LA NOTTE CHE EVELYN USCÌ DALLA TOMBA

Zitat entfällt.

La Notte Che Evelyn Uscì Dalla Tomba (Die Grotte der vergessenen Leichen) ~ I 1971
Directed By: Emilio Miraglia

Der seit dem Kindbettod seiner Frau Evelyn latent irrsinnige Lord Cunningham (Anthony Steffen) muss nur von Weitem eine rothaarige Frau erspähen, um neuerlich am Rad zu drehen. Er solle „doch wieder heiraten“ lautet daraufhin der sinnstiftende Rat seines Freundes und Psychiaters Dr. Timberlane (Giacomo Rossi Stuart) zur Abhilfe und tatsächlich findet sich bald eine Kandidatin in der Person der aparten Gladys (Marina Malfatti). Flugs läuten die Hochzeitsglocken, doch die verstorbene Evelyn scheint ganz und gar nicht einverstanden mit der neuen Liebe ihres Gatten und sich aus ihrem Grab erhoben zu haben, um den ohnehin bekloppten Lord noch nachträglich zu drangsalieren. Als sowohl Cunninghams behinderte Schwester Agatha (Joan C. Davis) als auch der von ihr geliebte Wildaufseher Albert (Roberto Maldera) auf gewalttätigem Wege das Zeitliche segnen, sieht es so aus, als manifestiere sich Evelyns übernatürliche Rache endgültig…

Reiche Menschen, die durch eine perfide Verschwörung in den Wahnsinn getrieben werden sollen – ein beliebtes Krimisujet, dem etwa die britische Hammer Films eine sehr schöne Trilogie gewidmet hat. Emilio Miraglia kriegt das Thema in „La Notte Che Evelyn Uscì Dalla Tomba“ lediglich insoweit in den Griff, als dass er als Regisseur den mit Abstand besten Job aller Beteiligten abliefert. Sein Gespür für Atmosphäre und seine handwerkliche Versiertheit sind es nämlich, die den Film trotz des unentwegt aus seinen Bildern triefenden Schmodders über den Durchschnitt retten. Die Story schlägt derweil diverse Volten zum Quadrat: Ist der von Western-Usual Anthony Steffen gespielte Blaublütler Cunningham am Anfang noch ein verrückter Serienmörder mitsamt ziemlich perverser Zusatznote, muss man im weiteren Verlaufe der Geschichte eine 180°-Wendung seines Charakters in Kauf nehmen – da wird er nämlich zum gelackmeierten Helden der Geschichte, der seinen Übervorteilern insgeheim weit früher als der Film uns Dummerchen verrät, auf die Schliche kommt und am Ende die passende Quittung erteilt. Dass er zumindest sein erstes (Film-)Opfer umgebracht hat, daran kann jedoch kein Zweifel bestehen, umso eigenartiger der Sinneswandel des Scripts, wobei es wohl diverse unterschiedliche Schnittfassungen gibt, die inhaltlich noch mehr oder weniger zusammenhangslos erscheinen. Dennoch: bei italienischen Genrefilmen, die in Italien gedreht sind, aber in England spielen und deren Darsteller englische Charaktere geben sollen, ist, soviel habe ich mittlerweile gelernt, irgendwie sowieso recht schnell und auch regelmäßig der deduktive Ofen aus, weil jedwede Authentizität a priori für die Katz ist und das Ergebnis sich dadurch stufenweise lächerlich zu machen droht. Dass „La Notte“ zudem immer wieder als „Giallo“ katalogisiert wird, begreife ich nicht recht, denn typische Giallo-Elemente sind hier doch bestenfalls peripher vorhanden. Auch, wenn Komponist Bruno Nicolai, der sowas eigentlich viel besser kann, sich alle nur denkbare Mühe gibt, nach Morricone zu klingen: ‚Gothic horror‘ trifft es, trotz der vollkommen irdischen Auflösung, dann wohl doch wesentlich besser.
Schiebt man obiges Geunke einmal beiseite, bleibt am Ende ein zumindest technisch und formal amtlich hergestelltes Zeitdokument mit duften Klamotten und Requisiten, dessen herzhafter Schmer besonders im Rahmen der deutschen Synchronfassung trefflich konserviert wurde.

6/10

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