HALLOWEEN KILLS

„Evil dies tonight!“

Halloween Kills ~ USA/UK 2021
Directed By: David Gordon Green

Dank der eilends eintreffenden Feuerwehr kann Michael Myers (Nick Castle/James Jude Courtney) seinem Kellergefängnis in Laurie Strodes (Jamie Lee Curtis) brennendem Haus entkommen, derweil Laurie, ihre Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matchiak) auf dem Weg ins Krankenhaus sind. Nachdem Michael sämtliche vor Ort befindlichen Feuerwehrleute massakriert hat, tritt er seinen Rückweg nach Haddonfield an, wo alte Bekannte, darunter Tommy Doyle (Anthony Michael Hall), Lindsey Wallace (Kyle Richards) und Michaels frühere Krankenschwester Marion (Nancy Stephens) den vierzigsten Jahrestag von Michaels erstem Wiederauftauchen memorieren. Als sie von seinem neuerlichem Amoklauf erfahren, bilden sie eilends eine Bürgerwehr, die sich im Krankenhaus zu einem blindwütigen Lynchmob formiert. Diesem fällt der zuvor mit Michael geflohene Psychiatrieinsasse Lance Tovoli (Ross Bacon) zum Opfer, derweil Myers, nachdem er seine Blutspur verlustreich fortsetzt, in sein altes Familienhaus zurückkehrt…

David Gordon Green setzt den mit seiner jüngsten Revitalisierung des „Halloween“-Franchise installierten Wiederbeginn fort und legt damit gleichermaßen den Mittelteil seiner als Trilogie konzipierten Sequel-Reihe vor. Diese ignoriert bekanntermaßen sämtliche Fortsetzungen und Reboots, die nach Carpenters 78er-Original entstanden waren und knüpft inhaltlich unmittelbar an den monolithischen Klassiker an. Einige noch schuldige Rückblenden, die sich aus diesem Ansatz ergeben, leht „Halloween Kills“ nun nach; unter anderem erfahren wir, dass auch der damals noch als unangenehmer Bully gezeichnete Lonnie Elam (Robert Longstreet) auf Michael getroffen war, und dass Officer Hawkins (Will Patton) sich unmittelbar vor Michaels Festnahme in jener Nacht eine schwere Blutschuld aufgeladen hat. Das Script müht sich also nach Kräften, sowohl personelle wie inhaltliche Verknüpfungen zu arrangieren als auch verbliebene lose Fäden zu fixieren und legt sein Augenmerk auf ein multiples Ensemble, was wiederum diverse voneinander losgelöste Szenarien erlaubt. Michael Myers‘ Motivation und Charakterisierung, um die sich frühere Beiträge der Serie immer wieder mehr oder weniger zielführende Gedanken gemacht haben, bleiben indes nebulös; einzig sein Status als mysteriöse, nicht aufzuhaltende Entität des ultimativ Bösen findet sich weiter zementiert, ebenso wie sein verzweifeltes Streben nach der unverzichtbaren, da identitätsspendenden Maske. Der effektaffine Horrorfreund wird in „Halloween Kills“ durch Myers‘ qualitativ wie quantitativ gesteigert-rabiates Vorgehen beschwichtigt, denn so blutrünstig wie hier hat sich „The Shape“ noch durch keines seiner vormaligen Abenteuer gemetzelt. Tatsächlich rahmen gleich zwei opferintensive Massenmorde, wie man sie in solch effektiver Ausprägung von dem eigentlich eher als träge bekannten Myers noch nicht gesehen hat, sein Treiben in diesem elften Derivat ein.
Mit dem mittelteils eingeschobenen, tragisch endenden Lynch-Subplot, der wohl irgendwie nachvollziehbar demonstrieren soll, wie die mit Michaels Rückkehr einhergehende Aura des Bösen die gesamte Kleinstadtbevölkerung von Haddonfield erfasst und zu mittelbaren Handlangern avancieren lässt, verhebt sich Greens Film allerdings tüchtig. Jene Episode – so sie denn überhaupt notwendig ist – hätte man auch deutlich pointierter unterbringen mögen. Ansonsten hält „Halloween Kills“, seinem eindeutigen Repetitierungsstatus gemäß, zumindest das leicht überdurchschnittliche Niveau seines Vorgängers, was ja auch schon mal was ist.

6/10

CANDYMAN

„Black people don’t need to be summoning shit.“

Candyman ~ USA/CA/AU 2021
Directed By: Nia DaCosta

Der Chicagoer Maler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) steckt in einer mittelschweren Krise: Seine Freundin und Mäzenin Brianna (Teyonah Parris) hält ihn mehr oder weniger aus und von allen möglichen Seiten hagelt es Geringschätzigkeiten und bittere Kritik. Um sich Inspiration für ein neues Werk zu verschaffen, macht Anthony sich mit der Geschichte des nunmehr gentrifizierten, ehemaligen Minislums Cabrini Green vertraut und stößt dabei auch auf die Geschichte des mysteriösen „Candyman“, eines mit einer Hakenhand ausgestatteten, untoten Killers, der erscheint, sobald man seinen Namen fünfmal vor dem Spiegel ausspricht. Natürlich wagt Anthony das „Experiment“ und schon bald sterben in seinem Umfeld diverse Menschen eines blutigen Todes. Damit nicht genug, beginnt Anthony selbst sich in unappetitlicher Weise zu verändern…

Schade, Chance fahrlässig verschenkt. Da ich Clive Barkers short story sehr mag und Bernard Roses Adaption für einen der schönsten und wichtigsten Horrorfilme der neunziger Jahre halte, freute ich mich sehr auf die Neuinstallation, zumal das letzte Sequel ja nun bereits zweiundzwanzig Jahre zurückliegt. Nia DaCosta erweist sich als formidable, äußerst stilbewusste Regisseurin und auch die zugrundeliegende Idee, den urbanen Mythos des nach ewiger Gerechtigkeit suchenden Candyman als eine Art „konzeptionelle Antwort“ auf rassistisches Ungemach zu spezifizieren gefällt mir recht gut. Das dröge Script durchkreuzt diese von Grundauf positiven Ansätze und Impulse jedoch nachhaltig. Der 1992er „Candyman“ besaß Poesie und Herz, erzählte eine zutiefst morbide Romanze und von Feminismus und Identitätsverlust, ohne die genuinen Horrorwurzeln seiner Fabel je zu verraten. DaCostas Film wirkt im Direktvergleich oftmals wie eine mit dem fehlgeleiteten Mut der Verzweiflung arrangierte und somit erzwungene Revision des Stoffs. Virgina Madsen als die hierin vielzitierte Helen Lyle (die Darstellerin stellte für ein eingespieltes Tape sogar nochmal ihre Stimme zur Verfügung) gab dereinst eine wunderbar melancholische Heldin, Anthony McCoy ist im Vergleich dazu leider bloß ein unsympathisch gezeichnetes Substitut, was nicht minder für seine forcierte Verwandlung in die jüngste Inkarnation des Candyman gilt. Der gesamte Plot mit seinem fanatischen Adlatus (Colman Domingo) wirkt, obschon die inhaltliche Klammer zum Original sich immerhin recht geschickt vollzogen findet, ermüdend und wie mit der heißen Nadel gestrickt; schließlich vermisst man besonders Daniel Robitaille/Tony Todd, der dann leider nur ganz kurz in den letzten Sekunden in einem winzigen Gänsehaut-Auftritt zu sehen ist. Die im weiteren Verlaufe des Films vom Candyman umgebrachte Kunstkritikerin Finley Stephens (Rebecca Spence) bringt es recht früh auf den Punkt, als sie Anthony McCoy das Künstlerherz während einer Ausstellung kurzerhand bildhaft aus der Seele reißt: Die Gentrifizierung sei schuld daran, dass der rauen Urbanität ihre ursprüngliche, wilde Seele geraubt werde; der wohnflächesuchende Zustrom von Künstlern wie Anthony selbst, die die spottbilligen Appartments als ihre Ateliers mieten und die baufälligen Viertel damit um den Preis des Strukturwandels ihres maroden Charmes entledigten. Ein Schelm, wer diese Metapher auf DaCostas Film projiziert – doch genau das ist der Punkt. „Candyman“ 21 ist gewiss superschick, aber Barker hat er nicht verstanden.

5/10

SPIRAL: FROM THE BOOK OF SAW

„Wait, I thought the Jigsaw Killer was dead.“ – „He is.“

Spiral: From The Book Of Saw (Saw: Spiral) ~ USA/CA 2021
Directed By: Darren Lynn Bousman

Jahre nachdem John Kramer und seine Vasallen das Zeitlich gesegnet haben, beginnt ein weiterer Nachahmer, das grausame Werk des Serienmörders mit der moralisch verqueren Agenda wiederaufzunehmen. Die Opferschaft rekrutiert sich diesmal ausnahmslos aus der Abteilung des Polizisten Ezekiel „Zeke“ Banks (Chris Rock), der es als „ehrlicher“ Detective mit seinen korrupten und karrieregeilen Kolleginnen und Kollegen selbst nie einfach hatte. Als schließlich auch Banks‘ neuer Partner William Schenk (Max Minghella) tot aufgefunden wird und sein Vater (Samuel L. Jackson), ein renommierter Ex-Cop, verschwindet, nimmt der Fall zunehmend persönliche Züge für den Ermittler an.

Mit diesem erstmals seit dem dritten Sequel wieder von Darren Lynn Bousman inszenierten, mittlerweile neunten Zugang des „Saw“-Franchise, erhält selbiges seinen bislang zugleich schwächsten Beitrag. Die von James Wans Original einst quasi mitbegründete Welle des seinerzeit als so abschätzig wie hilflos bezeichneten „torture porn“ ist zumindest in ihrer originäen Ausprägung bereits seit längerer Zeit wieder abgeebbt, was zugleich auch die ausgeklügelten Folterfallen des Jigsaw-Killers gewissermßen zu einem Anachronismus macht. Dennoch bleiben diese in ihrer vergleichsweise raren Aussäung das interessanteste Element von „Spiral“, während die weiteren Versuche, der Reihe ein kleines Maß an Innovation zu verschaffen, ziemlich kläglich im Kielwasser der Bemühtheit verkluckern. Chris Rock als Heldenfigur und Antagonist des jüngsten Kramer-Schülers soll gleichfalls kecken Humor und innere Zerrissenheit vermitteln, ein Ansatz, der infolge der nunmehr jahrzehntelang kultivierten Selbsttypologie Rocks als Stand-up-Comedian frontal vor die Wand rauscht. Flotte Sprüche in Kombination mit einer inflationär mit Vier-Buchstaben-Wörtern gesäumten Sprache und Autorferenzen mögen Rocks gewünschter Signatur entsprechen, bremsen den ursprünglichen Charakter der Serie jedoch bloß in beschädigender Weise aus. Bousman müht sich zudem nach Kräften, dem gewohnt modrigen Industrial-Ambiente einen konträren Stil aus lichtdurchfluteter, grellgelber Urbanität entgegenzustellen, was am Ende als auch kaum mehr denn angestrengt im Gedächtnis bleibt. Schließlich entpuppt sich der sich clever wähnende twist, der natürlich um die wahre Identität des neuen Trittbrettfahrers kreist, als allzu offensichtlich bis nachlässig arrangiert. Ich war geradezu erleichtert, als der omnipräsente, personell scheinbar unverzichtbare Samuel L. Jackson im Finale von Kugeln durchsiebt wird – zumindest bleibt dieser somit einer eh kaum vermeidbaren, weiteren Fortsetzung erspart.
Wobei bei „Saw“ ja andererseits wiederum doch mit allem zu rechnen sein muss. Erstmals in den nunmehr siebzehn Jahren, in denen es nun heißt „I want to play a game“ spüre ich allmählich reelle Ermüdungserscheinungen. Kein gutes Zeichen…

5/10

THE SUICIDE SQUAD

„Nom-nom?“

The Suicide Squad ~ USA/CA/UK 2021
Directed By: James Gunn

Die aus im Gefängnis einsitzenden, kriminellen oder geistesgestörten Metawesen bestehende, von Agent Amanda Waller (Viola Davis) rekrutierte „Task Force X“ aka „Suicide Squad“ erhält in weitgehend neuer Zusammensetzung einen weiteren Auftrag: Die Truppe soll auf der von einer Militärjunta beherrschten Karibikinsel Corto Maltese einfallen und eine von Regierungstruppen schwer bewachte Festung namens „Jotunheim“ zerstören, in der ein mysteriöses Forschungsprojekt names „Starfish“ beheimatet ist. Die Suicide Squad landet in zwei Abteilungen an der Küste von Corto Maltese, wobei die erste, mit Ausnahme von Colonel Rick Flag (Joel Kinnaman) und der verrückten Harley Quinn (Margot Robbie), unmittelbar aufgerieben wird. Die kleinere, aber deutlich wehrhaftere Abordnung besteht aus dem Söldner Robert DuBois (Idris Elba) alias „Bloodsport“, dem selbsternannten „Peacemaker“ Christopher Smith (John Cena), dem irren Laborexperiment Abner Krill (David Dastmalchian) alias „Polka-Dot-Man“, dem maritimen Halbgott Nanaue (Sylvester Stallone) alias „King Shark“ und der mit absoluter Macht über Ratten ausgestatteten Cleo Cazo (Daniela Melchior) alias „Ratcatcher II“. Gemeinsam arbeitet sich das Team bis in die Hauptstadt vor, nimmt den Projektleiter Gaius Grieves (Peter Capaldi) alias „Thinker“ gefangen und gelangt mit dessen Hilfe in die Mauern von Jotunheim. Die ursprüngliche Mission kann unter Verlusten erfüllt werden, doch mit der Einebnung des Gebäudes wird zugleich eine neue, furchtbare Gefahr entfesselt. Von nun an muss die Suicide Squad auf eigene Rechnung arbeiten…

Wie der „Guardians Of The Galaxy“-Betreuer James Gunn zu seinem Zwischenspiel beim DCEU kam, dürfte ja hinlänglich bewusst sein. Dass damit zugleich ein kleiner, kreativer Brückenschlag zwischen den beiden Comicfilm-Riesen vollzogen wurde, erweist sich als so gleichermaßen reizvoll wie schadenfreudig: Während Disney und MCU-Mastermind Kevin Feige Gunn vormals eher in weitgehend domestizierten Schranken arbeitenund seine bekanntermaßen im derberen Filmschaffen wurzelnde Kreativenergie sich in psychedelischen Space-Gags sublimieren ließen, konnte er bei DC zum ersten Mal seit seinem zweiten Film „Super“ wieder vollends die Sau durchs Dorf und es gerade so bunt treiben, wie ihm der freche Schnabel gewachsen ist. Das Resultat ist die erste echte splatter comedy im großbudgetierten High-End-Superheldenfilm, eine liebenswert-böshumorige Burleske, in der geholzt wird, dass die Schwarte kracht. Dabei wird die makrokosmische Anbindung an Zack Snyders DC-Trilogie aufrecht erhalten und es handelt sich tatsächlich auch nicht, wie gelegentlich aufzuschnappen war, um ein Reboot von David Ayers „Suicide Squad“, sondern um ein echtes Sequel, das zur gleichen Zeit allerdings eine umfassende Renovierung des Originals betreibt. Bekanntermaßen wurde Ayer damals gehörigst in die Schranken gewiesen und dazu angehalten, seine Vision dieses verlottertsten aller Heldenteams so jugendfrei als möglich abzuliefern. Die Gags darin nahmen sich dementsprechend eher durchgemangelt aus und der overfiend wenig denkwürdig. Mit all diesen kleinen und großen Faux-pas räumt Gunn in seiner sehr persönlich gefärbten Vision der Squad rigoros auf: Ihren selbstmörderischen Beinamen trägt die Task Force X nunmehr völlig zu Recht; unmittelbar zu Beginn wird der gewissermaßen zur Ablenkung der Kerngruppe dienenden Vorhut der Garaus gemacht, als gäbe es kein Morgen mehr und die Marschrichtung des Films damit auch gleich unumwunden vorgegeben. Der im Folgenden von Gunn ausgerollte Irrsinnsteppich besteht aus einem Füllhorn mitunter brillanter visueller Einfälle, kleinen, manchmal etwas überschmückt scheinenden Nebenepisödchen [über Wert und Nutzen der als Bypass eingeflochtenen Kurzromanze zwischen Harley Quinn und dem Inseldespoten Luna (Juan Diego Botto) ließe sich etwa diskutieren – zweifelsohne dient sie in erster Linie dazu, Robbie Screentime zu verschaffen] und natürlich dem famosen Endkampf gegen den klassischen JLA-Gegner Starro, einen gewaltigen, außerirdischen Seestern, der sich seine Untertanen mittels kleiner Versionen seiner selbst, die er auf deren Gesichter pflanzt, gefügig macht. Wenn man es recht bedenkt, konnte der in Gestalt und Ausprägung nicht mehr ganz zeitgemäße Starro auch nur von einem wie Gunn zum Leinwandleben erweckt werden, die meisten anderen Filmemacher hätten sich vermutlich bis auf die Knochen blamiert. Schließlich lassen sich Gebrauch und Kompilierung der Figuren als gehörig sarkastisches Statement begreifen – die zur neuen Suicide Squad zählenden Charaktere sind, natürlich mit Ausnahme von Fanliebling Harley Quinn, die, ohne allzu augenfällige Beschränkungen zu erfahren, im Prinzip das einzig greifbare räsonistische Bindeglied zwischen dem etablierten DCEU und Gunns abgefucktem Grand-Guignol-Zirkus darstellt, allesamt letztklassige Seitenfüller, an die sich in erster Linie wohl nur wandelnde Comic-Enzyklopädien erinnern werden. Dass es zugleich aber nur solche vergessenen TertiärschurkInnen sein können, mit denen Gunn ins Feld zieht, ist letzten Endes so evident wie eigentlich alles andere auch an diesem rüpelhaft-spaßigen Film.

8/10

A QUIET PLACE PART II

„Breathe.“

A Quiet Place Part II ~ USA 2020
Directed By: John Krasinski

Nach dem Opfertod ihres Mannes Lee (John Krasinski) macht sich Evelyn Abbott (Emily Blunt) gemeinsam mit ihren drei Kindern, der taubstummen Regan (Millicent Simmonds), dem etwas jüngeren Marcus (Noah Jupe) und dem Neugeborenen, auf eine Reise ins Ungewisse, stets auf der Flucht vor den blinden Monsteraliens. In den angrenzenden Bergen stoßen sie auf eine verlassene Stahlfabrik, in der sich Emmett (Cillian Murphy), ein früherer Freund der Abbotts, der seine gesamte Familie verloren hat, verschanzt hält. Durch Zufall empfängt Marcus ein Radiosignal, das den Oldie „Beyond The Sea“ in Dauerschleife ausstrahlt. Regan ahnt, dass sich dahinter Überlebende verbergen müssen, die den Song als Hinweis auf ein mögliches Inselrefugium vor der Küste senden. Auf eigene Faust macht sie sich heimlich auf, ihre Vermutung zu beweisen. Die darüber entsetzte Evelyn kann Emmett überreden, ihr zu folgen.

Sein Sequel zu dem erfolgreichen „A Quiet Place“ legt Regisseur und Autor Krasinski in dessen unmittelbare Chronologie. Die angeschlagene Familie Abbott verfolgt die Fortsetzung dabei weiter auf ihrem Weg durch das nunmehr hinlänglich etablierte Endzeit-Szenario und gibt einen etwas genaueren Überblick über die veränderten Zustände und Überlebensmodi innerhalb jener auf absolute Stille angewiesenen Albtraumrealität. Als (offenbar unerlässliches) männliches Substitut für Krasinskis heldenhaft gestorbenen Familienvater bemüht der Plot den von dem in punkto apokalyptische Sujets hinlänglich erfahrenen Cillian Murphy als psychisch angeschlagenen Emmett, dem im Laufe der Ereignisse eine zunehmend tragende Rolle zuteil wird. Ansonsten lernt und erfährt man noch einiges mehr über die invadierte Welt von „A Quiet Place“, wobei diese sich nicht wesentlich von hinlänglich bekannten, klassischen Vorbildern unterscheidet: Es gibt marodierende und plündernde Outlaws, deren regressive Atavismen sich bereits physisch manifestieren, derweil sich Regans Vermutung der eiländischen Flüchtlingsenklave als tatsächlich zutreffend erweist: Auf einer recht geräumigen Insel lebt eine Gruppe Überlebender unter der Führung eines weißbärtigen Patriarchen (Djimon Hounsou) ein zivilisatorisch relativ ungetrübtes, autarkes Idyll. man ist dort sicher, weil die Monster nicht schwimmen können. Mit Emmett und Regan kommt jedoch auch hierher der Tod – eine der Kreaturen befindet sich an Bord eines kleines Schiffes, das in eine der Inselbuchten getrieben wurde und beginnt vor Ort sogleich ihr blutiges Werk.
Bis hierher besitzt „A Quiet Place Part II“ seiner multipel ausgewalzten Elemente und Konstruiertheiten zum Trotz eine dem Original oftmals ebenbürtige Stringenz, die sich vor allem in Krasinskis unbestreitbarer Fähigkeit, formidable Suspense-Momente zu kreieren und zu forcieren, niederschlägt. Im als klimaktische Trias angelegten, extrem verdichteten Showdown, der mittels einer bravourös arrangierten Parallelmontage gleich drei zueinander in kausaler Abhängigkeit stehende Überlebenskämpfe zeigt, erreicht seine Mise-en-scène dann sogar annähernde Meisterschaft. Leider lassen Regisseur und Film unmittelbar hernach im Stich; der Film endet auf höchst unbefriedigende Weise mit losen Handlungsfäden, was in Zeiten des parforce kultivierten, seriellen Erzählens wohl am ehesten dem Cliffhanger am Ende irgendeiner halbgaren Reihenstaffel entspricht – ohne Ankündigung einer weiteren Fortsetzung wohlgemerkt. Auf die knappe Erzählzeit bezogen wäre da, mutmaßlich ebenso anbetreffs der monetären Mittel, gewiss durchaus noch Luft gewesen, so dass sich der Schluss als wahlweise unbefriedigendes oder gar manieristisches Nasedrehen ohne ersichtliche Ursache niederschlägt. Ein Spin-Off sei angekündigt, mit einer regulären Weiterführung des bereits als „Franchise“ gehandelten Epos frühestens in ein paar Jahren zu rechnen. Das muss man zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl nicht verstehen und beschränkt den potenziellen Wiederholungsgenuss bereits von vornherein empfindlich.

7/10

THE CONJURING: THE DEVIL MADE ME DO IT

„I don’t want to go down there.“

The Conjuring: The Devil Made Me Do It (Conjuring 3 – Im Bann des Teufels) ~ USA/UK 2021
Directed By: Michael Chaves

Im Jahre 1981 untersucht das Okkultisten-Paar Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson) den Fall des besessenen, elfjährigen David Glatzel (Julian Hilliard). Im Zuge des später anberaumten Exorzismus bietet sich Arne Johnson (Ruairi O’Connor), der Freund von Davids älterer Schwester Debbie (Sarah Catherine Hook), dem Dämon als Ersatzwirt an. Ed erleidet während der Ereignisse einen beinahe tödlichen Herzinfarkt. Zwar ist der kleine David hernach kuriert und auch sonst scheint zunächst alles in Ordnung, bis Arne einige Wochen später im Zuge scheinbarer geistiger Umnachtung seinen Vermieter Bruno Sauls (Ronnie Gene Blevins) ersticht. Nachdem Arne sich widerstandslos verhaften lässt und wegen Mordes angeklagt wird, findet Lorraine heraus, dass der Dämon noch immer latent mit Arne in Verbindung steht. Die Warrens entdecken einen satanistischen Fetisch unter dem Haus der Glatzels, der sie auf die Spur einer im Hintergrund agierenden, mächtigen Drahtzieherin (Eugenie Bondurant) setzt. Jene hatte den sinistren Dämon einst heraufbeschworen und trachtet nun wiederum mit dessen Hilfe Arnes Leben ein Ende zu setzen.

Im dritten Teil der mittlerweile ja recht fruchtbar unterverzweigten „Conjuring“-Reihe ermitteln die Warrens nach ihrem Abstecher nach London wieder in heimischen, neuenglischen Gestaden. James Wan, der ja mittlerweile wohl vornehmlich Projekte größeren Stils dirigiert, fungiert nurmehr als Produzent und Co-Autor, derweil „Llorona“-Regisseur Michael Chaves hier seine zweite Langfilm-Arbeit inszeniert. Die Story-Prämisse bildete diesmal der in den USA recht bekannte „Devil Made Me Do It“-Gerichtsprozess, in dessen Zuge Arne Cheyenne Johnson unter Berufung auf die Warrens beteuerte, während des ihm zur Last gelegten Gewaltaktes Opfer dämonischen Einflusses gewesen zu sein. Dass er der infolge eines Totschlags-Urteils der drohenden Todesstrafe entging und trotz einer wesentlich höheren Freiheitsstrafe bereits nach fünf Jahren wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde, suggeriert der Film während des Abspanns noch als indirekten Effekt der warrenschen Insistierung, obschon dieser während des eigentlichen Prozesses keinerlei Evidenz zukam.
Man kann sich als Filmfreund glücklich schätzen, dass die echten Warrens mit Vera Farmiga und Patrick Wilson zwei recht sympathische filmische Stellvertreter erhalten haben, zeugen selbst oberflächichste Rechecherche nebst anhängenden Archivaufnahmen des Ehepaars doch von ausgesprochen wenig Vertrauen erweckenden Spinnern und/oder Scharlatanen, deren authentisches „Wirken“ im besten Falle tatsächlich ausschließlich als halbgare Kintopp-Inspiration dienen mag; von der immer wiederkehrenden Effektivität rein christlich basierter Gegenmaßnahmen im Zuge ihrer Aktionen einmal gar nicht zu reden.
Was Chaves‘ eigentlichen Film anbelangt, so bescheidet sich dieser mit einem biederen, überraschungsfreien und mit wenigen Ausnahmen annähernd spannungslosen Aufzug. Schöne, atmosphärisch angelegte Figuren wie der Valak oder der Crooked Man, die der letzte Teil noch aufzubieten wusste, fehlen faktisch gänzlich. Ein fetter, nackter Geist (Jay Peterson) und die strippenziehende Satanistin Isla (Bondurant) bieten da nur vergleichsweise schmalen Ersatz. Stattdessen gibt es gnadenlos kitschige Rückblicke auf die jugendliche Kennenlernzeit der Warrens, deren romantisches Band sich dann am Ende auch als funktionalste Waffe wider die Mächte des Bösen ausgestellt findet. Formal wie darstellerisch medioker scheint sich somit auch dieses Franchise allmählich der Ermüdung feilzubieten, wobei es noch einige Geschichten um die Warrens gibt, die erzählt werden könnten. Ob sie dies auch wirklich sollten, wird die Zukunft zu zeigen haben.

5/10

ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE

„I’m not broken. And I’m not alone.“

Zack Snyder’s Justice League ~ USA/UK 2021
Directed By: Zack Snyder

Steppenwolf (Ciarán Hinds), ein kriegerischer Halbgott von der dem puren Bösen anheim gefallenen Welt Apokolips, will sich nach früherer Verstoßung infolge allzu eigenmächtigen Verhaltens wieder bei seinem Herrn und Meister Darkseid (Ray Porter) einschmeicheln und fällt zu diesem Zwecke mit seinen fliegenden Paradämonen auf der Erde ein. Hier lagern nämlich seit Urzeiten drei Mutterboxen, lebende Computer, die sich nach äonenlangem Schlaf just reaktiviert haben und die den Schlüssel zur von Darkseid ersehnten „Anti-Lebens-Gleichung“ in sich tragen. Bruce Wayne (Ben Affleck) ahnt um die drohende Gefahr und schart mit der Amazon-Prinzessin Diana (Gal Gadot), dem Atlanter-/Mensch-Mischling Arthur Curry (Jason Momoa), dem superschnellen Barry Allen (Ezra Miller) und dem Cyborg Victor Stone (Ray Fisher) vier Mitstreiter um sich, die den einfallenden Horden die Stirn bieten und die Erde möglicherweise retten können. Schon bald wird dem ungleichen Quintett klar, dass selbst seine geballte Macht nicht gegen Steppenwolf ausreicht und die Idee reift, den im Kampf gegen Doomsday getöteten Kal-El (Henry Cavill) wieder zum Leben zu erwecken. Nachdem der Plan gelingt und der zunächst amnesische, letzte Kryptonier wieder zu Sinnen gekommen ist, zieht man gemeinsam in die Schlacht gegen die bösen Aliens.

Ob die letzten Endes nun doch in Erfüllung gegangene Existenz von „Zack Snyder’s Justice League“ wirklich das Resultat unbeugsamen Fan-Engagements ist oder lediglich ein cleverer Schachzug von Warner und DC, deren noch jungen Bezahlsender HBO Max zu lancieren und die stiefmütterlich verschmähte, nach Snyders (durch bekannte, tragisch-persönliche Gründe erfolgtem) Ausscheiden von Joss Whedon fertiggestellte Kinoversion nachträglich zu amnestieren, wissen vermutlich nur die New Gods.
Wie dem auch sei, ich fand „Justice League“ nicht so übel, wie er allerorten gehandelt wurde, mir gefielen die kunterbunten, saturierten Leuchtfarben des vormaligen Finales durchaus, wenngleich die Zäsur zu den von Snyder ja auch als Vorbereitungsfilme inszenierten „Man Of Steel“ und „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ schon überdeutlich wurde. Dass Snyder bei seinen DC-Superhelden-Adaptionen eher auf Bierernst und existenzialistische Schwere setzt, war ja längst offenkundig und dazu mochte Whedons in der von ihm verantworteten Postproduktion umgepolter Karneval nicht wirklich passen. Nun also Snyders eigene, prononciert epische Version, die nicht nur für ein hörbares globales Aufatmen der dedizierten Fangemeindesorgte, sondern auch in manch anderer Hinsicht als große Wiedergutmachung gekränkter Befindlichkeiten fungiert (dafür, dass ich selbst zur zeitgenössisch sogar zweimal betrachteten Erstfassung keinen Text verfasste, gibt es übrigens keinen veritablen Grund außer mutmaßlich jenen, dass es mir an Zeit und/ oder Inspiration gefehlt haben wird). „Zack Snyder’s Justice League“ ist, alles andere zu behaupten wäre jawohl auch albern, tatsächlich besser als die von der naseweisen Netz-Intelligenzia abschätzig als „Josstice League“ bezeichnete Whedon-Version, aus naheliegenden Gründen. Nicht zuletzt die um das Doppelte verstärkte Erzählzeit gewährt dem Ganzen zunächst eine sehr viel komplexere und umfassendere Herangehensweise, was sich insbesondere in der Charakterisierung der Figuren niederschlägt. Die bislang ja ohne „eigene“ Filme auskommen müssenden Barry Allen und Victor Stone erhalten nun wesentlich plastischere Hintergründe, die jeweils in unterschiedlich geprägten Vater-/Sohn-Konflikten wurzeln und die ihnen inhärente Tragik (insbesondere im Falle des letzteren) deutlich nachvollziehbarer machen. Während vor allem Flash in Whedons Schnittfassung zu einem, um den unausweichlichen MCU-Vergleich zu ziehen, flapsig-spaßigen Spider-Man-Youngster frisiert wurde (nebenbei eine Wandlung, die zu seiner originären Comic-Persona als eher biederem Polizeiwissenschaftler überhaupt nicht passen wollte), gestattet der Snyder-Cut sich einige schöne bis nachgerade poetisch inszenierte Augenblicke um den Blitzflitzer. Mögliche künftige Helden wie der Martian Manhunter (Harry Lennix) oder Ryan „Atom“ Choi (Ryan Zheng) können eingeführt werden und Darkseid, der im DC-Universum das Gegenstück zu Marvels Thanos darstellt, erhält nun wesentlich mehr Raum. Ein neuer Score (von Junkie XL statt Danny Elfman) erklingt, diverse fomale (Kadrage-Verschmalung auf das 4:3-IMAX-Format, merkliche Ausdünnung der Farb- und Kontrastpalette) und kosmetische (Supermans Dress ist jetzt der schwarze aus der „Return“-Comic-Strecke von 1993) Modifikationen brechen sich Bahn. Zudem findet ein großzügiger Epilog Platz, der auf das hinweist, was Snyder für die zunächst geplanten „JL“-Sequels vorschwebte; Darkseids künftige Eroberung der Erde und Supermans Hinwendung zur Dunklen Seite, die, wie in einem wohlbewussten Vorbild, am Ende nurmehr durch eine Rückreise in der Zeit ungeschehen gemacht werden kann. Da ja irgendwie nun doch alles möglich ist, werden wir vielleicht in ein paar Jahren auch noch jener Vision(en) ansichtig. Das Durchhaltevermögen hartnäckiger Geeks stirbt zuletzt.

8/10

GODZILLA VS. KONG

„He sure knows how to move.“

Godzilla Vs. Kong ~ USA/AUS/CAN/IN 2021
Directed By: Adam Wingard

Nachdem man eigentlich der vertrauensvollen Überzeugung war, Godzilla sei ein Freund der Menschheit, greift der Urzeittitan plötzlich einen Florida-Standort des Multis „Apex Cybenertics“ an und zerstört diesen. Während Madison Russell (Millie Bobby Brown) gemeinsam mit ihrem Kumpel Josh (Julian Dennison) und dem etwas wirren Whistleblower Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) der Ursache für Godzillas unerwartetes Verhalten auf die Spur kommen will, engagiert der Apex-Kopf Walter Simmons (Demián Bichir) den Hollow-Earth-Theoretiker Nathan Lind (Alexander Skarsgård) für eine Expedition in die unerforschte „Innenerde“. Dort soll nämlich eine gewaltige Energieressource lagern, die die Menschen, so Simmons‘ fadenscheinige Erläuterung, für sich nutzen könnten. Um in die Hohlwelt vorzudringen, deren Eingang in der Antarktis liegt, benötigt man jedoch auch Kong, der auf seiner Insel Skull Island von Monarch abgeschirmt wird, unter permanenter Beobachtung steht und lediglich mit dem kleinen Iwi-Mädchen Jia (Kaylee Hottle) kommuniziert. Lind überredet seine alte Kollegin Ilene Andrews (Rebecca Brown), Kong zu sedieren und zum Südpol zu schaffen. Doch wie befürchtet wittert Godzilla den nunmehr unter freiem Himmel befindlichen Riesenaffen und greift diesen nebst der Monarch-Tankerflotte mitten auf dem Pazifik an. Das erste Duell geht zugunsten des in seinem Element befindlichen Urweltmonsters aus, doch immerhin kann Kong zum Zielpunkt der Reise geschafft werden. Nach seinem Trip in die Innenerde „königlich“ gestärkt kommt es zu einem weiteren Kampf zwischen Kong und Godzilla in Hong Kong, wobei letzterer nicht ahnt, dass er in Kürze die Hilfe seines alten Erzgegners gegen eine noch gewaltigere Bedrohung benötigen wird…

Rein inhaltlich ist das alles erstmal viel Geraune um nichts, denn, soviel ist kein Geheimnis, es geht doch einzig und allein um das spektakuläre Aufeinandertreffen der beiden Supermonster und wie sie sich möglichst effektgesäumt durch unterschiedliche Szenarien prügeln. Knapp fünf Jahrzehnte nach Ishirô Hondas „Kingo Kongu Tai Gojira“ bildet „Godzilla Vs. Kong“ nun also den zweiten Kino-Clash der Titanen und gleichermaßen jenen (ersten?) Höhepunkt, auf den das Legendary-MonsterVerse von Beginn an zusteuerte. Ich muss gleich voranstellen, dass ich selbst auf ganzer Linie zum „Team Kong“ gehöre, da mich mit den japanischen Kaiju-Filmen bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich viel verband, der gute Monstergorilla derweil mir jedoch bereits seit frühen Kindertagen eine Menge bedeutet.
Als vierte Installation des MonsterVerse-Franchise ist Adam Wingards Film zugleich bisher der gelungenste. Die Gründe dafür sind mehrgestaltig. Zunächst verzichtet man hier zugunsten von lockerem Humor und sanfter Ironie auf die eherne Düsternis, die die beiden „Godzilla“-Filme von Gareth Edwards bzw. Michael Dougherty sich zueigen machten und die, besonders im Falle des Sequels, letztlich ziemlich ins Leere lief. Mit Ausnahme des Original-„Gojira“ transportierten die Toho-Filme ja auch stets eine ihnen bald wesentlich inhärente Infantilität, zu der die Verquickung aus Ur-Mythologie und capitalistic fiction nicht recht passen mochte. Adam Wingards Ansatz ist da schon wesentlich mehr fanboy-like. Er konzentriert sich auf eine mit knallig bunten Farben gesäumte Bebilderung der versprochenen Monsteraction, verzichtet dabei ganz bewusst auf offensichtliche, tendenziöse Sympathisierungen mit einem der beiden Titel-„Helden“ (um ja keine Fraktion gegen sich aufzubringen) und liefert kleine Reminiszenzen an das unübertroffene „King Kong“-Original und dessen erstes Remake, was ihn dann wahrscheinlich doch als heimlichen Hauptverehrer des haarigen Megaprimaten ausweist. Die pure kindliche Freude an der Option, nach diversen Indie-Genrearbeiten einen solchen Big-Budget-Blockbuster verantworten zu dürfen, spürt man Wingard jedenfalls rundheraus an. Er meistert es zudem halbwegs zuverlässig, die zwangsläufig als solche dastehenden Füllsequenzen um das nerdige Trio und die zu bloßer Staffage verdammten übrigen menschlichen Figuren nicht vollends der Bedeutungslosigkeit zu überantworten. Und: zu guter Letzt genießt Wingard es offenkundig, dem archetypischen Kinonimbus „Kong“ nun auch genealogisch seinen „King“ (zurück-)verehren und ihm mit der Hollow Earth gleich noch sein angestammtes, wahres Königreich verleihen zu dürfen. Jenes, davon darf man wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgesehen, werden wir nicht zum letzten Mal besucht haben.

7/10

COMING 2 AMERICA

„If something is good, don’t try to ruin it.“

Coming 2 America (Der Prinz aus Zamunda 2) ~ USA 2021
Directed By: Craig Brewer

Das Königreich Zamunda – und damit auch Kronprinz Akeem (Eddie Murphy) – zeigt sich für seine utopischen Idealverhältnisse geradezu krisengeschüttelt, als der König Jaffe Joffer (James Earl Jones) das Zeitliche segnet und sich herausstellt, dass Akeem einen unehelichen Sohn in Queens hat. Immerhin lässt sich mit der semierfreulichen Neuigkeit ein Übel beseitigen: Dem Drohgehabe von General Izzi (Wesley Snipes), Diktator des kriegerischen Nachbarstaats Nexdoria, könnte mit einer arrangierten Hochzeit zwischen dem Kuckucksfilius und Izzis Tochter Bopoto (Teyana Taylor) ein entspannender Riegel vorgeschoben werden. Akeem reist, unterstützt von Adlatus Semmi (Arsenio Hall), also flugs nach Queens, um dort Sohnemann Lavelle Junson (Jermaine Fowler) zu finden und „heimzubringen“, nicht ohne Lavelles vorlaute Mutter (Leslie Jones) im Schlepptau. Für Akeems Königin Lisa (Shari Headley) und ihre drei regulären Töchter (KiKi Layne, Bella Murphy, Akiley Love) erweisen sich die familiären Neuzugänge mit ihrem ungeschliffenen Benehmen als recht anstrengend, doch Akeem und Lavelle raufen sich bald zusammen. Als jedoch Lavelle die geplante Hochzeit mit Bopoto zugunsten der zamundischen Friseurin Mirembe (Nomzamo Mbatha) cancelt und mit ihr zurück nach New York fliegt, steht Akeem vor einer ähnlichen Entscheidung wie sein eigener Vater rund dreißig Jahre zuvor.

Gewiss sind ideologiekritische Betrachtungen von Film richtig und wichtig, wenn sie jedoch den Blick auf das Wesentliche verstellen, nämlich das eigentliche Objekt des Diskurses, dann wird’s zangsläufig brackig. In jüngerer Zeit kommt derlei häufiger vor; die neoliberale Front hetzt gegen Genderwahn und übertriebene wokeness, derweil die Gegenseite wahlweise wider mangelnde Diversität oder politisch unkorrekte Spöttereien ins Feld zieht. Völlig albern gestaltet sich solch am Ende doch lediglich das Ego des bzw. der jeweiligen SprecherIn balsamierende Gewetter nun, wenn der ihm zugrundeliegende Film bestenfalls medioker daherkommt – medioker in allem, was wirklich wichtig gewesen wäre.
„Coming To America“ beendete 1988 die Kernschaffensphase seines Regisseurs John Landis. Als sein letztes wirklich großes Werk beinhaltete der Film noch einmal alles, was die zehn vorhergehenden Jahres in Landis‘ Schaffen so auszeichneten – ein kultureller Röntgenblick, eine sehr spezielle Art von Humor, die in Windeseile zwischen Lakonie und screwballhaftem Tempo umherswitchen konnte, ein erlesenes Gespür für passgenaues casting nebst einer jeweiligen Kohorte von Cameos befreundeter Filmschaffender und der ganz persönlichen auteuristischen Trademarks. Der zugleich produzierende Hauptdarsteller Murphy befand sich auf seinem Karrierezenit und setzte sich als märchenhafter und vor allem romantischer Held erstmals ein Eigendenkmal, das mit seiner zuvor stets präservierten streetwise attitude, die ja seinen Werdegang als comedian erst möglich gemacht hatte, gezielt brach und somit seiner hausgemachten Typologie eine gänzlich ungewohnte Nuance hinzusetzte. Der Erfolg gestaltete sich dermaßen nachhaltig, dass das 33 Jahre später entstandene Sequel für das koproduzierende Studio amazon eine unerhörte Prestige- und PR-Bombe darstellt, erwähntes Brimborium inbegriffen. Dabei ist „Coming 2 America“ ähnlich gentrifiziert wie Queens, das damals noch „größte Dreckloch“, in das Akeem und Semmi einkehrten, um eine wahre Königin zu suchen. Brewers Fortsetzung nimmt sich sehr viel sauberer, familientauglicher und kantenloser aus. Momente wahrer Subtilität und Klugheit bleiben Nadelstiche im CGI-verpampten Pastiche; statt wie das Original schneidige Sozialkritik zu liefern oder gar afroamerikanische Identitätssuche versus bourgeoisen Scheinaufstieg zu verballhornen, verlässt man sich hier auf lauten bis vulgären Sitcom-Humor. Auch die Tatsache, dass „Coming 2 America“ inhaltlich unwesentlich mehr als ein Remake von Landis‘ Meisterwerk darstellt, das anstelle der wirklich brillanten, eher zwischen den Zeilen herauslesbaren Scriptideen eher die oberflächlichen Camouflagekalauer aufgreift und repetiert, zeigt, dass „Coming To America“ entweder nicht verstanden, oder, was wesentlich naheliegender ist, gezielt seiner Bissigkeiten entledigt wurde.
Immerhin stellt sich mit Akeems zweiter Reise innerhalb des zweiten Films nach Queens, die dazu dient, sein damaliges Ich mit dem gegenwärtigen seines Sohnes abzugleichen und somit auch den ersten Schritt zur Unterminierung des heimlichen Konservativismus seines eigentlich doch ganz schön rückschrittigen Königreichs zu gehen, doch noch eine Art von Déjà-vu-Gefühl ein, ohne auf bloße Selbstzitate zu setzen. Da wirkt der Film dann erstmals nicht wie aus dem Baukasten offensichtlicher Versatzstücke entstanden und zeigt gar ein wenig Herz. Für die letzten fünfzehn Minuten nach mehr oder weniger durchlittenen anderthalb Stunden teils grausamsten Vorgeplänkels war mir dies allerdings deutlich zu wenig.
Als romantische Komödie enttäuschend, als Fortsetzung eines Meilensteins des amerikanischen Kinos eine Katastrophe.

4/10

GRIZZLY II: REVENGE

„Devil-Bear must die!“

Grizzly II: Revenge ~ USA 1983
Directed By: André Szöts

Nachdem Wilderer ein Bärenjunges erschießen und dessen Mutter verwunden, geht selbige auf einen Rachefeldzug gegen die gerade zufällig im betreffenden Nationalpark befindlichen Vertreter des Menschengeschlechts. Dummerweise findet unweit des bärigen Amoklaufs ein Pop-Festival statt, dass die karrieregeile Mitorganisatorin Eileene Draygon (Louise Fletcher) keinerlei Interesse hat, abzusagen. Ranger Nick Hollister (Steve Inwood) kann schließlich gemeinsam mit der Wildhüterin Samantha Owens (Deborah Raffin) und dem Grizzlyjäger Bouchard (John Rhys-Davies) der Bestie den Garaus machen.

Eine besonders obskure Fußnote filmgeschichtlicher Apokryphen bildet das nominelle, in Ungarn gefilmte Sequel zu William Girdlers „Jaws“-Rip-Off „Grizzly“, das seinerseits sieben Jahre zuvor zumindest einen gesetzten kommerziellen Erfolg verbuchen konnte. Der nun wiederum Michael Andersons „Orca“ fleddernde „Grizzly II“, der neben dem jüngst aus der Taufe gehobenen „Revenge“ als Untertitel wahlweise auch „The Predator“ und „The Concert“ trägt, erlebte zunächst eine abenteuerliche bis irrwitzige Produktionsgeschichte (die wohl unbedingt selbst einer filmischen Aufbereitung wert wäre), bevor er dann zunächst unvollendet für lange Jahre in der Versenkung verschwand und sich seither eines gewissen Legendenstatus versicherte. Ab 2006 kursierte eine Workprint-Fassung im Netz, die ob ihrer nebulösen Qualität allerdings kaum anschau- geschweige denn genießbar ist, bis just die Produzentin Suzanne S. Nagy in Kooperation mit dem Kleinstlabel „Gravitas Ventures“ der ganzen Geschichte zu einem vorläufigen, mäßig glücklich verlaufenen Ende verhalf.
Da der ursprüngliche Film lediglich als Fragment existierte und nur rund sechzig Minuten an verwertbarem Material übrig waren, „ergänzte“ Nagy das verbliebene Gerippe um ein paar Segmente aktuellen Datums, die sich nicht nur infolge ihrer HD-Auflösung jeweils natürlich hervorragend identifizieren lassen. Dazu gehören Naturpark- und Tieraufnahmen sowie Sprengsel von Konzertbesuchern und sogar einem Pop-Duett nebst Songdarbietung. Von der marodierenden Grizzly-Mutter selbst gab es überhaupt keine Shots, da die Effekte eigentlich erst via post production eingefügt werden sollten, was jedoch nie geschah. Dies geschah nun mittels wiederum sehr unrühmlicher Hilfsmaßnahmen in Form eines animatronischen Bärenkopfes aus dem Märchenpark, der dann immerhin lediglich im Showdown für ein paar Male sichtbar wird.
Das nun vorliegende Resultat, ein eklektisches, mehr denn sonderbar anmutendes Fresko aus notdürftig Verfügbarem, eine Art sensuelle wie vorsätzliche Abfall-Installation gewissermaßen, ist als überfälliger Schlussstrich unter dem Kapitel „Grizzly II“ einerseits zu begrüßen, geriert jedoch andererseits die zu erwartende Enttäuschung.
Positiv hervorzuheben wäre, dass das alte Filmmaterial endlich ansprechend aufbereitet wurde und dessen Überführung ins digitale Zeitalter absolut sauber vonstatten ging. So wird man in aller gebotenen Schärfe der wirklich unglaublichen Besetzung ansichtig; George Clooney, Laura Dern und Charlie Sheen, die als sorglos campendes Teenie-Trio gleich als erste der Grizzly-Mutti zum Opfer fallen [wobei stets deutlich bleiben sollte, dass keine einzige Attacke und auch annähernd kein dazugehöriger (Nach-)Effekt onscreen zu sehen ist] und mit denen die Blu-ray trotz minimaler screen time prominent wirbt, später dann noch eine ganze Riege mehr oder minder gestandener, berühmter Gesichter. Den denkwürdigsten Auftritt verbucht John Rhys-Davies, der sich nonchalant in Lex Barkers alte Old-Shatterhand-Wildlederfransenjacke quetscht und dazu mit pseudofranzösischem Akzent permanent von sich selbst in der dritten Person dahersalbadert wie ein völlig Imbeziler.
Dann wären da die Festival-Szenen, gesäumt von tatsächlich unsäglichen popmusikalischen Acts aus der hinterletzten Reihe (darunter eine ungarische ProgRock-Combo bestehend aus Über-Fünfzigjährigen), deren Songs teils sogar mehrfach gespielt werden und die buchstäblich durchlitten werden wollen, ein Finale, das keines ist und der philosophische Diskurs, ob eine rachsüchtige Bärenmutter nicht dasselbe Recht auf Selbstjustiz hat wie jeder Mensch. Wie gern hätte ich jene Bärin, die so knapp sechs Meter messen soll, doch einmal gesehen, so „richtig“, meine ich, nicht als Notbehelf. Doch dieser letzte Wunsch muss unerfüllt bleiben.
Die obligatorische Punktwertung erspare ich mir und euch heute, denn eine solche kann es in diesem speziellen Fall, der derart durchzogen ist von diametralen Gegensätzen zwischen „unwägbar“ und „dankeschön“, nun wirklich nicht geben.