DARK PHOENIX

„I’ve seen evil… and I’m looking at it now.“

Dark Phoenix (X-Men: Dark Phoenix) ~ USA/CAN 2019
Directed By: Simon Kinberg

Die „neue Vergangenheit“, 1992: Ein Rettungseinsatz im All konfrontiert die X-Men mit einer gewaltigen außrirdischen Macht, die sich mit der Telepathin Jean Grey (Sophie Turner) verbindet. Zurück auf der Erde ergreift jene Entität mehr und mehr Besitz von der ohnehin mächtigen Mutantin, derweil Charles Xavier (James McAvoy) alles dafür tut, sie zu retten und das zuletzt durch sein Insistieren hart erarbeitete, positive Renommee des homo superior zu wahren. Als durch Jeans Verschulden jedoch die Gestaltwandlerin Mystique (Jennifer Lawrence) zu Tode kommt, geht ein Riss durch die X-Men – Hank McCoy (Nicholas Hoult) verbündet sich mit Erik Lehnsherr (Michael Fassbender), die die immer wütendere Jean geneinsam aufhalten wollen. Doch sind da noch die D’Bari – Aliens, die der Jean inhärenten „Dark Phoenix“-Macht den Verlust ihres Heimatplaneten anlasten und sich nun mit dessen Hilfe auf der Erde ein neues Zuhause schaffen wollen. Dafür müssten Menschen und Mutanten jedoch aus dem Weg geräumt werden…

Um es kurz zu machen – „Dark Phoenix“, sowohl Sequel als auch Reboot, ist alles in allem der enttäuschendste aller bislang erschienen „X-Men“-Filme und unterbietet damit sogar noch Gavin Hoods erstes „Wolverine“-Solo. Bereits die Wahl des Regisseurs sät a priori berechtigte Zweifel am Gelingen des Projekts – mit Simon Kinberg entschied man sich für jemanden, der seit Brett Ratners „X-Men: The Last Stand“, also dem ursprünglich im Film erzählten Niedergang der damals noch von Famke Janssen gespielten Jean Grey, als Scriptautor und/oder Produzent an den meisten der seither erschienen Mutanten-Abenteuer beteiligt war, bis dato jedoch keinerlei inszenatorische Erfahrung aufwies. A posteriori zeigt sich bestätigend, dass ausgerechnet die von Kinberg geschriebenen X-Storys stets die schwächeren waren, was seiner Verpflichtung als Vorarbeiter ein nachgestelltes Stirnrunzeln abverlangt.
Ala Adaption der Comic-Original-Strecke von Chris Claremont und John Byrne, die zuerst 1980 in den Ausgaben 129 bis 138 der Serie „Uncanny X-Men“ erschien und seither als ewiger Klassiker zigmal neu ediert wurde, scheitert Kinberg jedenfalls nochmals genauso pompös wie bei seinem ersten Versuch mit „The Last Stand“. Auf wesentliche Elemente wie die Shi’ar und deren (mit Xavier nicht nur romantisch verbundenen) Herrscherin Lilandra Neramani oder das außerirdische Tribunal, dem sich Jean Grey und ihre Freunde stellen müssen, wurden aus Gründen der Komplexitätsreduktion verzichtet. Stattdessen bietet der Film vor allem seinen Stars Jennifer Lawrence, die (aus naheliegenden Gründen) offenbar keinen Bock mehr auf ihre „X-Men“-Beteiligung hatte und sich somit kurzerhand aus dem Franchise pfählen ließ sowie „Game-Of-Thrones“-Entdeckung Sophie Turner (die der charismatischen Janssen in keinster Weise das Wasser reichen kann) hinreichend Onscreen-Plattform und flicht außerdem noch den anscheinend zwingend zu beteiligenden Fassbender alias Magneto mit ein. Als wild fightender Wolverine-Ersatz muss im Showdown ausgerechnet der als höflich und liebenswert bekannte Kurt „Nightcrawler“ Wagner (Kodi Smit-McPhee) herhalten – eine wenig akzeptable Wendung für diese doch so konträr gelagerte Figur. Und die schöne Jessica Chastain? Die wird bloß unbekümmert verheizt.
Was ich mit alldem bereits zu verdeutlichen versuche, zeichnet sich anhand des gesamten Films ab – er wirkt von vorn bis hinten wie eine mühselige, für alle Beteiligten verpflichtende Plackerei, eine hochbudgetierte Pflichtübung, deren einziger Existenszweck ihre kommerzielle Spannweite zu sein scheint. Es gibt nur wenige schöne oder spannende Momente von der Art etwa, die Jean ihren (für sie überraschend überlebenden) Vater (Scott Shepherd) aufsuchen und zur Rede stellen lässt, sie bleiben Mangelware in diesem zwar professionell gefertigten, am Ende aber doch sich selbst und seinem Publikum gegenüber spürbar gleichgültig auftretenden, mediokrem Spektakel. Dass hier ein paasgetreuer Punkt erreicht wäre, um aufzuhören, wage ich in Anbetracht vieler schöner früherer Stunden mit den „X-Men“ nicht zu konstatieren; zudem ist „Dark Phoenix“ dafür doch noch nicht genug veritable Katastrophe. Ob die Super-Mutanten demnächst dann auch ihr eigenes „Homecoming“ in den Schoss des MCU erleben werden, mag sich ja ferner noch erweisen.

5/10

RAMBO: LAST BLOOD

„This is what it feels like.“

Rambo: Last Blood ~ USA/E/BG 2019
Directed By: Adrian Grunberg

Rund zehn Jahre, nachdem John Rambo (Sylvester Stallone) zurück auf seine elterliche Farm in Arizona zurückgekehrt ist, sieht er sich abermals gezwungen, zu den Waffen zu greifen: Gabrielle (Yvette Monreal), die Tochter seiner mexikanischstämmigen Haushälterin Maria (Adriana Barraza) und im Grunde Rambos Ziehkind, fährt entgegen aller Vernunft allein über die Grenze, um Kontakt zu ihrem Vater (Marco de la O) aufzunehmen. Frustriert über dessen kalte Abfuhr lässt sich Gabrielle von ihrer Bekannten Gizelle (Fenessa Pineda) in einen lokalen Nachtclub abschleppen und gerät dort an die Mädchenhändler- und Zuhältermafia um die Brüder Hugo (Sergio Peris-Mencheta) und Victor Martínez (Óscar Jaenada). Ein überstürzter, erster Befreiungsversuch Rambos versagt kläglich – er selbst wird halbtot geprügelt und Gabrielle unter Heroin gesetzt und im nächsten Puff abgeladen. Dank der engagierten Journalistin Carmen Delgado (Paz Vega), deren Schwester die Martínez-Brüder auf dem Gewissen haben, gelingt es Rambo, doch noch, Gabrielle habhaft zu werden, doch das Mädchen stirbt auf dem Heimweg. Rambos Rache ist fürchterlich.

Nachdem der ungeheuer kraftvolle, vorletzte Leinwandauftritt von Sylvester Stallones zweiter hymnischer Figur und in Eigenregie mit seinem versöhnlichen Abschluss eigentlich den denkbar schönsten, logischen Finalpunkt unter die „Rambo“-Saga gesetzt hatte, konnte der nunmehr 73-jährige doch nicht die Finger stillhalten und ließ den inkarnierten, personifizierten Krieg erneut von der Leine.
Dabei differiert diese zweite Hauptinszenierung Adrian Grunbergs nach dem ebenfalls jenseits der mexikanischen Grenze (tatsächlich wurde in Bulgarien und auf Teneriffa gefilmt) angesiedelten Knastthriller „Get The Gringo“ doch recht signifikant von der bislang kultivierten Leinwand-Ikonographie rund um den Charakter John Rambo, und nicht immer unbedingt zum Positiven.
Zum zweiten Mal nach seinem nunmehr 37 ereignisreiche Jahre zurückliegenden Debüt erleben wir den Titelhelden im Einsatz auf heimischem Areal, diesmal allerdings in überaus mittelbarer Verbindung mit einer bestenfalls vernachlässigbaren politischen Dunstwolke (die Vorwürfe in Richtung populistischer Trump-Grenzmauer-Propaganda erweisen sich ziemlich rasch als hilf- bis haltlos). In der Zwischenzeit brach Rambo bekanntlich zweimal in Südostasien und einmal am Hindukusch zu verlustreichen Missionen auf, mit zunehmend persönlicher werdender Agenda und jeweils undurchdringlicher werdender, obschon unsichtbarer Leibespanzerung, die ihn sich zumindest physisch relativ unbeschadet durch die zunehmend umfangreichen Reihen seiner Gegner pflügen ließ. Nicht jedoch psychisch, davon unterrichtet uns ein Döschen mit Psychopharmaka, das Rambo, nunmehr um den charakteristischen Schopf und das Stirnband erleichtert, stets mit sich führt (und später bedeutungsvoll wegwirft) – für den Fall, quasi. Trotz einer offenbar größenteils glücklich verlebten, letzten Dekade vermag Rambo nicht, die alten Traumata abzulegen. Einsam widmet er sich heuer der Pferdedressur und verbringt seine Nächte in den eigens angelegten Tunneln unter seiner Ranch. Das subterrane System verleiht ihm scheinbar jenes Gefühl von Sicherheit, das seit Vietnam fest zu seinen Grundbedürfnissen gehört. Einen „Ausgleich“ verschafft er sich nebenbei mittels halsbrecherischer Rettungsaktionen in den umliegenden Bergen und Wäldern.
Nachdem wir somit hinreichend auf den aktuellen Stand betreffs Rambos psychologischer Disposition gebracht wurden, folgt ein geflissentlich redundanter, narrativer Leerlauf, der sich dem aussichtslosen Kampf um die Retung Gabriellas widmet und den Rezipienten derweil etwas im Stich lässt. Nicht nur, dass sich Rambos erster Besuch in Mexiko, zumal in Anbetracht seiner unerschöpflichen Kriegs- und Kampfeskenntnisse, ebenso aussichtslos wie unlogisch ausnimmt, kostet just diese erhebliche Dummheit seitens des Protagonisten Gabriella eigentlich erst das Leben. Das letzte Drittel widmet sich dann in eher verpflichtender denn erschöpfender Manier Rambos wiederum professionell vorbereiteter und siegreich geführter Schlacht auf häuslichem Boden. Erst jetzt treten seine unschlagbaren Guerilla-Fertigkeiten zutage und offenbart das sich zuvor etwas ominös ausnehmende Tunnellabyrinth seine eigentliche dramaturgische Funktion. Diverse Fallen, Geschosse und Stichwerkzeuge wie man sie noch ausgiebig von Rambos früheren Aktionstagen her kennt, bescheren dem mexikanischen Gangstergesocks haufenweise schnelle, blutige Abgänge. Dennoch erreicht selbst dieser mit dem Splatterfilm liebäugelnde Showdown nie die audiovisuelle Wirkmacht und den emotionalem impact von Rambos zuletzt getätigten Besuch im Dschungel von Myanmar. Auf den militärischen Kombattanten folgt der private Selbstjustizler und damit gewissermaßen ein Schritt in beliebigere Sphären des Actiongenres: Rambos jüngstes Abenteuer hat eigentlich weniger mit ihm selbst und seiner bis 2008 ausformulierten Mythologie zu tun denn mit den geriatrischen Gattungsabstechern etwa eines Paul Kersey in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren. Insofern stellt sich die Frage, ob die Etikettierung als fünfter „Rambo“-Film überhaupt notwendig war, erleben wir hier doch nicht mehr und nicht weniger als einen vom völligen Ausbrennen bedrohten, altersgegerbten Vietnamveteranen auf privatem Vigilantenfeldzug, der mehr oder weniger zufällig von Sly Stallone gespielt wird.

7/10

JOHN WICK: CHAPTER 3 – PARABELLUM

„I still have time.“

John Wick: Chapter 3 – Parabellum ~ USA 2019
Directed By: Chad Stahelski

John Wick (Keanu Reeves), innerhalb der „Hohen Kammer“ der internationalen Killer-Gemeinschaft zur persona non grata erklärt und exkommuniziert, findet bekanntlich immer noch ein letztes Schlupfloch. Diesmal ist ihm eine alte Bekannte (Anjelica Huston) aus Weißrussland behilflich, die ihm noch einen Gefallen schuldet. Mit ihrer symbolischen Unterstützung gelangt Wick nach Casablanca, wo ihm wiederum Sofia (Halle Berry), die Managerin des hiesigen „Continental“, widerwillig zunächst Tür und Tor zum Attentäter Berrada (Jerome Flynn) öffnet, den die beiden im Anschluss mitsamt seinem Gefolge niedermähen, nachdem er einen von Sofias geliebten Hunden erschießt. Via die gewünschte und erhaltene Information begibt sich Wick in die Sahara und trifft dort, kurz vorm Erschöpfungstod, auf einen der obersten Chefs der Hohen Kammer, den „Ältesten“ (Saïd Taghmaoui), vor dessen Augen Wick Tribut ablegt und seinen Treueschwur erneuert. In New York zeigen sich eine Wick verfolgende „Richterin“ (Asia Kate Dillon) und ihr Helfershelfer Zero (Mark Dacascos) derweil unbeeindruckt von Wicks Bemühungen und nehmen das hiesige Continental unter Manager Winston (Ian McShane) ins Visier. Der unterdessen dorthin zurückgekehrte Wick kann Zero mit Winstons Hilfe im Duell besiegen, wird aber schließlich im Austausch für dessen Managerrechte doch noch von ihm verraten. Schwer verletzte flüchtet sich Wick zu dem nicht minder angeschlagenen Bowery King (Laurence Fishburne), um die nächsten Schritte zu planen.

Kaum zu glauben, aber die zur Trilogie angewachsene Saga um den „Schwarzen Mann, den man anheuert, um den Schwarzen Mann zu töten“, geht in der dritten Runde noch mehr in die Vollen als der schon höchst aufgedrehte Vorgänger. Ein unfassbares, ausuferndes Tötungsgewitter ist das Resultat, mit einer rekordverdächtigen Zahl hinweggeraffter Opfer, die sich mit Stich- und Feuerwaffen, bloßen Händen und unter teils tatkräftiger Beteiligung von Pferden und Hunden rigoros in die Profikillerhölle geschickt finden. Wierum im Höchstmaß begeisternd nimmt sich vor allem die visuelle Perfektion aus, die Stuntprofi Stahelski mit jedem Film in noch vollendetere choreographische Sphären zu treiben scheint; nahezu surreale set pieces und ausgesucht erlesene Kulissen dienen als prachtvolle Hintergründe für Wicks diverse Liquidierungsabenteuer, derweil Stahelski ganz bewusst auf exorbitante Schnittgewitter oder verschleiernde Montageakte verzichtet und an deren Statt die reine Aktion für sich sprechen lässt. Was hier an Kämpfen ausgetragen wird, das ist zumindest zum Großteil echte kinetische Kunst, die die begleitende Technik bravourös geplant unterstützt. Der ausgesprochenen formalen Erstklassigkeit setzt das Script derweil ein die Gewaltakte relativierendes Comic-Moment entgegen, das mich stark an die Schelmereien eines Mark Millar erinnerte.
Mit dem vorliegenden Teil löst sich der Wick-Zyklus inhaltlich somit noch mehr als zuvor von Erdboden und realistischer Gravitas und begibt sich stattdessen tiefer in die weiterfabulierte Parallelwelt der Profikiller und Attentäter, deren globales Netzwerk nicht zuletzt infolge des Nordafrika-Kernakts einen beinahe mythologischen Überbau erhält – wenn im nächsten Teil auch noch Geister, Vampire oder Zombies auftauchten, wäre das im Prinzip kaum weiter verwunderlich. Erfreuliche Gaststars geleiten Keanu Reeves‘ Pfade, der vor allem dadurch, dass er prononciert stoisch bleibt und mimisch kaum gefordert wird, vielleicht die Rolle seines Lebens gefunden hat: Die Huston und die Berry etwa und ganz besonders natürlich Mark Dacascos, dessen Endfight gegen Wick, zumal nachdem Stallones „Expendables“-Franchise den stets sympathischen Hawaiianer bis dato unverständlicherweise beständig verschmähte, ein feines Zugeständnis an das bereits klassisch zu nennende Actionfach der Neunziger markiert.
Das Gesetz der Steigerung jedenfalls haben Stahelski und Reeves auf bewundernswerte Art verinnerlicht und mit „Parabellum“ einen wirlich großartigen Genrevertreter fabriziert. Ob dieser nochmals getoppt werden kann, darf mit Spannung antizipiert werden.

8/10

THE PREDATOR

„They’re large, they’re fast, and fucking you up is their idea of tourism.“

The Predator (Predator – Upgrade) ~ USA/CA 2018
Directed By: Shane Black

Während eines Einsatzes in Mexiko gerät Army-Sniper Quinn McKenna (Boyd Holbrook) an einen ebenfalls vor Ort befindlichen Predator. Mit mehr Glück als Verstand gelingt es McKenna, das Alien außer Gefecht zu setzen und ihm einige Ausrüstungsgegenstände abzunehmen. Diese verschickt McKenna in weiser Voraussicht an seine in einer US-Kleinstadt lebende Familie, Frau Emily (Yvonne Strahovski) und Sohnemann Rory (Jacob Tremblay), der gleichsam hochintelligent ist und unter dem Asperger Syndrom leidet. Derweil wird der eigens zur Predator-Beobachtung abgestellte Agent Will Traeger (Sterling K. Brown) auf McKenna und den von ihm kaltgestellten Fremden aufmerksam. Die eilends hinzugezogene Casey Brackett (Olivia Munn) kann ihr Glück, eine außerirdische Spezies untersuchen zu dürfen, kaum fassen. Während der flüchtige McKenna gefasst und mit einigen anderen Militärhäftlingen verlegt wird, kann der gefangene Predator fliehen. Es findet sich jedoch noch ein weiterer, durch Genmanipulation mutierter Außerirdischer ein, der seinen Artgenossen tötet und Jagd auf McKenna und Sohn Rory macht. Offenbar sind die beiden im Besitz von etwas, dessen sie nicht habhaft sein sollten…

Die sich nur anscheinend etwas kompliziert ausnehmende Synopsis von Shane Blacks jüngster Regiearbeit sollte keinen falschen Eindruck vermitteln: „The Predator“ dürfte einserseits zwar den bis dato blutigsten, andererseits allerdings zugleich den humorigsten Eintrag in dem bisher (zählt man die beiden Crossover mit) sechs Filme umfassenden Zyklus um die illustren außerirdischen Jäger abgeben. Wie es so des Regisseurs Art ist, besteht das von ihm selbst und Fred Dekker dem Film zugrunde gelegte Script gleichsam aus explosiven Actionsequenzen und einer selbst für Blacks zunehmend anarchische Verhältnisse rückhaltlosen Kaskade aus Sprüchen und Gags, von denen sich aber diverse leider auf halbgarer Ebene verflüchtigen. So nimmt sich „The Predator“ primär als ein weiterer Beitrag zur gegenwärtig angesagten Achtziger-Retro-Welle aus: Black, der ja bekanntlich einst selbst in John McTiernans maßgeblichem Original als Hawkins – Söldner, Lieferant schmutzig-misogyner Witzchen und erstes Opfer des Predator – auf der Seite der „Guten“ angetreten war und sich hernach vor allem als Drehbuchautor einen Namen machen konnte, arbeitete hier erstmals seit „The Monster Squad“ wieder mit seinem alten Kumpel Dekker zusammen. Offenbar haben die beiden Jungs noch einen ganz ähnlichen Schalk wie vor rund dreißig Jahren im Nacken, denn „The Predator“ dürfte vor allem Kids viel Freude bereiten oder noch viel mehr Solchen, die auch nach drei Dekaden noch umweglos ihre einstige Jungpersona zu reaktivieren vermögen. Als ernsthaftes Genrestück in der Tradition der ersten beiden „Predator“-Filme von McTiernan und Hopkins sollte man Blacks Schwank jedenfalls nicht in Empfang nehmen, sondern vielmehr als herzhaft-kurzweiligen Spaß, dessen R-Rating-Effekte abseits seines kindlichen (Mit-)Protagonisten, dem im späteren Plotverlauf eine unerwartete Zentralfunktion zukommt, recht genüsslich und in übertriebenem Maße zelebriert werden. Den Dreieinhalb-Meter-Super-Riesen-Predator und seine (in abgewandelter Form aus dem ’10er-Film von Nimród Antal bekannten) Schoßhunde als eminente Bedrohung ernstzunehmen, entbietet sich jedenfalls als nahezu unmöglich und auch die multipel eingestreuten, komisch konnotierten Reminiszenen an die bisherige Filmhistorie der Monster verhindern recht zielsicher, dass „The Predator“ sich jemals dem Verdacht etwaiger Ernsthaftigkeit aussetzen könnte. Er ist dann doch vielmehr ein grobschlächtiges Spaßprodukt, dem man aufgrund seiner deftigen, mit entwaffnendem Selbstverständnis zelebrierten Infantilität kaum ernsthaft böse sein mag.

6/10

THE FLY II

„You can’t walk… and you’re getting worse…“ – „I’m getting… better!“

The Fly II (Die Fliege II – Die Geburt einer neuen Generation) ~ USA 1989
Directed By: Chris Walas

Als die Journalistin Veronica Quaife (Saffran Henderson) schließlich doch noch das Kind des auf fürchterliche Weise getöteten, mutierten Wissenschaftlers Seth Brundle zur Welt bringt, stirbt sie gleich nach der Geburt. Doch die scheinbare Monsterbrut entpuppt sich als sehr menschliches Kind, dass binnen fünf Jahren, abgeschottet von der Außenwelt und unter Laborbedingungen zu einem höchst intelligenten, jungen Mann namens Martin (Eric Stoltz) heranwächst. Doch Martin Brundles vermeintlich fürsorglicher Pflegevater, der Konzernchef Anton Bartok (Lee Richardson), hat nur den schnöden Profit im Sinn, den er sich von dem ungewöhnlichen Jungen und vor allem von dessen Weiterarbeit an den Teleportationsexperimenten seines Erzeugers verspricht. Als Martin sich in seine Mitarbeiterin Beth (Daphne Zuniga) verliebt und ihm bald der weitere Kontakt mit ihr verwehrt wird, deckt er endgültig Bartoks wahre Intentionen auf und eine wohlbekannte Verwandlung beginnt sich seiner zu bemächtigen.

Nach dem mittlerweile zum ungezählten Male wiederholten Hochgenuss von David Cronenbergs „The Fly“-Remake überkam mich die spontane Lust, mir nach bestimmt 25 Jahren einmal wieder Chris Walas‘ Sequel, die erste von zwei Regiearbeiten des brillanten S-F/X-Wiz, anzuschauen.
Zunächst lässt sich wohl festhalten, dass die Fortsetzung von der bloßen inhaltlichen Weiterspinnung in keiner Art und Weise an dem Vorbild und seiner hinlänglich bekannten, metaphilosophischen Meditationsebene messen lässt. Walas schwenkt vielmehr gleich zu Beginn radikal hinüber in Richtung hausbackenes Achtziger-Genrekino, das, von einigen Schrecksekunden zu Beginn abgesehen, im ersten Drittel wie ein zeitgemäßer SciFi-Film für ein eher junges Publikum wirkt und in di8esem Zusammenhang vornehmlich an Selbstfindungsgeschichten wie Simon Wincers „D.A.R.Y.L.“ erinnert. Dann folgt die bittere Zäsur, jener grausige Moment mit dem infolge eines missglückten Teleortationsversuchs furchtbar entstellten Laborhund, den Martin erst zwei Jahre später noch immer lebend vorfindet und von seinen Qualen erlösen muss. Diese eine Szenenklammer hatte schon damals und hat noch immer eine höchst transgressive, kaum erträgliche Wirkung auf mich und steht (befremdlicherweise) in keinem emotionalen Verhältnis zum Rest des Films. Vielleicht ist es gerade deshalb gut, dass es sie gibt – ich bin mir da nach wie vor nicht ganz schlüssig.
Gegen Ende jedenfalls dann, als Martins seit eh und je prognostizierte Mutation einsetzt und ihn nurmehr der Gedanke an Rache umtreibt, lässt Walas alle zuvor greifende Zurückhaltung fallen und holzt make-up-mäßig drauf los als gäbe es kein Morgen. Anders als ehedem bei Vater Seth, den mit dem Fliegengenom auch der animalische Wahnsinn befällt, ist Martins Agenda jedoch eine bestens nachvollziehbare und verständliche, wie auch sein trotz des monströsen Äußeren sehr gerissenes Kalkül beweist, das ihm selbst ein humanes Happy End und Hundsfott Bartok ein übles Schicksal als schleimiges Etwas (wie einst dem von ihm am Leben gehaltenen Hund) verheißt. Zuvor darf Brundlefliege junior jedoch noch einige von Bartoks Mitarbeitern aufs Übelste verunstalten, was Walas dann zu seinem wahren Leisten verhilft, obgleich auch die detailliert vorgeführten Splattersequenzen den Wirkungsgrad von jenen des „Originals“ völlig verfehlen.

6/10

MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT

„I’ll figure it out.“

Mission: Impossible – Fallout ~  USA/RC/F/NOR 2018
Directed By: Christopher McQuarrie

Die Terrororganisation „Syndikat“ nennt sich nach Solomon Lanes (Sean Harris) Festsetzung durch den IMF nunmehr „Die Apostel“. Nachdem Ethan Hunt (Tom Cruise), um seinen Freund und Kollegen Luther Stickell (Ving Rhames) zu retten, den Verlustiggang dreier Plutoniumeinheiten in Berlin in Kauf nimmt, muss er kurz darauf erkennen, dass die Apostel unter dem Vorsitz des bislang unidentifizierten John Lark aus den Einheiten Nuklearsprengköpfe herstellen ließen. Hunt soll in Paris zumindest den Rückerwerb der nunmehr einsatzbereiten Sprengköpfe verhindern, wobei er gezwungenermaßen mit dem CIA-Agenten August Walker (Henry Cavill) zusammenarbeiten muss. Den beiden gelingt es, sich mit Hunt als vermeintlichem John Lark in die Organisation der Waffenschieberin Alanna Mitsopolis (Vanessa Kirby), genannt „White Widow“, einzuschleusen. Diese plant die Befreiung von Solomon Lane mithilfe von Hunt/Lark und Walker. Es gelingt Hunt, Lane zwischenzeitlich festzusetzen und zu beweisen, dass Walker der echte John Lark ist. Dieser kann schließlich mit Lane nach Kashmir entkommen, wo die Apostel planen, durch die Detonation der Bomben den Siachengletscher zu verseuchen und infolge der abgeschnittenen Wasserversorgung eine humanitäre Katastrophe in Südasien auszulösen. Für Hunt wird die Angelegenheit nochmals pikanter dadurch, dass seine frühere Frau Julia (Michelle Monaghan) sich in einem Versorgungscamp vor Ort befindet…

Gewissermaßen als kleines Novum innerhalb der Reihe inhaltlich direkt an den Vorgänger anschließend, präserviert „M:I 6“ aufs Neue den Superheldennimbus des von Tom Cruise dargestellten Spitzenagenten Ethan Hunt. Wenn seine Ex-Frau ihm gegen Ende versichert, dass sie sich in der Welt sicher fühle, weil sie um Hunts unermüdlichen Kampf um deren Rettung wisse, dann sagt das gewiss auch ein wenig über Cruises Bedürfnis aus, sein mittlerweile zum Lebenswerk avanciertes Franchise auch weiterhin möglichst lange am Leben zu erhalten. Was diese sechste Spielfilm-Installation des einstigen TV-Serien-Reboots binnen immerhin 23 Jahren in spezifischer Hinsicht anbelangt, so kann man ihr zunächst weiterhin beruhigt attestieren, nach wie vor ein Nonplusultra auf dem internationalen Genresektor darzustellen. Als Agentenfilm-Reihe hat sich die Serie mittlerweile aus dem übermächtigen Schatten des großen Vorbilds „James Bond“ herauslösen und dieses übertrumpfen können. Dabei hilft ihr freilich auch die Tatsache, dass Ethan Hunt sich infolge der Gnade seiner vergleichsweise späten Kopfgeburt niemals als sexistischer Dinosaurier, arroganter Bonvivant oder Kalter-Kriegs-Relikt rechtzufertigen hatte und seine (überdies minimale) Persönlichkeitsentwicklung somit sehr viel umwegloser stattfinden konnte. Wiederkehrende, sympathische Gesichter wie die von Ving Rhames oder Simon Pegg, die „Mission: Impossible“ nunmehr seit langem die Treue halten (ersterer sogar seit Anbeginn), hinterlassen immer wieder ein wohltuendes Gefühl von familiärer Vertrautheit, was dem Stammpublikum der Serie wiederum seine Treue entlohnt. Zumindest auf Jeremy Renner heißt es indes diesmal leider verzichten zu müssen.
Ethan Hunts natürlich stets angenommene Missionen erweisen sich dabei nicht erst seit „Fallout“ so beliebig wie austauschbar; identitätsstiftend für jeden Einzelbeitrag sind hingegen die sich auf ungebrochen spektakulärem Level entfaltenden Action-Sequenzen,von denen es diesmal mehrere urbane Verfolgungsjagden gibt und natürlich das waghalsige, zweigleisig fahrende Finale. Bis zum nächsten Mal dann.

8/10

HALLOWEEN

„Say something!“

Halloween ~ USA 2018
Directed By: David Gordon Green

Exakt vierzig Jahre, nachdem der wahnsinnige Michael Myers (Nick Castle/James Jude Courtney) im Städtchen Haddonfield zu Halloween eine Mordserie zu verantworten hatte, soll er von seiner bisherigen Heimstatt Smith’s Grove in eine andere Psychiatrieklinik verlegt werden. Zwei Journalisten (Rhian Rees, Jefferson Hall), die den Fall nochmals aufrollen, konfrontieren kurz zuvor den inhaftierten Michael mit seiner damals identitätsstiftenden Maske, scheinbar ohne ersichtliche Reaktion. Die ebenfalls von den Reportern aufgesuchte Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), einzige Überlebende des einstigen Massakers und mittlerweile zweifach geschiedene Mutter und Großmutter, hat sich in ein festungsähnliches Haus mitsamt diversen Waffen und booby traps zurückgezogen, wo sie seit Jahr und Tag auf Myers‘ unausweichliche Rückkehr wartet. Es kommt, wie es kommen muss: Michael kann bei der Überführung fliehen und sucht umgehend seine frühere Wirkungsstätte, auf um dort erneut ein Blutbad anzurichten.

Ein sehr zweischneidiges Schwert, dieser neuerliche, (Tommy Lee Wallaces abtrünniges Zweitsequel sowie Remake und Fortsetzung inbegriffene) elfte, diesmal unter Blumhouse-Ägide entstandene Aufguss der Myers-Mär, von der bisher jeder weitere Film einen logischen Schlusspunkt hätte abgeben mögen. Da die mittlerweile in Ehren ergraute Curtis allerdings bereits zum zwanzigsten Jahrestag in einem ziemlich schwachen Reboot zurückkehrte, ließ sie es sich nunmehr nicht nehmen, jene Rolle, der ihre Karriere den vermutlich wesentlichsten Aufschwung verdankt, heuer aufs Neue (und somit zum fünften Mal) ihre Ehrerbietung zu erweisen. Dass man spätestens in zwei Jahrzehnten wiederum mit ihr rechnen sollte, ist insofern keineswegs ausgeschlossen.
Während Steven Miners „H20“ auf der reinen Handlungsebene seinerzeit jede Fortsetzung bis auf Rick Rosenthals Erstsequel, in dem wir den wesentlichen Grund für Michael Myers‘ Mordmotivation erfahren (nämlich den, dass Laurie in Wahrheit seine Schwester ist und er danach trachtet, sämtliche Familienmitglieder zu beseitigen), für null und nichtig deklarierte, geht der jüngste Beitrag, der sich verwirrenderweise nurmehr „Halloween“ tituliert, noch einen Schritt weiter und setzt, ganz offensichtlich aus rein logistischen Gründen (am Ende von „Halloween II“ ist deutlich zu sehen, dass Michael verbrennt) direkt nach Carpenters seit jeher unangetastetem Original an: Michael, der damals ja urplötzlich verschwunden schien, war, so erfahren wir bald, von einem umtriebigen Polizisten (Will Patton) in Gewahrsam genommen und wieder dingfest gemacht worden. Seither ist er zurück in Smith’s Grove, wo er nach dem Ableben von Dr. Loomis unter der Obhut von Loomis‘ Schüler Dr. Sartain (!) (Haluk Bilginer) steht. Die nachhaltig traumatisierte Laurie rechnet indes permanent mit einem weiteren Ausbruch ihrer Nemesis und widmet ihr gesamtes Leben der Erprobung des unvermeidbaren Ernstfalls. So weit die Prämisse, die dann mit Michaels jubilarischer Flucht ihre notwendige Sollbruchstelle erhält. Der Mann mit der Maske bekommt dann auch allerlei Gelegenheit für einen blutigen Feldzug, der ihn wiederum nach Haddonfield und unbeirrbar auf die Spur von Laurie und ihrer Familie führt. Worin diesmal die Beweggründe für sein durchaus gezieltes Vorgehen liegen (das Script versichert uns einmal per Dialog, dass Michael und Laurie nicht miteinander verwandt sind), bleibt diffus; die beste Erklärung ist wohl die, dass Michael es schlichtweg nicht leiden mag, wenn ihm jemand entkommt. Jedenfalls holzt der Gute mit einer Qualität und Quantität, die schon deutlich derber daherkommt als bislang gewohnt und die bei einer Sechzehner-FSK die Tatsache, dass „Halloween II“ in seiner ungekürzten Fassung bei uns noch immer beschlagnahmt ist, umso stirnrunzliger erscheinen lässt. Die rohe Brachialität von Michaels Werksgang erinnert dann auch vielmehr an die beiden Zombie-Filme, wobei auch dies zur basalen Konzeption von „Halloween (2018)“ gehört: An nahezu sämtliche bisherigen Beiträge zum Franchise gibt es Reverenzen, die natürlich jede für sich fluides Balsam für den akribisch-aufmerksamen Fan bilden. Als von klassischen bzw. traditionsverpflichteten Versatzstücken strotzender Slasher ist Greens Film nicht nur insofern gewiss gelungen. Es gibt eine Menge Tote, und garantiert keiner von ihnen klopft hübsch herausgeputzt an die Himmelspforte.
„Halloween (2018)“ ist aber leider auch ein ausgesprochen dämlicher Film, dessen Script und inhärente Dramaturgie selbst bei oberflächlichster Betrachtung mitunter schreiend löchrig wirken. Die Faux-pas‘ strotzen. Ich sehe es nun nicht als meine Aufgabe an, ebenjene zu benennen oder aufzulisten, aber sie sind, soviel sei gesagt, mehr denn augenfällig. Ebendiese Nachlässigkeiten versagen dem immerhin bahnbrechend erfolgreich gestarteten Werk, dass man es als uneingeschränkt erfreuliches reinstallment des Klassikers bezeichnen könnte; er erweist sich stattdessen immer wieder als wie erwähnt von entwaffender Dummheit beseelt. Da gewissermaßen auch das – oder sagen wir besser – eine gewisse, hirnerweichende Naivität, eines der ubiquitären Merkmale des Slasher-Subgenres ist, mag man in diesem Fall ein Nachsehen haben. Diebische Freude macht Greens „Halloween“ zumindest, soviel kann und darf man sagen.

6/10