MAGDALENA – VOM TEUFEL BESESSEN

„Ich hab‘ nur ein wenig Kopfschmerzen, sonst geht’s mir prima.“

Magdalena – Vom Teufel besessen ~ BRD 1974
Directed By: Walter Boos

Die als brav und gottesfürchtig geltende Magdalena Winter (Dagmar Hedrich) bewohnt ein Mädchenpensionat in München. Am Aschermittwochsabend wird ihr Großvater an sein Hoftor genagelt wie einst der Heiland vorgefunden. Der ermittelnde Kommissar (Karl Walter Diess) rätselt: Wie kam der nur da dran? Magdalena derweil bekommt wie aus dem Nichts epilepsieartige Anfälle, geifert und lässt Gegenstände durch die Luft sausen. Dann fängst sie auch noch an, sich bei unpassendsten Gelegenheiten splitterfasernackt zu präsentieren und benutzt streckensweise ein höchst unflätiges Vokabular. Hier stimmt was nicht, das bemerkt neben dem Hausarzt (Peter Martin Urtel) auch Pater Conrad (Rudolf Schündler), der sogleich des Pudels Kern erschnuppert: Natürlich ist Magdalena von keinem Geringeren als dem Leibhaftigen besessen und der treibt sie zu allerlei Schabernack. Auf dem Provinzgut des Psychiater Professor Falk (Werner Bruhns) soll sich Magdalena erholen – beaufsichtigt von dem jungen Dr. Scholz (Michael Hinz), der sich sogleich in die attraktive junge Dame verguckt. Doch auch hier ist Magdalena nicht vor dem unheiligen Einfluss sicher. Es bedarf erst der Hinwendung zum Gottglauben seitens des ehernen Atheisten Professor Falk, um Magdalena zu kurieren.

Na, so ein geiles Luder! Anders als Linda Blair, die im großen, nur ein Jahr älteren Vorbild „The Exorcist“ eine fiese Dämonenfratze aufsetzte, im Original mit dem rauen Organ von Mercedes McCambridge salbaderte und Erbsensuppe in Jason Millers Gesicht kotzte, entstellt sich Dagmar Hedrich, zumindest äußerlich, in keinster Weise. Das stünde auch dem Konzept dieses von Walter Boos inszenierten Plagiats und seltenem Beispiel eines deutschen Genrefilms entgegen, welches, ganz im Geiste der damals grassierenden „Report“-Welle (in einem seiner dazugehörigen Filme hätte Boos den ganzen Driss theoretisch auch als Kurzsegment abhandeln können), den plastischen Horror des Originals mit hiesig etablierter Freizügigkeit zu kombinieren gedachte. Und dies dann auch unumwunden tat: Dagmar Hedrich war ja nun keine 12 mehr und konnte deswegen blitzen lassen, was das Zeug hielt. Einmal bekommt sie ein Paar Katzenlinsen eingesetzt, ansonsten wird jedoch penibel darauf geachtet, dass sie stets appetitlich und möglichst textilfrei auftritt. Ihre Untaten entsprechen passend dazu ihrer diabolischen Geheimwaffe Sex: Ein zuvor angespitzter Autofahrer (Sascha Hehn), der sie nächtens beim Trampen aufliest, bekommt gleich mehrere Knochen gebrochen und landet ächzend im Spital, zwei besoffene Almdudler (Anton Feichtner, Rudi Sandmayr) gehen, von Magdalena angestiftet („wer gewinnt, kann mich haben“),  aufeinander los und der arme Dr. Scholz weiß am Ende gar nicht mehr, wo ihm der Kopf steht, so oft, wie Magdalena ihn erst anmacht und dann „Vergewaltigung!“ schreit.
Die Besetzung stimmt: Man freut sich über Elisabeth Volkmann und die sonst vor allem aufgrund ihrer Synchronstimme bekannte Eva Kinsky; der den obligatorischen Polizisten spielende Karl Walter Diess sollte jedem Freund der klassischen Europa-Hörspiele ein Begriff sein. Und dann ist da vor allem noch Rudolf Schündler, der ja bekanntlich sogar zuvor bei Friedkin als Hausmeister Karl auftrat und „Magdalena“ damit kurzzeitig einen ganz besonderen Putz verehrt. Der aber nicht allzu lang hält, soviel sei wiederum garantiert.
Ein ganz wunderbar schmieriges und vor allem herrlich amüsantes Stück deutscher Kinogeschichte ist dies, von dem ich mir bittscheen baldigst eine dringend überfällige, edle DVD-Edition ins Regal stellen möchte.

6/10

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