NON SI SEVIZIA A UN PAPERINO

Zitat entfällt.

Non Si Sevizia A Un Paperino (Don’t Torture A Duckling) ~ I 1972
Directed By: Lucio Fulci

Das kleine apulische Dorf Accendura wird von einer grauenhaften Mordserie erschüttert, der ausschließlich Jungen im frühen Teenageralter zum Opfer fallen. Fieberhaft suchen die örtliche und die überregionale Polizei sowie der findige Journalist Martelli (Tomas Milian) nach dem Täter und fassen mehrere Verdächtige ins Auge. Doch die Spuren verlaufen allesamt im Sande. Als die psychisch gestörte Maciara (Florinda Bolkan), die in der Gegend als Hexe verschrieen ist, zugibt, etwas mit den Morden zu tun zu haben, wird man hellhörig – zumal sie ein passendes Motiv hätte. Doch auch Maciara stellt sich als unschuldig heraus, was die abergläubischen Dörfler nicht davon abhält, sie zu lynchen. Doch bald gibt es den nächsten Todesfall. Weiß die kleine, taubstumme Malvina (Fausta Avelli) etwas?

Wenn Lucio Fulci einen Giallo inszenierte, dann kam in der Regel ein Musterexempel der Gattung heraus. „Non Si Sevizia A Un Paperino“, dem, aus welchen Gründen auch immer, kein deutscher Kinoeinsatz vergönnt war und der erst jetzt, ganze 43 Jahre nach seiner Premiere, erstmals überhaupt bei uns verfügbar gemacht wird, bildet da keine Ausnahme. Möglicherweise handelt es sich sogar um Fulcis strukturiertesten, involvierendsten und reifsten Giallo; der Maestro beließ es nämlich nicht einfach bei einer konventionellen Kriminalhandlung mitsamt mysteriösem Whodunit-Einschlag, sondern ließ es sich nicht nehmen, Provinzialität, Biederbürgertum, Puritanismus und Einfalt seiner in ländlicheren Gegenden beheimateten Landsleute aufs Korn zu nehmen. Der handlungstragende Ort, ein aus bleichem Felsstein gehauenes Dörfchen, unterliegt selbst in der Gegenwart noch jahrhundertealt hergebrachten Sozialstrukturen mitsamt klar umrissenen Ständen. Es gibt vornehmlich Arbeiter und Bauern, Relikte einer Feudalfamilie, den Klerus und die Polizei. Man unterliegt noch klaren religiösen Bräuchen, die sich mit handfestem Aberglauben vermischen. Die Dörfler nehmen schwarze Magie und Hexerei für bare Münze und verwechseln Epilepsie mit Besessenheit. Dies bekommt vor allem die arme Maciara zu spüren, die einst im Verdacht stand, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und deren unehelich gezeugtes Baby zum Satanskind deklariert wurde. Tatsächlich ist die mittlerweile dem Irrsinn anheim Gefallene der Überzeugung, die Morde an den Jungen höchstselbst per Zauberei initiiert zu haben, ist de facto jedoch vollkommen unschuldig. Das hält die Väter der Opfer jedoch nicht davon ab, sie grausam zu Tode zu prügeln (Fulci lässt in diesem ebenso elegisch wie unerträglich inszenierten Aufzug vor einer Friedhofskulisse, dessen Inszenierung an die kongenialer Szenen in Italowestern erinnert, bereits jene heftige Effektarbeit walten, für die er einige Jahre später so berühmt wie berüchtigt werden sollte).
Die eigentliche Conclusio nach der bereits als dramatische Klimax zu wertenden Lynchszene erscheint dann so profan wie gattungstypisch und lässt sich im Prinzip durchaus vorherahnen: Niemand geringerer als der hiesige Padre Don Albert (Marc Porel), zu dem die Jungen des Dorfes ein besonderes Vertrauensverhältnis hegen, steckt hinter den Untaten. Es ist sein erklärtes Ziel, seine Schützlinge vor den Verlockungen und der Verderbtheit des sexuellen Erwachens zu schützen und sie daher bereits bei ersten Anzeichen entsprechender „Interessen“ zu Engeln des Himmelreichs zu machen. Dabei bleiben die im Prinzip als Heldenfiguren angelegten Figuren, die Milian und Bouchet zu spielen haben, etwas rudimentär hinsichtlich der Gestaltung ihrer Charaktere. Dass zum Beispiel etwas mit der offenbar zur Pädophilie neigenden Patrizia noch etwas mehr nicht stimmt als ihre hier und da aufkeimende Lust auf einen Joint, bleibt der Deutungshoheit des Rezipienten überlassen. Eine verschmerzbare Schwäche dieses ansonsten bewegenden, feinen Films.

8/10

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2 Gedanken zu “NON SI SEVIZIA A UN PAPERINO

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