ALIEN: COVENANT

„I think if we are kind, it will be a kind world.“

Alien: Covenant ~ USA/UK/AUS/NZ/CN 2017
Directed By: Ridley Scott

Im Jahre 2104 reist das Kolonistenschiff „Covenant“ zum Planeten Origae-6, auf dem es lebensfreundliche Bedingungen gibt. Ein Raumsturm sorgt schließlich dafür, dass einige Crewmitglieder aus dem Hyperschlaf geholt werden. An Bord befindet sich zudem der Android Walter (Michael Fassbender), seinem einstigen Vorbild David (Michael Fassbender) zumindest äußerlich stark nachempfunden. Ein zufällig aufgefangener Funkspruch lässt sie auf einen nicht allzu weit entfernten Planeten aufmerksam werden, der ebenfalls für die Besiedlung durch Menschen geeignet scheint. Ein dorthin entsandter Expeditionstrupp muss diesen Eindruck jedoch bald revidieren: Es gibt keinerlei Tiere; stattdessen findet sich das Wrack eines außerirdischen Raumschiffs, das Hinweise auf einen früheren Kontakt mit der zehn Jahre zuvor verschwundenen „Prometheus“ enthält. Der zunächst unbemerkte Kontakt mit Killersporen, die in den von ihnen befallenen Wirtskörpern eine Frühform der aggressiven Xenomorphe heranwachsen lassen, versetzt die Raumfahrer schließlich in Panik. Für eine Flucht ist es jedoch bereits zu spät. Stattdessen eilt ihnen der hier vor langem gestrandete David zur scheinbaren Hilfe, der jedoch weitaus finsterere Pläne hat, als es zunächst den Anschein hat.

Grundsätzlich finde ich einen neuen „Alien“ eigentlich immer begrüßenswert. Ich mag die Reihe seit jeher, finde die Monster genuin toll und schätze die mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich hinter dem scheinbar simpel strukturierten Originalplot auftun. Ridley Scotts Originalfilm, den ich mittlerweile auswendig mitsprechen kann und allein in den letzten sechs Monaten zweimal gesehen habe, erfreut sich meiner persönlichen, ungebrochenen, eigentlich sogar stetig steigenden Beliebtheit. Seit Scott das Franchise mit dem Prequel „Prometheus“ quasi zurückerobert hat, droht er damit, dass er im Erfolgsfalle Ideen für etliche weitere Serienbeiträge im Ärmel hätte. Dieser Jüngste davon lässt angesichts solch hochtrabender Pläne allerdings nicht unbedingt frohlocken. Längst stehen die Xenomorphe überhaupt nicht mehr im Fokus, sondern bekleiden eher die Rolle bejubelnswerter Gaststars, angesichts deren rarer Auftritte man sich dann wohl noch erfreuen zeigen soll. Das Zentrum von „Alien: Covenant“ bildet vielmehr Michael Fassbender in seiner Doppelrolle als guter und als böser Androide mit leidlich genutztem Konfusionsfaktor.
Wenn man so will, vollzieht die Geschichte einen Brückenschlag zwischen dem „Alien“-Kosmos und Scotts anderer filmischen Großerrungenschaft, „Blade Runner“. Daran lässt bereits der Prolog keine Zweifel, der einen todkranken Peter Weyland (Guy Pearce) im prononciert „wagneresken“ Dialog mit seiner Großschöpfung David zeigt: Das ätherische, artifizielle Geschöpf hat seinen Vater an Perfektion längst übertroffen. Wie der weitere Verlauf zeigt, wird es darüberhinaus dereinst zum Wolf seiner Konstrukteure werden; es hat in einem Jahrzehnt des einsamen Sinnierens längst erkannt, dass der homo sapiens gewissermaßen „überholt“ ist, voll von Schwächen, und auf den Schrotthaufen der Evolution gehört. Die Aliens, wie wir sie seit anno ’79 (respektive die beängstigend pluralistische Ausprägung ihrer insektenatigen Organisation seit ’86) kennen, verdanken ihre endgültige Form als Waffe wider die Menschheit also einem von Menschen geschaffenen Androiden. Ob diese Kausalitätsenthüllung so brillant ist, wie Scott sie uns zu verkaufen trachtet, möchte ich dahingestellt lassen; immerhin war es einst ja gerade das die Xenomorphe umgebende, mysteriöse Element, das ihnen einen Großteil ihrer Originalität, Faszination und Bedrohlichkeit bescherte.
Da das Gegenwartskino sich aber nicht erst seit gestern innerhalb der gewaltigen Zwangsneurose bewegt, stets alles bis zum Erbrechen zu erklären und immer wieder aufs Neue durchdeklinieren zu müssen, sind Werke wie dieses wohl schlicht unvermeidbar. Immerhin ist „Covenant“ alles in allem kein dummer Film und hält zudem ein paar angemessen inszenierte Aktionsszenarien bereit. Doch reicht das?
Wie in vielen Präzdenzfällen, s. „Star Wars“, sollte man, so man sich „Covenant“ überhaupt ausliefern will, sich der Bereitschaft vergewissern, das Gestrige in Frieden ruhen zu lassen, die alte Weise, dass „früher sowieso alles besser“ war, geflissentlich beiseite schieben zu können und (vielleicht) zähneknirschend das fressen, was man vorgesetzt bekommt. Frei nach dem Motto: ein leerer Magen tut einem auch keinen Gefallen.

6/10

T2 TRAINSPOTTING

„World changes. Even if we don’t.“

T2 Trainspotting ~ UK 2017
Directed By: Danny Boyle

Über zwanzig Jahre, nachdem er einst seine Freunde über den Tisch gezogen hatte, kommt Mark Renton (Ewan McGregor) zurück nach Edinburgh. Zwischenzeitlich hat er in Amsterdam gelebt, eine Ehe in den Sand gesetzt und kürzlich einen Herzinfarkt überlebt. Immerhin den Drogen hat er seit Langem entsagt. Nun sind erwartungsgemäß weder Spud (Ewen Bremner), noch „Sick Boy“ Simon (Johnny Lee Miller) und schon gar nicht der just aus dem Knast geflohene Begbie (Robert Carlyle) gut auf Renton zu sprechen, ganz im Gegenteil. Zumindest Spud, noch immer Junkie und mittlerweile Vater, kann Renton vor dem Suizid retten. Simon hält es mittlerweile mit dem Kokain und sich selbst mit allerlei krummen, aber wenig erfolgreichen Geschäften über Wasser. Seine wesentlich jüngere Freundin Veronika (Anjela Neldyakova) indes gefällt auch Renton ganz gut. Begbie muss zu seinem Leidwesen erkennen, dass sein erwachsener Sohn (Scot Greenan) leider so gar nichts von der kriminellen Energie seines alten Herrn geerbt hat und hat schwer daran zu knabbern. Als dieser mitbekommt, dass Renton zurück in Leith ist, sinnt er auf tödliche Rache für die einstige Schmach.

Ein Film der gepflegten Resignation. So wie sich seit dem abrissbirnenartig-rasanten Original von 1995 die Außenwelt gewandelt hat, ist mit seinen Erfindern auch der Figurenkosmos von Irvine Welsh und Danny Boyle gealtert. Der relativ beliebige Effekt ist eine im Vergleich zur literarischen Fortschreibung leicht verjährte Fortsetzung, die eben so aussieht, wie sie jetzt aussieht, ebenso gut aber auch völlig anders hätte arten können – was man ihr, und darin liegt ein gewisser Knackpunkt, permanent anmerkt. Die einstige Wildheit, der Lebens- und Todeshunger, der ständige Tanz auf der Rasiermesserklinge mitsamt allerlei mehr oder weniger appetitlichen Fügungen, den schlimmen Verlusten und dem stampfenden Sound ist, analog zum fortgeschrittenen Alter der Protagonisten einer sehr viel gemächlicheren Gangart gewichen. So wie Renton nach seinem Herzinfarkt kürzer tritt, entschleunigt sich auch die „Trainspotting“-Realität, mit dem etwas leidigen Effekt der offensiv praktizierten Demystifizierung der „neuen Helden“. Der Nebenplot um einen von Simon geplanten Saunaclub, sprich, ein Bordell, der ihn und Renton mit der hiesigen Mafia konfrontiert, begleitet von einem allseitigen Dahinplätschern, wirkt da wie ein recht erzwungenes Füllsel. Die einstige, in ihrer Destruktivität immerhin konsequent gelebte Subkultur ist großen Fragezeichen des Wohins gewichen, einer etwas ziellosen Reise durch den biographischen Spätsommer gewissermaßen. Diese versöhnt eigentlich nur insofern, als dass man jetzt eben weiß wo es seit damals hingegangen ist mit Renton, Spud, Sick Boy und Begbie, deren Schicksale jetzt, auch das ein Nebeneffekt des Älterwerdens, nurmehr lose miteinander verbunden sind und dementsprechend sehr viel episodischer berichtet werden. Immerhin die Geschichte um Begbie, der als einziger der damaligen Clique seinen delinquenten, gewalttätigen Weg unbeirrt weiter gegangen ist, birgt noch emotionale Ankerhaken. Wie er sich völlig unfähig zeigt, zu akzeptieren, dass nicht nur er (zumindest körperlich), sondern auch die Zeiten sich geändert haben und dass sich selbst mit seinen hilflos-brachialen Lösungsversuchen diese Tatsachen nicht umstoßen lassen, das hat etwas zutiefst Rührendes, ebenso wie die als recht schöner Kreisschluss angelegte conclusio.

7/10

JOHN WICK: CHAPTER 2

„You stabbed the devil in the back.“

John Wick: Chapter 2 (John Wick: Kapitel 2) ~ USA/HK/I/CAN 2017
Directed By: Chad Stahelski

Nachdem sich John Wick (Keanu Reeves) endlich seinen gestohlenen Ford Mustang zurückholen konnte – wenngleich unter mancherlei Blechblessuren – erhält er daheim Besuch von einem alten Bekannten: dem Mafiaboss Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio), dem John noch eine alte Gefälligkeit schuldet: Er soll D’Antonios Schwester Gianna (Claudia Gerini) in Rom ausschalten, damit der Syndikatschef zum Alleinherrscher aufsteigen kann. Als John sich zunächst weigert, jagt D’Antonio sein Haus in die Luft. John sieht ein, dass er seine Schuld abtragen muss und erledigt seine Mission gewohnt professionell. Um sich öffentlich reinzuwaschen, lässt D’Antonio daraufhin einen Mordauftrag gegen John ergehen, der sich das natürlich nicht gefallen lässt…

Das Sequel zu Chad Stahelskis bereits ziemlich spektakulär ausgefallenem Erstling nimmt sich in Bezug auf seine bombastische Gestaltung nochmals etwas großspuriger aus und lässt die Saga um den unbesiegbar scheinenden John Wick beinahe überproportional zu einer Art „James Bond des Auftragskillerfilms“ anwachsen. Wir tauchen noch tiefer ein in jene geheimnisvolle, global operierende Killer- und Gangsterloge, die überall auf der Welt Hotels bewirtschaftet und ihre ganz eigenen Symbole, Kodexe und Gesetze pflegt, von der die regulären Gewalten wahlweise keinen Schimmer haben oder sie respektvoll akzeptieren (dies wird in der Folge noch zu klären sein). Jene beinahe schon fantasyangebundene Koloratur relativiert wiederum das unglaublich hohe Gewaltlevel – die Leichenberge, die John Wick auf seinem Pfad durch diese zweite Geschichte auftürmt, scheinen im Vergleich zum Vorgänger nochmals anzuwachsen und sind wiederum von einer geradezu irrwitzigen Quantität. Eine Riege gestandener Gaststars – darunter Franco Nero – gibt sich die Ehre und durch das Klassentreffen von Reeves und Laurence Fishburne als patriarchalischer Gangsterkopf „Bowery King“ entsteht zugleich eine gewisse, kaum subtile Reverenz an die „Matrix“-Filme. Dass „John Wick: Chapter 2“ sich darüberhinaus als Mittelglied einer vorkonzipierten Serie versteht, verdeutlicht wiederum der offene Schluss: John Wick ist durch die Ermordung D’Antonios auf neutralem Boden nunmehr vogelfrei und damit offene Beute für jeden der Loge angeschlossenen Profikiller der ganzen Welt. Dies bedeutet einerseits, dass er sich demnächst nirgendwo mehr wird sicher wähnen können und andererseits, dass er im zweifellos nachfolgenden Film wiederum ordentlich zu tun bekommen wird.

8/10

STEINER – DAS EISERNE KREUZ, 2. TEIL

„Who ought to belive this anyway?“

Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil ~ BRD 1979
Directed By: Andrew V. McLaglen

Nach seinem desaströsen Einsatz in Russland wird Feldwebel Steiner (Richard Burton) flugs an die Westfront beordert, wo die Alliierten soeben dabei sind, die Operation Overlord einzuleiten. Auch Steiners alter Rivale von Stransky (Helmut Griem) ist wiederum nicht fern. Nach einem kurzen Fronturlaub in Paris muss Steiner zurück ins Kampfgebiet, um ein strategisch wichtiges Dörfchen in der Provinz zu verteidigen. Sein alter Freund General Hoffmann (Curd Jürgens) eröffnet ihm derweil insgeheim, dass einige ohe Offiziere der Wehrmacht eine Verschwörung gegen Hitler planen und Steiner dazu auserkoren ist, dem gegnerischen General Webster (Rod Steiger) diese Nachricht zukommen zu lassen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Die US-Admiralität glaubt jedoch an eine Finte und schickt dennoch eine Panzerbrigade in das von den Deutschen gehaltene Dörfchen. Zeitgleich scheitert der Putsch und Hoffmann nimmt sich das Leben. Stransky, der von alldem nichts ahnt und nach wie vor ein Fanatiker ist, plant, die ganze Panzerdivision mittels unterirdischer Sprengladungen zu vernichten…

Die Filmhistorie vergisst gern, dass der unverwüstliche Wolf C. Hartwig, der wusste, wie man eine Kuh adäquat bis auf den letzten Tropfen zu melken hat, seinem von Sam Peckinpah inszenierten Riesenerfolg „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ eine wiederum immens kostspielige Fortsetzung folgen ließ. Warum dieser amnesische Mantel? Nicht nur, dass „Steiner 2“ gnadenlos an den Kinokassen crashte, unterscheiden sich Original und Sequel hinsichtlich ihres Niveaus in etwa so, wie sich Peckinpah und McLaglen als Filmemacher unterscheiden. Eine philosophische Metaebene um preußische Arroganz und Gernegroßtum unter aristokratischen Wehrmachtsoffizieren, wie sie den Vorgänger auszeichnete, wird man hier vergeblich suchen. Vielmehr ist der zweite Teil, den nurmehr Klaus Löwitsch und Dieter Schidor in ihren vormaligen Rollen erlebten, nicht mehr oder weniger als ein kerniges Landser-Abenteuer, dass die schuldbelastete deutsche Seele  durch seine knuffigen Heldenakzente sogar ein klein wenig einzubalsamieren wusste. Mit Richard Burton, der im Prinzip viel eher seine Rolle als Söldner-Colonel Faulkner aus „The Wild Geese“ repetiert als auch nur im Mindesten den Versuch zu machen, seinen Vorgänger James Coburn anklingen zu lassen, stand McLaglen nur einer von mehreren vormaligen Kollaborateuren zur Seite. Ohnehin ist die Besetzung mindestens so erlesen und illuster wie die des Erstlings und rechtfertigt allein die Betrachtung des Films. Auch ist dieser keineswegs langweilig oder gar öde, obschon natürlich in seiner Struktur und Erzählweise überaus vorhersehbar und weitgehend überraschungsarm. Die düstere, bleierne, vom Wahnsinn infizierte Grundstimmung des Peckinpah-Films weicht hier eher der Betrachtung des Krieges als luftig-leichtes Männergeschäft, bei dem es auch mal was zu lachen gibt. Sicherlich zerfällt die Narration hier und da ferner ins seltsam Episodische, was möglicherweise auf diverse Straffungen und/oder Kürzungen zurückzuführen ist, doch dies nur mutmaßlich.
Als kleiner, kinohistorisch letzten Endes wohl tatsächlich „unbedeutender“ Beitrag zu der Gruppe vor allem logistisch abenteuerlicher Filmen über den Zweiten Weltkrieg kann sich, so sehe ich das, „Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil“ dennoch durchaus sehen lassen.

7/10

IL RITORNO DI ZANNA BIANCA

Zitat entfällt.

Il Ritorno Di Zanna Bianca (Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe) ~ I/F/BRD 1974
Directed By: Luci Fulci

Einige Zeit nach seinem ersten Abenteuer in Yukon kehrt der Autor Jason Scott (Franco Nero) zusammen mit seinem Freund Kurt Jansen (Raimund Harmstorf) zurück in den kanadischen Westen. Ihre alte Freundin Schwester Evangelina (Virna Lisi) hat um Hilfe gerufen, weil der schurkische Beauty Smith (John Steiner) wieder aufgetaucht ist. Er nennt sich jetzt Charles Forth, tut so als sei er gelähmt und hat einen Regierungsbeamten (Renato De Carmine) in der Tasche. Außerdem ist er für den Tod des Indianerjungen Mitsah (Missaele) verantwortlich. Auch der treue Wolfsblut ist wieder da. Er hat in dem kleinen Bill (Renato Cestiè) und seinem Großvater, dem alten Goldgräber John Tarwater (Harry Carey Jr.) neue Freunde gefunden. Gemeinsam muss man sich nicht nur des Intrigen spinnenden Beauty Smith erwehren, sondern zudem noch des gierigen Harvey (Werner Pochath), der ganz eigene Pläne verfolgt.

Ein rundes Jahr nach der erfolgreich gelaufenen, freien London-Adaption „Zanna Bianca“ machte sich Maestro Fulci an die erste Fortsetzung (es gab dann noch zwei weitere, eilends nachgeschobene qualitativ jedoch jeweils abfallende Rip-Offs von Tonino Ricci und Alfonso Brescia), für die er den Großteil der Besetzung des Erstlings wieder zusammentrommeln konnte. Der zuvor noch prominent in Szene gesetzte Mitsah muss gleich zu Beginn den tragischen Heldentod sterben und auch John Steiners Rolle innerhalb des etwas unübersichtlichen Geschehens bleibt leider halbwegs diffus, während sich der in den ersten drei Filmvierten noch etwas mysteriös durch die verschneite Gegend schleichende Werner Pochath als finaler Gegner um die motivatorische Goldjagd hervortut. Obschon es mit dem Rotzbengel Renato Cestiè wiederum eine kindliche Identifikationsfigur für jüngere Zuschauer gibt (der in der deutschen Synchronfassung von dem jungen Oliver „Justus Jonas“ Rohrbeck gesprochen wird), fällt das Sequel bezüglich Grundstimmung und Atmosphäre insgesamt merklich düsterer aus; es gibt eine Menge mehr Leichen und am Ende, als Pochath von einem scharfkufigen Hundeschlitten überrollt wird, sogar noch einen typischen Flutschi-Gore-Effekt. Sehr gut gefällt abermals die illustre Darstellerriege: Mit dem Engagement von Ford-Veteran und Westernlegende Harry Carey Jr. als ebenso besorgtem wie zauseligem Seniorschürfer gelang der Produktion ein mittelmäßiger Coup, dazu gibt es noch die schnieke Hannelore Elsner als frustrierte Mountie-Gattin und Steiners Bösewicht verfallene femme fatale.
Zwar wirkt das Gesamtauftreten von „Il Ritorno Di Zanna Bianca“ infolge eines etwas tentakulös zusammengeklöppelten Scripts nicht ganz so konzis wie das des Vorgängers, dafür erreicht er jedoch ähnliche Qualitäten in der Einzelwertung, was ihn insgesamt zu einem würdigen, nahezu ebenbürtigen Nachfolger macht. Zweifellos ein Verdienst der Regie, wie ich meinen möchte.

6/10

JACK REACHER: NEVER GO BACK

„I woke up one morning and the uniform didn’t fit.“

Jack Reacher: Never Go Back (Jack Reacher: Kein Weg zurück) ~ USA/CH 2016
Directed By: Edward Zwick

Der eigentlich in romantischer Erwartung nach Virginia kommende Jack Reacher (Tom Cruise) muss sich um seine Informantin beim Militär, Susan Turner (Cobie Smulders), kümmern. Diese ist nämlich zu Unrecht wegen Spionageverdachts und weil sie angeblich im ZUsammenhang mit zwei ermordeten Soldaten in Afghanistan steht, verhaftet worden und sitzt im Gefängnis. Kurzerhand von Reacher befreit, fliehen die beiden vor den uniformierten Häschern und suchen nach Beweisen für Susans Unschuld Zudem muss Reacher sich um seine mutmaßliche Tochter Samantha (Danika Yarosh) kümmern, von der er eben erst erfahren hat. Die Killer, wie sich herausstellt, eine Organisation von militärisch hochrangigen Waffenschiebern, nutzen Samantha als Druckmittel…

Der bereits achtzehnte Roman um den Ex-Soldaten Jack Reacher wurde für das erste Kino-Sequel ausersehen, wobei die Wahl der Vorlage ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Auch der zweite „Jack Reacher“-Film ist nicht mehr als pures Kino glänzender Oberflächen, sich dieser einschränkenden Tatsache allerdings völlig bewusst und damit absolut aufrichtig zu sich selbst und seinem Publikum. Was hier wie und vor allem warum passiert, ist nebensächlich und lediglich den Gesetzen der halbwegs logischen Stringenz geschuldet, ansonsten geht es lediglich darum, Reacher bzw. Tom Cruise in seiner ersten Zusammenarbeit mit Hochglanz-Routinier Edward Zwick (für dessen Arbeit ich eine klitzekleine Schwäche habe, ohne genau zu wissen, warum eigentlich…) dabei zuzuschauen, wie er sich in allerlei problematische Situationen hinein- und dann wieder herauslaviert. Jack Reacher ist ja einer dieser momentan wieder ganz angesagten Action-Tausendsassas, deren Reaktionsgeschwindigkeit allerhöchstens von der Präzision der Atomuhr übertroffen wird und die flotter zwanzig Kehlköpfe eingedrückt haben als der Blitz herniederzuckt. Als solcher wird er hier denn auch wieder stilisiert, wobei sich mit seiner unehelichen Tochter, die dann doch keine ist, eine gemeine Achillesferse einschleicht, die jedoch hinreichend eigene Schlagfertigkeit entwickelt. Das Prinzip Patchwork-Familie bekommt Zwicks Film weniger gut und macht ihn im Mittel etwas duselig; eine Eigenschaft, die ausgewiesener Genreware wie dieser nicht unbedingt zur Goldmedaille gereicht. Ähnliches gilt für den Ober-Antagonisten Robert Knepper, der zuletzt in „Hard Target 2“ sehr viel mehr Gelegenheit zum Reüssieren hatte. Vielleicht besinnt man sich bis zum nächsten Mal wieder, lässt die Girlys weg und holt sich stattdessen nochmal Werner Herzog als Bösewicht. Könnte ja der filminterne Zwillingsbruder sein.

6/10

ROGUE ONE

„Make ten men feel like a hundred!“

Rogue One ~ USA/UK 2016
Directed By: Gareth Edwards

Über dem gesamten Universum schwebt die schreckliche Gewissheit, dass das Imperium über eine neue, gewaltige Superwaffe verfügt, die auf einen Streich ganze Planeten auslöschen kann. Durch eine über Umwege geschickte, holographische Nachricht ihres seit dem gewaltsamen Tode von Jyns Mutter (Valene Kane) zwangsweise als imperialer Ingenieur beschäftigten Vaters Galen (Mads Mikkelsen) erfährt die junge Jyn Erso (Felicity Jones) nicht nur von dessen Beteiligung an der „Todesstern“ genannten Kampfstation, sondern zugleich von einer bewusst darin eingebauten Schwachstelle. Entgegen der Entscheidung der Rebellion zieht Jyn mit einigen neuen neuen Verbündeten zu dem Planeten Scarif, auf dem sich das imperiale Archiv befindet, in dem wiederum die Konstruktionspläne des Todessterns lagern…

Viele der Versäumnisse des letzten ordinalen „Star-Wars“-Kapitels bügelt Gareth Edwards recht ordentliches spin off wieder aus. Zudem versuchen der Regisseur und seine Autoren „Rogue One“ vor allem für die Liebhaber der Ur-Trilogie konsumierbar zu machen, indem sie zahlreiche ästhetische und inhaltliche Querverweise in Richtung des Originalfilms von 1977 und ansatzweise auch dessen zwei Sequels Einzug in ihren Wurmfortsatz halten lassen. Das bewährte Stilmittel der „used future“, also der Eindruck, futuristische Technologie oder Architektur verbraucht und veraltet erscheinen zu lassen, hat das Franchise seit 1983 nicht mehr so glaubhaft auf die Beine stellen können. Ferner begegnen uns neben den neu etablierten Protagonisten, denen die Story des Films quasi ihr „überfälliges Heldendenkmal“ setzt, auch einige alte Bekannte, wenn auch häufig in winzigen Cameos: Die Rebellenführerin Mon Mothma (Genevieve O’Reilly) etwa, der Droide C-3PO (Anthony Daniels), Darth Vader (Spencer Wilding/Daniel Naprous) natürlich, die junge Prinzessin Leia oder Grand Moff Tarkin, für deren „Rückkehr“ man den SchauspielerInnen Invild Deila respektive Guy Henry digitale Masken der originalen Konterfeits von Carrie Fisher und Peter Cushing verabreichte. Der entsprechende Effekt gerät ebenso verblüffend wie gespenstisch. Insgesamt würde ich den zuständigen Kreativen attestieren, sehr viel mehr Herzblut, Empathie und fandom in ihren Film einfließen gelassen zu haben als zuletzt J.J. Abrams und Konsorten, oder zumindest, dass sie das, was „Star Wars“ für den etwas gealterten Anhänger ausmacht, deutlich erfolgreicher zu präservieren wussten. Von einer Rückkehr der „alten Magie“ mag ich zwar noch immer nicht mit Überzeugung sprechen, aber ein erstes, echtes Fähnchen wäre mittels des properen Einsatzes von Tie Fighters und X-Wings zumindest schonmal gesetzt.

8/10