HARD EIGHT

„Never ignore a man’s courtesy.“

Hard Eight (Last Exit Reno) ~ USA 1996
Directed By: Paul Thomas Anderson

Ausgebrannt und pleite sitzt John Finnegan (John C. Reilly) nach einem Vegas-Trip vor einem Wüstendiner. Das erhoffte Geld für die Beerdigung seiner Mutter konnte er nicht auftreiben. Da erscheint wie aus dem Nichts der gepflegte, ältere Sydney Brown (Philip Baker Hall) und bietet John an, ihn für seinen nächsten Casino-Besuch zurück nach Las Vegas zu kutschieren, ihn mit einem Grundbudget auszustatten und ihn beratend zu unterstützen. Der zunächst skeptische John merkt bald, dass Sydneys Zuspruch aufrichtig gemeint ist und bleibt als eine Art Mündel bei ihm. Zwei Jahre später, die beiden halten sich mittlerweile in Reno auf, hat sich Hohn in die etwas unstete Kellnerin Clementine (Gwyneth Paltrow) verliebt und hängt häufig mit dem Security-Mann Jimmy (Samuel L. Jackson) herum. Sydney wird dann eines Nachts zur Hilfe gerufen: Ein Freier weigert sich, Clementine für eine Nummer zu bezahlen und wird von ihr und John als Geisel in einem Motelzimmer gehalten. Mit Sydneys Unterstützung kann das Problem gelöst werden, John und Clementine, die mittlerweile Hals über Kopf geheiratet haben, müssen jedoch aus der Stadt verschwinden. Da versucht Jimmy, der von alledem Wind bekommen hat, Sydney mit einer unangenehmen, alten Geschichte zu erpressen, mit der unwissentlich auch John zu tun hat…

Für so ein Langfilmdebüt würde manch anderer gewiss den kleinen Finger hergeben. Paul Thomas Anderson verschaffte sich damit Mitte der Neunziger erstmals weitflächigere Aufmerksamkeit und fand sich schon bald darauf im Pantheon der vielen just auf der Abschussrampe befindlichen Nachwuchsfilmemacher wieder, über die ich erst kürzlich subsummiert als „Generation-X-Directors“ gelesen habe. Ob man diese Kategorisierung als zureichend empfinden möchte, liegt wohl in Auge und Empfinden des Betrachters – eine gewisse Verwandtschaft zur standesgemäßen Coolness und Lakonie, wie sie das alternative US-Kino jener Ära in Kombination mit einem ausgeprägten Faible für klassische, insbesondere europäische Gangsterfilme, New Hollywood und den film noir kultivierte, erweist sich im Falle von Andersons Erstem jedenfalls nicht nur als bloße Vermutung. Davon zeugt bereits die Anwesenheit des (nicht nur damals bereits) omnipräsent scheinenden Samuel L. Jackson, die Besetzung eines in professioneller Hinsicht renommierten, der öffentlichen Kenntnisnahme jedoch eher versagten Schauspielers wie Philip Baker Hall in der Haupt- (und alternativen Titel-)Rolle und natürlich eine Story, die, sorgfältig in drei Akte unterteilt, überlebensgroße Figuren, Gewalt und einen eminenten Plottwist in sich vereint. Anderson geht dabei um Einiges weniger affektiv, humorig, laut und oberflächenorientiert zu Werke als viele seiner Zeitgenossen und kann zudem einen deutlichen Hang zur Melancholie nicht verhehlen, der sich als eine Art Markenzeichen ja auch künftig noch stärker manifestieren wird. Zur Meisterschaft gereicht es noch nicht zur Gänze, aber die wird dann ja bereits mit dem nicht lange auf sich warten lassenden, nächsten Film bekleidet.

8/10

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