ALIEN: COVENANT

„I think if we are kind, it will be a kind world.“

Alien: Covenant ~ USA/UK/AUS/NZ/CN 2017
Directed By: Ridley Scott

Im Jahre 2104 reist das Kolonistenschiff „Covenant“ zum Planeten Origae-6, auf dem es lebensfreundliche Bedingungen gibt. Ein Raumsturm sorgt schließlich dafür, dass einige Crewmitglieder aus dem Hyperschlaf geholt werden. An Bord befindet sich zudem der Android Walter (Michael Fassbender), seinem einstigen Vorbild David (Michael Fassbender) zumindest äußerlich stark nachempfunden. Ein zufällig aufgefangener Funkspruch lässt sie auf einen nicht allzu weit entfernten Planeten aufmerksam werden, der ebenfalls für die Besiedlung durch Menschen geeignet scheint. Ein dorthin entsandter Expeditionstrupp muss diesen Eindruck jedoch bald revidieren: Es gibt keinerlei Tiere; stattdessen findet sich das Wrack eines außerirdischen Raumschiffs, das Hinweise auf einen früheren Kontakt mit der zehn Jahre zuvor verschwundenen „Prometheus“ enthält. Der zunächst unbemerkte Kontakt mit Killersporen, die in den von ihnen befallenen Wirtskörpern eine Frühform der aggressiven Xenomorphe heranwachsen lassen, versetzt die Raumfahrer schließlich in Panik. Für eine Flucht ist es jedoch bereits zu spät. Stattdessen eilt ihnen der hier vor langem gestrandete David zur scheinbaren Hilfe, der jedoch weitaus finsterere Pläne hat, als es zunächst den Anschein hat.

Grundsätzlich finde ich einen neuen „Alien“ eigentlich immer begrüßenswert. Ich mag die Reihe seit jeher, finde die Monster genuin toll und schätze die mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich hinter dem scheinbar simpel strukturierten Originalplot auftun. Ridley Scotts Originalfilm, den ich mittlerweile auswendig mitsprechen kann und allein in den letzten sechs Monaten zweimal gesehen habe, erfreut sich meiner persönlichen, ungebrochenen, eigentlich sogar stetig steigenden Beliebtheit. Seit Scott das Franchise mit dem Prequel „Prometheus“ quasi zurückerobert hat, droht er damit, dass er im Erfolgsfalle Ideen für etliche weitere Serienbeiträge im Ärmel hätte. Dieser Jüngste davon lässt angesichts solch hochtrabender Pläne allerdings nicht unbedingt frohlocken. Längst stehen die Xenomorphe überhaupt nicht mehr im Fokus, sondern bekleiden eher die Rolle bejubelnswerter Gaststars, angesichts deren rarer Auftritte man sich dann wohl noch erfreuen zeigen soll. Das Zentrum von „Alien: Covenant“ bildet vielmehr Michael Fassbender in seiner Doppelrolle als guter und als böser Androide mit leidlich genutztem Konfusionsfaktor.
Wenn man so will, vollzieht die Geschichte einen Brückenschlag zwischen dem „Alien“-Kosmos und Scotts anderer filmischen Großerrungenschaft, „Blade Runner“. Daran lässt bereits der Prolog keine Zweifel, der einen todkranken Peter Weyland (Guy Pearce) im prononciert „wagneresken“ Dialog mit seiner Großschöpfung David zeigt: Das ätherische, artifizielle Geschöpf hat seinen Vater an Perfektion längst übertroffen. Wie der weitere Verlauf zeigt, wird es darüberhinaus dereinst zum Wolf seiner Konstrukteure werden; es hat in einem Jahrzehnt des einsamen Sinnierens längst erkannt, dass der homo sapiens gewissermaßen „überholt“ ist, voll von Schwächen, und auf den Schrotthaufen der Evolution gehört. Die Aliens, wie wir sie seit anno ’79 (respektive die beängstigend pluralistische Ausprägung ihrer insektenatigen Organisation seit ’86) kennen, verdanken ihre endgültige Form als Waffe wider die Menschheit also einem von Menschen geschaffenen Androiden. Ob diese Kausalitätsenthüllung so brillant ist, wie Scott sie uns zu verkaufen trachtet, möchte ich dahingestellt lassen; immerhin war es einst ja gerade das die Xenomorphe umgebende, mysteriöse Element, das ihnen einen Großteil ihrer Originalität, Faszination und Bedrohlichkeit bescherte.
Da das Gegenwartskino sich aber nicht erst seit gestern innerhalb der gewaltigen Zwangsneurose bewegt, stets alles bis zum Erbrechen zu erklären und immer wieder aufs Neue durchdeklinieren zu müssen, sind Werke wie dieses wohl schlicht unvermeidbar. Immerhin ist „Covenant“ alles in allem kein dummer Film und hält zudem ein paar angemessen inszenierte Aktionsszenarien bereit. Doch reicht das?
Wie in vielen Präzdenzfällen, s. „Star Wars“, sollte man, so man sich „Covenant“ überhaupt ausliefern will, sich der Bereitschaft vergewissern, das Gestrige in Frieden ruhen zu lassen, die alte Weise, dass „früher sowieso alles besser“ war, geflissentlich beiseite schieben zu können und (vielleicht) zähneknirschend das fressen, was man vorgesetzt bekommt. Frei nach dem Motto: ein leerer Magen tut einem auch keinen Gefallen.

6/10

THE GIRL WITH ALL THE GIFTS

„If I had a box of bad things I’d put you in it and close the lid.“

The Girl With All The Gifts ~ UK/USA 2016
Directed By: Colm McCarthy

Nachdem eine Zombie-Seuche die Welt weitgehend entvölkert hat, arbeiten überlebende Wissenschaftler, allen voran Dr. Caldwell (Glenn Close), fieberhaft daran, ein Gegenmittel zu finden. Dabei behilflich sind ihnen Kinder von vor der Niederkunft infizierten Müttern, die sie gefangennehmen und zu Untersuchungszwecken eingesperrt haben. Eines dieser Kinder ist die etwa zehnjährige Melanie (Sennia Nanua), ein sehr liebenswertes, überaus intelligentes Mädchen, das mit dem Makel leben muss, von einem tödlichen Fressinstinkt heimgesucht zu werden, sobald es lebendes Fleisch riecht. Melanie kennt nur die Abschottung ihres kargen Gefängnisses, ihre Kontakte sind die sie bewachenden Soldaten, die emotionale Lehrerin Helen (Gemma Arterton) und die sie rein als Objekt wahrnehmende Caldwell. Als die Forschungsbasis von den Zombies überrannt wird, kann ein kleine Gruppe fliehen, darunter Caldwell, Helen, der Soldat Parks (Paddy Considine) und Melanie. Während das Mädchen mehr und mehr das Vertrauen der Gruppe gewinnen kann, bleibt Caldwell ihr gegenüber skeptisch. Als sie in London auf die Ursache der Seuche stoßen, eine gewaltige Pflanze, die infiziöse Sporen absondert, findet Melanie ihre wahre Bestimmung.

Mit Zombie-Filmen, insbesondere mit den im Shutter-Modus flitzenden Wutzombies, wie sie einst Danny Boyle mit „28 Days Later“ eingeführt hat, ist das so eine Sache. Spätestens mit jener forcierten Kinetisierung hat der Zombie als mediale Sagengestalt den endgültigen Sprung ins Videospielzeitalter vollzogen und sich seither durch eine gewaltige Schwemme unterschiedlichster Subgenre-Variationen so dermaßen exponiert, dass der gesamte Topos bis in seine letzten Winkel ausgeleuchtet und so um jedwedes finale Geheimnis beraubt wurde. Der Zombie der Ära Romero, ehedem ein Symbol für garantiert nicht jugendfreies Nischenkino, ist nach seinen finalen Kulminationspunkten in den Neunzigern mit Jacksons „Braindead“ und Soavis „Dellamorte Dellamore“ längst zum familienkompatiblen Massenkulturgut avanciert, das sich selbst in TV-Serials großflächiger Beliebtheit erfreut, sogar bei Menschen, die in seinem Angesicht vor dreißig Jahren noch verächtlich die Mundwinkel verzogen hätten. Zombie darf heute jeder. Umso schwieriger scheint es angesichts dieses Exklusivitätsverlusts, dem Sujet noch interessante Seiten zu entlocken. Den ersten Domestizierungsversuch eines Zombies gab es bereits 1985 in „Day Of The Dead“, einem der Meisterwerke des just verstorbenen George A. Romero. Darin versuchte ein über seine ehrbaren Ambitionen hinaus durchgedrehter Wissenschaftler, einen gefangengenommenen Untoten zu rezivilisieren, verschaffte ihm sogar einen Namen („Bub“) und damit zugleich eine Persönlichkeit. Freilich forderten jene Anstrengungen gleich mehrere hohe Preise. Melanie in „The Girl With All The Gifts“ ist eine direkte Nachfahrin von Bub, wenn man so will, seine Enkeltochter. Als freundliches, kleines Mädchen mit einem gewaltigen Handicap ist sie die Vorbotin einer neuen Zombie-Generation, pränatal infiziert, vernunftbegabt, vor physischen Verfallserscheinungen geschützt, trägt sie die Fackel ihrer Spezies in eine neue Ära und dreht den unsäglichen Spieß, unter dem sie ihr bisheriges, kurzes Leben zu leiden hatte, schließlich im wahrsten Sinne des Wortes um. Dass dies in McCarthys Film nicht nur symbolisch geschieht, verschafft ihm einen zusätzlichen Wert, insbesondere auf der Subgenreebene. Und das ist heuer durchaus ein Verdienst.

8/10

A CURE FOR WELLNESS

„I’m feeling much better now!“

A Cure For Wellness ~ USA/D 2016
Directed By: Gore Verbinski

Der bei einer New Yorker Bank arbeitende Yuppie Lockhart (Dane DeHaan) wird von der Firmenleitung damit knebelbeauftragt, vor Ort dem in einem exklusiven Kur-Ressort in den Schweizer Alpen weilenden Vorstandsmitglied Pembroke (Harry Groener) nachzuspüren und ihn zurück in die Staaten zu holen. Vor Ort angekommen, hat Lockhart einen Autounfall, der ihn mit einem gebrochenen Bein zurücklässt und ihn wider Willen selbst zu einem ungeplanten Aufenthalt in der Klinik nötigt. Alles dort ist seltsam – der mittlerweile aufgetauchte Pembroke, die anderen Patienten, der Chefarzt Volmer (Jason Isaacs), die junge, geheimnisvolle Hannah (Mia Goth), vor allem jedoch Volmers Therapiemethoden, die insbesondere den permanenten Genuss des angeblich heilsamen Quellwassers der Region vorsehen. Je länger Lockhart im Hause verwelt, desto mehr verschwimmen Halluzinationen und Realität. Was ist noch echt, was schon Albdruck?

Ein durchaus schöner, aktueller, von genießerischer Visualisierung getragener Horrorfilm und somit keine Selbstverständlichkeit. Irgendwo angesiedelt ist das inmitten von Guillermo del Toros „Crimson Peak“, dem erst kürzlich gesehenen „Saint Ange“ und ganz besonders Thomas Manns monumentalem „Zauberberg“, der vor allem eine nicht unwesentliche Rolle bei der Ersinnung der Geschichte um den marionettenhaft in de Ereignisstrudel geschubsten Banker Lockhart gespielt haben dürfte. Wie weiland vor rund einem Centennium für den Hamburger Hans Castorp in Davos verschwimmen für Lockhart irgendwann Zeit und Raum, wechseln realis und irrealis sich ab, wird sein Aufenthalt zu einer obskuren Mausefalle, von der man zunächst nicht recht weiß, ob sie einen Schutz vor der kapitalistisch pervertierten Außenwelt bietet oder doch wesentlich Sinistereres mit ihren Insassen vorhat. Große Finanzhaie und Manager verkehren in der Klinik des Dr. Volmer, allesamt nicht mehr die Jüngsten und alle trinken sie das Heilwasser aus der Zisterne unterhalb des Kurgebäudes, das seltsamerweise den Aal zu seinem Sinnbild ausersehen hat und weit oben auf einer nur höchst umständlich zu erreichenden Bergspitze ruht. Nach einigen höchst entsichernden Erlebnissen weiß man auch als kaum minder orientierungsloser Rezipient noch immer nicht recht, ob der sich verlierende Lockhart ein Opfer seiner persönlichen Traumata, die direkt dem Kannibalismus der internationalen Hochfinanz entspringen, ist oder ob die wirren Eindrücke tatsächlich realen Ursprungs sind. Die etwas campige, aber nichtsdestotrotz gut passende Auflösung verheißt schließlich Gewissheit. Dass sich davor eine der fiesesten „Zahnbehandlungen“ im Kino findet seit „The Marathon Man“ (Yuznas zwei „Dentist“-Filme sind dagegen geradezu Waisenknaben), sei an dieser Stelle ausdrücklich als Warnung verstanden.

8/10

LIFE

„Don’t open!“

Life ~ USA 2017
Directed By: Daniel Espinosa

Mit großen Erwartungen nimmt die internationale, sechsköpfige Crew der im Erdorbit schwebenden ISS eine vom Mars zurückkehrende Sonde entgegen, die nicht nur Bodenproben, sondern offenbar auch einen von dort stammenden Kleinstorganismus mit sich führt. Das winzige, von via Satellit zugeschalteten Schulkindern „Calvin“ getaufte Wesen entpuppt sich jedoch als wesentlich komplexer denn zunächst vermutet: Rasch wächst die amorphe, entfernt an einen Polypen erinnernde Kreatur heran und attackiert mit blitzartiger Geschwindigkeit die Crew – mit tödlichen Folgen. Schließlich bleibt den beiden letzten Überlebenden Jordan (Jake Gyllenhaal) und North (Rebecca Ferguson) nur die Enntscheidung, wie man Calvin am Effektivsten von der Erde fernhält.

Life on Mars? – But yes! Sich explizit an Ridley Scotts Original orientierende „Alien“-Rip-Offs gab es bis in die Neunziger hinein wie Sand am Meer, dann folgte eine kleinere Welle von Genrefilmen, in denen der Menschheit begegnende Extraterrestrier die Erde in invasorischer Größenordnung attackierten, gefolgt von oftmals vulgärphilosophischem Mystizismus-Quark, der die Außerirdischen als unfassbare, uns Erdbewohnern wahre Evolutionsschübe verabreichende Entitäten porträtierte. Ein possierliches Einzelmonster, das eine überschaubare Raumschiff- oder Raumstationscrew in Spielfilmlänge bis zum unausweichlichen Finalduell dezimiert, gab es indes schon seit Längerem nichtmehr im größer budgetierten Science-Fiction-Film. Der recht prominent besetzte „Life“ greift also ein zuletzt eher vernachlässigtes Genre-Segment auf, das sich seit jeher durch seine große Schnittmenge mit dem Horrorkino auszeichnet: Der künstliche, von der Erde losgelöste Himmelskörper tauscht seine Funktion als von Menschen geschaffenes, futuristisches Wunderwerk mit der des klaustrophobischen Gefängnisses, das für den ultra-anpassungsfähigen, mörderischen Fremdling gleichermaßen zum Jagdrevier avanciert. Calvin, so der durchaus niedliche Name des Marssprösslings, entpuppt sich dabei als wahrer Überlebenskünstler, der sogar den guten, alten Xenomorphen noch etwas vormachen könnte: Mithilfe seiner wirbellosen, wabernden Gestalt flutscht und huscht er in Windeseile durch alle Röhren und Gänge der ISS und hält es sogar längere Zeit im Vakuum des Alls aus, ohne weiteren Schaden zu nehmen. Entsprechend verständlich die Sorge der recht willkürlich zusammengestellten Multikulti-Astronautengruppe um die eigenen Existenzen und schließlich, nach der bitteren Erkenntnis, dass diese sowieso keinen Pfifferling mehr wert sind, um die Erde als Ganzes. Leider baut „Life“ mit zunehmender Erzählzeit etwas ab und fügt sich in die unausweichliche Vorhersehbarkeit: Während die ersten Studien rund um Calvin und vor allem sein erster Angriff, der dem keinesfalls unvorsichtig vorgehendeen Wissenschaftler Derry (Ariyon Bakare) gilt und dessen Hand in Mitleidenschaft zieht, noch vor gekonnten Spannungsschüben strotzen, wird es dann irgendwann beliebig und altbekannt. Dennoch finde ich es grundsätzlich erfreulich, dass im Stellaren spielendes Science-Fiction-Kino heuer doch nicht wie befürchtet zwangsläufig mit geistesblitzendem Krimskrams wie „Interstellar“ oder „Arrival“ assoziiert werden muss, sondern dass blood’n guts auch hier noch ihren Platz haben. Wenngleich ein paar Übungszüge bis zum wahrlich properen Freischwimmer zumindest in diesem Falle gewiss noch Not getan hätten.

7/10

THE PROJECTED MAN

„Take a good look! I’m a monster!“

The Projected Man (Frankenstein 70 – Das Ungeheuer mit der Feuerklaue) ~ UK 1966
Directed By: Ian Curteis

Unter stetigem Druck durch seinen Projektleiter Blanchard (Norman Wooland), der ihn am Liebsten vom Fleck weg schassen würde, arbeitet Dr. Paul Steiner (Bryant Haliday) an einer waghalsigen Experimentreihe, an deren Ziel die Projektion organischer Materie von einem Ort zum anderen steht. Hilfe erhält er von seinem Assistenten Mitchel (Ronald Allen) und seiner früheren Freundin Patricia (Mary Peach). Dennoch geht eine wichtige Demonstration in Gegenwart von Steiners früherem Mentor Lembach (Gerard Heinz) schief und Steiner wagt frustriert einen Selbstversuch, der katastrophal misslingt: Zwar vollzieht sich die Projektion, doch Steiner erscheint nach seiner vorübergehenden Auflösung als Monster mit halb entstelltem Gesicht und einer verbrannt aussehenden Kralle, die alles, was sie berührt, umgehend tötet. Jeder Versuch von Mitchel und Mary, den zunehmend wahnsinnig Werdenden zur Vernunft zu bewegen, scheitert…

Mit dem von der deutschen Titelschmiede aufgegriffenen „Frankenstein“- Ikonografie hat „The Projected Man“ faktisch gar nichts zu tun, mit Ausnahme vielleicht des ebenso genialen wie verschrobenen Wissenschaftlers im Zentrum der Ereignisse, der sich über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Schöpfung und Natur zu erheben versucht. Gut, der Mann heißt außerdem „Steiner“, was eine entsprechende Parallelisierung allerdings nicht zwangsläufig offensichtlich machen muss. Vielmehr steht Curteis‘ Film in der Tradition der im Zuge eines verhängnisvollen Selbstexperiments zu grauerregenden Monstren mutierenden mad scientists, die am Ende einen hohen Preis für ihre Freveleien zu bezahlen haben; angefangen bei Stevenson und Wells und in diesem speziellen Fall stark von der „The Fly“-Trilogie beeinflusst. Auch in jener ging es ja um Teleportation und einen massiv scheiternden Versuch, der das Genie zur Bestie werden ließ, wobei zumindest der physikalische Ansatz in „The Projected Man“ – der Titel verrät es bereits – sich geflissentlich vom Vorbild unterscheidet. Hier vermischen sich nicht etwa zwei Erbgüter von Mensch und Tier; die Veränderung des Erfinders vollzieht sich vielmehr ausschließlich durch die Tücken der unwägbaren Technologie. Heraus kommt ein optisches Pendant zum alten Batman-Gegner Two-Face, das zudem die mörderische Superkraft besitzt, allein durch die Berührung mit seiner Hand hochenergetische Stromschläge in seine ergo umgehend gerösteten Opfer zu jagen. Dass man angesichts solcher äußeren Umstände dem Irrsinn anheim fällt, ist da eine schon logische Schlussfolgerung.
„The Projected Man“ ist sichtbar billig hergestellt worden, entfaltet aber einen gewissen, sicherlich nicht eben problemlos herauszufilternden Charme, der ihn eben vor allem für Liebhaber verrückter Wissenschaftler goutierbar macht. Dass der Produzent John Croydon dem ursprünglichen Regisseur Ian Curteis gegen Ende der Dreharbeiten das inszenatorische Zepter entriss, macht sich nicht bemerkbar, ebensowenig wie die Tatsache, dass Bryant Haliday, der den bedauernswerten Dr. Steiner gibt, Mitbegründer der Filmpräservationsstätte Janus Films war, die sich wiederum zu einem wichtigen Partner von Criterion mauserte. All das macht aber gar nüscht.

5/10

LOGAN

„Beware the light.“

Logan ~ USA/AUS/CAN 2017
Directed By: James Mangold

Mexiko, 2029: Der Mutant James Howlett (Hugh Jackman) alias Logan alias Wolverine ist einer der Letzten seiner Art. Eine nicht näher benannte Katastrophe hat die übrigen X-Men in den Tod gerissen. Während seine Selbstheilungskräfte zunehmend schwinden und auch sein hohes Alter langsam seinen Tribut fordert, hat Logan sich als Mietchauffeur jenseits der Grenze eine kleine Fluchtexistenz aufgebaut. Seinen früheren Mentor Charles Xavier (Patrick Stewart), der unter schweren Demenzschüben leidet, hat er in seiner Obhut und versorgt ihn gemeinsam mit dem Albino Caliban (Stephen Merchant) mit den notwendigen Medikamenten. Als die kleine Laura (Dafne Keen) auftaucht, wartet eine letzte Mission auf Logan: Das Mädchen ist eine im Labor gezüchtete Mutantin auf Basis von Logans DNS, was ihn zu einer Art Vater macht. Der skrupellose Genforscher Rice (Richard E. Grant) plante Laura und einige andere Kinder zu gewissenslosen Biowaffen heranwachsen zu lassen, was die sich entwickelnden Persönlichkeiten der Kids jedoch durchkreuzten. Um sie vor der folgenden Euthanasie zu schützen, gelang es einer treusorgende, Krankenschwester (Elizabeth Rodriguez) Laura und ein paar andere Kinder in die Freiheit zu entlassen. Das Militär ist nun auf der Suche nach den gescheiterten Versuchsobjekten, um sie endgültig auszulöschen. Logan, der Professor und Laura machen sich, gejagt von Rice und seinen Leuten, auf den Weg nach Oklahoma, wo es angeblich eine letzte Zuflucht für verfolgte Mutanten geben soll…

Die Vorschusslorbeeren waren ja recht immens: Nach dem ziemlich infantil geratenen „Deadpool“ hatte die Fox also die Chuzpe, gleich noch einen zweiten Superheldenfilm mit R-Rating vom Stapel zu lassen. Dufte Sache. Nun sieht man die legendären Klauen von Wolverine (und die der putzigen, aber ebenso tödlichen Laura, die allerdings bloß zwei Krallen an jeder Hand hat) also nicht nur in die Opfer ein- sondern gleich auch wieder ausdringen. Dazu hat es noch einige Dekapitationen, was folglich für die eine oder andere deftige Gewaltspitze sorgt und „Logan“ phasenweise tatsächlich zu einem recht derben Schlachtfest macht, das sich allerdings nicht nur infolge seiner recht graphischen Erscheinung deutlich von dem bis dato gepflegten Regelwerk des Franchise abhebt. „Logan“ ist vor allem ein durchaus intimes, zuweilen sogar melancholisches Generationendrama, das einer kleinen, immens dysfunktionalen „Familie“ auf seinem unfreiwilligen Roadtrip durch den Südwesten der USA folgt. Dass der mittlerweile in Ehren ergraute Titelheld hierin dabei ist, seine letzten Tage zu durchleben, dürfte kein Geheimnis sein und auch für den im Filmkontext neunzigjährigen Professor Xavier und damit seinem (ersten) Stammschauspieler Patrick Stewart läuten die letzten Glocken. Vom einstmaligen Glanz der „School for Gifted Youngsters“ in Westchester ist nurmehr der karge Staub der mexikanischen Wüste geblieben; offenbar, das suggerieren einn paar Dialogzeilen, ist der mental schwer angegriffene Xavier selbst für die einstige Zerstörung seines zuvor mühselig aufgebauten Sanktuariums und damit auch der meisten X-Men verantwortlich. Hinzu kommt das kleine, vermeintlich stumme Mädchen, das Logans Erbmasse in sich trägt und ebenso zum animalischen Berserkertum neigt wie sein unfreiwilliger Genspender. Möglicherweise seien die Mutanten gar nicht der als solcher bezeichnete „homo superior“ und damit die Erben des herkömmlichen Menschengeschlechts, sondern bloß eine kurzlebige evolutionäre Extravaganz, heißt es einmal im Film. Die Abenddämmerung neigt sich herab. Das sich zunehmend in die Enge getrieben sehende Trio trägt also gewissermaßen eine langjährige Tradition zu Grabe, respektive macht es den Weg frei für eine kommende Generation neuer Mutanten, die wir in Form der im Kollektiv durchaus mächtigen, alleredings von Menschenhand geschaffenen Kinderclique sicherlich noch wiedersehen werden.
„Logan“ bildet nun vielleicht das große Meisterstück ab, zu dem es letzthin gern verklärt wurde, aber es ist ein schöner, herzerfüllter Beitrag zum filmischen „X-Men“-Kosmos und vor allem der gelungenste Teil der sich absplittenden Trilogie um den von Anfang an zur Leitfigur kultivierten Wolverine.

8/10

CALTIKI – IL MOSTRO IMMORTALE

Zitat entfällt.

Caltiki – Il Mostro Immortale (Caltiki – Rätsel des Grauens) ~ I 1959
Directed By: Riccardo Freda

Um den Grund für den großen Maya-Exodus im 9. Jahrhundert zu erforschen, reist Professor John Fielding (John Merivale) gemeinsam mit seiner Frau Ellen (Didi Sullivan) und einigen Kollegen in die mexikanische Ödnis, in die Nähe eines brodelnden Vulkans. Nachdem ein Expeditionsteilnehmer auf seltsame Weise zu Tode gekommen ist, werden die Eingeborenen nervös und Fielding hellhörig. Ein unterirdischer Tempel weist auf die uralte, unsterbliche Gottheit Caltiki hin, mit der Fielding alsbald unangenehme Bekanntschaft schließt: Bei Caltiki handelt es sich um ein gefräßiges, amorphes Wesen, das sich von Menschen ernährt und seine Opfer bis auf die Knochen aussaugt. Nur durch Feuer scheint die Kreatur sich bändigen zu lassen. Zurück in Mexiko City bekommt Fielding es dann mit gleich drei bedrohlichen Problemen zu tun: Sein Kollege und Freund Max Gunther (Gérard Herter), der von Caltiki angefallen und verstümmelt wurde, fängt an durchzudrehen, eine mitgenommenes Stück der Kreatur entwickelt neues Leben und ein Komet, auf den Caltiki höchst sensibel reagiert, passiert die Erde…

Fredas Monsterfilm, an dem auch Mario Bava emsig mitgewerkelt hat, ist ein echtes Liebhaberstück. Beeinflusst sowohl von den britischen Hammer-Vorläufern „X: The Unknown“ und „The Quatermass Xperiment“ als auch von dem bunten „The Blob“ schimmern immer wieder auch Anklänge an Lovecrafts Mythologiekonstrukt der „Großen Alten“ wieder: Caltiki entpuppt sich als eine uralte Kreatur außerirdischen Ursprungs, die durch ihren unaufhaltsamen Wuchs Menschheit und Erde bedroht. Wie es sich für einen veritables Monstervehikel jener Ära geziemt, wächst auch die Kraft Caltikis durch den Einfluss radioaktiver Strahlung – das weniger gallertartig denn nach überdiemsionalen Lederlappen aussehende Ungetüm ist insofern vor allem eine Replik auf den Zivilisationsstatus der es (oder vielmehr sie) erweckenden Tröpfe: Goldgier, Forschungsdrang und die geheimnisvolle Macht ungebändigter Naturkräfte ermöglichen erst das Wiedererwachen Caltikis, die seit Äonen gemütlich in ihrer vulkanischen Höhle vor sich hin gepennt hat und nun noch jeden Riesenaffen alt aussehen lässt.
Freda und Bava schaffen vor allem infolge überaus wirkungsvoller Tricks und Spezialeffekte (wobei ich zugeben muss, dass unförmige Wackelpudding-Aliens es mir seit jeher grundsätzlich angetan haben) Momente grandioser Schrecknisatmosphäre, die selbst kleine Albernheiten, wie den etwas unsinnigen Nebenplot um den von Caltiki infizierten Gunther, der immer verrückter wird, mit den Augen rollt, als gelte es, einen Wettbewerb zu gewinnen und zunehmend wirres Zeug daherstammelt, vergessen macht. Man spürt jederzeit und ganz deutlich, dass die beiden maestri ihre Sache ernst genommen und der möglicherweise einen oder anderen eher bescheidenen Bedingung zum Trotze gute Arbeit abzuliefern gedachten. Was ihnen gelang.

8/10