TERRORE NELLO SPAZIO

Zitat entfällt.

Terrore Nello Spazio (Planet der Vampire) ~ I/E 1965
Directed By: Mario Bava

Die beiden Zwillingsraumer „Galliott“ und „Argos“ landen auf dem öden Planeten Aura, nachdem sie von dort ein Notsignal empfangen haben. Außer wabernden Nebeln und einer Geröllandschaft entdeckt man zunächst nichts auf dem Planeten, doch das Verhalten einiger der Crew-Mitglieder ändert sich rasch auf fatale Weise – sie scheinen zu emotionslosen Wesen zu werden, die sich blind attackieren. Nur Captain Markary (Barry Sullivan) von der Argos bleibt besonnen. Bald entdeckt man, dass die Besatzung der Galliott, zu der unterdessen der Kontakt abgebrochen ist, ebenfalls einem kollektiven Amoklauf anheim gefallen ist und sich gegenseitig getötet hat. Kurz darauf verschwinden die Leichen, erwachen jedoch schon bald zu unheilvollem, neuen Leben – auf Aura sind nämlich geisterhafte, ätherische Wesen beheimatet, die die Fähigkeit haben, menschliche Wirtskörper nebst deren Verstand zu übernehmen. Bereits skelettierte Aliens an Bord eines alsbald entdeckten, außerirdischen Raumschiffwracks sind den Auraniern offenbar bereits vor langer Zeit unter ganz ähnlichen Bedingungen zum Opfer gefallen. Bald klärt sich ihr Motiv – die Auranier suchen fieberhaft nach einer Möglichkeit, ihren unbewohnbar gewordenen, kaputtgewirtschafteten Planeten zu verlassen und die Bevölkerung eines anderen zu unterjochen.

Nicht nur zum besten italienischen Science-Fiction-Film der sechziger Jahre ist diese rundum wunderhüsche Phantasmagorie von Maestro Bava geraten, sondern auch zu einem sich für das Genre gemeinhin als unerschöpflicher Inspirationsquell erweisendes Gesamtkunstwerk. „Terrore Nello Spazio“ blieb Mario Bavas einziger Ausflug ins Interstellare, Futuristische, was angesichts der rundgeschlossenen Erscheinung seines Weks kaum weiter verwundern sollte – hier hatte ein Filmemacher möglicherweise alles aus seiner Sicht Erschöpfende zum Thema gesagt und brauchte sich erst gar nicht weiter daran abzuarbeiten. Der erzählerische Einfluss auf etwa Ridley Scotts „Alien“ ist tatsächlich besonders eklatant, wenngleich zumindest das Paranoiaelement, dass „Terrore“ noch dicht bei den vor allem in den Fünfzigern entstandenen Gattungsvertretern verortet, darin entfällt. Doch es ist nicht allein der Status von Bavas Film als Tropenfundus, der ihn zu etwas ganz Besonderem macht, sondern vor allem seine unbändige Kreativität: Einen Film mit solch monetär geringen production values niemals einfältig, käsig oder plüschig wirken zu lassen, sondern ihm eine zeitlose Wirksamkeit an die Hand zu geben, sprich: ihn ernstzunehmen, daran haperte es damals ja beinahe schon im Regelfall. Für den zeitgenössischen Genreregisseur war es vielmehr gang und gäbe, sein Minimalbudget in eine der vorgefertigten Formen zu gießen und lieber mit wahllos freiwilligem oder (scheinbar) unfreiwilligem Humor zu jonglieren; sich gewissermaßen also der dezidierten Billignatur des Sujets bereitwillig auszuliefern, um sein popcornfressende teenage drive-in audience bloß nicht allzu häufig vom Knutschen abzulenken. Nicht so Bava – der investierte Ideen, Schöpferkraft und Geist und erwies sich insbesondere in diesem speziellen Falle als Regisseur von Weltformat. Die Schlusspointe trägt dem Ganzen nochmals Rechnung; hier holt man uns geradezu epiphanisch aus selbstsuggerierten Automatismen zurück. Zukunft? Erdastronauten? Wer hat davon eigentlich je etwas gesagt?

9/10

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THE NEPTUNE FACTOR

„Unbelievable!“

The Neptune Factor (Die Odyssee der Neptun) ~ CAN 1973
Directed By: Daniel Petrie

Als gäbe es auf dem Untersee-Forschungslabor „Oceanlab“ nicht ohnehin schon genug personelle Probleme, rutscht der Komplex infolge eines Seebebens auch noch in eine tiefe, bislang unerforschte Spalte hinab. Kurzerhand wird der Maritimexperte Adrian Blake (Ben Gazzara) zum Unglücksort befördert, wo er sich mit dem Mini-U-Boot „Neptun“ auf die Suche nach der möglicherweise noch lebenden Besatzung von Oceanlab machen soll. Die beiden Taucher Mac (Ernest Borgnine) und Cousins (Donnelly Rhodes) sowie die Wissenschaftlerin Jansen (Yvette Mimieux) begleiten ihn auf dem gefährlichen Trip ins Ungewisse.

Während der sich dem Ende näherenden Betrachtrung von „The Neptune Factor“ musste ich unweigerlich an ein Zitat aus „Dr. No“ denken, als der Titelbösewicht James Bond eine Glaspanoramawand vorführt, die die hinter ihr befindlichen Fische optisch wie eine Lupe vergrößert: „Minnows pretending they’re whales.“ Genau solche sollen den Spannungsfaktor von Petries Film nämlich in die Höhe schrauben; die Tiefseespalte, in die Oceanlab gerutscht ist, beherbergt nämlich – zu allseitiger Überraschung – Fauna und Flora mit Riesenwuchs. Für die Effekt-„Zauberer“ keine besondere Aufgabe, galt es doch bloß, eine Miniversion der Neptun in ein handelsübliches Aquarium zu setzen. Ob nun Regisseur Petrie oder dp Harry Makin oder alle beide – man hatte offenbar ein ausgeprägtes Faible für die eingehende Beobachtung von hübschen Fischchen. Anders lässt sich die teils minutenlange, mitunter geradezu berauschte Inszenierung der entsprechenden Tiere wohl kaum erklären. Zur filmischen Dramaturgie trägt sie jedenfalls in keinster Weise bei, sondern gleicht vielmehr jedesmal einem behenden Tritt aufs Bremsdpedal. „The Neptune Factor“ ist ohnedies ein seltsamer Film. Sein Motivpool bedient sich zum einen bei notalgischer, naiver technical fiction wie der von Jules Verne, schielt zugleich aber auch zum soeben Kasse machenden Katastrophenkino mit prominenten Ensembles Marke Irwin Allen, dessen zwölf Jahre älterer „Voyage To The Bottom Of The Sea“, der zudem Walter Pidgeon in faktisch derselben Rolle vorführte, nochmals im Speziellen als Ideenbezug herhielt. Ben Gazzara, der sein Bankkonto ähnlich wie sein Freund John Cassavetes durch Engagements in Filmen wie diesen vor dem Dispo bewahrte, wird sich ins Fäustchen gelacht haben und der unverwüstliche Ernest Borgnine ist klasse wie eh und je. „The Neptune Factor“ erweist sich als vor allem für Liebhaber cineastischer Randnotizen und Fußnoten interessant – ein sehenswerter oder gar guter Film war und ist er ganz gewiss nicht, dafür ein exotisches Studienobjekt für künstlerische Ausfallerscheinungen. Und das ist bitteschön nett gemeint.

5/10

SPIDER-MAN: HOMECOMING

„If you’re nothing without the suit, then you shouldn’t have it.“

Spider-Man: Homecoming ~ USA 2017
Directed By: Jon Watts

Nach seinem von Tony Stark (Robert Downey Jr.) initiierten Europa-Einsatz gegen Captain America (Chris Evans) und seine Verbündeten träumt der New Yorker Teenager Peter Parker (Tom Holland) allenthalben von weiteren weltrelevanten Missionen als Spider-Man. Doch sowohl Tony Stark als auch dessen Adlatus Happy Hogan (Jon Favreau) reagieren eher genervt auf die fortwährenden, lästigen Anfragen Peters. Da erscheint mit dem früheren Unternehmer und Familienvater Adrian Toomes (Michael Keaton), der seit dem Kampf der Avengers gegen die Chitauri in Manhattan vor dem wirtschatlichen Ruin steht und daher mithilfe etwas von ihm entwendeter Alien-Technologie zum Superverbrecher geworden ist, ein lokaler Schurke auf der Bildfläche, den es zu stoppen gilt. Dumm nur, dass sich ausgerechnet Peters großer High-School-Schwarm Liz (Laura Harrier) als Toomes‘ Tochter entpuppt…

„Homecoming“, das bedeutet in diesem Falle natürlich: heim unter Dach und Fach, unter die Ägide des MCU und hinein in das „richtige“ filmische Marvel-Kontinuum. Es bedarf keines Abakus‘ um sicherzugehen, dass der von Disney und dem vormaligen Rechteinhaber Sony bezüglich der Figur Spider-Man und der entsprechenden Nebencharaktere ausgehandelte Multideal zu einem allseitig befriedigenden, wirtschaftlichen Konsens geführt haben dürfte. Trotz dieser nunmehr bereits dritten Neuinterpretation des beliebten Superhelden binnen nur 15 Jahren sollte ihr Gewinnpotential noch immer beträchtlich genug sein, um einen kapitalen Reibach nicht nur an den Kinokassen einzufahren. Die globalen Vermarktungsrechte für die Heimeditionen teilen Disney und Sony sich sorgsam und der Fan freut sich, dass Spidey nun endlich auf kostümierte Freunde und Bekannte treffen darf, wie er es etwa Monat für Monat in den allermeisten Ausgaben der in den Siebzigern und Achtzigern veröffentlichten Serie „Marvel Team-Up“ zu tun pflegte. Lediglich vermeintlicher Einzelgänger gehörte es im Prinzip stets zur guten Tradition Spider-Mans, dass er regelmäßig auf die Unterstützung anderer New Yorker Superhelden zurückgriff – oftmals etwa die von Human Torch, der ja mit seinen drei FamiliengenossInnen noch immer bei Fox herumdümpelt und dort bereits seines nächsten, gewiss wiederum kläglich versagenden Auftrittes harrt. In „Captain America: Civil War“ deutete es sich dann bereits auch im Film an: Strippenzieher Tony Stark versorgte Peter Parker mit einem von ihm selbst entworfenen High-Tech-Anzug, der seine Spinnenkräfte nochmals hervorragend ergänzte, respektive zur Geltung brachte. Nunmehr hat man sich nicht allein daran zu gewöhnen, dass just diese technische Innovation einen nicht unwesentlichen Teil von Spider-Mans Können mitbestimmt. „Homecoming“ greift auch weit zurück in der Charakterhistorie und macht aus Peter wieder einen fünfzehnjährigen Schüler, der sich von dem ewigen Bully Flash Thompson (Tony Revolori) nerven lassen muss und etwas nerdig daherkommt. Tante May (Teresa Parker), bei der Peter aufwächst, ist, aber auch dies war ja bereits bekannt, nunmehr kein schrumpeliges Mütterlein, sondern eine (noch) überaus gut bei Figur befindliche, knackige Frühfünfzigerin. Selbige bewohnt zudem kein Vorstadthäuschen, sondern ein zeitgemäßeres Hochhaus-Appartement.
Ein Latexkostüm und selbsterfundene Netzflüssigkeit für den Titelhelden sind angesichts solcherlei Modifikation ohnedies kaum mehr up to date; insofern passt die Renovierung und heimliche Mentorisierung durch Stark durchaus und bettet sich ordentlich in die erneuerte Kontinuität ein. Besonders wusste mich allerdings Michael Keaton als Vulture zu begeistern, der zwar auch nicht allzu viel mit seinem Comic-Vorbild gemein hat, dafür jedoch infolge seiner kantigen, zwischen sympathisch und diabolisch pendelnden Interpretation eine sehr schöne Filmpräsenz entwickelt und nach Alfred Molina als bis dato bester Leinwandgegner durchgeht. Was den ja unweigerlich zu begutachtenden Aktions- und Kinetikfaktor anbelangt, so verbleibt dieser an einer Hand abzählbaren Höhepunkten vorbehalten, somit angenehm moderat und weniger übersteigert denn in anderen jüngeren MCU-Produktionen; man möchte meinen, dass hier ein adäquates Maß gefunden wurde.

8/10

 

 

HANGAR 18

„As long as Hangar 18 exists, the problem exists.“

Hangar 18 (Geheimsache Hangar 18) ~ USA 1980
Directed By: James L. Conway

Nachdem die beiden Astronauten Steve Bancroft (Gary Collins) und Lew Price (James Hampton) im Orbit Zeuge einer Kollision wurden, die einen Kollegen das Leben kosten und an der offenbar ein UFO beteiligt ist, wundern sie sich bei ihrer Rückkehr zur Erde nicht schlecht, als die ganze Angelegenheit von höchster Stelle unter den Tisch gekehrt werden soll. Die Öffentlichkeit soll nichts erfahren von dem außerirdischen Flugobjekt, das mittlerweile über Arizona niedergegangen ist und in einer Air Force Base gelagert und untersucht wird. Hinweise innerhalb des UFOs ergeben nicht nur, dass die Aliens die Erde offenbar emsigst studiert haben, sondern, dass es irgendwo im All noch ein weit grö0ßeres Mutterschiff geben muss. Bancroft und Price versuchen indes, verfolgt von Killern der Regierung, auf eigene Faust zu dem ominösen „Hangar 18“ vorzudringen und dessen so penibel abgeschirmten Inhalt zu sehen. Der U.S.-Präsident (Robert Vaughn) trifft derweil eine verhängnisvolle Entscheidung…

Um den Hangar 18 der tatsächlich in Ohio situierten „Wright-Patterson Air Force Base“ ranken sich bereits seit etlichen Jahrzehnten Gerüchte um die Erforschung von Alien-Technologie und geheime UFO-Labore. Conways „Hangar 18“, ein mit relativ bescheidenem Budget hergestelltes, unabhängig produziertes Science-Fiction- und Verschwörungsdrama, machte sich dieses naseweise Blabla zunutze, um seiner Geschichte eine möglichst realitätsverbundene Prägung zu verschaffen; sprich: das Endprodukt durch vermeintliche Geltungsschübe gehörig aufzupeppen. Leider nutzte ihm das wenig; „Hangar 18“ ist ein auf TV-Film-Niveau inszeniertes, biederes Stück Film, das größere Vorbilder wie Peter Hyams‘ „Capricorn One“, wenngleich jener ganz ohne Aliens und UFOs auszukommen hatte, nicht das Wasser reichen kann. Im Prinzip erzählt der Film zwei parallel zulaufende Geschichten, zum einen die um die zwei Astronauten Bancroft und Price, die sich nicht mit billigen Ausflüchten und Abwinkversuchen ihrer Vorgesetzten betreffs der Ereignisse im All zufrieden geben wollen und daher unerlaubt selbstständige Recherchen anstellen und zum Anderen die der Wissenschaftler, die mit dem UFO befasst sind und das Innenleben des Raumschiffs erkunden. Während die Odyssee der zwei Helden wider Willen zumindest noch hier und da etwas Spannung zu evozieren vermag, krankt vor allem zweitere Erzählung an Einfalt und einer bald grassierenden, spürbaren Lustlosigkeit. Kein Wunder, dass „Hangar 18“ im gewaltigen Sternenfeuer der großen, spektakulären SciFi-Produktionen jener Jahre recht sang- und klanglos verglühen musste.

5/10

I AM LEGEND

„I can fix. I can fix this.“

I Am Legend ~ USA 2007
Directed By: Francis Lawrence

Manhattan, nach einer weltweit grassierenden Seuche. Ein ursprünglich als Heilmittel für Krebs geschaffenes Serum hat nahezu die gesamte Menscheit hinweggerafft. Auf der Suche nach Überlebenden und einem möglichen Heilmittel durchstreift der Virologe Robert Neville (Will Smith) gemeinsam mit seiner Schäferhündin Sam als letzter Überlebender die leergefegten Straßen der Metropole. Nicht so jedoch des Nachts, denn da kommen die „Darkseekers“, mutierte Vampire, aus ihren Löchern und suchen nach Opfern. Immer wieder kommt es zu Beinahe-Konfrontationen, denen Neville stets knapp entgehen kann. Schließlich gelingt es ihm, einen weiblichen Vampir (Joanna Numata) gefangenzunehmen und zu Studienzwecken einzusperren. Als Sam nach einer Attacke durch vampirisierte Hunde infiziert wird und Neville sie töten muss, verliert er jeden weiteren Lebenswillen. Die mit dem kleinen Ethan (Charlie Tahan) Umherreisende Anna (Alice Braga) rettet ihn in letzter Sekunde vor den Darkseekers und versucht ihn zu überzeugen, dass es in Vermont ein Überlebendencamp gibt. Die Darkseekers sammeln sich derweil, um Nevilles Haus zu attackieren…

Und gleich noch die bis dato jüngste Adaption des gleichnamigen Matheson-Romans hinterher. Gute zwölf Jahre schlummerte Francis Lawrences „I Am Legend“ zunächst in der development hell, bis er dann doch schließlich doch noch realisiert werden konnte. Wie auch seine beiden Vorgänger von 1964 bzw. 1971 macht diese dritte Verfilmung der zugrunde liegenden Geschichte Richard Mathesons keine Schande, wenngleich auch sie vermutlich nicht das mögliche Optimum darstellt. Von der West- zur Ostküste verlagert, tingelt der einsame Robert Neville nun durch Manhattan statt durch Downtown L.A., was noch höhere Hochhausschluchten und vermutlich eine noh anoymere Urbanität gewährleistet. Den Hund aus Mathesons Vorlage verehrte man dem tragischen Helden diesmal zurück, wobei Nevilles Beziehung zu ihm diesmal eine noch sehr viel intimere ist: Sam ist nämlich das letzte Bindeglied zwischen dem Protagonisten und seiner bei einem Helikopterunfall im Zuge der ersten Evakuierungen verstorbenen Familie, wobei die Hündin – damals noch ein Welpe – einst Nevilles kleiner Tochter (Willow Smith) gehörte. Insofern geht mit ihrem (überaus traurig inszenierten) Ableben verständlicherweise auch Nevilles letzter Überlebenswille dahin – ein zum Scheitern verurteilter Amoklauf gegen die Darkseekers ist die letzte Konsequenz. Doch glimmt wie in der 1971er-Version von Boris Sagal auch hier am Ende nochmals neue Hoffnung auf; die Menschheit ist noch nicht ganz am Ende und Neville ist, zumindest in der Filmfassung mit dem alternativen Ende, noch nicht so sehr Legende, dass er zum Mythos werden muss (in der Kinoversion sprengt er sich heldenhaft selbst in die Luft, um Anna und Ethan die Flucht mitsamt einem kurz zuvor von ihm entdeckten Heilmittel zu ermöglichen). Stattdessen atmet dieses sehr viel gelungenere, weniger pathetische Ende einen geradezu humanistischen Hauch. Neville erkennt, wie sein literarisches Gegenstück, dass er selbst für seine Gegenseite längst zum gefürchteten, mörderischen Wolf avanciert ist. Er hat dem Anführer (Dash Mihok) der Darkseekers seine Gefährtin entführt und an ihr zu Forschungszwecken herumexperimentiert. Das Einzige, was sein Gegenspieler möchte, als er in Nevilles Haus eindringt, ist mitnichten Tod und Rache, sondern schlicht die Übergabe seiner Geliebten. Die nachfolgende Erkenntnis, dass auch er ein Monster ist – zumindest in den Augen der Monster – erweist sich als ebenso niederschmetternd wie augenöffnend für Neville. Er kann einem neuen Lebensabschnitt entgegensehen, vielleicht in Vermont.

7/10

THE OMEGA MAN

„I’m sorry you didn’t make it.“ – „Sorry the world didn’t make it.“

The Omega Man (Der Omega-Mann) ~ USA 1971
Directed By: Boris Sagal

Los Angeles in naher Zukunft: Als vermeintlich letzter Mensch auf Erden durchstreift Dr. Robert Neville die nach einem mit B-Waffen geführten Krieg der Großmächte die entvölkerte Stadt, immer auf der Suche nach einem Heilmittel und möglichen weiteren Überlebenden. Im Dunkeln lauert derweil „Die Familie“, eine größere Gruppe wahnsinnig gewordener, albinöser Mutanten angeführt von dem früheren Nachrichtensprecher Matthias (Anthony Zerbe), die das Armageddon ebenfalls überlebt haben und die das Ziel verfolgen, sämtliche verbleibende Technologie auf Erden zu vernichten. In Neville sehen sie ein Symbol der Forschung und somit des unweigerlichen Untergangs, was ihn in ihren Augen zum Tode verurteilt. Doch es gibt noch weitere Überlebende außerhalb des Stadtzentrums, darunter die wehrhafte Lisa (Rosalind Cash), ihr bereits infizierter Bruder Richie (Eric Laneuville) und der vormalige Medizinstudent Dutch (Paul Koslo). Durch das Treffen mit ihnen schöpft Neville neuen Lebensmut. Er verliebt sich in Lisa und es gelingt ihm sogar, Richie mittels eines aus seinem Blut destillierten Serums zu heilen. Doch Matthias und seine Getreuen sind nach wie vor hinter ihnen her…

Die zweite Adaption des Matheson-Romans „I Am Legend“ (nur sieben Jahre nach Salkows und Ragonas „L’Ultimo Uomo Della Terra“) dreht die Prämisse der Vorlage etwas: Darin sieht sich der Protagonist einer gewaltigen Überzahl von infolge der biologischen Kriegsführung entstandenen Vampiren gegenüber, die sich mit den „klassischen“ Gegenmitteln wie religiösen Symbolen oder Knoblauch bekämpfen lassen. Dieser etwas einfältigen Monsterplage zum Trotz ist und bleibt Mathesons Buch ein eminenter Motivlieferant für das Phantastische, denn viral bedingte Seuchen, wobei diese heute eher zombieeske Kannibalen und/oder entgeisterte Wüteriche hervorbringen, gibt es nach wie vor zuhauf in Film, Literatur und Computerspiel. Der Roman endet schließlich mit der Erkenntnis des Protagonisten, dass er selbst innerhalb der neuen Weltordnung zu einem mythologischen Horrorwesen geworden ist; nunmehr ist er als Massenmörder derjenige, vor dem die Infizierten in Furcht leben, in etwa so, wie Vampire uns gewöhnlich Schrecken einjagen.
Von den bislang drei Verfilmungen ging keine so weit, ein solch hohes Maß ans Selbstreflexion walten zu lassen. Vielmehr sind sie durchweg solide bis gute Genreware nebst den üblichen Standardisierungen, die vor allem als Spiegel ihrer jeweiligen Enstehungszeit Bestand haben. „The Omega Man“, gewissermaßen der Mittelteil einer apokalyptischen Trilogie von Science-Fiction-Filmen mit dem nicht mehr ganz jungen Charlton Heston (eingerahmt von „Planet Of The Apes“ und „Soylent Green“), ist stilistisch und auch mental ein libertines Kind der Frühsiebziger. Schon die überaus selbstbewusst bis umschweifelos geführte Sexualbeziehung zwischen dem etwas verknitterten Monumentalhaudegen und der Quasi-Black-Panther-Heroine Rosalind Cash bürgt für ein neues gesellschaftliches Selbstverständnis. Die stark an eine Sekte religiöser Fanatiker erinnernde „Familie“ des unheimlichen Matthias, die jedweden wissenschaftlichen Fortschritt gleichsetzt mit Tod und Zerstörung (also ihrer eigenen Entstehungsgrundlage), steht für blinden Atavismus und Regression. Dass Heston, dem Moses und Ben-Hur noch immer in den Knochen sitzen, am Ende als messianischer Heilsbringer den Märtyrertod stirbt, mag sich da wiederum nicht ganz in die übrige Tönung dieses vor allem stilistisch und somit als Regisseursfilm immens gelungen Werkes einpflegen. Dennoch muss ich sagen, dass mir „The Omega Man“ nach der jüngsten Betrachtung so gut gefallen hat wie nie zuvor.

8/10

THE MAN WHO CHANGED HIS MIND

„Most of me is dead. The rest of me is damned.“

The Man Who Changed His Mind (Der Mann, der sein Gehirn austauschte) ~ UK 1936
Directed By: Robert Stevenson

Die Nachwuchschirurgin Clare Wyatt (Anna Lee) meldet sich bei dem zurückgezogen forschenden Gehirnexperten Dr. Laurience (Boris Karloff), um ihm zu assistieren. Laurience, dessen einziger Freund sein zynischer, im Rollstuhl sitzender Adlatus Clayton (Donald Calthrop) ist, offeriert Clare, dass er einen Weg gefunden hat, die Gehirnmuster eines Lebewesens mit denen eines anderen zu vertauschen, dass also eine vollständige Übertragung des Geistes möglich ist. Was bisher bei Schimpansen funktionierte, will Laurience nun auch an Menschen erproben. Die finanzielle Bezuschussung erhält er durch den reichen Pressemogul und Gönner Haslewood (Frank Cellier), dessen Sohn Dick (John Loder) Clares Freund ist. Doch Laurience wird öffentlich verlacht, eine erste Demonstration geht schief und der frustrierte Wissenschaftler tauscht kurzerhand den Geist Haslewoods mit dem des sterbenden Clayton. Lauriences Wahn ergreift mehr und mehr Besitz von ihm. Schließlich will er Clare für sich haben und fasst einen weiteren, perfiden Plan…

Ein berufsbedingter Ausflug in die Alte Welt führte Boris Karloff ins Königreich, wo er unter der Ägide der Gainsborough Pictures (Produktion), der Gaumont British (Verleih) und der Inszenierung des späteren Disney-Regisseurs Robert Stevenson dieses erstklassige Mad-Scientist-Movie bespielte. Die verführerische Diabolik des Sinistren lastet diesmal allerdings nicht allein auf seinen Schultern; mit seinem nicht minder hinterlistigen Freund Clayton kann er zumindest, so lange dieser ihm von Nutzen ist, auf einen „gleichwertigen“ Kompagnon setzen. „The Man Who Changed His Mind“ (der in William K. Eversons im Rahmen von Goldmanns Citadel-Reihe erschienen Standardwerk „Klassiker des Horrorfilms“ so wunderhübsch eingedeutscht wurde als „Der Mann, der es sich anders überlegte“) hält den Vergleich mit jeder aus dieser Zeit stammenden, phantastischen Studioproduktion aus Hollywood Stand und zieht sämtliche, teils bereits standardisierten Register: Der zauselige, zwangselixierte Wissenschaftler in seinem gräulichen Provinzhaus mitsamt Versuchsaffen, der sein Genie infolge ihn missverstehender Kollegen für das Böse missbraucht und schließlich zum Mörder wird, die schöne, wissbegierige Nachwuchswissenschaftlerin, die bei ihm an der denkbar falschesten Adresse ist und schließlich eine unglückliche Liebe, die das diesmal sehr menschliche Biest am Ende zu Fall bringen wird. Immerhin – auch diesmal ist Karloffs Figur nicht durchweg verloren; sterbend bereut Dr. Laurience seine Untaten. Alles drin, alles dran. Als zusätzliches Kuriosum dürfte noch erwähnt werden, dass Karloffs Figur hierin Kette raucht, als gäbe es kein Morgen. Kaum eine Einstellung, in der er nicht ohne Glimmstengel zu sehen ist, womit Dr. Laurience vermutlich der Titel des nikotinsüchtigsten verrückten Filmwissenschaftlers aller Zeiten gebührt.

8/10