THE BIG SHORT

„Saints don’t live on Park Avenue.“

The Big Short ~ USA 2015
Directed By: Adam McKay

Im Jahre 2006 steuert das Bankenwesen bereits zielstrebig auf seinen längst unabwendbaren Super-GAU zu. Doch hier und da gibt es clevere Analysten, die bereits um die nahende Explosion ahnen, darunter den verschrobenen Fonds-Manager Michael Burry (Christian Bale), der eine Hauptursache der dräuenden Finanzkrise erkennt: die Immobilienblase. Dahinter steht der unbeirrbare Drang selbst klammster US-Bürger, in Immobilien zu investieren, die sie niemals werden abbezahlen können. Die Banken zeigen sich davon unbeeindruckt und verschachern immer weiter und immer mehr hochdotierte Darlehen und Hypotheken, obwohl die Schuldner in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein werden, diese weiterhin regelmäßig zu tilgen. Burry entwickelt daraufhin die Idee, aus den kommenden Schuldenausfällen Kapital zu schlagen, indem er bei den großen Wall-Street-Banken sogenannte „Shorts“ erwirkt, eine Art Wetteinsatz gegen fallende Aktien und Vermögenswerte, die in Form von sogenannten CDSs bare Gewinne versprechen. Auch der gestresste Investment-Banker Mark Baum (Steve Carell), der Bankangestellte Jared Vennett (Ryan Gosling) und die beiden Nachwuchs-Privatiers Jamie Shipley (Finn Wittrock) und Charlie Geller (John Magaro) bekommen durch unterschiedliche Zufälle Wind von Burrys Riecher und springen auf den CDS-Zug auf. Am Ende profitieren sie alle aus ebenjener globalen Krise, die viele Millionen Existenzen forderte.

Nachdem Adam McKay sich zumeist vorrangig als Kollaborateur und Erfüllungsgehilfe von Will Ferrell und seinen grandiosen Albernheiten hervorgetan hatte, avanciert er nun mit „The Big Short“ zum auch außerhalb des Komödienkarussells anerkennenswerten big player. Seine bitterböse Finanzkrisen-Satire „The Big Short“ kann man sich in etwa so vorstellen wie eine modifizierte Version von Sidney Lumets Meisterwerk „Network“, bloß eben gute vierzig Jahre in die Zukunft versetzt und mit der Hochfinanz anstelle der medialen Überfrachtung als Zielscheibe seiner messerscharfen Polemik. „The Big Short“ gerät zum umfassenden, kaleidoskopartigen Amerika-Porträt; er zeigt ein Land, das vor lauter Überfrachtung aus allen Himmelsrichtungen gar nicht anders konnte als zu kollabieren. Die bahnbrechende Erkenntnis der unumstößlichen Tatsache, dass die Träume etlicher Kleinbürger ohne geregeltes Einkommen und ohne soziale Absicherungen eigentlich das bleiben sollten, was sie sind – nämlich Seifenblasen -, scheint urplötzlich jeder zu ignorieren, selbst renommierte Finanzinstitute, die Darlehen an jeden noch so unzuverlässigen Kreditnehmer zu für diesen unabsehbaren Zinskonditionen vermitteln. Ein Geschäft, dass zunächst beide Seiten zu breitem Grinsen anstimmt, nach seiner forcierten Überlastung jedoch zwangsläufig implodieren muss wie eine überhitzte Mikrowelle. Dass „The Big Short“ mit allerlei Bankerlatein hantiert, sollte niemanden abschrecken, alternative, verständlichere Termini lassen sich dafür nämlich schlicht keine finden. Außerdem erklärt das Script jedwede etwas schwieriger zu nehmende Hürde so hinreichend und pointiert, dass die gebotene Aufmerksamkeit ausreichen sollte, um zumindest halbwegs zu begreifen, mit welchen Bandagen Michael Burry und seine Nacheiferer frohgemut in Richtung des monetären Armageddon ziehen. Es bleibt ja zudem noch ein überaus spannender Film mit dem glamourösesten Hollywood-Herren-Ensemble der jüngeren Zeit (Brad Pitt hatte ich bis jetzt noch gar nicht erwähnt), der wohl zum Erlesensten zählt, was das letzte bzw. das aktuelle Kinojahr zu bieten haben.

9/10

2 Gedanken zu “THE BIG SHORT

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