ANTICHRIST

„I love you.“ – „You don’t.“

Antichrist ~ DK/D/F/S/I/PL 2009
Directed By: Lars von Trier

Der Unfalltod ihres kleinen Sohnes (Storm Acheche Sahlstrøm) während ihres eruptiven Koitus stürzt ein Ehepaar in eine tiefe Sinnkrise. Sie (Charlotte Gainsbourg) erleidet einen Nervenzusammenbruch, gefolgt von einer akuten Angststörung, woraufhin er – seines Zeichens Psychiater – sich ihrer annimmt, obschon eines seiner professionellen Dogmen vorsieht, dass Patient und Therapeut sich privat nicht nahestehen sollten. Um sie direkt mit ihren seelischen Wunden zu konfrontieren, reist er mit ihr in eine abgelegene Waldhütte genannt „Eden“, in der sie im Vorjahr im Beisein des Kindes an ihrer Dissertation gearbeitet hat und die im Rahmen ihrer Erkrankung offenbar eine besondere Sollbruchstelle einnimmt. Als er herausfindet, dass ihre Arbeit zum Thema „Hexenverfolgung“, einhergehend mit expliziten Studien zu Folter- und Exekutionsmethoden sie ehedem offenbar schwerer tangiert hat als zuvor angenommen, eskaliert die Situation.

Als Auftakt einer „Depressions-Trilogie“, die von Trier nach einer ihn höchstselbst betreffenden, entsprechenden Phase schuf, verfehlt „Antichrist“ – wenn auch nur knapp – die von ihm intendierte, niederschmetternde Wirkmacht. Kunstanspruch und surreale Überhöhungen stehen der notwendigen Erdung des ansonsten durchaus wagemutigen und phasenweise durchaus starken Stoffs im Wege. Der eigentliche Nukleus des in vier Akte unterteilten Ganzen, nämlich die thetische Unmöglichkeit einer langfristigen, glücklichen Beziehung zwischen Mann und Frau, verwischt sich durch seine Einbettung in eine wesentlich unschärfere Gemengelage, in der sich die zusätzlichen Motive Wahnsinn, Natursymbolik, Paganismus und Hexerei sich quasi die Kolinke reichen. Ich glaube, dass, hätte von Trier es bei dem inhaltlichen Grundstock der infolge barscher Schuldgefühle entgleisenden Ehe belassen, der Film also straighter und weniger verwinkelt geworden wäre, ein kohärenteres und vor allem konsequenteres Resultat hätte entstehen können. Mit Dafoe und vor allem der Gainsbourg stehen dem Filmemacher jedenfalls zwei Protagonisten zur Seite, die für ihn durchs Feuer gehen und die beide auf der absoluten Höhe ihrer Kunst agieren. Die gegen Ende durch ihre extremen Darstellungen beschwerten Bilder graben sich infolge ihrer erfreulichen Kompromisslosigkeit zudem tief ein beim Zuschauer und auch, dass von Trier zumindest auf formale Spielchen verzichtet, tut „Antichrist“ gut. Bleibt also der nach meinem Dafürhalten eine, große Makel der metaphorischen Verwässerung, über dessen Ursachen sich nur spekulieren lässt. Möglicherweise war die Angst davor ausschlaggebend, dass eine „begradigtere“, nahbarere Version dem Publikum allzu viel abverlangt hätte; möglicherweise wurde die Wahl der kombinierten Topoi auch einfach bloß als passend empfunden. Es könnte aber auch sein, dass der Film so ist, wie er ist, weil er von Lars von Trier stammt.

7/10

WAKE WOOD

„Back to the trees and into the woods!“

Wake Wood ~ IE/UK 2009
Directed By: David Keating

Nachdem sie ihre kleine Tochter Alice (Ella Connolly) durch eine Hundeattacke verloren haben, ziehen Tierarzt Patrick (Aiden Gillen) und seine Frau Louise (Eva Birthistle) in das abgelegene Dörfchen Wakewood in der tiefsten irischen Provinz. Der Verlust sitzt ihnen noch immer tief im Nacken, zugleich spüren sie jedoch, dass in Wakewood nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Offenbar pflegen die Bewohner hier und da noch alte, paganistische Rituale und halten heidnische Beschwörungen ab. Louise findet heraus, dass der alte Arthur (Timothy Spall) die Fähigkeit hat, Tote für die begrenzte Zeit von drei Tagen zurück ins Leben zu holen, wo sie sich ihre Lieben nochmals von ihnen verabschieden können, bevor sie endgültig ins Jenseits übergehen – allerdings darf die betreffende Seele nicht länger als zwölf Monate verschieden sein. Louise und Patrick wollen auch Alice nochmal wiedersehen, verschweigen jedoch, dass sie bereits mehr als ein Jahr tot ist. Es kommt zur Katastrophe…

Überdeutlich orientiert an „Don’t Look Now“ und „Pet Sematary“ bringt Keating seine schöne, kleine Schauermär über Verlust und den maßvollen Umgang mit ihm in seine kontemplative Bahn. Zwar sind und bleiben die Vorbilder stets deutlich erkennbar, „Wake Wood“ ergeht sich jedoch niemals in deren bloßer Kopie, sondern zollt ihnen respektvoll Tribut, indem er sich ganz unspektakulär als Hommage begreift. Zudem hat mir gut gefallen, dass der Film die nicht immer einfache Gratwanderung zwischen der Schaffung einer unheimlichen Grundstimmung und der Hinzuziehung härterer Unappetitlichkeiten meistert, ohne je sein rechtes Maß einzubüßen. Die Idee, ein altes, irisches Dorf und seine Bewohner zu Überlieferern von paranormalen Geheimnissen aus uralter Zeit zu machen, erscheint mir darüberhinaus sehr reizvoll, wobei mit Timothy Spall sozusagen der rechte Anführer für das entsprechende Völkchen gefunden ward. Heimliche Höhepunkte stellen in diesem Zusammenhang die Wiedererweckungsszenen dar, die ihre gezielt unheilvolle Wirkung nicht verfehlen. Ein erfreulicher, kleiner Beitrag außerdem zum Subgenre „mordende Wechselbälger“.

8/10

THE VOID

„You’d be surprised at the things you find when you go looking.“

The Void ~ CAN 2016
Directed By: Jeremy Gillespie/Steven Kostanski

Als Deputy Carter (Aaron Poole) während seiner nächtlichen Streife einen Junkie (Evan Stern) aufgreift und zum nahegelegenen Krankenhaus bringt, ist dies der Beginn eines Albtraums: Während sich vor dem Gebäude eine seltsame Gruppe stummer, vermummter Sektierer versammelt, drehen nach und nach Belegschaft und Patienten wahlweise durch oder verwandeln sich in schleimige Monster. Als Urheber des Grauens erweist sich Chefarzt Dr. Powell (Kenneth Walsh), der ganz spezielle Pläne verfolgt und im Keller des Hospitals ein Speziallabor verbirgt…

Als Episode in einem Anthologie-Film wäre „The Void“ besser aufgehoben gewesen, wie ich glaube; zumindest hätte eine entsprechend notwendige Straffung Plot und Film diverse dramaturgische Durchhänger erspart und den der Geschichte durchaus innenwohnenden Zug wesentlich konzentrierter herausschälen können. So weiß „The Void“ manchmal nicht recht, wohin mit sich, um seine obligatorischen eineinhalb Stunden Erzählzeit adäquat auszufüllen. Es gibt immer wieder Momente, die Potenzial, Können, Kenntnis und sogar die Tendenz zu genuiner Großartigkeit durchschimmern lassen – das nicht abzuleugnende Problem liegt jedoch darin, dass ebendiese Augenblicke zu keiner kompositorischen Einheit finden, stattdessen solitäre Blitzlichter bleiben innerhalb eines Films, den man gern sehr viel besser finden würde.
Wie die allermeisten jüngeren Genrefilmer erweisen auch die Regie- und Autorendebütanten Gillespie/Kostanski, die an einigen größeren Produktionen der jüngeren Zeit als Kreativköpfe im Hintergrund mitgearbeitet haben, sich als gelehrige Studierende und Absolventen ihrer Hausaufgaben: Neben Lovecraft als konsequentem literarischen Einfluss schimmern vor allem Carpenter und Fulci als omnipräsente Inspiration durch die diesigen Eingeweide des höllischen Krankenhauses. Während sich im Falle Carpenter gar aus etlichen seiner Arbeiten Motive entdecken lassen (durchaus trinkspielgeeignet), ist es betreffs Fulci vor allem die Ausrichtung des Ganzen, die mit fortlaufender Spieldauer augenscheinlich immer konfusere, unirdischere Bahnen annimmt, bis hin zur totalen Auflösung von Zeit und Raum.
„The Void“ gehört somit gewiss zu den besseren Horrorfilmen der jüngeren Zeit; ihren wirklich großen, nachhaltigen Beitrag zum Genre bleiben uns die beiden Autoren allerdings noch schuldig.

6/10

WE ARE STILL HERE

„We’ll fix it.“

We Are Still Here ~ USA 2015
Directed By: Ted Geoghegan

Massachusetts, Winter 1979: Um den Unfalltod ihres Sohnes Bobby zu verwinden, zieht das Ehepaar Sacchetti, Anne (Barbara Crampton) und Paul (Andrew Sensenig), aufs Land. Gleich beim Einzug meint die sensible Anne, Signale von Bobby aus dem Jenseits zu erhalten. Ein Besuch der Nachbarn McCabe (Monte Markham, Connie Neer), im Zuge dessen die Sacchettis von der eher beunruhigenden Historie ihres neuen Eigenheims erfahren, wirkt sich indes ebenso verwirrend auf sie aus wie der trotz der niedrigen Temperaturen stark aufgeheizte Keller, in dem sich ein nach dem Rechten sehender Elektriker (Marvin Patterson) schwer verbrennt. Als mit den Lewis‘ (Lisa Marie, Larry Fessenden) ein befreundetes Ehepaar mit spirituellen Fähigkeiten zu Besuch kommt, bricht die Hölle los…

Ted Geoghans Debütfilm erweist sich als stark nostalgisch gefärbtes Genreschmankerl mit Geistern, Fluch und Splatter, an dem das Meiste stimmt. Geoghan hat seine Arbeit insbesondere als Reminiszenz an die Spätsiebziger- und Frühachtziger-Ära angelegt. Für die Fotografie wählte er eine sehr authentisch stimmende, blasse Farbgebung und sanfte Weichzeichneroptik, der Kernplot um eine einst von argwöhnischen Kleinstadtbewohnern gelynchte Familie, die seither im Drei-Dekaden-Rhythmus nach dem Blut einer Familie verlangt, um dann wieder besänftigt ins Zwischenreich zurückzukehren, erinnert ebenfalls an viele der Grusel- und Haunted-House-Filme jener Tage. Das Fluch-, Schuld- und Rachethema verfehlt gerade weil es so gut abgehangen ist und nicht in jedem zweiten der mittlerweile ja wieder zunehmend invasiv auftretenden Dämonenstücke bemüht wird, nicht an vertrauter Wirkung. Allerdings äußern sich die Attacken der Dagmars, so der Familienname der einstmals verbrannten Unglückseligen, nicht durch Spuk und Besessenheit – sie manifestieren sich vielmehr als verkohlte, funkensprühende Zombies, die ihre Opfer mittels gewaltiger Körperkraft auseinanderreißen, zerquetschen oder zerfetzen, was den Effektmeistern hinreichend Anlässe für kernige Sauereien verschafft und den alten gorehound in unsereinem juchzen lässt. Mit Barbara Crampton, Lisa Marie und der gegenwärtig trotz seines Alters wieder viel beschäftigte Monte Markham stand Geoghan dazu noch sympathische Traditionsprominenz zur Seite, mit denen das Wiedersehen einfach Freude bereitet.
Prima!

8/10

DELIRIA

Zitat entfällt.

Deliria (Aquarius – Theater des Todes) ~ I 1987
Directed By: Michele Soavi

Wege eines verstauchten Knöchels verschwindet Alicia (Barbara Cupisti) kurz von ihrer ohnehin enervierenden Theaterprobe und sucht ambulante Hilfe im nächstgelegenen Krankenhaus. Dieses erweist sich als psychiatrische Klinik, in dem der wahnsinnige Mörder Irving Wallace (Clain Parker) einsitzt. Als Wallace Alicia sieht, bricht er aus und folgt ihr bis zum Theater, wo er Alicias Freundin Betty (Ulrike Schwerk) tötet. Regisseur Peter Collins (David Brandon) wittert sogleich kräftige Publicity für sein Stück und nötigt seine Besetzung, trotz des Mordes weiterzuproben, nachdem er den Schlüssel zur Haupttür wohlweislich hat verstecken lassen. Doch Wallace ist bereits im Gebäude und schlachtet die Anwesenden nach und nach ab.

Bretter, die den Tod bedeuten: „Deliria“, dessen Einworttitel sich fraglos an den nicht minder einprägsamen des Kollegen Dario Argento orientiert, markiert einen schicken Slasher-Giallo von Michele Soavi, der sich anfangs etwas zu viel Mühe gibt, sein ohnehin bloß der Verwurstung dienendes Ensemble vorzustellen und entsprechend gemächlich in die Gänge kommt, dann jedoch profund Gas gibt. Als der unter einer prächtigen (von Giovanni Lombardo Radice geklauten) Eulenmaske verborgene Mörder (als solcher von dem stattlichen George Eastman in Aktion gehalten) einmal Blut geleckt hat, gibt es für ihn kein Halten mehr – mit Drillbohrer, Kettensäge und Axt fordert er seinen Tribut bis hin zum final girl, das die ganze Chose psychisch immerhin halbwegs unbeschadet übersteht und sogar noch ein Post-Finale am nächsten, sonnigen Morgen zu meistern hat (Hausmeister Willys in der Folge mantraartig vorgetragener Text eignet sich gut für Saufspiele: „Right between the eyes…“).  Auch wenn die visuelle Finesse eines Maestro Argento trotz offenkundiger Inspiration auch über den Filmtitel hinaus vielleicht nicht ganz erreicht wird, bietet „Deliria“ zeitgenössisch-amtliches italienisches Horrorkino ohne redundantes Getöse, dessen hermetischer Schauplatz sich für einen Slasher trefflich ausnimmt und von Soavi, der diese spezielle Genre-Spielart ohnehin beherrscht, gekonnt genutzt wird.

7/10

THE LAST HORROR FILM

„Oh Vinny, you’re such a dreamer!“

The Last Horror Film (Love To Kill) ~ USA 1982
Directed By: David Winters

Vinny Durand (Joe Spinell) ist Taxifahrer in New York, leidenschaftlicher Filmfan und lebt bei seiner treusorgenden Mama (Filomena Spagnuolo). Außerdem ist er besessen davon, mit dem berühmten Horror-Starlet Jana Bates (Caroline Munro) einen eigenen Film zu inszenieren. Die große Chance, Jana für seine Idee zu begeistern, wittert er beim Filmfestival in Cannes, wo auch die schöne Scream Queen erwartet wird. Vinny reist kurzerhand an die Côte d’Azur und mischt sich unters Volk, Jana stets auf den Fersen. Doch zeitgleich mit Vinnys Ankunft beginnt ein irrer Serienkiller sein Tagwerk – steckt vielleicht doch mehr hinter Vinnys allseits belächelter Manie?

Mehr denn grundsymathischer Indie mit dem Herzen am goldrechten Fleck, der nachträglich ins Troma-Portfolio aufgenommen wurde, dort jedoch eigentlich nicht besonders gut hineinpasst. Der wie immer göttliche Joe Spinell und Caroline Munro, Biest und Schöne, begegneten sich hier abermals zu einem Stelldichein, wobei ihr ohnehin augenzwinkernd wirkender Status als Szene-Albtraumpaar sich hier noch zusätzlich durch die saftige Ironie des Scripts untermauert findet. Als Meta-Horrorfilm, der zudem mit dem Status des von der Kunst- undSzenewelt als drittklassig und schundig abgetanen Genres spielt, überzeugt „The Last Horror Film“ auch nach all den Jahren noch. Etliche guerillaartig entstandene Einblicke in und um die Cannes-Schickeria erweisen sich als kostbares Dokumentarmaterial; überall wird man etwa diverser Plakate und Aushänge zeitgenössischer Groß- („Mephisto“, „For Your Eyes Only“, „Chariots Of Fire“ etc. pp.) und Kleinproduktionen („Cannibal Holocaust“, „Possession“, „Horror Safari“ et. al.) oder sogar Stars (Isabelle Adjani, Marcello Mastroianni, Kris Kristofferson) gewahr. Spinell gibt sich ein paar Takte nach „Maniac“ wiederum redlich Mühe, den Publikumsverdacht hinsichtlich des Psychopathen auf seine Figur zu lenken, was infolge einschlägiger Vorerfahrung natürlich auch recht umweglos gelingt. Dass am Ende jedoch nicht seine Figur, sondern Janas Ex-Ehemann (Glenn Jacobson) sich als Bösewicht entpuppt und darüber hinaus das Ganze zuvor Gesehene als bereits fertiggestellter Film Vinnys vorgestellt wird, was Spinell und seine (auch tatsächliche) Mutter mit dem entspannten Konsum eines Joints „kommentieren“, entbietet einen grandiosen Kommentar aller am Film Beteiligten, den man auch als liebevoll gereckten Mittelfinger verstehen kann: „Wir beißen nicht. Wir wollen auch bloß ein bisschen Spaß haben.“
Toll!

9/10

LA CHIESA

Zitat entfällt.

La Chiesa (The Church) ~ I 1989
Directed By: Michele Soavi

Über einem bereits seit dem Mittelalter existenten Massengrab, voll von den toten Mitgliedern einer paganistischen Kultgemeinschaft, errichteten die für das Massaker zuständigen Ritter einst eine Kirche. In der Gegenwart öffnet der neugierige Bibliothekar Ewald (Tomas Arana) mithilfe eines zuvor von der Restauratorin Lisa (Barbara Cupisti) entdeckten Pergaments ein im Keller des Gemäuers befindliches Siegel, womit das unter ihm lauernde Böse freie Bahn erhält und umgehend von Ewald Besitz ergreift. Zugleich versperrt ein Automatismus sämtliche Türen der Kirche, so dass die momentan darin anwesenden Personen, darunter eine Schulklasse und eine Hochzeitsgesellschaft, eingeschlossen und mit den Mächten der Finsternis konfrontiert werden. Während die dämonischen Kräfte einem Virus gleich immer mehr der Gefangenen infizieren, gibt es für den alten Dompropst (Feodor Chaliapin Jr.) nurmehr die letzte Option, das vormalige Gotteshaus komplett zum Einsturz zu bringen, um die Ausbreitung des Bösen zur Außenwelt hin zu verhindern.  Ein junger Priester (Hugh Quarshie) tut derweil alles, um die Menschen in der Kirche zu retten.

Als offizielles Zweitsequel zu Lamberto Bavas „Dèmoni“ hat „La Chiesa“ mit diesem und dem ersten Nachfolger nicht mehr allzu viel gemein. Zu nennen wären da vielleicht die Mitwirkung Dario Argentos als einer Art grauer Eminenz und Ideenlieferant im Hintergrund, eine deutsche Großstadt als Handlungsort sowie eher zufällig freigesetzte Höllenmächte, die nach Weiterverbreitung streben. Damit hat es sich dann auch. Zumindest Argento-Eleve Michele Soavi, der vormals auch bei Joe D’Amato als 2nd-Unit-Director unter dem bärigen Pseudonym „Mike Soft“ gearbeitet hat, dürfte aber ohnehin als Letztes im Sinn gehabt haben, irgendeine fremdinstallierte Grundidee fortzuführen. Leider zerfällt sein Film, dem man die ihm innewohnende Ambition dennoch zu jeder Sekunde anmerkt, in zahllose kleine Splitter, die am Ende zu einem unförmigen Ganzen zusammengeleimt wurden. Laut der imdb haben nicht weniger als acht Autoren am Script zu „La Chiesa“gewerkelt, in der Regel kein gutes Zeichen. Dass Soavi selbst darunter noch nichtmal aufgeführt ist, lässt sich nicht minder ernüchternd an. Und tatsächlich schert sich der Film bald nicht mehr um atmosphärische Stringenz oder so etwas wie einen kompakten Anstrich; er löst sich, ebenso wie die von ihm verhandelte Realität innerhalb der Kirche, mehr und mehr auf und zerfasert in diverse, kleine Baustellen, die die Kognition des Zuschauers zusehends ignorieren und schließlich gänzlich erlahmen lassen. Stattdessen folgen Szenenmontage und Diegese willkürlichen Assoziationsketten und ziemlich selbsträsonistisch angelegten Bewusstseinstranszendierungen; der Rezipient wird darüberhinaus irgendwann im nebulösen Stich gelassen. Das ist speziell in diesem Falle besonders schade, denn so Vieles stimmt an „La Chiesa“, von dem titelgebenden, unheimlichen Sakralbau (die St.-Nikolai-Kirchenruine in Hamburg) über Soavis Geschick, Plätze und Kulissen zu inszenieren bis hin zum erlesenen Score und zur grandiosen Effektarbeit. Das entstandene Missverhältnis gilt es, zähneknirschend hinzunehmen, hieße es andernfalls doch, einen der interessantesten italienischen Genrebeiträge der Spätachtziger zu verbrämen.

6/10