TRICK `R TREAT

„Happy Halloween!“

Trick `r Treat ~ USA 2007
Directed By: Michael Dougherty

In der Kleinstadt Warren Valley, Ohio geschieht zum diesjährigen Halloween-Umzug allerlei wahrhaft Grausiges: Der hiesige High-School-Direktor Wilkins (Dylan Baker) entpuppt sich als Serienkiller, der es sowohl auf adipöse Süßigkeiten-Junkies wie auch auf hübsche Backfische abgesehen hat; ein Quartett von Teenagern (Britt McKillip, Isabelle Deluce, Jean-Luc Bilodeau, Alberto Ghisi) spielt einer Außenseiterin (Samm Todd) einen bösen Streich, der schwer nach hinten losgeht; eine Gruppe weiblicher Werwölfe veranstaltet eine Party mit jungen Männern als Hauptgang; der ein schlimmes Geheimnis hütende Säufer Kreeg (Brian Cox) bekommt nicht nur eine alte Rechnung präsentiert, sondern muss sich zudem noch des überaus regelgestrengen Sam (Quinn Lord), des inkarnierten Geists der Halloweennacht, erwehren.

Thematisch um Halloween kreisende Horrorfilme oder zumindest solche, die im Kontext des besonders in den USA ausgelassen gefeierten, den All Saint’s Day und den Day of the Dead antitipierenden Maskenfests spielen, sind zahlreich. Man kann durchaus von einem eigenen, kleinen Subgenre sprechen, dem der phantastikaffine Michael Dougherty nach einigen Scripts für Superheldenfilme von Bryan Singer und unter dessen produzierender Ägide 2007 sein Regiedebüt zusetzte. Gestaltet als ein Quasi-Episodenfilm, dessen einzelne Segmente sich jedoch inhaltlich wechselseitig beeinflussen und teilweise kausal bedingen, gibt es im Wesentlichen vier narrative Hauptstränge und einen sie alle mehr oder weniger verbindenden Überbau in Form eines kleines Dämons, der darauf achtet, dass die spirituelle Tradition von Samhain stets gewahrt bleibt. Wer diese in jedweder Form missachtet oder gar ignoriert, bekommt seinen Frevel auf dem Fuße hart entgolten. Seine hübschen Storys, in denen die allermeisten, die sich auf die eine oder andere Weise moralisch verschulden, einer bitteren Strafe entgegensehen, für die nicht immer zwangsläufig der Halloween-Dämon verantwortlich zeichnet, inszeniert Dougherty als grelles fright fest im Sinne klassischer Horrorcomics und wahrt dabei stets einen zumeist sehr galligen Humor, der gern auch mit der einen oder anderen augenzwinkernden, den Connaisseur reizenden Avance hausiert. Dadurch, dass Dougherty seine Geschichten zudem parallel montiert, sie also nicht losgelöst voneinander erzählt, entsteht eine Art von Homogenität, die eine nette Alternative zum klassischen Korsett des üblichen episodisch erzählten Horrorfilms darstellt. Einen instant classic erhält man dadurch zwar noch nicht, sehr wohl aber eine hübsche Alternative für den jährlichen, effektiv zu gestaltende Themenabend am 31. Oktober.

7/10

HALLOWEEN KILLS

„Evil dies tonight!“

Halloween Kills ~ USA/UK 2021
Directed By: David Gordon Green

Dank der eilends eintreffenden Feuerwehr kann Michael Myers (Nick Castle/James Jude Courtney) seinem Kellergefängnis in Laurie Strodes (Jamie Lee Curtis) brennendem Haus entkommen, derweil Laurie, ihre Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matchiak) auf dem Weg ins Krankenhaus sind. Nachdem Michael sämtliche vor Ort befindlichen Feuerwehrleute massakriert hat, tritt er seinen Rückweg nach Haddonfield an, wo alte Bekannte, darunter Tommy Doyle (Anthony Michael Hall), Lindsey Wallace (Kyle Richards) und Michaels frühere Krankenschwester Marion (Nancy Stephens) den vierzigsten Jahrestag von Michaels erstem Wiederauftauchen memorieren. Als sie von seinem neuerlichem Amoklauf erfahren, bilden sie eilends eine Bürgerwehr, die sich im Krankenhaus zu einem blindwütigen Lynchmob formiert. Diesem fällt der zuvor mit Michael geflohene Psychiatrieinsasse Lance Tovoli (Ross Bacon) zum Opfer, derweil Myers, nachdem er seine Blutspur verlustreich fortsetzt, in sein altes Familienhaus zurückkehrt…

David Gordon Green setzt den mit seiner jüngsten Revitalisierung des „Halloween“-Franchise installierten Wiederbeginn fort und legt damit gleichermaßen den Mittelteil seiner als Trilogie konzipierten Sequel-Reihe vor. Diese ignoriert bekanntermaßen sämtliche Fortsetzungen und Reboots, die nach Carpenters 78er-Original entstanden waren und knüpft inhaltlich unmittelbar an den monolithischen Klassiker an. Einige noch schuldige Rückblenden, die sich aus diesem Ansatz ergeben, leht „Halloween Kills“ nun nach; unter anderem erfahren wir, dass auch der damals noch als unangenehmer Bully gezeichnete Lonnie Elam (Robert Longstreet) auf Michael getroffen war, und dass Officer Hawkins (Will Patton) sich unmittelbar vor Michaels Festnahme in jener Nacht eine schwere Blutschuld aufgeladen hat. Das Script müht sich also nach Kräften, sowohl personelle wie inhaltliche Verknüpfungen zu arrangieren als auch verbliebene lose Fäden zu fixieren und legt sein Augenmerk auf ein multiples Ensemble, was wiederum diverse voneinander losgelöste Szenarien erlaubt. Michael Myers‘ Motivation und Charakterisierung, um die sich frühere Beiträge der Serie immer wieder mehr oder weniger zielführende Gedanken gemacht haben, bleiben indes nebulös; einzig sein Status als mysteriöse, nicht aufzuhaltende Entität des ultimativ Bösen findet sich weiter zementiert, ebenso wie sein verzweifeltes Streben nach der unverzichtbaren, da identitätsspendenden Maske. Der effektaffine Horrorfreund wird in „Halloween Kills“ durch Myers‘ qualitativ wie quantitativ gesteigert-rabiates Vorgehen beschwichtigt, denn so blutrünstig wie hier hat sich „The Shape“ noch durch keines seiner vormaligen Abenteuer gemetzelt. Tatsächlich rahmen gleich zwei opferintensive Massenmorde, wie man sie in solch effektiver Ausprägung von dem eigentlich eher als träge bekannten Myers noch nicht gesehen hat, sein Treiben in diesem elften Derivat ein.
Mit dem mittelteils eingeschobenen, tragisch endenden Lynch-Subplot, der wohl irgendwie nachvollziehbar demonstrieren soll, wie die mit Michaels Rückkehr einhergehende Aura des Bösen die gesamte Kleinstadtbevölkerung von Haddonfield erfasst und zu mittelbaren Handlangern avancieren lässt, verhebt sich Greens Film allerdings tüchtig. Jene Episode – so sie denn überhaupt notwendig ist – hätte man auch deutlich pointierter unterbringen mögen. Ansonsten hält „Halloween Kills“, seinem eindeutigen Repetitierungsstatus gemäß, zumindest das leicht überdurchschnittliche Niveau seines Vorgängers, was ja auch schon mal was ist.

6/10

MALIGNANT

„It’s time to cut out the cancer.“

Malignant ~ USA/CH 2021
Directed By: James Wan

Die jüngste Attacke ihres gewalttätigen Ehemanns Derek (Jake Abel) endet für die schwangere Madison Mitchell (Annabelle Wallis) mit einer blutigen Wunde am Hinterkopf. In der darauffolgenden Nacht erscheint ein seltsam verformter Eindringling im Haus der Mitchells, schlachtet Derek förmlich und bedroht auch die panische Madison. Diese erwacht später im Krankenhaus, nachdem sie abermals eine Fehlgeburt erleiden musste. Kurz darauf sterben mehrere betagte MedizinerInnen in Seattle eines ähnlich bestialischen Todes wie Derek. Die beiden Detectives Kekoa Shaw (George Young) und Regina Moss (Michole Briana White) verdächtigen Madison, doch sie und ihre Schwester Sydney (Maddie Hasson) beteuern vehement ihre Unschuld. Sowohl Sydneys Nachforschungen als auch die der beiden Cops fördern schließlich Unfassbares zu Tage: Madison, die einst von Sydneys Eltern adoptiert wurde, war vor rund dreißig Jahren als Patientin in der mittlerweile geschlossenen „Simion-Klinik“. Sie selbst kann sich an diese Zeit nicht mehr erinnern, sehr wohl jedoch daran, dass ein merkwürdiger imaginärer Begleiter namens Gabriel sie zu bösartigen Tatigen anstiftete…

James Wans „Aquaman“-Nachfolger führt den Regisseur wieder zurück auf die wohlvertrauten Pfade des veritablen Genrefilms, wobei der ja auch vielfach als Produzent umtriebige Filmemacher in rein stilistischer Hinsicht eine große rückgewandte Klammer bis hin zu seiner frühen Arbeit „Saw“ vollzieht. Ansonsten referenziert der stets fesch frisierte Wan eine Vielzahl offenbar prägender Motive und Topoi der Gattung, die irgendwo bei William Castle beginnt und ihre turbulente Reise quer durch das Werk von De Palma, Argento, Henenlotter und Cronenberg fortsetzt, bis sie eben irgendwann wieder bei Wan selbst mündet. Die angebliche Originalität, die diverse Reviews, die ich mittlerweile gelesen habe, „Malignant“ bescheinigen, treffen somit de facto kein bisschen zu und fußen offenkundig auf mangelnder Auseinandersetzung der betreffenden AutorInnen mit der Horrorfilm-Historie. Der parasitäre Zwilling Gabriel, dessen letzte physische Relikte sich in Madisons auffallend dicht beschopfter Hinterkopfregion befinden, geriert sich zweifelsohne als Hommage an seine „siamesischen“ Ahnen Dominique Breton oder Belial Bradley, die ihren diabolischen Einfluss auf ihre öffentlich sichtbaren Zwillinge auszuspielen pflegten und mithilfe von deren fragilem Geist und Körpern ihr finsteres Werk vollzogen. Vor allem die (hier in Form dokumentarischer VHS-Aufnahmen), entschlüsselnden Rückblenden und Gabriels Rachefeldzug an den verantwortlichen ChirurgInnen erweisen sich als eindeutige „Basket Case“-Reverenz in natürlich tricktechnisch wesentlich modernerer und budgetintensiverer Form – wie es überhaupt ein wenig verwundert, dass Warner und New Line Wans eigentlich im Indiehorror der härteren Gangart verwurzelten Stoff offenbar durchwunken ohne ihn Federn lassen zu lassen. Eine Vielzahl chinesischer Koproduzenten und vor allem die Superhelden machten’s wohl möglich, wobei ja auch der irrwischende Gabriel nicht wenig von einer metawesenhaften Entität besitzt. Wan scheut sich zudem kaum, allerlei campige Elemente durchzudeklinieren, die besonders zum Ende hin akut werden. Die Szenen, in der Madison/Gabriel in einer Frauengefängniszelle voller asozialem, lesbischen Weibsvolk (Anführerin: Zoë Bell) landen und hernach, natürlich bis aufs Blut gereizt, zunächst darin aufräumen, um dann noch das ganze dazugehörige Polizeirevier zu entvölkern, muss den ehedem monetär eingeschränkten Exploitationfilmern der Siebziger wie ein wahr gewordener, feuchter Traum anmuten. Dennoch sollte man „Malignant“ nicht grenzenlos hochjubeln. Er fühlt sich en gros und trotz seiner ellenlangen Inspirationsketten frisch, wild und spaßig an, das unterschwellige Gefühl, dass er diesem ersten Eindruck auf Dauer nicht wird standhalten können, mischt sich allerdings schon jetzt latent hinzu, ebenso wie die etwas schal anmutende Registrierung der Tatache, dass der geschäftstüchtige Wan quasi bereits die Sequeloption allzu eklatant ab Werk mit eingebaut hat. Es wird sich erweisen müssen, was dereinst von „Malignant“ übrigbleibt.

7/10

SPIRAL: FROM THE BOOK OF SAW

„Wait, I thought the Jigsaw Killer was dead.“ – „He is.“

Spiral: From The Book Of Saw (Saw: Spiral) ~ USA/CA 2021
Directed By: Darren Lynn Bousman

Jahre nachdem John Kramer und seine Vasallen das Zeitlich gesegnet haben, beginnt ein weiterer Nachahmer, das grausame Werk des Serienmörders mit der moralisch verqueren Agenda wiederaufzunehmen. Die Opferschaft rekrutiert sich diesmal ausnahmslos aus der Abteilung des Polizisten Ezekiel „Zeke“ Banks (Chris Rock), der es als „ehrlicher“ Detective mit seinen korrupten und karrieregeilen Kolleginnen und Kollegen selbst nie einfach hatte. Als schließlich auch Banks‘ neuer Partner William Schenk (Max Minghella) tot aufgefunden wird und sein Vater (Samuel L. Jackson), ein renommierter Ex-Cop, verschwindet, nimmt der Fall zunehmend persönliche Züge für den Ermittler an.

Mit diesem erstmals seit dem dritten Sequel wieder von Darren Lynn Bousman inszenierten, mittlerweile neunten Zugang des „Saw“-Franchise, erhält selbiges seinen bislang zugleich schwächsten Beitrag. Die von James Wans Original einst quasi mitbegründete Welle des seinerzeit als so abschätzig wie hilflos bezeichneten „torture porn“ ist zumindest in ihrer originäen Ausprägung bereits seit längerer Zeit wieder abgeebbt, was zugleich auch die ausgeklügelten Folterfallen des Jigsaw-Killers gewissermßen zu einem Anachronismus macht. Dennoch bleiben diese in ihrer vergleichsweise raren Aussäung das interessanteste Element von „Spiral“, während die weiteren Versuche, der Reihe ein kleines Maß an Innovation zu verschaffen, ziemlich kläglich im Kielwasser der Bemühtheit verkluckern. Chris Rock als Heldenfigur und Antagonist des jüngsten Kramer-Schülers soll gleichfalls kecken Humor und innere Zerrissenheit vermitteln, ein Ansatz, der infolge der nunmehr jahrzehntelang kultivierten Selbsttypologie Rocks als Stand-up-Comedian frontal vor die Wand rauscht. Flotte Sprüche in Kombination mit einer inflationär mit Vier-Buchstaben-Wörtern gesäumten Sprache und Autorferenzen mögen Rocks gewünschter Signatur entsprechen, bremsen den ursprünglichen Charakter der Serie jedoch bloß in beschädigender Weise aus. Bousman müht sich zudem nach Kräften, dem gewohnt modrigen Industrial-Ambiente einen konträren Stil aus lichtdurchfluteter, grellgelber Urbanität entgegenzustellen, was am Ende als auch kaum mehr denn angestrengt im Gedächtnis bleibt. Schließlich entpuppt sich der sich clever wähnende twist, der natürlich um die wahre Identität des neuen Trittbrettfahrers kreist, als allzu offensichtlich bis nachlässig arrangiert. Ich war geradezu erleichtert, als der omnipräsente, personell scheinbar unverzichtbare Samuel L. Jackson im Finale von Kugeln durchsiebt wird – zumindest bleibt dieser somit einer eh kaum vermeidbaren, weiteren Fortsetzung erspart.
Wobei bei „Saw“ ja andererseits wiederum doch mit allem zu rechnen sein muss. Erstmals in den nunmehr siebzehn Jahren, in denen es nun heißt „I want to play a game“ spüre ich allmählich reelle Ermüdungserscheinungen. Kein gutes Zeichen…

5/10

SWEET SIXTEEN

„I’ve never seen nothing like it.“

Sweet Sixteen ~ USA 1983
Directed By: Jim Sotos

Der Archäologe Dr. Morgan (Patrick MacNee) lässt sich für ein paar Monate mit seiner Frau Joanne (Susan Strasberg) und seiner knapp sechzehnjährigen Tochter Melissa (Aleisa Shirley) in einer texanischen Kleinstadt nieder, um Ausgrabungen an einer indianischen Kultstätte zu überwachen. Die hübsche Melissa verdreht sämtlichen Jungs der Gegend den Kopf – umso tragischer ist es, dass gleich zwei ihrer juvenilen Verehrer (Glenn Withrow, Tony Perfit) kurz hintereinander erstochen aufgefunden werden. Der alleinerziehende Sheriff Burke (Bo Hopkins) hat nun alle Hände voll damit zu tun, sowohl seine eigenen Kids Marci (Dana Kimmell) und Hank (Steve Antin) vor dem mysteriösen Killer zu schützen als auch damit, ein wachsames Auge auf die beiden natives Grayfeather (Henry Wilcoxon) und Jason Longshadow (Don Shanks) zu haben, denen einige der Kleinstädter die Morde in die Schuhe schieben möchten.

Wenngleich das Script zu Jim Sotos‘ zweiter Regiearbeit, einer trotz amtlicher Besetzungsliste günstig geschossenen Indie-Produktion, traditionelle Slasher-Elemente befleißigt, fügt sich „Sweet Sixteen“ nicht recht in das zu seiner Entstehungszeit noch sehr gängige Subgenre. Dazu gibt er sich einerseits zu ambitioniert, kann aber andererseits die angestrebten Meriten nicht wirklich zufriedenstellend einlösen. Zwar sucht sich der Killer seine Opfer – zumindest zunächst – im Teenagermilieu, darum schert sich der Plot de facto aber kaum. Wesentlich mehr Interesse bietet jener für den antiindianischen Rassismus auf, der das nur scheinbar idyllische, südstaatliche Kleinstadtleben latent heimsucht und primär durch zwei stereotypische white trasher, den allenthalben pöbelnden Billy Franklin (Don Stroud) und seinen debilen Adlatus Jimmy (Logan Clarke) repräsentiert wird. Für Franklin ist selbst der Mord an seinem Sohn lediglich ein überfälliges Motiv dafür, den alten Greyfeather endlich per Lynchjustiz zu entsorgen. Gewissermaßen erst im Nachgang dieser prominent entwickelten Bypass-Story lüftet sich dann das Geheimnis um den Mörder respektive die MörderIN – bei dieser handelt es sich nämlich um die unter einer heftigen Identitätsstörung leidenden Joanne Morgan, die in Wahrheit ihre eigene Schwester Trisha ist und die dereinst Joannes Selbstmord bezeugen musste, der wiederum aus einem durch den Vater verursachten Missbrauchstrauma resultierte. Um ihrer Tochter Melissa ähnliches Leid zu ersparen, entledigt sie sie aller möglichen potenziellen Verehrer. Dabei erwischt es im Finale immerhin auch die beiden Unholde Billy und Jimmy, deren asoziale Boshaftigkeit wie sich zeigt nicht mit offenem Rassismus begnügt.
Trotz der durchaus progressiven Topoi, die „Sweet Sixteen“ anreißt, offenbart er etliche inszenatorische und dramaturgische Schwächen. In seinem Bestreben, diverse der tragenden Figuren im whodunit sense möglichst offen zu zeichnen, stellt er sich selbst ein Bein, denn so verharrt deren Charakterisierung ausnahmslos zwischen oberflächlich und albern. Die Tatsache, dass zwei junge Männer grausam ermordet und beerdigt werden, hält das unbedarfte Kleinstadtvolk indes nicht davon ab, in direkter Folge und ohne Täteridentifikation eine launige Geburtstagsparty für Melissa zu schmeißen, im Zuge derer Stroud, Clarke und nicht zuletzt Michael Pataki als unfähigster Bürgermeister diesseits des Rio Grande („I hate funerals“) hinreichend Gelegenheit erhalten, sich als schmierige Schwerennöter zu präsentieren.
Trotz (oder wahlweise auch nebst) alledem bewahrt sich „Sweet Sixteen“ einen gewissen, spezifischen Charme, da man ihm jederzeit anmerkt, dass er eigene Wege zu gehen versuchte. Etwas kompetentere Fertigkeiten im Off hätten da jedoch möglicherweise noch manches zu optimieren vermocht.

5/10

ALLÉLUIA

Zitat entfällt.

Alléluia ~ BE/F 2014
Directed By: Fabrice du Welz

Gloria (Lola Dueñas), eine als Leichenwäscherin in der Pathologie arbeitende, alleinerziehende Mutter hat sich an die Einsamkeit gewöhnt. Durch die Intervention einer Freundin (Stéphane Bissot) lernt sie via eine Kontaktbörse Michel (Laurent Lucas) kennen und verliebt sich heftigst in ihn. Obwohl Michel wiederum es gewohnt ist, ältere Damen mittels kleiner Hochstapeleien abzuzocken, was er ebenso bei Gloria versucht, kann er sich wiederum ihren impulsiven Liebesschwüren nicht entziehen. Aus den beiden wird ein Paar, wobei sie fortan Michels betrügerische Aktionen gemeinschaftlich durchführen. Glorias rasende Eifersucht lenkt diese Gaunereien jedoch in eine fatale Richtung. Gloria beginnt, die geneppten Frauen umzubringen, sobald sie Michel mit ihnen schläft. Als die beiden dann zunächst planen, die reiche, attraktive Witwe Solange (Héléna Noguerra), die wie Gloria eine kleine Tochter (Pili Groyne) hat, um die Ecke zu bringen, regt sich erstmals Widerstand bei Michel.

Wie bereits mehrere Filme zuvor widmet sich du Welz‘ Studie einer höchst abjekten Liebesbeziehung dem authentischen Fall des als „Lonely Hearts Killers“ in die Serienmördergeschichte eingegangen Paars Martha Beck und Raymond Fernandez, das zwischen 1947 und 1949 in den USA mutmaßlich bis zu zwanzig Frauen getötet haben soll.
Dabei orientiert sich „Alléluia“ trotz der Transponierung von Handlungszeit und -Ort im Wesentlichen an den realen Gegebenheiten und auch der psychologischen Disposition der Vorbilder, die in einem sonderbaren, symbiotischen Abhängigkeitsverhältnis zueinander standen und die einmal losgetretene Gewaltspirale sich verselbständigen ließen. Dabei praktiziert du Welz einen interessanten Perspektivwechsel. Zunächst dient die sympathisch anmutende Gloria als Publikumsbegleiterin. Man akzeptiert die einsame, aber liebevolle Mutter der kleinen Monique (Sorenza Mollica) ohne Umschweife als sympathische Protagonistin, derweil Michel zunächst als verschrobener, beinahe unangenehm schmieriger Witwentröster eingeführt wird. Was er Gloria jedoch zu bieten hat, verändert gleichfalls ihre bisherigen Existenzprioritäten: sexuelle Erfüllung, Geborgenheit, Wertschätzung, trotz einer rasch als solchen identifizierten Veruntreuung von Glorias Erspartem. Dass sich jemand wiederum an ihn, den filouhaften Ganoven, klammert, ist auch für Michel eine höchst ungewohnte Situation. Fortan erschleichen sich die beiden gemeinsam das Vertrauen wohlhabender, leicht überreifer Witwen, mit denen Michel allerdings nach wie vor die koitalen Ausschweifungen genießt. Dies wiederum bringt Gloria so dermaßen aus der Fassung, dass sie bald ihr erstes Opfer Marguerite (Édith Le Merdy) erwürgt und hernach gemeinsam mit Michel fachgerecht „entsorgt“. Bei diesem bleibt es freilich nicht, wobei „Alléluia“ sich weniger um die Gewalttaten des Paars schert als um dessen gleichermaßen katstrophalen wie düsterromantischen Werdegang. Dafür spricht auch die bizarre Poesie, die du Welz immer wieder walten lässt – so singt Gloria ihrem Michel ein kleines Liebeslied, bevor sie sich daran macht, die nackte Marguerite zu zersägen und so wird ein glücksbeseelter Kinobesuch von „The African Queen“ zum Symbol einer zu diesem Zeitpunkt längst unmöglich gewordenen Normalität.
Ein vorläufig letztes Mal erreicht Fabrice du Welz mit „Alléluia“ die transgressive Abgründigkeit seines Langfilmdebüts „Calvaire“, bevor er sich im Folgenden einfacher konsumierbaren Stoffen zuwendet.

8/10

THE LITTLE THINGS

„It’s the little things that get you caught.“

The Little Things ~ USA 2021
Directed By: John Lee Hancock

John „Deke“ Deacon (Denzel Washington), alternder Deputy-Sheriff in Bakersfield, muss wegen einiger Formalia zu seiner früheren Wirkungsstätte Los Angeles zurückkehren. Deke war bis vor ein paar Jahren als Detective in der Großstadt tätig und galt als Legende seines Fachs, hatte dann jedoch seinen Dienst dort quittieren müssen und auch alle privaten Wurzeln zurückgelassen. Zufällig bekommt Deke vor Ort mit, dass sein junger Nachfolger Jim Baxter (Rami Malek) in einem Mordfall ermittelt, der sich als das Werk eines Serientäters entpuppt. Da sich unweigerliche Analogien zu Dekes letztem, ungelösten Fall in L.A. ergeben, nimmt dieser kurzerhand Urlaub, um Baxter inoffiziell bei dessen Ermittlungen zu unterstützen. Das Duo stößt auf einen exzentrischen Wäschereiarbeiter namens Albert Sparma (Jared Leto), gegen den zwar mehr und mehr Indizien, aber keine wirklichen Beweise sprechen. Sparma wird verhört, muss jedoch wieder freigelassen werden und treibt fortan ein boshaftes Katz-und-Maus-Spiel mit den beiden ihn beschattenden Cops, dem sich Baxter psychisch nicht gewachsen zeigt…

Zum zweiten Mal nach „The Bone Collector“ begibt sich der nunmehr gesetztere Denzel Washington als arrivierter, wegen beruflicher Versehrtheit jedoch kaltgestellter Cop auf die Jagd nach einem Serienmörder im (sub-)urbanen Großstadtdschungel. Diesmal geht es in die Westküstenmetropole und zumindest ist Deke Deacon trotz eines dazumal erlittenen, schweren Herzinfarkts immer noch mobiler als der querschnittsgelähmte Lincoln Rhyme, wenngleich ihn die Geister ungesühnter Gewalt nicht in Ruhe lassen mögen.
John Lee Hancock, der das Script zu „The Little Things“ bereits in den frühen Neunzigern, nach seiner Arbeit an Eastwoods „A Perfect World“, verfasst hatte und es konsequenterweise auch im dazugehörig gegenwärtigen Zeitkolorit spielen lässt, gelingt es, seinem Werk eine wesentlich engmaschiger gewebte Atmosphäre angedeihen zu lassen als dies bei Noyces Film der Fall war. Abermals stützt sich das Resultat zu großen Teilen auf Denzel Washingtons schauspielerische Brillanz. Die Rolle des ausgebrannten John Deacon erweist sich als echtes Geschenk für den alternden Akteur, dem es erwartungsgemäß behende gelingt, die inneren Abgründe seines Charakters stets kristallin werden zu lassen. Weniger zuverlässig zu rechnen war da schon mit seinem Co-Star Rami Malek, der es zudem a priori etwas schwerer hat – seine Rolle des Detective Jim Baxter ist zumindest zu Beginn etwas schnöselig und arrogant angelegt, was es entsprechend erschwert, der Figur Sympathien abzuringen. Erst später, wenn seine Vunlnerabilität und damit verbundene Menschlichkeit eklatant werden, mag man ihn in sein Herz schließen. Jared Leto indes hat seinen bisher lediglich zweimal in der Peripherie auftauchenden Joker scheinbar gänzlich internalisiert zu haben; egal, ob Albert Sparma am Ende schuldig ist oder nicht, Leto lässt keinen Zweifel an seinem diabolischen Wesen und bewegt sich somit tatsächlich zur Gänze auf dem figuralen Terrain des beliebten comic villain. Die sich nicht zuletzt in Anbetracht des sich verdichtenden Wüstenfinales aufdrängenden und offenbar bereits mehrfach kolportierten Analogien zu „Se7en“ drängen sich zwar unweigerlich auf, sind meines Erachtens aber zu vernachlässigen – zum einen des tatsächlichen Scriptalters wegen, zum anderen weil Albert Sparma trotz all seiner gewiss vorhanden, psychischen Untiefen nie ganz den infernalischen Nimbus eines John Doe erreicht.

7/10

THE BONE COLLECTOR

„I can’t do this.“

The Bone Collector (Der Knochenjäger) ~ USA 1999
Directed By: Phillip Noyce

Ein Serienkiller mit Vorliebe zu Artefakten aus der letzten Jahrhundertwende macht New York unsicher. Dabei hinterlässt er jeweils sorgfältig verschlüsselte Hinweise auf seine nächsten geplanten Opfer, deren Rettung die Polizei immer wieder vor einen vergeblichen Wettlauf mit der Zeit stellt. Die junge Beamte Amelia Donaghy (Angelina Jolie) gerät per Zufall an einen der Tatorte und engagiert sich in hohem Maße für dessen Spurensicherung. So wird der wegen eines Jahre zurückliegenden Unfalls ans Bett gefesselte und aufgrund seiner fast kompletten Körperlähmung lebensmüde Ex-Cop Lincoln Rhyme (Denzel Washington), eine Koryphäe auf dem Gebiet des profiling, auf sie aufmerksam. Rhyme wittert gewaltiges Potential hinter der Kollegin und bindet Amelia trotz gänzlicher anderer Karrierepläne ihrerseits in die Ermittlungen ein. Diese werden allerdings immer wieder durch den inkompetenten Captain Cheney (Michael Rooker) torpediert.

Als leicht verspäteter Nachklapp zu den beiden großen Serienkillerfilmen der Dekade – Jonathan Demmes „The Silence Of The Lambs“ und David Finchers „Se7en“ – greift „The Bone Collector“ wie diverse zeitgenössisch entstandene, andere Werke des Subgenres auch, etliche Topoi jener überlange Schatten werfenden Vorbilder auf und versucht, sie durch eine nur unwesentlich modifizierte formale Textur vergeblich als originell erscheinen zu lassen. Dass dieses Vorhaben zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist, zeigt Noyces Film indes nicht als einziges Exempel seiner Ära. Trotz des durchaus routinierten Regisseurs und einer außerordentlich prominenten und adäquat aufspielenden Besetzungsliste erreicht „The Bone Collector“ eines alles andere denn überdurchschnittliche Qualität. Die Hauptschuld daran trägt das mit heißer Nadel konstruierte Script, das zum einen besagte Blaupausen in allzu auffälligem Maße revisioniert und zum anderen den eigenen, letzten Endes maßgeblichen Plot sträflich vernachlässigt.
Die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren Rhyme und Donaghy gestaltet sich zu Beginn als eine Art illuminierter Reprise von der zwischen Lecter und Starling – unmöglich scheinend und durch diverse äußere Umstände voneinander getrennt entwickeln sich doch zarte Bande zwischen dem physisch bewegungsunfähigen Genie und seinem von ihm wohlgeschätzten, ganz nebenbei durch einen Vaterkomplex traumatisierten Schützling, eine kurze, jedoch vielsagende Fingerberührung inbegriffen. Auch andere Charaktere aus Demmes Film erhalten ihre Quasi-Pendants: Michael Rooker substituiert Anthony Heald, Queen Latifah Frankie Faison. Der sich schließlich im Zuge eines arg verpuffenden twist als dem Zuschauer längst vorgestellt entpuppende Täter (ausgerechnet gespielt von Leland Orser, einem vor allem in den Neunzigern vielbeschäftigten Nebendarsteller, der als Semiopfer bereits in „Se7en“ zu sehen war und unmittelbar vor „The Bone Collector“ in Russell Mulcahys wiederum ähnlich angelegtem Gattungsbeitrag „Resurrection“ als hero’s best buddy) erweist sich selbst als verrückt gewordener Ex-Polizist, der die ganze Mordserie lediglich als Rachefeldzug an Lincoln Rhyme, der ihn einst geschasst hatte, inszeniert – der ermittelnde Cop als Schlüsselelement des Tätercoups also. Wie Rhyme und Donaghy, die – das suggeriert das weihnachtlich eingefasste happy end wohlweislich zu allem sonstigen Zuckerguss – am Ende wohl doch mehr als kollegiale Freundschaft füreinander empfinden, ihm nach und nach auf die Schliche kommen, das ist derweil so unglaublich hanebüchen konstruiert, dass jeder auch nur halbwegs logikaffine Kriminalfreund das Grausen bekommen sollte. So sind es die gezielt schrecklich konnotierten Mordvariationen, die die primäre Aufmerksamkeit schüren und so möglicherweise vom dünnen Rest ablenken sollen. Doch gar zu Fürchterliches mutet einem „The Bone Collector“ dann wohlweislich doch nicht zu – das kleine Mädchen (Zena Grey) überlebt.

5/10

UNDER SUSPICION

„Start recording.“

Under Suspicion ~ USA/F 2000
Directed By: Stephen Hopkins

San Juan, Puerto Rico, am Abend des San Sebastián Festivals. Während der reiche Inselprominente und Philanthrop Henry Hearst (Gene Hackman) auf eine Rede bei einer Benefizveranstaltung für Hurricane-Opfer vorbereitet, bittet ihn ein alter Bekannter, Police Captain Victor Benezet (Morgan Freeman), zu einer angeblichen Kurzbefragung aufs hiesige Polizeirevier. Hearst hat tags zuvor in einer Parkanlage die Leiche eines zwölfjährigen Mädchens (Vanessa Shenk) entdeckt – bereits das zweite Mordopfer dieses Alters binnen weniger Tage. Was Hearst nicht ahnen kann: sowohl Benezet als auch sein Adlatus Detective Owens (Thomas Jane) sind aufgrund auffallender Widersprüche in Hearsts Erstaussage der Ansicht, er selbst sei der Hauptverdächtige in beiden Fällen. Und tatsächlich bringt das Verhör Diverses zu Tage, das Hearst immer tiefer in die Angelegenheit verstrickt, ein Eindruck, den ein zusätzliches Interview mit Hearsts Gattin Chantal (Monica Bellucci) nochmals deutlich verschärft….

Wie Claude Millers bereits 1981 entstandener „Garde À Vue“ adaptiert Hopkins‘ Film den Kriminalroman „Brainwash“ des britischen Autors John Wainwright – die Bezeichnung „Remake“ wäre in diesem Fall also strenggenommen unztreffend. Da mir die Vorlage unbekannt ist, vermag ich zur reinen Verfilmungsqualität in beiden Fällen nichts zu äußern – was den Direktvergleich zwischen Millers und Hopkins‘ Variationen anbetrifft indes doch. Der in Paris in der Silversternacht spielende „Garde À Vue“ lebt von einer immensen formalen und psychologischen Strenge, die sowohl sein Regisseur als auch seine formidable Besetzung in konzentrierten Darstellungen widerspiegeln. „Under Suspicion“ begibt sich ganz diametral dazu in das karibische Flair der US-Dependance Puerto Rico, wahrt jedoch eine ähnliche Dichte in Bezug auf Handlungsort und -Zeit. Wie Millers Film kann sich „Under Suspicion“ primär auf seine beiden Antagonisten stützen, namentlich Morgan Freeman und Gene Hackman, die sich hier acht Jahre nach Eastwoods „Unforgiven“ abermals gegenüberstehen, diesmal jedoch unter umgekehrten Voraussetzungen. Als Mann, der Macht, Einfluss und ein gewisses autobiographisches Laisser-faire gewohnt ist, hält Henry Hearst dem durch die Exekutive ausgeübten Druck nicht in der Form stand, wie man es von ihm gewohnt sein könnte. Tatsächlich treffen die Suggestivfragen Benezets ihn völlig unbereitet und positionieren ihn bald in der Sackgasse der Ausweglosigkeit. Eine langwierige Ehekrise, die sich durch fehlende Kommunikation, Verdachtsmomente und Unterstellungen verhärtet hat, tut ihr Übriges. Am Ende stehen drei Individuen, die sich durch ihr stoisches, unreflektiertes Verhalten allesamt selbst in ihr persönliches und soziales Aus manövriert haben; eine Entwicklung, die bei Miller (wiederum fehlt mir der Romaninhalt zur besseren Einordnung) mit dem Verzweiflungssuizid der von Romy Schneider gespielten Ehefrau eine noch weitaus tragischere conclusio einfordert. Ganz so dramatisch mochte man in der US-Version dann doch nicht schließen, wie auch sonst einige Regieentschlüsse fragwürdig erscheinen. So wirkt insbesondere die Marotte, die Polizeiermittler als unmittelbare und aktive Teilnehmer der subjektiven Rückblicke zu inszenieren, eher platt und manieristisch denn funktional und nimmt sich somit eher als defizitäres Merkmal aus. Die Bellucci passt zwar in ihre Rolle, kann einer Romy Schneider aber fraglos nicht das Wasser reichen und auch Thomas Janes Rolle wirkt ungeachtet der eigentlichen Qualitäten des mir stets sympathischen Akteurs merkwürdig vor die Wand gefahren. Grundsätzlich sehenswert bleibt „Under Suspicion“ als Kriminalfilm jedoch allemal, insbesondere durch den ungewöhnlichen Handlungsschauplatz und eben die treffliche Edelpaarung Hackman/Freeman.

7/10

THE MORTUARY COLLECTION

„Your story is just beginning.“

The Mortuary Collection (Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte) ~ USA 2019
Directed By: Ryan Spindell

Kurz nach der Messelesung für den kleinen, verblichenen Logan (Bradley Bundlie) stellt sich die junge, kecke Sam (Caitlin Custer) bei Montgomery Dark (Clancy Brown) vor, dem verknitterten Leichenbestatter der Kleinstadt Raven’s End, der just eine Aushilfe sucht. Während Brown Sam durch sein verwinkeltes Haus nebst Bibliothek und Krematorium führt, lässt sie sich von dem Alten zunehmend morbide Geschichten über vergangene Todesfälle berichten, wobei sie in der letzten davon selbst eine zentrale Rolle einnimmt: 1.) Während einer Party macht die allzu gierige Taschendiebin Emma (Christine Kilmer) nachhaltige Bekanntschaft mit einem hinter einem Badezimmerspiegel hausenden Monster. 2.) Der Student und Mädchenabschlepper Jake (Jacob Elordi) lernt auf denkbar unangenehme Weise, was es bedeuten kann, bewusst auf Verhütungsmittel zu verzichten. 3.) Dem seine katatonische Frau Carol (Sarah Hay) pflegenden Wendell (Barak Hardley) wird es eines Tages zuviel und er beschließt, sich der Gattin zu entledigen – kein einfaches Unterfangen… 4.) Ein entflohener Geisteskranker treibt sein Unwesen in Raven’s End und scheint ausgerechnet ins Haus der Kublers eingedrungen zu sein, in dem der kleine Logan (Bradley Bundlie) allein mit seinem Babysitter ist…

Horror-Anthologien sind mir grundsätzlich stets willkommen, vor allem, wenn sie den Mut besitzen, unzweideutig zu sich und ihren Wurzeln zu stehen und, wie im vorliegenden Falle, das Auspendeln zwischen Pulpkultur, Ironie und schmallippiger Boshaftigkeit gelungen zu tarieren wissen. Gewiss ist auch der Inspirationspool des Langfilm-Debütanten Ryan Spindell ziemlich gewaltig und vereint das Allermeiste, das der beflissenere Genre-Millenial so im Hinterkopf haben wird, als da natürlich die alten EC-Comics wären und ihre ersten Kinoepigonen, die Amicus-Omnibusse, mit dem Abjekt-Skurrilen liebäugelnde Filmemacher von Raimi über die Coens, Gordon, Henenlotter und Gilliam bis hin zu mannigfaltigen, kaum minder offensichtlichen literarischen Einflüssen wie den Grimms, Lovecraft, King und Gaiman. All diese omnipotent-einflussreichen Köpfe und ihre Kreativwelten ragen irgendwo mal mehr, mal weniger deutlich aus den diversen Fugen des knarzigen Stilgemäuers, das „The Mortuary Collection“ errichtet, ehrerboten hervor, ohne, dass man gleich die böse Plagiats-Arschkarte ziehen müsste. Spindell arbeitet seinen eigenen 2015er-Short „The Babysitter Murders“, seinerseits bereits eine unschwer identifizierbare „Halloween“-Hommage, mit ein und spinnt hernach sozusagen die Geschichte von dessen Protagonistin fort, die am Ende eine „The Sentinel“-mäßige Wachablösung auferlegt bekommt. Seine sich zunehmend länger und komplexer in den Rahmenplot verwebenden Segmente finden sich dabei sowohl von kräftig ironisierten Moralweisen des reaktionären Horrorfilms des letzten Jahrhunderts getragen als auch von dem surrealen Setting jener Kleinstadt „Raven’s End“. Diese ist bereits für sich genommen weder regional noch zeitlich eindeutig einzuordnen; weder anhand der Figuren, noch der ins Bild gerückten Sozial- und Kulturartefakte lässt sich eine derartige Verankerung vornehmen. Raven’s End erweist sich als ein manifestiertes Konglomerat der Genregeschichte, in dem bizarre Tentakelwesen aus den Tiefen des angrenzenden Ozeans ebenso einen festen Platz bekleiden wie allzu neugierige Kinder, inkompetente Ärzte, wahnsinnige Serienmörder, monströse Zwitterwesen und baufällige Mietshäuser; eine hermetische Stadt, die ihre eigene Chronologie aus abertausenden von Geschichten in der Bibliothek des das Städtchen gewissermaßen auch architektonisch „krönenden“ Bestattungsinstituts verwahrt.
„The Mortuary Collection“ präserviert zugleich also auch einen hübsch arrangierten Gothic-Fantasy-Stoff, ohne, dass er sich Nachwuchszauberern oder Einhornzüchtern anbiedern würde. Dafür malt er seine bitterböse Paralleldimension dann doch in allzu galligem Rot.

8/10