GHOST SHIP

„I smell bullshit.“

Ghost Ship ~ USA 2002
Directed By: Steve Beck

Als Captain Sean Murphy (Gabriel Murphy) und sein fünfköpfiges Bergungscrew-Team – Maureen Epps (Julianna Margulies), Greer (Isaiah Washington), Munder (Karl Urban), Dodge (Ron Eldard) und Santos (Alex Dimitriades) – von dem jungen Fremden Ferriman (Desmond Harrington) das Angebot erhalten, ein offenbar mutterloses Schiff in der Beringsee zu kapern, ist man sogleich Feuer und Flamme, gehört nach internationalem Seerecht doch freitreibende Fracht ihrem Finder. Bald darauf finden Murphy, seine Mannschaft und der sie begleitende Ferriman tatsächlich den mysteriösen Dampfer, bei dem es sich um den mittlerweile legendären italienischen, vor 40 Jahren spurlos verschwundenen Luxuskreuzer „SS Antonia Graza“ handelt. Bereits die ersten Begehung des Geisterschiffs entpuppen sich vor allem für Epps, der ein kleines Mädchen (Emily Browning) begegnet, als alles andere denn mit rechten Dingen zugehend. Und tatsächlich stimmt etwas nicht mit der Antonia Graza, ein Umstand, der sich mit dem Fund mehrerer Kisten mit Goldbarren zur Todesfalle für die Seeleute entwickelt.

„Ghost Ship“ zählt noch zur ersten Welle des von Robert Zemeckis, Joel Silver und Gilbert Adler 1999 Produktionslabels „Dark Castle“, das sich ursprünglich besonders traditionsverbundenem Horrorkino verpflichtet sah und dessen Bezeichnung sich als Hommage an den findigen Gimmickfilmer William Castle versteht. Mit seinem dritten Projekt nach den beiden nominellen Castle-Remakes „House On Haunted Hill“ sowie dem ebenfalls von Steve Beck inszenierten „Thirteen Ghosts“ zeigten sich denn auch spätestens gewisse Analogien und Parallelen innerhalb der Arbeitsweise des Substudios – binnen kurzer Laufzeit Geschichten, die in ihrer comichaften, stets etwas überdrehten Bebilderung an das klassische B- und Drive-In-Cinema oder an die alten EC-Comics erinnerten: luftiger Tongue-In-Cheek-Humor, mehr oder weniger gelungene Grand-Guignol-Momente und nicht immer gelungene CGI-Effektarbeit kennzeichneten jene ersten, bis 2007 entstandenen Filme, als Dark Castle sein Portfolio dann mit Guy Ritchies „RocknRolla“ sukzessive zu erweitern begann.
Becks „Ghost Ship“ bildet nun eine motivisch recht klassisch umrahmte haunted house story, nur dass es eben um ein Geisterschiff anstelle eines Geisterhauses geht. Mehrere aus dem etwas losen Scripthut hervorgezauberte Wendungen lassen das Geschehen bald zusehends übernatürlich werden; zunächst riecht das Ganze noch nach einem relativ ordinären, ruchlosen Verbrechen, dessen ungesühnte Opfer als Geister die Antonia Graza heimsuchen und mündet schließlich in die etwas alberne Mär um einen Dämon, der als persönlicher Adlatus des Gehörnten selbst fungiert und jenem Seelen zu kredenzen hat. Das Gold entpuppt sich als Lockmittel, das die unersättliche Gier der Menschen beflügeln und ihre Boshaftigkeit evozieren soll. Logisch – der Name „Ferriman“ (hätte ebensogut auch Schörgen-Toni heißen können) für jenen agent du diable wurde nicht ganz zufällig gewählt. Nach dem Slasher-Prinzip verfahrend muss die Trawler-Crew dann nach und nach das Zeitliche segnen, ein paar typische Verstörungsingredienzien wie ein mit Blut gefüllter Swimming-Pool, ein verführerischer Todesengel (Francesca Rettondini) oder eine Dose Bohnen, deren Inhalt sich während des genüsslichen Verzehrs in Maden verwandelt, inbegriffen. Dass der zuverlässige Gabriel Byrne dabei ist, ist schön, doch nimmt sein Part eher den eines Gaststars ein – die eigentliche Heroine ist die sensible Epps, die mithilfe ihrer geisterhaften kleinen Freundin Katie schließlich dafür sorgt, dass die Antonia Graza endlich ihrem kalten Grab entgegen sinken und sämtliche von Ferriman bereits verbucht geglaubten Seelen doch noch dem Himmel entgegenfahren dürfen. Das Finale scheut dann auch nicht, mit ziemlich widerlicher, aufgesetzt-kitschiger Christen-Mythologie zu kokettieren, was „Ghost Ship“ dann auch nochmal ein, zwei Sympathiepünktchen kostet.
Insgesamt wahrscheinlich nicht gänzlich misslungen aber wohl doch weit hinter dem zurückbleibend, was er hätte sein können.

4/10

CREEP

„Please let me go. I won’t tell anyone.“

Creep ~ UK/D 2004
Directed By: Christopher Smith

Die in der Londoner It-Szene aufblühende Deutsche Kate (Franka Potente) nimmt sich, leicht berauscht von Alkohol und Gras, vor, den justament in der Stadt weilenden George Clooney zu treffen. Bevor sie den letzten Zug erwischen kann, nickt sie jedoch am U-Bahnhof ein und wacht bald darauf völlig allein und verlassen wieder auf. Nicht nur, dass die nächtliche Station abgesperrt ist und Kate somit eingesperrt ist, stellt ihr auch noch ihr aufdringlicher Verehrer Guy (Jeremy Sheffield) nach. Und dieser ist noch bei Weitem nicht die grausigste Person, die Kate in jener Nacht die großstädtische Unterwelt zur Hölle macht…

Mit „Creep“ bin ich nicht sonderlich glücklich, allzu einfallslos verfolgt er insgesamt das Genrekonzept „U-Bahn-Horror“, allzu offen bleiben etliche Fragen um den verwachsenen Freak (Sean HarrisSean ), jenen heimlichen Beherrscher der suburbanen Tunnelsysteme, und seine Herkunft. Christopher Smith hätte sich auch ebensogut dafür entscheiden können, seine ohnehin knapp bemessene Erzählzeit ohne jegliche Verweise auf die Vergangenheit des Deformierten auskommen zu lassen; dem zunächst noch verfolgten Bild der mysteriösen, nicht greifbaren Bedrohung, die er ausstrahlt, hätte dies möglicherweise nur zur Konsequenz gereicht. So lassen diverse, nicht weiter ausgeführte Bildfetzen den Zuschauer allenthalben spekulieren, was das wohl für ein verkrüppeltes Wesen sein mag, das jedweder menschlichen Sozialisation entbehrt und mit den Ratten, die offenbar zu seiner Familie wurden, zu kommunizieren scheint. Wer ist der unter anderem auf Fotos mit dem (noch kindlichen) Rattenkönig auftauchende, geheimnisvolle Doktor und in welcher Beziehung steht er zu ihm? Offenbar gab es vor Jahren furchtbare Experimente an mehreren Probanden – was hat es damit auf sich und warum gibt es überhaupt diese subterranen Operationsräumlichkeiten? Bleibt alles vage. Relativ eindeutig scheint mir nur, dass Smith gewiss mit Gary Shermans Klassiker „Death Line“ geliebäugelt und sich möglicherweise auch die in den Achtzigern relativ zeitgleich aufgetretenen Comic-Villains „Vermin“ (Marvel) und „Ratcatcher“ (DC) als Inspiration für das Tunnelmonster zunutze gemacht hatte – ich fühlte mich jedenfalls permanent an selbige erinnert.
Ansonsten bleibt „Creep“, wie bereits konstatiert, stark schematisch und überraschungsbar in Planung und Ausführung; die zusätzlich eingeflochtenen Figuren dienen lediglich dazu, dem Freak (und somit dem Rezipienten) ein paar mehr oder weniger blutig zur Strecke gebrachte Mordopfer zu bescheren sowie Angst und Ekel der Protagonistin zu potenzieren. Franka Potente, anno 2004 bereits seit längerem im internationalen Filmbiz beheimatet, spielt deren Part gewohnt brauchbar. Erwähnenswert vielleicht noch, dass die Filmstiftung NRW, die man üblicherweise weniger mit Genrekino assoziiert, zumal mit solchem der etwas deftigeren Provenienz, „Creep“ mitproduzierte. Wesentlich mehr wird auf längere Sicht nicht hängen bleiben.

5/10

COME TO DADDY

„I can burp on command if you don’t mind. It’ll cheer you up.“

Come To Daddy ~ USA/CAN/NZ/IE 2019
Directed By: Ant Timpson

Der bei seiner alleinerziehenden Mutter im luxuriösen Beverly Hills aufgewachsene Möchtegern-Musikproduzent Norval Greenwood (Elijah Wood) hat seinen Vater Brian (Martin Donovan) seit Kinsheitstagen nicht gesehen. Auf dessen briefliche Einladung hin besucht Norval nun erstmals nach etlichen Jahren seinen Dad, der ein ablegenes Küstenhaus in Oregon bewohnt. Der etwas fatzkenhaft geratene junge Mann ahnt daher nicht, dass der Mensch (Stephen McHattie), der ihm bei seiner Ankunft vor Ort die Tür öffnet, mitnichten sein Vater ist. Entsprechend verstört reagiert Norval auf das sonderbare Verhalten jenes knorrigen Typen, der, nachdem er Norval schließlich mit einem Fleischerbeil bedroht, urplötzlich einem Herzinfarkt erliegt. Tatsächlich befindet sich Norvals richtiger Dad angekettet im Keller des Gebäudes, wo der Tote – wie sich herausstellt, ein Krimineller namens Gordon – sowie zwei weitere sadistische Gesellen (Michael Smiley, Simon Chin), ihm das Geldversteck aus einem Jahre zurückliegenden Coup entfoltern wollen. Dem eigentlicht zartbesaiteten Norval bleibt nur die harte Gegenwehr.

„Come To Daddy“, eine hier und da recht blutig geratene Farce, hätte mit seiner Mischung aus lakonischem Humor, überspannter Gewalt und obskurem Dialog eigentlich besser in die Mitt- bis Spätneunziger gepasst, als das noch beständig nachsprießende Tarantino-Gefolge genau solche Filme en masse ausstieß. Damit dürften auch zugleich Habenseite und Crux von Ant Timpsons inszenatorisches Debüt weitgehend subsummiert sein: „Come To Daddy“ nimmt sich streckenweise recht amüsant aus (die zitierte Szene mit Garfield Wilson als merkwürdigem Cop ist die witzigste des Films), verfügt über gute Darsteller und einen Regisseur, der sich trotz seiner Unerfahrenheit auf diesem Sektor zumindest nicht blamiert. Seine großen Schwächen offeriert das Ganze in der Scriptgestaltung, die sich kaum um den eigentlichen Plot oder die grundsätzlich herausfordernde Psychologisierung der Vater-Sohn-Beziehung schert, sondern vornehmlich darum, ihre einzelnen, verqueren Einfälle in mehr oder weniger voneinander separierten Aufzügen vom Stapel zu lassen. Ebendiesen mangelt es wiederum an der notwendigen Konzision; der primäre „Witz“ liegt darin, wie der überrumpelte Norval sich nach und nach des Gangstertrios entledigt, das seinem Vater auf die Pelle rückt. „Come To Daddy“ leidet also unter einer ziemlich mangelhaften Ausbalancierung, die eben auf Kosten seines vorsätzlichen schwarzen Humors in Kombination mit rigoros vorgeschützter Derbheit vernachlässigt wurde. Hätte andernfalls gewiss wesentlich besser sein können.

6/10

PET SEMATARY 2

„No brain, no pain… think about it!“

Pet Sematary 2 (Friedhof der Kuscheltiere 2) ~ USA 1992
Directed By: Mary Lambert

Als seine Mutter (Darlanne Fluegel), eine bekannte Hollywood-Actrice, infolge eines von ihm miterlebten Unfalls am Set stirbt, ist der Teenager Jeff (Edward Furlong) am Boden zerstört, zumal sie sich möglicherweise bald wieder mit seinem Dad, dem Tierarzt Chase Matthews (Anthony Edwards), versöhnt hätte. Um seinen Filius auf andere Gedanken zu bringen, zieht Chase mit ihm in die Kleinstadt Ludlow in Maine, wo zudem einen vakante Praxis auf Chase wartet. Die örtlichen High-School-Bullys, allen voran der fiese Clyde Parker (Jared Rushton), machen es Jeff alles andere als leicht. Nur im fülligen Drew Gilbert (Jason McGuire) findet er einen Freund. Doch auch Drew hat schwer zu knabbern – an seinem Stiefvater Gus Gilbert (Clancy Brown) nämlich, einem Arschloch vor dem Herrn und dazu noch der hiesige Sheriff. Nachdem Gilbert eines Abends Drews geliebten Hund Zowie abknallt, bittet Drew seinen neuen Kumpel Jeff, das Tier mit ihm zu begraben – auf einem gewissen, im Wald verborgenen Indianerfriedhof, dem spezieller Eigenschaften zugeschrieben werden. Doch dies ist lediglich der Anfang einer Kette blutiger Ereignisse…

Zunächst einmal mutet es in Anbetracht des Scipts ein wenig bizarr an, dass Mary Lambert, die Regisseurin des ersten, beinahe makellos schönen „Pet Sematary“, sich bereit erklärte, auch dieses Sequel zu inszenieren, denn „Pet Sematary 2“ macht sich keinerlei Mühe, einen der King-Adaption in Atmosphäre oder Habitus auch nur im Ansatz ähnliches Werk zu präservieren. Wo dieses nämlich, zumindest auf dem damals eingeschränkten Feld des Mainstream-/Studio-Horror, eine der vordringlichsten und geschlossensten Arbeiten der Spätachtziger darstellt, spielt die Forsetzung mit einem gänzlich anders gearteten Blatt Mau-Mau statt Skat. Sie liebäugelt nämlich unverhohlen mit Drive-In, Camp und Grand Guignol, setzt über weite Strecken Kids in die treibenden Parts, um sich dann im letzten Drittel zu einer liebevoll übersteigerten Zombie-Mär aufzutürmen, die zumindest auf der reinen Mentalitätsebene wesentlich mehr mit O’Bannons „The Return Of The Living Dead“ und dem zum gegebenen Zeitpunkt zwar noch nicht existenten, aber in Teilen doch stark antizipierten „Braindead“ zu tun haben als mit dem eigentlichen Vorläufer. Zwar werden immer wieder kleine regionale und inhaltliche Bezugspunkte gesetzt, die eine Nachfolgeschaft zumindest offiziell kenntlich machen, dabei bleließ man es aber auch.
Entsprechend weitflächig bis universell war und ist die Ablehnung, die „Pet Sematary 2“ seit eh und je entgegenwogte, bis heute. Ich bin mal so kühn, zu behaupten, der Grund dafür sei rasch zur Hand: „Pet Sematary“, das Original, geht (auch) durch als ein Film für Menschen, die Stephen King im Urlaub am Strand lesen und die von Kino wenig mehr erhoffen oder erwarten denn abendfüllendes Amüsement. Sein Nachfolger indes ist eindeutig und mehr oder weniger explizit für dedizierte Horrorliebhaber gedacht und gemacht. Hier werden zudem die vordringlichen Topoi noch um einiges subtiler und gleichzeitig psychologisch fundierter bearbeitet. Es geht, und dies nicht unbedingt allzu offensichtlich, um Themen wie den frühen Verlust von Elternteilen,die daraus resultierende Sehnsucht nach deren Rück- (oder besser Wieder-) Kehr und den schwerigen Umgang mit ihrem Tod, die fehlende Akzeptanz für deren potenziellen Ersatz, aber auch um das Gefühl von Ablehnung in der Pubertät, dysfunktionale Familienstrukturen und Orientierungslosigkeit, kurz: ums stets präsente „coming of age“. Wo der erste Teil noch Louis Creed als mehrkanaligen Zerstörer seiner Familie zentriert, der durch seine ebenso unablässigen wie törichten Versuche, alles wieder geradezurücken, schließlich auch sich selbst und seinen letzten Freund ins Verderben reißt, übernehmen hier alsbald die untoten Wiedergänger, und das auf eine zunehmend abseitige Weise. Eine unglaubliche Szene und vielleicht die, die „Pet Sematary 2“ über alle Sphären hebt, zeigt den wiederauferstandenen Clancy Brown als Gus Gilbert, wie er mit seinem Stiefsohn Drew und dessen Kumpel Jeff beim Abendessen sitzt. Gus stellt widerliche Dinge mit der Nahrung (Kartoffelbrei und Erbsen) an, die er ja eigentlich gar nicht mehr benötigt, nur, um die Jungen zu ekeln und lacht sich selbst darüber schlapp. Erinnerungen an Clancy Browns nicht minder sagenhafte Kurgan-Interpretation in „Highlander“, die sich im Folgenden noch intensivieren, sind da bereits unvermeidlich und geben dann auch die vorherrschende Tonart an. Damit hatte der Film zumindest meine Wenigkeit komplett im Sack.
Die Zombies entwickeln im Sequel eine gemeinschaftliche Agenda, säen (noch mehr) Tod und Untergang, können sprechen, Auto fahren, und organisieren sich, mit dem ja bereits zu unseligen Lebzeiten bösartigen Gilbert als Anführer, sogar wider die Lebenden. Da ist dann richtig was los im Staate Maine. Und dann gibt es auf der Tonspur statt eines einzigen Ramones-Songs im Abspann diesmal noch eine ganze, modische Musikkompilation von Clip-Meisterin Lambert (u.a. mit The Jesus & Mary Chain, L7 und einer weiteren Ramones-Nummer).
Kein Wunder, dass His Majesty mit „Pet Sematary 2“ (im ersten hatte er sich noch ein Cameo als Priester gegönnt) am Ende nichts mehr zu tun haben wollte und seinen Namen komplett aus den credits streichen ließ. Derart kreuzsympathischer Überschwang war dann selbst einem Schreibkönig zuviel.

8/10

BIOHAZARD

„You guys must be nuts.“

Biohazard ~ USA 1985
Directed By: Fred Olen Ray

Mittels des empathisch veranlagten, vollbusigen Mediums Lisa Martyn (Angelique Pettyjohn) gelingt es dem Wissenschaftler Dr. Williams (Art Payton), lebende und tote Materie herbeizuteleportieren. Das jüngste Experiment fördert einen Container außerirdischen Ursprungs zutage, dem alsbald ein kleinwüchsiges, mörderisches Alien (Christopher Ray) entspringt. Das Wesen zieht eine Blutspur quer durch die kalifornische Provinz, das Soldaten-Ass Mitchell Carter (William Faier) stets dicht auf den Fersen. Tatsächlich ist die Kreatur jedoch nicht der einzige Extraterrestrier in der Gegend…

Nach „Scalps“ hatte Fred Olen Ray dessen schmales Budget immerhin zur vierfachen Verfügung, konnte auf 35 mm drehen und den seinerzeit durch extremen Alkoholkonsum arg heruntergekommenen Aldo Ray für eine kleine Rolle als schimpfenden Offizier gewinnen. Ansonsten waren die Produktionsbedingungen nicht wesentlich besser; Ray, dessen trotz allem noch immer renommierter Name die Besetzungsliste anführt, erwies sich bei selbst nur drei vertraglichen Settagen als permanenter Risikofaktor und der monetäre Nachschub für die nach Tagessätzen bezahlten Cast- und Crewmitglieder ließ oftmals auf sich warten. So ganz aus der Guerillafilmer-Ecke katapultierte also auch „Biohazard“ Fred Olen Ray noch nicht heraus; diese Funktion erfüllten erst seine folgenden beiden Filme.
Im steifen Gummikostüm des kleinen Außerirdischen steckte Rays damals siebenjähriger Sohn Christopher – eine vornehmlich zeitökonomische Entscheidung, denn Ray war als alleinerziehender Vater für die Betreuung seines Filius verantwortlich.
„Biohazard“, dessen Fertigstellung in der Hauptsache wiederum dem stoischen Ehrgeiz seines Regisseurs zu verdanken ist, versteht sich zwar als Hommage an die billigen, kleinen Monsterfilme der fünfziger und sechziger Jahre, lässt andererseits aber auch keinerlei Zweifel daran, dass er sich seiner bescheidenen Konditionen jederzeit bewusst ist und daher zu gleichen Teilen der schlockigen Comedy zuspricht. Einzelne Szenen und Dialoge, vor allem die, in denen das Alien sich seine Opfer sucht, liebäugeln unzweideutig mit Groteske und absurdem Theater. Den Gipfel erreicht das Ganze dann im Finale, das nochmal einen komplett albernen (und dazu kongenial inszenierten) twist bereithält. Der mit einem wohlvernehmlichen „Cut!“ eineleitete Abspann, der, ähnlich wie bei Hal Needham, mit einer Zusammenstellung der schönsten bloopers unterlegt ist, lässt schließlich keinen Zweifel an Rays sympathisch-aufrichtiger Selbsteinschätzung und vor allem seinem goldigen Humor.
Eine vorsätzliche Gurke, ganz klar, dabei aber so schnuckelig wie ein ranziger Kuschelteddy.

4/10

SCALPS

„Now, he’s acting funny.“

Scalps (Der Fluch des blutigen Schatzes) ~ USA 1983
Directed By: Fred Olen Ray

Der Archäologe Professor Machen (Kirk Alyn) ist hinter indianischen Fundstücken her. In der kalifornischen Wüste befindet sich weitab vom Schuss ein diesbezüglich vielversprechendes Ausgrabungsgebiet, das jedoch auf geschütztem Stammesterritorium liegt. Die Artefakte dürften also nicht von dort entfernt werden. Dennoch schickt Machen eine sechsköpfige Gruppe junger Studierender voraus, die nach Relikten suchen, diese sammeln und katalogisieren soll. Die auf dem Weg vernommene Warnung eines alten Ureinwohners (George Randall) in den Wind schlagend, campen die jungen Leute in der Nähe eines unheiligen Areals, auf dem ehedem der abtrünnige Indianer Black Claw (Richard Hench) sein schwarzmagisches Unwesen trieb. Und tatsächlich fährt dessen noch höchst aktiver Geist in einen der Nachwuchsarchäologen (Richard Hench). Der Beginn eines blutigen Wochenendes…

Der immens arbeitsame Filmemacher und -liebhaber Fred Olen Ray ist nicht eben das, was man als einen filigranen Künstler bezeichnen würde. Vielmehr gilt er – gemeinsam mit seinem Kollegen und Kumpel Jim Wynorski – als illegitimer Nachfolger Roger Cormans, der auch vor allerbilligsten Produktionsbedingungen nicht zurückschreckt und dem in jedweder Beziehung Quantität stets weit über Qualität ging. Das Resultat dieser nicht locker lassenden Umtriebigkeit sind allein über 150 Regiearbeiten, die sich relativ proportional in Kino-, DTV- und Fernsehfilme dritteln lassen und jedes Genre abdecken, aus dem sich in irgendeiner Form sorglose Exploitation destillieren lässt. „Scalps“ bildete seine vierte Feature-Inszenierung und mit ganzen 15.000 Dollar Herstellungskosten gleichermaßen die letzte ultralow budgetierte und auf 16 mm gedrehte, bevor dann ab 1985 sein Œuvre mit „Biohazard“ zumindest an der auf 35 mm Panavision erweiterten Oberfläche wesentlich „kinotauglicher“ aussah und ein entsprechend größeres Publikum erreichen konnte.
„Scalps“ wohnt noch der unbedarfte, wenngleich euphorische Habitus des aufstrebenden Amateurfilmers inne, der nach höherem strebt, sich jedoch mit seinen schmalen Gegebenheiten zufrieden gibt und das Beste aus dem ihm zur Verfügung Stehenden macht. Ungeschlacht und teilweise ohne Regisseurssegen nachträglich montiert (Roger Ebert, der den Film wundersamerweise besprach, meinte Ray zufolge, „“Scalps“ wirke wie mit dem Tomahawk geschnitten“, was nicht von der Hand zu weisen ist), schafft der kleine, manchmal sogar deftige Slasher es dennoch, niemals langweilig zu werden und seine obschon dünne Atmosphäre über die gesamte Spielzeit aufrecht zu erhalten. Auch Rays stetes Gusto, immer mindestens einen prominenten Besetzungsnamen vorweisen zu können, griff schon damals. Der erste Kino-Superman Kirk Alyn stand ihm für einen Kurzaufritt ebenso zur Seite wie das kurzerhand reaktivierte Vampir-Starlet Carroll Borland und der berühmte Sammler von Phantastik-Memorabilia Forrest Ackerman. All diese Facetten sorgen dafür, dass „Scalps“ nie ganz in Vergessenheit geriet und, entsprechende Abstriche vorausgesetzt, noch immer als liebenswerter, kleiner Strauchfilm goutiert werden kann.

5/10

SIN CITY: A DAME TO KILL FOR

„This rotten town… it soils everybody.“

Sin City: A Dame To Kill For ~ USA 2014
Directed By: Robert Rodriguez/Frank Miller

Drei weitere Geschichten aus Basin „Sin“ City mit dem nicht klein zu kriegenden, kurzzeitamnesischen Eisenkinn Marv (Mickey Rourke) als narrativem Bindeglied: Der Zocker Johnny (Joseph Gordon-Levitt), ein uneheliches Kind des diabolischen Senators Roark (Powers Boothe), begeht den tödlichen Fehler, sich mit seinem Vater anzulegen; der Privatschnüffler Dwight McCarthy (Josh Brolin) wird zum Spielball seiner ihn als Mordwerkzeug benutzenden, ehemaligen Flamme Ava (Eva Green); die Stripperin Nancy (Jessica Alba) hat den Tod ihres Beschützers John Hartigan (Bruce Willis) auch Jahre später nicht überwunden und beweist Senator Roark, dass selbst er nicht allmächtig ist.

„Sin City: A Dame To Kill For“ war der falsche Film zur falschen Zeit am falschen Platz. Nachdem ich mit dem immerhin neun Jahre älteren Vorgänger, zu dem es mich, aus mir unerfindlichen Gründen wieder und wieder hinzieht (scheinbar geht es mir da ähnlich wie Marv, der jeden Abend obsessiv zu Nancys Auftritten rennt), mittlerweile immer besser zurechtkomme, habe ich den Nachfolger nun mit einiger Verspätung erstmals geschaut. Durch die relative Zeitnähe zur „Sin City“-Betrachtung konnte ich mich an das nach wie vor konsequent durchgezogene Stil-Potpourri aus Colorkey-Technik, Greenscreen, Scherenschnitt und Brutalkontrastierung recht umweglos adaptieren und es durchaus genießen. Inhaltlich nicht mehr ganz so sleazig und kaltschnäuzig wie in den Episoden des Vorgängers nehmen sich die wahlweise als Pre- und/oder Sequel fungierenden Segmente in „A Dame To Kill For“ aus; Elemente wie Kannibalismus, Kindesmissbrauch und Folter werden, analog zu Frank Millers Vorlagen freilich, fallengelassen. Stattdessen findet sich eher der klassisch-/traditionelle Noir-Faktor genährt, was sich natürlich insbesondere in der titelgebenden Episode um Eva Green als teuflisch-verrückte, männerverschleißende femme fatale niederschlägt. Dass die korrekte Chronologisierung der Geschichten den Filmen beinahe schon aufreizend gleichgültig ist und sie stattdessen vollständig dem Rezipienten obliegt, ist ebenfalls Millers Phantasmagorien zuzuschreiben, deren Veröffentlichungen sich auch nie um zeitliche Konstanz scherten, sondern längst totgeglaubte Figuren stets wieder auftauchen ließen durch den „Kniff“, sich keiner Chronologie zu versklaven. So kann sich unter anderem Mickey Rourke trotz seiner Hinrichtung im Original auch im zweiten Teil noch als Marv durch die Reihen seiner Feinde holzen und so erklärt sich auch, warum Dwight hier zunächst aussieht wie Josh Brolin und nicht wie Clive Owen. Das Blut, das vor allem die Katana-Schwingerin Miho (Jamie Chung) beim höchst opferintensiven Angriff auf Avas Witwenvilla fließen lässt, spritzt zumeist in leuchtendem Weiß und hielt darob auch die Zensoren im Zaum; leider aber nicht nur diese. „A Dame To Kill For“ schmierte in kommerzieller Hinsicht recht gnadenlos ab; neun Jahre später war das formalistisch brillante, intellektuell dafür grenzdebil exekutierte, filmische Kunstkonzept „Sin City“ offenbar nicht mehr gefragt bzw. erwünscht. Dabei ergänzen sich beide Filme beinahe ohne jedwede Trennschärfe und bestätigen ihre jeweilige Qualitäten mittels einer sich beinahe völlig nahtlos abwickelnden Wechselwirksamkeit. Damit ist „A Dame To Kill For“ so funktional, wie es eine Fortsetzung überhaupt nur zu sein vermag – sie könnte mit „Sin City“ theoretisch sogar den Platz bzw. Status tauschen.

8/10

THE RUSSIAN BRIDE

„You don’t have to be afraid. You just… loan something.“

The Russian Bride ~ USA 2019
Directed By: Michael S. Ojeda

Über eine eine einschlägige Kontaktbörse im Internet „bestellt“ sich der wohlhabende, alternde Chirurg Karl Frederick (Corbin Bernsen) die alleinerziehende Russin Nina (Oksana Orlan) als zukünftige Braut in die Staaten. Obschon Karls entlegenes, winterliches Anwesen und seine leicht absonderliche Dienerschaft (Lisa Goodman, Michael Robert Brandon) bei Nina und vor allem ihrer kleine Tochter Dasha (Kristina Pimenova) einen eher verstörenden ersten Eindruck hinterlassen, sind die beiden Damen doch froh, den heimischen Entbehrungen und der dortigen Armut gen Westen entkommen zu sein. Doch erweist Karl sich bereits nach kurzer Zeit als anfällig für psychotische Episoden und darüber hinaus als sehr dem Kokain zugetan, eine Eigenschaft, die Nina schon bei ihrem Ex-Partner (Emmanuel Todorov) alles andere als schätzte. Und dies sind bei Weitem nicht die einzigen Leichen, die Karl (buchstäblich) im Keller hat…

Sechs Jahre nach dem nicht unähnlich getünchten „Savaged“ präsentiert sich Michael S. Ojedas jüngste Regiearbeit als recht passgenauer Nachfolger von dessen zitat- und referenzgespicktem Impetus. Verarbeitete Ojeda bereits in jener Rachemär eine ganze Phalanx von zumeist dem Exploitationsektor entstammenden Vorbildern, so erwartet den Rezipienten hier wiederum dessen nicht sonderlich überraschende Entsprechung. Offenbar ist Ojeda jener jüngeren Generation von Genrefilmern zugehörig, die neben ihrer überschaubaren Könnerschaft auch über ein gerütteltes Arsenal an Lieblingsfilmen verfügen und nur allzu gern dem unwiderstehlichen Drang stattgeben, den daraus mitgenommenen Eindrücken ihre öffentliche Hommage zu erbieten. So scheint es allerdings phasenweise verlockender, den so offensiv ausgestellten Zitatfundus zu enzyklopädieren denn Ojedas „eigenem“ Geläut zu lauschen – ob solcherlei im Sinne des Urhebers sein mag, darf angezweifelt werden. Den altehrwürdigen Klassikern zollt Ojeda mit direkt, jedoch erzählerisch etwas ungelenk eingepflegten Szenen aus „House On Haunted Hill“ und „Frankenstein“ Tribut (die kleine Dasha steht nämlich – welch Zufall – auf die altehrwürdige Horrorfilmhistorie). Was er außerdem von „Rebecca“ über „La Mariée Était En Noir“, „The Stepfather“ und Tarantinos (!) nervöses Gezuppel bis hin zu „Get Out“ noch alles referenziert, wäre eine eigene Broschüre wert. Am sympathischsten erschien mir diesbezüglich noch, dass sich Corbin Bernsens vergangener Meriten als Dr. Alan „The Dentist“ Feinstone erinnert wurde und diese in exakt derselben wahnwitzigen Manier „zurückkehren“ darf (Brian Yuznas eigenes Bernsen-Projekt „The Plastic Surgeon“ schmort leider weiterhin in der development hell). Dass ich zwischenzeitlich einen fein nuancierten Metakommentar hinsichtlich Trumps Immigrationspolitik auszumachen glaubte, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, schlussendlich aber vielleicht doch lieber meiner situations- und gegenwartsbedingten Hypersensibilität zuschreiben.
Nun, selbst auf ein klein wenig Geisterspuk braucht man finalmente nicht zu verzichten und auch, wenn es bis zum koksanimierten (!) abschließenden Großreinemachen wie schon in „Savaged“ recht gemächlich zugeht, bleibt unterm Strich ein zwar vorsätzlich unorgineller, insgesamt aber doch vergnüglicher Gattungsbeitrag, der beim passenden Publikum zumindest phasenweise für diebische Freude sorgen sollte.

6/10

THE CARPENTER

„You have to be crazy to come to a place like this.“

The Carpenter ~ CA 1988
Directed By: David Wellington

Alice Jarrett (Lynne Adams) führt keine sehr befriedigende Ehe mit ihrem sie allenthalben betrügenden, herablassenden Mann Martin (Pierre Lenoir). Umso weniger verwunderlich, dass sie eines Tages durchklinkt und seine besten Anzüge zerschnippelt. Alices daraufhin folgenden Aufenthalt in der Psychiatrie nutzt Martin derweil, um ein altes Häuschen im Grünen zu erwerben und renovieren zu lassen. Wieder entlassen, genießt Alice das neue Domizil, trotz der billig angeworbenen, faulen Bauarbeiter. Den Löwenanteil der Erledigungen vollbringt ohnehin ein ausschließlich des Nachts hämmernder Zimmermann (Wings Hauser), der ebenso höflich wie mysteriös auftritt und sich bald zu Alices persönlichem Schutzengel entwickelt. Sie gerät immer mehr in den Bann des sie umgarnenden Handwerkers, selbst die durch den schmierigen Sheriff Johnston (Ron Lea) erfolgende Eröffnung, dass es sich bei ihm um den Geist des früheren, wahnsinnig gewordenen Häuslebauers Edward handeln muss, bereitet ihr keine besonderen Sorgen. Erst Alices bodenständige Schwester Rachel (Barbara Jones), die Alice angesichts des zunehmend blutigen Treibens Edwards wieder notdürftig erden kann, bereitet dem Treiben ein Ende.

„The Carpenter“, eine schöne, dunkelromantische Splatterkomödie mit erwachsenenmärchenhaftem Touch, könnte durchaus als Blaupause für spätere, wesentlich populärer gewordenen Genrevertreter wie Bernard Roses „Candyman“ oder die beiden „The Dentist“-Filme von Brian Yuzna hergehalten haben, die jeweils vorrangige Erzählmotive von Wellingtons Debüt aufgriffen und weiterverarbeiteten; sei es das ja bereits seit Stokers „Dracula“ rekurrierende Thema der von einer verführerischen, unweltlichen Macht attrahierten, unzufriedenen Ehegattin auf der einen oder das für derbe Verstümmelungen unglücklicher Opfer zweckentfremdete Arbeitsmaterial auf der anderen Seite. Zudem pflegt „The Carpenter“ einen sehr hübschen, wenn auch eigenwilligen schwarzen Humor, der sich insbesondere in der Gestaltung der liebevoll eingeflochtenen, zahlreichen skurrilen Nebencharaktere äußert. Von dem leider nur zu Beginn auftretenden Therapeuten (Griffith Brewer) über das übelriechend-kriminelle Arbeitervolk und Alices neuen Arbeitgeber (Richard Jutras) bis hin zu Ron Leas wunderbarem Auftritt als kaugummischmatzender Sheriff hält der Film eine ganze Armada an nahezu surreal anmutendem Personal bereit, das die schwebende Abseitigkeit des Geschehens hervorragend unterstützt. Zudem sind Lynne Adams und vor allem der wie stets verlässliche Wings Hauser, der das freidrehende Potenzial seiner Rolle beinahe brillant zu nutzen weiß, jeweils famos in ihren Hauptrollen.
Einer kritischeren Perspektive mag „The Carpenter“ in vielen Punkten nicht standhalten: Wer ein auch nur halbwegs regelkonformes slasher movie erwartet, dürfte enttäuscht sein; das pacing erweist sich als wenig dynamisch und so etwas wie Spannung oder Zug kommt im traditionellen Sinne auch nicht auf. Der Film taugt eher zu einem eigenwilligen Exempel, wie sich Gattungsmechanismen auf intelligente Weise aushebeln und ironisieren lassen. Als solches allerdings lohnt er die vertrauensvolle Begegnung.

7/10

VFW

„When you come, boy, you come sharp.“

VFW ~ USA 2019
Directed By: Joe Begos

Irgendwo in einem trostlosen Vorstadtslum steht das „VFW“, Freds (Stephen Lang) kleine, gemütliche Kneipe. „VFW“ steht für „Veterans of Foreign Wars“ und genau aus selbigen rekrutiert sich Freds Stammpublikum. Heute hat Fred Geburtstag und sämtliche seiner noch lebenden, alten Freunde sind gekommen, um mit ihm zu feiern: Mit Walter (William Sadler), Lou (Martin Kove), Doug (David Patrick Kelly) und Zee (George Wendt) war Fred einst in Vietnam, der etwas ältere Abe (Fred Williamson) hat in Korea gedient. Mit dem Jungspund Shawn (Tom Williamson) sitzt sogar ein Premierengast am Tresen, der „frisch aus der Wüste“ heimgekehrt ist. Der Abend könnte wunderbar harmonisch verlaufen, gäbe es im leerstehenden Lagerhaus gegenüber nicht gewaltigen Ärger. Dort hat sich nämlich die junge Elizabeth (Sierra McCormick), genannt „Lizard“, sämtliche Vorräte des lokalen „Hype“-Zars Boz (Travis Hammer) unter den Nagel gerissen, um diesen damit für den Tod ihrer Schwester (Linnea Wilson) zu bestrafen. Bei „Hype“ handelt es sich um eine neue Superdroge, die ihre Konsumenten extrem süchtig macht und parallel dazu in willenlose Hirnwracks, so genannte „Hypers“, verwandelt. Als sich Lizard vor Boz und seinen Leuten ausgerechnet ins VFW flüchtet, fühlen sich die alten Herren verpflichtet, der jungen Dame aus der Patsche zu helfen. Eine blutige Nacht steht bevor.

Das Belagerungsmotiv im Kino schützt eine lange Tradition vor. Ein paar auf engem Raum zusammengepferchte Helden verfügen über irgendjemanden oder irgendetwas, das eine auf der Außenseite befindliche, gewaltige Übermacht haben möchte und müssen dies mit ihrem Leben verteidigen. Klassische, respektive besonders berühmte Vertreter dieser Sub-Gattung wären Howard Hawks‘ inoffizielle Wayne-/Western-Trilogie „Rio Bravo“, „El Dorado“ und „Rio Lobo“, George A. Romeros Zombie-Startschuss „Night Of The Living Dead“ oder John Carpenters spätere diverse Variationen des Themas, allen voran natürlich „Assault On Precinct 13“. Heuer einen „Belagerungsfilm“ zu machen, muss (oder sollte zumindest) als ehrerbietende Hommage an die großen Vorbilder begriffen werden. Dass dem nachweislich rüpelhaft zu Werke gehenden Joe Begos mit „VFW“ just solcherlei vorschwebte, dafür spricht außerdem das wiederum stark an „The Expendables“ angelehnte Ensembleprinzip. Gewiss, hier sind vielleicht nicht die ganz großen Namen vertreten, die gesammelten Filmographien der Akteure präservieren, obgleich viele von ihnen selbst zu Zeiten ihrer Karrierehochs oftmals in Nebenrollen auftraten, ein strahlendes Sammelsurium vielgeliebter kleiner und großer Lieblingspreziosen von Myriaden von film buffs weltweit. Umso mehr Spaß bereitet es, den mehr oder weniger fitten roundabout-seventies (Fred „The Hammer“ Williamson bringt es sogar bereits of stolze 81, wirkt aber keinen Deut älter als seine Kollegen) bei ihrem buchstäblichen Veteranentreffen beizuwohnen. Was den Film selbst und seine Umsetzung anbelangt, so darf man keine großen Sprünge erwarten. Das gesamte Konzept bewegt sich wie anzunehmen auf sehr altersmorschen Stelzen und verlässt sich primär auf seine Besetzung, das entsprechende fan knowledge und seine herben Splattereffekte. Einzig dem Umstand, dass diese vorwiegend im blau-roten Notstromlicht von Freds Kneipe zum Einsatz kommen, dürfte die Tatsache geschuldet sein, dass „VFW“ unbeanstandet die Zensur passieren konnte, denn wie die Senioren mit den allenthalben ihr Sanktuarium flutenden Hypers verfahren, das erinnert in seiner kruden Handarbeit vielfach an die blutgetränkten Höhepunkte der Ära der video nasties.
Ebenso wie nun allerdings der Originalitätsfaktor des Ganzen zu vernachlässigen ist, sollte a priori die mögliche Antizipation einer auch nur ansatzweise ernstzunehmenden Plotstruktur aufgegeben werden; Begos inszeniert stets nach dem Gusto „tongue in cheek“ und bettet das metzlige Geschehen kurzum in irreale Saturnalien ein, die jedwede dramaturgische Logik ignorieren. Ist man bereit, diese Bedigungen in Kauf zu nehmen, mag man sich durchaus zufrieden der mußevollen Kurzweil von „VFW“ hingeben.

7/10