THE MAGIC BOX

„The original thinker – the innovator – mustn’t mind seeming a little foolish to his contemporaries. He must always look to his star…“

The Magic Box (Der wunderbare Flimmerkasten) ~ UK 1951
Directed By: John Boulting

Leider kann der englische Erfinder William Friese-Greene (Robert Donat) nicht allein für sich verbuchen, die Bilder einst das Laufen gelehrt zu haben; dazu gab es doch einige Gesinnungsgenossen, die etwa zur selben Zeit an anderen Orten der Welt ähnliche Innovationen zum Leben erweckten. Dennoch, und ebendies zeichnet Friese-Greene als Menschen aus, hängt er seinem Traum nach und entwickelt ihn weiter; wirtschaftlichem Bankrott und familiären Tragödien zum Trotze. Friese-Greene ist ein großer Ästhet und Künstler – ein Held des Geistes.

John Boultings ehrerbieterische Film-Hommage an einen Kinopionier ist zugleich eine sehr britische und, damit einhergehend, wohl auch als sehr distinguiert zu bezeichnende Reverenz an die Magie des bewegten Bildes. Tatsächlich war Friese-Greene, dessen Name zumindest nach Popularitätsmaßstäben deutlich hinter denen von Thomas Alva Edison. Louis Le Prince oder der Gebrüder Lumière ansteht, lediglich einer von mehreren Patentanmeldern, die voneinander nichts ahnten. Seine erste Frau Helena begreift, dass sich hinter dem manchmal vergesslichen, schusseligen  Eigenbrötler ein ewiger Träumer und in emotionaler Beziehung ein kleiner Junge verbirgt, dem mit Rüffel und Tadel nicht beizukommen ist. Stattdessen unterstützt sie William, wo sie nur kann, mit all ihrer Liebe und später sogar mit dem letzten Ersparten. Ihr allzu früher Tod infolge eines vor nicht ablegbarem Kummer gebrochenen Herzens reißt zugleich ein Stück von Williams Seele mit sich; vielleicht geht damit auch seine entscheidende Antriebsfeder verloren.  Seine zweite Gattin Edith (Margaret Johnston) müht sich zwar, William als Mensch zu begreifen, verzagt jedoch angesichts seiner brotlosen, von uneingelösten Wechseln überlagerten Ambitionen, dem Film zusätzlich Farbe zu schenken.
Friese-Greenes buchstäbliches, letztes öffentliches Aufbäumen findet 1921 während einer Podiumsdiskussion der Kinobesitzer in London statt, bei dem der gegenwärtige Zustand des britischen Films und Optionen für dessen Sanierung eruiert werden. Inständig flehend ersucht der seinen Zuhörern unbekannte, alte Mann, den Zauber des Kinos nicht leichtfertig aufzugeben, sondern ihm standhaft treu zu bleiben und es als Bildungsinstitution fortleben zu lassen. Daraufhin stirbt er, völlig verarmt. Der Legende nach soll er gerade genug Geld für ein Kinoticket bei sich getragen haben.
Eine dermaßene Legion britischer Schauspiellegenden gibt sich in Cameos die Ehre, dass man daraus einen Wettbewerb spinnen kann: wer erkennt die Meisten? Es ging angesichts dieser personell opulenten, bereiwilligen Unterstützung sicher nicht zuletzt auch um den Menschen als heimliches Nationalheiligtum. Die reizvolle, außerordentlich reiche Kadrage von „The Magic Box“ erinnert ferner nicht von ungefähr an den stets edlen Stil von Powell und Pressburger. Die Boultings Inszenierung so sehr unterstützende Technicolor-Kamera bediente nämlich der zu dieser Zeit zu den Größten seiner Kunst zählende Jack Cardiff; just für jene Film-Biographie, die ja nicht zuletzt auch um den ästhetischen Wert von Farbe im Film kreist, der Mann der Stunde. Die über Boultings Werk wabernde, gleichermaßen euphorische wie niederschmetternde Stimmung gemahnt indes an die vielen Biopics von William Dieterle – nur, dass deren „Helden“ oftmals ohnehin multipel besungene Vordenker waren. Im Gegensatz eben zu William Friese-Greene, dessen Bewahren „The Magic Box“ wahrscheinlich unschätzbar wertvollen Vorschub leistete.

9/10

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