BACK TO SCHOOL

„Football is in fact a crypto-fascist metaphor for nuclear war.“

Back To School (Mach’s nochmal Dad) ~ USA 1986
Directed By: Alan Metter

Thornton Melon (Rodney Dangefield) ist als selfmade man zwar mit Übergrößen-Moden zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmänner des Landes avanciert, seine Schulbildung bewegt sich jedoch maximal auf dem Niveau zwischen Laterne ganz unten und Heckspoiler. Nachdem nicht nur diese Tatsache zur Scheidung von seiner zweiten Frau (Adrienne Barbeau) geführt hat, beschließt Melon kurzerhand, Kommilitone seines geliebten Sohnemanns Jason (Keith Gordon) zu werden und den einst übersprungenen College-Abschluss nachzuholen. Mit seiner gewohnt großen Klappe und seiner noch größeren Geldbörse wird Melon Sr. schnell zum Campus-Star, der großformatige Partys schmeißt und sich jeden Schein kostenintensiv ergaunert. Dass er sich dadurch zeitgleich jedoch mehr und mehr von Jason distanziert und auch die frisch aufkeimende Beziehung zu Literaturprofessorin Diane (Sally Kellerman) in Gefahr bringt, bemerkt der freigiebige Krösus erst ziemlich spät.

Nachdem ich stand-up comedian Rodney Dangerfield erst kürzlich mal wieder bei seiner Jahrhundert-Performance als golfender Nervenzerrer Al Czervik in Harold Ramis‘ göttlichem „Caddyshack“ bewundern durfte, fand ich es an der Zeit mir endlich auch mal weitere Filmauftritte mit ihm zu gönnen. Der mir bis dato leider unbekannte „Back To School “ lag da nahe, zumal Dangerfields Anlage seines Protagonisten Thornton Melon gar nicht mal unweit von der als Al Czervik entfernt ist. Zwar sabbelt und beleidigt Melon nicht ganz so unablässig und hektisch wie sein offenbar unter Amphetamin-Dauerbeschuss stehendes jiddisches Pendant, er haut aber grundsätzlich in exakt dieselbe Kerbe. Auch Melon ist ein neureicher Mann der großstädtischen Straße, der seine Derbheit und Vulgarität eher als persönliches Markenzeichen kultiviert denn sie schamhaft zu verbergen und der sich die unmöglichsten Dinge einfallen lässt, um zum Erfolg zu kommen. Nun ist „Back To School“ zwar gleichfalls sehr komisch, präserviert aber doch nicht ganz den anarchischen Dada-Slapstick eines „Caddyshack“ und genehmigt sich stattdessen, abseits von seiner grenzphantastischen bis märchenhaften Abwicklung freilich, die Zeit für ein paar differenzierende Zwischentöne. So stellt Dangerfield Thornton Melons Liebe zu seinem Filius (der zudem von seiner ersten, verstorbenen Frau stammt) geradezu rührend dar und verleiht selbst den romantischen Sequenzen um Sally Kellerman, in denen er zuweilen versonnen ihren Yeats-Rezitationen lauscht und schließlich selbst zum Lyrik-Versteher wird, einen unerwartet aufrichtigen Touch.
Unterstützt von einem rückblickend betrachtet formidablen Ensemble und unter Aussparung allzu derben Klamauks (der sich hier als vermutlich wirklich fehl am Platze erwiesen hätte) wird „Back To School“ somit zu einer durchaus herzerfrischenden Spielwiese für Rodney Dangerfields merklich aufgefächerte Talentspanne. Schicke Bonmots wie zwei Auftritte von Danny Elfmans ska-affiner Combo Oingo Boingo und vor allem Kurt Vonnegut in einem besonders gelungenen Cameo machen dieses kleine, etwas in Vegessenheit geratene Schmuckstück der Achtziger-US-Komödie nochmals zusätzlich geschmeidig.

8/10

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