RECKLESS

„I don’t want to calm down. I’m sick of calming down. I’m sick of everything being okay!“

Reckless (Jung und rücksichtslos) ~ USA 1984
Directed By: James Foley

Eine stinkende, grau in graue Schwerindustriestadt in Ohio: Zwei High-School-Teenager, der aus einer Arbeiterfamilie stammende Johnny Rourke (Aidan Quinn) und die Upper-Class-Schönheit Tracey Prescott (Daryl Hannah), verlieben sich heftig ineinander. Obwohl der allzeit omnipräsente Standesdünkel ihnen alle möglichen Steine in den Weg legt, gelingt ihnen nach allerlei Irrungen und Wirrungen doch noch die gemeinsame Flucht aus dem miefigen Kleinstadtmilieu.

Love conquers all: James Foleys Regiedebüt lädt dazu ein, die vielversprechend anmutenden ersten Schritte eines jungen Filmemachers zu beobachten, der, ähnlich wie seine Protagonisten, einst eine Menge romantischer Wut im Bauch trägt. Im (amerikanischen) Teenager-Film des Jahrzehnts nimmt „Reckless“ dann auch eine vergleichsweise (obschon nicht solitäre) gesonderte Position ein: Nicht nur, dass komödiantische Elemente darin keinerlei Rolle spielen, geht es zwar auch hier um eine bestimmte Form des Sieges; diese formuliert sich allerdings nicht wie üblich in Form karrieristischer Bestrebungen und Gewinne oder gar einer Eingliederung in Establishment-Strukturen. Wo üblicherweise Sportevents, Schulabschlüsse oder Prüfungen, die Manifestierung von Individualität innerhalb einer bourgeois-gleichgeschalteten Jugend oder die umwegsgesäumte Erkenntnis der wahren Liebe im Vordergrund standen, sieht sich „Reckless“ eher als rückwärtsgewandte Hommage an die Juvenile-Delinquent-Dramen der fünfziger Jahre. So steht Aidan Quinns Figur nicht nur als Motorradliebhaber eindeutig in der Tradition der grenzverzweifelten angry young men, die Brando und Dean in jener Ära gaben, als Aufbegehrer gegen einen dem Suff und der Desillusionierung verfallenen Vater (Kenneth McMillan), dessen Malochertod schließlich die letzte noch existente Vernabelung zwischen Johnny und seiner Heimstatt kappt. Obwohl einem gänzlich diametralen Haushalt entstammend, erkennt durch seinen mittelbaren Einfluss auch Tracey, dass ihr ausschließlich aus zu befriedigenden Erwartungshaltungen bestehendes Erwachsenwerden sie alles andere als glücklich macht. Gegen alle Widerstände schafft das Paar es schließlich, sich nicht nur zusammenzuraufen, sondern auch den gemeinsamen Schritt in die Unabhängigkeit und weg von den Wurzeln zu meistern, ein verdientes, auch den Zuschauer glücklich stimmendes happy end inbegriffen.
Wie im Falle des Regisseurs bildet „Reckless“ zugleich ebenso die Leinwandpremiere Quinns wie auch das Scriptdebüt des späteren Spielberg-Adlatus und Familien-Mainstream-Regisseurs Chris Columbus, der nachträglich gegen den Foley wetterte, meinte, dieser habe sein Drehbuch massakriert und er selbst fände sich im fertigen Werk nicht mehr wieder. Über die Ausprägung Columbus‘ ursprünglicher Zeilen muss zumindest in der oberflächlichen Frage nach Gelungenheit allerdings kaum weiter nachgedacht werden, denn „Reckless“ ist auch ohnedies ein beachtliches, mitreißendes Coming-of-Age-Drama, dessen diverse Qualitätsfacetten – darunter Michael Ballhaus‘ exzellente Photographie, die hübsche Song-Zusammenstellung oder, ganz profan, Daryl Hannahs atemberaubende Sexyness zu einem durchaus geschlossenen Ganzen finden.

8/10

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