THE KILLING FIELDS

„Nothing to forgive, Sydney.“

The Killing Fields ~ UK 1984
Directed By: Roland Joffé

Kambodscha, 1975. Während der Vietnamkrieg in den letzten Zügen liegt und die Evakuierung Saigons kurz bevorsteht, schicken sich die Roten Khmer im ebenfalls krisengeschüttelten Nachbarland an, den hiesigen Bürgerkrieg für sich zu entscheiden. Aus den Wirren des unübersichtlichen Konflikts berichtet der Journalist Sidney Schanberg (Sam Waterston) für die New York Times. Der einheimische Dith Pran (Haing S. Ngor) steht ihm als Dolmetscher und Türenöffner stets treu zur Seite. Als die Roten Khmer die Hauptstadt Pnomh Penh einnehmen, entschließen sich Schanberg und einige andere Reporter trotz ausdrücklicher Warnungen, vor Ort zu bleiben und ihrer Tätigkeit dort weiter nachzugehen. Auch Dith Pran bleibt bei Scharnberg und schickt seine Familie schweren Herzens ins Exil. Bald gibt es nurmehr die französische Botschaft als letzten Zufluchtsort für die zwischenzeitlich nur knapp dem Tode entronnenen Ausländer, die nach einiger Zeit dann doch endgültig zur Ausreise gezwungen werden. Der Plan, einen gefälschten Pass für Pran zu erstellen, misslingt und während Schanberg nach New York zurückkehrt und dort den Pulitzerpreis erhält, landet sein Freund in einem Umerziehungslager der Roten Khmer. Es gelingt Dith nur, zu überleben, indem er sich tumb und einfältig stellt, da Bildungsbürger und Intellektuelle ganz oben auf der Exekutionsliste der Revolutionäre stehen. Kurz vor dem Hungertod bewältigt Pran die Flucht quer über die Killing Fields, gewaltigen Massengräbern voll von den Opfern des Genozids. Nachdem er im Haus eines weniger fantatischen Khmer-Offiziers (Monirak Sisowath) Unterschlupf findet, ist er nach dessen Okkupation durch die mittlerweile involvierten Vietnamesen bald abermals zur Flucht gezwungen, diesmal  durch den Urwald. Schließlich gelingt ihm der Übergang nach Thailand, wo er Schanberg bald wiedersieht.

Roland Joffés Aufarbeitung der authentischen Begebenheiten um Sidney Schanberg und seinen kambodschanischen Freund und Kollegen Dith Pran ist ein zutiefst bewegender und schmerzhafter Film, der sich um das im Kino sonst eher selten aufbereitete Thema des von den Roten Khmer verübten Völkermordes, der wegen seines innerstaatlichen Ablaufs auch als „Autogenozid“ bezeichnet wird, zentriert. Zwischen 1975 und 1979 fiel, unter der Führung des „Ersten Bruders“ Pol Pot, eine massive Anzahl der Einheimischen der aufgrund hoffnungslos naiver Ideologisierung völlig fehlorganisierten und dezentralisierten Rebellion zum Opfer. Die geschätzte Zahl der wahlweise an Hungertod, Erschöpfung durch Zwangsarbeit, Folter oder Exekution verstorbenen Menschen reicht bis hin zu zwei Millionen, was einem Viertel der damaligen Einwohnerzahl des Landes entspricht.
Vor diesem grauenhaften historischen Hintergrund siedelt sich die von dem späteren Regisseur Bruce Robinson gescriptete Geschichte an, aus der Joffé dann sein Meisterwerk fertigen konnte. Dabei hält sich „The Killing Fields“ dezidiert von doch so  naheliegender, wilder Visualisierung fern; stattdessen erhält er nicht zuletzt durch den schwebenden Score von Mike Oldfield ein beinahe kontemplatives Äußeres. Wo andere, um nicht zu sagen: amerikanische Regisseure den Stoff genutzt hätten, um daraus womöglich ein spektakuläres, teures Actiondrama zu machen, setzt Joffé ganz auf Zurückhaltung und bewegt sich somit bewusst in der emotionalen Bandbreite seiner heimlichen Hauptfigur Dith Pran, eines kleinen, bescheidenen und pflichtbewussten Mannes voll von Geist, Loyalität und ungeheurer Willensstärke. Für dessen brillante Interpretation erhielt der promovierte Gynäkologe und Laienschauspieler Haing S. Ngor, der ein ähnliches Schicksal wie sein reales Vorbild zu durchleben hatte und dessen Frau während ihrer Niederkunft in einem Lager der Khmer starb, später einen Academy Award als bester Nebendarsteller. Sechzehn Jahre nach seiner Emigration in die USA wurde er von Mitgliedern einer Straßengang erschossen.
Neben Waterston selbst und dem jungen Julian Sands ist innerhalb der Besetzung vor allem John Malkovich als amerikanischer Fotograf Al Rockoff hervorzuheben. Interessanterweise war der reale Rockoff der einzige der an den Vorbildereignissen von „The Killing Fields“ beteiligten Protagonisten, der sich weigerte, der Filmproduktion als Berater behliflich zu sein und dessen Schilderungen, vor allem das Porträt seiner Person, auch im Nachhinein bis heute ablehnt.
Nicht nur als Bestandteil und wahrscheinlich führendes Werk eines durchweg intelligenten Zyklus von Filmen der achtziger Jahre, die (oftmals authentische oder zumindest symbolträchtige) Journalisten an Krisen- und Kriegsschauplätzen in einen dramatischen Kontext stellen, hat „The Killing Fields“ bis heute Bestand. Er ist auch ein besonders nachhaltiges Exempel dafür, welchen Beitrag das Kino zur Weltbildung zu leisten vermag.

10/10

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