IL PROFUMO DELLA SIGNORA IN NERO

Zitat entfällt.

Il Profumo Della Signora In Nero (Das Parfüm der Dame in Schwarz) ~ I 1974
Directed By: Francesco Barilli

Die unter einem schweren Kindheitstrauma leidende Laborantin Silvia Hacherman (Mimsy Farmer) wird in zunehmendem Maße von bizarren Visionen und Erscheinungen heimgesucht. Es fällt ihr zunehmend schwer, Realität und Fiktion voneinander zu trennen, während ihr Umfeld, Nachbarn und Freunde, aber auch Arbeitskollegen und Geschäftsinhaber des Viertels, kaum interessiert scheint, an dem, was Silvias extreme Stresssitituationen auslöst und bezeichnet. Eine besonders mysteriöse Rolle spielt der afrikanischstämmige Andy (Jho Jenkins), ein guter Bekannter von Silvias Freund Roberto (Maurizio Bonuglia), der Silvia nachgerade zu verfolgen und zu beobachten scheint. Schließlich begegnet Silvia einem kleinen Mädchen (Lara Wendel), das aussieht wie sie selbst in seinem Alter…

Wow. Wie ein hinterhältiger Kater (Achtung, Leitmotiv!) umschmeichelt „Il Profumo Della Signora In Nero“ den Zuschauer zunächst mit seinen opulenten Bildern und Tönen voller kontemplativer Opulenz und Kunstfertigkeit, schnurrt und bettelt um Streicheleinheiten, lässt dabei bereits eine latente Penetranz durchschimmern, nur, um ihm dann am Ende mit ausgefahrenen Krallen mitten durchs Gesicht zu wetzen! Natürlich, es braucht gar nicht lange, um dessen gewahr zu werden, steht Mimsy Farmer als Silvia in direkter Ahnreihe zweier Polanski-Protagonistinnen, nämlich der manischen Carol (Catherine Deneuve) aus „Repulsion“ und der bedrängten Rosemary (Mia Farrow) aus „Rosemary’s Baby“. Wie diese beiden ist Silvia eine intelligente, stilbewusste und hübsche junge Frau, die jedoch gleichermaßen fragil und anämisch wirkt und als bedürfe es nicht viel Aufwandes, sie fremdzusteuern oder aus der Fassung zu bringen. Ein perfektes Opfer für alle möglichen sinistren Umtriebe also. Auch ein wenig von Hitchcocks „Marnie“ (Tippi Hedren), der mich bei der letzten Betrachtung, die mir jetzt noch in den Knochen sitzt, schwer umgerissen hat, steckt in Silvia, denn wie einst Marnie Edgar musste auch Silvia als Kind miterleben, dass ihre Mutter (Renata Zamengo) eigenartige sexuelle Beziehungen pflegte, deren perverse Auswüchse das kleine Mädchen lawinenartig mit sich rissen und ihr tiefe psychische Risse zufügten, die nie verheilt sind. Die eigentliche Hinterhältigkeit von „Il Profumo“ basiert jedoch darauf, dass Barilli dieses gemächliche und dennoch nicht minder erschreckende Absteigen in die Hölle traumatischer Innenwelten bloß als Zentralfüllung für einen noch grauenhafteren Rahmen benutzt. Denn während Silvias unbehandelte Seele sie selbst und den Zuschauer weit fort trägt aus der objektiven realis, zieht sich ein längst um sie herum geknüpftes Spinnennetz immer enger, dessen Offenbarung der etwas aufmerksamere Zuschauer allerdings bereits früh im Film erahnen, den entsprechenden Hinweis jedoch möglicherweise nicht recht deuten kann, bis er zur schrecklichen Gewissheit wird. „Il Profumo“, nebenbei ein makelloses Meisterwerk, ist eine Studie des Wahnsinns – des inneren und des äußeren, wobei der äußere erst aufgrund seines ihn besonders kennzeichnenden Kollektivismus tatsächlich der ungleich fürchterlichere ist.

9/10

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