DEMONS OF THE MIND

„I have been led here, I have work to do. But what?“

Demons Of The Mind (Dämonen der Seele) ~ UK 1972
Directed By: Peter Sykes

Tiefste, deutschsprachige Provinz, irgendwann im frühen 18. Jahrhundert: Baron Zorn (Robert Hardy) fürchtet um die geistige Gesundheit seiner beiden Kinder Emil (Shane Briant) und Elisabeth (Gillian Hills), die er als Erbträger der schweren, psychischen Erkrankung seiner Frau (Sidonie Bond) wähnt, die sich einst, unter Bezeugung der Kinder, das Leben nahm. Eine Mordserie rüttelt bereits die Gegend wach; die angrenzend lebenden Dorfbewohner sprechen hinter vorgehaltener Hand bereits von Dämonen, die ihr Unwesen treiben sollen. Als alle Aderlässe und Hausarreste keine Besserung versprechen, ruft der Baron die Therapeuten Falkenberg (Patrick Magee) und Richter (Paul Jones) herbei. Können sie den Geschwistern helfen?

Das Jahr 1970 bildete gewissermaßen ein Schallmauer betreffs des Ausstoßes der englischen Produktionsfirma Hammer. Die bunten, stark kontrastierten Bilder der um allerlei Monster und Vampire kreisenden Werke der fünfziger und sechziger Jahre, wichen ebenso wie die schwarzweißen Scope-Kadragen um in den Wahnsinn getriebene Verschwörungsopfer jener typisch blassen, ausgeblichenen wirkenden Fotografie, die man gemeinhin mit dem britischen Filmschaffen der folgenden Dekade assoziiert. Reeves‘ bitterböser „The Witchfinder General“ hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Mit dem formalen Wandel folgte auch eine mentale Umorientierung, für die „Demons Of The Mind“ ein rechtes Paradeexempel abgibt: Inhalt und Narration ordnen sich einer oftmals delirierenden, fiebrigen Atmosphäre unter, in der dekadente Blaublütige dem ihren Stande inhärenten Irrsinn anheim fallen, irrational agieren und zu Mördern werden.
Die Geschichte des Geschlechts derer von Zorn ist zugleich die Geschichte des Zerfallens der Aristokratie und ihrer Privilegien – Inzestuöse Gelüste und Blutrunst greifen um sich, derweil das einfache Volk sich zur Revolte aufschwingt, um dem seit Generationen zunehmend kritisch beäugten Treiben der Feudalherrscher ein gewaltsames Ende zu bereiten. Die Psychoanalyse beginnt zwar, unter nicht minder hilflosem Zweifel erste Hilfestellungen feilzubieten; diese müssen sich ihre Akzeptanz jedoch erst noch erobern.
„Demons Of The Mind“ mit der Erwartung eines logisch konzipierten, kausalen Ablaufs zu begegnen, erweist sich als wenig erfüllender Ansatz. Man findet sich rasch verloren in den Wirrungen der von Sykes recht expressiv Dargebotenen. Vielmehr bebildert der Regisseur die verdrehten Hirnwindungen seiner geistig angegriffenen Protagonisten, spielt mit allerlei Symbolen und ungewöhnlichen Einstellungen und lässt inmitten dieser Hardy und Magee in wie üblich der Verzweiflung naher Hilflosigkeit in ihr Verderben rennen.

7/10

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NIGHT SCREAMS

„I no longer feel that social interaction will be harmful…“

Night Screams (Nacht des Grauens) ~ USA 1987
Directed By: Allen Plone

Während das eigentlich schwer unzufriedene Football-Nachwuchs-Talent David (Joseph Paul Manno) mit seinen Freunden im feudalen Haus der Eltern eine dufte Fete steigen lässt, kommt es zu mancherlei Unpässlichkeiten: Nicht nur, dass zwei psychotische Knastausbrecher und Killer sich den häuslichen Keller als Versteck ausgesucht haben, treibt auch noch ein weiterer irrer Serienmörder sein Unwesen und knöpft sich einen Partygast nach dem anderen vor. Ist es gar David selbst, der hier durchdreht? Immerhin hat seine Mom (Beth Lewis) vergessen, ihm rechtzeitig seine Tabletten zuzustecken…

Allen Plone, in Anbetracht seiner sonstigen kreativen Errungenschaften offenbar großer Fan der Disco-Götter Earth, Wind & Fire, brachte es nach „Night Screams“ noch auf zwei weitere Spielfilme als Regisseur, bevor er sich entschloss, das entsprechende Feld dann doch lieber inspirierteren Schaffensgenossen zu überlassen.
Bei „Night Screams“ handelt es sich um einen topologisch zunächst unauffälligen Slasher, dessen einzig spezifisches Handlungsmoment darin besteht, der Geschichte ein Duo brutaler Knackis hinzuzusetzen, deren ursprüngliche Einführung und späteren Einsatz der Film dann aber wieder weitestgehend vergisst. Vielmehr gefällt sich Plone darin, sein Werk durch eine möglichst wirre Inszenierung stark unübersichtlich zu gestalten. Möglicherweise wollte er auf diese Weise auch bloß die eigene Lustlosigkeit verschleiern, denn ‚lustlos‘ ist wohl das „Night Screams“ am gerechtesten werdende Prädikat. Der Film ist vor allem hässlich, fahl und schwunglos; nahezu jede/r der sicht- und unsichtbar Beteiligten hinterlässt den Eindruck, als glaube sie / er erst gar nicht an das Projekt oder dessen möglichen Erfolg. Selbst die Musik einer sich flott wähnenden Clubband (n.n.) dröhnt blass und austauschbar. Die konservische Verwendung einzelner Szenen aus „Graduation Day“ und aus einem älteren John-Holmes-Porno, die jeweils von filminternen Videoguckern goutiert werden, besitzt wohl ausschließlich eine – geflissentlich formuliert ominöse – Dehnungsfunktion. Das wiederum hoffnungslos undurchsichtig „aufgelöste“ Ende macht den ganzen Driss erwartungsgemäß nicht besser. Selbst die meisten kills kommen öde um die Ecke.
Eine Veranstaltung, die man getrost aussparen kann.

3/10

CHEERLEADER CAMP

„Okay, your friend’s dead. Now get the fuck back to the camp or I’ll shoot y’all, will ya?“

Cheerleader Camp (Bloody Pompoms) ~ USA/J 1988
Directed By: John Quinn

Cheerleader-Königin werden – das ist ihr größter Traum und zugleich ihre größte Bürde. Dennoch stellt sich die psychisch labile Alison Wentworth (Betsy Russell), Vortänzerin des Cheerleader-Teams der Lincoln High, gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen tapfer der Herausforderung, den regionalen Wettkampf im einschlägigen Trainingscamp „Hurrah“ zu gewinnen. Kaum vor Ort angekommen, erliegt das erste Opfer, ein Mädchen (Krista Pflanzer) von der „Konkurrenz“, sogleich einem scheinbaren Selbstmord. Doch weder die die dramatischen Ereignisse vertuschende Chefin (Vickie Benson) des Camps noch die anderen Kids interessiert jener Zwischenfall sonderlich und man geht dem Tagesgeschäft unbeeindruckt weiter nach. Als der nächste Todesfall auftritt, beginnt Alison, mehr und mehr an ihrem Verstand zu zweifeln – könnte sie unbewusst eine Mörderin sein…?

Ähnlich wie der im Vorjahr entstandene „Return To Horror High“ müht sich der unter japanischer Co-Produktionsägide entstandene „Cheerleader Camp“, dem Slasher-Genre einen parodistischen Ansatz zu entlocken, ohne die Wurzeln der Gattung gleich vollends zu denunzieren, oder gar in totalen Slapstick Marke „Pandemonium“ auszuarten, mit dem er ansonsten erstaunlich viele Parallelen teilt. Diesmal steht der sich uns Europäern verständlichermaßen absurd ausnehmende Teenagerwunsch, nationale Prominenz als Super-Cheerleader zu erlangen, einerseits im Storyzentrum und ist andererseits motivationale Antriebsfeder für das derangierte Mörderhirn, wie der mithin wenig überraschende Schluss-Twist offenbart. Dazwischen gibt es eine Menge hochgeistiger Titten- und Seniorenwitze nebst einer deftigen Portion Korpulentenkomik, für die sich der massige Darsteller Travis McKenna selbst nicht entblödet, gleich zu Beginn seinen gewaltigen, nackten Hintern durch ein Autofenster zu quetschen. So bringt sich der zu Zeiten der unleugbaren Slasher-Abenddämmerung entstandene „Cheerleader Camp“ über seine mäßig humorigen Runden, die trotz ihrer satirischen Ansätze weitgehend ohne den ubiquitären Charme früherer, nicht umsonst renommierterer genealogischer Vorläufer auszukommen hat.
Was für zwischendurch und gut is‘.

5/10

RETURN TO HORROR HIGH

„Nobody hits one of the trolls!“

Return To Horror High ~ USA 1987
Directed By: Bill Froehlich

Eine ungeklärte, vor fünf Jahren an der Crippen High School grassierende Mordserie soll zum Thema eines billigen Horrorfilms werden. Von diversen Unpässlichkeiten lässt sich der wackere Produzent Harry Sleerik (Alex Rocco) erst gar nicht den Tag vermiesen: Seine Idee, das Ding direkt vor Ort am authentischen Schauplatz zu drehen, macht selbst die Tatsache wett, dass auch heuer wieder ein verrückter Killer unterwegs ist, der Schule und Filmset gleichermaßen unsicher macht…

Als kleine Frischzellenkur auf dem anno 87 recht plattgewalzten Pfaden des Slasherfilms gab es von Einmalregisseur Bill Froehlich diese durchaus vergnügliche, selbstparodistische Komödie, die durch den gezielten Einsatz narrativer Auslassungen und oftmals halsbrecherischer Erzählebenenwechsel eine ordentliche Menge ihres neckischen Aufzugs bezieht. Als Rückblende aufgezogen (zu Beginn findet die Polizei die Reste und Überbleibsel eines deftigen Massakers, dessen Hintergründe nach und nach entsponnen werden) changiert Froehlich im weiteren Verlauf permanent und fast nie auf den ersten Blick erkennbar zwischen Film- und Film-im-Film-Realität, wobei sich die (investigative) Gegenwart und die erzählte, „reale“ Vergangenheit beinahe alberner ausnehmen, als die durch das sich mühselig abrackernden Filmteam dramaturgisierte Story. Am Ende wird dann auch das Publikum nochmal zünftig gefoppt, so dass man vor lauter Layern und Metaebenen nurmehr staunen möchte.
Zwar krankt „Return To Horror High“, der entgegen anderslautender Annahmen und Netzinformationen kein Sequel zu Larry N. Stouffers Mutantenmonsterfilm „Horror High“ darstellt, zumindest geringfügig auch weiterhin an den allseits bekannten Erbkrankheiten der Gattung, die vor allem in der ohnehin kaum erfüllbaren Aufgabe bestehen, die „Füllszenen“ zwischen den Mordsequenzen halbwegs geschickt oder gar interessant zu gestalten, er fällt aufgrund seines innovativen Konzepts aber dennoch erfreulich gewinnstiftend aus dem Rahmen. Außerdem ist er vor allem infolge seiner vielen grandios-absurden Szenen und Einfälle stellenweise wirklich urkomisch.

7/10

LEATHERFACE

„You messed with the wrong family.“

Leatherface ~ USA 2017
Directed By: Alexandre Bustillo/Julien Maury

Texas, 1955. Als die durchweg aus Psychopathen bestehende Familie Sawyer unter dem Vorsitz von Matriarchin Verna (Lili Taylor) ausgerechnet Betty (Lorina Kamburova), die Tochter des hiesigen Sheriffs Hal Hartman (Stephen Dorff), auf ihre Speisekarte setzt, sieht der bereits seit Langem nach Gerechtigkeit strebende Gesetzeshüter rot und sorgt dafür, dass Vernas Jüngster, der kleine Jedidiah (Boris Kabakchiev), in der geschlossenen Nervenheilanstalt landet. Zum jungen Mann (Sam Strike) herangereift, gelingt Jed, der sich nun Jackson nennt, gemeinsam mit drei anderen Insassen (Sam Coleman, James Bloor, Jessica Madsen) und einer gekidnappten Krankenschwester (Vanessa Grasse) die Flucht aus jener Institution, derweil Sheriff Hartman bereits darauf lauert, den Sawyers endgültig den Garaus zu machen…

Die Auslöschung von Identitäten zugunsten unguter Substitute schwebt allgegenwärtig dräuend über „Leatherface“. Um es gleich vorwegzunehmen ist dieser jüngste Beitrag zum langlebigen Chainsaw-Franchise nach Kim Henkels drittem 94er-Sequel zugleich der bis dato schwächste, was sich besonders in Anbetracht einiger dem Projekt zur Verfügung stehender, personeller Ressourcen sehr bedauerlich ausnimmt. Mit Bustillo und Maury gewann man immerhin zwei mehr denn vielversprechende Repräsentanten der harten Horror-Nouvelle-Vague und mit Lili Taylor und Stephen Dorff darüber hinaus auch recht ungewohnte darstellerische Prominenz. Was die so durchaus vielversprechend gestartete Chose dann aber so überaus unelegant durchkreuzt, ist das magere Script des Newcomers Seth M. Sherwood, der seinen Ansatz, dem ikonischen Character Leatherface einen psychologisch fundierten Unterbau zu verabreichen, völlig vergeigt.
Zu Beginn nutzt der Film nahezu exakt dieselbe Startbahn wie Rob Zombies „Halloween“-Remake; ein durch sein dysfunktionales Familienumfeld nachhaltig gestörter Junge kommt in ein infolge inkompetenter Belegschaft extrem kontraproduktiv geführtes Sanatorium für psychisch kranke, juvenile Gewaltverbrecher und bricht als junger Erwachsener dort aus. Doch damit ist der Werdegang hin zum späteren, verstummten Sägenschwinger Leatherface noch längst nicht vollendet – der gewaltsame Tod des besten Freundes, die Verbissenheit des ihn jagenden Sheriffs, schließlich eine unfällige Verunstaltung seines hübschen Antlitzes und ein schwelender Mutterkomplex ergeben schlussendlich jene ungute Mixtur, die den als Kind noch in „errettbarer Verfassung“ befindlichen Jed Sawyer zu unser aller liebstem Hautmaskenträger avancieren lässt. Das alles wird so forciert, hanebüchen und demystifizierend aufgetragen, so ohne Gespür für die die Chainsaw-Filme üblicherweise kennzeichnende, pathologische Atmosphäre oder für das ursprünglich so maßgeblichg apostrophierte Zeitkolorit (dem ja selbst herbeibeschworenen Umstand, dass die ganze Geschichte sich 1965 ereignen soll, wird letzten Endes zu keiner Sekunde Rechnung getragen), dass selbst die gewohnt gediegene und eigentlich treffliche Inszenierung der beiden „Exil-Franzosen“ das immens eklektische Konglomerat zu keiner befriedigenden Gesamtbilanz zu führen vermag. Es hat indes fast den Anschein, als wäre die (häufig dem DTV-Segment zuzurechnende) Wahl kostensparender Produktionsmittel, die Bulgarien als Drehort nebst vornehmlich einheimischem Stab, symptomatisch für das beinahe allseitige Misslingen.
Vor allem um Bustillo und Maury, deren stilistische Signatur trotz allem noch immer präsent scheint, muss es einem leid tun – man kann nur hoffen, dass die beiden sich nicht wie so viele immigrierte Filmkreative vor ihnen vom Moloch Hollywood aufzehren lassen und sich stattdessen in Zukunft wieder ihren sehr viel fruchtbareren Wurzeln als auteurs besinnen.

4/10

5 BAMBOLE PER LA LUNA D’AGOSTO

Zitat entfällt.

5 Bambole Per La Luna D’Agosto (Five Dolls For An August Moon) ~ I 1970
Directed By: Mario Bava

Der Millionär und Unternehmer George Stark (Teodoro Corrà) lädt drei befreundete Ehepaare auf seine Privatinsel nebst modernst durchgestylter Villa ein. Hinter dem als „feucht-fröhlich“ avisierten Aufenthalt steckt in Wahrheit jedoch ganz nüchternes, berufliches Interesse: Einer der Gäste, der Wissenschaftler Professor Farrell (William Berger), hat eine Formel für Kunstharz entwickelt, die Stark ihm um jeden Preis abkaufen möchte. Doch nicht nur er, auch die ebenfalls anwesenden Jack Davidson (Howard Ross) und Nick Chaney (Maurice Poli) sind immens an der Formel interessiert. Da taucht auch schon die erste Leiche auf: Hausboy Charles (Mauro Bosco), kurz zuvor noch Chaneys sexuell unersättlicher Gattin Marie (Edwige Fenech) zu Diensten, wird ermordet aufgefunden. Und bei dem einen Toten bleibt es nicht. Gottlob hat Stark eine ausladende Kühlkammer im Hause…

Lange aufgeschoben, jetzt endlich einmal nachgeholt: Dass ich „5 Bambole Per La Luna D’Agosto“ so lange entbehrt habe, bereue ich nicht unbedingt. Auch wenn Bavas Werks-Intimus Tim Lucas den Film als einen von des Maestros „besten und innovativsten“ bezeichnet, fehlt es mir hier an manchem. Der sich stark von Agatha Christies Krimis und speziell von „Ten Little Indians“ inspiriert zeigende Plot bugsiert sich nur höchst selten in ein Stadium, das man als „fesselnd“ bezeichnen möchte; nahezu sämtliche der darin agierenden Figuren tun sich als Abziehbilder und Knallchargen hervor – reich, gierig, opportunistisch frustriert, dekadent. Ihr Schicksal ist dem Rezipienten dementsprechend von Herzen gleichgültig; respektive würde man sich möglichst deftiger Mordesquenzen eher noch erfreuen. Doch auch hier übt sich Bava noch in recht pietätvoller Zurückhaltung, die sich nur kurz darauf für „Reazione A Catena“ in ihr diametrales Gegenteil verwandeln wird. Stattdessen setzt „5 Bambole“ auf einen etwas hohnäsigen, sozialistisch gefärbten Salonhumor: Das Kapital frisst sich selbst; reich zu sein, heißt in gerechter Angst leben zu müssen und die Leichen werden, ein mehr oder weniger komischer running gag, eine nach der anderen zwischen Schweinehälften gehängt, während die Überlebenden sich kaum um die Toten scheren und weiterhin ihre kostspieligen Drinks saufen. Erst am Ende, als Wahrnehmungs- und Zeitebenen etwas durcheinanderzugeraten scheinen, erhebt sich „5 Bambole“ ganz kurz über sein gepflegt gelangweiltes Timbre hinweg, nur um es sich dann flugs doch wieder darin bequem zu machen.

5/10

LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO

Zitat entfällt.

La Ragazza Che Sapeva Troppo (The Girl Who Knew Too Much) ~ I 1963
Directed By: Mario Bava

Die sich für schundige Kriminalromane begeisternde, junge US-Amerikanerin Nora Davis (Letícia Róman) kommt nach Rom, um ihre alte, kranke Tante Ethel (Chana Coubert) zu besuchen. Doch gleich Noras erster Nacht vor Ort segnet Tante Ethel das Zeitliche. Damit nicht genug wird das verstört aus dem Haus laufende Mädchen sogleich noch Opfer eines rabiaten Taschendiebs und Zeugin eines Mordes. Am nächsten Tag will ihr zunächst niemand glauben; zumindest in dem jungen Arzt Marcello Bassi (John Saxon), der auch Noras Tante behandelte, findet die junge Frau einen Vertrauten. Nachdem sich die mysteriösen Ereignisse mehren – eine Sammlung von Zeitungsausschnitten um den sein Unwesen treibenden „Alphabet-Killer“, ein bedrohlicher Telefonanruf, eine merkwürdige Einladung in eine leerstehende Wohnung, ein Tonbandgerät mit seltsamem Inhalt, schließlich die Bekanntschaft mit dem verängstigten Journalisen Landini (Dante DiPaolo) kann schließlich auch Bassi nicht länger behaupten, dass Nora lediglich unter einer überspannten Phantasie leidet…

Die historischen Meriten von und um „La Ragazza Che Sapeva Troppo“ dürften hinlänglich bekannt sein – Bavas von seinen diversen Aushilfs- und Kollaborationsengagements abgesehen vierte Regiearbeit (und seine letzte in schwarzweiß) darf sich nämlich rühmen, den Giallo aus der Taufe gehoben zu haben. Die enge Beziehung zum gleichnamigen, trivialen Kriminalroman pflegt der Film bereits in der Eingangsszene, der die Protagonistin im anreisenden Flugzeug bei der gespannten Lektüre just eines solchen literarischen Artefakts zeigt. Überhaupt kommen zumindest zu Beginn nicht selten auch beim Zuschauer berechtigte Bedenken auf, ob die putzige Nora nicht vielleicht einen oder zwei zuviel der entsprechenden Ergüsse aufgesogen hat. Unanhängig von der sich mehr oder weniger überraschend gestaltenden, finalen Auflösung der tatsächlichen Serienmörderidentitätsind ist es vor allem Bavas Bildsprache, die zu fesseln und zu begeistern vermögen. Der bei seinen Filmen auch immer wieder selbst als dp agierende Maestro erzählt seine Geschichte in formvollendeten Tableaus, die man in dieser Perfektion – zumal zur Entstehungszeit des Films – nicht zwangsläufig mit  einem Genrestück zu assoziieren geneigt war. Von dem gruseligen Ableben der alten Tante Ethel über die prominente Verwendung der Spanischen Treppe nebst der Piazza di Spagna als immer wiederkehrende visuelle Motive bis hin zur zur Gestaltung und Inszenierung der Innenräume lässt Bava eine Meisterschaft durchblicken, die den manch einen seiner vielen Connaisseure und Enthusiasten ihn im Nachhinein als italienisches Hitchcock-Pendant würdigen ließen.
Im Zuge des etwaigen Rezeptionswunschs gilt es allerdings darauf zu achten, die „korrekte“ Fassung zu bevorzugen, nämlich die unverfälschte, nicht von dem amerikanischen distributor AIP, die mittlerweile ohnehin eher einen exotischen „Komplettierungs-„Status genießt. Diese „The Evil Eye“ betitelte Fassung wurde an vielen Stellen, so etwa an jenen, die um Marihuana-Schmuggelei kreisen, geschnitten und stattdessen um mehrere romantisch-komödiantischen Szenen um Róman und Saxon „ergänzt“, die die kriminalistische Grundierung und Atmosphäre des Films erheblich stören. Zudem wurde der Jazz-Score durch einen alternativen Soundtrack von Les Baxter ersetzt. Zwar ist „The Evil Eye“ letzten Endes die etwas längere der beiden Versionen, für Nichthistoriker jedoch bildet sie die müßige.

8/10