VICTOR VICTORIA

„I don’t care if you are a man.“

Victor Victoria ~ USA 1982
Directed By: Blake Edwards

Paris, 1934. Die englischstämmige Sopranistin Victoria Grant (Julie Andrews) ist völlig abgebrannt. Selbst am Vaudeville gelingt es ihr nicht, ein Engagement zu bekommen. Da lernt sie durch Zufall den schwulen Musiker Toddy (Robert Preston) kennen und freundet sich mit an. Toddy hat die geniale Idee, dass die ohnehin etwas burschikose Victoria sich als Mann tarnen könne, der wiederum auf der Bühne in die Rolle einer Frau schlüpft. In dem Nachtclub-Chef Cassell (John Rhys-Davies) finden sie einen dankbaren Abnehmer dieses Konzepts. Bald feiert Victoria aka Victor riesige Erfolge. Auch der aus Chicago angereiste Unterweltler King Marchand (James Garner) ist schwer von Victoria angetan, stutzt jedoch ungläubig, als sie sich nach einem ihrer Auftritte als Mann zu erkennen gibt. Marchand glaubt seiner anderslautenden Intuition und verschafft sich kurzum auch den Beweis dafür. Die nun folgende Romanze ist von allerlei Wirrungen belastet: Victoria liebt Marchand, will aber ihr Rollenspiel nicht aufgeben; er wiederum möchte nicht, dass die Öffentlichkeit ihm nachsagt, er pflege Rendez-vous mit Männern. Victoria muss eine Entscheidung treffen.

„Victor Victoria“, eine Variation von Reinhold Schünzels 1933 für die UFA entstandener Komödie „Viktor & Viktoria“, gilt gemeinhin als einer von Blake Edwards‘ besten Filmen. Ich teile diese Einschätzung nicht ganz, aus mehrerlei Gründen. Zunächst einmal tangieren mich persönlich die vielfältig aufgegriffenen Themenkomplexe rund um Genderbilder und -krisen, Homosexualität und -phobie kaum, mögen sie werkimmanent auch noch so geschickt und klug aufbereitet sein. Edwards entwickelt viel Sympathie für seine Charaktere, die er in traditionsbeflissene Screwball-Szenarien setzt, nur eben, dass sich jetzt Dinge verdeutlichen und betonen lassen, für die man sich fünfzig Jahre zuvor noch vielerlei geschickt gewählter Symbole und Bilder zu befleißigen hatte. Gerade das ist ja eines der Geheimnisse der klassischen screwball comedy; dass darin eben romantische und erotische Topoi angesprochen wurden, ohne sie feierlich zu apostrophieren. „Victor Victoria“, wie viele seiner Filme dieser Ära zweifelsohne und vor allem als Geschenk an seine Gattin Julie Andrews gedacht, praktiziert jedoch genau dies und begeht damit ganz bewusst eine gezielte Form von Eklektizismus, die man, und dies durchaus berechtigt, als kreativen Radikalschluss bewerten kann, jedoch keinesfalls muss.
„Victor Victoria“ ist gewiss ein guter Film, das lässt sich überhaupt nicht leugnen. Edwards inszeniert wie immer mit gepflegter, leichter Hand, lässt jedweden Stress von sich abprallen und sich dabei alle Zeit der Welt für seine Geschichte. Sein Ensemble ist durchweg hervorragend, die (sichtbar künstlichen) Dekors sind liebevoll in den Plot eingebunden. Allein, sein Werk berührt mich diesmal nicht. Ich liebe Edwards‘ (zu Lebzeiten von Sellers entstandene) „Pink Panther“-Filme und halte „The Pink Panther Strikes Again“ für eine der besten Komödien aller Zeiten. So ziemlich alles, was er in den Sechzigern gemacht hat, ist makellos und auch seine späten Arbeiten um Männer in der midlife crisis hauen absolut hin. Edwards war ein brillanter Filmemacher. Nur hat mich sein sonst so zielsicherer Pfeil diesmal leider knapp verfehlt.

6/10

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