnadenlos niedergemacht wie wohl schon seit Jahren keine Produktion dieser finanziellen Größenordnung mehr. In ihrer Gesamtheit insgesamt eine dennoch erwartungsgemäße Entwicklung; der Effekt des bahnbrechend neuen Blockbustersegments verflüchtigt sich zusehends, die Massen finden sich peu à peu übersättigt und verlangen nach Abwechslung und Alternativreizen. Die Konzeption, die Marvel jedoch vorschwebt, nämlich die Transponierung ihres gewaltigen Comic-Universums mit Tausenden von ausgearbeiteten Charakteren und dekadenlanger Historie auf das Medium Film und somit gleichermaßen heraus aus dem Ghetto der vergleichsweise wenigen Eingeweihten und hinein in das popkulturelle Massengeschehen, verlangt a priori eine gleichsam hochfrequentierte Schlagzahl an Filmen. Mont für Monat veröffentlicht Marvel Entertainment seit Jahrzehnten eine Schlagzahl von um die 50 Hefttiteln mitsamt diversen Crossovern, wechselseitigen Querverweisen, Reboots, Alternativrealitäten und Auswirkungen aufeinander, von den unregelmäßig erscheinenden graphic novels und Miniserien gar nicht zu reden. Eine solche Komplexität auch nur annähernd im Film zu erreichen, ist, zumal mit fetten Dollarnoten anstelle von Pupillen, unmöglich und selbst der noch immer gegenwärtige Versuch, eine halbwegs ebenbürtige Intertextualität im Film zu erreichen, scheint immer lautere, kritische Stimmen zu evozieren. Ein bereits etwas älteres, durchaus diskussionswürdiges Interview mit Alan Moore, der die Gesamtentwicklung im Superheldengenre, dem er selbst immerhin mancherlei Meriten verdankt, unerwartet pessimistisch beurteilt, spricht Bände. Wenn Superhelden und ihr kulturmedialer Einflussbereich überhaupt jemals im Pantheon der Hochintelligenzia angekommen sind, dann bittet man sie jetzt langsam, aber sehr bestimmt wieder zurück vor die Tür. Und ich prophezeie: die Massen werden folgen, das Kinophänomen in spätestens zehn Jahren (die Marvel- und DC-Schedules betreiben momentan cineastische Planungen bis 2028 bzw. 2020) möglicherweise bereits in rauchenden in Trümmern liegen. Wegen Übersättigung geschlossen – man kennt das.
Nun zu mir. Ich bin glücklicherweise nicht der einzige, der prinzipiell erstmal jeden (auch bloß angekündigten) Superheldenfilm mit offenen Armen erwartet und damit wohl tatsächlich einer jener Typen, die Moore als hoffnungslos regressiv und alarmierend gesellschaftskatastrophal denunziert. Muss ich mir deswegen Sorgen machen? Ich glaube kaum. Vielleicht sollte Alan Moore auch einfach bloß seine Dope-Connection wechseln und sich über relevantere „global issues“ den zottigen Kopf zerbrechen. So, jetzt war ich auch mal kurz reaktionär. Tut mir leid, gern geschehen.
Wenn man im MCU auf dem Laufenden bleiben möchte, ist man mehr oder gezwungen, jeden erscheinenden Film konzentriert zu studieren, das beweist jetzt auch „Age Of Ultron“. Das Figuren-Inventar wird nochmals deutlich erweitert, die „Infinity-Steine“ spielen wiederum eine bedeutsame Rolle, Thor muss sich auf „Ragnarök“ vorbereiten, zwischen Bruce Banner (Mark Ruffalo) und Natascha Romanov (Scarlett Johansson) entspannt sich eine zarte Beziehung, der Hulk verschwindet vorübergehend, Quicksilver muss sich just nach seiner Einführung gleich wieder heldenhaft opfern (sein „X-Men“-Pendant darf demnächst derweil weiterkreuchen) und Thanos macht nochmals den Abspann unsicher. Alles weist auf ein „noch größeres Spiel“ hin, dessen Drahtzieher unschwer zu erraten sein dürfte.
Doch halt: „Avengers: Age Of Ultron“ steht ja auch noch in einer mäßig bedeutenden Nebenfunktion als solitärer Film da, stimmt ja. In dieser Funktion, soviel ehrliche Kritik darf gestattet sein, reicht er an den Vorgänger nicht heran. Dieser besaß allerdings auch noch den unduplizierbaren Originalitätseffekt, als erste, große Kinoproduktion ein echtes „Super-Superheldentam“ zu liefern, der mithin zwangsläufig ausbleiben muss. Ein wenig unübersichtlich mutet der Film hier und da durch seine Präsentation zig verschiedener Baustellen an, von denen mehrere offen bleiben; der zentralafrikanische Staat Wakanda wird wie nebenbei eingeführt, der Schurke Klaw taucht auf, Stellan Skarsgård muss sich damit begnügen, verheizt zu werden. Um derlei Abrisshaftigkeiten zu vermeiden, hätte der Filmwahlweise eine gute dreiviertel Stunde Erzählzeit mehr benötigt (man liest jetzt schon von einem deutlich längeren „Assembly Cut“) oder etwas mehr restriktiver Ökonomie bedurft. Zudem erweist sich die sich in der narrativen Schlüssigkeit äußernde Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Kinobaustellen Disney / Fox (Sony entfällt jetzt jawohl zumindest) als zunehmendes Ärgernis. Jetzt müssen wir also zwei Maximoff-Geschwister-Paare akzeptieren, einmal (in ihrer adäquaten Comicform) als Mutanten, einmal als Teammitglieder der Avengers, die von Rechtswegen her mit ihrer korrekten Herkunftsgeschichte, den „X-Men“ und ihrem ordentlichen Vater Magneto nichts zu tun haben dürfen, weil die Marvel-Mutanten bei einem anderen Studio beheimatet sind. Sowas regt mich wirklich auf und tangiert den zehnjährigen fanboy in mir. Der ganze Rest, die luzide, filmische Unperfektion von „Age Of Ultron“ und das ganze Palaver um die Monetenscheffelei und Ausleierung des MCU kann mir gestohlen bleiben. Der Realität gewordene Traum, die gezeichneten Helden aus Kindertagen zum Leben erwacht bzw. erweckt zu sehen, steht alldem nach wie vor weit über.
…assemble!

8/10