Вий

Zitat entfällt.

Вий (Wij) ~ CCCP 1967
Directed By: Konstantin Yershov/Georgi Kropachyov

Während einer sommerlichen Prozessionsreise übernachtet der Theologie-Student Khoma (Leonid Kuravlyov) auf dem Hof einer knarzigen Alten (Aleksei Glazyrin), die sich bald als Hexe herausstellt. Als Khoma sich ihr nicht gefügig macht, reitet sie auf dem angsterfüllten Überrumpelten wie auf einem fliegenden Besen durch die weißrussische Nacht. Endlich gelingt es ihm, die Alte zur Landung zu zwingen, worauf er sie halbtotschlägt. Als Khoma von ihr ablässt, hat sie die Gestalt eines schönen jungen Mädchens (Natalya Varley). Am nächsten Tag wird Khoma zum Gutsbesitz eines reichen Kosaken (Vadim Zakharchenko) gerufen. Dessen Tochter Pannochka (Natalya Varley) liegt im Sterben und hat namentlich nach Khoma verlangt, um ihr die letzte Ölung zu geben. Als der widerwillig folgende Khoma vor Ort anlang, ist das Mädchen bereits gestorben. Der Kosak nötigt ihn, drei nächtliche Totenwachen bei der Verblichenen zu halten, die Khoma als die erschlagene Hexe wiedererkennt. Drei Nächte des Grauens stehen ihm bevor.

Basierend auf Nikolai Gogols 1835 erstveröffentlichen, gleichnamigen Erzählung gilt „Вий“ gemeinhin als Musterbeispiel des in der Sowjetunion entstandenen phantastischen bzw. Horrorfilms. Tatsächlich erweist sich die Verfilmung in der Verwendung von Bild und Ton als den ebenfalls um diese Ära entstandenen Ausflügen eines Mario Bava (dessen sieben Jahre älterer „La Maschera Del Demonio“ ja selbst als sehr freie Adaption von „Вий“ firmiert) in die gotische Mythen- und Sagenwelt als nicht nur thematisch, motivisch und stilistisch sehr anverwandt, sondern ebenbürtig. Es ist der Grenzgang zwischen dem noch kindlichen sense of wonder mit eher spielerischer denn schockierender visueller Effektarbeit einerseits und dem eindeutig als Erwachsenenmärchen identifizierbaren, philosophisch unterbauten Surrealismus auf der anderen Seite, der jenen Werken ihre ganz spezielle, heute noch ebensogut wie damals atembare Magie verleiht. Zwar wird man Bavas spätere, charakteristisch-expressive Farbgestaltung bei „Вий„vergebens suchen; die Seele vieler seiner Arbeiten findet man hier jedoch auch ohne Gebrauch einer Lupe wieder.
Вий“ erzählt davon, wie ein Gott kaum zugewandter, lauter Student unter Aufbietung des höchsten aller Preise letzten Endes zum Glauben findet (und am Ende gegen Geister und Dämonen doch scheitert). Der Protagonist Khoma Brut, ein Waisenjunge, ist vor allem stolz auf sein kosakisches Erbe und auf seine stets großzügig ausgereizte Trinkfestigkeit. Das Jenseitige, Spirituelle existiert für ihn höchstens im Geiste des Vodka, ansonsten reizen ihn höchstens noch die anderen, irdischen Genüsse. Nach der nächtlichen Begegnung mit der Hexe, die sich an dem ihren Schabernack mit panischer Gewalt begegnenden Khoma umgehend zu rächen trachtet, wird der junge Mann binnen drei schlafloser Nächte zum Teufel gejagt und verschwindet schließlich spurlos. Die eilends und ängstlich bemühten Bannkreise, Beschwörungszauber und Gottanrufe, die er wider den verjüngten Sukkubus anwendet, können ihm am Ende, da die Hexe den „Wij“, den König der Erdgeister mit seinen schaurigen Vasallen des Schreckens herbeiruft, nicht helfen. Ob sein Glaube zu schwach, seine Furcht zu groß, sein Frevel zu despektierlich oder möglicherweise auch die Hölle mächtiger ist als der Himmel, bleibt ein Mysterium.

9/10

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