CHOPPING MALL

„Thank you. Have a nice day.“

Chopping Mall (Shopping) ~ USA 1986
Directed By: Jim Wynorski

Voller Stolz präsentiert das Einkaufszentrum „Park Plaza Mall“ seine drei hochmodernen „Protektoren“- rollende Roboter, die nach Ladenschluss die Aufgabe haben, Diebesgesindel und andere Eindringline zu stellen und bis zur Ankunft der Polizei in Gewahrsam zu nehmen. Doch auch diese zukunftsweisende Technik ist keinesfalls ohne Tücken – ein Blitzeinschlag lässt die drei Maschinen zu gnadenlosen Killern werden, die ihr umfangreiches Waffenarsenal dazu verwenden, alles umzunieten, was sich in dem hermetisch verschlossenen, nächtlichen Gebäudekomplex bewegt. Dumm nur, dass ausgerechnet itzo vier junge Pärchen beschließen, insgeheim eine feuchtfröhliche Party in der Mall zu feiern. Bald gibt es die ersten Toten…

Die patenschaftliche Ägide über Jim Wynorskis zweiten, wiederum tollen Film übernahm Corman-Gattin Julie, was sich wiederum durch etliche Referenzen und Verweise äußert, die der Regisseur in seinen Settings unterbringt – seien es gut sichtbar ins Bild gesetzte Filmplakate jüngerer Corman-Produktionen (auch „The Lost Empire“ darf freilich nicht fehlen) oder witzige Cameos der Corman-Usuals Paul Bartel, Mary Woronov und Dick Miller. Nach einer humorigen Einführung der mehr oder minder sympathischen Party-Kids geht Wynorski dann auch ziemlich fix in medias res – die drei possierlichen Killbots, die wohl nicht von ungefähr ein klein wenig an Number 5 aus John Badhams  „Scort Circuit“ erinnern, garniert allerdings mit der zielstrebigen Attitüde des T-800, ballern ihre bunten Laserstrahlen schlecht gezielt und quer durch das Einkaufszentrum, wobei auch schonmal ein ganzer Kopf platzend verlustig geht. Immerhin ist Wynorski so gütig, die Pärchen jeweils kurz nacheinander das Zeitliche segnen zu lassen – so ist die Trauerphase jeweils nicht so lang. Dem altbekannten, ironisch gefassten Slasher-Prinzip gemäß bleiben am Ende natürlich die beiden unschuldigsten Teenager am Leben – jene nämlich, die sich an diesem Abend erst kennengelernt und braverweise als Einzige aus der Gruppe keinen koitalen Kontakt gepflegt haben. Everybody’s darling Barbara Crampton ist auch dabei, leider nicht als final girl, was ihr im Vergleich zu der zwar wackeren, aber etwas blassen Kelli Maroney durchaus zugestanden hätte.
Die anarchische Buntheit und die liebevollen production values des Vorgängers gehen „Chopping Mall“ zwar etwas ab, das macht er jedoch durch seine grellen Einfälle und die besonders Hermetik des Schauplatzes wieder wett. Still Wynorski at his very best.
Und dann kam „Deathstalker II“

7/10

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DEEPSTAR SIX

„It’s not just a job, it’s an adventure!“

DeepStar Six ~ USA 1989
Directed By: Sean S. Cunningham

Die elfköpfige Besatzung der submaritimen Navy-Station „DeepStar“, die unterseeische Plätze für Raketenabschussrampen finden und aufbereiten soll, gerät in die Bredouille, als sie in eine Höhle vorstößt, in der ein prähistorisches Monster lauert. Die ebenso hungrige wie wendige Kreatur kann entkommen, demoliert sukzessive die Maschinen und lebenserhaltenden Systeme und arbeitet sich langsam zur Hauptbasis der ihm ausgelieferten Männer und Frauen vor…

„DeepStar Six“ bildete gewissermaßen den weitesten Vorstoß des ehemaligen „Friday The 13th“-Regisseurs Sean S. Cunningham in massenkompatiblere Gefilde, bevor er sich weitgehend aufs Produzieren verlagerte. Wenngleich der von der damals just im Reüssieren begriffenen Firma „Carolco“ der beiden Immigranten Mario Kassar und Andrew Vajna hergestellte Film am Ende noch immer lupenreines Genrekino abgibt, konnte Cunningham weder zuvor noch danach je über ein vergleichbar hohes Budget verfügen. Entsprechend professionell gestaltet sich die Form von „DeepStar Six“, der sich immerhin des historischen Renommees erfreut, das erste Lichtspiel in einer ihm nachfolgenden, kleinen Welle phantastischer Unterwasser-Geschichten darzustellen. Ein recht amtliches Ensemble und Mac Ahlberg als dp sicherten unter anderem die professionelle Präsentation des Ganzen und sogar Harry Manfredini, dem hier ausnahmsweise anstelle eines einzelnen Synthesizers ein ganzes Orchester zur Verfügung stand, klingt plötzlich wie ein „richtiger“ Hollywood-Komponist. Die große Schwäche liegt derweil beim Look des – glücklicherweise recht selten auftretenden – Monsters, das als Zentralobjekt und Motor des gesamten Films immerhin einen sehr prominenten Status innehat. Das Vieh (ein „Anthropode“, wie Marius Weyers einmal höchst wissenschaftlich-kompetent in den Raum wirft) wirkt keineswegs so behende und bedrohlich, wie der Plot es dem Publikum weiszumachen trachtet, und tatsächlich sterben die meisten der Opfer gar nicht durch direkte Interaktion mit der Kreatur, sondern durch Unfälle und andere Missgeschicke.
Dennoch gefällt mir „DeepStar Six“ nicht zuletzt als Relikt seiner Zeit noch immer recht gut – er ist auf seine etwas naive Weise durchaus spannend, straight und wirkt zudem stets aufrichtig sowie beseelt von der Lust, seinem Publikum etwas Handfestes zu liefern. Das ist schon weitaus mehr, als man von vielem anderen (auch zeitgenössischem) Zelluloidausstoß behaupten kann.

7/10

WONDER WOMEN

„I don’t like long legs. They get in the way.“

Wonder Women (Liebesgrüße aus Fernost) ~ PH/USA 1973
Directed By: Robert Vincent O’Neill

Als überall auf der Welt spurlos Spitzensportler verschwinden, werden die Geheimdienste hellhörig. Spitzenagent Mike Harber (Ross Hagen) soll eine lose Spur in Manila aufnehmen, die über Umwege zu der kriminellen Organisation der verrückten Wissenschaftlerin Dr. Tsu (Nancy Kwan) führt. Diese hat eine Methode zur Verpflanzung jedes beliebigen Körperteils entdeckt und verschachert nun die Bestände ihres wachsenden Sammelsuriums an die global Meistbietenden. Harber muss gut aufpassen, denn bald schon liegt auch er unter Tsus Skalpell…

Grundsätzlich mäßig interessanter Bond-Spoof der gröberen Sorte, der es jedoch infolge der Unterstützung ein paar augenscheinlich kleiner Details zumindest ins Semi-Finale schafft. An erster Stelle wäre da selbstverfreilich die an Kalauern alles andere als arme, gut hörbar von Rainer Brandt oder Arne Elsholtz erstellte Synchronfassung zu nennen, die „Liebesgrüße aus Fernost“ zumindest für den bundedeutschen Betrachter verpflichtend begleiten sollte. Das vehement zwischen aufreizend-unpassend und abseitig oszillierende Nonsens-Gesäusel besitzt absolute Liebhaberqualitäten, etwa, wenn Ross Hagen sich mit der Stimme von Thomas Danneberg zur Anmache einer weiblichen Bar-Entdeckung anschickt: „Hallo, ich bin der Erbprinz von Salzufflen.“ Man könnte endlos weitere Beispiele aus jenem pathologischen Lyrikfundus zitieren.
Doch „Wonder Women“ hat noch etwas wirklich Tolles (in dem Falle sogar Ureigenes) zu bieten, das das tapfere Durchstehungsvermögen des Psychotronikfreundes fürstlich belohnt: die monströse Menagerie von Dr. Tsus (eine Art Sumuru-Plagiat, für das man sich immerhin die Physis von Nancy „Suzie Wong“ Kwan zu sichern wusste) medizinischen Fehlschlägen, die auf strohiger Unterlage hinter Gittern ihr entseelt-mutiertes Dasein fristen und natürlich bloß auf die überfällige, stumpfe Rache sinnen. Wehe, wenn sie losgelassen! Und freilich passiert beizeiten genau das, unter allem gebührlichen Getöse, wenn auch immer noch bedauernswert jugendfrei.
„Wonder Women“ belohnt den geneigten Entdecker also mit einer Menge antiräsonalem Schabernack, dem auszusetzen sich trotz manch eher fader Phase inmitten des auch mit 82 Minuten eigentlich noch immer viel zu langen Blödsinns eine Menge Freude bereitet. Oder bereiten kann – das liegt dann wieder bei jedem selbst.

6/10

THE NAVY VS. THE NIGHT MONSTERS

„It’s hard to imagine. Carnivorous trees that move on their own roots.“

The Navy Vs. The Night Monsters (Verhängnisvolle Fracht) ~ USA 1966
Directed By: Michael A. Hoey

Ein aus der Antarktis kommendes Flugzeug mit prähistorischen Vegeatationsproben an Bord steuert den Navy-Stützpunkt Gow Island im Südpazifik zur Zwischenlandung an. Einem unterbrochenen Notruf folgt eine Bruchladung auf der Insel und mit Ausnahme des katatonischen Piloten sind sämtliche Passagiere offenbar noch in der Luft von Bord gesprungen. Während die Pflanzenproben aufgetaut werden, sieht sich der stellvertretende Basiskommandant Brown (Anthony Eisley) bereits mit der Situation überfordert. Doch es kommt noch dicker: Die Bäumchen vom Südpol verwandeln sich in mannshohe Fressmaschinen, die in der Lage sind, sich selbst fortzubewegen und einen besonderen Appetit auf Menschen entwickeln…

Dieser eilends heruntergekurbelte Charmebolzen von einem Monsterfilm genießt in erlesenen Kreisen ein durchaus ansehnliches Renommee als Vorzeige-Schlock und bildet für jeden Freund billiger Gummikreaturen aus den fünfziger und sechziger Jahren gewissermaßen eine Pflichtveranstaltung. Der nominelle Regisseur und Autor Michael A. Hoey und seine (unkreditierten) Aushilfskräfte Jon Hall und Arthur C. Pierce lassen so ziemlich ziemlich kein einziges don’t unberücksichtigt, das sich für eine Produktion wie diese nur befleißigen lässt, von den statischen Bildern über den misslungenen Einsatz der DeLuxe-Kamera und die heillos überforderten Knallchargen (allen voran Busenwunder, Botoxschreck und Hobbywinzerin Mamie van Doren) nebst ihrer haarsträubenden Dialogzeilen bis hin zu den alles andere als angsteinflößenden Baummonstern, vor denen jedes nicht vollends verblödete Opfer problemlos im Spazierschritt fortlaufen könnte. Doch – wir wissen es alle – die Panik im Angesicht tödlicher Gefahr lässt einen mitunter zur Salzsäule erstarren. Zwischendrin gibt’s einen unerwarteten Goreeffekt, wenn einer der Soldaten seinen Arm abgerissen bekommt, dann ist es aber auch schon wieder vorbei mit jedweder Schrecknis. Am Ende kommt die Navy im Zuge einer gewaltig-pompös pronocierten Hurra-Aktion und macht den wandelnden Bäumen mit Napalm den Garaus. Die Pflanzenkreaturen nun als frühe Allegorie auf den im Unterholz lauernden Vietcong zu betrachten, wäre möglicherweise etwas weit hergeholt, dennoch drängen sich entsprechende Parallelen in Anbetracht des zeitgeschichtlichen Kontextes um die Entstehungszeit von „The Navy Vs. The Night Monsters“ zumindest unterschwellig auf.
Glücklicherweise erreicht der Spuk die 90-Minuten-Marke nicht ganz, so dass man sich gerade noch rechtzeitig entlassen wähnt. „Wähnt“, weil man zu diesem Zeitpunkt bereits selbst zum mehr oder minder willfährigen Opfer der Nachtmonster geworden ist. Sie kommen, um dich zu holen…

4/10

TERRORE NELLO SPAZIO

Zitat entfällt.

Terrore Nello Spazio (Planet der Vampire) ~ I/E 1965
Directed By: Mario Bava

Die beiden Zwillingsraumer „Galliott“ und „Argos“ landen auf dem öden Planeten Aura, nachdem sie von dort ein Notsignal empfangen haben. Außer wabernden Nebeln und einer Geröllandschaft entdeckt man zunächst nichts auf dem Planeten, doch das Verhalten einiger der Crew-Mitglieder ändert sich rasch auf fatale Weise – sie scheinen zu emotionslosen Wesen zu werden, die sich blind attackieren. Nur Captain Markary (Barry Sullivan) von der Argos bleibt besonnen. Bald entdeckt man, dass die Besatzung der Galliott, zu der unterdessen der Kontakt abgebrochen ist, ebenfalls einem kollektiven Amoklauf anheim gefallen ist und sich gegenseitig getötet hat. Kurz darauf verschwinden die Leichen, erwachen jedoch schon bald zu unheilvollem, neuen Leben – auf Aura sind nämlich geisterhafte, ätherische Wesen beheimatet, die die Fähigkeit haben, menschliche Wirtskörper nebst deren Verstand zu übernehmen. Bereits skelettierte Aliens an Bord eines alsbald entdeckten, außerirdischen Raumschiffwracks sind den Auraniern offenbar bereits vor langer Zeit unter ganz ähnlichen Bedingungen zum Opfer gefallen. Bald klärt sich ihr Motiv – die Auranier suchen fieberhaft nach einer Möglichkeit, ihren unbewohnbar gewordenen, kaputtgewirtschafteten Planeten zu verlassen und die Bevölkerung eines anderen zu unterjochen.

Nicht nur zum besten italienischen Science-Fiction-Film der sechziger Jahre ist diese rundum wunderhüsche Phantasmagorie von Maestro Bava geraten, sondern auch zu einem sich für das Genre gemeinhin als unerschöpflicher Inspirationsquell erweisendes Gesamtkunstwerk. „Terrore Nello Spazio“ blieb Mario Bavas einziger Ausflug ins Interstellare, Futuristische, was angesichts der rundgeschlossenen Erscheinung seines Weks kaum weiter verwundern sollte – hier hatte ein Filmemacher möglicherweise alles aus seiner Sicht Erschöpfende zum Thema gesagt und brauchte sich erst gar nicht weiter daran abzuarbeiten. Der erzählerische Einfluss auf etwa Ridley Scotts „Alien“ ist tatsächlich besonders eklatant, wenngleich zumindest das Paranoiaelement, dass „Terrore“ noch dicht bei den vor allem in den Fünfzigern entstandenen Gattungsvertretern verortet, darin entfällt. Doch es ist nicht allein der Status von Bavas Film als Tropenfundus, der ihn zu etwas ganz Besonderem macht, sondern vor allem seine unbändige Kreativität: Einen Film mit solch monetär geringen production values niemals einfältig, käsig oder plüschig wirken zu lassen, sondern ihm eine zeitlose Wirksamkeit an die Hand zu geben, sprich: ihn ernstzunehmen, daran haperte es damals ja beinahe schon im Regelfall. Für den zeitgenössischen Genreregisseur war es vielmehr gang und gäbe, sein Minimalbudget in eine der vorgefertigten Formen zu gießen und lieber mit wahllos freiwilligem oder (scheinbar) unfreiwilligem Humor zu jonglieren; sich gewissermaßen also der dezidierten Billignatur des Sujets bereitwillig auszuliefern, um sein popcornfressende teenage drive-in audience bloß nicht allzu häufig vom Knutschen abzulenken. Nicht so Bava – der investierte Ideen, Schöpferkraft und Geist und erwies sich insbesondere in diesem speziellen Falle als Regisseur von Weltformat. Die Schlusspointe trägt dem Ganzen nochmals Rechnung; hier holt man uns geradezu epiphanisch aus selbstsuggerierten Automatismen zurück. Zukunft? Erdastronauten? Wer hat davon eigentlich je etwas gesagt?

9/10

THE NEPTUNE FACTOR

„Unbelievable!“

The Neptune Factor (Die Odyssee der Neptun) ~ CAN 1973
Directed By: Daniel Petrie

Als gäbe es auf dem Untersee-Forschungslabor „Oceanlab“ nicht ohnehin schon genug personelle Probleme, rutscht der Komplex infolge eines Seebebens auch noch in eine tiefe, bislang unerforschte Spalte hinab. Kurzerhand wird der Maritimexperte Adrian Blake (Ben Gazzara) zum Unglücksort befördert, wo er sich mit dem Mini-U-Boot „Neptun“ auf die Suche nach der möglicherweise noch lebenden Besatzung von Oceanlab machen soll. Die beiden Taucher Mac (Ernest Borgnine) und Cousins (Donnelly Rhodes) sowie die Wissenschaftlerin Jansen (Yvette Mimieux) begleiten ihn auf dem gefährlichen Trip ins Ungewisse.

Während der sich dem Ende näherenden Betrachtrung von „The Neptune Factor“ musste ich unweigerlich an ein Zitat aus „Dr. No“ denken, als der Titelbösewicht James Bond eine Glaspanoramawand vorführt, die die hinter ihr befindlichen Fische optisch wie eine Lupe vergrößert: „Minnows pretending they’re whales.“ Genau solche sollen den Spannungsfaktor von Petries Film nämlich in die Höhe schrauben; die Tiefseespalte, in die Oceanlab gerutscht ist, beherbergt nämlich – zu allseitiger Überraschung – Fauna und Flora mit Riesenwuchs. Für die Effekt-„Zauberer“ keine besondere Aufgabe, galt es doch bloß, eine Miniversion der Neptun in ein handelsübliches Aquarium zu setzen. Ob nun Regisseur Petrie oder dp Harry Makin oder alle beide – man hatte offenbar ein ausgeprägtes Faible für die eingehende Beobachtung von hübschen Fischchen. Anders lässt sich die teils minutenlange, mitunter geradezu berauschte Inszenierung der entsprechenden Tiere wohl kaum erklären. Zur filmischen Dramaturgie trägt sie jedenfalls in keinster Weise bei, sondern gleicht vielmehr jedesmal einem behenden Tritt aufs Bremsdpedal. „The Neptune Factor“ ist ohnedies ein seltsamer Film. Sein Motivpool bedient sich zum einen bei notalgischer, naiver technical fiction wie der von Jules Verne, schielt zugleich aber auch zum soeben Kasse machenden Katastrophenkino mit prominenten Ensembles Marke Irwin Allen, dessen zwölf Jahre älterer „Voyage To The Bottom Of The Sea“, der zudem Walter Pidgeon in faktisch derselben Rolle vorführte, nochmals im Speziellen als Ideenbezug herhielt. Ben Gazzara, der sein Bankkonto ähnlich wie sein Freund John Cassavetes durch Engagements in Filmen wie diesen vor dem Dispo bewahrte, wird sich ins Fäustchen gelacht haben und der unverwüstliche Ernest Borgnine ist klasse wie eh und je. „The Neptune Factor“ erweist sich als vor allem für Liebhaber cineastischer Randnotizen und Fußnoten interessant – ein sehenswerter oder gar guter Film war und ist er ganz gewiss nicht, dafür ein exotisches Studienobjekt für künstlerische Ausfallerscheinungen. Und das ist bitteschön nett gemeint.

5/10

SPIDER-MAN: HOMECOMING

„If you’re nothing without the suit, then you shouldn’t have it.“

Spider-Man: Homecoming ~ USA 2017
Directed By: Jon Watts

Nach seinem von Tony Stark (Robert Downey Jr.) initiierten Europa-Einsatz gegen Captain America (Chris Evans) und seine Verbündeten träumt der New Yorker Teenager Peter Parker (Tom Holland) allenthalben von weiteren weltrelevanten Missionen als Spider-Man. Doch sowohl Tony Stark als auch dessen Adlatus Happy Hogan (Jon Favreau) reagieren eher genervt auf die fortwährenden, lästigen Anfragen Peters. Da erscheint mit dem früheren Unternehmer und Familienvater Adrian Toomes (Michael Keaton), der seit dem Kampf der Avengers gegen die Chitauri in Manhattan vor dem wirtschatlichen Ruin steht und daher mithilfe etwas von ihm entwendeter Alien-Technologie zum Superverbrecher geworden ist, ein lokaler Schurke auf der Bildfläche, den es zu stoppen gilt. Dumm nur, dass sich ausgerechnet Peters großer High-School-Schwarm Liz (Laura Harrier) als Toomes‘ Tochter entpuppt…

„Homecoming“, das bedeutet in diesem Falle natürlich: heim unter Dach und Fach, unter die Ägide des MCU und hinein in das „richtige“ filmische Marvel-Kontinuum. Es bedarf keines Abakus‘ um sicherzugehen, dass der von Disney und dem vormaligen Rechteinhaber Sony bezüglich der Figur Spider-Man und der entsprechenden Nebencharaktere ausgehandelte Multideal zu einem allseitig befriedigenden, wirtschaftlichen Konsens geführt haben dürfte. Trotz dieser nunmehr bereits dritten Neuinterpretation des beliebten Superhelden binnen nur 15 Jahren sollte ihr Gewinnpotential noch immer beträchtlich genug sein, um einen kapitalen Reibach nicht nur an den Kinokassen einzufahren. Die globalen Vermarktungsrechte für die Heimeditionen teilen Disney und Sony sich sorgsam und der Fan freut sich, dass Spidey nun endlich auf kostümierte Freunde und Bekannte treffen darf, wie er es etwa Monat für Monat in den allermeisten Ausgaben der in den Siebzigern und Achtzigern veröffentlichten Serie „Marvel Team-Up“ zu tun pflegte. Lediglich vermeintlicher Einzelgänger gehörte es im Prinzip stets zur guten Tradition Spider-Mans, dass er regelmäßig auf die Unterstützung anderer New Yorker Superhelden zurückgriff – oftmals etwa die von Human Torch, der ja mit seinen drei FamiliengenossInnen noch immer bei Fox herumdümpelt und dort bereits seines nächsten, gewiss wiederum kläglich versagenden Auftrittes harrt. In „Captain America: Civil War“ deutete es sich dann bereits auch im Film an: Strippenzieher Tony Stark versorgte Peter Parker mit einem von ihm selbst entworfenen High-Tech-Anzug, der seine Spinnenkräfte nochmals hervorragend ergänzte, respektive zur Geltung brachte. Nunmehr hat man sich nicht allein daran zu gewöhnen, dass just diese technische Innovation einen nicht unwesentlichen Teil von Spider-Mans Können mitbestimmt. „Homecoming“ greift auch weit zurück in der Charakterhistorie und macht aus Peter wieder einen fünfzehnjährigen Schüler, der sich von dem ewigen Bully Flash Thompson (Tony Revolori) nerven lassen muss und etwas nerdig daherkommt. Tante May (Teresa Parker), bei der Peter aufwächst, ist, aber auch dies war ja bereits bekannt, nunmehr kein schrumpeliges Mütterlein, sondern eine (noch) überaus gut bei Figur befindliche, knackige Frühfünfzigerin. Selbige bewohnt zudem kein Vorstadthäuschen, sondern ein zeitgemäßeres Hochhaus-Appartement.
Ein Latexkostüm und selbsterfundene Netzflüssigkeit für den Titelhelden sind angesichts solcherlei Modifikation ohnedies kaum mehr up to date; insofern passt die Renovierung und heimliche Mentorisierung durch Stark durchaus und bettet sich ordentlich in die erneuerte Kontinuität ein. Besonders wusste mich allerdings Michael Keaton als Vulture zu begeistern, der zwar auch nicht allzu viel mit seinem Comic-Vorbild gemein hat, dafür jedoch infolge seiner kantigen, zwischen sympathisch und diabolisch pendelnden Interpretation eine sehr schöne Filmpräsenz entwickelt und nach Alfred Molina als bis dato bester Leinwandgegner durchgeht. Was den ja unweigerlich zu begutachtenden Aktions- und Kinetikfaktor anbelangt, so verbleibt dieser an einer Hand abzählbaren Höhepunkten vorbehalten, somit angenehm moderat und weniger übersteigert denn in anderen jüngeren MCU-Produktionen; man möchte meinen, dass hier ein adäquates Maß gefunden wurde.

8/10