LA SETTA

Zitat entfällt.

La Setta (The Sect) ~ I 1991
Directed By: Michele Soavi

Auf dem Nachhauseweg fährt die junge Hessener Grundschullehrerin Miriam Kreisl (Kelly Curtis) beinahe einen alten Mann (Herbert Lom) an, der mitten auf der Straße steht. Sorgenvoll nimmt sie den mysteriösen Alten mit zu sich nach Hause, wo er augenscheinlich bald stirbt. Jedenfalls kann Miriams eilends herbeigerufener Nachbar, der junge Arzt Frank (Michel Adatte), auch nurmehr den Tod des zerzausten Herrn feststellen. Zeitgleich mehren sich seltsame Ereignisse: Miriam empfängt einen merkwürdigen Traum, enteckt im Keller ihres Hauses einen verborgenen Raum mit einem tiefen Brunnen, in dem leuchtend-blaues Wasser steht und eine Kollegin (Mariangela Giordano) Miriams stirbt auf höchst unerwartete Weise einen gewaltsamen Tod. Dass diese Begebenheiten nur Vorboten einer sehr viel schrecklicheren Wahrheit sind, wird Miriam bald schmerzlich bewusst…

Auf den vergleichsweise wilden, etwas konfus aufbereiteten Dämonen-Horror „La Chiesa“ ließ der seinerzeit vielversprechende Michele Soavi zwei Jahre später „La Setta“ folgen, eine umgearbeitete Version der aus „Rosemary’s Baby“ bekannten Geschichte um eine junge Frau, die realisieren muss, dass sie in die Fänge einer Satanssekte geraten ist, deren Pläne vorsehen, sie zur irdischen Mutter des inkarnierten Antichristen zu machen. Wie Soavi und sein Autor Gianni Romoli diese Story renovieren, das hat durchaus Hand und Fuß und ist stellenweise geschickter umgesetzt als im großen Vorbild: Miriams komplette Biographie erweist sich als von den Satansjüngern arrangiert; kein einiger Tag in ihrem bisherigen Leben war dem Zufall überlassen. Bei dem alten Mann, der offenbar die Identität des als verschollen geltenden Satanistengurus Moebius Kelly besitzt, handelt es sich ferner um Miriams leiblichen Vater, der ihree Geschicke seit jeher aus der Entfernung steuert.
Es ist Soavis Verdienst, das Naheliegendste umgangen und darauf verzichtet zu haben, eine effektvolle, grelle Geisterbahnfahrt vom Kaliber eines Lucio Fulci vom Stapel zu lassen. Der Bluteffekte hat es für ein italienisches Genrewerk tatsächlich nur höchst wenige, stattdessen setzt Soavi vornehmlich auf die Kreierung einer rätselhaft-irrealen Stimmung sowie auf die ungeheuer ausdrucksstarke Bildsprache seines vollendet arbeitenden dp Raffaele Mertes, mit dem er leider nur dieses eine Mal zusammenarbeitete. Soavi zeigt sich von einem ganzen Fundus übernatürlicher Schriften und Ereignisse beeinflusst; seine (literarische) Reise führt ihn von Poe über Gustav Meyrink und Lovecraft bis hin eben zu Ira Levin und reale Gestalten wie Crowley, LaVey und sogar Charles Manson, den er beinahe ebenbildlich von Tomas Arana spielen lässt. Aus diesem großen Inspirationspool also keltert der leider so spärlich für das Kino arbeitende Regisseur sein schönes Werk, das (trotz der Namensnennung des Meisters) nicht ganz der halluzinatorisch geprägten Transzendentallogik der übernatürlich geprägten Argento-Filme folgt, gerade darum jedoch seine Eigenständigkeit verteidigt. Der versöhnliche Abschluss, der uns mit der Gewissheit aus dem Film entlässt, dass selbst die Essenz des Bösen im Kern ein gutes Herz besitzt, rundet „La Setta“ nochmal adäquat ab. Dass Soavi mit dem bald darauf folgenden Meisterwerk „Dellamorte Dellamore“ seinen persönlichsten, endgültigen Horrorfilm inszenierte, erscheint angesichts solch seltener Geschlossenheit nurmehr konsequent. Den chronologischen Patzer betreffs des eingehenden Einsatzes von Americas „A Horse With No Name“ (das Stück wurde anno 72 veröffentlicht und konnte somit 1970 nicht gespielt werden) verzeihe man nachsichtig.

8/10

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