FORCE 10 FROM NAVARONE

„What have you got to do? Pull the plug!“

Force 10 From Navarone (Der wilde Haufen von Navarone) ~ UK/USA 1978
Directed By: Guy Hamilton

England, 1943: Major Mallory (Robert Shaw) und Sergeant Miller (Edward Fox) haben sich kaum von den nervenaufreibenden Ereignissen in der Ägäis erholt, da wartet auch schon die nächste Geheimmission auf sie: Sie sollen den deutschen Doppelagenten, mit sie bereits in Griechenland das missliche Vergnügen unter dessen Decknamen ‚Nicolai‘ hatten, bei den jugoslawischen Partisanen ausfindig machen, ihn identifizieren und liquidieren. Das Duo schließt sich der Spezialeinheit von Lt. Colonel Barnsby (Harrison Ford) an, die den Auftrag hat, eine strategisch wichtige Brücke in den jugoslawischen Bergen zu sprengen. Der überaus turbulente Flugtransfer und die anschließende Landung fordern bereits die Leben der meisten Teilnehmer. Nur wenige der Männer kommen durch, darunter der zwischenzeitlich hinzugestoßene Deserteur Weaver (Carl Weathers). Nachdem man unangenehme Bekanntschaft mit den hiesigen Faschisten gemacht hat, kann man sich den eigentlichen Aufträgen zuwenden…

Alistair MacLeans Sequel zu seinem Roman „The Guns Of Navarone“ erschien elf Jahre nach dem Original, zwischen den beiden Verfilmungen liegen sogar ganze 17 Jahre. Anhand der beiden inhaltlich zwar eng verknüpften, stilistisch jedoch immens konträren Leinwandstücke lässt sich in exemplarischer Weise die schleichende Zäsur veranschaulichen, die das Kino in jener Phase durchgemacht hat: Von der einstigen Flamboyanz, dem monumentalen Glanz, den ein Kriegsabenteuer wie das vormals von J. Lee Thompson inszenierte auszeichnete, ist in der Fortsetzung kaum mehr etwas zu spüren. Guy Hamiltons Film wirkt eher wie ein leicht verlottertes, mit leidlicher Ironie getünchtes Männerabenteuer, dessen Kolobigkeit durch einige flapsige Bonmots in der vermutlich von Rainer Brandt erstellten, deutschen Synchronfassung noch intensiviert wird. „Force 10“ gerät so zu einem beinahe antithetischen Kriegsfilm, in dem weder der moralische Wert des Auftrags, noch die psychologische Disposition der Helden hinterfragt werden. Es geht einzig und allein um den verschlungenen, vor Illogismen nur so strotzenden Plot, der dazu noch völlig austauschbar ist und ebensogut vor jedem beliebigen anderen historisch-kombattanten Hintergrund stattfinden könnte. Shaw und Fox, die ihre Parts von den sie zuvor interpretierenden Gregory Peck und David Niven übernahmen (welche sich ihrerseits ironischerweise nur kurze Zeit später in dem nicht unähnlich gelagerten Seekriegsabenteuer „The Sea Wolves“ wiederbegegnen sollten), nahmen die ganze Sache offenbar wenig ernst und spielen so distanziert und gut gelaunt, als handele es sich bei „Force 10“ um eine reine Komödie. Die Inszenierung Guy Hamiltons schließlich evoziert deutliche Assoziationen zu dessen Bond-Filmen, so dass der Film auch noch jeglichen Rest seiner ohnehin verschwindend geringen Gattungsimmanenz verspielt. Was ihn für den Filmfreund dennoch interessant werden lässt, ist die wohl einzigartige, bald wahnwitzig erscheinende Kombination seiner internationalen Besetzung: Neben den Briten Shaw und Fox gibt es die amerikanischen Newcomer Ford und Weathers bei ihrer Karrierepflasterung zu bestaunen. Das wiederum aus „The Spy Who Loved Me“ bekannte und beliebte Duo Barbara Bach (Heldin) und Richard Kiel (Bösewicht) ist im zweiten seiner drei gemeinsamen Filme binnen drei Jahren zu sehen (der letzte war Aldo Lados „L’Umanoide“), Franco Nero schließlich komplettiert das spannende Septett als umtriebiger SS-Scherge. Eine solche Zusammenstellung durchweg sympathischer Darsteller markiert schon eine besondere Rarität, die allein die Betrachtung rechtfertigt. Ob sie sich indes für den einen oder anderen auch lohnenswert ausnimmt, wage ich an dieser Stelle allerhöchstens vorsichtig zu konstatieren.

5/10

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