THE NORSEMAN

„Row!“

The Norseman ~ USA 1978
Directed By: Charles B. Pierce

Im 11. Jahrhundert segelt der Wikinger Thorvald (Lee Majors) mit einigen tapferen Mannen über den Atlantik, um die Spur seines bereits vor längerer Zeit übergesetzten Vaters, des Königs Eurich (Mel Ferrer), zu verfolgen. Die Reise wird schriftlich dokumentiert von Thorvalds jungem Bruder Erik (Chuck Pierce Jr.). An der fremden Küste angelangt, tauft Thorvald die unbekannten Gestade „Vinland“. Flugs werden die rauen Nordmänner von den feindlich gesinnten Ureinwohnern mit Pfeil und Bogen attackiert. Trotz des ungemütlichen Empfangs beschließt Thorvald, eine nahe Flussmündung hinaufzusegeln. Wie sich herausstellt, hat der fremde Stamm König Eurich und einige seiner Expeditionsteilnehmer gefangen genommen und geblendet. Winetta (Susie Coelho), ein bei dem eifersüchtigen Häuptling Kiwonga (Jerry Daniels) in Ungnade gefallenes Mädchen, hilft Thorvald, die Arretierten zu befreien.

„The Norseman“, für Sam Arkoffs A.I.P. und von Hauptdarsteller Lee Majors co-produziert, bildet gewissermaßen das bucklige Stiefkind in Charles B. Pierces Œuvre als Regisseur. Inmitten seiner ausgesprochen schönen (Indianer-)Western-Tetralogie quasi als deren verstoßener Bastardsohn entstanden, frönt Pierce darin scheinbar reuelos einer recht käsig anmutenden Camp-Attitüde, die man aus seinen sonstigen Arbeiten dieser Schaffensphase in dieser Form nicht kennt. Zwar sind auch etliche von Pierces üblichen standards enthalten – zu nennen wären da einige seiner gewohnten Ensemble-Mitglieder wie Jack Elam und Jimmy Clem, die für jene Hollywood-Phase eher den großen Studiofilmen vorbehaltene Panavision-Breitwand-Photographie, der Einsatz eines Kindes (wie gehabt gespielt von Pierces Filius Chuck Jr.) in einer elementaren Rolle und die an Peckinpah angelehnten SloMo-Montagen – was jedoch überaus unüblich daherkommt, sind oftmals unfreiwillig komisch bis albern gestaltete Scriptpassagen und insbesondere die mangelnde Sorgfalt und Oberflächlichkeit im Zuge der Figurenzeichnungen, die unwillkürlich den Eindruck hinterlassen, als habe Pierce sich das Ganze mal eben zwischen zwei Gläsern Bourbon aus den Fingern gesogen. Die natives, sonst ja durchaus Pierces Sympathieträger, fungieren in „The Norseman“ mit einer Ausnahme einzig als Stichwortlieferanten für wechselseitig aufgebauschte Aggressionen und sehen alle erschreckend uniform aus mit ihren gelben Lendenschürzchen. Ähnliches gilt für die Wikinger; insbesondere über Majors mit feinrasierten Schnurbärtchen in der Titelrolle wurde sich zurecht schon mannigfaltig mockiert. Einen weiteren Gipfel der fimemacherischen Letharfgie erreicht Pierce schließlich, indem er seinem Publikum das sonnenverwöhnte Florida als raues Neufundland anzudrehen trachtet.
Es empfiehlt sich in Anbetracht all dessen, „The Norseman“ (wie in meinem Falle auch) mit gebührlichem Abstand zu seinem ansonsten weitaus beseelteren Werk jener Ära, nominell des kleinen Meisterwerks „The Winds Of Autumn“, anzusehen, um nicht ziemlich rüde aus der ansonsten durchaus obligatorisch zu nennenden Qualitätsarbeit dieses Ausnahme-Auteurs herausrupfen zu lassen.

4/10

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