CHILDREN OF THE CORN III: URBAN HARVEST

„Let the harvest begin!“

Children Of The Corn III: Urban Harvest (Kinder des Zorns III – Das Chicago-Massaker) ~ USA 1995
Directed By: James D.R. Hickox

Zwei der überlebenden Gatlin-Kinder, Eli (Daniel Cerny) und sein älterer Stiefbruder Joshua (Ron Melendez), werden Hals über Kopf von dem kinderlosen Ehepaar Porter aus Chicago adoptiert. Während der weltoffene Joshua sich rasch an die juvenilen Gepflogenheiten der Großstadt anpasst und Freunde findet, pflegt Eli weiterhin die alten „Gewohnheiten“, zu denen auch der umgehend erfolgende Anbau einer Maiskultur auf einem leerstehenden, an den Familiengarten angrenzenden Fabrikgelände gehört. Während Amanda Porter (Nancy Lee Grahn) rasch Angst vor Elis auffälligem Verhalten bekommt, ist ihr Gatte William (Jim Metzler) höchst begeistert von dem widerstandsfähigen Getreide, das hinter seinem Haus wächst und stielt bereits einen Deal ein, selbiges in alle Welt zu verschiffen. Derweil schart Eli eine neue Kultgemeinde um sich und huldigt mit dieser dem bereits lauernden Maisdämon „Der, der hinter den Reihen wandelt“.

Ein ordentlicher Schwung aufwärts gelang Anthony-Bruder und Douglas-Sohn James D.R. Hickox hinsichtlich des „Corn“-Serials nach David Prices eher unmotiviertem, müden Erstsequel mit dieser zweiten, um einiges spektakuläreren Fortsetzung. Die Grundidee, den Maiskult aus der ruralen Umgebung des Mittleren Westens in die Großstadt zu hieven, erweist sich als sinnstiftend und treffend und findet sich durch den Einfall, den Mais auf einer Industriebrache anzupflanzen, wiederum hübsch angereichert. Mit dem von dem dreizehnjährigen  Jungdarsteller Daniel Cerny angemessen diabolisch gespielten Eli gibt es einen würdigen Nachfolger zum seligen Isaac, dessen bösartiger Habitus hervorragend mit seinem netten Erscheinungsbild kontrastiert. Besonders der schwelende Konflikt zwischen Eli und dem Schulpfaffen Nolan (Michael Ensign), der ihn bald durchschaut und dessen Kirche Eli später übernimmt, weiß zu gefallen, bis es im Finale dann ordentlich kracht: Endlich bekommt man „Den, der hinter den Reihen wandelt“ zu Gesicht – ein gewiss nicht durchweg ganz reibungslos animiertes, aber vielleicht gerade deswegen besonders illustres, unförmiges Monster, das sich rigoros durch die Belegschaft seiner verblendeten Anhänger pflügt. Eine konkreter bebilderte Warnung vor kritiklosem Sektierertum wird man im Genrefilm schwerlich finden.

5/10

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CHILDREN OF THE CORN II: THE FINAL SACRIFICE

„For everything, there is a season.“

Children Of The Corn II: The Final Sacrifice (Tödliche Ernte – Kinder des Zorns II) ~ USA 1992
Directed By: David Price

Die überlebenden Kinder aus Gatlin, Nebraska, Schauplatz eines im sektiererischen Wahn verübten Massenmords, werden von den Bewohnern des Nachbarorts Hemingford in Obhut genommen. Dem stehen ein paar Einwohner wie die alte Mrs. Burke (Marty Terry) überaus skeptisch gegenüber – machen sie doch eben die Gatlin-Kinder für die blutigen Geschehnisse verantwortlich. Der zufällig durchreisende Klatschreporter Garrett (Terence Knox) und sein ihn begleitender Sohn Danny (Paul Scherrer) werden mitten in die Ereignisse gezogen, die nicht nur die sinistren Halbwüchsigen, sondern auch einen Skandal um den Verkauf fauler Maiskolben beinhalten. Zudem ist „Der, der hinter den Reihen wandelt“ nicht weit…

Ganze acht Jahre nach der immerhin noch etwas stimmungsvoll gefertigten Adaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King machte sich das just gegründete, auf phantastische Stoffe abonnierte Weinstein-Studio Dimension daran, ein Franchise rund um die parareligiös verbrämten Satansblagen vom Stapel zu lassen. „Children Of The Corn II“ war zugleich auch der letzte Film der mittlerweile sieben Sequels und ein TV-Remake umfassenden Serie, dem ein Kinostart vergönnt wurde. Dabei fällt jene erste Fortsetzung gleich ziemlich albern aus: Um den sich als nicht sonderlich spannungsträchtig erweisenden Hauptplot um den infantilen Maiskult ein weiteres inhaltliches Mosaiksteinchen zuzusetzen, schrieben die Autoren ihm eine Geschichte um verschwörerische, kriminelle Landwirte nebenher, hinter denen sich die Stadtoberen von Hemingford verbergen. Die zu einem Quintett anwachsenden Helden bekommen es daher gleich mit zwei Übelswurzeln zu tun, was dennoch keinerlei Anlass zu visuellen Sensationen bietet. Abgesehen von ein paar wenigen netten Ideen und S-F/X bleibt alles so flach und dörr wie der Mittelwesten im Hochsommer. Die geflissentlich bedrohliche Atmosphäre des Originals weicht einem ordinären Slasherkonzept, das sich primär um den bösen Micah (Ryan Bollman) und seine ihm hörigen Jünger schart, wie sie sich ihrer unbequemen erwachsenen Gegner und Mitwisser entledigen. Ein altkluger Indianer (Ned Romero), der natürlich die übersinnliche Essenz hinter den Ereignissen durchblickt, darf dabei ebensowenig fehlen wie love interests für Vater und Sohn nebst den Zug sträflich ausbremsenden Romantikszenen.
Wer gern wissen möchte, warum die Neunziger im Genresektor vielerorts als „most boring deacde“ erachtet werden, der findet hier ein durchaus passendes Indiz. Kein Werk zum Blumentöpfe gewinnen.

3/10

LEATHERFACE

„You messed with the wrong family.“

Leatherface ~ USA 2017
Directed By: Alexandre Bustillo/Julien Maury

Texas, 1955. Als die durchweg aus Psychopathen bestehende Familie Sawyer unter dem Vorsitz von Matriarchin Verna (Lili Taylor) ausgerechnet Betty (Lorina Kamburova), die Tochter des hiesigen Sheriffs Hal Hartman (Stephen Dorff), auf ihre Speisekarte setzt, sieht der bereits seit Langem nach Gerechtigkeit strebende Gesetzeshüter rot und sorgt dafür, dass Vernas Jüngster, der kleine Jedidiah (Boris Kabakchiev), in der geschlossenen Nervenheilanstalt landet. Zum jungen Mann (Sam Strike) herangereift, gelingt Jed, der sich nun Jackson nennt, gemeinsam mit drei anderen Insassen (Sam Coleman, James Bloor, Jessica Madsen) und einer gekidnappten Krankenschwester (Vanessa Grasse) die Flucht aus jener Institution, derweil Sheriff Hartman bereits darauf lauert, den Sawyers endgültig den Garaus zu machen…

Die Auslöschung von Identitäten zugunsten unguter Substitute schwebt allgegenwärtig dräuend über „Leatherface“. Um es gleich vorwegzunehmen ist dieser jüngste Beitrag zum langlebigen Chainsaw-Franchise nach Kim Henkels drittem 94er-Sequel zugleich der bis dato schwächste, was sich besonders in Anbetracht einiger dem Projekt zur Verfügung stehender, personeller Ressourcen sehr bedauerlich ausnimmt. Mit Bustillo und Maury gewann man immerhin zwei mehr denn vielversprechende Repräsentanten der harten Horror-Nouvelle-Vague und mit Lili Taylor und Stephen Dorff darüber hinaus auch recht ungewohnte darstellerische Prominenz. Was die so durchaus vielversprechend gestartete Chose dann aber so überaus unelegant durchkreuzt, ist das magere Script des Newcomers Seth M. Sherwood, der seinen Ansatz, dem ikonischen Character Leatherface einen psychologisch fundierten Unterbau zu verabreichen, völlig vergeigt.
Zu Beginn nutzt der Film nahezu exakt dieselbe Startbahn wie Rob Zombies „Halloween“-Remake; ein durch sein dysfunktionales Familienumfeld nachhaltig gestörter Junge kommt in ein infolge inkompetenter Belegschaft extrem kontraproduktiv geführtes Sanatorium für psychisch kranke, juvenile Gewaltverbrecher und bricht als junger Erwachsener dort aus. Doch damit ist der Werdegang hin zum späteren, verstummten Sägenschwinger Leatherface noch längst nicht vollendet – der gewaltsame Tod des besten Freundes, die Verbissenheit des ihn jagenden Sheriffs, schließlich eine unfällige Verunstaltung seines hübschen Antlitzes und ein schwelender Mutterkomplex ergeben schlussendlich jene ungute Mixtur, die den als Kind noch in „errettbarer Verfassung“ befindlichen Jed Sawyer zu unser aller liebstem Hautmaskenträger avancieren lässt. Das alles wird so forciert, hanebüchen und demystifizierend aufgetragen, so ohne Gespür für die die Chainsaw-Filme üblicherweise kennzeichnende, pathologische Atmosphäre oder für das ursprünglich so maßgeblichg apostrophierte Zeitkolorit (dem ja selbst herbeibeschworenen Umstand, dass die ganze Geschichte sich 1965 ereignen soll, wird letzten Endes zu keiner Sekunde Rechnung getragen), dass selbst die gewohnt gediegene und eigentlich treffliche Inszenierung der beiden „Exil-Franzosen“ das immens eklektische Konglomerat zu keiner befriedigenden Gesamtbilanz zu führen vermag. Es hat indes fast den Anschein, als wäre die (häufig dem DTV-Segment zuzurechnende) Wahl kostensparender Produktionsmittel, die Bulgarien als Drehort nebst vornehmlich einheimischem Stab, symptomatisch für das beinahe allseitige Misslingen.
Vor allem um Bustillo und Maury, deren stilistische Signatur trotz allem noch immer präsent scheint, muss es einem leid tun – man kann nur hoffen, dass die beiden sich nicht wie so viele immigrierte Filmkreative vor ihnen vom Moloch Hollywood aufzehren lassen und sich stattdessen in Zukunft wieder ihren sehr viel fruchtbareren Wurzeln als auteurs besinnen.

4/10

ITALIA A MANO ARMATA

Zitat entfällt.

Italia A Mano Armata (Cop Hunter) ~ I 1976
Directed By: Marino Girolami

Commissario Betti (Maurizio Merli) von der römischen Mordkommission sieht sich wie üblich mit einer Welle des Verbrechens konfrontiert, die von Albertelli (John Saxon), dem großen Boss im Hintergrund, geplant und koordiniert wird. Vor allem Banküberfälle mit Scheingeiselnahmen gehören zum Konzept seiner Gang. Dennoch bleiben Albertellis Hände stets blütenrein, so dass Betti, der genau Bescheid weiß, dem großen Hai nichts nachweisen kann. Als in Albertellis Auftrag eine Gruppe von Schulkindern entführt wird, eine Aktion, bei der ein kleiner Junge serben muss, ist Betti sowohl sich als auch Luisa (Mirella D’Angelo), der Schwester des Jungen, schuldig, Albertelli endgültig dingfest zu machen.

Nach Marino Girolamis „Roma Violenta“ und Umberto Lenzis „Napoli Violenta“ nahm abermals Signore Girolami das Heft zur Hand und inszenierte mit „Italia A Mano Armata“ den letzten Teil der binnen rund einem Jahr entstandenen Trilogie um das römische Callahan-Pendant Betti, einem Typen, der gern dazu neigt, weniger auf das hoffnungslos korrumpierte System, denn auf die eigene Schlagkraft und Rechtsprechung zu setzen. Ursprünglich war Merli als Franco-Nero-Substitut engagiert worden und „Roma Violenta“ als nachgeschobener Profiteur zu Enzo Castellaris höchst erfolgreichem „La Polizia Incrimina La Legge Assolve“ gedacht, der dem Poliziottesco seinerseits erst den ursprünglichen Zunder verliehen hatte. Bei Girolami und Merli wurde dann der Exploitationfaktor nochmal zünftig angeschraubt, die Schurken wesentlich roher und unmenschlicher und die Gewaltszenen intensiver, womit die Gattung dann ihre eigentliche, finale Form zuteil wurde, die dann neben Merli, dem ungekrönten König des Poliziottesco, noch weitere Protagonisten in Luc Merenda, Henry Silva oder Marcell Bozzuffi hervorbrachte. Ob Merli sich nun Betti, Tanzi oder Ferro nannte; er spielte im Prinzip die immerselbe Figur vor dem immerselben Konzept. Manchmal, wie auch in „Italio A Mano Armata“, musste seine Figur dann am Ende noch urplötzlich als großer Verlierer gegen die allumfassende Systemfäule dann doch noch überraschend den Löffel abgeben (auch das nach Nero-Vorbild) und der Zuschauer mit einem gehörigen Schreck das Kino verlassen.
So wenig vielgestaltig wie seine insgesamt elf Polizeifilme ist auch deren ihnen immanente Qualitätsspanne; wenn man sich einen Merli vornimmt, dann weiß man in der Regel, was man zu erwarten hat. Das kommt einem mustergültigen Gütesiegel gleich, auf das man zählen kann und das keinen, der einmal seine Freude daran gefunden hat, je wirklich enttäuschen dürfte. „Italio A Amano Armata“ ist mit sorgsam verteilten, kernigen Actionszenen und etablierten Mustern nun weder der beste noch der schwächste Beitrag zu diesem insgesamt sehr schönen Zyklus. Man fühlt sich zu Hause in ihm und das ist gut.

7/10

THE PURGE: ELECTION YEAR

„Good night, blue cheese!“

The Purge: Election Year ~ USA/F 2016
Directed By: James DeMonaco

Es ist Wahljahr und die NFFA fürchtet vor Ort in Washington D.C. um ihre mittlerweile langjährige Vormachtsstellung. Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell), auch aus höchst privaten Gründen eine entschiedene Gegnerin der alljährlich stattfindenden Purge-Nächte, will selbige im Falle einer Präsidentschaft umgehenden abschaffen. Die NFFA ist derweil nicht müde und hebt zur diesjährigen Purge kurzfristig die bis dato fest verankerte Immunität für Regierungsmitglieder und Politiker auf, um Roan ganz legal abservieren zu können. Ihr treuer Leibwächter, der Ex-Cop Leo Gordon (Frank Grillo), hat natürlich etwas dagegen, ebenso wie der im Untergrund arbeitende Anti-Purge-Vorkämpfer Dante Bishop (Edwin Hodge). Mit Unterstützung des Ladenbesitzers Joe (Mykelti Williamson) und seiner Ziehtochter Laney (Betty Gabriel) zieht man gegen die Schergen der NFFA ins Feld…

Der vierte „Purge“-Film ist bereits angekündigt, dabei hätte die vormalige Trilogie mit „Election Year“ doch einen halbwegs würdigen Abschluss finden können. Aber warum die Kuh schlachten, solang sie Milch gibt? Immerhin hält James DeMonaco, der den Nachfolger wohl nicht mehr selbst inszenieren wird, seine Schäfchen ordentlich zusammen und schließt Zirkel, wie es sich für einen kontinuitätsbewussten Märchenonkel gehört. Edwin Hodge, im ersten Film noch der flüchtige, namenlose Obdachlose, heißt jetzt Dante Bishop und hat sich zu einer führenden Figur der Widerstandsbewegung aufgeschwungen. Frank Grillo, bereits im unmittelbaren Vorgänger der wehrhafte Oberheld mit später Einsicht zum Thema Selbstjustiz, ist jetzt Secret-Service-Agent und darf als solcher wieder ungetrübt holzen, dass die Luzie kracht. das Konzept von Teil 2, mehrere Protagonisten durch „Zufallsbegegnungen“ zusammenzuführen, verfolgt DeMonaco hier weiter und abermals macht es sich dramaturgisch durchaus bezahlt. Auch in Bezug darauf, dass das etwas schale Konzept maßloser Wutschürung beim Publikum mit zur basalen Funktionalität des Gesamtkonstrukts gehört, ändert sich nichts. Jedenfalls genießt man es als Zuschauer unweigerlich, wie zwei durchgedrehte, völlig aus dem Ruder gelaufene Gören (Brittany Mirabile, Juani Feliz) in Schulmädchenuniformen und greller Maskerade rigoros von einem Kleinbus plattgefahren werden. Unser in punkto Suggestion bewusstermaßen nicht unbegabter auteur lässt aber auch überhaupt keinen Zweifel daran, dass ihnen dies absolut zu Recht widerfährt. Ich nehme an, wenn die NFFA wirklich mal die US-Wahlen gewinnt und das Purgen eingeführt wird, ist James DeMonaco der Erste, der sich heimlich eine bizarre Verkleidung überstreift und Schulmädchen jagt. Einfach, weil sie es nicht besser verdienen, diese frechen, kleinen Mistkäfer.

5/10

THE PURGE: ANARCHY

„Motherfuck the Purge!“

The Purge: Anarchy ~ USA/F 2014
Directed By: James DeMonaco

Es ist wieder Purge-Nacht in Amerika. Im Großraum Los Angeles bilden ein paar in den Strudel der mörderischen Ereignisse geratene Individuen eine kleine Zweckgemeinschaft: Die Kellnerin Eva (Carmen Ejogo) und ihre Tochter Cali (Zoë Soul), das Pärchen Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez) und der Polizist Leo (Frank Grillo) raufen sich zusammen und fliehen vor ihren Häschern durch die Nacht. Nach diversen brenzligen Situationen, in die unter anderem der blutrünstige Big Daddy (Jack Conley) verwickelt ist, geraten sie in die Hände von Kopfjägern, die sie an eine Menschenauktionatorin (Judith McConnell) weiterverschachern. In einem eigens angelegten Indoor-Minipark muss das Quintett daraufhin vor reichen Sadisten fliehen, die auf Mord aus sind. Nachdem Leo mit unerwarteter Unterstützung des Rebellen Carmelo (Michael Kenneth Williams) und seiner Leute seine kombattanten Qualitäten ausgestellt hat, können die Überlebenden fliehen und Leo sich endlich seiner privaten Agenda widmen. Er hat noch eine ganz persönliche Rechnung offen mit dem Mann (Brandon Keener), der einst betrunken seinen kleinen Jungen überfahren hat und straffrei ausgegangen ist…

„Purgen“, das ist in der deutschen Synchronfassung als Neoanglizismus ein vielfach gebrauchtes Verb, in bemühter Angleichung an die Originalversion. Dass es etwas albern klingt, ergibt sich bereits aus dem geschriebenen Terminus, passt insofern aber zu DeMonacos Weiterspinnung seiner kleinen, verlogenen Moritat um die Entsetzlichkeit jener blutrünstigen Perversion namens „Purge“, die ein zukünftiges Albtraum-Amerika heimsucht. Nun bezieht die gesamte Reihe ihr hauptsächliches Spannungspotenzial daraus, dass man, nachdem diesbezüglich jeweils hinreichend Hass und Abscheu evoziert wurden, genüsslich der Exterminierung von Sadisten, Geisteskranken und anderem, üblen Gesindel, dass selbst mit Vorliebe purgt, beiwohnt, kommt einer saftigen Ad-Absurdum-Führung gleich – wer purgt, muss durchs Purgen sterben. Das ist nach DeMonacos simpler Logik nur recht und billig und prägt als hübsch perfides Paradoxon das Gesicht der recht hastig produzierten Serie. So verlogen die Moral des Ganzen, so abermals gelungen sein Tempo und die trotz des nächtlichen Settings gut ausgeleuchtete Balleraction. Zur Sache geht es hier im großen Stil und zumindest die Ausweitung auf das urbane, flächige Los Angeles und einen größeres Personen- und somit Motivations-Arsenal bekommt der gesamten Anordnung recht gut. Einen wirklich gelungenen Film sollte man jedoch auch diesmal nicht erwarten. Ist mehr was zum Durchlüften.

6/10

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2

„You people have issues.“

Guardians Of The Galaxy Vol. 2 ~ USA/CA/NZ 2017
Directed By: James Gunn

Nachdem die Guardians im Austausch zu der von ihm gefangen Nebula (Karen Gillan) für das Volk der Sovereign ein paar wertvolle Batterien beschützt, lässt sich Rocket Racoon (Bradley Cooper) es sich nicht nehmen, heimlich ein paar davon in die eigene Tasche zu stecken. Als die Sovereign dies bemerken, schicken sie den Halbhelden eine ganze Zerstörungsflotte hinterher. Damit nicht genug der Probleme: Auch Peter Quills (Chris Pratt) mittlerweile wegen unlauterer Praktiken bei der Ravager-Gilde in Ungnade gefallener Ziehvater Yondu (Michael Rooker) wird von den Sovereign mit der Ergreifung  der Guardians beauftragt und Quills „biologischer“ Vater Ego (Kurt Russell) erscheint urplötzlich, um sich endlich seines Sohnes anzunehmen. Nach einem ersten Scharmützel mit den Sovereign trennen sich die Guardians; Drax (Dave Bautista) und Gamora (Zoe Saldana) begleiten Quill und Rocket und Baby Groot (Vin Diesel) bleiben beim Schiffswrack. Nachdem die beiden in Yondus Hände fallen, strebt die Hälfte von dessen Mannschaft unter dem bösen Taserface (Chris Sullivan) eine erfolgreiche Meuterei gegen ihren Kapitän an. Quill muss indes erfahren, dass sein Vater Ego mitnichten Gutes im Sinn hat, sondern ein wahnsinniger, uralter Gott und lebender Planet ist, der nichts anderes plant als die Auslöschung tausender interstellarer Lebewesen, die er als „unperfekt“ erachtet. Quill soll ihm dabei helfen, wendet sich jedoch gegen Ego. Gerade rechtzeitig treffen die mittlerweile wieder freien Yondu und Rocket ein, um ihren Freunden, mittlerweile verstärkt durch die Empathin Mantis (Pom Klementieff) gegen den allmächtigen Ego beizustehen…

In Kenntnis des ersten Teils (den ich kürzlich noch einmal auffrischen und diesmal etwas besser einordnen konnte) weiß man, was einen bei den „Guardians“ erwartet: Unfassbarer, artifizieller Überschwang und locker-flockige Weltraumaction, die einen ganz klar umrissenen Gegenentwurf zur bierernsten Düsternis bildet, wie sie etwa die jüngeren DC-Adaptionen vorschützt. Was James Gunn hier veranstaltet, ist vielmehr ein ebenso kinder- wie nerdfreundliches Spektakel; rasant, bunt, zum Teil wirklich wunderbar trippy und mit garantiert zwei bis drei (zumindest für Zeitgenossen jenseits des fünfzehnten Lebensjahrs) meist eher minder komischen Flachwitzchen pro Szene garniert, peitscht Gunn sein wachsendes Figurenensemble abermals durch über zwei atemlose Stunden Spielzeit, die dann auch entsprechend schnell vergehen. Gut gelaunte Cameos von Sylvester Stallone, Ving Rhames und Michelle Yeoh als Ravager-Kollegen Yondus zeigen, wie fest Gunn schon den ersten „Guardians“-Film im allgemeinen Popfundus verankern konnte; Sequenzen wie Stan Lees obligatorischen Gastauftritt, der diesmal mit Uralt-Anekdoten den Beobachter Uatu nervt, sind dann wieder eher was für Eingefleischte. Bewundernswert fand ich, wie scheinbar leicht Gunn diesen durchaus chaotischen Elemente in eine funktionale Anordnung fasst; obwohl da Dutzende von Dingen gleichzeitig passieren, sowohl inhaltlich wie auch formalistisch, behält „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ auf wundersame Weise Maß und Richtung. Die Musikauswahl ist wieder großartig (bei „Father & Son“ am Ende gab es kurz feuchte Augen) und steht wie gehabt in direktem, eklektischen (Miss-)Zusammenhang zu der Visualisierung des Films. Auch diesbezüglich wird wieder erstklassig gearbeitet.
Der einzige, dafür umso vehementere Kritikpunkt, liegt, um das nochmals zu betonen, in der inflationären Masse flauer Gags, die „GOTGV.2“ sogar noch näher bei Komödie und Parodistik verorten als den Vorgänger. Ist diese Dosis infantiler Komik ohnehin schon viel zu hoch angesetzt, darf noch mehr derlei Überdrusses auf keinen Fall sein, sonst bleibt der Rest vollends auf der Strecke. Hier ist künftig höchste Obacht gefragt. Dass die „Guardians“ es sich gefallen lassen müssen mittlerweile ohnehin als der lustige Ableger im MCU zu gelten, empfinde zumindest ich als ziemlich zweifelhafte Ehre, deren Beschaffenheit nicht noch weiter ausgereizt werden sollte. Das Ende der Fahnenstange wäre hiermit bitte erreicht. Bin gespannt, was passiert, wenn die Guardians in Kürze auf Thanos treffen. Ob sie dann noch immer so gut lachen haben?
Trotz allem leicht besser als das Original.

7/10