NATTEVAGTEN

Zitat entfällt.

Nattevagten (Nightwatch – Nachtwache) ~ DK 1994
Directed By: Ole Bornedal

Die zwei besten Freunde Martin (Nikolaj Coster-Waldau) und Sven (Kim Bodnia) studieren Jura in Kopenhagen. Beide stecken zudem in festen Beziehungen und lieben es, sich gegenseitig zu dummen Streichen anzustacheln, wobei besonders Sven den Bogen häufig überspannt. Als Martin einen Job als Krankenhaus-Nachtwächter in der Pathologie annimmt, beginnt für ihn eine zunehmend grenzwertige Lebensphase, die sich besonders dadurch nachhaltig unangenehm gestaltet, dass ein nekrophiler Prostituiertenmörder die Stadt unsicher macht und Martin immer weiter ins Verdachtsvisier des ermittelnden Kommissars Wörmer (Ulf Pilgaard) gerät…

Wer wie ich seine vornehmliche Sturm- und Drang-Phase in den Mittneunzigern und möglicherweise noch dazu zu jener Zeit studiert hat, wird sich gewiss erinnern: Ole Bornedals „Nattevagten“ war eine der für die damalige Kinoära recht typischen, schwarzhumorigen (Indie-)Produktionen, auf die sich so ziemlich alle einigen konnten und deren Poster sich dementsprechend häufig unter anderem an WG-Wänden wiederfanden. Für die beiden Hauptdarsteller Coster-Waldau und Bodnia bedeutete der Film ein wesentliches Karriere-Sprungbrett, das ersteren wiederholt den Weg auf die Besetzungslisten von Hollywood-Blockbustern ebnete und zweiteren unter anderem die ersten, mitreißenden Regie-Engagements von Nicolas Winding Refn bevölkern ließ. Nicht die schlechtesten Abzweigungen, möchte man meinen. In Bornedals Film stellen die beiden ein grundsympathisches Buddy-Pärchen dar, deren unwiderstehlicher Hang zu abseitigen Mutproben ihnen oftmals höchst prekäre Situationen beschert, ihnen letzten Endes jedoch zugleich das Leben rettet. Besonders Sven/Bodnia genießt es, seine nicht selten überdimensionierten Einfälle auf die Spitze zu treiben, wobei er sich andererseits auch nicht lumpen lässt, wenn es an die Gegenleistung geht. Dennoch stehen der (deutlich braver und angepasster gezeichnete) Martin/Coster-Waldau und sein Engagement als Leichen-Bewacher im eigentlichen Zentrum des Geschehens. Bereits Martins Einführung in seinen neuen Job durch seinen greisen Vorgänger (Gyrd Løfqvist) lässt nicht nur ihn, sondern auch das Publikum erahnen, dass sich vor Ort massenhaft Potenzial für Angst- und Panikszenarien auftun lässt. Seine regelmäßigen Begehungen muss Martin jeweils mittels Schließvorgängen an unmöglichen Stellen dokumentieren und dass ein Alarmknopf, der sich in der abgeschlossenen Kühlhalle befindet, im Laufe des Films betätigt werden wird, daran besteht bereits mit der Einführung jenes schicken MacGuffin kein Zweifel mehr. Nicht zuletzt durch die Verquickung von Humor und Suspense verdeutlicht sich Bornedals eherbietige Hommage an sein Vorbild Hitchcock, dem er durch einen – insbesondere für ein Debüt – bravourös inszenierten Showdown nochmals dezidiert Tribut zollt. Vor allem Ulf Pilgaards sinistre Interpretation des psychotischen, narzisstischen Killers, der schließlich in die eigene Falle tappt und die uneingeschränkt zu den großen Leistungen ihrer Zunft gezählt werden muss, wäre ferner zu erwähnen.
Ein paar dem dann doch recht funktionalistisch gestalteten Script geschuldete Unebenheiten kann „Nattevagten“ zwar nicht verleugnen, die launige Gesamtheit dieses ungebrochen reizvollen Films verderben sie jedoch glücklicherweise auch retrospektiv nicht.

8/10

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