NIGHT SCREAMS

„I no longer feel that social interaction will be harmful…“

Night Screams (Nacht des Grauens) ~ USA 1987
Directed By: Allen Plone

Während das eigentlich schwer unzufriedene Football-Nachwuchs-Talent David (Joseph Paul Manno) mit seinen Freunden im feudalen Haus der Eltern eine dufte Fete steigen lässt, kommt es zu mancherlei Unpässlichkeiten: Nicht nur, dass zwei psychotische Knastausbrecher und Killer sich den häuslichen Keller als Versteck ausgesucht haben, treibt auch noch ein weiterer irrer Serienmörder sein Unwesen und knöpft sich einen Partygast nach dem anderen vor. Ist es gar David selbst, der hier durchdreht? Immerhin hat seine Mom (Beth Lewis) vergessen, ihm rechtzeitig seine Tabletten zuzustecken…

Allen Plone, in Anbetracht seiner sonstigen kreativen Errungenschaften offenbar großer Fan der Disco-Götter Earth, Wind & Fire, brachte es nach „Night Screams“ noch auf zwei weitere Spielfilme als Regisseur, bevor er sich entschloss, das entsprechende Feld dann doch lieber inspirierteren Schaffensgenossen zu überlassen.
Bei „Night Screams“ handelt es sich um einen topologisch zunächst unauffälligen Slasher, dessen einzig spezifisches Handlungsmoment darin besteht, der Geschichte ein Duo brutaler Knackis hinzuzusetzen, deren ursprüngliche Einführung und späteren Einsatz der Film dann aber wieder weitestgehend vergisst. Vielmehr gefällt sich Plone darin, sein Werk durch eine möglichst wirre Inszenierung stark unübersichtlich zu gestalten. Möglicherweise wollte er auf diese Weise auch bloß die eigene Lustlosigkeit verschleiern, denn ‚lustlos‘ ist wohl das „Night Screams“ am gerechtesten werdende Prädikat. Der Film ist vor allem hässlich, fahl und schwunglos; nahezu jede/r der sicht- und unsichtbar Beteiligten hinterlässt den Eindruck, als glaube sie / er erst gar nicht an das Projekt oder dessen möglichen Erfolg. Selbst die Musik einer sich flott wähnenden Clubband (n.n.) dröhnt blass und austauschbar. Die konservische Verwendung einzelner Szenen aus „Graduation Day“ und aus einem älteren John-Holmes-Porno, die jeweils von filminternen Videoguckern goutiert werden, besitzt wohl ausschließlich eine – geflissentlich formuliert ominöse – Dehnungsfunktion. Das wiederum hoffnungslos undurchsichtig „aufgelöste“ Ende macht den ganzen Driss erwartungsgemäß nicht besser. Selbst die meisten kills kommen öde um die Ecke.
Eine Veranstaltung, die man getrost aussparen kann.

3/10

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CHEERLEADER CAMP

„Okay, your friend’s dead. Now get the fuck back to the camp or I’ll shoot y’all, will ya?“

Cheerleader Camp (Bloody Pompoms) ~ USA/J 1988
Directed By: John Quinn

Cheerleader-Königin werden – das ist ihr größter Traum und zugleich ihre größte Bürde. Dennoch stellt sich die psychisch labile Alison Wentworth (Betsy Russell), Vortänzerin des Cheerleader-Teams der Lincoln High, gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen tapfer der Herausforderung, den regionalen Wettkampf im einschlägigen Trainingscamp „Hurrah“ zu gewinnen. Kaum vor Ort angekommen, erliegt das erste Opfer, ein Mädchen (Krista Pflanzer) von der „Konkurrenz“, sogleich einem scheinbaren Selbstmord. Doch weder die die dramatischen Ereignisse vertuschende Chefin (Vickie Benson) des Camps noch die anderen Kids interessiert jener Zwischenfall sonderlich und man geht dem Tagesgeschäft unbeeindruckt weiter nach. Als der nächste Todesfall auftritt, beginnt Alison, mehr und mehr an ihrem Verstand zu zweifeln – könnte sie unbewusst eine Mörderin sein…?

Ähnlich wie der im Vorjahr entstandene „Return To Horror High“ müht sich der unter japanischer Co-Produktionsägide entstandene „Cheerleader Camp“, dem Slasher-Genre einen parodistischen Ansatz zu entlocken, ohne die Wurzeln der Gattung gleich vollends zu denunzieren, oder gar in totalen Slapstick Marke „Pandemonium“ auszuarten, mit dem er ansonsten erstaunlich viele Parallelen teilt. Diesmal steht der sich uns Europäern verständlichermaßen absurd ausnehmende Teenagerwunsch, nationale Prominenz als Super-Cheerleader zu erlangen, einerseits im Storyzentrum und ist andererseits motivationale Antriebsfeder für das derangierte Mörderhirn, wie der mithin wenig überraschende Schluss-Twist offenbart. Dazwischen gibt es eine Menge hochgeistiger Titten- und Seniorenwitze nebst einer deftigen Portion Korpulentenkomik, für die sich der massige Darsteller Travis McKenna selbst nicht entblödet, gleich zu Beginn seinen gewaltigen, nackten Hintern durch ein Autofenster zu quetschen. So bringt sich der zu Zeiten der unleugbaren Slasher-Abenddämmerung entstandene „Cheerleader Camp“ über seine mäßig humorigen Runden, die trotz ihrer satirischen Ansätze weitgehend ohne den ubiquitären Charme früherer, nicht umsonst renommierterer genealogischer Vorläufer auszukommen hat.
Was für zwischendurch und gut is‘.

5/10

RETURN TO HORROR HIGH

„Nobody hits one of the trolls!“

Return To Horror High ~ USA 1987
Directed By: Bill Froehlich

Eine ungeklärte, vor fünf Jahren an der Crippen High School grassierende Mordserie soll zum Thema eines billigen Horrorfilms werden. Von diversen Unpässlichkeiten lässt sich der wackere Produzent Harry Sleerik (Alex Rocco) erst gar nicht den Tag vermiesen: Seine Idee, das Ding direkt vor Ort am authentischen Schauplatz zu drehen, macht selbst die Tatsache wett, dass auch heuer wieder ein verrückter Killer unterwegs ist, der Schule und Filmset gleichermaßen unsicher macht…

Als kleine Frischzellenkur auf dem anno 87 recht plattgewalzten Pfaden des Slasherfilms gab es von Einmalregisseur Bill Froehlich diese durchaus vergnügliche, selbstparodistische Komödie, die durch den gezielten Einsatz narrativer Auslassungen und oftmals halsbrecherischer Erzählebenenwechsel eine ordentliche Menge ihres neckischen Aufzugs bezieht. Als Rückblende aufgezogen (zu Beginn findet die Polizei die Reste und Überbleibsel eines deftigen Massakers, dessen Hintergründe nach und nach entsponnen werden) changiert Froehlich im weiteren Verlauf permanent und fast nie auf den ersten Blick erkennbar zwischen Film- und Film-im-Film-Realität, wobei sich die (investigative) Gegenwart und die erzählte, „reale“ Vergangenheit beinahe alberner ausnehmen, als die durch das sich mühselig abrackernden Filmteam dramaturgisierte Story. Am Ende wird dann auch das Publikum nochmal zünftig gefoppt, so dass man vor lauter Layern und Metaebenen nurmehr staunen möchte.
Zwar krankt „Return To Horror High“, der entgegen anderslautender Annahmen und Netzinformationen kein Sequel zu Larry N. Stouffers Mutantenmonsterfilm „Horror High“ darstellt, zumindest geringfügig auch weiterhin an den allseits bekannten Erbkrankheiten der Gattung, die vor allem in der ohnehin kaum erfüllbaren Aufgabe bestehen, die „Füllszenen“ zwischen den Mordsequenzen halbwegs geschickt oder gar interessant zu gestalten, er fällt aufgrund seines innovativen Konzepts aber dennoch erfreulich gewinnstiftend aus dem Rahmen. Außerdem ist er vor allem infolge seiner vielen grandios-absurden Szenen und Einfälle stellenweise wirklich urkomisch.

7/10

LEATHERFACE

„You messed with the wrong family.“

Leatherface ~ USA 2017
Directed By: Alexandre Bustillo/Julien Maury

Texas, 1955. Als die durchweg aus Psychopathen bestehende Familie Sawyer unter dem Vorsitz von Matriarchin Verna (Lili Taylor) ausgerechnet Betty (Lorina Kamburova), die Tochter des hiesigen Sheriffs Hal Hartman (Stephen Dorff), auf ihre Speisekarte setzt, sieht der bereits seit Langem nach Gerechtigkeit strebende Gesetzeshüter rot und sorgt dafür, dass Vernas Jüngster, der kleine Jedidiah (Boris Kabakchiev), in der geschlossenen Nervenheilanstalt landet. Zum jungen Mann (Sam Strike) herangereift, gelingt Jed, der sich nun Jackson nennt, gemeinsam mit drei anderen Insassen (Sam Coleman, James Bloor, Jessica Madsen) und einer gekidnappten Krankenschwester (Vanessa Grasse) die Flucht aus jener Institution, derweil Sheriff Hartman bereits darauf lauert, den Sawyers endgültig den Garaus zu machen…

Die Auslöschung von Identitäten zugunsten unguter Substitute schwebt allgegenwärtig dräuend über „Leatherface“. Um es gleich vorwegzunehmen ist dieser jüngste Beitrag zum langlebigen Chainsaw-Franchise nach Kim Henkels drittem 94er-Sequel zugleich der bis dato schwächste, was sich besonders in Anbetracht einiger dem Projekt zur Verfügung stehender, personeller Ressourcen sehr bedauerlich ausnimmt. Mit Bustillo und Maury gewann man immerhin zwei mehr denn vielversprechende Repräsentanten der harten Horror-Nouvelle-Vague und mit Lili Taylor und Stephen Dorff darüber hinaus auch recht ungewohnte darstellerische Prominenz. Was die so durchaus vielversprechend gestartete Chose dann aber so überaus unelegant durchkreuzt, ist das magere Script des Newcomers Seth M. Sherwood, der seinen Ansatz, dem ikonischen Character Leatherface einen psychologisch fundierten Unterbau zu verabreichen, völlig vergeigt.
Zu Beginn nutzt der Film nahezu exakt dieselbe Startbahn wie Rob Zombies „Halloween“-Remake; ein durch sein dysfunktionales Familienumfeld nachhaltig gestörter Junge kommt in ein infolge inkompetenter Belegschaft extrem kontraproduktiv geführtes Sanatorium für psychisch kranke, juvenile Gewaltverbrecher und bricht als junger Erwachsener dort aus. Doch damit ist der Werdegang hin zum späteren, verstummten Sägenschwinger Leatherface noch längst nicht vollendet – der gewaltsame Tod des besten Freundes, die Verbissenheit des ihn jagenden Sheriffs, schließlich eine unfällige Verunstaltung seines hübschen Antlitzes und ein schwelender Mutterkomplex ergeben schlussendlich jene ungute Mixtur, die den als Kind noch in „errettbarer Verfassung“ befindlichen Jed Sawyer zu unser aller liebstem Hautmaskenträger avancieren lässt. Das alles wird so forciert, hanebüchen und demystifizierend aufgetragen, so ohne Gespür für die die Chainsaw-Filme üblicherweise kennzeichnende, pathologische Atmosphäre oder für das ursprünglich so maßgeblichg apostrophierte Zeitkolorit (dem ja selbst herbeibeschworenen Umstand, dass die ganze Geschichte sich 1965 ereignen soll, wird letzten Endes zu keiner Sekunde Rechnung getragen), dass selbst die gewohnt gediegene und eigentlich treffliche Inszenierung der beiden „Exil-Franzosen“ das immens eklektische Konglomerat zu keiner befriedigenden Gesamtbilanz zu führen vermag. Es hat indes fast den Anschein, als wäre die (häufig dem DTV-Segment zuzurechnende) Wahl kostensparender Produktionsmittel, die Bulgarien als Drehort nebst vornehmlich einheimischem Stab, symptomatisch für das beinahe allseitige Misslingen.
Vor allem um Bustillo und Maury, deren stilistische Signatur trotz allem noch immer präsent scheint, muss es einem leid tun – man kann nur hoffen, dass die beiden sich nicht wie so viele immigrierte Filmkreative vor ihnen vom Moloch Hollywood aufzehren lassen und sich stattdessen in Zukunft wieder ihren sehr viel fruchtbareren Wurzeln als auteurs besinnen.

4/10

THE BELKO EXPERIMENT

„Whoever’s doing this, they’re having a little fun at our expense.“

The Belko Experiment ~ USA/COL 2016
Directed By: Greg McLean

Die Firma „Belko Industries“ beschäftigt in einem angelegenen Bürokomplex vor der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá einen größeren Stab von US-Angestellten. Mit Ausnahme der Tatsache, dass sämtliche der Mitarbeiter einen Chip im Kopf implantiert haben, der, so versichert man, im Falle eines Kidnapping zur schnellen Wiederauffindung dient, verläuft nahezu jede Schicht dort eher zwischenfallsfrei und gepflegt langweilig. Bis das ganze Gebäude eines Tages hermetisch abgeriegelt wird und die Angestellten via Fernsprecher aufgefordert werden, sich gegenseitig zu töten, wenn sie nicht selbst sterben wollen. Tatsächlich entpuppen sich die eingesetzten Tracker als ferngesteuerte Minibomben und die Männer und Frauen als Opfer eines teuflischen Experiments, das es irgendwie zu überleben gilt. Bald bilden sich verfeindete Fraktionen und kaum jemand kann noch dem anderen trauen…

Nachdem der Australier Greg McLean sich primär durch seine beiden „Wolf Creek“-Filme empfohlen hat, durfte er mit seiner zweiten US-Produktion ein Script des umtriebigen Spaßvogels und Troma-Eleven James Gunn verfilmen, dessen simple Primässe um ein aus dem Ruder laufendes, höchst unethisches Sozialexperiment selbst auf den ersten Blick bereits den etwas faden Beigeschmack reiner Zweckmäßigkeit nicht verleugnen kann. Ähnlich wie die „Purge“-Reihe gibt „The Belko Experiment“ vor, dystopische, schwarzhumorige Gesellschaftssatire zu liefern, bietet stattdessen jedoch nicht wesentlich mehr feil denn immerhin recht kinetisch arrangierten Survivalhorror, der über seine kurze Distanz hinweg zumindest auf der rein affektiven Ebene recht gut funktioniert. Allerdings macht sich das hohle Fundament des Ganzen spätestens im letzten Erzähldrittel schmerzhaft bemerkbar, als der Plot zu dem bitteren Offenbarungseid gezwungen ist, keinerlei befriedigende Aufklärung für seine zuvor so spektakulär arrangierten Volten beibringen zu können: ein offenbar extrem entmenschlichter „Wissenschaftler“ (Gregg Henry) erklärt dem einzigen Überlebenden Mike Milch (John Gallagher Jr.), dass er soeben an einer unfreiwilligen Feldstudie zu menschlichem Verhalten in Extremsituationen teilgenommen hat. Nachdem Mike den sadistischen Sozialforscher und seinen Anhang ausgeschaltet hat, offenbart man uns noch, dass zeitgleich auf globaler Ebene etliche analoge Experimente stattfinden – ein Sequel war offensichtlich fester Bestandteil des Plans. Das nicht zu unterschätzende Missverhältnis zwischen Aktion und Entschlüsselung geht somit  in einen ziemlich schmerzhaften Spagat, an dessen oberem Ende schon der unvermeidliche Riss lauert. Daran ändert selbst die Mitwirkung der immer noch erfreulich gut aufgelegten Michael Rooker, ohnehin eher unter Gaststar-Status, und John C. McGinley als hundsföttischem Fiesling wenig. Mediokres Amüsement.

6/10

I DRINK YOUR BLOOD

„I’m only a veterinarian, Pete. Your sister’s not an animal.“

I Drink Your Blood (Die Tollwütigen) ~ USA 1970
Directed By: David E. Durston

Der Teufelspriester Horace Bones (Bhaskar Roy Chowdhury) und seine Gruppe von Satanisten-Hippies fallen, nachdem sie die Teenagerin Sylvia (Iris Brooks), die sie bei einem ihrer nächtlichen Rituale beobachtet hat, vergewaltigen, in ein beschauliches Provinznest ein, um dort das zu tun, was sie am Besten beherrschen: die Bürger erschrecken. Man besetzt ein leerstehendes Haus, bettelt, was das Zeug hält und pfeift sich Gras und LSD bis zum Abwinken in die Windungen. Nachdem sie Sylvias erbosten Großvater Dr. Banner (Richard Bowler), der sich bei ihnen beschwert, kurzerhand unter Acid setzen, wird der kleine Pete (Riley Mills), Sylvias Bruder, grantig. Er erschießt einen tollwütigen Hund, zapft ihm Blut ab und mischt es den garstigen Brüdern und Schwestern unter ein paar Fleischpasteten. Die Satansbrut erlebt daraufhin den Trip ihres Lebens, verfällt durch die Bank der Tollwut und attackiert geifernd alles, was sich bewegt.

David E. Durstons rotznäsiger, kleiner Reißer bietet gleich mehrerlei an dickem Plus: er ist eine echte Wundertüte des apokryphen Frühsiebziger-Kinos, ein Inbegriff des Terminus „Exploitation“ und vor allem: ein ganz gewaltiger, unappetitlicher Spaß, der seinen Zuschauer auf eine Achterbahn der Unfassbarkeiten verfrachtet.
Der Satansanbeter Horace Bones, gespielt von dem indischstämmigen Maler und Tänzer Bhaskar Roy Chowdhury oder kurz Bhaskar, ist der Inbegriff der kleinbürgerlichen, amerikanischen Vorstellung von gesellschaftszersetzendem Abschaum – ein auf sämtliche Normen und Werte pfeifendes Subjekt von einem Gammler, dazu noch eine Art Nachwuchs-Manson. Fehlt quasi bloß noch das Bekenntnis zum Kommunismus, aber für ein solches müsste man ja Bücher lesen. In Ermangelung von heißen Motorrädern fallen Horace und seine Mädels und Jungs, die neben hochfrequentem Drogenkonsum auch noch wilde Promiskuität pflegen, also ausnahmsweise nicht unter das zu jener Zeit allseits beliebte Rocker-Stigma, sondern sind zunächst in einem psychdelisch bemalten Kleinbus unterwegs. Nachdem dieser den Geist aufgibt, sitzen sie also erstmal fest in unserer liebenswerten, repräsentativen Kleinstadt, machen sich es dort jedoch gleich mal, breitärschig, wie sie so sind, ordentlich bequem. Diese Bequemlichkeit geht natürlich schwer zu Lasten der nervlichen (und übrigen) Gesundheit der Einwohner, aber das gehört ja zum üblen Ton von derlei humanem Unrat. Zeit, dass auch ihnen mal einer einen Streich spielt und der (offenbar selbst nicht ganz dichte) Lausbub Pete kommt da gleich mit drakonischen Maßnahmen. Der vom Acid angefressene Cortex und die mit Tollwutbakterien kontaminierten Fleischpastetchen gehen eine unheilvolle Verbindung ein und schon hat man eine Horde sabbernder Wilder, die sich sogar noch irrationaler verhalten als vorher und gegen die nurmehr bloß noch mit Schusswaffe und Heugabel beikommen kann – und mit fließend Wasser natürlich, denn solches, das versichert Doc Banner, hat auf Rabiespatienten denselben Effekt wie geweihtes Nass auf den Gehörnten. Zumindest, was die Angst vor selbigem anbelangt.
Es gibt also eine ordentliche Menge Holz in diesem durchweg liebenswerten, weil nicht zuletzt gepflegt ironischem Aggroheimer von anno 70, der, so wahr ich dies hier tippe, ein legitimes Bindeglied zwischen den beiden Midnight Specials „Night Of The Living Dead“ und „The Last House On The Left“ bildet.
Ganz, ganz feiner Stoff und spitzenmäßig im Abgang!

8/10

DEMONOID: MESSENGER OF DEATH

„You either cut off my hand, or I’ll kill you!“

Demonoid: Messenger Of Death (Macabra – Die Hand des Teufels) ~ MEX 1981
Directed By: Alfredo Zacarías

Nachde das Ehepaar Mark (Roy Benson) und Jennifer Baines (Samantha Eggar) all sein Sauerverdientes in den Erwerb einer mexikanischen Silbermine investiert hat, lässt der Ertrag auf sich warten, zumal die Arbeiter vor Ort allesamt Bammel haben, tiefer in den Stollen vorzustoßen. Bei einer eigenen Expedition in die Untiefen der Höhle stoßen die Baines‘ schließlich auf eine altertümliche Kultstätte mitsamt einem Grabmal. Mark bemächtigt sich darin einer silbernen Schatulle, die einer Hand nachempfunden ist. Im Hotel offenbart sich dann deren schreckliches Geheimnis: Der Staub aus dem Kästchen verwandelt sich eine knochige Hand, die von Mark Besitz ergreift. Dieser dreht daraufhin durch, jagt die Mine in die Luft und flieht. Jennifer kann später nurmehr seine verbrannte Leiche identifizieren, nachdem Mark in Las Vegas offenbar in Streit geraten ist. Sie wendet sich an Vater Cunningham (Stuart Whitman), der ihre Geschichte um die Teufelshand nicht glauben mag, sich schon bald jedoch eines Besseren belehrt findet…

Von übernatürlichen Mächten besessene Gliedmaßen, zumal Hände, bilden bereits seit Robert Wienes „Orlacs Hände“ und seiner bald erfolgenden Remakes einen unregelmäßig, aber stetig bemühten Nebenstrang im Horrorfilm nebst mancherlei oder weniger berühmten Ablegern. Auch „Demonoid: Messenger Of Death“ des mexikanischen Filmemachers Alfredo Zacarías, der um diese Zeit einen kurzfristigen Abstecher ins anglophone Genrekino mit den entsprechenden Darstellern wagte, zählt dazu. Sein Werk passt insofern ganz gut zu dem von den Cardonas, die ja ebenfalls in diesen Sphären umtriebig waren, oder entfernt auch zum italienischen Splatterfilm jener Tage. Dafür bürgt nicht zuletzt auch das Engagement Stuart Whitmans, der sich zu dieser Zeit zumindest im Kino für keinen noch so abstrusen, internationalen Heuler zu schade war, und mit seinem graumeliert gescheitelten Haupt so manches Gossenstück aufzuwerten wusste. Immerhin dürfte „Demonoid“, dem es sogar gelingt, ein bisschen den spirit des US-Horrorkinos der Früh- und Mittsiebziger zu präservieren, zu seinen etwas besseren Filmen der Ära gehören. Die böse Dämonenhand von anno dunnemals, die immer wieder neue Wirte findet und diese jeweils tot und energieentledigt (sprich: grau und verschrumpelt) hinterlässt, macht durch ihren beinahe episodsisch nachgezeichneten Werdegang jedenfalls allerlei Freude und hält den Zuschauer bei Laune bis hin zu ihrem unvermeidlichen Cliffhanger-Auftritt am Ende. Immer wieder hat es zwischendrin überdurchschnittliche Szenen wie etwa den beklemmenden Besuch der Baines in einem Mumienmuseum. Hinzu kommt noch das allenthalben eingespielte Ohrwurm-Titelthema von Richard Gillis und fertig ist die etwas absonderliche Laube.

6/10