THE HUMAN CENTIPEDE III (FINAL SEQUENCE)

„This is exactly what America needs!“

The Human Centipede III (Final Sequence) ~ USA 2015
Directed By: Tom Six

Nach der eingehenden Betrachtung der beiden „The Human Centipede“-Filme des niederländischen Regisseurs Tom Six (Tom Six) hat Dwight Butler (Laurence R. Harvey), der Sekretär des aus mehrerlei Gründen schwerstens überlasteten Gefängnisdirektors William Boss (Dieter Laser), die rettende Idee, um die marode Instituionskasse zu sanieren: Man müsse nur aus allen Gefangenen einen langen Tausendfüßler nach dem Vorbild der besagten Leinwandwerke machen. Das, so Dwights zwingende Logik, spare zum einen Geld und halte zum anderen die Gefangenen davon ab, ständig in ethnische oder sonstwie motivierte Zwistigkeiten zu verfallen. Nach einem Besuch des Gouverneurs (Eric Roberts) steht die Idee: Ein „Human Prison Centipede“ muss her, aber diesmal wieder hundertprozentig medizinisch akkurat, bitt’scheen.

Nach der zweiten Installation seiner gleich von Beginn als Trilogie angelegten „Human Centipede“-Saga neigte man bereits zur Hypothese, dass es hier nichts mehr zu toppen gäbe, das Fahnenstangenende des Derangements sozialer Wertmaßstäbe erreicht wäre, jede ästhetische Grenze ausgelotet und gesprengt sei. Viel zu lachen gab es nach dem durchaus komischen Original nicht um die Abstiegsgeschichte des armseligen Parkhauswächters Martin Lomax (Harvey) herum, allzu desolat und auch widerwärtig nahm sich dessen determinierter Amoklauf aus. Wollte Six also nicht gerade eine eineinhalb Stunden lang rotierende, ihr Werk tuende Kreissäge ablichten, hatte er, zumindest in Anbetracht des Steigerungsprinzips, ein Problem. Doch der lustige Holländer vollzog lediglich einen geringfügigen, formalen Kurswechsel und gibt stattdessen diesmal bislang unerreichtes Vollgas in Richtung Satire und Groteske. Mit Laser und Harvey vereinen sich die „Helden“ der beiden Vorgänger als partners in crime und, später, als Latest American Heroes ökonomischer Staatshaushaltsführung. Donald Trump wäre begeistert. Wie gehabt scheut Six sich nicht vor handlungselementarer Selbstreflexivität: Immerhin ist er selbst der Erfinder der Centipede-Idee und darf diesmal auch als solcher auftreten und sich, eine Kotzszene inbegriffen, selbst „spielen“, wenngleich es ihm hier und da sichtlich schwerfällt, ernstzubleiben. Die absolut ungeschlagene Attraktion von „Final Sequence“ jedoch ist abermals der mittlerweile 74-jährige Laser. Einem entfesselten Derwisch gleich schreit, tobt, bölkt, kreischt, flucht, tanzt, ekelt und säuft er sich durch den Film wie ein Kinski es zu seinen Hochzeiten nicht extremer bewerkstelligt hätte und dass man sich teils gar ernsthafte Sorgen um seine Gesundheit macht. Dabei genoss Laser wohl allerlei künstlerische Freiheiten; er durfte offensichtlich eine Menge improvisieren und die Gestaltung seiner diesmal kahlköpfigen Figur zu großen Teilen selbst vornehmen. Es ist ein, wenn auch hier und da anstrengender, weil fordernder, Genuss, Zeuge von Lasers Parforceritt zu sein. Etwas Vergleichbares habe ich jedenfalls, wenn überhaupt jemals, lange nicht mehr gesehen.
Wie die beiden Vorgänger ist auch „Final Sequence“, für den immerhin sogar ein bisschen vernachlässigte Schauspielprominenz (Roberts, Tommy ‚Tiny‘ Lister, Robert LaSardo, Porno-Starlet Bree Olson) zusammenkam vor allem blanke Provokation, deren erklärtes Ziel es sein dürfte, sich unglücklich oder gar versehentlich zum ihm verirrenden, armen Zuschauerseelen mit Karacho in den Unterleib zu treten und anschließend den breiten Mittelfinger entgegenzurecken. Vieles von dem, was hier an „political incorrectness“ geboten wird, wird selbst hartgesottensten Kunstfreiheitsapolegeten sauer aufstoßen und sie vielleicht zu einem verhaltenen „das ist jetzt aber nicht mehr witzig“ hinreißen. Six pfeift drauf. Wenn schon gross out, dann aber richtig und allumfassend.
Auch den einmal mehr kümmerlichst missverstandenen (die gegenwärtige imdb-Wertung ist ebenso lächerlich wie entlarvend) Abschluss der Trilogie gilt es, wenn man denn dann schon bereit ist, sich ihm auszuliefern, durchzustehen und zu bewältigen. Hat man es dann einmal geschafft, wird man um ein buchstäblich irrwitziges, pathologisches Filmerlebnis bereichert. Das große Projekt, irgendwann mal die komplette Saga am Stück zu schauen, werde ich dereinst auch noch anberaumen. Danach kann ich mich dann mit Fug und Recht als wirklich harten Typ bezeichnen. Bis dahin ist dies vielleicht sogar meine „Favourite Sequence“…

7/10

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