I DRINK YOUR BLOOD

„I’m only a veterinarian, Pete. Your sister’s not an animal.“

I Drink Your Blood (Die Tollwütigen) ~ USA 1970
Directed By: David E. Durston

Der Teufelspriester Horace Bones (Bhaskar Roy Chowdhury) und seine Gruppe von Satanisten-Hippies fallen, nachdem sie die Teenagerin Sylvia (Iris Brooks), die sie bei einem ihrer nächtlichen Rituale beobachtet hat, vergewaltigen, in ein beschauliches Provinznest ein, um dort das zu tun, was sie am Besten beherrschen: die Bürger erschrecken. Man besetzt ein leerstehendes Haus, bettelt, was das Zeug hält und pfeift sich Gras und LSD bis zum Abwinken in die Windungen. Nachdem sie Sylvias erbosten Großvater Dr. Banner (Richard Bowler), der sich bei ihnen beschwert, kurzerhand unter Acid setzen, wird der kleine Pete (Riley Mills), Sylvias Bruder, grantig. Er erschießt einen tollwütigen Hund, zapft ihm Blut ab und mischt es den garstigen Brüdern und Schwestern unter ein paar Fleischpasteten. Die Satansbrut erlebt daraufhin den Trip ihres Lebens, verfällt durch die Bank der Tollwut und attackiert geifernd alles, was sich bewegt.

David E. Durstons rotznäsiger, kleiner Reißer bietet gleich mehrerlei an dickem Plus: er ist eine echte Wundertüte des apokryphen Frühsiebziger-Kinos, ein Inbegriff des Terminus „Exploitation“ und vor allem: ein ganz gewaltiger, unappetitlicher Spaß, der seinen Zuschauer auf eine Achterbahn der Unfassbarkeiten verfrachtet.
Der Satansanbeter Horace Bones, gespielt von dem indischstämmigen Maler und Tänzer Bhaskar Roy Chowdhury oder kurz Bhaskar, ist der Inbegriff der kleinbürgerlichen, amerikanischen Vorstellung von gesellschaftszersetzendem Abschaum – ein auf sämtliche Normen und Werte pfeifendes Subjekt von einem Gammler, dazu noch eine Art Nachwuchs-Manson. Fehlt quasi bloß noch das Bekenntnis zum Kommunismus, aber für ein solches müsste man ja Bücher lesen. In Ermangelung von heißen Motorrädern fallen Horace und seine Mädels und Jungs, die neben hochfrequentem Drogenkonsum auch noch wilde Promiskuität pflegen, also ausnahmsweise nicht unter das zu jener Zeit allseits beliebte Rocker-Stigma, sondern sind zunächst in einem psychdelisch bemalten Kleinbus unterwegs. Nachdem dieser den Geist aufgibt, sitzen sie also erstmal fest in unserer liebenswerten, repräsentativen Kleinstadt, machen sich es dort jedoch gleich mal, breitärschig, wie sie so sind, ordentlich bequem. Diese Bequemlichkeit geht natürlich schwer zu Lasten der nervlichen (und übrigen) Gesundheit der Einwohner, aber das gehört ja zum üblen Ton von derlei humanem Unrat. Zeit, dass auch ihnen mal einer einen Streich spielt und der (offenbar selbst nicht ganz dichte) Lausbub Pete kommt da gleich mit drakonischen Maßnahmen. Der vom Acid angefressene Cortex und die mit Tollwutbakterien kontaminierten Fleischpastetchen gehen eine unheilvolle Verbindung ein und schon hat man eine Horde sabbernder Wilder, die sich sogar noch irrationaler verhalten als vorher und gegen die nurmehr bloß noch mit Schusswaffe und Heugabel beikommen kann – und mit fließend Wasser natürlich, denn solches, das versichert Doc Banner, hat auf Rabiespatienten denselben Effekt wie geweihtes Nass auf den Gehörnten. Zumindest, was die Angst vor selbigem anbelangt.
Es gibt also eine ordentliche Menge Holz in diesem durchweg liebenswerten, weil nicht zuletzt gepflegt ironischem Aggroheimer von anno 70, der, so wahr ich dies hier tippe, ein legitimes Bindeglied zwischen den beiden Midnight Specials „Night Of The Living Dead“ und „The Last House On The Left“ bildet.
Ganz, ganz feiner Stoff und spitzenmäßig im Abgang!

8/10

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THE PURGE: ELECTION YEAR

„Good night, blue cheese!“

The Purge: Election Year ~ USA/F 2016
Directed By: James DeMonaco

Es ist Wahljahr und die NFFA fürchtet vor Ort in Washington D.C. um ihre mittlerweile langjährige Vormachtsstellung. Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell), auch aus höchst privaten Gründen eine entschiedene Gegnerin der alljährlich stattfindenden Purge-Nächte, will selbige im Falle einer Präsidentschaft umgehenden abschaffen. Die NFFA ist derweil nicht müde und hebt zur diesjährigen Purge kurzfristig die bis dato fest verankerte Immunität für Regierungsmitglieder und Politiker auf, um Roan ganz legal abservieren zu können. Ihr treuer Leibwächter, der Ex-Cop Leo Gordon (Frank Grillo), hat natürlich etwas dagegen, ebenso wie der im Untergrund arbeitende Anti-Purge-Vorkämpfer Dante Bishop (Edwin Hodge). Mit Unterstützung des Ladenbesitzers Joe (Mykelti Williamson) und seiner Ziehtochter Laney (Betty Gabriel) zieht man gegen die Schergen der NFFA ins Feld…

Der vierte „Purge“-Film ist bereits angekündigt, dabei hätte die vormalige Trilogie mit „Election Year“ doch einen halbwegs würdigen Abschluss finden können. Aber warum die Kuh schlachten, solang sie Milch gibt? Immerhin hält James DeMonaco, der den Nachfolger wohl nicht mehr selbst inszenieren wird, seine Schäfchen ordentlich zusammen und schließt Zirkel, wie es sich für einen kontinuitätsbewussten Märchenonkel gehört. Edwin Hodge, im ersten Film noch der flüchtige, namenlose Obdachlose, heißt jetzt Dante Bishop und hat sich zu einer führenden Figur der Widerstandsbewegung aufgeschwungen. Frank Grillo, bereits im unmittelbaren Vorgänger der wehrhafte Oberheld mit später Einsicht zum Thema Selbstjustiz, ist jetzt Secret-Service-Agent und darf als solcher wieder ungetrübt holzen, dass die Luzie kracht. das Konzept von Teil 2, mehrere Protagonisten durch „Zufallsbegegnungen“ zusammenzuführen, verfolgt DeMonaco hier weiter und abermals macht es sich dramaturgisch durchaus bezahlt. Auch in Bezug darauf, dass das etwas schale Konzept maßloser Wutschürung beim Publikum mit zur basalen Funktionalität des Gesamtkonstrukts gehört, ändert sich nichts. Jedenfalls genießt man es als Zuschauer unweigerlich, wie zwei durchgedrehte, völlig aus dem Ruder gelaufene Gören (Brittany Mirabile, Juani Feliz) in Schulmädchenuniformen und greller Maskerade rigoros von einem Kleinbus plattgefahren werden. Unser in punkto Suggestion bewusstermaßen nicht unbegabter auteur lässt aber auch überhaupt keinen Zweifel daran, dass ihnen dies absolut zu Recht widerfährt. Ich nehme an, wenn die NFFA wirklich mal die US-Wahlen gewinnt und das Purgen eingeführt wird, ist James DeMonaco der Erste, der sich heimlich eine bizarre Verkleidung überstreift und Schulmädchen jagt. Einfach, weil sie es nicht besser verdienen, diese frechen, kleinen Mistkäfer.

5/10

THE PURGE: ANARCHY

„Motherfuck the Purge!“

The Purge: Anarchy ~ USA/F 2014
Directed By: James DeMonaco

Es ist wieder Purge-Nacht in Amerika. Im Großraum Los Angeles bilden ein paar in den Strudel der mörderischen Ereignisse geratene Individuen eine kleine Zweckgemeinschaft: Die Kellnerin Eva (Carmen Ejogo) und ihre Tochter Cali (Zoë Soul), das Pärchen Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez) und der Polizist Leo (Frank Grillo) raufen sich zusammen und fliehen vor ihren Häschern durch die Nacht. Nach diversen brenzligen Situationen, in die unter anderem der blutrünstige Big Daddy (Jack Conley) verwickelt ist, geraten sie in die Hände von Kopfjägern, die sie an eine Menschenauktionatorin (Judith McConnell) weiterverschachern. In einem eigens angelegten Indoor-Minipark muss das Quintett daraufhin vor reichen Sadisten fliehen, die auf Mord aus sind. Nachdem Leo mit unerwarteter Unterstützung des Rebellen Carmelo (Michael Kenneth Williams) und seiner Leute seine kombattanten Qualitäten ausgestellt hat, können die Überlebenden fliehen und Leo sich endlich seiner privaten Agenda widmen. Er hat noch eine ganz persönliche Rechnung offen mit dem Mann (Brandon Keener), der einst betrunken seinen kleinen Jungen überfahren hat und straffrei ausgegangen ist…

„Purgen“, das ist in der deutschen Synchronfassung als Neoanglizismus ein vielfach gebrauchtes Verb, in bemühter Angleichung an die Originalversion. Dass es etwas albern klingt, ergibt sich bereits aus dem geschriebenen Terminus, passt insofern aber zu DeMonacos Weiterspinnung seiner kleinen, verlogenen Moritat um die Entsetzlichkeit jener blutrünstigen Perversion namens „Purge“, die ein zukünftiges Albtraum-Amerika heimsucht. Nun bezieht die gesamte Reihe ihr hauptsächliches Spannungspotenzial daraus, dass man, nachdem diesbezüglich jeweils hinreichend Hass und Abscheu evoziert wurden, genüsslich der Exterminierung von Sadisten, Geisteskranken und anderem, üblen Gesindel, dass selbst mit Vorliebe purgt, beiwohnt, kommt einer saftigen Ad-Absurdum-Führung gleich – wer purgt, muss durchs Purgen sterben. Das ist nach DeMonacos simpler Logik nur recht und billig und prägt als hübsch perfides Paradoxon das Gesicht der recht hastig produzierten Serie. So verlogen die Moral des Ganzen, so abermals gelungen sein Tempo und die trotz des nächtlichen Settings gut ausgeleuchtete Balleraction. Zur Sache geht es hier im großen Stil und zumindest die Ausweitung auf das urbane, flächige Los Angeles und einen größeres Personen- und somit Motivations-Arsenal bekommt der gesamten Anordnung recht gut. Einen wirklich gelungenen Film sollte man jedoch auch diesmal nicht erwarten. Ist mehr was zum Durchlüften.

6/10

THE PURGE

„We’re gonna fight.“

The Purge ~ USA/F 2013
Directed By: James DeMonaco

Nachdem Amerika die neue Partei NFFA (New Founding Fathers of America) zur Regierungsadministration ernannt hat, ändern sich die Dinge im land of the free geflissentlich. So gibt es nun einmal im Jahr, am 21. März, die landesweite „Purge-Nacht“, während der zwölf Stunden lang jedwede Straftat einschließlich Mord und Totschlag erlaubt sind. Sämtliche Behörden und Dienstleister, einschließlich Polizei und Ärzten, sind derweil off duty. Was nun vorgeblich die Funktion hat, die Verbrechensraten zu senken und dem Bürger alle 12 Monate die Gelegenheit zu geben, die Sau und somit Aggressionsstau und Frust rauszulassen, dient in Wahrheit primär ökonomischen Interessen: Bei der Purge werden vor allem sozial schwach gestellte und wehrlose Menschen wie Obdachlose zu Opfern, was wiederum die staatlichen Sozialausgaben senkt, derweil die Waffenverkäufe sprießen wie ein Frühlingsbeet. Auch Familienvater James Sandin (Ethan Hawke) verdankt der Purge sein hübsches Auskommen – er verkauft Haussicherungssysteme und hat unter anderem die ganze, exklusive Nachbarschaft mit seinen Apparaturen versorgt. Als die diesjährige Purge-Nacht im Gange ist, lässt Sandins liberal gestrickter Sohnemann Charlie (Max Burkholder) einen um sein Leben laufenden, farbigen Obdachlosen (Edwin Hodge) ins Haus. Daraufhin versammeln sich dessen maskierte Verfolger – offenbar allesamt Kids aus reichen Elternhäusern – im Vorgarten der Sandins, verlangen die Herausgabe des Mannes und drohen mit der Erstürmung des Hauses. Und das ist noch nichteinmal das einzige Problem, dass die Sandins in dieser Nacht erwartet…

Nun habe ich mich dann auch einmal – gähn – durch James DeMonacos „Purge“-Trilogie gepflügt, die Kiste ist ja zum Glück relativ schnell abgefrühstückt. Zunächst einmal springt einem die ungeheure Einfalt dieser aus der Blumhouse-Factory stammenden, kleinen Reihe ins Auge – unter allen (Film-) Dystopien, die es im Laufe der letzten einhundert Jahre so gegeben hat, dürfte dies jedenfalls eine der mit Abstand dümmsten und undurchdachtesten sein. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, Warum-Fragen zu stellen oder nach Logiklöchern zu fahnden. Das überlasse ich lieber anderen. Dennoch trüben genau diese kleinen Juckstellen den ruhigen Fluss von „The Purge“ ganz immens und sollen insofern zumindest in ihrer evidenten Masse nicht unerwähnt bleiben.
Im Prinzip haben wir hier nichts Anderes als ein zigmal durchgespieltes Belagerungs- und Home-Invasion-Spiel, wie es spätestens seit „Rio Bravo“ ein Genre-Standard ist. Der große böse Wolf sitzt vorm Haus und pustet, derweil Familie Sandin und ihr flüchtiger „Hausgast“ in der Falle hocken. Das immerhin akkurat ausgearbeitete Actionszenario macht natürlich ganz bewusst jedwede Sozialsatire und/oder Gesellschaftskritik redundant, und das ganz bewusst. Immer wieder, wenn das Script sich Zeit für entsprechende Diskurse und Verhandlungen herausschlägt, wird es albern und schädlich. Es macht also durchaus Sinn, sich einzig und allein auf die Spannungsmomente und die sich gegen Ende hin endlich zuspitzenden, deftig inszenierten Konflikte und Duelle zu konzentrieren, im Zuge derer DeMonaco dann doch noch gewisse Stärken herausstellen kann. Nur das ganze Drumherum um eine scheindemokratische, reaktionäre Regierungsclique will einfach nicht recht reinlaufen. Dass sich damit der gesamte Film die Hälfte seines Wassers abgräbt, ist schade, aber nicht zu ändern.

6/10

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2

„You people have issues.“

Guardians Of The Galaxy Vol. 2 ~ USA/CA/NZ 2017
Directed By: James Gunn

Nachdem die Guardians im Austausch zu der von ihm gefangen Nebula (Karen Gillan) für das Volk der Sovereign ein paar wertvolle Batterien beschützt, lässt sich Rocket Racoon (Bradley Cooper) es sich nicht nehmen, heimlich ein paar davon in die eigene Tasche zu stecken. Als die Sovereign dies bemerken, schicken sie den Halbhelden eine ganze Zerstörungsflotte hinterher. Damit nicht genug der Probleme: Auch Peter Quills (Chris Pratt) mittlerweile wegen unlauterer Praktiken bei der Ravager-Gilde in Ungnade gefallener Ziehvater Yondu (Michael Rooker) wird von den Sovereign mit der Ergreifung  der Guardians beauftragt und Quills „biologischer“ Vater Ego (Kurt Russell) erscheint urplötzlich, um sich endlich seines Sohnes anzunehmen. Nach einem ersten Scharmützel mit den Sovereign trennen sich die Guardians; Drax (Dave Bautista) und Gamora (Zoe Saldana) begleiten Quill und Rocket und Baby Groot (Vin Diesel) bleiben beim Schiffswrack. Nachdem die beiden in Yondus Hände fallen, strebt die Hälfte von dessen Mannschaft unter dem bösen Taserface (Chris Sullivan) eine erfolgreiche Meuterei gegen ihren Kapitän an. Quill muss indes erfahren, dass sein Vater Ego mitnichten Gutes im Sinn hat, sondern ein wahnsinniger, uralter Gott und lebender Planet ist, der nichts anderes plant als die Auslöschung tausender interstellarer Lebewesen, die er als „unperfekt“ erachtet. Quill soll ihm dabei helfen, wendet sich jedoch gegen Ego. Gerade rechtzeitig treffen die mittlerweile wieder freien Yondu und Rocket ein, um ihren Freunden, mittlerweile verstärkt durch die Empathin Mantis (Pom Klementieff) gegen den allmächtigen Ego beizustehen…

In Kenntnis des ersten Teils (den ich kürzlich noch einmal auffrischen und diesmal etwas besser einordnen konnte) weiß man, was einen bei den „Guardians“ erwartet: Unfassbarer, artifizieller Überschwang und locker-flockige Weltraumaction, die einen ganz klar umrissenen Gegenentwurf zur bierernsten Düsternis bildet, wie sie etwa die jüngeren DC-Adaptionen vorschützt. Was James Gunn hier veranstaltet, ist vielmehr ein ebenso kinder- wie nerdfreundliches Spektakel; rasant, bunt, zum Teil wirklich wunderbar trippy und mit garantiert zwei bis drei (zumindest für Zeitgenossen jenseits des fünfzehnten Lebensjahrs) meist eher minder komischen Flachwitzchen pro Szene garniert, peitscht Gunn sein wachsendes Figurenensemble abermals durch über zwei atemlose Stunden Spielzeit, die dann auch entsprechend schnell vergehen. Gut gelaunte Cameos von Sylvester Stallone, Ving Rhames und Michelle Yeoh als Ravager-Kollegen Yondus zeigen, wie fest Gunn schon den ersten „Guardians“-Film im allgemeinen Popfundus verankern konnte; Sequenzen wie Stan Lees obligatorischen Gastauftritt, der diesmal mit Uralt-Anekdoten den Beobachter Uatu nervt, sind dann wieder eher was für Eingefleischte. Bewundernswert fand ich, wie scheinbar leicht Gunn diesen durchaus chaotischen Elemente in eine funktionale Anordnung fasst; obwohl da Dutzende von Dingen gleichzeitig passieren, sowohl inhaltlich wie auch formalistisch, behält „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ auf wundersame Weise Maß und Richtung. Die Musikauswahl ist wieder großartig (bei „Father & Son“ am Ende gab es kurz feuchte Augen) und steht wie gehabt in direktem, eklektischen (Miss-)Zusammenhang zu der Visualisierung des Films. Auch diesbezüglich wird wieder erstklassig gearbeitet.
Der einzige, dafür umso vehementere Kritikpunkt, liegt, um das nochmals zu betonen, in der inflationären Masse flauer Gags, die „GOTGV.2“ sogar noch näher bei Komödie und Parodistik verorten als den Vorgänger. Ist diese Dosis infantiler Komik ohnehin schon viel zu hoch angesetzt, darf noch mehr derlei Überdrusses auf keinen Fall sein, sonst bleibt der Rest vollends auf der Strecke. Hier ist künftig höchste Obacht gefragt. Dass die „Guardians“ es sich gefallen lassen müssen mittlerweile ohnehin als der lustige Ableger im MCU zu gelten, empfinde zumindest ich als ziemlich zweifelhafte Ehre, deren Beschaffenheit nicht noch weiter ausgereizt werden sollte. Das Ende der Fahnenstange wäre hiermit bitte erreicht. Bin gespannt, was passiert, wenn die Guardians in Kürze auf Thanos treffen. Ob sie dann noch immer so gut lachen haben?
Trotz allem leicht besser als das Original.

7/10

SHOCK WAVES

„Get off my island!“

Shock Waves ~ USA 1977
Directed By: Ken Wiederhorn

Während eines kleinen Kreuzfahrt durch die Karibik werden die Mitreisenden zunächst Zeugen eines seltsamen Seebebens, woraufhin der Kompass seinen Dienst quittiert und das ohnehin marode Schiffchen vor einer unbekannten Insel auf eine Schlammbank läuft. Der nächtens verschwundene Kapitän (John Carradine) wird kurz darauf tot am Strand aufgefunden. Der Maat Keith (Luke Halpin) und die übrigen Passagiere schlagen sich bis zu einem feudalen, alten Gemäuer im Herzen der Insel durch, dessen einziger Bewohner, ein grantiger, alter Herr (Peter Cushing), ihnen bedeutet, „seine“ Insel schleunigst wieder zu verlassen. Der Grund für dessen Besorgnis wird bald ersichtlich: Der Gute war im Zweiten Weltkrieg Kommandant einer gefürchteten Sondereinheit der SS, die aus im Zuge von Naziexperimenten entstandenen Supersoldaten bestand. Jene sind entgegen der Annahme des Alten mitnichten vor der Insel ertrunken, sondern durch das Seebeben zu neuem Leben erwacht und gehen nun unbarmherzig auf alles los, was sich bewegt…

Ken Wiederhorns kurze Karriere als Regisseur währte nur vergleichsweise schmale sechzehn Jahre und brachte lediglich sieben Werke hervor, von denen immerhin ganze vier dem Horrorgenre zuzurechnen sind. „Shock Waves“, eine kostengünstige, kleine Indie-Produktion, markierte dabei sein etwas schmallippiges Debüt. Abseits von den anekdotenstiftenden Auftritten der wie stets sehenswerten Grandseigneurs Carradine und Cushing, deren Engagements zugleich einen Großteil des zur Verfügung stehenden Budgets verschlang, kann noch die hier erstmalig kreditierte Brooke Adams, nicht nur in jungen Jahren eine überaus aparte und vor allem auch darstellerisch sehr begüterte, charismatische Aktrice, die gleich danach von Terrence Malick „entdeckt“ wurde und hier final girl und Rahmenhalterin der Mär, einige Pluspunkte einfahren.
Darin erschöpfen sich die Qualitäten von „Shock Waves“ allerdings bereits weitgehend. Dabei erscheint die Idee um eine kleine Garnison untoter, entfesselter Sturmsoldaten arischer Provenienz gar nicht mal übel, zumal Wiederhorn hinsichtlich des Themas Nazi-Zombies heute ja gewissermaßen als Entrepreneur dasteht. Es hapert jedoch an der Umsetzung – insgesamt sechs etwas aufgeschwemmte, tote Heinos tauchen allenthalben aus irgendeiner Pfütze auf, schlurfen durchs Areal und erwürgen ihre sich zumeist gewohnt dämlich anstellenden Opfer. Dass man ihnen bloß die Brille von den verdörrten Augen reißen muss, um sie ein für allemal lahmzulegen, macht sie nicht eben bedrohlicher und so hat man sich mit dem Wenigen zu begnügen, was „Shock Waves“ an Erinnerungswertem auffährt.

5/10

ALIEN: COVENANT

„I think if we are kind, it will be a kind world.“

Alien: Covenant ~ USA/UK/AUS/NZ/CN 2017
Directed By: Ridley Scott

Im Jahre 2104 reist das Kolonistenschiff „Covenant“ zum Planeten Origae-6, auf dem es lebensfreundliche Bedingungen gibt. Ein Raumsturm sorgt schließlich dafür, dass einige Crewmitglieder aus dem Hyperschlaf geholt werden. An Bord befindet sich zudem der Android Walter (Michael Fassbender), seinem einstigen Vorbild David (Michael Fassbender) zumindest äußerlich stark nachempfunden. Ein zufällig aufgefangener Funkspruch lässt sie auf einen nicht allzu weit entfernten Planeten aufmerksam werden, der ebenfalls für die Besiedlung durch Menschen geeignet scheint. Ein dorthin entsandter Expeditionstrupp muss diesen Eindruck jedoch bald revidieren: Es gibt keinerlei Tiere; stattdessen findet sich das Wrack eines außerirdischen Raumschiffs, das Hinweise auf einen früheren Kontakt mit der zehn Jahre zuvor verschwundenen „Prometheus“ enthält. Der zunächst unbemerkte Kontakt mit Killersporen, die in den von ihnen befallenen Wirtskörpern eine Frühform der aggressiven Xenomorphe heranwachsen lassen, versetzt die Raumfahrer schließlich in Panik. Für eine Flucht ist es jedoch bereits zu spät. Stattdessen eilt ihnen der hier vor langem gestrandete David zur scheinbaren Hilfe, der jedoch weitaus finsterere Pläne hat, als es zunächst den Anschein hat.

Grundsätzlich finde ich einen neuen „Alien“ eigentlich immer begrüßenswert. Ich mag die Reihe seit jeher, finde die Monster genuin toll und schätze die mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich hinter dem scheinbar simpel strukturierten Originalplot auftun. Ridley Scotts Originalfilm, den ich mittlerweile auswendig mitsprechen kann und allein in den letzten sechs Monaten zweimal gesehen habe, erfreut sich meiner persönlichen, ungebrochenen, eigentlich sogar stetig steigenden Beliebtheit. Seit Scott das Franchise mit dem Prequel „Prometheus“ quasi zurückerobert hat, droht er damit, dass er im Erfolgsfalle Ideen für etliche weitere Serienbeiträge im Ärmel hätte. Dieser Jüngste davon lässt angesichts solch hochtrabender Pläne allerdings nicht unbedingt frohlocken. Längst stehen die Xenomorphe überhaupt nicht mehr im Fokus, sondern bekleiden eher die Rolle bejubelnswerter Gaststars, angesichts deren rarer Auftritte man sich dann wohl noch erfreuen zeigen soll. Das Zentrum von „Alien: Covenant“ bildet vielmehr Michael Fassbender in seiner Doppelrolle als guter und als böser Androide mit leidlich genutztem Konfusionsfaktor.
Wenn man so will, vollzieht die Geschichte einen Brückenschlag zwischen dem „Alien“-Kosmos und Scotts anderer filmischen Großerrungenschaft, „Blade Runner“. Daran lässt bereits der Prolog keine Zweifel, der einen todkranken Peter Weyland (Guy Pearce) im prononciert „wagneresken“ Dialog mit seiner Großschöpfung David zeigt: Das ätherische, artifizielle Geschöpf hat seinen Vater an Perfektion längst übertroffen. Wie der weitere Verlauf zeigt, wird es darüberhinaus dereinst zum Wolf seiner Konstrukteure werden; es hat in einem Jahrzehnt des einsamen Sinnierens längst erkannt, dass der homo sapiens gewissermaßen „überholt“ ist, voll von Schwächen, und auf den Schrotthaufen der Evolution gehört. Die Aliens, wie wir sie seit anno ’79 (respektive die beängstigend pluralistische Ausprägung ihrer insektenatigen Organisation seit ’86) kennen, verdanken ihre endgültige Form als Waffe wider die Menschheit also einem von Menschen geschaffenen Androiden. Ob diese Kausalitätsenthüllung so brillant ist, wie Scott sie uns zu verkaufen trachtet, möchte ich dahingestellt lassen; immerhin war es einst ja gerade das die Xenomorphe umgebende, mysteriöse Element, das ihnen einen Großteil ihrer Originalität, Faszination und Bedrohlichkeit bescherte.
Da das Gegenwartskino sich aber nicht erst seit gestern innerhalb der gewaltigen Zwangsneurose bewegt, stets alles bis zum Erbrechen zu erklären und immer wieder aufs Neue durchdeklinieren zu müssen, sind Werke wie dieses wohl schlicht unvermeidbar. Immerhin ist „Covenant“ alles in allem kein dummer Film und hält zudem ein paar angemessen inszenierte Aktionsszenarien bereit. Doch reicht das?
Wie in vielen Präzdenzfällen, s. „Star Wars“, sollte man, so man sich „Covenant“ überhaupt ausliefern will, sich der Bereitschaft vergewissern, das Gestrige in Frieden ruhen zu lassen, die alte Weise, dass „früher sowieso alles besser“ war, geflissentlich beiseite schieben zu können und (vielleicht) zähneknirschend das fressen, was man vorgesetzt bekommt. Frei nach dem Motto: ein leerer Magen tut einem auch keinen Gefallen.

6/10