STRATEGIC AIR COMMAND

„I have to do my duty.“

Strategic Air Command (In geheimer Kommandosache) ~ USA 1955
Directed By: Anthony Mann

Trotz frischer Heirat, gemeinsamem Hausbezug mit Gattin Sally (June Allyson) und einer vielversprechenden Zukunft im Profi-Baseball lässt sich der Air-Force-Veteran Colonel Robert „Dutch“ Holland (James Stewart) mit insgeheimem Stolz nochmals für 21 Monate im aktiven Dienst verpflichten. Es gilt unter anderem, die soeben in Konstruktion befindliche, brandneue B-47-Stratojet-Staffel von verdienten Piloten testen zu lassen. Sally erträgt diesen Umstand mehr oder weniger zähneknirschend, mitsamt begleitendem Umzug von Florida nach Fort Worth. Dutch findet rasch seine Liebe zu Fliegerei zurück und auch sein militärisches Pflichtbewusstsein, das sich weder von einer gefährlichen Bruchlandung in Grönland noch von Sallys baldiger Schwangerschaft bremsen lässt. Bald steht wegen Dutchs dauernder Abwesenheit die Ehe der beiden auf dem Spiel, doch das Schicksal spielt ihnen schließlich in die Hände.

Acht Filme drehte Anthony Mann mit James Stewart zwischen 1950 und 1955. Eine der berühmtesten und fruchtbarsten Darsteller-/Regisseur-Liaisons nicht nur dieser Dekade bildete das Resultat. Darunter waren fünf große Western und drei Dramen. „Strategic Air Command“ bildete die letzte Kollaboration der beiden und zugleich auch ihre schwächste und kritikwürdigste. Vor allem vorangetrieben durch Stewart und dessen Leidenschaft als Air-Force-Pilot für die (nicht nur, aber doch hauptsächlich) militärische Luftfahrt und das SAC (Strategic Air Command) folgt Manns Werk keiner konzisen Story, sondern schildert in episodischer Abfolge gute zwei Jahre im Leben des Ehepaars Holland, primär natürlich die zivilen Einsätze und Testflüge Roberts, die freilich nicht immer ungefährlich verlaufen. Dabei ist der Film von mindestens einer solchen Faszination für die Fliegerei beseelt wie Jimmy Stewart und sein Protagonist: Akribisch werden die Konstruktion der B-36- und B-47-Bomber für den Laien erläutert, spekltakuläre und majestätische Aufnahmen zeigen die in der Sonne glänzenden Maschinen im Flug und schildern zu der schmissigen Musik von Victor Young damals Aufsehen erregende Manöver wie eine Auftankung im freien Flug. Das Ende des Korea-Kriegs lag gerade zwei Jahre zurück und das Script wird nicht müde, die Bestückung der Bomber mit Atomwaffen als unbedingt notwendige Defensivmaßnahme (!) und als Obligatorium zur Verhinderung (!!) militärischer Konflikte zu betonen, auch und besonders nachdrücklich durch die natürlich ausnehmend sympathisch gezeichnete Hauptfigur selbst. Auch die Tatsache, dass die Air Force Männer braucht, deren Pflichtverständnis grenzenlos ist und die ohne zu zögern bereit sind, ihr privates Wohl und Wehe ihren beruflichen Pflichten stets hintenanzustellen, kehrt „Strategic Air Command“ mit zunehmender Vehemenz heraus. Die Zeichnung June Allysons (in ihrer dritten Partnerarbeit mit Stewart) als zumeist affirmatives Frauchen, das dem aufrechten Helden vor allem als moralische Stütze am Boden zu dienen hat, verläuft mit wenigen Ausnahmen extrem konservativ und eindimensional. Der Annahme, dass die Kommandatur, im Film repräsentiert durch Frank Lovejoy und James Millican als leitende Offiziere,  möglicherweise primär aus betonköpfigen war mongers bestehen könnte, denen Individualität nichts gilt, wird zwar immer wieder latent geäußert, aber dann doch ebenso häufig entkräftet – das SAC, soviel versichert uns der Film mit Nachdruck, ist eine Instititution, die von unbedingt zuverlässigen, bei bester psychischer Gesundheit befindlichen Herren geführt wird und auch in den niederen Rängen mit ebensolchen bestückt ist.
„Strategic Air Command“ entstand für die Paramount im damals frisch auf den Markt gebrachten und vom Studio stolz lancierten VistaVision-Verfahren, das besonders knackige, hochauflösende 35-mm-Bilder ermöglichte und bildete somit selbst in dieser Hinsicht ein vom Publikum gern angenommenes Prestigeobjekt und eben auch eine unverhohlene Werbemaßnahme für die amerikanische Luftwaffe.
Dem Film Kriegstreiberei zu unterstellen, ginge nun zu weit, dass er indes eine unkritische, oftmals schlicht dumme Verherrlichung von Militarismus und Heldentum betreibt, jedoch nicht. Immerhin: Mit seinem zwei Jahre später folgenden „Men In War“, einem erwachsenen, bewegenden Kriegsfilm und einer formal bewusst reduzierten, unabhängig entstandenen Produktion nebenbei, relativierte Mann wiederum eindrucksvoll infolge von „Strategic Air Command“ entstehende, etwaige Verdachtsmomente betreffs seiner künstlerischen und mentalen Integrität.

6/10

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