WAKE WOOD

„Back to the trees and into the woods!“

Wake Wood ~ IE/UK 2009
Directed By: David Keating

Nachdem sie ihre kleine Tochter Alice (Ella Connolly) durch eine Hundeattacke verloren haben, ziehen Tierarzt Patrick (Aiden Gillen) und seine Frau Louise (Eva Birthistle) in das abgelegene Dörfchen Wakewood in der tiefsten irischen Provinz. Der Verlust sitzt ihnen noch immer tief im Nacken, zugleich spüren sie jedoch, dass in Wakewood nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Offenbar pflegen die Bewohner hier und da noch alte, paganistische Rituale und halten heidnische Beschwörungen ab. Louise findet heraus, dass der alte Arthur (Timothy Spall) die Fähigkeit hat, Tote für die begrenzte Zeit von drei Tagen zurück ins Leben zu holen, wo sie sich ihre Lieben nochmals von ihnen verabschieden können, bevor sie endgültig ins Jenseits übergehen – allerdings darf die betreffende Seele nicht länger als zwölf Monate verschieden sein. Louise und Patrick wollen auch Alice nochmal wiedersehen, verschweigen jedoch, dass sie bereits mehr als ein Jahr tot ist. Es kommt zur Katastrophe…

Überdeutlich orientiert an „Don’t Look Now“ und „Pet Sematary“ bringt Keating seine schöne, kleine Schauermär über Verlust und den maßvollen Umgang mit ihm in seine kontemplative Bahn. Zwar sind und bleiben die Vorbilder stets deutlich erkennbar, „Wake Wood“ ergeht sich jedoch niemals in deren bloßer Kopie, sondern zollt ihnen respektvoll Tribut, indem er sich ganz unspektakulär als Hommage begreift. Zudem hat mir gut gefallen, dass der Film die nicht immer einfache Gratwanderung zwischen der Schaffung einer unheimlichen Grundstimmung und der Hinzuziehung härterer Unappetitlichkeiten meistert, ohne je sein rechtes Maß einzubüßen. Die Idee, ein altes, irisches Dorf und seine Bewohner zu Überlieferern von paranormalen Geheimnissen aus uralter Zeit zu machen, erscheint mir darüberhinaus sehr reizvoll, wobei mit Timothy Spall sozusagen der rechte Anführer für das entsprechende Völkchen gefunden ward. Heimliche Höhepunkte stellen in diesem Zusammenhang die Wiedererweckungsszenen dar, die ihre gezielt unheilvolle Wirkung nicht verfehlen. Ein erfreulicher, kleiner Beitrag außerdem zum Subgenre „mordende Wechselbälger“.

8/10

CONTRATIEMPO

Zitat entfällt.

Contratiempo (Der unsichtbare Gast) ~ E 2016
Directed By: Oriol Paulo

Der wegen Mordes angeklagte Adrián Doria (Mario Casas) trifft sich in seinem Apartement kurz vor der Verhandlung mit seiner Anwältin, der als knallhart bekannten Virginia Goodman (Ana Wagener), die noch nie einen Fall verloren hat und die ihre Karriere nun mit Adriáns wenig aussichtsreicher Verteidigung zu einem erfolgreichen Ende führen will. Doria hat angeblich seine frühere Geliebte Laura (Bárbara Lennie) erschlagen, behauptet jedoch, ein Fremder sei in das betreffende Hotelzimmer eingedrungen, habe zunächst ihn niedergeschlagen und während seiner Bewusstlosigkeit dann Laura getötet. Virginia ahnt, dass sich eine viel umfassendere Wahrheit hinter den mysteriösen Ereignissen verbergen muss und sie beginnt, Doria die tatsächliche Wahrheit im Zuge einer intensiven Befragung aus der Nase zu ziehen…

Oriol Paulo ist zur Zeit einer der besten Männer, wenn es darum geht, ansprechende Krimi-Unterhaltung für den Sonntagabend vorzulegen, die nicht in Deutschland angesiedelt ist. Durch eine Vielzahl von Wendungen („twists“, wie man sie im Cineasten-Jargon gern bezeichnet), deren Intensität sich mit jedem weiteren steigert, bis man am Ende dann tatsächlich so richtig baff und an der Nase herumgeführt dasitzt, hält er seine Zuschauerschaft permanent bei Stange und Laune. Man spürt auch unentwegt Paulos latente Hinwendung zum klassischen Suspense Marke Hitchcock, wobei er sich dabei jedoch mehr auf Inhalte und kriminalistische Finten konzentriert denn etwa ein Brian De Palma, der seinerseits den psychologischen Subebenen in Hitchens Vorgehensweise nachzuspüren pflegt. Das führt allerdings auch dazu, dass sich Paulos Filme trotz ihrer narrativen Unwägbarkeiten einer routinierten Vorhersehbarkeit anheim stellen und sich zumindest bislang stets innerhalb eng gesteckter Bemusterung bewegen. Dass dies keineswegs zwangsläufig Schlechtes sein muss, beweist die Aufrichtigkeit Paulos: Er weiß ganz bestimmt, dass er da chiques Genrekino macht für den gezielten Einsatz macht und wird sich andererseits kaum einen dezidierten Ruhmesplatz dafür erhoffen. Solcherlei Nüchternheit darf man auch einmal durchaus positiv erwähnen.

7/10

CHARLIE BRAVO

Zitat entfällt.

Charlie Bravo (Strafkommando Charlie Bravo) ~ F 1980
Directed By: Claude Bernard-Aubert

Indochina, 1954. Dien Bien Phu ist gefallen, die Erlösung versprechende Indochinakonferenz bereits anberaumt. Eine Gruppe französischer Soldaten unter Lieutenant Brissac (Bruno Pradal) erhält in dieser späten Kriegsphase den Auftrag, die von den Viet Minh gekidnappte Krankenschwester Catherine Fournier (Karina Verlier) zu befreien und sich gemeinsam mit ihr durch das Feindgebiet zurück hinter die eigenen Linien zu schlagen. Unterwegs stößt noch ein Kriegsjournalist (Jean-François Poron) zu ihnen. Während ihres Einsatzes bringen Friedensverhandlungen in Genf dann das offizielle, ersehnte Ende des Krieges. Dennoch gelingt es den Wenigsten, sich bis zur vermeintlich rettenden Küste durchzuschlagen…

Ein Dschungelkriegsfilm aus Frankreich, das ist gewissermaßen schon eine filmhistorische Rarität. Ihr rund siebzig Jahre zurückliegendes Engagement im damaligen Indochina haben unsere Nachbarn nämlich weitaus rarer zu Kinozwecken ausgeschlachtet denn die Amerikaner ihr zum Trauma gewordenes, entsprechendes. So fiel „Charlie Bravo“, ob zufällig oder nicht, just in eine frühe Phase elementarer US-Vietnamfilme, die gerade kurz davor war, sich in eine neue, reaktionärere Woge zu stürzen. Charaktere und Setting erweisen sich tatsächlich flugs als austauschbar, was in einem vor allem in dieser Region angesiedelten Kinostück der Qualität keineswegs abträglich sein sollte. Wiederum findet sich das bereits mehrfach ausgeschlachtete My-Lai-Massaker (die Soldaten mähen ohne zu zögern und mit mühselig im Zaum gehaltener Mordlust das Dorf nieder, in dem sich die entführte Catherine befindet) zum Thema gemacht, wiederum das unsinnige bis obskure Sterben einer kleinen, okzidentalen Männergruppe am lebensfeindlichen Ende der östlichen Welt zentralisiert. Dennoch macht Claude Bernard-Auberts ruppiger Film, den er inmitten einer umfassenden Serie von rund dreißig Pornos inszenierte, Vieles sehr richtig. Er ist etwa sehr vorsichtig und zurückhaltend in der Verteilung von Sympathien. Die Identifikation des Zuschauers mit einem der Männer erweist sich als unmöglich; sie alle sind wahlweise zu verroht, nationalistisch oder auch einfach zu sehr der Situation angepasst, um sich ihnen zur Seite zu stellen. Auf den edlen, sich aufopfernden Offizier muss man ebenso verzichten, wie auf den insgeheim pazifistischen Gefreiten am Ende des Glieds, wenngleich Brissac buchstäblich alles in seiner Macht stehende für seine Leute tut.
Als unschöner bis derber, nüchterner und seinen Bestrebungen damit überaus gerecht werdender Kriegsfilm ohne Schnörkel mit einigen unvergesslichen Momenten ist „Charlie Bravo“ ein mattes, kleines, oft übersehenes Juwel seiner höchst spezifischen Provenienz, das hervorzukramen sich lohnt.

7/10

SAVAGE DOG

„For a man like him, revenge could be everything.“

Savage Dog ~ USA 2017
Directed By: Jesse V. Johnson

Indochina, 1959. Der frühere IRA-Terrorist Martin Tillman (Scott Adkins) sitzt infolge der Kriegswirren in einem hiesigen Gefängnis und wird von dessen Direktor, dem geflohenen Nazi Steiner (Vladimir Kulich) und seinen Helfershelfern, nur für illegal veranstaltete Faustkämpfe herausgelassen. Der Auftritt eines englischen Agenten (Matthew Marsden), der Tillmann sucht, macht Steiner jedoch nervös und er lässt den ohnehin bereits verlängert einsitzenden Tillman frei. Dieser freundet sich mit dem Kneipenbesitzer Valentine (Keith David) und dessen Ziehtochter Isabelle (Juju Chan) an. Steiner, nebenbei der tatsächliche Vater Isabelles, ist diese Konstellation ein Dorn im Auge. Er zwingt Tillman, wieder für ihn zu kämpfen. Obwohl der Ire sich widerwillig fügt, werden Valentine und Isabelle durch Steiners Leute ermordet. Der ebenfalls totgeglaubte Tillman kehrt aus dem Dschungel zurück und übt blutige Rache an sämtlichen Beteiligten…

Ein grandioser Rache-Actioner erwartet den Adkins-affinen Zuschauer mit dessen jüngstem Opus „Savage Dog“. Besonders gefällt die Kreativität, mit der sich Regisseur und Autor Johnson dem begrenzten Budget entgegenstemmt: er versetzt seine Geschichte kurzerhand knapp sechzig Jahre in die Vergangenheit und in den damaligen Schmelztiegel Vietnam, zwischen zwei Kriegen beileibe kein Ot für rechtschaffene Menschen und von Johnson zum Hort belasteter Außenseiter und Drecksäcke kultiviert. Hier stoßen unversehens Kriegsverbrecher auf flüchtige Terroristen, Altnazis auf Kriegsverbrecher, Glücksritter auf Spione. Adkins zu einem IRA-Mann auf Erlösungssuche zu machen, ist ein toller Einfall und gibt „Savage Dog“ die ideale Druckverstärkung. Die Kämpfe fallen, wie von dem kompakten Engländer gewohnt, heftig und skrupellos aus; im letzten Drittel, nachdem die Karten endgültig verteilt wurden, kommen dann auch die Ballermänner aus dem Sack. Als brachial zu Werke gehende Ein-Mann-Kampfmaschine mäht und hackt Tillman darin ohne zu zögern alles nieder, was sich nicht bei drei verkrochen hat, und hat insofern eine Menge zu tun. „Savage Dog“ erinnert insofern auf eine recht traditionsbewusste, durchaus genießerische Art an das amoralische Genrekino der achtziger Jahre, dies allerdings ohne seine aktuelle Herkunft mit aller Macht verleugnen zu wollen. Klasse.

8/10

THE HARD WAY

„Oh man, this is too real.“

The Hard Way (Auf die harte Tour) ~ USA 1991
Directed By: John Badham

Der verwöhnte Hollywood-Star Nick Lang (Michael J. Fox) will in seinem nächsten Film unbedingt einen realitätsnahen Großstadtcop spielen. Ganz im Sinne des method acting plant er zu Studienzwecken zuvor einen echten Cop auf Streife zu begleiten. Dieser findet sich in dem unkonventionellen New Yorker John Moss (James Woods), der gerade einem verrückten Serienkiller, dem „Party Crasher“ (Stephen Lang) auf den Fersen ist. Lang wirbelt daraufhin nicht nur das Privatleben des ihn hassenden Moss gehörig durcheinander, er muss auch lernen, dass Film und Wirklichkeit selten einhergehen.

„Mein“ John Badham war immer der der siebziger und achtziger Jahre; seine Arbeiten nach dem tollen „Stakeout“ empfand ich, sofern überhaupt gesehen, stets als eher beliebiges, wenn auch routiniert gefertigtes Gebrauchskino. Seit immerhin fünfzehn Jahren hat Badham nunmehr nicht fürs Kino gearbeitet, sondern begnügt sich seither damit, einzelne Episoden für TV-Serials zu inszenieren.
„The Hard Way“ ist ein recht gutes Beispiel für Badhams Weg in Richtung Beliebigkeit und gleichermaßen auch für die sich immer weiter manifestierende Art der Studios, in den Neunzigern zunehmend formelhaftes Kommerzkino zu kultivieren: Als komplett entwichtete Action-, oder auch Buddy-Komödie funktioniert der Film durchaus. Fox und Woods sind als sich mehr denn zaghaft annäherende Antipoden so typengerecht besetzt, wie es eben geht und die ihnen zugedachte Geschichte völlig reißbretthaft. Als Hollywood-Satire indes ist „The Hard Way“ ebenso antiquiert und naiv wie Nick Langs intrafilmische Vorstellungen authentischer Polizeiarbeit. Zu keiner Sekunde ist die Geschichte bereit, sich auf ein wie auch immer geartetes Meta-Terrain zu begeben, alles bleibt flach und stereotyp. Seine dennoch nicht abzuleugnende Vitalität bezieht der Film neben der illustren Schar an Nebendarstellern tatsächlich einzig aus Badhams inszenatorischer Professionalität, die erwartungsgemäß vor allem in den spektakulären Actionsequenzen zur Geltung kommt. Ohne sie wäre „The Hard Way“ heute noch mehr Fußnote als er es ohnehin schon ist.

6/10

GET OUT

„This bitch is crazy!“

Get Out ~ USA 2017
Directed By: Jordan Peele

So wirklich Lust, seine Schwiegereltern in spe kennenzulernen hat Chris (Daniel Kaluuya) nicht; hält er selbst es doch noch immer für keine Selbstverständlichkeit, dass ein dunkelhäutiger Typ wie er eine weiße Freundin wie Rose (Allison Williams) ausführt. Dennoch steht ein Wochenende in der Provinz auf dem Plan, in dessen Zuge man Roses alte Herrschaften Dean (Bradley Whitford) und Missy Armitage (Catherine Keener) in ihrer großzügigen Villa einen Besuch abstattet. Zwar geben die beiden sich als betont liberal, sind Chris jedoch trotz aller Bemühungen kreuzunsympathisch. Auch die beiden farbigen Hausangestellten, Gärtner Walter (Marcus Henderson) und Georgina (Betty Gabriel), Mädchen für Alles, erwecken ungute Assoziationen bei Chris. Noch bizarrer wird die Situation, als die Armitages ihr alljährliches Gartenfest ausrichten: Die Gäste scheinen durch die Bank etwas zu verbergen. Als Chris endlich die ihn umspielende Scharade durchschaut, ist es bereits zu spät…

In der Tradition der Geschichten von Ira Levin findet sich diese gleichermaßen schwarzhumorige wie spannende, moderne Rassismusallegorie, die auf grandios-treffende Weise das neoliberale Verständnis von „gelungener Integration“ überspitzt und zu einer brillanten Genrefarce schmiedet. Vor allem „The Stepford Wives“ blinzelt aus jeder Pore von „Get Out“ hervor; wie Levins sich ungebrochener Aktualität erfreuende Story der Frauenbewegung annahm, nimmt „Get Out“ den (amerikanischen) Alttagsrassismus aufs Korn. Dabei ist Jordan Peele glücklicherweise viel zu intelligent, um eine bloße Ku-Klux-Klan-Fabel zu erzählen und fanatische Neonazis Jagd auf hilflose Schwarze machen zu lassen. Seine postmodernen Rassisten entstammen ausschließlich der weißen Elite jenseits der 50, die die unhaltbaren Vorurteile ihrer Ahnen längst abgelegt haben und die den Afroamerikaner an und für sich vielmehr als physisch begütert, um nicht zu sagen, als erstrebenswerte Hülle betrachten. Dean Armitage, in der Tradition seines Vaters ein versierter Hirnchirurg, hat daraus einen einzigartigen Geschäftszweig für dekadente Eingeweihte kultiviert: Er überträgt die Hirnmuster eines durch natürliche Faktoren zum Tode verurteilten oder sonstwie körperlich beeinträchtigten weißen Seniors – des Meistbietenden freilich – auf die eines jungen, gesunden Schwarzen, dessen eigene Persönlichkeit dabei nahezu völlig in den psychischen Hintergrund gedrängt wird. Die elementare Aufgabe der überaus attraktiven Rose ist es dabei, die unfreiwilligen Probanden ins Haus der Armitages zu locken, wo die entsprechende Operation dann stattfinden kann. Glücklicherweise ist Chris, nachdem er bereits in der Falle sitzt, noch immer wehrhaft genug, um sich aus dem Horrorszenario freizukämpfen.
Jordan Peele hat mit „Get Out“ eine exzellente Mixtur aus Sozialsatire und klassischem Horrorkino geschaffen, die die bedauerlicherweise noch immer gegenwärtige Segregationsproblematik auf ebenso flüssige wie schlüssige Weise mit dem traditionsbeflissenen Motiv des mad scientist verbindet. Frankensteins kleines Rassistenlabor – brillant!

9/10

THE VOID

„You’d be surprised at the things you find when you go looking.“

The Void ~ CAN 2016
Directed By: Jeremy Gillespie/Steven Kostanski

Als Deputy Carter (Aaron Poole) während seiner nächtlichen Streife einen Junkie (Evan Stern) aufgreift und zum nahegelegenen Krankenhaus bringt, ist dies der Beginn eines Albtraums: Während sich vor dem Gebäude eine seltsame Gruppe stummer, vermummter Sektierer versammelt, drehen nach und nach Belegschaft und Patienten wahlweise durch oder verwandeln sich in schleimige Monster. Als Urheber des Grauens erweist sich Chefarzt Dr. Powell (Kenneth Walsh), der ganz spezielle Pläne verfolgt und im Keller des Hospitals ein Speziallabor verbirgt…

Als Episode in einem Anthologie-Film wäre „The Void“ besser aufgehoben gewesen, wie ich glaube; zumindest hätte eine entsprechend notwendige Straffung Plot und Film diverse dramaturgische Durchhänger erspart und den der Geschichte durchaus innenwohnenden Zug wesentlich konzentrierter herausschälen können. So weiß „The Void“ manchmal nicht recht, wohin mit sich, um seine obligatorischen eineinhalb Stunden Erzählzeit adäquat auszufüllen. Es gibt immer wieder Momente, die Potenzial, Können, Kenntnis und sogar die Tendenz zu genuiner Großartigkeit durchschimmern lassen – das nicht abzuleugnende Problem liegt jedoch darin, dass ebendiese Augenblicke zu keiner kompositorischen Einheit finden, stattdessen solitäre Blitzlichter bleiben innerhalb eines Films, den man gern sehr viel besser finden würde.
Wie die allermeisten jüngeren Genrefilmer erweisen auch die Regie- und Autorendebütanten Gillespie/Kostanski, die an einigen größeren Produktionen der jüngeren Zeit als Kreativköpfe im Hintergrund mitgearbeitet haben, sich als gelehrige Studierende und Absolventen ihrer Hausaufgaben: Neben Lovecraft als konsequentem literarischen Einfluss schimmern vor allem Carpenter und Fulci als omnipräsente Inspiration durch die diesigen Eingeweide des höllischen Krankenhauses. Während sich im Falle Carpenter gar aus etlichen seiner Arbeiten Motive entdecken lassen (durchaus trinkspielgeeignet), ist es betreffs Fulci vor allem die Ausrichtung des Ganzen, die mit fortlaufender Spieldauer augenscheinlich immer konfusere, unirdischere Bahnen annimmt, bis hin zur totalen Auflösung von Zeit und Raum.
„The Void“ gehört somit gewiss zu den besseren Horrorfilmen der jüngeren Zeit; ihren wirklich großen, nachhaltigen Beitrag zum Genre bleiben uns die beiden Autoren allerdings noch schuldig.

6/10