JIGSAW

„You have a choice. Scream or don’t.“

Jigsaw ~ USA/CAN 2017
Directed By: Michael Spierig/Peter Spierig

Ganze zehn Jahre nach dem Tod des Jigsaw-Killers John Kramer (Tobin Bell) beginnt ein Unbekannter, dessen etwas perverse Moralagenda aufs Neue in die Tat umzusetzen. Der hartgesottene Cop Halloran (Callum Keith Rennie) und seine Mitarbeiter, darunter der Kriminalpathologe Logan Nelson (Matt Passmore), setzen sich auf die Spur des Mörders und entwickeln Verdachtsmomente in ganz unterschiedliche Richtungen. Eine davon geht sogar so weit, in Erwägung zu ziehen, dass Kramer mitnichten in seinem Grab schlummert, sondern sein früheres Treiben auf wundersame Weise fortsetzt…

Sage und schreibe ganze sieben Jahre ist es nun schon her, dass mit „Saw 3D“ der bis dato letzte Beitrag zu der denkwürdig ausufernden Killerchronik erschienen war. Der damals so inflationär genutzte Terminus „torture porn“ hat sich analog zum Verschwinden der vormals so regelmäßig reüssierenden Reihe mittlerweile wieder weitgehend aus dem ohnehin unzulänglichen Definitionsvokabular vieler mehr oder minder empörter Betrachter verabschiedet. Doch gibt auch diese alte Kuh immer noch ordentlich fette Milch, wie die Spierig-Brüder mit „Jigsaw“, der nunmehr achten filmischen Installation um John Kramer und seine Epigonen sich anschickten unter Beweis zu stellen. Wer mit den früheren Serienbeiträgen sein persönliches Auskommen fand, der sollte zwangsläufig auch „Jigsaw“ zugeneigt sein; mit einem sich zum Ende hin  sturzbachartig entleerenden Füllhorn aus bis dato zurückgehaltenen Informationen findet der geneigte Rezipient sich wieder einmal vortrefflich verarscht und an der Nase herumgeführt – sämtliche zuvor gestreuten Indizien zur Schürung detektivischer Anstrengungen erweisen sich abermals als schmackhaft ausgelegte Attrappen zugunsten wirrer Volten. Doch ist man „Jigsaw“, zumal in traditioneller Kenntnis dieser bereits traditionellen Irrführungsnarration, diesbezüglich keinesfalls böse – dazu bleibt in Anbetracht des immens straffen Vortrags und der gewohnt sadistischen Einfälle (mein persönlicher Lieblingskill und zugleich einer der grandiosesten des gesamten Franchise ist natürlich der letzte) ohnehin kaum Zeit.
Das vormals etablierte Grundkonzept um den selbsternannten Scharfrichter, der am Ende dann doch zigmal abartiger ist als jedes seiner Opfer auch nur zu träumen wagt, bleibt bestehen, allerdings mit einem neuen Drahtzieher, der sich von Stund an anschicken darf, den losen Faden neu aufzunehmen. Mir soll’s recht sein, ich bin (und bleibe) dabei.

7/10

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NIGHT SCREAMS

„I no longer feel that social interaction will be harmful…“

Night Screams (Nacht des Grauens) ~ USA 1987
Directed By: Allen Plone

Während das eigentlich schwer unzufriedene Football-Nachwuchs-Talent David (Joseph Paul Manno) mit seinen Freunden im feudalen Haus der Eltern eine dufte Fete steigen lässt, kommt es zu mancherlei Unpässlichkeiten: Nicht nur, dass zwei psychotische Knastausbrecher und Killer sich den häuslichen Keller als Versteck ausgesucht haben, treibt auch noch ein weiterer irrer Serienmörder sein Unwesen und knöpft sich einen Partygast nach dem anderen vor. Ist es gar David selbst, der hier durchdreht? Immerhin hat seine Mom (Beth Lewis) vergessen, ihm rechtzeitig seine Tabletten zuzustecken…

Allen Plone, in Anbetracht seiner sonstigen kreativen Errungenschaften offenbar großer Fan der Disco-Götter Earth, Wind & Fire, brachte es nach „Night Screams“ noch auf zwei weitere Spielfilme als Regisseur, bevor er sich entschloss, das entsprechende Feld dann doch lieber inspirierteren Schaffensgenossen zu überlassen.
Bei „Night Screams“ handelt es sich um einen topologisch zunächst unauffälligen Slasher, dessen einzig spezifisches Handlungsmoment darin besteht, der Geschichte ein Duo brutaler Knackis hinzuzusetzen, deren ursprüngliche Einführung und späteren Einsatz der Film dann aber wieder weitestgehend vergisst. Vielmehr gefällt sich Plone darin, sein Werk durch eine möglichst wirre Inszenierung stark unübersichtlich zu gestalten. Möglicherweise wollte er auf diese Weise auch bloß die eigene Lustlosigkeit verschleiern, denn ‚lustlos‘ ist wohl das „Night Screams“ am gerechtesten werdende Prädikat. Der Film ist vor allem hässlich, fahl und schwunglos; nahezu jede/r der sicht- und unsichtbar Beteiligten hinterlässt den Eindruck, als glaube sie / er erst gar nicht an das Projekt oder dessen möglichen Erfolg. Selbst die Musik einer sich flott wähnenden Clubband (n.n.) dröhnt blass und austauschbar. Die konservische Verwendung einzelner Szenen aus „Graduation Day“ und aus einem älteren John-Holmes-Porno, die jeweils von filminternen Videoguckern goutiert werden, besitzt wohl ausschließlich eine – geflissentlich formuliert ominöse – Dehnungsfunktion. Das wiederum hoffnungslos undurchsichtig „aufgelöste“ Ende macht den ganzen Driss erwartungsgemäß nicht besser; selbst die meisten kills kommen öde und lahm um die Ecke.
Eine Veranstaltung, die man getrost aussparen kann.

3/10

CHEERLEADER CAMP

„Okay, your friend’s dead. Now get the fuck back to the camp or I’ll shoot y’all, will ya?“

Cheerleader Camp (Bloody Pompoms) ~ USA/J 1988
Directed By: John Quinn

Cheerleader-Königin werden – das ist ihr größter Traum und zugleich ihre größte Bürde. Dennoch stellt sich die psychisch labile Alison Wentworth (Betsy Russell), Vortänzerin des Cheerleader-Teams der Lincoln High, gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen tapfer der Herausforderung, den regionalen Wettkampf im einschlägigen Trainingscamp „Hurrah“ zu gewinnen. Kaum vor Ort angekommen, erliegt das erste Opfer, ein Mädchen (Krista Pflanzer) von der „Konkurrenz“, sogleich einem scheinbaren Selbstmord. Doch weder die die dramatischen Ereignisse vertuschende Chefin (Vickie Benson) des Camps noch die anderen Kids interessiert jener Zwischenfall sonderlich und man geht dem Tagesgeschäft unbeeindruckt weiter nach. Als der nächste Todesfall auftritt, beginnt Alison, mehr und mehr an ihrem Verstand zu zweifeln – könnte sie unbewusst eine Mörderin sein…?

Ähnlich wie der im Vorjahr entstandene „Return To Horror High“ müht sich der unter japanischer Co-Produktionsägide entstandene „Cheerleader Camp“, dem Slasher-Genre einen parodistischen Ansatz zu entlocken, ohne die Wurzeln der Gattung gleich vollends zu denunzieren, oder gar in totalen Slapstick Marke „Pandemonium“ auszuarten, mit dem er ansonsten erstaunlich viele Parallelen teilt. Diesmal steht der sich uns Europäern verständlichermaßen absurd ausnehmende Teenagerwunsch, nationale Prominenz als Super-Cheerleader zu erlangen, einerseits im Storyzentrum und ist andererseits motivationale Antriebsfeder für das derangierte Mörderhirn, wie der mithin wenig überraschende Schluss-Twist offenbart. Dazwischen gibt es eine Menge hochgeistiger Titten- und Seniorenwitze nebst einer deftigen Portion Korpulentenkomik, für die sich der massige Darsteller Travis McKenna selbst nicht entblödet, gleich zu Beginn seinen gewaltigen, nackten Hintern durch ein Autofenster zu quetschen. So bringt sich der zu Zeiten der unleugbaren Slasher-Abenddämmerung entstandene „Cheerleader Camp“ über seine mäßig humorigen Runden, die trotz ihrer satirischen Ansätze weitgehend ohne den ubiquitären Charme früherer, nicht umsonst renommierterer genealogischer Vorläufer auszukommen hat.
Was für zwischendurch und gut is‘.

5/10

RETURN TO HORROR HIGH

„Nobody hits one of the trolls!“

Return To Horror High ~ USA 1987
Directed By: Bill Froehlich

Eine ungeklärte, vor fünf Jahren an der Crippen High School grassierende Mordserie soll zum Thema eines billigen Horrorfilms werden. Von diversen Unpässlichkeiten lässt sich der wackere Produzent Harry Sleerik (Alex Rocco) erst gar nicht den Tag vermiesen: Seine Idee, das Ding direkt vor Ort am authentischen Schauplatz zu drehen, macht selbst die Tatsache wett, dass auch heuer wieder ein verrückter Killer unterwegs ist, der Schule und Filmset gleichermaßen unsicher macht…

Als kleine Frischzellenkur auf dem anno 87 recht plattgewalzten Pfaden des Slasherfilms gab es von Einmalregisseur Bill Froehlich diese durchaus vergnügliche, selbstparodistische Komödie, die durch den gezielten Einsatz narrativer Auslassungen und oftmals halsbrecherischer Erzählebenenwechsel eine ordentliche Menge ihres neckischen Aufzugs bezieht. Als Rückblende aufgezogen (zu Beginn findet die Polizei die Reste und Überbleibsel eines deftigen Massakers, dessen Hintergründe nach und nach entsponnen werden) changiert Froehlich im weiteren Verlauf permanent und fast nie auf den ersten Blick erkennbar zwischen Film- und Film-im-Film-Realität, wobei sich die (investigative) Gegenwart und die erzählte, „reale“ Vergangenheit beinahe alberner ausnehmen, als die durch das sich mühselig abrackernden Filmteam dramaturgisierte Story. Am Ende wird dann auch das Publikum nochmal zünftig gefoppt, so dass man vor lauter Layern und Metaebenen nurmehr staunen möchte.
Zwar krankt „Return To Horror High“, der entgegen anderslautender Annahmen und Netzinformationen kein Sequel zu Larry N. Stouffers Mutantenmonsterfilm „Horror High“ darstellt, zumindest geringfügig auch weiterhin an den allseits bekannten Erbkrankheiten der Gattung, die vor allem in der ohnehin kaum erfüllbaren Aufgabe bestehen, die „Füllszenen“ zwischen den Mordsequenzen halbwegs geschickt oder gar interessant zu gestalten, er fällt aufgrund seines innovativen Konzepts aber dennoch erfreulich gewinnstiftend aus dem Rahmen. Außerdem ist er vor allem infolge seiner vielen grandios-absurden Szenen und Einfälle stellenweise wirklich urkomisch.

7/10

FATAL GAMES

„You are hereby disqualified!“

Fatal Games (Killerspiele) ~ USA 1984
Directed By: Michael Elliot

Ein siebenköpfiges Team sportlich hochbegabter Kids wird an der „Falcon Athletic School“ für die kommenden Landesmeisterschaften nicht nur gedrillt bis dorthinaus, sondern auch noch fröhlich mit Doping-Hormonen versorgt. Bald verschwinden die Ersten von ihnen – ein unheimlicher Killer mit einem Athletikspeer treibt sich nächtens in den Hallen der Sportschule herum…

Und noch’n Slasher, kann man ja nie genug von haben, gattungsimmanent-intertextuelle Avancen wie üblich inbegriffen. Diesmal plünderte man schamlos Herb Freeds drei Jahre älteren „Graduation Day“, zu dem es geradezu unglaubliche Analogien gibt: Linnea Quigley im Vorzeigemodus, ferner eine Sportakademie, deren Schülerschaft zwar über kräftige Waden, aber dafür umso weniger Hirnschmalz verfügt. Jene sieht sich urplötzlich systematischer Dezimierung ausgesetzt. Das heißt – von Dezimierung ahnt man zunächst nichts, es verschwindet lediglich einer nach dem Anderen (zunächst) spurlos, der Rest wundert sich in Maßen und geht zur Tagesordnung über, die vornehmlich aus  Trainings-, Dusch- und Saunaaktivitäten besteht. Der Killer verbirgt derweil sein Antlitz unter einer Kapuze. Handelt es sich bei diesem möglicherweise um das ohnehin ziemlich verquere Speerwurf-Ass Joe (Nicholas Love)? Nein, kann nicht sein, der wird ja selbst schon an dritter Stelle durchbohrt. Wesentlich interessanter wird das Rätselraten nach dem whodunit dadurch auch nicht, man gibt sich stattdessen der gepflegten Zeitschindung hin, die das Subgenre wahrscheinlich überhaupt erst so beliebt macht. Das uninteressante Alltagsleben amerikanischer Jugendlicher auf niederem Soap-Niveau nebst lesbischen Avancen, das man mit eher schläfrigen Augen verfolgt, bis die Linse entweder das nächste (halb-)nackte Mädchen oder den nächsten fliegenden Speer einfängt. Immerhin wird das Script durch die Mitwirkung von Buñuel-Filius Rafael geadelt. Ob der Papa sich darob im Grabe umgedreht hat, ist soviel ich weiß, nicht überliefert, nahe liegt es in jedem Fall.
Die Auflösung schielt dann nochmal auf recht amüsante Weise zum „Sleepaway Camp“ hinüber und schon ist unser halbgare Spuk auch wieder vorbei. Der tapfere Chronist kann derweil stolz das nächste Häkchen setzen.

5/10

AMERICAN GOTHIC

„I’m joining the clean plate club!“

American Gothic (Dark Paradise) ~ UK/CA 1988
Directed By: John Hough

Um die seit dem Tod ihres Babys schwer traumatisierte Cynthia (Sarah Torgov) auf andere Gedanken zu bringen, nehmen ihr Mann Jeff (Mark Erickson) und ein paar Freunde sie mit zu einem Campingtrip auf eine kleine Insel vor der Küste von Seattle. Doch das idyllische Eiland ist mitnichten unbewohnt; ein altes, strengchristliches Ehepaar (Yvonne De Carlo, Rod Steiger) lebt dort nicht weit vom Strand in einem kleinen Blockhaus. Wie sich umgehend herausstellt, hat dieses zudem drei erwachsene Kinder (Janet Wright, Michael J. Pollard, William Hootkins), die offenbar noch nie von der Insel weggekommen sind und sich nicht nur völlig infantil, sondern auch sonst sehr bizarr verhalten. Bald gibt es die ersten Verluste unter den Gästen zu beklagen und die ohnehin arg angegriffene Cynthia muss feststellen, dass die derangierte Familie buchstäblich noch mehr Leichen im Keller hat…

Das eine Zeichnung von Rod Steiger und Yvonne De Carlo zeigende Kinoplakat zu „American Gothic“ ist eine wunderbare Anlehnung an das berühmte, gleichnamige Gemälde von Grant Wood, das einen freudlosen Farmer mit Heugabel und eine Frau neben ihm zeigt, von der man nicht weiß, in welcher familiären Beziehung sie zu dem Mann steht. John Houghs Film wirkt wie eine bitterböse, schwarzhumorige Interpretation jenes Bildes, wobei auch dessen Geschichte nie die wahren verwandtschaftlichen Beziehungen der gesellschaftlich und auch technisch völlig isoliert lebenden Inselfamilie offenlegt. Es können jedoch kaum Zweifel daran bestehen, dass hier inzestuöse Kreuzverbindungen gepflegt werden. Höchstwahrscheinlich, jedenfalls ist eine solche „Erklärung“ für all die Seltsamkeiten rasch bei der Hand, sind „Ma“ und „Pa“, wie sie sich reduziert rufen, selbst Geschwister, die vor Jahrzehnten mit ihrer chaotischen Brut in dieses beschauliche Exil geflüchtet sind und aus Furcht vor Entdeckung jeden potenziellen Eindringling rigoros ausmerzen. Vor allem das mordlustige und zu noch ganz anderen Perversionen wie Nekrophilie neigende Nachwuchstrio spiegelt im Folgenden die zutiefst abartige Funktionalität wider, in der man sich hier ein einsames Sanktuarium vor der Zivilisation geschaffen hat: Seit jeher gehalten wie Kleinkinder und in Unkenntnis jedweder Moralbegriffe, begreifen die Drei ihre mörderischen Gewaltausbrüche wie lustige Streiche oder Spielchen, die Ma und Pa zudem noch gutheißen. Besonders Janet Wright, die ihr mumifiziertes Baby wie ein Püppchen überall mit hin schleppt, evoziert durch ihre wirklich grandiose Interpretation der komplett verrückten Fanny allerhöchsten Widerwillen beim Zuschauer.
Bemerkenswert an Houghs einnehmenden Film, einem genealogisch illegitimen Erben von Tobe Hoopers „The Texas Chain Saw Massacre“ nebenbei (wobei hierin wie vieles Andere auch das Kannibalismuselement in vager, mutmaßlicher Schwebe verbleibt) sind nicht nur seine inhaltliche und visuelle Kompromisslosigkeit, die sich in all ihrer unangenehmen Widerwärtigkeit geradezu lustvoll durchdekliniert finden, sondern in diesem Zusammenhang auch die Verpflichtung der zwei Weltklasse-Darsteller Steiger und De Carlo, die ihr Engagement einerseits und vermutlich in der Hauptsache wegen ihrer Gagen angenommen haben werden, andererseits jedoch all ihr Können in die Waagschale werfen und sich die dem Szenario akut innewohnende, bitterböse Komik vortrefflich zunutze machen.
Ein Juwel des Achtziger-Jahre-Horrorfilms.

8/10

BLOOD RAGE

„That’s not cranberry sauce.“

Blood Rage ~ USA 1987
Directed By: John Grissmer

Zwillinge; einer davon total total wahnsinnig, aber ausgerechnet nicht der, der in der Klapsmühle sitzt: Als Kind begeht Terry (Keith Hall) im Autokino einen blutigen Mord, den er kurzerhand seinem Bruder Todd (Ross Hall) anhängt, der dafür wiederum in die Geschlossene wandert. Als Erwachsener – Terry (Mark Soper) lebt jetzt mit seiner Mom Maddy (Louise Lasser) in der Appartmentanlage „Shadow Woods“ ihres Lebensgefährten Brad (William Fuller), sitzt Todd (Mark Soper) immer noch ein, erhält aber ab und zu Besuch von der ihn insgeheim verachtenden Mutter. Pünktlich zum Zehnjahres-Jubiläum des damaligen Mordes bricht Todd aus der Anstalt aus, um die Dinge endlich klarzustellen. Bei Terry, dem ohnehin nicht passt, dass Brad seiner Mutter just einen Heiratsantrag gemacht hat, brennen daraufhin auch die letzten Sicherungen durch und er greift zur Machete.

Jahrelang führte „Blood Rage“ nur ein sehr stiefmütterliches Dasein. Bereits 1983 gedreht, erlebte er erst vier Jahre später ein eingeschränktes Leinwandrelease unter dem Titel „Nightmare At Shadow Woods“, stark heruntergekürzt und somit seiner wichtigsten Hauptmeriten, der blutigen Mordszenen nämlich, beraubt. Mittlerweile hat sich das geändert und Grissmers Film ist seit etwa zwei Jahren in seiner ungeschnitten Glorie und digital hochauflösend zu bestaunen. Dass ihn dies insgesamt nicht wesentlich aufwertet, schadet der Sache natürlich keineswegs, im Gegenteil: Die „Blood Rage“ zuteil gewordene Behandlung ist beispielhafter Liebhaberaktionismus, nichts weniger. Dem gegenüber steht ein Film, der in all seiner dämlichen Einfalt und der erschreckenden Inkompetenz der meisten Beteiligten das Herz des unerschrockenen Betrachters vor allem als Kuriosum erfreut. John Grissmer respektive sein dp Richard E. Brooks etwa haben zum Zeitpunkt des Drehs offenbar weder davon gehört, dass es so etwas wie eine Dolly gibt, noch dass auch handelsübliche 35mm-Kameras schwenkbar sind. Ab und zu spielt man ein wenig am Zoomregler, darin erschöpft sich aber auch schon die ganze bildliche „Bewegung“. Es gibt Sequenzen, die einem die Zehnägel hochbiegen, darunter eine, in der Todd ein kleines Mädchen (Dana Drescher), das im dunklen Wald nach seiner Katze sucht, vor seinem bösen Zwillingsbruder warnt, eine, in der eine ebenso bemitleidenswert alleinstehende wie geile Nachbarin (Jayne Bentzen) ihr schüchternes Date (Ed French) rumzukriegen versucht und – absoluter Höhepunkt – die, in der die mittlerweile völlig desorientierte Louise Lasser die Vermittlung anruft, um sich zu ihrem Galan durchstellen zu lassen. Freilich lassen sich diese Szenen nur in der Langfassung „bewundern“, die damit aber zugleich verpflichtend ist.
„Blood Rage“ ist ein Film, den man gesehen haben muss. Er könnte als blühendes Negativbeispiel an jeder Filmhochschule vorgeführt werden; bewegt sich technisch und formal mit Ausnahme der immerhin liebevoll gemachten SF/X unter aller Kanone, verfügt weder über ein halbwegs rationales Script, noch über ein auch nur minimal ausgereiftes, dramaturgisches pacing. Er ist einfach so richtig hübsch gaga und damit gleichfalls unbedingt sympathisch.

4/10