HIGH SCHOOL CONFIDENTIAL!

„Tomorrow is a king-sized drag.“

High School Confidential! (Mit Siebzehn am Abgrund) ~ USA 1958
Directed By: Jack Arnold

Tony Baker (Russ Tamblyn) ist der Neue an der städtischen High School und er macht sogleich keinen Hehl daraus, was für ein Zahn er ist: Der Obermotz will er werden, der heißeste Typ der Schule und vor allem neuer Chef der hiesigen Gang „Wheelers & Dealers“, die mit allerlei krummen Aktionen wie etwa Drogenhandel ihr Taschengeld aufbessert. Tony kennt sich aus in der Szene. Wenn von „Gesundheitstee“, „Mary Jane“, einer „Fahrt ins Grüne“ oder „Erfischungsstäbchen“ die Rede ist, dann weiß er als Insider genau, wovon er spricht. Tatsächlich gelingt es Tony, der bei seiner ebenso üppig ausgestatteten wie nymphomanen Cousine Gwen (Mamie Van Doren) eingezogen ist, bald, Fuß in der Szene zu fassen. Er macht sich bei den Lehrern der Schule unmöglich und gewinnt damit den Respekt der anderen Kids, arrangiert sich mit seinem „Vorgänger“ J.I. (John Drew Barrymore), bendelt mit der marihuanasüchtigen Joan (Diane Jergens) an und knüpft bald Kontakt zum heimlichen Oberdealer Mr. A (Jackie Coogan) und dessen florierendem Heroingeschäft. Dass Tony in Wahrheit der Undercover-Cop Mike Wilson ist, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand…

Beware the Reckless Youth! Noch vor seinem letzten phantastischen Universal-Film „Monster On The Campus“ inszenierte Akkordfilmer Jack Arnold dieses weniger bekannte Kleinod für Albert Zugsmith und die MGM. Darin greift er mit Unterstützung einer exemplarischen Besetzung den in jenen Tagen vor allem dem B-Film vorbehaltenen Themenkomplex der lotterlebigen juvenile delinquents auf, der zuvor vor allem von den notorischen Klassikern des Subgenres wie „Rebel Without A Cause“ oder „The Blackboard Jungle“ aus der Kinotaufe gehoben und bravourös kultiviert worden war. Jenes Filmsegment, zu dem entsprechend seiner Topoi unweigerlich auch der Schau- bzw. Kampfplatz „High School“ obligatorisch zählte, bot sich an, um einerseits die Kids in den Drive-In-Kinos jubeln und knutschen zu lassen und andererseits die Elterngeneration darüber aufzuklären, wie weit es mit ihren suf das Furchtbarste gefährdeten Sprösslingen bereits gekommen war. Dieser Zielpublikums-Maxime entsprechend bedient „High Schoolm Confidential!“ jeden einzelnen erforderlichen Stereotypen mit laut kolportierender Grandezza. Wir erleben sie alle: das noch nicht zur Gänze verlorene, Marihuana-Zigaretten rauchende Mädchen (Sterling) aus bourgeoisem Hause nebst ihrem verblendeten, gleichgültigen Vater (James Todd), den greisen, überforderten Schulrektor, die erziehungsberechtigte Sexbombe ohne Übersicht (Van Doren), den Schuldealer (Barrymore), den Möchtegern-Mitläufer (Michael Landon), den diffusen Boss (Coogan) und sogar die Vertreter der existenzialistischen Gegenkultur (u.a. Philippa Fallon), die moralisch entrückten Vorboten von sozialer Zersetzung und Gammlertum! Jerry Lee Lewis kommt persönlich mitsamt Piano vorbei, um das Titelstück zu schmettern und Russ Tamblyn überrascht im weiteren Verlauf als unvermuteter verdeckter Ermittler, der das ganze Wespennest von innen aushebt.
Es muss kaum extra erwähnt werden, dass ein schmissiges Camp-Spektakel das wohlschmeckende Resultat aus all dieser biederen Kleingeistigkeit ist, die die porträtierten Rauschmittel kaum besser denn vom Hörensagen kennt und in all den Klischees badet, denen man sechzig Jahre später nurmehr mit herzhaftem Gelächter zu begegnen angetan ist. Unbedingt hörenswert auch die (authentische) deutsche Kino-Synchronisation, die mit den Starsprechern der damaligen Zeit aufwartet und verkrampft versucht, alles Mögliche zu teutonisieren, um das Dargestellte mit bundesdeutschen Verhältnissen zu analogisieren. Da wird aus Tony Baker ein „Tony Becker“ und aus „Mr. A“ – natürlich – ein „Herr X“. Wirklich formidabelst, das alles.

7/10

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