SICARIO: DAY OF THE SOLDADO

„What do you need?“ – „Everything.“

Sicario: Day Of The Soldado (Sicario 2) ~ USA/I 2018
Directed By: Stefano Sollima

Als sich infolge eines Bombenattentats in Kansas City bei den US-Behörden der Eindruck einstellt, die mexikanischen Drogenkartelle schmuggelten gegen kräftiges Entgelt neuerdings auch ISIS-Terroristen über die Grenze, erhält CIA-Mann Matt Graver (Josh Brolin) den Auftrag, sämtliche, auch unautorisierten Mittel gegen die Kokain-Mafia zum Einsatz zu bringen. Gravers rasch entwickelte Strategie sieht vor, zwischen dem mächtigen Unterweltboss Carlos Reyes und seiner schärfsten Konkurrenz, dem Matamoros-Kartell, einen Krieg zu entfesseln. Dafür benötigt Graver den früheren Anwalt und jetzigen Profikiller Alejandro Gillick (Bencio Del Toro), der wie gewohnt gnadenlos vorgeht. Als sich jedoch herausstellt, dass der Verdacht der CIA hinsichtlich des Terroristen-Traffickings als unzutreffend erweist, soll Graver sämtliche Verbindungen zu der bereits laufenden Aktion kappen. Dazu gehört auch, Gillick, der just versucht, gemeinsam mit Reyes‘ gekidnappter Tochter Isabel (Isabela Moner) über die US-Grenze zu gelangen, fallen zu lassen…

In seiner Funktion als Fortsetzung des meisterhaften Originals, das mir einer der liebsten Filme des Jahrzehnts ist, enttäuscht „Sicario: Day Of The Saldo“ auf ganzer Linie, was die Zusammenarbeit zwischen Regisseur Denis Villeneuve und Autor Taylor Sheridan im Nachhinein ein wenig wie einen eher zufällig okkurierenden Glücksfall erscheinen lässt – denn weder Villeneuve noch Sheridan haben sich mit annähernd ähnlichem Ruhm bekleckert, was ihre jüngeren solitären kreativen Ergüsse anbelangt. „Sicario“ bezog seine Faszination einerseits aus der Komplexität seiner Erzählung; der Zuschauer befand sich stets auf demselben Informationslevel wie seine Stellvertreterin Kate Macer (Emily Blunt), einer noch eher unbedarften Regierungsangestellten, die nach und nach die zutiefst unmoralische, nur selten legale Vorgehensweise „eingeweihterer“ Kollegen im Krieg gegen die Grenzkartelle kennenlernen muss. Graves und Gillick sind darin in ihrer kalten Abgeklärtheit noch beinahe enigmatische Figuren, wobei besonders der sich der Rache für seine Familie verschriebene „Sicario“, der selbst nicht davor zurückschreckt, Kinder zu ermorden, einen nahezu dämonischen Eindruck hinterließ. In Kombination mit Villeneuves nahezu analytischer und zugleich hochästhetischer Bildsprache ergab dies das bekannte Meisterwerk. Auf das Sequel, wiederum von Sheridan gescriptet und von dem überaus vielversprechenden Sergio-Filius Stefano Sollima inszeniert, hatte ich mich dementsprechend überschwänglich gefreut. Am Ende wartete jedoch nicht wesentlich mehr auf mich denn ein gehobener, in Tom-Clancy-Manier entwickelter Grenzthriller, der die zwei Hauptcharaktere eher ausbremst, als ihre zuvor gegossenen Rohlinge weiter mit Blut zu befüllen. Gut, Graver ist immer noch ein zutiefst dedizierter Regierungswachhund in allen Gassen der Welt, der vor keinem Übel zurückschreckt, wenn es um die Durchsetzung von US-Interessen geht und auch Gillick bleibt (zunächst) der Knüppel-aus-dem-Sack. Warum es ihm allerdings plötzlich so wichtig ist, Isabel Reyes zu beschützen, muss einer beinahe hilflosen Formelhaftigkeit zugeschrieben werden, der Story über die Runden zu helfen. Das Ende des Films, das eindeutig auf weitere Forsetzungen abzielt und auf ein kommendes Duell zwischen Graves und Gillick hindeutet, verstärkte den sich zuvor einstellenden, geflissentlich unbefriedigenden Eindruck nochmals.
„Sicario: Day Of The Soldado“ lässt es – dafür verantwortlich ist vor allem die Ermangelung eines Charakters wie Kate Macer – merklich an Involvierung und Emotionalität mangeln und schiebt seinen Betrachter sukzessive aus dem Zentrum des Geschehens zurück an den Rand. Am Ende steht ein singulär betrachtet gewiss ordentlicher Genrefilm, dem es durch äußere Härte und treffliches pacing stets gelingt, das Interesse für sich lebendig zu halten. Als spezifische Fortschreibung seines Vorgängers indes lässt er einen eher gedämpft zurück.

7/10

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LEATHERFACE

„You messed with the wrong family.“

Leatherface ~ USA 2017
Directed By: Alexandre Bustillo/Julien Maury

Texas, 1955. Als die durchweg aus Psychopathen bestehende Kannibalenfamilie Sawyer unter dem Vorsitz von Matriarchin Verna (Lili Taylor) ausgerechnet Betty (Lorina Kamburova), die Tochter des hiesigen Sheriffs Hal Hartman (Stephen Dorff), auf ihre Speisekarte setzt, sieht der bereits seit Langem nach Gerechtigkeit strebende Gesetzeshüter rot und sorgt dafür, dass Vernas Jüngster, der kleine Jedidiah (Boris Kabakchiev), in der geschlossenen Nervenheilanstalt landet. Zum jungen Mann (Sam Strike) herangereift, gelingt Jed, der sich nun Jackson nennt, gemeinsam mit drei anderen Insassen (Sam Coleman, James Bloor, Jessica Madsen) und einer gekidnappten Krankenschwester (Vanessa Grasse) die Flucht aus jener Institution, derweil Sheriff Hartman bereits darauf lauert, den Sawyers endgültig den Garaus zu machen…

Die Auslöschung von Identitäten zugunsten unguter Substitute schwebt allgegenwärtig dräuend über „Leatherface“. Um es gleich vorwegzunehmen ist dieser jüngste Beitrag zum langlebigen Chainsaw-Franchise nach Kim Henkels drittem 94er-Sequel zugleich der bis dato schwächste, was sich besonders in Anbetracht einiger dem Projekt zur Verfügung stehender, personeller Ressourcen sehr bedauerlich ausnimmt. Mit den Regisseuren Alexandre Bustillo und Julien Maury gewann man immerhin zwei mehr denn vielversprechende Repräsentanten der harten Horror-Nouvelle-Vague und mit Lili Taylor und Stephen Dorff darüber hinaus auch recht ungewohnte darstellerische Prominenz. Was die so durchaus vielversprechend gestartete Chose dann aber so überaus unelegant durchkreuzt, ist das magere Script des Newcomers Seth M. Sherwood, der seinen Ansatz, dem ikonischen Character Leatherface einen psychologisch fundierten Unterbau zu verabreichen, völlig vergeigt.
Zu Beginn nutzt der Film nahezu exakt dieselbe Startbahn wie Rob Zombies „Halloween“-Remake; ein durch sein dysfunktionales Familienumfeld nachhaltig gestörter Junge kommt in ein infolge inkompetenter Belegschaft extrem kontraproduktiv geführtes Sanatorium für psychisch kranke, juvenile Gewaltverbrecher und bricht als junger Erwachsener dort aus. Doch damit ist der Werdegang hin zum späteren, verstummten Sägenschwinger Leatherface noch längst nicht vollendet – der gewaltsame Tod des besten Freundes, die Verbissenheit des ihn jagenden Sheriffs, schließlich eine unfällige Verunstaltung seines hübschen Antlitzes und ein schwelender Mutterkomplex ergeben schlussendlich jene ungute Mixtur, die den als Kind noch in „errettbarer Verfassung“ befindlichen Jed Sawyer zu unser aller liebstem Hautmaskenträger avancieren lässt. Das alles wird so forciert, hanebüchen und demystifizierend aufgetragen, so ohne Gespür für die die Chainsaw-Filme üblicherweise kennzeichnende, pathologische Atmosphäre oder für das ursprünglich so maßgeblichg apostrophierte Zeitkolorit (dem ja selbst herbeibeschworenen Umstand, dass die ganze Geschichte sich 1965 ereignen soll, wird letzten Endes zu keiner Sekunde Rechnung getragen), dass selbst die gewohnt gediegene und eigentlich treffliche Inszenierung der beiden „Exil-Franzosen“ das immens eklektische Konglomerat zu keiner befriedigenden Gesamtbilanz zu führen vermag. Es hat indes fast den Anschein, als wäre die (häufig dem DTV-Segment zuzurechnende) Wahl kostensparender Produktionsmittel, die Bulgarien als Drehort nebst vornehmlich einheimischem Stab, symptomatisch für das beinahe allseitige Misslingen.
Vor allem um Bustillo und Maury, deren stilistische Signatur trotz allem noch immer präsent scheint, muss es einem leid tun – man kann nur hoffen, dass die beiden sich nicht wie so viele immigrierte Filmkreative vor ihnen vom Moloch Hollywood aufzehren lassen und sich stattdessen in Zukunft wieder ihren sehr viel fruchtbareren Wurzeln als auteurs besinnen.

4/10

KID BLUE

„I’m gonna get me a job and earn honest money.“

Kid Blue ~ USA 1973
Directed By: James Frawley

Der in Südtexas als „Kid Blue“ berüchtigte Ganove Bickford Warner (Dennis Hopper) ist die Zeit des Herumvagabundierens leid und begibt sich nach dem Städtchen Dime Box, um dort, zum allgemeinen Amüsement seiner alten Gang, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen. Der erste Job beim örtlichen Barbier (M. Emmet Walsh) geht gründlich in die Hose und so fängt Bickford in der Nippeskeramikfabrik von Mr. Hendricks (Clifton James) an. Mit dem Pärchen Reese (Warren Oates) und Molly Ford (Lee Purcell) gewinnt Bickford zwei gute Freunde, doch er landet bald mit Molly im Bett. Überhaupt vertragen das konventionelle Spießerdasein und Bickfords Wesen sich überhaupt nicht miteinander und so baldowert er schon bald einen Plan aus, um Mr. Hendricks‘ Werkskasse zu plündern…

Mit „Kid Blue“ ist James Frawley ein echter Vorzugswestern gelungen, der wie viele Genreproduktionen aus der Ära New Hollywood die Gattung auf eine leicht schwebende, komödiantische Metaebene hebt, es sich dort bequem macht und, und darin unterscheidet er sich dann doch von den meisten seiner zeitgenössischen Wegbegleiter, trotz seiner stark systemkritischen Agenda den Mut zu einem versöhnlichen, gar euphorischen Abschluss aufbringt. Als kleine Americana verdichtet „Kid Blue“ den vergleichsweise epischen, subsummierenden Erzählansatz von Arthur Penns nicht unähnlich gelagertem „Little Big Man“ zu einem kaum minder satirischen Konzentrat; wie zuvor Dustin Hoffman tritt auch Dennis Hopper als eine Art schelmischer Simplicissimus an, sich den Gepflogenheiten einer merkwürdig pevertierten, neuen Ära zu stellen, scheitert jedoch an deren verlogener Doppelmoral. Literarische Einflüsse von Kafka bis Brecht lassen sich verzeichnen – die Industrialisierung mit all ihrer ausbeuterischen, stumpfen Gräue kommt im Mythenland Texas an, bürgerliches Recht und Gesetz personifizieren sich in ihrer denkbar unangenehmsten, repressivsten Form (die Rolle des eigenmächtigen Sheriffs „Mean John“ Simpson hätte anstelle von Ben Johnson idealerweise eigentlich  Duke Wayne übernehmen müssen), die Bourgeoisie pflegt nur genau solange ihre ethischen Grundsätze, wie sie sich nicht im gleichen Fluss wie christianisierte Indianer taufen lassen müssen und bis die gestandene Hure (Janice Rule) aufkreuzt, die mit Abstand intelligenteste Figur im Film. Ein drogensüchtiger Baptistenprediger (Peter Boyle) erweist sich als höchst liberaler Charakter und drei alte Indianer als wandelnde Anachronismen, die sich auf höchst seltsame Weise in der Zeit vergaloppiert zu haben scheinen und glauben, ein Bekenntnis zum christlichen Gott ließe sie das ihnen zustehende Land zurückgewinnen.
„Kid Blue“, mit Sicherheit einer der am Weitesten links positionierten Western überhaupt, ist ebenso speziell wie großartig in seinem zwischen Tragik und Humor bisweilen regelrecht transzendenten Habitus. Schade, dass Frawley, den ich, ähnlich wie Mark Rydell und Dick Richards als einen der „Vergessenen New Hollywoods“ erachte, nicht mehr Erfolg als Filmemacher beschieden war. „Kid Blue“ hätte als Empfehlungsschreiben jedenfalls völlig genügt.

9/10

THUNDER OVER THE PLAINS

„You show your likes here again, I’m gonna kill you.“

Thunder Over The Plains (Donnernde Hufe) ~ USA 1953
Directed By: André De Toth

Nach offizieller Beendigung des Sezessionskriegs steht das nach wie vor anbindungsphobe Texas unter der Besatzungskontrolle von Truppen der Union, wobei Wucherer und Steuereintreiber unter der armen Landbevölerung nach Lust und Laune schalten und walten. Auch Captain David Porter (Randolph Scott), gebürtiger Texaner, repräsentiert gemeinsam mit seiner Frau Norah (Phyllis Kirk) den Norden vor Ort. Dabei gibt er sich stets Mühe, den aus dem Untergrund heraus arbeitenden Rebellen Ben Westman (Charles McGraw), für den er heimliche Sympathien hegt, immer wieder mit einem blauen Auge davon kommen zu lassen. Als der gierige Grundstücksspekulant Balfour (Hugh Sanders) von Westman und dessen Leuten gedemütigt wird, gibt es einen Toten, für dessen Ermordung wiederum Westman unschuldig in Verdacht gerät. Ein weiteres Problem für Porter ergibt sich in der Ankunft des ebenso ortsfremden wie inkompetenten Captain Hodges (Lex Barker), der Norah schöne Augen macht.

Reichlich handlungskomplex gibt sich dieser kleine, aber umso feinere Texas-Western, in dem der arme Randolph Scott es gleich von allen Seiten kriegt. Konflikte lauern für ihn als perplexerweise blauberockten aber graubeherzten Captain Porter quasi unter jedem Kieselstein am Wegesrand: Die Farmer bezeichnen ihn als Landesverräter, sein kurz vor der Pensionierung stehender Vorgesetzter Chandler (Henry Hull) verdächtigt ihn der Feindessympathie, seine Frau Norah hasst Texas und will schleunigst zurück an die Ostküste zu schmucken Offiziersbällen und Kaffeekränzchen, Hodges bereitet ihm andauernde Probleme nicht nur dadurch, dass er eine strategische Fehlentscheidung nach der anderen trifft, sondern vor allem durch seine unsittliche Annäherung an die einsame Norah. Und dann ist da das schlechte Gewissen: Als Ordnungsbeauftragter muss Porter mit ansehen, wie von Washington gedeckte Steuerbeamte wie der korrupte Joseph Standish (Elisha Cook Jr.) blanke Willkür bei ihrem ausbeuterischen Tun walten lassen und sich zudem noch mit Erpressern wie dem feisten Grundstücksaufkäufer Balfour fraternisieren. Ein reinigendes Gewitter wird fällig, dass De Toth seinem gebeutelten Helden und uns rezipierenden Leidensgenossen glücklicherweise nach diversen inneren und äußeren Scharmützeln sowie rund 80 spannenden, bunten Minuten als dringend überfällige Katharsis zuteil werden lässt.

8/10

HELL OR HIGH WATER

„We ain’t stealing from you. We’re stealing from the bank.“

Hell Or High Water ~ USA 2016
Directed By: David Mackenzie

Die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner Howard (Ben Foster) rauben binnen kurzer Zeit zwei Filialen der lokalmächtigen Texas Midlands Bank aus. Während der alternde Texas Ranger Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner Parker (Gil Birmingham) sich an ihre Fersen heften, gestaltet sich das weitere Vorgehen der Flüchtigen besonders durch das impulsive und gewaltaffine Verhalten des Ex-Häftlings Tanner zusehends außer Kontrolle geratend. Obgleich die Motivlage der Brüder moralisch durchaus diskutabel ist – die Texas Midlands hat eine Wucher-Hypothek gegen Tobys Ranch in der Hand – ist ein finaler Zwist zwischen den Kriminellen und der Justiz unausweichlich.

Wie eine gepflegte Analyse der US-Bürger-Befindlichkeit im Katastrophen-Wahljahr 2016 wirkt dieser meisterhafte, ebenso staubige wie sonnenlichtdurchflutete Southern Noir des Schotten David Mackenzie: Ganz Westtexas scheint darin übersät von aufgegebenen, verrottenden Immobilien und Grundstücken, an denen zwangsläufig auch etliche familiäre Existenzen hängen. Stattdessen säumen Werbeplakate für Kredite und Hypotheken die Highways – es ist die Ära der Gläubiger, Wucherer und Blutsauger. Neben ein paar Diners scheint die allgegenwärtige Texas Midlands Bank mit ihren zig Niederlassungen eine der letzten funktionierenden Institutionen im Staat zu stellen; natürlich nur, insofern man deren kapitalistische Albtraum-Agenda als „funktional“ anzuerkennen bereit ist. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich das Familiendrama der Howard-Brüder, die beinahe schon allegorische Opfer der Umstände sind. Die Verschuldung des Familienbesitzes geht auf die verzweifelte, in Kummer verstorbene Elterngeneration zurück; den letzten probaten Ausweg bildet die Flucht nach vorn. Während Toby den Weg zum Outlaw für seine Kinder beschreitet, steht Tanner, knasterfahren, wild um sich schießend und getrieben von einer entsprechend unzweideutigen Neigung zu offener Gewaltausübung, eher in der Tradition der marodierenden Wildwest-Banditen von vor 130 Jahren. Immerhin sind Mackenzie und sein kaum minder brillant zu Werke gehender Autor Taylor Sheridan, dessen begnadeten Fingern bereits der monumentale „Sicario“ entwuchs, romantisch genug, um Toby am Ende mit einem blauen Auge davonkommen zu lassen, freilich nicht ohne ihn ein letztes (?) Mal mit seinem Antagonisten zu konfrontieren. Gute Freunde werden die beiden nicht mehr, dass sie jedoch reziprokes Verständnis und zumindest einen Hauch von Respekt füreinander entwickeln, daran mag ebensowenig Zweifel bestehen.
Wenn man sich zudem vergegenwärtigt, in welchem demografischen Umfeld die Republikaner die meisten Wähler fischen konnten, entsteht ein hübsch kompaktes, fiktionalisiertes Sozialanalytikum, das nicht nur in dieser Hinsicht gewiss noch in vielen Jahren Bestand haben wird. Leider ist es ja so – beschissene Zeiten befeuern großartiges Kino.
So ziemlich das Beste, was ich jüngst an „Aktuellerem“ gesehen habe.

10/10

THE DEVIL’S CANDY

„He’s no mask in a Halloween store, he’s not what you see in the movies.“

The Devil’s Candy ~ USA 2015
Directed By: Sean Byrne

Die dreiköpfige Familie Hellman, Vater Jesse (Ethan Embry), Mutter Astrid (Shiri Appleby) und Tochter Zooey (Kiara Glasco), erwirbt ein günstiges Haus in der texanischen Provinz nebst großzügigem Hallenanbau, in dem Jesse, Metal-Fan und Maler, sein neues Atelier einrichtet. Der zuständige Makler (Craig Nigh) verschleiert die zuvor dort stattgefundenen Vorkommnisse, die den geisteskranken Ray Smilie (Pruitt Taylor Vince) umwabern. Jener hatte in diesem Haus gewohnt, ist nun gezwungen, in einem Motel abzusteigen und macht sich schon bald bei den Hellmans bemerkbar. Während Zooey dem merkwürdigen, dicken Mann zunächst noch offen gegenübersteht, ist er ihren Eltern sogleich unheimlich. Dieser Verdacht erweist sich als berechtigt: Smilie ist ein Serienkiller, der sich von Satan persönlich beauftragt wähnt, sein blutiges Werk zu verrichten. Jesse gestaltet in tranceartigen Zuständen derweil zunächst ein umgedrehtes Kreuz und dann ein riesiges Gemälde, das neben anderen schreienden Kindern in einer Art Höllenfeuer auch Zooey zeigt und mit dem er das Interesse des Galeristen Leonard (Tony Amendola) weckt. Nachdem Smilie kurz darauf Zooey entführt und beinahe ermordet, bevor sie in letzter Sekunde entkommen kann, schalten die Hellmans die Polizei ein, was sich angesichts des mittlerweile rasenden Smilie als wenig hilfreich erweist…

Nach James Mangolds „Identity“ sehen wir in „The Devil’s Candy“ Pruitt Taylor Vince abermals als geistesgestörten Serienkiller, hinter dessen bärig-freundlich erscheinendem Äußeren sich die Bestie verbirgt. Die Interpretation, ob sich hinter den seltsamen Geschehnissen, darunter eben Smilies Psychose, die ihn Befehle zu hören wähnt, Jesses „prophetische“ Malerei oder sein Treffen mit dem höchst mysteriösen Mäzen Leonard, dessen Galerie nebenbei „Belial“ heißt, tatsächlich übernatürliche, sprich: satanische Zusammenhänge verbergen, überlässt Autorregisseur Sean Byrne dem Zuschauer. Zumindest einzelne, bestimmte Faktoren legen einen solchen Schluss nahe. Jedoch bezieht „The Devil’s Candy“ gerade aus diesen vagen, in der Schwebe belassenen Andeutungen einen Großteil seines spezifischen Reizes. Daran, dass Byrne ganz nebenbei auch und wenn nicht gar primär einen Film für sich selbst als fanboy gemacht hat, lässt er wenig Zweifel: Jesses und Zooeys Affinität zu harter Musik, die sich in entsprechendem Styling von Vater und Tochter, der nicht unwichtigen Nebenrolle einer Gibson Flying V und diversen Einspielern passender Bands (u.a. Metallica, Sunn O))), Slayer, Pantera) äußert, ist ganz bestimmt auch Byrne zuzuschreiben.
Passend zu diesem durchaus sympathisch konnotierten Offenbarungseid bleibt „The Devil’s Candy“ als recht erfreulicher, kleiner, aber sauberer und keinesfalls unintelligenter Genrevertreter im Gedächtnis haften, der seine Chance verdient.

7/10

PARDNERS

„There’s no „we!“ There’s „me“ and there’s „you,“ and „you“ I don’t want to see anymore!“

Pardners (Wo Männer noch Männer sind) ~ USA 1956
Directed By: Norman Taurog

Muttersöhnchen Wade Kingsley (Jerry Lewis) möchte nicht nur unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters (Jerry Lewis) treten und in den Westen gehen, sondern wie weiland sein Dad mit dessen besten Freund Slim Mosely (Dean Martin) auch mit Slims Sohn (Dean Martin) eine echte Männerfreundschaft aufbauen. Slim jedoch ist bei einem Besuch in New York alles Andere als angetan von dem linkischen Tolpatsch. Dennoch gelingt es Wade, sich bei Slim einzuschmeicheln und diesen zu belatschern, ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Zurück in Texas müssen die beiden sich gegen den bösen Bankier Dan Hollis (John Baragrey) und dessen Outlaw-Bande zur Wehr setzen.

„Pardners“, der vorletzte gemeinsame Film von Martin & Lewis, lässt im Nachhinein bereits erahnen, dass es zu jenem Zeitpunkt mit der einstmals gefeierten Bühnen- und Filmfreundschaft der beiden nicht mehr allzu weit her sein konnte, auch wenn das wie üblich versöhnliche Ende dem Publikum noch etwas ganz Anderes zu suggerieren versucht. Die praktisch unentwegt genervte Attitüde von Martins Filmcharakter spricht Bände und kostete den notorischen Whiskey-Liebhaber vermutlich kein allzu intensiv vorbereitetes Spiel: Wade versucht mit allen Mitteln, Slims Freundschaft und Respekt zu erlangen, während dieser den depperten Trottel am Liebsten ganz weit weg wünschte. Die Gags sind über alle Maßen infantil und erreichen somit bestenfalls Kindergeburtstagsstandards,; das Western-Setting steht dem Team und seinen obligatorischen Musiknummern nicht sonderlich gut zu Gesicht. Selbst dem Profi Norman Taurog merkt man an, dass er sich vor dieser Kulisse nicht zu Hause fühlte. Einzig die wie gewohnt strahlend schönen VistaVision-Bilder katapultieren den Zuschauer zumindest in die Reichweite dessen, was er bei einem Martin-/Lewis-Film sucht. In der Rangliste der gnadenlos ihrem Sonnenuntergang entgenreitenden „Pardners“ jedoch markiert dieses Stück allerdings eher ein Schlusslicht vor dem letztmaligen Aufbäumen „Hollywood Or Bust“.

6/10