BLISS

„Feels like I was possessed…“

Bliss ~ USA 2019
Directed By: Joe Begos

Los Angeles, die unauslotbaren Tiefen der Subkulturen…
Die Underground-Künstlerin Dezzy (Dora Madison) soll ein Gemälde für eine Klientin (Rachel Avery) fertigstellen, hängt aber in einer tiefen Schaffenspause fest. Auf der Suche nach Inspiration und Trips erhält sie von ihrem Dealer Hadrian (Graham Skipper) eine neue Droge, die wie versprochen tief einschlägt. „Diablo“ oder „Bliss“, wie der zu schnupfende Stoff genannt wird, hat ein immens hohes Aktivierungs- und Suchtpotenzial, setzt bei Dezzy jedoch auch ungeahnte kreative und physische Kräfte frei. Ihr Gemälde „wächst“, ohne dass die junge Frau sich überhaupt darin erinnern könnte, an ihm gearbeitet zu haben. Und noch unheimlichere Begebenheiten geschehen. Dezzys Freundin Courtney (Tru Collins) entpuppt sich als Vampirin, die auch Dezzy mit dem süßen Geschmack von Menschenblut vertraut macht, woraufhin diese noch eine weitere Abhängigkeit entwickelt – nämlich auf das frische, körpereigene Nass – und bei der Auswahl und Präparierung ihrer wachsenden Opferzahl alles andere als zimperlich zu Werke geht…

Joe Begos‘ dunkelrotgetünchtes, hartes Drogen- und Rock-Märchen nimmt sich ein wenig zwiespältig aus. Zum einen präserviert es ganz erfolgreich die Auswüchse des wilden Genre- und Undergroundkinos der frühen Achtziger rund um Ferrara, Henenlotter oder Cronenberg, zum anderen verwechselt es – leider – allzuoft Stil mit Vulgarität. Mit der derb gezeichneten Künstlerin Dezzy im Zentrum versichert sich Begos einer toughen Feministin als figuraler Zentrale, bei der „Bliss“ dann auch seine gesamte, kurze Spielzeit über eng verweilt. Wie alle Drogen verschafft auch jener neue Stoff, auf dessen Beutel Dealer Hadrian verführerisch „Diablo“ geschrieben hat, gleichermaßen Segen und Fluch. Die audiovisuellen Eindrücke intensivieren sich, der Sex ist unvergleichlich, die Kreativität fließt wieder ungehindert. Doch nach Abebben der Wirkung kommt das große Loch, der Dopaminspiegel sinkt, der Blutdruck steigt analog zur Nervosität. Neues Zeug muss ran, die Party muss weitergehen. Dass hinter Diablo offenbar noch mehr steckt, ein übernatürliches Element gar, das seine KonsumentInnen zu blutrünstigen Nachtgeschöpfen macht, erfährt Dezzie bereits binnen der nächsten Stunden. Sämtliche Personen ihres näheren sozialen Umfelds, die das Pech haben, ihr über den Weg zu laufen, werden zu umgehend zerfetzten Opfern ihrer neuen Sucht, derweil das Gemälde sich fortwährend weiterentwickelt – mit einem ungeahnten Hauptmotiv im Zentrum…
Dass ihre Mitmenschen und die ihnen Beziehungen anhänglichen Beziehungsgeflechte lediglich toxische Bremsklötze für Dezzy und ihren künstlerischen Werdegang darstellen, wird recht schnell eklatantes Leitmotiv. Seien es Dezzys gönnerhafter Lebensgefährte (Jeremy Gardner), ihr gieriger Agent (Chris McKenna), ihr Dealer oder Courtney nebst Anhängsel Ronnie (Rhys Wakefield) – sie alle scheinen Dezzy permanent unter ihrer jeweiligen Fuchtel zu halten und übervorteilen zu wollen. Dezzys Blutrausch hat gewissermaßen also auch psychosanitäre Gründe als großer Befreiungsschlag. Dass derweil Dora Madisons zuweilen gezwungen aufgetragene Dia- und Monologe, in denen jedes zweite ein Vier-Buchstaben-Wort ist, auf Dauer eine enervierende Wirkung ausüben, kann man angesichts des sich in der zweiten Hälfte potenzierenden Splatterfaktors aushalten lernen können. Immerhin vereinfacht die gute Songkompilation auf der Tonspur dieses Unterfangen in teils wirklich brauchbarer Varianz.

6/10

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