SAVING MR. BANKS

„I can’t abide cartoons!“

Saving Mr. Banks ~ USA/UK/AUS 2013
Directed By: John Lee Hancock

London, 1961. P.L. Travers (Emma Thompson), die Autorin und Schöpferin der legendären Kinderbuch-Nanny Mary Poppins wird bereits seit zwei Jahrzehnten von dem Studiomogul Walt Disney (Tom Hanks) um die Verfilmungsrechte an ihrer Figur angefleht. Nun, da die persönlichen Finanzen trüber werden, steht P.L. überaus widerwillig vorm Einknicken – allerdings lediglich unter für Disneys Produktionsstil nahezu untragbaren Bedingungen. Weder ein Musical solle „Mary Poppins“ werden, noch dürfe er Trickfilmsequenzen enthalten, insistiert die widerborstige Travers gleich bei ihrer Ankunft in Kalifornien. Die Reise in den staubigen Golden State bildet für sie indes zugleich eine Reise in ihre frühe Kindheit und somit in jene Tage, als sie (Annie Rose Buckley), damals noch in Australien lebend, ihren über alles geliebten Vater (Colin Farrell) an dessen zerstörerische Alkoholsucht verlieren musste. Derweil müht sich Disney, seine Interessen, die natürlich völlig konträr zu denen von Travers stehen, sukzessive durchzusetzen – um am Ende vermeintlich zu scheitern. Erst als er um P.L. Travers‘ wahre Biographie erfährt und somit auch die psychologischen Aufarbeitungstendenzen ihrer Poppins-Geschichten durchschaut, verfügt er über das nötige Rüstzeug, um sie doch noch umzustimmen.

„Saving Mr. Banks“ – natürlich, wie könnte es auch anders sein – eine Disney-Produktion, hat mich zu bitterlichem Weinen gebracht. Am Ende habe ich mich gemeinsam mit Emma Thompson durch die gesamte Film-im-Film-„Mary Poppins“-Premiere im Grauman’s Chinese Theatre geheult. Der Grund dafür ist einfach: Wie P.L. Travers als kleines Mädchen habe ich, allerdings als Jugendlicher, bei lebensunweiser Naivität völlig zwecklos gegen die übermächtige Abhängigkeit und den zermürbend langsamen, psychischen und körperlichen Zerfall meines Vaters angekämpft, nur, um wie sie am Ende kläglich zu verlieren. Ihre Motivlage so, wie der Film sie darstellt, ist somit ein offenes Buch für mich und noch viel darüber hinaus. Vor allem die als lichtdurchflutete und doch so dramatische Rückblenden eingestreuten Kindheitssequenzen mit der sensationellen Nachwuchsdarstellerin Annie Rose Buckley gingen mir immens zu Herzen und holten mich selbst zurück in Zeiten, die mich viel Unsicherheit und Schmerz gekostet haben. Dass sich in dem Film sehr viel offensiver noch die Geschichte einer Kreativprostitution verbirgt, macht ihn dann doch noch etwas zwiespältig, wobei ich mir erlaube, der Erzählung durchaus Ironie zu unterstellen. „Poor A.A. Milne“ sagt P.L. Travers einmal, als sie einen überlebensgroße Stofffigur von Disneys Bären Pu erblickt und subsummiert damit das ganze Disney-Dilemma des Weichspülens und der Klebrigkeit. Die geschäftliche Verhandlung mit Disney bedeutet, umgeben zu sein von aufdringlichem Kitsch – von Mickymäusen und Donaldducks, von Wackelpudding in lustigen Formen und Unmengen von Süßigkeiten mit extra Zuckerguss; er bedeutet einen Zwangsbesuch in Disneyland, etliches an Indoktrination, Überredungskunst und schließlich die erschöpfte Kapitulation, als Disney mit seinem letzten Überzeugungsschachzug ein Waffenstrecken forciert. Freilich lässt „Saving Mr. Banks“ P.L. Travers am Ende nicht als Verliererin dastehen – im Gegenteil versichert er selbstsicher, dass sie letztlich die richtige Entscheidung getroffen habe, indem sie Disney habe machen lassen. Dennoch versäumt er es bei aller erwartungsgemäß positiven Charakterisierung des alternden Tycoons nicht, regelmäßig zumindest sanftironisch konnotierte Zweifel zu säen. Darin liegt dann doch wieder ein schöner Verdienst dieses auch sonst wirklich schönen Films.

8/10

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ANT-MAN AND THE WASP

„Hiya champ! How was school today?“

Ant-Man And The Wasp ~ USA 2018
Directed By: Peyton Reed

Zwei Jahre nach seinem Einsatz für Captain America in Deutschland neigt sich der regierungsverordnete Hausarrest des ehemaligen Diebes, jetzigen Sicherheitsexperten und dann eben noch als Ant-Man umtriebigen Superhelden Scott Lang (Paul Rudd) dem Ende entgegen. Als er eine traumartige Vision von Henry Pyms (Michael Douglas) in der Molekularwelt verschollenen Gattin Janet (Michelle Pfeiffer) empfängt, wendet sich Scott an Pym und dessen Tochter Hope (Evangeline Lilly). Diese sind überzeugt, dass Janet eine von ihm unbemerkte, geistige Brücke zu Scott bei seinem damaligen Kurzbesuch im Mikroversum aufgebaut hat und bitten ihn nunmehr um Hilfe, um Janet aus der Quantenebene zu befreien. Probleme bereitet ihnen dabei nicht nur der emsige FBI-Agent Woo (Randall Park), der Scott unbedingt einen Bewährungsfehler anhängen will, sondern zudem noch der mit Supertechnologie dealende Schwarzmarkthändler Sonny Burch (Walton Goggins) und die durch zellulare Phasenverschiebung zum Tode verurteilte Ava (Hannah John-Kamen), die sich durch eine Tunnelöffnung in die Mikrowelt Heilung verspricht.

Im MCU ist „Ant-Man“ Scott Lang bislang immer wieder als spaßige Nebenerscheinung der sich mit sehr viel globaleren, um nicht zu sagen: universelleren Angelegenheiten plagenden Avengers aufgetreten. Sein zweites, wiederum von Peyton Reed inszeniertes Solo-Abenteuer, hält sich fest an diese junge Tradition und gewährt dem geneigten Betrachter ein wiederum einen stark komödiantisch getünchten Superheldenfilm, der zudem beliebten Miniaturisierungsklassikern wie „Fantastic Voyage“ oder „Innerspace“ seine kenntnisreiche Reverenz erweist. Mit den sattsam etablierten, witzigen Elementen des Vorgängers, darunter natürlich Langs Ex-Familie mit Töchterchen Cassie (Abby Ryder Fortson) und seine drei Nerd-Kumpels (Michael Peña, T.I., David Dastmalchian), angereichert, entspannt sich eine ordentlich an Rasanz zunehmende, actionreiche Odyssee durch San Francisco und das Microverse, das in punkto Gagdichte nochmals durch Scotts mittlerweile auf Vergrößerung ausgeweitete Fähigkeiten profitiert und das mit halsbrecherischer Kinetik zu glänzen weiß. Dabei schafft es die Story diesmal sogar, auf einen ausgesprochen sinistren Bösewicht zu verzichten – zwar haben Lang und seine Gespielen allerlei Schwierigkeiten damit, ihre Widersacher an der Nase herumzuführen, auszutricksen und auszubooten, all dies geschieht jedoch mit einer stets fluffigen Unbekümmertheit, die die wie immer gänzend dargebotene F/X-Maschinerie instrumentalisiert und nicht umgekehrt.
Im Ergebnis macht das ein prächtig aufgelegtes, sonniges, dem Erstling nahezu ebenbürtig tolles Sequel, an dessen bravourös eingeflochtenem (Mid- und Postcredits-)Ende selbst die wegen angeblich mangelhafter Kontinuität murrenden Fans aufatmen können – der Thanos-Snap macht selbstverständlich auch vor Ant-Man und seinen Freunden nicht Halt (Scotts menschengroße Avatar-Ameise, nebenbei ein formidabler Jokus-Lieferant, ausgenommen). Im Gegenteil, sie werden demnächst, wenn es gilt, den Schaden wieder geradezurücken, umso dringender gebraucht werden. Auf dass ein gezielter Wespenstich des verrückten Titanen Hirn lahmlege! Ich freue mich drauf (wie üblich) drauf wie Oskar – was auch sonst?

8/10

TO THE DEVIL A DAUGHTER

„It is not heresy and I will not recant!“

To The Devil A Daughter (Die Braut des Satans) ~ UK/BRD 1976
Directed By: Peter Sykes

Der in London lebende Okkultismusexperte und Buchautor John Verney (Richard Widmark) sagt dem ängstlichen Geschäftsmann Henry Beddows (Denholm Elliott) zu, sich um dessen Tochter Catherine (Nastassja Kinski) zu kümmern, die ihr gesamtes bisheriges Leben in einem entlegenen bayrischen Kloster zugebracht hat und laut Beddows nunmehr in höchster Gefahr vor einer Sekte schwebe. Verney, der sich zunächst nicht sicher ist, ob es sich bei der ganzen Geschichte um bloßen Mummenschanz handelt, unterschätzt dabei den Einfluss und die Kräfte von Catherines bisherigem Mentor Michael Raynor (Christopher Lee), einem willfährigen Diener des Höllenfürsten Astaroth…

Diese letzte Hammer-Kino-Produktion, bevor das Studio sich für längere Zeit dem Fernsehgeschäft zuwandte und erst mit dem 2011 veröffentlichten „The Resident“ wieder die Leinwände beehrte, hatte es unglücklicherweise nie ganz leicht. Obwohl formidabel besetzt und um einen zeitgenössisch angemessen Genretopos um Satanistenkult und Wechselbälger herumgesponnen, lassen sich heuer noch immer Stimmen vernehmen, die dem legendären Studio angesichts der angeblich sinkenden Qualität von Werken wie vor allem „To The Devil A Daughter“ seinen Schwanengesang völlig begründet in Rechnung stellen. Als Quasi-Nachfolger von „The Devil Rides Out“, dessen Vorlage ebenfalls auf den Black-Magic-Zyklus des Romanciers Dennis Wheatley zurückgeht, sollte Sykes‘ Film ursprünglich das bislang eben sehr dürftig bepflügte Okkultismusfeld der Hammer ausweiten, doch etliche Beteiligte hassten den Film gleich bei seiner Premiere. Co-Autor Christopher Wicking bezeichnete das Endresultat als Katastrophe, Hammer-Kreativkopf Michael Carreras, der gern ein alternatives Ende nachgeschoben hätte, bescheinigte ihm Kopflosigkeit. Zudem erregt das skandalträchtige Finale, in dem die damals erst vierzehnjährige Kinski in einer kurzen Einstellung völlig nackt zu sehen ist, offenbar noch immer diesbezüglich sensible Gemüter, was zumindest die verhaltene Editionshistorie des Films hierzulande miterklären könnte. Dabei macht Sykes mit dem ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen einen völlig gediegenen Job. Der Film nimmt sich und seine Geschichte angenehm ernst; Widmark und Lee geben ein großartiges Antagonistenpaar ab, das in seinen jeweiligen Rollen bestens gedeiht und selbst im unübersichtlichen Genresegment der vielen thematisch anverwandten Werke dieser Ära sticht „To The Devil A Daughter“ als atmosphärisch ansprechender Vertreter hervor.
Was somit durchaus richtungsweisend hätte sein mögen, erhielt somit leider den unberechtigten Ruch der künstlerischen Bankrotterklärung. Bleibt zu hoffen, dass dieser wirklich schöne Film irgendwann noch einmal seine verdiente, komplette Rehabilitierung erlebt.

8/10

THE BLOOD BEAST TERROR

„Electroplating! Interesting idea!“

The Blood Beast Terror (Das Blutbiest) ~ UK 1968
Directed By: Vernon Sewell

Eine furchtbare Mordserie, bei der die Opfer völlig blutleer aufgefunden werden, erschüttert das Viktorianische Königreich im Umfeld Londons. Inspector Quennell (Peter Cushing) vom Scotland Yard konzentriert seine Ermittlungen auf den Dunstkreis des Entomologen Dr. Mallinger (Robert Flemyng), der sich besonders auf die Erforschung exotischer Schmetterlingsarten spezialisiert hat. Tatsächlich könnte Quennell gar nicht richtiger liegen: Mallinger hat bereits einen Totenkopfschwärmer in Menschengröße erschaffen, der zur Lebenserhaltung frisches Blut benötigt und außerordentliche Tarneigenschaften besitzt. Dieser soll nun auch noch einen Gefährten erhalten!

Diese vierte Produktion des kurzlebigen Hammer-Epigonen Tigon British, die gelegentlich als Dublette mit Michael Reeves‘ „The Witchfinder General“ aufgeführt wurde, beweist nachdrücklich, dass und inwieweit Tony Tensers kleine Filmschmiede der großen Konkurrenz zumindest dann unterlegen war, wenn der Produktion weder ein außergewöhnlicher Regisseur noch ein findiger Autor zur Verfügung standen.
Freilich bemüht die gesamte Gestaltung von Sewells Film wohlbewusste Vorbilder: Das kostüm- und ausstattungsintensive Setting der Viktorianischen Ära gibt es hier ebenso wie den mad scientist und seine ebenso schöne wie verderbte Kreatur, deren Ursprung natürlich in den unzivilisierten Teilen der Welt zu finden ist. So fühlt man sich betreffs jener recht offensichtlichen Emulsion etwa nicht selten an John Gillings schönen (und wesentlich ausgereifteren) „The Reptile“ erinnert. Allerdings lässt sich „The Blood Beast Terror“ zugleich eine durchaus offenherzige Selbstironie nicht absprechen; diese äußert sich beispielsweise anhand einer breit ausgespielten Szene, in der Dr. Mallinger und seine Studenten sich ein hübsches Grand-Guignol-Stück ansehen, das unzweideutige Motive aus Mary Shelleys „Frankenstein“ und der West-Port-Morde vermengt und den Professor zu weiteren, galvanisch basierten Experimenten anregt. Selbiger sollte ursprünglich von Basil Rathbone gespielt werden – durchaus ein kleiner Besetzungscoup, der jedoch durch das überraschende Ableben des arrivierten Akteurs durchkreuzt wurde. Seinen Ersatz bildete Robert Flemyng, der wiederum in einer nicht unähnlichen Rolle sechs Jahre zuvor in Riccardo Fredas wunderbarem „L’Orribile Segreto Del Dr. Hichcock“ zu sehen gewesen war.
Letzten Endes lohnt sich „The Blood Beast Terror“ wohl primär für ausgesprochene Chronisten des britischen Genrekinos dieser Ära und/oder tapfere Cushing-Enthusiasten. Damit wäre ihm jedoch sein Stammpublikum reserviert.

6/10

THE MEG

„The cage won’t break.“

The Meg ~ USA/CH 2018
Directed By: Jon Turteltaub

Der lebenslustige Milliardär Jack Morris (Rainn Wilson) finanziert ein maritimes Forschungsprojekt im Südchinesischen Meer, das von dem Wissenschaftler Dr. Zhang (Winston Chao) und dessen Tochter Suyin (Bingbing Li) geleitet wird. Offenbar befindet sich unter einer Schicht aus Schwefelwasserstoff am Meeresboden in der Tiefsee ein unangetastetes, autarkes Ökosystem, in dem verschiedenste Organismen seit Jahrmillionen überlerben konnten. Nachdem ein Forschungs-U-Boot dorthin vordringt, gerät es sogleich in die Bredouille: Ein riesiger Megalodon, ein längst ausgestorben geglaubter Urzeit-Hai, attackiert und beschädigt das Schiff. Für die Rettungsaktion wird der vor einigen Jahren geschasste Profi Jonas Taylor (Jason Statham) hinzugezogen, der mit dem Megalodon – oder kurz Meg – zu allseitigem Unglauben bereits persönliche Erfahrungen gemacht hat. Es gelingt Taylor, fast alle Verunglückten zu retten, doch durch die hierfür notwendige Lücke in der Schutzschicht entkommt auch der Meg. Es gilt nun, das Monster unschädlich zu machen, bevor es allzu großen Schaden anrichten kann.

Der mit den Jahren wieder etwas aus dem kritischen Fokus geratene Scientologe Jon Turteltaub genoss noch nie das ausgesprochene Renommee, für ein Kino der wie auch immer gehobenen Ansprüche zu stehen. Als zwischenzeitliches Lieblingskind von Disney fertigte er in den 90er und 00er Jahren diverse familienfreundliche Fantasy-Filme, die mal mehr, mal weniger tendenziös auch seine persönlichen Überzeugungen trtansportierten, insbesondere den recht unleidlichen Geistesblitz-Trash „Phenomenon“ mit John Travolta. „The Meg“ war für mich ausschließlich deshalb von Interesse, weil er den Mut dazu aufbrachte, abseits von den für meinen Geschmack allzu abenzeuerlichen Syfy- und Asylum-Ergüssen endlich einmal wieder einen gefräßigen Riesenhai durch ein höher budgetiertes Leinwandspektakel schwimmen zu lassen. Was die Schauwerte und eine ganze Reihe hübscher, kleiner Ideen anbelangt, so lohnt der Film tatsächlich den Kinobesuch nebst 3D-Brille – vorausgesetzt zumindest, man mag monströse, fressgierige Meeresbewohner, und ist auch sonst bereit, sämtliche das anghängende Libretto flankierenden Prämissen zu akzeptieren. Ein kindliches Gemüt schadet gewiss ebensowenig. Als Acht- oder Neunjähriger hätte ich „The Meg“ ganz bestimmt innigst geliebt, so langte es immerhin zu einigen Schmunzeleien. Dem Film und seinem Script zugute halten kann man in jedem Fall, dass er seine Gratwanderung aus halbwegs ernstzunehmendem Monsterabenteuer und offenkundigem Tongue-in-cheek-Humor durchaus passabel meistert. Im Finale, in dem der Megalodon sich durch die Strandurlauber von Sanya Bay pflügt, kredenzt Turteltaub dann tatsächlich noch einige visuelle und komische Höhepunkte, die das vergleichsweise gemächliche pacing der ersten zwei Drittel wieder halbwegs wettmachen und, abgesehen natürlich von dem sehr jugendfreien Timbre der Gemengelage, in ihren besseren Momenten an das kunterbunte „Piranha“-Remake von Alexandre Aja und dessen Nachfolger erinnern.
Letztlich haben die vielen Jahre, in denen diese sehr freie Adaption der bislang nicht weniger als sieben Teile umfassenden Romanreihe von Steve Alten in der development hell schlummerte und in denen ich innig auf die Realisation des Projekts wartete, meine Erwartungen wohl zu gleichen Teilen hyperenthusiastisch und mürbe werden lassen. Der ultimative Monsterhai-Film abseits der „Jaws“-Tetralogie, den ich mir insgeheim erhoffte, das war mir irgendwann klar, würde ich mit „The Meg“ einmal mehr nicht zu sehen bekommen. Dass zumindest meine mittlerweile sehr gedämpfte Antizipation ihre Bestätigung fand, geht infolge dessen in Ordnung.

6/10

A QUIET PLACE

„It’s a boy.“

A Quiet Place ~ USA 2018
Directed By: John Krasinski

In naher Zukunft wird die Erde zum Opfer einer Invasion von Aliens. Die ausschließlich auf ihren Gehörsinn angewiesenen, wegen ihrer Reflexe scheinbar kaum zu tötenden Kreaturen bewegen sich blitzschnell und schlagen beim kleinsten vernehmbaren Laut zu. Für die auf einer Farm im ländlichen Teil New Yorks lebende Familie Abbott, Vater Lee (John Krasinski), die schwangere Mutter Evelyn (Emily Blunt), Söhnchen Marcus (Noah Jupe) und die ältere, fast gehörlose Tochter Regan (Millicent Simmons) wird in dieser bereits fast menschenleere Welt jede Sekunde zu einem Spießrutenlauf. Ihren Jüngsten Beau (Cade Woodward) haben die Abbotts aufgrund von Unvorsichtigkeit bereits verloren. Die bald bevorstehende Geburt des Babys veranlasst die Familie zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen, so wird eigens ein schalldichter Keller unter dem Hauptgebäude ausgebaut. Eines Tages kommt es dann doch zur befürchteten Konfrontation mit den Monstern, als Lee und Marcus die Gegend erkunden und die kurz vor der Niederkunft stehende Evelyn daheim auf einen Nagel tritt…

Wie ich erst seit „A Quiet Place“, also recht aktuell, weiß, ist John Krasinski nicht nur der Ehemann von Emily Blunt, sondern auch ein im Filmfach ziemlich umtriebiger Herr, der selbst häufig als Schauspieler arbeitet, produziert, schreibt und hiermit bereits seinen dritte Inszenierungsarbeit vorgelegt hat. Zumindest im (phantastischen) Genrefach ist Krasinski allerdings noch ein unbeschriebenes Blatt, beweist mit „A Quiet Place“ jedoch, dass er die erforderliche Klaviatur ordnungsgemäß studiert hat und beherrscht.
Zwar hatte ich (bei der eben allseits abgeackerten Motivlage um Alieninvasions-, Endzeit- und Belagerungsfilme kein Wunder) auch bei diesem Werk nie das Gefühl, etwas wirklich Neues oder gründlich Innovatives zu sehen; von dieser Erwartungshaltung, so sie denn überhaupt noch vorkommt, sollte man sich jedoch ohnehin verabschieden.
Dann bleibt ein rund um das einfallsreiche Gimmick der erzwungenen Geräuschlosigkeit entsponnenes Familiendrama, in dem es an deren vier Mitgliedern ist, das Beste aus der höchst konzentrationsabhängigen Zeit herauszuholen, in der sie leben muss. Das unabdingbare Trauma kredenzt Krasinski uns gleich als Exposition; mit dem kleinen Beau, der, unbedarft wie er ist, eine batteriebetriebene Spielzeugrakete aufheulen lässt, führt der Film auch gleich die tödliche Bedrohung ein – Beau wird auf affektiv und emotional höchst nachhallende Weise Opfer der Aliens; die Abbotts sind fortan zur stillen Trauer verdammt. Ein Zeitsprung von ein paar Monaten führt den Zuschauer zur nächsten lauernden Tragödie – ein Baby kommt. Neues Leben bedeutet in einer zur Lautlosigkeit verdammten Welt allerdings zugleich den Tod. Die insofern eingeschränkt enthusiastischen Eltern sind sich dessen sehr wohl bewusst und tun verzweifelt alles, um dem Unabwendbaren gerüstet zu begegegnen. Erwartungsgemäß spielen die bloßen Schwächen verletzlicher Menschlichkeit und die daraus resultierende Beziehungsdynamik ihnen gegen das Blatt und es gilt, einen letzten Kampf zu schlagen, der, auch das eine bewusste Konstellation, auf den traditionsträchtigen Showdown Mutter vs. Monster hinausläuft. Dass ausgerechnet die pubertierende, hörbehinderte Tochter ein probates Mittel zur Schwächung der übermächtigen Monster findet, lässt sich als hübsch zeitgemäße Volte an. Die Tatsache schließlich, dass dazwischen einige wirklich saumäßig fesselnde, bravourös arrangierte Spannungsmomente liegen, von deren Akzentuierungsgrad andere Regisseure träumen können, rundet diesen ziemlich sehenswerten Film nach oben ab.

7/10

KNIGHT MOVES

„Eventually revenge is carefully arranged.“

Knight Moves ~ USA/D 1992
Directed By: Car Schenkel

Der Schachgroßmeister Peter Sanderson (Christopher Lambert), verwitweter, alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter (Katherine Isabelle), nimmt an einem Turnier an der Küste von Washington State teil. Zeitgleich mit ihm treibt auch ein brutaler, seriell vorgehender Frauenmörder sein Unwesen in der Gegend, der bald dafür sorgt, dass Peter selbst zum Hauptverdächtigen der Polizei wird. Während die beiden ermittelnden Cops Sedman (Tom Skerritt) und Wagner (Daniel Baldwin) nicht recht wissen, wem oder was sie eigentlich glauben sollen, hält die hinzugezogene Psychologin Kathy Sheppard (Diane Lane) Peter für unschuldig. Als die merkwürdigen Verbalhinweise des Killers endlich entschlüsselt werden, ist es beinahe schon zu spät.

Da der Schweizer Carl Schenkel als ausgewiesener Genrefilmer zu jener Zeit keine Chance im deutschsprachigen Europa hatte, setzte er seine Regietätigkeit in den USA fort – mit mittelprächtigem künstlerischen Erfolg, wie ich meine. Zumindest hätten ihm bessere Scripts zur Verfügung stehen dürfen, denn aus den sukzessive gröber und, Verzeihung, zunehmend dämlicher werdenden Bücher, die er in filmische Rahmen zu setzen hatte, hätte kein noch so brillanter Filmemacher wesentlich mehr herausholen können. Ironischerweise bildete „Knight Moves“, ein völlig typischer Hochglanzthriller seiner Entstehungsperiode, Schenkels größten kommerziellen Erfolg – in Deutschland wohlgemerkt. In den USA blieb er hinter den Einspielerwartungen zurück.
Ungewöhnlich an „Knight Moves“ ist lediglich das Milieu, in dem er angesiedelt ist – das der Schachspieler, der großen Strategen und Denker, eines, das, wie der Film uns mehrfach versichert, vor Spinnern, Gestörten und Neurotikern nur so wimmelt. Nicht nur Protagonist Sanderson (für den Lambert eine herrliche Fehlbesetzung abgibt) bedarf dringend therapeutischer Unterstützung, auch seinen Sportgenossen fehlt durchweg mindestens eine Dattel an der Palme. Immerhin gelingt es Schenkel und seinem Autor Brad Mirman auf diese Weise, beim Zuschauer regelmäßige Unsicherheit bezüglich Sandersons wahren Seelenzustands zu evozieren – vielleicht ist er ja doch der Mörder? Nein, natürlich wendet sich zumindest in dieser Hinsicht alles zu Guten, wenngleich der wahre Täter sich schließlich als so dermaßen jenseits von Gut und Böse entpuppt, dass man sich leicht verdutzt fragt, wie er überhaupt so lange unentdeckt durch die Weltgeschichte (und den Film) bummeln konnte. Von derlei Illogismen und Ungereimtheiten findet sich „Knight Moves“, dem kein Groschenromanklischee zu abgestanden ist und der weder mit zeitgemäßen erotic attempts noch mit hemmungslosem overacting (Baldwin!) geizt, jedoch randvoll durchsetzt, so dass die eine oder andere weitere ohnehin nicht explizit ins Auge fällt.
Highly campy stuff!

6/10